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Full text of "ARCHIV DER PHARMACIE. ZEITSCHRIFT DES DEUTSCHEN APOTHEKER-VEREINS. V. JAHRGANG, IX. BAND. 1878."

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ARCHIV 



D£B 



PHARMACIE 



Zeitschrift 



des 



Deutschen Apotheker -Vereins. 



Heraasgegoben vom Directoriam anter Redaction 



▼on 



E. Belchardt 



V. Jahrgang, IX. Band, 



Im Selbstverläge des Vereins. 
In Commission der Buchhandlung des Waisenhauses in Halle a/S. 

1878. 



ARCHIV 



DER 



PH ARMACIE 



Dritte Keihe, XII. Band, 
Der ganzen Folge CCXII. Band. 



Herausgegeben 



▼om 



Directoriain des deutschen Apothekervereins unter Bedaction 



▼ on 



E. Reichardt. ^, 



57. Jahrgang. 



Im Selbstverläge des Vereins. 
In Conuiiifiaioii der Bnchbandliug des Waisenhauses in HaUe a/S. 

1878. 



ARCHIV DER PHARMCJE. 

9. Band, 1. Hef*^/ 



^^>^^^^s^^^^^^^^M^«W^'*^^«^>'^A^ 



A. OrigiTialmittheilung^f ( ) 



Zar Oesehichte der Pharmaele. 

Von Prof. Dr. H. R. Göppert in Breslaa. 

Angeregt durch Flückiger's interessante Beiträge zur 
Gedchicbte der Pharmacie erinnerte ich mich älterer ver- 
wandter Untersuchungen und beschloss ein in pharmaceuti- 
sehen Kreisen kaum bekannt gewordenes historisches Document 
mitzutheilen, welches durch sein Alter und durch die Bedeu- 
tung seines die Zeit weit überragenden Gehaltes, wohl verdient 
der Vergessenheit entrissen zu werden. 

Nachdem am Anfange des Jahrtausendes im und in den 
nächstfolgenden Jahrhunderten deutsche Cultur in Schlesien 
sich Bahn gebrochen hatte, verbreitete sie sich so schnell, 
dass Schlesien unter andern auch im Gebiet der Medicin und 
Pharmacie, im Besitz von einer ziemlichen Anzahl wissen- 
schaftlich gebildeter ja sogar gelehrter Männer, hinter keinen 
!»einer Nachbarländer zurückstand, ja dass es vor den meisten 
sogar eine rühmliche Stellung einnahm. Wir verdanken diese 
Ermittelungen vorzugsweise den für alle solche Forschungen 
einst allzu früh verewigten hochgeschätzten Historiker Gustav 
Adolph Stenzel, welcher in seinerGeschichte Schlesiens (1854) 
ein anschauliches Büd von diesen Verhältnissen entwarf, so wie 
dem bereits gleichfalls verstorbenen Geschichtsschreiber der 
Medicin Prof. Dr. Henschel, durch dessen antiquarisch -medi- 
ciiiische Forschungen in Schlesischen Archiven und Bibliotheken 
höchst überraschende wissenschaftliche Leistungen jener Zeit 
zu Tage gefordert wurden, welche bei entsprechender Beach- 

Arch. d. Pharm. XTI. Bd«. 1. Haft. . 1 



2 H. E. Göppert, Zur Geschichte der Pharmacie. 

tung späteren Jahrhunderten , ja selbst unseren Tagen oft 
manche Yerirrungen erspart hätten. Insbesondere gilt dies 
von den medicinisch - polizeilichen Vorschriften, mit denen 
wir trotz aller Gelehrsamkeit immer noch nicht zu gedeih- 
lichem Ende zu gelangen vermögen. 

Schon am Anfange des 13. Jahrhunderts besuchte die 
heil. Hedwig, die Landespatronin Schlesiens , jeden Kranken 
ihres Gesindes und schickte ihnen Arzt und Arzneien. Es 
haben aber auch damals am Anfange des 13. Jahrhunderts 
in Schlesien eine ziemliche Anzahl Aerzte existirt, die Phy- 
siker genannt wurden. Sie befanden sich im Gefolge der 
Fürsten als ihre Leibärzte zugleich, auch wohl als ihre Eapläne. 
Denn sie waren durchgehends Geistliche, meist Mitglieder der 
Collegialstifte und practicirten, ungeachtet Pabst Honorius HI. 
eben erst den Geistlichen die Ausübung der Arzneikunde 
verboten hatte. Von ihren persönlichen Verhältnissen ist, 
ausser ihrem Namen, fast nichts bekannt, doch scheinen 
einige wenigstens in Salerno studirt zu haben. 

Vor allen Andern zeichnete sich ein Bischof Thomas 
von Sarepta aus. Er hiess eigentlich Peter, war im Jahre 
1297 geboren, und nachdem er unstreitig auf einer Universi- 
tät studirt und eine Zeit lang in andern Ländern seine Kunst 
geübt hatte, im Jahre 1336 nach Breslau gekommen, wo er 
sich im Jahre 1350 in das Prämonstratenserkloster zu 
St. Vincenz begab. Er war Kaplan und Leibarzt Herzogs 
Boleslaus m. von Liegnitz, dessen Gesundheit er, wie der 
Herzog bezeugt, öfters durch seine Heilmittel herstellte, wo- 
für ihm derselbe fürstliche Gefalle in Stanowitz im Ohlanischen 
schenkte. 

Im Jahre 1352 ward er Titular - Bischof von Sarepta. Kaiser 
Karl IV. ernannte ihn wegen treu geleisteter ärztlicher Biendte 
zu seinem ßathe und befreite sein Dorf Lossen im Oelsni- 
schen von Abgaben. Er erwarb ein ansehnliches Vermögen, 
welches er zu verschiedenen Stiftungen, besonders auch für 
Kranke seines Klosters und zum Bau einer Kapelle bei der 
Vincenzkirche in Breslau, anwendete. Er arbeitete zwei 
umfassende medicinische Werke ans, welche von grossem 



H. B. Göppert, Zur Oeschiclite der Pharmacie. 3 

Fleisae und ausgebreiteter Beleeenheit zeugen. Merkwürdig 
ist, dass er die Astronomie schon sehr bestimmt von der 
Astrologie schied, und gestützt auf Erfahrung, Vernunft, 
beilige Schrift und Kirchenväter, jede abergläubische Vorher- 
sagung aus den Gestirnen verwarf. Selbst dann, sagte er, 
wenn das von Astrologen Vorhergesagte zutreffe, geschehe 
das nur durch Zufall. Dass man die Sterne berathe, um 
Eben zu schliessen, Häuser zu bauen, oder Bäume zu pflan- 
zen, sei nicht nur thÖricht, sondern sündlich, und von der 
Kirche verboten. Allerdings könne man durch die Astrono- 
mie nicht nur die Grösse und Bahn der Gestirne bestimmen, 
Sonnen- und Mondfinstemisse vorhersagen, auch aus dem 
Auf- und Niedergange der Gestirne wohl manches Nützliche 
über die natürlichen Verhältnisse irdischer Dinge vorher- 
bestimmen, insofern man nur die Grenzen einer naturgemässen 
Kunst nicht überschreite. Wenn man aber Ueberschwem- 
nmngen und Dürre für die Zukunft vorhersagen und die Zeit 
znm Aderlasse in den Gestirnen angedeutet wissen wolle, so 
bezeuge man damit nur seine Unwissenheit in der wah- 
ren Kunst der Astronomie. Eben so ungereimt sei es, 
die verschiedenen Theile des Körpers den zwölf Zeichen des 
Thierbreises zu überweisen, Geomantie und allerlei Anderes 
zu treiben, was unter dem Schilde der Astrologie geübt werde. 
Es ist nicht unwahrscheinlich, dass dieser berühmte 
Mann als Rath EarVs IV. Veranlassung zur Abfassung der 
für diese Zeit äusserst merkwürdigen Statuten der 
Kunstärzte, Wundärzte und Apotheker, so wie 
der Arzneitaxe gab, welche sich aus seiner Zeit, 
bald nach der Mitte des 14. Jahrhunderts, in einer 
Handschrift des Kanzlers des Fürstenthums Bres- 
lau, Dietrich von Mekebach, befinden, die übri- 
gens an die vom J. 1241 durch Kaiser Fried- 
rich U gegebene mehrfach erinnern. Immer mög- 
lich, dass der Sischof Thomas diese Ordnungen selbst abfasste. ^ 



1) Ichktnn niclit umhin, diese merkwürdigen Verordnungen mit Bei- 
bebaltung der Or^ograpMe Iren dem Original hier mitsntheilen and der 

1* 



4 H. tl. Oöppeii, Zur Getckichte der Pfaftnnuie. 

YermÖge derBelben wurde die Thäti^keit derEullst- 
ärzte, der Wundärzte und der Apotheker rollig 



eDtcBTiTgeuenhait la antreUMn, in ««Ich«* üt in pturnuegntiKhen 
. Khon lingtt gvrMhsn liud. Uoch woidan ue b«niita tohon MDm>l 
»f. Dr. Klo*« im J. 1830 io A. Henk«, ZaiUchriß fDr die BtaaU- 
nbd«, IS. ErgiBinngMohrift p. SIS — 16 Tträffantlicht. 
ta innt itatnte phyaioorum «pothtc«. Tiormn at mtdisoram. 

de qaolibet in mnrati tibrm pro TiJMOti* »iiw «uro 
pro Tertone. 

loicomitGn io proprU recepta Tenditur libra pro dnobm ■eotis. 

agtJuigm I da quolibet libra pro quin- 

kpenideoB ( qoe sootii. 

Dwum BosbU et onniiun «UoTniii. 



riaee de qaoUbet und« pro duobiu i 

me «lleundrine. 

itBehirion Tsndmtar pro fertone. 

mpi d« Oiino (fuiDo)P Urr« 

TSpi uetoii iimplioii uel compoaiti 

imellii dinratioi aquilJitiei et amniuB 

oTOiD Siiapornm oum mclU 

rupi Touoij niolacij nee noD \ 

lünm Kliomm Sjropomni cum l da qaolibct libra pro tribiii 

caro UQe de nouo tirent tiue •ootia. 

looccioma de campaitribni — eaJDilibat 

r* pro acola 

[ue Toiate Aqoe — buglotaa l 

;„ mdi... R.U «-..1» ) '• '"'■'•' ■■>"■ '" "° "■*"■ 

(ne «ndicie rendstur libr» pro medio lotto 

igeoü Rorei i 

igent) Iritini mtrciBton > de quoUbat libr« pro quibque scotii. 

»llee populeon i 

9i TOMti Canomil l . , 

,. I de qDolibet libra pro quatuer «ootii. 

n et anuuum alioTum I ^ ' ^ 

lorum ongentorum 

:i benadicti reiidktar libra pro daeem Motia. 



de quolibot in massa libram 
pro qninqae icotis. 



H. &. Uöppert» Zur Geschichte der Fharroacie. 5 

T on einander getrennt. Kein Kunst- oder Wund- 
arzt durfte Apothekerei^ kein Apotheker Kunst- 

Amplaiiri eeronci, Emplaetram 

de gmllia nee bob omninni aliomm 

cmplastrorom eerotanim 

epytliimatiim Gordialum Epatioaliam, 

jätomacthalfnm juxta anthydotarium 

Kicoli et Damaseeni ael si de noao 

dictarentar per phjncimi ioxta infir- 

ndtatiiiB uarietates 

Iten n predieta, Cerota emplastra 

ineorporentar in panno uel corio 

i> loagitadin. «t Iirtitadine «ain. ( •^* l"""'"» "°»'» P" ""» ^'^- 

■mmu medioerif 

VirnpiFTe laxatine et omnium \ , 

..... ? de qttohbet imciam pro uno eooto. 

ahoram lazatiaorum J ^ '^ 

PiUnlarom lazatinamm \ 
''HA illnlA J Q*i<>i^iDlib®^ aendantur pro nno grosso. 

Pillalanim aromatieamm l yendantor pro uno grosso qnindeoim. 

CrisUre lazatianm eum om i Pro dnobus sootis et mnlo unum 

nibns snis attenencijs ) grossam. 

Itam omnia snpra scripta intelligentar de libris Sedecim nnoiarom. 

Was der arost scbribet in dy aptheke an der woge und an dem 
mosse das sal der syche geldin noch dem als das gesaozt ist. 

Oneh sal kein aptheker dem arczte teil gebin noch der arost deme 
aptheker das gewjnnes. 

Oneh mag ein icilioh syeh er neraen in welchir Apotheken her wil do 
Ton sal in der arest nicht warfen is en sy denne des syohen utabetwnngen wille. 

Oneh sal kein apotheker einep areit an syner kost noch in symem 
hnae haldin. 

Oneh sal kein apotheker heyroelich noch offinbar kunsteroxtye noch 
wvnderestye Tbin. 

Ondi sal kein knnstarcst do by sin das der aptheker dem sychen 
Bodi gehayse dy confeckt rechte lege und mache. 

Oneh mag ein knnstarcst nemen Ton syme sieben vü adtr wening 
noch dem als man im gibt wer abir das ein gedinge undir in gescheye 
das sal dar arest nicht steigen Tbir eine halbe mark dy wocbe noch oneh 
ein wnndarest über einen Tirdong. 

Oaoh ist kein aptheker syne apthekerye miteteflen eime aroste her 
eo habe denne e geswom Tor den Bathmannen alle dyse gesecse osn haldine. 

Oneh sal kein kunstarost noch wnndarest praeticyren her enbewyse 
denna e vor den Bathmannen mit brinen adir mit geosngnis das her des 
virdig sy an konst nnd an siten. 



6 H. R. Oöpperty Zur Gesohicbte der Pharoiaoie. 

oder Wundarzenei üben. Den Krämern und den 
Frauen, welche den Urin zu besehen pflegten, 
wurde verboten, Arzeneikunst und Apothekerei 
zu treiben. Kein Kunstarzt noch Wundarzt durfte in 
Breslau practiciren, der sich über seine Kunst nicht durch 
Zeugnisse vor den Rathmännem ausgewiesen hatte. 

Wundärzte mussten vor ihrer Zulassung zur Praxis vor 
den Kunstärzten eine practische Vorlesung halten, über welche 
sie geprüft wurden. Zwei gewählte Kunstärzte mussten mo- 
natlich die Apotheken und die Arzneien unter- 
suchen und es dem Käthe zur Bestrafung anzeigen, wenn 
die Arzneien nicht gut wären. Die Aerzte mussten auch 
darauf sehen, dass die Apotheker die den Kranken verschrie- 
benen Arzeneien nach Vorschrift bereiteten. Den Aerzten 
und Apothekern sollten die Rathmänner zu ihrer Bezahlung 
verhelfen. Die Kunst- und Wundärzte durften von den 
Kranken viel oder wenig nehmen, wenn sie sich aber mit 




Oach aal kein kunsarczt Practicyren her en werde denne Ton den 
andim erczten verBUcfat an lesen eine lekoze dy do kunstlich ist in der 
physiczien ane hülfe der argament ws der Philosophien und der Loyken. 

Oach sollen dy yrowen abegen dy do wassir beseen und ercste ubin 
nnd apthekerye rerkeufen demselben glich alle partyrere. 

Oach sullen czwene kunsterczte dy derczu gehorin werdin alle manden 
▼ersachen und beseen in der aptheken alle confect und dink dy dorczu 
gehorin das dy rechtuertig creftig und gut eint wo das andirs wunden 
werde des sullen dy Rathmanne ein wandil nemen noch ihsem willen. 

Oach sullen dy Bathmann den erczten und apthekem czu alle den 
Torbenanten stucken und geseozen helf in uaourczeginlich das in beyde 
Ion und schult vergolden werde ane gerichte. 

Ouch sal kein kunstarczt wundarozt und aptheker syne kunst ubin 
her en sy denne denne des wirdig und habe gesworen vor den Bathmann 
das her dyse gesecze haldin welle. 

Wer undir den obgenannten kunsterczten wund erczten adir apthekem 
dyse gesecze nicht enhilde das sullen dy Kathman von im gebessert nemcn 
als einen meineit noch irem willen. 

Hieraus ergiebt sich also unter andern, dass in Breslau bereits im 
vierzehnten Jabrhundert eine ärztliche Ueberwaobung der Apotheker 
eingeführt ward, wohl die erste in Deutschland, jedenfalls früher als in Ulm, 
wo dies nach Häser Geschichte der Medioin, 3, Bearbeit. I, S. 818 im J. 1426 
geschehen sein soU. 



II. E. Göppeit, Zur Geschiclite der Pharm aoie. 7 

denselben darüber vorher yertragen hatten, durfte das für 
den Arzt nieht höher sein, aU wöchentlich eine halbe 
Mark (2 Thl. 27 Sgr.) und für den Wundarzt ein Vierdung 
(1 ThL ISVj Sgr.). Kein Apotheker sollte einen Arzt 
in seiner Kost oder in seinem Hause halten, und 
den Siechen sollte freistehen, sich die ihnen vom Arzte ver- 
schriebenen Arzeneien machen zu lassen, in welcher Apo- 
theke es ihnen gefallen würde. 

Diese Festsetzungen mussten Kunstärzte, Wundärzte 
und Apotheker beschwören, und es wurden die Ueber- 
tretungen als Meineid bestraft. 

Die Arzeneien, welche damals sehr zusammengesetzt 
waren, sind hauptsächlich nach den Vorschriften des berühm- 
ten salemitaner Arztes Nicolaus und des arabischen Arztes 
Johann von Damaskus angegeben, welche auch in den Ver- 
zeichnissen ausdrücklich genannt werden. 

Es ist sehr schwer zu ermitteln, seit wann sich in 
Schlesien Apotheken befanden, d. h. Anstalten hauptsächlich 
zur Anfertigung von Arzeneien. Zur Kramerei rechnete man 
nemlich ausser anderen Gegenständen besonders Pfeffer, Ing- 
wer, Nägelein, Muskaten, Muskatenblumen, Zinmitrinde, Para- 
dieskömer, Zucker, Zuckennehl und andere Gewürze, aus 
denen damals vorzugsweise Arzeneien bereitet wurden. Die 
Krämer verkauft;en auch eingemachte Früchte, und ihre 
Läden wurden wie andere, z. B. der Fleischer, insgesammte 
auch Apotheken genannt. Es ist daher nicht gewiss, 
ob die in Schweidnitz im J. 1264 und in Glogau im J. 1281 
urkundlich erscheinenden Apotheken nur Kramladen oder 
zugleich Apotheken, hauptsächlich zur Anfertigung von Arze- 
neien gewesen, doch ist das letztere wahrscheinlich. Jeden- 
fallB kann man nicht zweifeln, dass der Magister Peter 
Apotheker in Glogau und in den Jahren 1331 und 1333 am 
Hofe des Herzogs ein eigentlicher Apotheker gewesen , wie 
schon seine akademische Würde darthut. Wir finden auch 
seit dem Anfange des 13. Jahrhunderts häufige Anwendung 
von Arzeneien, namentlich Pulver, Salben und Pflaster bei 
Geschwülsten, Lähmungen^ Gicht, Quartanfieber; Slutfluss und 



6 H. B. Göppst, Z>r Gnebiehte d«r Fhanueic. 

Angenkranliheiten, and dass man uch bei Anvendang der- 
selben der Aerxte bediente. 

Aach ane andern nrkondlichen Nachrichten läsat sich 
entnehmen, daas, wie ans obigem aich von Belbat rereteht, 
auBser in Breslau und den Uer genannten Orten noch in 
leaiechen Städten bereits Apotheken existirten. 
lest es in einer Urkunde des Neieser Erenzstiftes : 
15. Febr. wurde ein Zina von einer Uark dem 
Apotheker, Bn^er zu Keisse (Nicoiao Apothecario, 
») verkauft (Prof. Aug. Kästner, Gescbicfate der 
der Stadt Neisse. Vierzehnter Bericht der Ffailo- 
eisee vom März 1S63 bis za Harz 1865. S. 2.) 
aslan selbst haben gewiss ftüher schon Apotheken 
doch wird erst 1410 ein Apotheker Namens Angaetin 
Bis zum J. 1687 begnügte man sich mit 4 Offixinen, 
D Widerstreben kam in diesem Jahre eine 5te hinzu, 
in nächsten Jahrhunderte noch i folgten. Gdgen- 
tzt Breslau 20 bei freilich fast verrierfacfater Ein- 
, die sich auf 240,000 belauft, 
lieser nrkundlichen Schilderung einer längst ver- 
m Tergangenheit kann man ersehen, welche 
i, das Wohl der Bevölkerung betreffende medicinal- 
1 Vorschriften bereits am Anfange unseres Jahr- 
sHasseu wurden, in einer Zeit, die wir als bar- 
zn betrachten pflegen, und noch dazu in einem 
laen Ebenbürtigkeit mit dem übrigen Deats<^land 
a oft auch heut selbst noch nicht gelten lassen will. 
1 femer bedenkt, wie sich jene Verordnungen 
üt einigen Modificationen bis auf die heotige Zeit 
d sehr bewährt haben, ist es nur zu beklagen« 
in der Gegenwart, durch unheilvolle Ideen vom 
getrieben, diese ausgezeichnete alle Verhältnisse 
in erspriesslichen Schranken haltenden Normen 
seitigen beabsichtiget, ja schon zum Tfaeil durch 
og zu beklagende gänzliche Freigebung der 
D Praxis, bereits sogar schon aufgehoben hat 



£d. Sehaer, Chinarinden in Amsterdam. 9 

Schon BoUte man an maassgebenden Orten wohl Reue 
hierüber empfinden angesichts der Nothwendigkeit, dem Ge- 
heimmittelschwindel entgegen treten zu müssen, dem 
sich nicht blos Laien, sondern auch viele die Würde der 
^'iBsenschaft vergessende Aerzte hingeben. Man sollte wahr- 
lich nicht daran denken, auch das Apothekergewerbe 
in den Strudel missgedeuteter Gewerbefreiheit 
zü ziehen, wodurch nicht weniger als durch jene früher 
getroffenen Maassnahmen Gesundheit und Leben der Bevöl- 
kerung auf das Aeusserste gefährdet werden. 



BotaDlseher Congress (Abtheilang: Chinarinden) nnd 

Ausstelliing pharmaoeutisch wiclitiger Pflanzenpro- 

dnete zu Amsterdam, im April 1877. 

Von Prof. £d. Schaer in Zürich. 

Wie hoch oder niedrig man von diesem oder jenem 
Gesichtspunkte aus wissenschaftlichen Nutzen nnd fördernden 
Einflnss der Congresse anschlagen nnd wie man überdiess 
über innern Werth, Zweckmässigkeit und moralische Wirkung 
der Ausstellungen denken mag, inunerhin wird mit Freudig- 
keit zugestanden werden dürfen, dass diese beiden Unter- 
nehmungen, an denen unser verkehrslustiges und verkehrs- 
fähiges Zeitalter eher üeberfluss als Mangel aufweist, nament- 
lich nach zwei Kichtungen hin wesentliche Yortheile und 
Lichtseiten bieten, die um so dauernder und idealer sein wer- 
den, je mehr neben nationalem und persönlichem Ehrgeiz auch 
die neutralen Bestrebungen der Humanität und die objectiven 
Ziele der Wissenschaft zur Geltnng gelangen. Einmal nem- 
lich bQden Congreese nnd Ausstellungen, die ohnehin so 
Tielfach verbunden zn werden pflegen, zumal für Fachleute 
^s wissenschaftlichen Berufsarten, eine unschätzbare Gelegen- 
heit, sei es durch Anschauung sei es durch Anhörung all- 
gemem gehaltener Diecussionen, Referate und Vorträge, IJeber- 
sidit und in spedelleii Fragen wohl auch Orientirung nicht 
nur über den Stand von Handel und Gewerbe, sondern 



10 Ed. Schaer, Chinsriiideii in AmsterdaxD. 

namentlich über Inhalt und Fortschritt mancher ausgedehnter 
wissenschaftlicher Disciplinen, wie Botanik, Geologie, Astro- 
nomie, Medicin, Archaeologie u. s. w. zu gewinnen, und im 
Weiteren ist die vielseitige Anregung und Belehrung hoch 
zu schätzen, die wir der Begegnung mit gelehrten Männern 
und Forschem aller Richtungen sowie dem Ideenaustausch 
im weiten Verkehr mit denselben verdanken und zumal dann 
willkommen heissen, wenn Litteratur und Studium allein wissen- 
schaftliche Bedenken und Zweifel nicht zu heben oder auch 
gewisse vorgefasste Meinungen nicht zu beseitigen vermögen. 

Mit diesen Gedanken über die Bedeutung der Ausstel- 
lungen und Congresse ist auch der Verf. dieser Zeilen, welche 
leider durch besondere Verhältniese bedeutende Verspätung 
erfahren haben, nach der Hauptstadt der Niederlande geeilt, 
um, bei allerdings beschränkter Zeit, wenigstens das pharma- 
ceutisch- wichtigste mit anzusehen und anzuhören; auch glaubt 
er seiner Befriedigung über so manches, was ihm dort gebo- 
ten, nicht bessern Ausdruck geben zu können, als durch Mit- 
theilungen einiger Kotizen über dasjenige, was, unberührt 
von dem ephemeren Charakter aller Ausstellungen und Zu- 
sammenkünfte, bleibenderes Interesse vor dem Forum der 
Pharmacie beansprucht. 

Die Amsterdamer internationale Ausstellung war in erster 
Linie dem Gartenbau resp. der Eunstgärtnerei und in zweiter 
der Ausstellung einiger Gruppen von Fflanzenproducten 
gewidmet, unter welchen als besonders wichtig für die Tech- 
nik und den Grosshandel Pflanzenfasern, Baumwolle, Eaout- 
chouk und Gutta -Fercha, Krapp, Tabak, Fette und äther. 
Oele und endlich Chinarinden zunächst zur Geltung kamen. 

In organischem Zusammenhange mit der Ausstellung war 
der botanische Congress angeordnet worden, der in die drei 
grossen Abtheilungen für wisseuschaftliche Botanik, Eunst- 
gärtnerei und Pflanzenproducte zerfiel, wobei füJr die letztere 
Abtheilung noch die besondern Sectionen: Baumwolle, Tabak, 
Chinarinden, Krapp und Indigo, Papier vorgesehen waren. 
Die Betheiligung am Congresse und insbesondere an der Aus- 
stellung, bei dieser sowohl seitens der Aussteller als seitens 




Ed. Schaer, CLiiiu.iiiiltii in Amsterdani. 11 

ler Besucher, darf als eine bedeutende bezeichnet werden; 
und in der That, kaum dürfte, mit einziger Ausnahme Eng- 
lands, ein Land so berechtigte Ansprüche auf Abhaltung 
suleher Zusammenkünfte erheben können, als die Niederlande, 
welche durch altberühmte Blumencultur in grösstem Maass- 
stabe, durch Anlegung ausgedehnter, hochwichtiger Colonien 
in den fruchtbarsten Districten Ostasiens, in neuerer Zeit 
ffanz besonders durch das grossartige Unternehmen der Ueber- 
«iedlung und Acelimatisirung der Chinarindenbäume nach Java 
unbe*5trittene Anerkennung auf dem Felde der Blumenzucht und 
bedeutsamen Einfluss sowohl im Gewürz- und Colonialwaaren- 
handelals auf dem Gebiet medicinischer Droguen erlangt haben! 

In den nachstehenden Zeilen sollen einige Mittheilungen 
über die Chinarinden- Section des Congresses sowie über 
die pharmaceutisch wichtigsten Objecto der Ausstellung gege^ 
ben und dabei auch wohl einiger Pfianzenstoffe von allge- 
meinerem Interesse gedacht werden. 

Die feierUohe Eröffiaung des Congresses, an welchem 
zunachBt die Mitglieder der Ausstellungs-Jury, die Abgeord- 
neten der Regierungen und auch die Delegirten eingeladener 
Gesellschaften von Rechtes wegen Theil nahmen, fand Frei- 
tag den 13. April im Concertsaale des zoologischen Gartens 
der Gesellschaft „Natura artis magistra" zu Amsterdam statt, 
und wurden hierbei die Eröfifiaungsworte von dem Ehren- 
Viisidenten , dem wissenschaftlich - hochgebildeten Prinzen 
Heinrich der Niederlande, gesprochen. Darauf hin folgten 
mehrere, gleich wie die Eröffnung, in französischer Sprache 
gehaltene Begrüssungsreden, zunächst von Prof. Rouwenhoff 
von Utrecht, Präsidenten der Congresscommission, Bürgermei- 
ster Den Tex von Amsterdam, Minister des Innern J. Heems- 
kerk u. A. m., welche zumeist die Zwecke der Ausstellung 
und des Congresses zum Gegenstande nahmen und, an der 
Hand interessanter historischer Rückblicke, namentlich auf 
<iie Erfolge der niederländischen Regierung in der Cultur der 
Cinchonen auf den holländischen Besitzungen Java's hinwiesen. 

Nach Bestellung der nothwendigen Formalitäten und 
Bezeichnung der Vorsitzenden für die einzelnen Congress- 



12 AL Seiner, Chiiuiudai in Amitcrdam. 

abtheilungen wurde die erste allgemeine Congresssitziiiig 
gescbloBseD und zugleich die Sitzung der Coogress-Section 
,9 Chinarinden '^ auf Nachmittags 2 Uhr desselben Tages im 
Gesellschafts -Gebäude ^Tot Kut ran't Algemeen' angesetzt. 
Hier fanden sidi zu dieser Stunde durch seltenes Rü- 
stiges Geschick die in der Chinarinden -Frage maassgebendsten 
Persönlichkeiten zusanunen, um über die neueren Er&hmngen 
im Gebiete der Cinchonologie zu discutiren, und es gewahrte 
ein eigenthnmlich erhebendes und befriedigendes Gefühl, in 
diesen kleinen Xreis hochYerdienter Manner der Wissenschaft 
und Praxis zu treten. Unter dem Vorsitze von Dr H. A. Wed- 
dell in PoitierSy dem wohlbekannten Autor des „Histoire natu- 
relle des Quinquinas'' und gründlichsten botanischen Kenner 
der Cinchonen, versammelten sich J. £. Howard aus London, 
einer der eifrigsten Förderer der Chinacultur in Brittisch - 
Indien und ausserdem als Mitbesitzer einer der bedeutendsten 
Chininfabriken Europas sowie als Verfasser werthvoller 
illustrirter Werke (Nueva Quinologia of Ruiz and Pavon ; 
The Quinology of the East Indian plantations) über die 
chemischen, botanischen und commerciellen Verhältnisse der 
Chinarinden Amerikas und Indiens in hohem Grade competent; 
der in langjährigem Eifer um die Wohlfahrt der ostindischen 
Chinaculturen, als im Dienste einer guten Sache bewährte 
Dr. J. E. De Vrij in Haag; der thatkräftige, gewiegte Bota- 
niker C. Hasskarl in Cleve, dessen Name als Leiter der 
ersten niederländischen Expedition zur IJebersiedelung der 
Cinchonen nach Java mit der ostasiatischen Cultur der Cin- 
chonen bleibend verbunden sein wird; nächstdem drei wohl- 
bekannte Deutsche, der ehrwürdige Prof. Dr. Phoebus ans 
Giessen, ein gründlicher Kenner der Chinarinden, der in einer 
Zeit kaum beginnender wissenschaftlicher Erkenntniss dieser 
Drogue durch mikroskopische Bearbeitung und anatom. Be- 
schreibung der Rinden von Delondre und Bouchardat den 
richtigen Weg bahnte; die beiden bewährten Chemiker der 
grössten Chininfabriken Deutschlands, Dr. G. Kemer in Firma 
Zimmer in Frankfurt, und Dr. Jul. Jobst in Firma Jobst zu 
Feuerbach- Stuttgart, sodann der gelehrte, weit über seines 



Sd. Sehaer, Chinarindeii in Amsterdaift. 13 

Landes Grenzen geschätzte holländische Fhannakognost Prof. 
Oademans, der treffliche Fharmaceut und Chemiker A. S. Bijk 
Yom Hause Ailly & Zoonen in Amsterdam, der verdiente 
Phannakologe und Botaniker der Wiener Uniyersität, Prof. 
Dr. Vogel und endlich ( — last, not least) der hochgebildete 
und liebenswürdige Professor G. Planchon, Nachfolger Gui- 
bourt's als Lehrer der Pharmakognosie an der Ecole de 
pharmacie zu Paris. In diesem gewichtigen Kreise yermissten 
die Theilnehmer und zumal auch der beiwohnende Schreiber 
dieser 2ieilen ihren Freund und CoUegen F. A. Flnckiger von 
Strassburg, dessen Verdienste um übersichtliche wissenschaft- 
liche Darstellung der Eenntniss der Chinarinden sich, unter- 
stützt durch vielfache Erfahrungen über anatomisch -chemische 
ätructnr derselben, besonders in der monographischen Be- 
handlang der Chinarinden im Lehrbuche der Pharmakognosie 
(Berlin 1867) sowie in der Besprechung der China in der 
„Pharmacographia'' (London 1874) offenbaren und es lebhaft 
bedauern Hessen, diesen Forscher an der Theilnahme verbin- 
dert zu wissen. — 

Um der wichtigsten Yerhandlungsgegenstände des China- 
rindencongresses kurz zu gedenken, so sei zunächst bemerkt, 
dass unter den ersten Fragen die „Benewing of barks" in 
längerer Discussion behandelt wurde, nemlich jene bekannte 
durch den englischen Obergärtner Mac Ivor zuerst in den 
Pflanzungen der Neilgherries versuchte und ausgebildete 
Methode der Erneuerung der Binde an entrindeten Stellen 
der Stämme durch Moosbedeckung. Unter solcher Behand- 
lung entwickelt sich bekanntlich bei gunstigen Verhältnissen 
die neue Binde nicht nur verhältnissmässig rasch, sondern 
bildet auch eine grössere Menge von Alkaloid, zumal von 
Chinin, so dass der Alkalo'idreichthum in den „mossed barks^' 
zuweilen das Doppelte bis nahezu Dreifache des in der ersten 
Binde gefundenen beträgt, wenn allerdings auch diese sehr 
starke Vermehrung nicht als Begel zu betrachten ist. Der 
Congress erhielt namentlich aus dem Munde von J. £. Ho- 
ward Aufklärung über die Methodik dieser systematischen 
Emeuenmgsart , welche nicht ohne besondere Cautelen, so- 



14 £d. Schier, Cbinariaden in Amsterdam. 

woU bei der Yorgängigea Entfernung der Eindenlängsstreifen 
in bestimmten Abständen am Banmumfange, als auch bei 
der weitem Operation der Bedeckung auszuführen ist. Con- 
statirt wurde hierbei, dass die Mac Ivor sehe Methode des 
„mossing/' vor der Hand wenigstens, sich nicht zu allgemei- 
ner Einfuhrung bei sämmtlichen Cinchonenculturen zu eignen 
scheint, da sehr wesentliche Differenzen des Erfolges sich 
sowohl bei verschiedenen Species von Cinchona als nament- 
lich bei verschiedenen klimatischen Verhältnissen zeigen, wie 
denn z. B. in den ungeföhr unter 30^ nördL Breite liegenden 
Chinapflanzungen von Darjeeling (Provinz Sikkim) jene Me- 
thode des „renewing*' wenn auch keineswegs negative, doch 
bis jetzt wenig erhebliche positive Kesultato geliefert hat. 

Dagegen wurde allgemein als wünschbar hervorgehoben, 
dass namentlich in den Pflanzungen der holländischen Regie- 
rung auf Java, wo eine systematische Einfuhrung dieses 
Kunstgriffes noch nicht stattfand, sorgfaltige und umfassende 
Versuche sowohl bei verschiedenen Cinchonenspecies , als 
auch bei Bäumen verschiedenen Alters und verschiedener 
Standorte an die Hand genommen werden, um auf diesem 
Wege zur Entscheidung der Frage beizutragen, innerhalb 
welcher Grenzen und unter welchen Bedingungen das eng- 
lischerseits zuerst empfohlene Verfahren des „mossing of 
barks" sichern Erfolg und nennenswerthen Vortheil ver- 
spreche. Demzufolge beschloss die Gonferenz, der niederlän- 
dischen Kegierung diese Methode zur probeweisen Einführung 
in den Chinadistricten Java's warm zu empfehlen, sowohl in 
Hinsicht auf die eventuellen materiellen Vortheile des „mos- 
sing process '* als namentlich behufs Erweiterung der wissen- 
schaftlichen Erfahrungen. 

Im Weitem entspann sich eine allerdings kürzere Dis- 
cussion über die Frage des Sitzes der Alkalo'ide in der Binde, 
wobei insbesondere Dr. Weddell die frühern Ansichten über 
diesen Punkt historisch beleuchtete und als Ergebniss der 
neuem Untersuchungen die auch von den übrigen anwesen- 
den Fachmännern adoptirte Annahme hinstellte, dass die 
AlkfiloiHe. darunter das in erster Linie wichtige Chinin, in 



Ed. Scbaer, CliiBariDden in Amsterdam. 15 

dem parenchymatiscben Grewebe, d. h. in den Parenchymzellen 
der den Basttheil benachbarten Mittelrinde, sowie der Innen- 
nnde ihren Sitz haben , keineswegs aber in den Bastzellen 
oder Baströhren selbst, deren ininimer zuweilen constatirter 
Alkaloidgehalt von secundären Ursachen (Eindringen yon 
Alkalo'id aus der Umgebung u. a. m.) abzuleiten sein dürfte. 
Dieses als richtig anznuehmenden Sachyerhaltes ungeachtet, 
bleibt immerhin noch die etwas schwierige gründliche Erle- 
digung der Frage pendent, ob die Parenchymzellen ohne 
Unterschied, oder aber insbesondere diejenigen in nächster 
Nachbarschaft der Bastfaserzellen, welche häufig bis weit in 
die Mittelrinde vorgeschoben und ausserdem bekanntlich in 
Terschiedenster Art gruppirt nind, die Alkalo'ide enthalten, 
sowie auch, in wie weit diejenigen Stellen des Querschnittes 
der Binden, wo J. £. Howard zuerst bei Anfertigung mikrosko- 
pischer Schnitte die Ablagerung von Alkaloidkrystallen be- 
merkte, als Sitz der Alkalo'ide, jene Krystalle selbst aber als 
prsformirt zu betrachten sind. 

Ohne Zweifel dürfte wohl, namentlich mit Bücksicht auf 
die angedeuteten noch unsicheren Punkte, die Anhandnahme 
von Untersuchungen über den Sitz der Alkalo'ide, sowohl in 
frischen Binden (vom Baume weg) als besonders bei den 
„renewed and mossed barks'' (in denen möglicherweise etwas 
andere Verhältnisse obwalten) als wünschbar bezeichnet wer- 
den und wurde denn auch vom Beferenten dieses Desiderium 
unter kurzer Motivimng vorgelegt, in der Voraussetzung, 
dass die bezüglichen Versuche in erster Linie in den ost- 
aaiatiscfaen Chinapflanzungen resp. den dort befindlichen ver- 
schiedenen Stationen vorzunehmen wären« 

Auch die therapeutischen Wirkungen der verschiedenen 
Chinaalkalo'ide wurden Gregenstand einer langem Besprechung, 
bei welcher freilich einige Meinungsdifierenzen über die Frage 
obwalteten, ob, namentlich für die Verhältnisse in den eng- 
lischen und holländischen Besitzungen in Ostindien, die fa- 
brikmässige Herstellung und Verwendung eines aus den 
gemeinschaftlich gefällten Alkalo'iden dargestellten nicht che- 
misch reinen, etwas gefieirbten Präparates (inmierhin aus der 



16 £d. Schaer, Chinarinden in Amsterdam. 

krystalliniechen Form der gemengt vorhandenen Chinaalkalo'ide 
bestehend) zu befürworten oder aber, mit Rücksicht auf mög- 
lichst sichere, leicht controUirbare nnd vergleichbare Wirkung 
der Alkaloide die Herstellung und Benutzung der chemisch 
getrennten und annähernd chemisch reinen Alkaloide und 
Alkaloidsalze nach dem Modus der europäischen Fabrikation 
(ien Vorzug verdiene, üeber die einzelnen Voten in dieser 
während eines kurzen Congresses kaum lösbaren Frage soll 
hier nicht weiter berichtet, dagegen noch der Thatsache 
erwähnt werden, dass der Congress, nach Anhörung einiger 
Referate und Voten, besonders von Dr. Weddell, Dr. de Vrij, 
Dr. Kemer und J. E. Howard und mit Bücksicht einerseits 
auf die in Indien im amtl. Auftrage schon gesammelten Er- 
fahrungen ^ über die verschiedenen Alkaloide und ihren 
therapeutischen Werth, andererseits auf den bedeutenden 
Chininconsum zumal in Indien, auf die sehr bedeutenden 
Preisfluctuationen des Chinins und deren Nachtheile bei der 
Behandlung zahlloser Unbemittelter, allgemein sich für die 
Wünschbarkeit der sorgfältigen Fortsetzung der in Brittisch- 
Indien begonnenen Versuche sowie allseitiger weiterer Ver- 
wendung des Cinchonins, Cinohonidins und Chinidins (beson- 
ders in den von Intermittens am meisten heimgesuchten Län- 
dern) nebst sorgfaltiger Constatirung der erzielten Resultate 
aussprechen zu sollen glaubte. Hoffen wir, dass dieser 
Wunsch in Erfüllung gehe und auf diese Weise allmählig 
die vielfach vernachlässigte medicinische Wirksamkeit der 
Begleiter des Chinins zu Nutz und Frommen vieler Leiden- 
den verwerthet und dabei zugleich wissenschaftlich genauer 
festgestellt werde. 

Endlich sei aus der Reihe der im Congress behandelten 
Tractanden noch eine auch weitere Kreise interessirende 
Frage, nemlich die Nomenclatur der Chinabasen, kurz berührt. 
Ueber diesen Punkt erscheint eine Verständigung unter 
Fachleuten, welche die botanische, pharmakognostische und 
chemische Erkenntniss der Cinchonen und ihrer Froducte 



1) vid« ,,Pbarmakographia*< pag. 328. 



Ed. Soluier, Chinarmden in Amaterdam. 17 

repTaaentiren, um so gerechtfertigter, als bekannter Maassen 
die für CMnaalkaloide seit bald 50 Jahren angesammelten 
Bezeichnungen mehr als genug der Verwirrung in chemische, 
pharmaceutiache und namentlich medicinische Kreise gebracht 
hat. Es einigten sich nach kurzem Meinungsaustausch die 
anwesenden Mitglieder der Versammlung ohne Schwierigkeit 
dahin, es sei durch Beschluss des Congresses als dessen 
Ansicht und Vorschlag anzusehen, dass künftighin in den 
bei diesem Gegenstande betheiligten Kreisen, soweit und 
sobald thonlich, die von Pasteur eingeführte Benennung der 
Chinabasen als maassgebend für wissenschaftliche und phar- 
maceutisch- medicinische Zwecke, wie auch zur internationalen 
Orientirung adoptirt werde. 

Ohne auf die in Sachen gepflogene Besprechung hier 
des Kähem eintreten zu können und mit dem unumwundenen 
Eingeständnisse der Unannehmlichkeiten, welche bei Beach- 
tung dieses Conferenz - Vorschlages während einer kurzem 
oder langem üebergangszeit eintreten müssen, glauben wir 
dennoch die Hofinung ausdrücken zu sollen, dass die dem 
Beschluss des Congresses zu Grunde liegenden Gesichts- 
ponkte, welche s. Z. den Referenten, freilich im bewussten 
Gegensatze zu der Meinung des hochverdienten Förderers 
der Chemie der Cinchonen Dr. 0. Hesse, bei Feststellung der 
Nomenclatur für das Supplement der Pharm, helvet. zur An- 
nahme der Pasteur'schen I^amen veranlassten, im Laufe der 
Zeit bei den Fachmännern allgemeine Anerkennung und 
Berücksichtigung erringen dürften. — 

Doch verlassen wir den Chinarinden- Congress, um noch 
für einige Notizen über die bedeutsamsten Objecto der damit 
verbundenen Ausstellung Baum zu gewinnen. Diese letztere 
befand sich in sehr geschmackvoller und übersichtlicher Weise 
in dem grossen, elegant gebauten „Paleis voor Volksflyt,'' 
dem Amsterdamer Industriepalaste, der, obwohl von kleinern 
Dimensionen, nicht geringe Analogie zu dem Erystall- Palast 
in der Nachbarschaft Londons aufweist. Die sehr stattlichen 
Anlagen in der nächsten Umgebung des Gebäudes waren 
gleichfiills der Ausstellung dienstbar gemacht worden, theils 

Arch. d. Phjuia. XU, Bd«. 1. Heft. 2 



18 Bd. Schaer, Chioarinden in Amsterdain. 

durch Anbringung zierlicher hölzerner Naturbrücken, die in 
den ersten Stock des Palastes führten, theils durch reichhal- 
tige und passende Aufstellung und Anordnung zahlreicher 
Ausstellungspflanzen, welche in ihrer Vereinigung einen höchst 
einladenden Yorhof zu dem eigentlichen Ausstellungstempel 
bildeten. Eine weitere, nicht geringere Anzahl ausgestellter 
Pflanzen, darunter neben zahllosen Azaleen, Yerbenen und 
Begonien der nahezu der Beschreibung spottende wundersame 
Hyacinthen-, Tulpen- und Narcissenflor der weithin berühm- 
ten Holländer- speciell Haarlemer Blumenzüchter, waren 
ebenfalls im Freien , d. h. auf der Rückseite des „ Paleia '' 
sehr übersichtlich geordnet, während dagegen mehrere Ab* 
theilungen lebender Pflanzen, darunter mehrere der werth- 
vollsten Gruppen aus naheliegenden Gründen im Innern des 
Gebäudes Aufnahme gefunden hatten. 

Wiewohl unter den mehreren hundert ausgestellten 
Gruppen von lebenden Pflanzen nur relativ wenige das spe- 
ciellere Interesse der Pharmaceuten beanspruchten, so war 
doch andrerseits, namentlich in der Richtung physiologisch- 
und morphologisch interessanter Pflanzen, so manches schöne 
und seltene gebotene, dass das nur allzusehr berechtigte 
Bedürfniss, den Gesichtskreis auch über den engem Rahmen 
des Specialfaches hinaus erweitern zu können, volle Nah- 
rung fand. 

Ist es gestattet, innerhalb des beschränktem Raumes 
eines Specialberichtes mit wenigen Worten einiger besonders 
boachtenswerther lebender Pflanzen der Amsterdamer Aus- 
stellung zu gedenken, so mag zunächst einer sehr schönen 
ausserhalb des Palastes aufgestellten Gruppe von Acacia- 
arten Erwähnung geschehen, unter welchen zumal eine A. 
scolopendrifolia, spiralis und verticillata, sämmtlich australi- 
sche und neuseeländische Arten , in sehr passender Weise 
die afrikanischen Schwestern illustrirten, die im obem Nil- 
thale oder unter den Sonnenstrahlen Kordofans, Darfurs und 
Abyssiniens das altberühmte Gummi arabicum ausschwitzen 
und im Blüthestadium , insoweit wir den uns zugänglichen 
Abbildungen vertrauen dürfen, überraschende Aehnlichkeit 



Ed. Sehaer, Chinannden in Amsterdam. 19 

znit den freilich mehr stranch- als hanmartigen blühenden 
Exemplaren von Amsterdam besitzen müssen. 

Ein Schritt in die grossen Tor dem Ausstellungsgebäude 
befindiiehen Treibhäuser belohnte reichlich durch die einge- 
hendere Betrachtung ausgewählter Exemplare mehrerer Fa- 
milien Ton Monocotyledonen, unter welchen , als besonders 
charakteristisch und lehrreich die Aroideen mit blühenden 
Exemplaren yon Arisaema Sieboldi, Anthurium Scherzerianum 
mit prachtvollem , auffallendem Spadix, die Bromeliaceen mit 
Tillandtia argentea, I^idularium princeps, sowie ausserdem 
Maranta Massangeana, Anaectochylus intermedius, Bertholonia 
Mirandei und prachtvolle Echeveria-Species (fam. der Gras 
snlaceae) in voller Blüthe sich hervorthaten. 

In besonders auffallender und instructiver Weise bilde- 
ten aber zwei der schönsten Abtheilungen der ausgestellten 
lebenden Pflanzen einen authentischen Gommentar zu Dar- 
wins berühmt gewordenen zwei Werken über insekten- 
fressende Pflanzen und über Blüthenform und Befruchtungs- 
verhältnisse der Orchideen; einmal nemlich eine höchst 
werthvoüe, in dieser Ausdehnung kaum noch producirte 
Collection der wichtigsten hierher zählenden exotischen 
Pflanzen, vor Allem der Nepenthes in etwa sechs verschie- 
denen Speciesy sowie auch mehrerer Arten von Sarracenien, 
sodann aber eine durch treffliche Auswahl, Grösse und Habi- 
tus der Exemplare wahrhaft imponirende Sanmüung blühender 
Orchideen meist tropischer Herkunft, von dem wohlbekannten 
Eonstgärtner und Botaniker Williams in London, worunter 
l)e«onder8 schöne Species von Vanda, Dendrobium, Cypripe- 
dinm, Odontoglossnm , Marsdevolea, welche alle an Qualität 
and Frische mit den schon angeführten Kepenthes desselben 
Ausstellers wetteiferten. 

Nnr widerstrebend und unter dem Eindrucke der Pflicht, 
auch andern Theilen der weitläufigen Ausstellung einiger- 
maassen gerecht zu werden, trennte man sich von jenen 
Käomen, in denen die wunderbare Pracht der Pflanzenwelt 
mit ihrer unendlichen Eormenfülle, ihren mysteriösen Ein- 
richtungen und überwältigend veranschaulichtem Gesetz der 

2* 



20 £d. Schaer, Chinarinden in AmsterdanL 

Fortpflanzung der Art den Geist unwiderstehlich in philoso- 
phischen Betrachtungen zurückhielt, um einen weitem Blick 
dahin zu werfen, wo die Chinarinden vermöge ihrer practi- 
schen Bedeutung für Medicin und Fharmacie gleichfalls 
Beachtung heanspruchten. 

In der ersten Abtheilung der fiir die Chinarindenaus- 
stellung reservirten Bäume forderte zunächst eine mit eben- 
soviel Geschick als Yerständniss geordnete und trophäenartig 
zusammengefugte Ausstellung von Frachtexemplaren diverser 
Chinarinden die Aufmerksamkeit heraus. Es bestand dieselbe 
grösstentheils aus einer Anzahl ausgesuchter von dem ver- 
dienten Consul Schuhkrafit aus Bolivia eingesandter Rinden, 
worunter hauptsächlich schöne Proben sowohl gerollter als 
flacher CaUsayarinde, von letzterer sowohl platte Binde mit Epi- 
dermis, als auch gewöhnl. „Quinquinas Calisaya plats' und 
zwar von der in den Jahren 1845 bis 1855 als sogen. Mo- 
nopol China importirten Qualität, bei welcher sich wahrhaft 
riesenhafte Platten von beiläufig 28 Cm. Breite und 60 Cjsl 
Länge befinden. Kächstdem sind auch Blätter der „Cal. 
Morada'' sowie anderer Arten und endlich auch Proben we- 
niger bekannter falscher Chinarinden beigegeben, unter denen 
eine unter den Eingebomen als „car-hua-car-hua'' („caru'' 
» bitter) bekannte Binde unbekannten Ursprungs figuiirt. 
Unter den weitem auf Chinarinden bezüglichen Ausstellun- 
gen nahmen zweifelsohne die von der niederländischen Re- 
gierung (Departement für Chinacultur) vorgeführten Gegen- 
stände die wichtigste Stelle ein. So in erster Linie eine mit 
der goldenen Medaille der Jury bedachte Ausstellung von 
tadellosen Herbariumexemplaren der Cinchonen, sorgfältig und 
übersichtlich auf Carton befestigt und in 24 Kästen unter 
Grlas aufgestellt, jeweilen unter Beigabe der von den einzel- 
nen Arten gelieferten Binden. Hier treffen wir unter andern 
die Cinch. off. mit. der absichtlich in Form grosser Platten 
aufgerollten Binde, welche zugleich ein deutliches Bild des 
Flechtenreichthums vieler sog. grauer Chinarinden aufweist; 
im weitem Cinch. succirubra mit den bei dieser Art meist, 
doch nicht immer, auffallend langen Fruchtkapseln, die Binde 



Ed. Schaar, Chinarindea in Amsterdam. 21 

ausserdem mit rothfarbigen Flechten; sodann Cinch. micran- 
tha, charakterisirt durch sehr grosse, bis 25 Cm. Breite 
erreichende Blätter^ die von Karsten als wichtige Fabrikrinde 
beschriebene Binde von G. lancifolia var. discolor Krstn.; die 
Tielfach diseatirte CincL Hasskarliana und Cinch. Fabu- 
diana, femer Cinoh. Calisaya, yon der ersten Ansied- 
Inng auf Java durch Hasskarl abstammend; C. Calisaya aus 
Ledgers Saamen in mehreren Varietäten, CaUsaya aas 
Saamen von Schubkraft in La Faz, jeweilen mit dazu gehö- 
rigen Rinden in B<>hren und Flatten, sowie auch Ex. der 
Calisaya von Saamen aus Brittisch -L[idien auf Java gezogen 
und durch sehr grosse Blätter von yariirender, bald ovaler, 
bald lanzettförmiger Art ausgezeichnet, endlich auch die 
Cinch. officin. var. angustifolia mit ganz schmal lanzettförmi- 
gem Blatt und C. caloptera Mig., begleitet von hybriden 
Formen, die durch Befruchtung von „caloptera" mit „Cali- 
saya^' oder vice versa entstanden. An diese Sammlung 
dchliesst sich, von derselben Stelle mitgetheilt, eine instructive 
klonere Sammlung von Flechten und Moosen^ die auf verschie- 
denen Chinarinden und den Stämmen der Cinchonen getroffen 
werden und manchen Systematiker näher interessiren dürften. 

In ähnlicher Weise wie das soeben erwähnte Herbar 
ist eine werthvoUe Zusammenstellung von getrockneten Ex- 
emplaren der Cinchonen unter Beigabe der Rinden von Frof. 
Snringar in Leyden, Namens des Universitätsherbariums ein- 
geriditet und ausgestellt worden, worunter namentlich Cinch. 
Calisaya (mit prachtvollen Flechten besäet), Cinch. succiru- 
bra (von den aus Britt. Indien in Java eingeführten Fflanzen), 
C. Pahndiana und C micrantha, sämmtlich in gewählten Her- 
bariumexemplaren zu erwähnen sind. 

Eine willkommene Ergänzung zu den so ausgestellten 
getrockneten Cinchonen bildete eine gleichfalls von dem 
bolländ. Depart. f. Chinacultur mitgetheilte, aus 3 grossem 
Gruppen bestehende Sammlung, welche zunächst die wichtig- 
sten gegenwärtig auf Java in den Regierungsculturen produ- 
cirten Rinden vorführt, so namentlich sehr gut entwickelte 
Rinden der Cinch. Hasskarliana, C. Calisaya var. Ledgeriana, 



22 Ed. Sohaer, Chinariaden in Amsterdam. 

beide in Röhren, dann C. Fahudiana, officinalis, C. Calisaya 
javanica und Cineh. succirubra, sämmtlich mit Eorkbedeckmi^. 

In den weitern 2 Gruppen fanden sich zahlreiche Stamm- 
stücke und Holzquerschnitte und Längsschnitte vereinigt, die 
über Habitus der Cinchonenstämme und Qualität des freilich 
pharmaceutisch indifferenten Holzes vollkommen Aufschluss 
zu geben geeignet waren, so namentlich die Stammstücke 
10 jähriger Calisaya Ledgeriana, — aus den von Ledg'er 
mitgetheilten Saamen gezogen und wegen des Alkaloidreich- 
thums der Rinde von vielversprechender Zukunft — , ferner 
von 10 jähriger C. Calisaya, aus Saamen von Schuhkrafil 
anno 1866 im botan. Garten zu Amsterdam aufgezogen und 
sodann nach Ostindien versetzt, C. Pahudiana in 2 Varietäten, 
C. lancifolia (v. 1864), C. succirubra (v. 1867, also ebenfalls 
10 jähriges Stammstück). Der Sammlung der Stammquer- 
schnitte waren überdies, zum Beweise der Verwendbarkeit 
und Bildsamkeit des Cinchona -Holzes einige der Praxis die- 
nende Objecte beigefugt, die jeder Freund der Cinchonen 
gerne als Erinnerung an die Ausstellung acceptirt haben 
würde, nemlich zwei Trinkbecher aus dem Holz von Cinch. 
ofßcinalis und ein Stock aus Pahudiana -Holz. 

Selbst die den Cinchonenbäumen schädlich werdenden 
Insecten, besonders gewisse Bostrichus-Species, waren durch 
Larven und ausgewachsene Käfer, sowie durch zerfressene 
Stammstücke zur Anschauung gebracht. 

Eine gleichfalls von der holländischen Regierung aus- 
gestellte kleinere, doch sebr instructive Gruppe enthielt auf 
Cartons befestigt, von etwa 10 Cinchonen, unter denen die 
Species „Pahudiana", „lancifolia", „succirubra", „Calisaya 
var. javanica'', Calisaya Ledgeriana" u. a., die Rinden der 
Stämme, der Zweige und der Wurzeln. Die Wurzelrinden, 
obwohl bis jetzt nicht eigentlicher Gegenstand des Droguen- 
marktes und daher wenig bekannt, participiren in noch höhe- 
rem Maasse als die, auch im Congresse besprochenen Blätter, 
an dem Alkalo'idgehalt der Cinchonen und dürfte wohl in der 
Folge-, namentlich bei weiterer Förderung der Alkalo'idberei- 
tung aus frischem Material in Indien selbst zu einiger Be- 



Ed. Schaer, Chinarinden in Amsterdam. 23 

deatong gelangen , ioBOweit dies wenigstens das in Ostindien 
aligemein anerkannte friocip der Rindengewinnung ohne 
Fällung der Bäume gestattet 

Die letzte von den Regierungspilanzungen in Nieder- 
ländisch- Ostindien gelieferte Collection endlich vereinigte eine 
ansehnliche Reihe verschiedener auf die Cinchonencultur 
bezüglicher Oegenstände und dürfte wegen einer grösseren 
Zahl Ton Originalinstrumenten aus Java nicht allein fach- 
liches, sondern auch ein weiteres culturhistorisches Interesse 
erwecken. Wir erwähnen aus dieser Gruppe hier nur: eine 
Anzahl zur Behandlung der Chinahäume dienender Schneide- 
iostnimente verschiedener Form, meist mit Griff und Scheide 
ans Cinchonaholz versehen, eine Reihe von Modellen der 
zur Trocknung der Rinden dienenden Einrichtungen (Hürden 
und Zelten, auch Körbe, sämmtlich meist von Bambus- 
geflecht), ein sehr anschauliches Modell einer Culturstation 
zn Tij-Bitoeng (Java) sowie ganz besonders eine Sammlung 
zum Theil vorzüglicher photographischer Abbildungen von 
Cinchonapfianzungen und ihren Dependenzen, darunter nament- 
lich die in Brittisch - Indien liegenden Hauptculturen von 
Ootacamund und Darjeeling. 

An diese verschiedenen hauptsächlich oder fast aus- 
^'chliesglich auf die Rohstoffe und die pharmaceutische Droguc 
iieznglichen Bammlungen schloss sich noch die Ausstellung 
"ler aus Chinarinden gezogenen Präparate an, und waren 
fliese hauptsächlich durch eine kleinere Gruppe der hoUänd. 
Regierungspflanzung, der holländischen Firma D'Ailly en 
Zoonen, sowie des Hauses F. Jobst vertreten. Die erstge- 
nannte Gruppe brachte Proben in Indien dargestellter Alka- 
•oide in verschiedenen Graden und Stadien der Reinheit, so 
z. B. die anlässlich des Congresses schon angeführten gemeng- 
ten und noch unreinen AlkaloYde („ Quinetum '*) aus Cinch. 
Huecimbra extrahirt, sowie Chininsulfat erster und zweiter 
Krjstallisation aus „Calisaya Ledgeriana'' und „officinalis^'. 

Reichhaltiger und von specieller pharmaceutischem Inter- 
esse war die schön aufgestellte, von A. J. Rijk (Chef des 
Hauses D'Ailly en Zoonen zu Amsterdam) rationell angeord- 



24 £d. Sohaer, Chinarinden in Amsterdam« 

nete AnsBtellang, welche ausser den wichtigsten Chinaalka- 
leiden namentlich sämmtliche aus Chinarinden nach Vorschrift 
der Pharmacopoe zu bereitenden galenischen IVäparate (Ex- 
tracta, Tincturae, Yina u. a. m.) und zwar meist aus Calisaya- 
und Succirubra- Binden vor Augen führte und durch Beigabe 
einer kleinen, aber gediegenen Sammlung stidamerikaDischer 
Rinden (passend ergänzt durch eine von Consul SchuhkraSt 
überlassene CoUection bolivianischer Binden) noch wesentlich 
an Werth gewann. 

Dass endlich auch die von der Fabrik F. Jobst in 
Feuerbach - Stuttgart ausgestellte sehr vollständige Gruppe 
von Cbinaalkaloiden und ihren Salzen (nach dem Austellungs- 
cataloge „hors de concours'O ^^^ Schönen viel bot und 
besonders durch reine, schön krystallisirte Präparate und 
selten gesehene Alkalo'idsalze (worunter auch mehrere Salze 
der Pasteur'schen amorphen Basen Chinicin und Cincbonicin, 
sowie auch das Chinamin aus ostasiatischen Binden) in hohem 
Maasse instructiv wirkt, darf bei dem bewährten Bufe und 
den Verdiensten dieses Hauses, welches ebenso wie die nicht 
weniger accreditirte Firma Zimmer in Frankfurt fortwährend 
unter competentester Leitung arbeitet, keinen Fachmann 
befremden. Namentlich scheinen die auch in Amsterdam aus- 
gestellten, von Dr. 0. Hesse (in Firma F. Jobst) zuerst in 
grösserem Maassstabe bereiteten eigenthümlichen und schön- 
krystallisirbaren Verbindungen der Ghininsalze mit Phenol 
nach verschiedener Bichtung die eingehendere Beachtung der 
Pharmacie und Medicin resp. Therapie zu verdienen, da hier 
möglicherweise Verbindungen von ganz besonders auffallender 
physiologischer und therapeutischer Wirkung vorliegen. 

Indem wir von der Aufzählung einiger untergeordneter 
Theile der Chinarinden - Ausstellung abstrahiren, wollen wir 
nicht unterlassen, die übrigens naheliegende Thatsache hervor- 
zuheben, dass auch in den übrigen Abtheilungen, die in Ge- 
meinschaft mit den übrigen Classen die Ausstellung von 
Pflanzenproducten bildeten , manche auch pharmaceutisch - 
beachtenswerthe und lehrreiche Objecte sich vorfanden. Diese 
TJnterabtheilungen waren, ausser Chinarinden: Baumwolle, 



£d. Schaer, Chinarinden in Amsterdam. 25 

Tabak, Krapp, Caoatscliouk und Guttapercha, fette Oele und 
Fettstoffe, äther. Oele, technisch verwendbare Fasern (bes. 
zur Papierbereitung), Cerealien, Catechu, Vanille und Sarsa- 
parilla. Wir beschränken uns jedoch, da in der kurz zuge- 
messenen Zeit das Hauptaugenmerk auf einige Abtheilungen * 
lebender Pflanzen, auf die Chinarinden und auf ostasiatische 
Drogaen gerichtet war, auf einige wenige Bemerkungen über 
besoDders bemerkenswerthe Objecto. 

Unter den Producten der niederländisch -indischen Be- 
sitzungen ragen bekannter Maassen die verschiedenen Gewürze 
in erster Linie hervor, waren aber, da keine besondere Ab- 
theilnng für diesen Zweig vorgesehen war, nur spärlich und 
gewissermaassen ausserhalb des Rahmens des Programms 
vertreten. Unter den ausgestellten Gruppen war besonders 
die Gewürzausstellung des Hauses Westerman in Amsterdam 
lehrreich und zeigte namentlich die diversen Handelssorten 
von Nelken, Pfeffer, Muscatnuss und Zimmt (von letzterem 
auch den in letzter Zeit bekannt gewordenen bedeckten 
japanesischen Zimmt) iu schönen Proben, welchen ausserdem 
3 gutansgeführte, der lebenden Pflanze nachgebildete künst- 
liche Exemplare von Caryopbyllus, Myristica und Yanilla, 
sämmtlich im Bliithe- und Frucht -Stadium, beigegeben waren. 

Von den 3 oben erwähnten pharmaceutischen Gruppen 
Catechu, Sarsaparilla und Vanille waren die ersteren zwei 
nur durch einige wenige, wenig bedeutende Proben, die Va- 
nille ahej um so reichhaltiger durch eine trefflich angelegte 
Sammlung sämmtlicher wichtiger Handelssorten vom Hause 
De Groot u. Comp, in Amsterdam vertreten. Ebensowenig 
fehlte der wirksame Stoff dieses köstlichen Gewürzes, das 
Vanillin, das in einigen anschaulichen Proben (künstliches 
zu frs. 5 und natürliches zu frs. 8 per g.) von der chemi-. 
sdien Fabrik Haaxman und Reimer in* Holzminden (Hgth. 
Brannschweig) eingeschickt worden war. 

Nicht geringeres Interesse beanspruchten die zwei durch 
VoUständigkeit und Qualität der Producte gleich sehr auffal- 
lenden Ausstellungen von fiüssige'n und festen äther. Oelen 
der Firmen Sohimmel und Comp, und Sachse und Comp, in 



26 £d. Schaer, Chioarinden in Amsterdam. 

Leipzig, erstere mit über 100 äther. Oelen aus allen Welt- 
theilen abstammend, letztere mit BorgiKltiger Angabe der 
botan. Abstammung und Eintheilung in eine 1. Gruppe (Par- 
fümerie-Oele), eine 2. (Oele zur Liqueurfabrikation) und eine 
3. uns nächstliegende (pbarmaceut.-mcdicin. Oele), bei denen 
sich namentlich Thymol (aus ol. Thymi) in prächtig weissen 
grossen Krystallen (von ca. 1 Cm. Durchmesser) mit ander- 
weitigen Stearoptenen gerechte Bewunderung errang. 

Die Classe der zur Papier- und Grewebefabrikation 
bestimmten Püanzenfasem , allerdings keineswegs nach allen 
Richtungen vollständig, gipfelte in einer sehr reichhaltigen 
und bedeutsamen Zusammenstellung der Pflanzenfasern Austra- 
liens und Neuseelands, welche W. L. Guilfoyle, Director 
der botan. Gärten zu Melbourne mit grossem Eifer (neben 
einer ebenso instructiven CoUection der Nutzhölzer Austra- 
liens) veranstaltet hatte, und in der besonders die Familien 
der Liliaceen (mit den diversen „Palm-Lily** oder Cordyline- 
Species, mit „Flax-Lily" d.h. Dianella -Arten und Phormium), 
die Familie der Sterculiaceen (mit Sterculia und Commersonia), 
ferner die Malvaceen (mit Hibiscus, Lagunaria, Plagianthus 
und Sida) sowie die Musaceen repräsentirt waren. 

Doch die für Pharmaceuten relativ anziehendste der 
weitern Abtheilungen war die in erfreulicher Vollständigkeit 
angelegte Ausstellung jener getrockneten Milchsäfte der alten 
und neuen Welt, die gerade in Chemie und pract. Pharmaeie 
so mannigfache Verwendung finden und deren genauere 
Kenntniss ein stehendes Desideratum der pharmaceut. Aus- 
bildung zu bleiben scheint. Die Caoutschouk- und Gutta - 
Percba- Arten fanden sich in allen denkbaren Stadien illu- 
strirt, von dem flüssigen Milchsafte weg und dem daraus 
zunächst erhaltenen Rohstofi* bis in alle Grade weiterer Rei- 
nigung und Bearbeitung zu den Röhren, Pfropfen, Tüchern, 
Bandagen und Utensilien der Jetztzeit. 

Maassgebend erschienen in dieser Beziehung besonders 
die Objecte des Hauses Franz Clouth in Cöln, sowie des 
Hauses M. Bernardin in Belgien, welche Firma in mehreren 
Gruppen die wichtigsten, technisch verwendeten Milchsäfte 



Ed. Schaer, Chinarinden in Amsterdam. 27 

alier Gegenden anfgesteilt hatte, eine Sammlung die nament- 
lich durch die anderweitige Betheiligung der niederländi- 
Bchen Handelsgesellschaft mit authentischen Prohen von 6e- 
tah Fertja (Guttapercha) aus dem ostindischen Archipel 
yervolLstandigi wurde. ^ Als theilweise neu und unbekannt 
verdienen aus der Bemardin'schen Sammlung besondere 
Erwähnung: die Getab-Gitang von der Westküste Sumatras 
(aas Willughbeia Firma El.), die afrikanischen Caoutschouk- 
Arten aus Gaben, dem Congogebiet und der Küste von Mo- 
zambique, sämmtlich von Landolphia- Arten, sowie der west- 
indische Carthagena- und Gu^jaquil-Caoutschouk von Ca- 
stilloa elastic. Car. 

In speciell botanischer Beziehung waren endlich die 
Milchsäfte Ostindiens Yorzüglich illustrirt durch die Sendung 
des botan. Giirtens der niederl. Regierung in Buitenzorg 
(auf Jaya), dessen Direction nicht allein zahlreiche flüssige 
Milchsaftproben, sondern namentlich eine grössere Eeihe 
guterhaltener trockener Pflanzen übermittelt hatte und so die 
nähere Besichtigung der Stammpflanzen jener so hochwichtig 
gewordenen Producte ermöglichte. Besonderes Interesse 
boten hierbei u. A. die Exemplare der Genera: Alstonia und 
Urceola (Apocyneen), XJroBtigma und Artooarpus (Artocapeen), 
Baasia (Sapoteen), sowie zahlreiche andere gleichfalls den 
Apocyneen zugehörende Pflanzen (Cerbera, Strophantus, Wil- 
lughbeia, Plumeria^ Anodendron, Hevetia). Sehr beachtens- 
werth war ausserdem die ebenfalls vom botan. Garten zu 
Buitenzorg eingesandte Sammlung Yon ca. 95 essbaren Früch- 
ten des tropischen Asiens (in Alkohol conservirt), unter 
welchen auch der Pharmaceut manche Repräsentanten wohl- 
bekannter Pflanzengattungen traf, die uns in ihren besonde- 
ren Species bald wirksame Droguen, bald dem Asiaten 
gemessbare und beliebte Nabrung spenden, so Garcinia, Aegle, 
Canarium, Anacardium, Pithecolobium, Terminalia, Punica, 
Myristica, Nepbelium. 

Aehnliches Interesse beansprucht eine vom Ehedive von 
^^gypten ausgestellte reichhaltige Sammlung in Aegypten 
einbeimischer oder dort cultivirter Früchte und Saamen theiis 



28 Ed. Schaer, Chinarinden in Amsterdam. 

der Oeconomie theils medicinischer Anwendung dienstbar, 
von denen mit Bücksicht auf medioinische, technische oder 
culturhistorische Bedeutung vorzugsweise genannt zu werden 
verdienten: 1. fruct. Meliae Azedarach, 2. sem. Ipomoeae ttibero- 
sae, 3. fruct. Hibisci esculenti (das „ Bamiyah" der Perser, in 
Aegypten seit längster Zeit als Gemüse bekannt), ^ 4. fructus 
Tamarindi v. Darfour (in Brodform), 6. Früchte von Schinus 
molle, 6. Früchte der Adansonia digitata, deren Rinde bekannt- 
lich vor ca. 10 Jahren als Chinarindensurrogat lebhaft empfoh- 
len wurde, 7. Fr&chte der Luffa aegyptiaca (und acutangula), 
8. Früchte der Tectona grandis (Teak- holz -bäum Indiens), 
vermuthlich gerbstoffreich, wie die Rinde, 9. Früchte der 
Feronia elephantum (Surrogat der altberühmten indischen Baal - 
Frucht von Aegle Marmelos Corr. Fam. d. Aurant.), deren 
gummiartiges Exsudat als öftere Beimengung im ostindischen 
Gummi vorkommt, 10. Früchte und Saamen der Moringa 
pterygosperma, welche das längst bekannte, dann obsolete 
und neuerdings zu diversen Zwecken besonders empfohlene 
haltbare Beben -Oel (Huile de B^n aile) liefern und insbe- 
sondere in den französ. Colonien Martinique und Guadeloupe 
in Menge producirt werden (nach Angabe in Wiesner, Pflan- 
zenstoffe 713). Kachträglich möge endlich noch die Bemer- 
kung beigefügt werden, dass auch in der Gartenbau - Aus- 
stellung von lebenden Pflanzen eine nicht geringe Zahl offi- 
cineller getroffen wurde, darunter namentlich in der reichen 
Ausstellung lebender Pflanzen japanesischer Abkunft (von der 
Firma Ph. Fr. von Siebold in Leyden) eine Reihe wichtiger Arz- 
neipflanzen, welche theils der europäischen theils der einheimi- 
schen Heilkunde ihreDroguen liefern, so unter Andern Camphora 
off., Illicium anisatum, Ginnamomum rufinerve, Thea sinensis; 
Skimmia japonica, Kadsura japonica, ' Ophispogon japonicus. ^ 
So viel über die wichtigsten, wenn auch leider nur 
unvollständig wiedergegebenen Eindrücke, die der Bericht- 

1) Tide: Pharmacographia pag. 86. 

2) Tide Kämpfer, Amocnit. exotio. Lemgo 1712. pag. 786. 

3) Tide ebenda pag. 82S sowie Arek. Phann. 1874 (über die Knollen 
der FlQggea japonica.) 



O. Fleinusy Bereltaog des ferram ozydat. etc. 29 

erstatier Yon jenen Tagen in Amsterdam mit sich in die 
Heimath genommen hat Indem er ein natnrgemäss sehr 
fragmentarisches Referat ^ dessen Mittheilnng sieh bis auf 
diesen Tag verzögerte , wohlwollender Beurtheilung von 
Freunden nnd Pachgenossen anbefiehlt ^ kann hinwieder nicht 
unterlassen werden, an dieser Stelle aufrichtigen Dank 
für die freundliche und zuvorkommende Aufnahme aus- 
zusprechen, welche den Congress-Theilnehmern , den Jury- 
Mitgliedern und manchen anderen Besuchern der Ausstel- 
lung Seitens der niederländischen Ausstellungsbehörden und 
FachgenoBsen in Amsterdam zu Theil wurde! Insbeson- 
dere wird dem Verf. dieser Notizen ein bei dem liebens- 
würdigen nnd um die Fharmacie hochverdienten Frof. Oude- 
mans, Director des botan. Gartens, zugebrachter Abend, wo 
Congressmitglieder, darunter mehrere Koryphaeen der neuem 
Botanik, nebst andern Gelehrten in ungezwtmgenster Weise 
zusammen verkehrten, in angenehmster Erinnerung bleiben. 
Höge dieser Mann der Wissenschaft mit andern geistesver- 
wandten Collegen seinem Vaterlande noch lange erhalten bleiben! 

Zürich, November 1877. 



Zur Bereitung des ferrum oxydat. aaccliar. Bolnb. 

Von Osesr Fieinus in Beniheim a/Bergitrasse. 



d der Darstellung dieses Präparates im Grossen hat 
es seine Schwierigkeiten mit der Fällung des Eisensaccharates 
durch kodiendes Wasser, das Absetzen des Niederschlages 
dauert sehr lange, das Auswaschen ebenso. 

Sehr rasch konunt man zum Ziel, wenn man die Mi- 
schung von Natronlauge, Eisenchlorid und Zuckersyrup in 
das dreifache Volum Weingeist von 90% giesst, den ent- 
standenen harzigen Niederschlag nach dem Abgiessen der 
überstehenden alkoholischen Flüssigkeit noch mehrmals mit 
frischem Alkohol anrührt und dann wie gewöhnlich mit der 
nöthigen Zuckermenge zur Trockne bringt. 



20 £. Beicbardt, Stadium der Phnnaacie. 

Den abgegOBsenen Alkohol gewinnt man natürlich durch 
Abziehen wieder und ist der Verlast nur ein ganz geringer, 
der reichlich aufgewogen wird, durcb die Erspamiss an Zeit 
und Arbeit. 



Das Stadiam der Fharmacie. 

Von E. Beichardt in Jena. 

Während in Gewerbe und Industrie eine Stockung ein- 
getreten ist, wie nicht leicht oder nur in Folge tief eingrei- 
fender, unglücklicher Kriege früher vorgekommen, hat unser 
nächstliegendes Gewerbe, untrennbar von ganz bestimmten 
Forderungen höherer wissenschaftlicher Bildung und recht 
eigentlich als ein in Deutschland bis jetzt zur höchsten £nt- 
Wickelung gediehenes zu bezeichnen, Erschütterungen erlit- 
ten, welche nicht weniger der Existenz des gebildeten, deut- 
schen Apothekers nahe treten. 

Im Ganzen fem liegend den Bewegungen des Grosshan- 
dels und der Grossindustrie, noch entfernter dem Treiben 
socialistischer Bewegung, griff in die Grundlagen des Apo- 
thekerwesens dennoch der die freie Entwickelung jedes 
Grewerbes erstrebende Geist der heutigen Zeit, von Einigen 
mit grÖBster Freude begrüsst, Ton Anderen, der ruhigen Ent- 
wickelung geneigteren, mit Bangen betrachtet. Die zahlrei- 
chen Theoretiker für Freihandel und Freigewerbe hofften 
einen Schritt weiter thun zu können in der allgemeinen 
Durchführung ihres Principes, die nicht wenig wiegende Zahl 
nicht Besitzender und Besitz erstrebender junger Fachgenos- 
sen yerstärkte diese Farthie und ein Theil der, den schroff- 
sten Gegensatz vertretenden Apothekenbesitzer gab dem 
unbefangenen, partheilosen Beobachter genügend Anlass, den 
Gegnern beizutreten. 

Diese Unsicherheit in der Auffassung des Apotheken- 
gewerbes, wie Standes tastete aber nicht etwa den materiel- 
len Erwerb allein an, ob dieser mehr wie einfaches Gewerbe, 
oder als eine für die erworbene Ausbildung wohlverdiente 



£. Reiehardt, Studium der Pbarmacie. 31 

StellaBg zu betrachten sei, Bondern nagte an den Wurzeln 
der deutschen Apothekerkunst überhanpt, an dem eigenarti- 
gen Aufbau der Entwickelung vom Lehrlinge bis zum Selbst- 
ständigen Besitzer, vor Allem auch an der pharmaceutischen, 
wissenschaftlichen Ausbildung. 

Während die gesetzgebenden Factoren sich bald einig- 
ten über gesteigerte Forderung an die Ausbildung des Lehr- 
linges bei dem Eintritt, 2 Mal schon Bestimmungen über die 
Eiamina der Gehülfen und der fertig gebildeten Apotheker 
getroffen wurden, war man auf dem besten Wege, durch 
Eingang in die Yollständige Gewerbefreiheit, nach den Er- 
fahrungen in anderen Ländern, die dem Apotheker im Ganzen 
fremde Gewinnsucht als erste Neuerung hereinzubringen, ein 
Laster, welches nur zu leicht das wissenschaftliche Streben 
vernichtet. Gewiss ist es anzuerkennen, wenn der Apothe- 
ker seine vielseitig erworbenen Kenntnisse benutzt, sei es in 
Ausbeutung des Handels mit heimischen Droguen, mit hei- 
mischen Fabrikaten, chemischer oder rein medicinischer STatur, 
aber fem möge der Zustand bleiben, dass der neidischen 
Concurrenz schliesslich das Ehrgefühl weicht und das ehrende 
Vertrauen des Publikums fällt: sehr leicht Consequenzen einer 
völligen Freigabe des Apothekergewerbes und der damit 
eintretenden, schädlichen Ueberfullung an Officinen. Betrach- 
tet man den dann noch allein entscheidenden Geldpunkt, das 
Erwerben materiellen Gewinnes, so würde sich der Apothe- 
ker gewiss in kürzerer Zeit befriedigen können — einzig 
and allein auf Kosten des Publikums, freilich auch auf Kosten 
^iner in Deutschland bisher angesehenen Stellung. Mehr, wie 
einmal hört man sagen, dass der jetzige Apotheker fast nicht 
mehr nöthig habe als ein einfacher Kaufmann, chemische Prä- 
parate und rohe Broguen werden gekauft und verkauft und 
de Garantie trägt der Fabrikant, der Droguist Das ist ein 
^olletandiges Verkennen unseres deutschen Apothekerstandes, 
der auch heute noch das volle Vertrauen verdient, dass ge- 
nügend tüchtige Elemente in ihm vorhanden sind, um ihn in 
der wissenschaftlichen, ehrenvollen Stellung zu erhalten, die 
^iiQ von Alters her als Musterbild diente, sobald diese Aufgabe 



32 S. Bmehaxdt, Stadim der PkanDsde. 

Ton behördlicher Seite gleichfalls so aufgefasst und nicht 
etwa nntergraben wird. 

Vor Allem ist die dentsche Fharmacie ein selbststandi- 
ger, wichtigster, nnentbehrlicher Theil der Heilkunde und so 
lange diese in wissenschaftlicher Hinsicht Torschreitet, ist 
auch der treuen Schwester der Weg der Entwickelang klar 
Yorgeschrieben. Hier und da sollen sie einander aushelfen 
und belehrend wirken, schreitet die eine oder andere aus, so 
ist es Pflicht, sich gegenseitig zu belehren. Wendet sich der 
Arzt den zu verurtheilenden Greheimroitteln zu, so soll die 
Fharmacie keineswegs ihm folgen und den einfachen Hand- 
langer abgeben, sondern mit gewohnter Offenheit und Ehr- 
lichkeit den Geheimmittelschwindel bekämpfen, nicht durch 
Handel denselben begünstigen, auch dem Arzte gegenüber. 
Stellt man aber zur Zeit die Forderung, der öffentlichen Gre- 
Sundheitspflege mehr Aufmerksamkeit zuzuwenden, so ist es 
gemeinsame Aufgabe von Arzt und Apotheker diese lange 
sehr yemachlässigte Pflege zu heben, und so bieten sich tag- 
täglich die wichtigsten Berührungspunkte, die, mit red- 
lichem Streben erkannt, den gemeinsamen Weg bezeichnen. 

Das war von jeher der Entwickelungsgang der Fhar- 
macie, er wird und muss es femer bleiben. Ursprünglich 
war der Arzt ebensogut Apotheker, wie der Apotheker Arzt 
und wo die Entwickelung dieser Zweige der Heilkunde noch 
gehemmt ist, ist es noch heute so. Eine neue Vereinigung 
beider Disciplinen würde nur Rückschritt bedeuten und ist 
mit Recht bei uns gesetzlich yerboten. Gewiss streben alle 
Fachgenossen gemeinsam darauf hin, dass auch die behörd- 
liche Vertretung des Apothekers eine dem Arzte völlig gleich- 
stehende sei, denn hier hat sich noch häufig, und nur zum 
Nachtheile der Entwickelung, die ärztliche CoUegenschaft als 
Bevormundung erhalten, von den alten Zeiten der gemein- 
samen Handhabung bis jetzt! 

Die deutsche Apotheke ist ein durch Jahrhunderte hin- 
durch erprobtes Glied der Heilkunst und die Entwickelang 
der letzteren hat allein zur Scheidung und selbstständigen Aus- 
bildung der Fharmacie gefuhrt. Aber diese Selbstständigkeit 



1R. Eeickardt, Stadiotai der Pharmacia. 3ä 

fülirt nothwendigerweise auch zu eben so besonderen Anfor- 
denmgen an den Apotheker und es würde die Zeit yerken- 
nen heiasen, einen bedauerlichen Stillstand kennzeichnen, 
wenn man dieser tagtäglich fortschreitenden Entwickelung 
nicht gerecht würde. 

Ln Jahre 1819 hielt der verstorbene Andreas Buchner, 
damals auf der Universität Landshut, die Antrittsrede über 
die Trennung der Pharmacie von der Heilkunst und von da 
dürfte man, als ein gewissermaassen geschichtliches Zeichen, 
diese Trennung datiren. Heute hat es uns die Entwickelung 
der Wissenschaft zur Pflicht gemacht, die Scheidung der 
allgemeinen Chemie und Pharmacie zu verlangen und man 
könnte vielleicht die Greneral Versammlung des deutschen 
Apothekervereins in Stuttgart, 1866, als denjenigen Zeit- 
punkt hinstellen, wo der allgemeine deutsche Apotheker- 
verein durch Eingabe an Staaten und Keich diesem Ansinnen 
Aoadruck gab. 

Ebensowenig, wie es seinerzeit nicht möglich war, eine 
Vereinigung von Medicin und Pharmacie noch festzuhalten, 
90 auch jetzt zwischen der allgemeinen Chemie und Phar- 
macia So unentbehrlich der Heilkunst nach unserer jetzigen 
Einriditungsweise die Apotheke und der gebildete Apotheker 
ist, eben so innig sind Chemie und Pharmacie in ihrer ersten 
£nt{isdtung verbunden, eben so getrennt ist vom Gebiete der 
practischen Pharmacie das Speculationswesen der theoreti- 
schen Chemie. Fem liegt es gewiss jedem einsichtsvollen 
Apotheker, die gewaltigen Fortschritte der Chemie zu ver- 
kennen, an denen sein eigener Stand den grössten Antheil 
genommen hat und femer nehmen wird, aber es würde 
ein Yeikennen derselben Sachlage sein, wenn man beide 
Bisciplinen so auffassen wollte, als ob die Mutter Pharmacie 
jetzt ein Stiefkind der Chemie geworden. 

Die vielfach gehörte Aeusserung, der Pharmaceut müsse 
vor Allem wissenschaftliche Chemie kennen lernen und der 
Fehler in der jetzigen Ausbildung liege weit mehr in der 
imgenügenden Vorbildung für die Universität, ist als unbe- 
gründet zu bezeichnen. 

Areh. d. Pluucm. XII. Bdj. 1. Heft. 3 



34 1£. Beicliardty Stadium der Pharmaci«. 

Wer hat je das YerlaBgen gestellt, dass die stndirenden 
Fharmaceuten die CoUegien über wissenschaftliche Chemie 
nicht besuchen sollten? Diese Lehren werden in den Vor- 
trägen über allgemeine oder organische Chemie geboten, 
hier und da in besonderen Besprechungen, und mustert man 
diese Vorlesungen, so wird man sich sofort überzeugen, dass 
die fleissigsten und aufmerksamsten Zuhörer die studirenden 
Fharmaceuten sind. 

Das CoUegium der allgemeinen Chemie war vor dem 
jetzigen Stande der Entwickelung der chemischen Theorien 
überall eine gleichsam technische Chemie und bot die An- 
wendung der Kenntnisse auf das tägliche Leben; jetzt ist 
dasselbe nothwendig ein Führer in das Gebiet der theoretischen 
Chemie geworden, verbunden mit beweisenden Experimenten. 

In der sog. organischen Chemie wurden in früherer Zeit 
in Gruppen die Alkohole, Fette, Eiweisskörper, Kohlehydrate 
besprochen und in diesen Gruppen die dahin gehörenden, 
weniger zusammenhängenden theoretischen Betrachtungen 
abgehandelt. Jetzt würde diese Auflfassung eine unmögliche 
sein für die Lehre der Alkohol- oder Fettreihe, der aro- 
matischen Reihe u. s. w. Jedes neue Lehrbuch der orga- 
nischen Chemie bringt Seite für Seite den Beweis, dass 
die Aufgabe eine mehr wissenschaftliche, einheitliche gewor- 
den und in einem anschaulichen Bilde nur möglichst getrennt 
von den technisch werthvollen Besprechungen gegeben wer- 
den kann. Aber auch die Lehrbücher für anorganische 
Chemie müssen genau geschieden werden; die einen behan- 
deln, und zwar die neueren um so mehr, die Theorie mit 
Vorliebe, manche Seite des Buches ist nur mit Formeln und 
eigenthümlicher Verkettung derselben gefüllt, und wiederum, 
dem Baume angemessen, dann nur auf Kosten der eigent- 
lichen angewandten Chemie. 

Diese Wandlungen und Umformungen sind einfach durch 
die gewaltige Entwickelung der Chemie in ihrem theoretischen 
Theile nothwendig geworden und werden gewiss von jedemi, 
der wissenschaftlichen Chemie Befreundeten freudigst begrüsst, 
aber die gleichen, nach dieser Seite hin neigenden Umge- 



B. tleiehardty Stadium der Pharmaeie. 35 

Rtaltaogen bat doch nicht etwa die Fhannacie erfahren, welche 
nadi wie vor die wichtigste Yertreterin der practischen 
Chemie bleibt? Wendet man ein, dass ja auch hier eine 
weaentUch andere Lage eingetreten sei, durch die Errichtung 
der grossen chemischen Fabriken, welche den Bedarf an Che- 
mikalien decken , so würde dies nur um so mehr dahin drängen, 
daas das Studium sich auf diese technischen Zweige der 
Chemie wenden müsse, um ein klares Yerständniss und eine 
Benrtheilong der Erzeugnisse derselben zu yerschaffen. 

Diese überall bemerkbaren Fortschritte der Chemie finden 
ihren Ausdruck in den neueren Lehrbüchern, den Journalen 
und Jahresberichten. Die Liebig'schen Annalen nannten sich 
zaent Annalen der Pharmacie, dann der Chemie u. Fhannacie, 
jetst nor der Chemie. Der Jahresbericht der Chemie war 
froher benannt für reine, pharmaceutische und tech- 
nische Chemie, jetzt heisst es, für Chemie und verwandte 
Theile anderer Wissenschaften. Es erscheint femer von 
Staedtler ein Jahresbericht der reinen Chemie, von Wag- 
ner ein solcher über technische Chemie, kurz überall sieht 
man die nothwendige Trennung der Theile. Der Franzose 
scheidet Chimie pure et appliquee, jedenfalls die ein- 
fachste Theilung. Halt man letztere Scheidung als einfachste 
fest und überträgt dieselbe auf den heutigen Zustand der 
Entwickelung der Chemie, so ist ohne Frage die Phar- 
macie auf die Abtheilung der angewandten Che- 
mie zu stellen. 

Diese allmählig nothwendigen Trennungen sind in allen 
Zweigen wissenschaftlicher und practischer Thätigkeit merk- 
bare Zeichen des Fortschrittes, eine Begünstigung irgend 
eines Theiles schädigt nur die anderen gleich wichtigen Ab- 
iheilungen. Das treffendste Eild bietet aber gewiss das nah- 
Terwandte Studium der Medicin! 

Wie zurückstehend, fast zurückgesetzt wurde früher die 
Chirurgie behandelt, als ein Theil, man möchte fast sagen, 
der Handlangerarbeit und zu welch' wichtigem Zweige der 
practischen Medicin hat sich dieselbe erhoben, seitdem sie 
«elbstständig und gleichberechtigt dasteht, so mit den Zwei- 

3* 



ä(> £. EeioWdt, Studium der Pharmacie. 

gen der Psychiatrie, der Gynäkologie, und Niemand bezwei- 
felt beute die Notb wendigkeit dieser Tbeilung, die fast all- 
jäbrlicb nocb weiter schreitet, während im Anfange dieses 
Jahrhunderts alle diese Disciplinen, wie häufig, Ton einem 
Lehrer umfasst und in ihrer Entwickelung gehemmt 
wurden. Man würde der Chemie den Boden einer wissen- 
schaftlichen Entwickelung bestreiten, wenn man dieselbe in 
den engen ßahmen einer einzigen Abtheilung bannen oder 
gar noch zurückfuhren wollte! 

Will man aber die oft hochtönend ausgesprochene Mei- 
nung festhalten, dass nur eine wissenschaftliche Chemie oder 
nur eine chemische Wissenschaft vorhanden sei, so verlässt 
man in der That die Grrundlagen der Entwickelung einer 
jeden Wissenschaft und wird sehr bald ein Opfer der ver- 
werflichsten Einseitigkeit werden. Mit demselben Rechte 
kann man von allen Facultäten der Hochschulen, von jedem längst 
anerkannten Zweige wissenschaftlicher Forschung sprechen, es 
giebt nur eine wissenschaftliche Medicin, eine wissenschaft- 
liche Botanik, eine einzige, der Wissenschaft entsprechende 
Forschung nach Recht u. s. w., Ausgeburten der einseitig- 
sten Anschauungen. Gewiss giebt es nur ein Ziel der 
wissenschaftlichen Forschung — dasjenige der fortschrei- 
tenden Entwickelung, der fortschreitenden Erkenntniss des 
Wahren und Guten, aber die Wege der Erforschung sind 
gar mannigfach und keiner darf als verschlossen betrachtet 
werden. 

Was hat aber diese rein theoretische Anschauung mit 
den practischen Forderungen der Gewerbe des Arztes und 
des Apothekers zu thun? Die höchsten Bildungsanstalten 
sind keineswegs dazu allein da, um den geistigen Fortschrit- 
ten einen geeigneten Boden zu bieten, sondern haben auch 
die Aufgabe, die Pfarrer und Rechtsanwälte und Mediciner 
und Pharmaceuten, Chemiker für das practische Leben mög- 
lichst vollendet auszubilden. Bei den, weit mehr der practi- 
schen Thätigkeit gewidmeten, Studien der Naturforschung ist 
dieses Verlangen um so stärker und tritsb für jeden einzelnen 
Zweig derselben besonders gestaltet hervor. 



E. Reiehardt, Stadium der Pharmacie. 37 

Por die practische Ausbildung der Chirurgen, der Pa- 
thologen, der G-jnäkologen sind besondere, geistig wie prac- 
tisch hervorragende Lehrer in Thätigkeit und vertreten 
ihren practiscben Zweig in möglichster Selbstständigkeit, ohne 
deeghalb von Anderen als nicht zur Wissenschaft gehörend 
bezeichnet zu werden. 

Die Chemie ist aus der Pharmacie hervorgegangen und 
bis vor wenigen Jahren waren alle chemischen Laboratorien 
pharmaceutische, schon aus dem Grunde, weil fast nur Fhar- 
macenten die darin Arbeitenden waren und der Dirigent, 
«selbst Pharmaceut gewesen, sehr gut kannte, was zur Aus* 
bOdung nothwendig war. 

Heute ist es eben anders geworden, die meisten Profes- 
soren der allgemeinen Chemie sind nicht aus dem pharma- 
ceatischen Stande hervorgegangen, oder haben sich anderen 
Forschungen der tbeoretischen Chemie zugewendet; in der 
Fülle der anderen Studirenden, welche Chemie hören und 
anftnglich oder anhaltend chemische Arbeiten treiben müssen 
oder wollen, verschwinden oft die Pharmaceuten oder die 
sammtlichen Arbeiten gehen auf ganz andere Ziele hinaus, 
als Pharmaceuten für ihren Beruf auszubilden. 

Sehr wohl ist es anzuerkennen und hervorzuheben, dass 
•m einer grossen Zahl, namentlich preussischer Universitäten, 
»rdeotliche Professuren für Pharmacie errichtet sind und auch 
Laboratorien fdr angewandte oder pharmaceutische Chemie 
die ausgesprochene Forderung erfüllen, aber an anderen und 
^rade mit den grössten Universitäten ist diese Trennung 
noch nicht erfolgt, oder ist den die angewandte Chemie Ter- 
tretenden Kräften eine so untergeordnete Stellung angewie- 
sen, dass hierdurch jede Regsamkeit und Entwickelung 
gehemmt ist. 

Fasst man noch dazu ins Auge, dass nach dem Reichs- 
gesetze die Prüfungscommissionen für Apotheker an den Uni- 
versitäten oder einigen polytechnischen Lehranstalten errichtet 
wden und die Docenten als Examinatoren fungiren, so ist, 
wenn nicht dem Fache hier durchgehends Rechnung getragen 
^^y das Examen leicht so umgestaltet, dass man es kaum 



38 £. Reichardt, Stadium der Pharmaoie. 

noch ein pharmaceutisches Staatsexamen nennen kann. In 
nur sehr untergeordneten PrüfungsabBchnitten, der Darstellung 
der Präparate, der Fragen über einige Droguen und phanna- 
ceutische Präparate, der Gresetzeskunde , werden dann einige 
practische Apotheker als Examinatoren zugezogen und die 
anderen eingreifenden, wissenschaftlichen Prüfungen beurtbeilt 
nicht der fachlich und sachlich gebildete Pharmaceut, sondern 
der Docent für die allgemeinen Studien. Es ist dies ein 
völlig ungewöhnlicher Zustand. — Bei der Medicin prüfen in 
dem Staatsexamen nur Mediciner und das vorhergehende sog*. 
physikalische Examen ist eingeführt worden, um der etwas 
zu stark eingerissenen Unthätigkeit der Studirenden in diesen 
Vorstudien entgegen zu arbeiten; früher genügte der Nach- 
weis des Belegens dieser naturwissenschaftlichen Fächer. 
Ebenso ist es bei den Juristen, Theologen, welche die allge- 
meinen Studien als belegt bezeugen müssen, aber nur von 
Leuten des eigenen Faches der Staats- Prüfting unterzogen 
werden. So lange die Professur der allgemeinen Chemie in 
Wirklichkeit eine angewandte und namentlich pharmaoeutische 
Richtung verfolgte, war die Herbeiziehung des Vertreters 
sicher kein Missgriff, jetzt ist es einfach ein personliches 
Geschick, ob nicht in allen Beziehungen die rein theoretische 
Betrachtung vorwalte. Man lasse die fertig gebildeten Phar- 
maceuten von tüchtigen, auch wissenschaftlich sich auszeich- 
nenden Apothekern prüfen, so arm ist der Stand nicht, um 
nicht sofort ein wünschenswerth grosses Contingent bester 
Examinatoren zu stellen. Dem studirenden Pharmaceuten ist 
jedoch durch die Art der Einrichtung der Examinationscom- 
missionen thatsächlicb das WerthvoUste der Universitätsstu- 
dien entzogen, — die freie Wahl der Lehrer und Studien. 
Jeder Examinator übt, selbst völlig schuldlos, den Zwang auf 
die Studirenden aus, bei ihm zu hören und hier seine practi- 
schen Arbeiten auszuführen; sind nun die wichtigsten Fächer 
in der Hand von Nichtfachgenossen, so ergiebt sich der 
Schluss von selbst. Nur bei solchen Zwangsverhältnissen 
ist es möglich, so einseitige XJrtheile zu fallen, wie sie jüngst 
gehört worden sind. 



£. Beichardt, Studium der Pharmaoie. 39 

s 

Wenn aber femer dem Apotheker der Vorwurf gemacht 
wird, dass er seise jüngeren Genossen nicht mehr genügend 
heranbilde y für das später folgende üniversitätsstudium, so 
liegt die Erklärung theilweise in dem geänderten Gewände 
des chemischen Studiums , welches ein gegenseitiges Yer- 
ständniss wesentlich erschwert Selbst Apotheker, welche 
in der Zeit von 1850 — 60 und oft noch später ihre Studien 
beendeten y wissen von den neueren Theorien aus dieser Zeit 
her nichts und ihre durch die Praxis in Anspruch genommene 
Thätigkeit hindert sie, der Wissenschaft zu folgen. Neuere Lehr- 
bücher der Chemie, mit neuer, fremdsprachlicher Ko- 
mendatur sind ihm gänzlich unverständlich oder überwindet 
er dennoch die erste Arbeit, so belehrt ihn die Handhabung 
sehr bald, dass er den Stoff nicht klar beherrscht und sich 
leicht Blossen giebt, die er seinen Untergebenen gegenüber 
gern vermeidet. Die einfache Folge ist, dass die früher so 
gern geführte wissenschaftliche Vorbildung erst stockt, dann 
wo möglich gänzlich unterbleibt. Wie bei der naturwissen- 
schaftlichen Vorbildung der Mediciner sucht der Staat, den 
Thatsachen Rechnung tragend, durch besondere Verordnung 
zu helfen und verlangt von dem Lehrlinge Führung von 
Elaborationsbuch und Anlegung von Herbarien, was früher 
allerdings schon freiwillig geschah. 

Hiermit soll jedoch keineswegs beschönigt werden, 
was tadelnswerth ist und bleibt/ wenn Apotheker auch 
dann die Belehrung der Lehrlinge unterlassen oder viel zu 
karg betreiben, selbst wenn sie es können; lernt der Lehr- 
ling auch noch nach alten Grundlagen die Anfange der Che- 
mie, kennt er diese ordentlich, so wird er auf der Universität 
um so leichter die neuen Lehren verstehen. 

Die Ausbildung des Apothekers beginnt mit der Lehr- 
zeit, die Jahre der Condition bringen das Gewonnene schon 
zu reiferem Abschluss und als erfahrener junger Mann tritt 
der nunmehr schon selbstständige Apothekergehülfe in den 
Kreis der Studien ein. Wenige Semester sind hier ihm zu- 
gemessen, seine gesetzliche Ausbildung bis zum Apotheker 
zu erreichen. Hag es auch einigen Bemittelten vergönnt 



40 £. Eeichardt, Studium der Pharmaoie. 

sein, die Studienzeit zu yerlängern, die grosse üeberzabi 
mas8 sich mit den 3 Semestern, auch völlig genügend, 
begnügen. Unbedingt verlangt diese Kürze der Zeit ein Be- 
schränken auf das Fach selbst. Es ist weder Zeit gegeben, 
Botaniker, oder Pharmakognost^ Mineralog oder gar Chemiker 
zu werden, die Ausbildung muss eben eine streng pharma- 
ceutische sein und bleiben. Die Collegien über allgemeine 
Physik, Botanik, Chemie, Mineralogie müssen den nothwendi> 
gen Einblick in diese Grundlagen der naturwissenschaftlichen 
Studien bieten, aber die Waarenkunde muss sich auf die 
Medicinalgegenstände beschränken, das chemische Practicom 
auf die Darstellung, Prüfung und Beurtheilung der pharma> 
ceutisch- und medicinisch wichtigen Stoffe eingehen. So war 
es firüher in den damals nur pharmaceutischen Zwecken die- 
nenden chemischen Laboratorien. Die heutige Entwickelung 
der Chemie verlangt die Scheidung, die heutige Entwickelung 
der Pharmacie desgleichen. 

Die ununterbrochene Entwickelung des Apothekergewer- 
kes weist demselben seine wissenschaftliche Stellung neben 
der Medicin an als einen unentbehrlichen Theil der Heilkunde ; 
Chemie, Physik, Botanik, Mineralogie sind Hülfswissenschaf- 
ten, welche inuner für den einen Zweck ausgebeutet werden, 
die Hauptstudien liegen aber in den pharmaceutischen Colle- 
gien und dem Practicum. Jetzt tritt an den Apotheker die 
Forderung heran, der Gresundheitspflege mehr Aufmerksam- 
keit zuzuwenden, die Nahrungsstoffe auf Verunreinigung und 
Verfälschung zu prüfen. 

Ist diese Forderung so neu, so überraschend aufgetre- 
ten? Gewiss nicht! Jeder Apotheker weiss aus seinem 
Leben genug Belege zu geben, dass ihm ununterbrochen 
Fragen über Verfälschung der Nahrungsstoffe und dergl., und 
namentlich von Behörden veranlasst, vorlagen. Das Neue 
liegt nur in der Masse der Fragen, wie sie jetzt gestellt 
werden, sei es durch das leider herauf beschworene Miss- 
trauen des Publikums, sei es durch das jetzt weit verstärkte 
Material zur Verfälschung. Diese Untersuchungen greifen 
unmittelbar in das practische Leben ein und nunmehr steht 



£. Eeicliardt, Studium der Pharmacic. 41 

dem Apotheker seine Yorbildung in der Praxis zu Diensten, 
um mit sehr werthTollem Scharfblicke das GeheimnissvoUe 
zu ergründeo. Wer solche practische Vorstudien nicht 
durchwandert hat, findet die grössten Schwierigkeiten bei 
der Beurtheilung derartiger Fälle und kann sich diese Studien 
oft erst in langen, mühevollen Jahren nachträglich erwerben. 
Ein sehr grosser Missgriff würde es sein, bei derartigen 
Untersuchungen den Apotheker zu übergehen; so geeignet 
nun derselbe ist, so ist doch nicht zu yerkennen, dass in 
diesem der Fharmacie, der Gesundhäitspflege angehörenden 
Zweige manches Neue aufbaucht, was früher gar nicht oder 
nur in den Anfangen bekannt war und erörtert wurde. Die 
Beurtheilung des Wassers und der Luft als Nahrungsmittel 
gehen von neuen, früher nicht erkannten Grundlagen aus, 
die Prüfungen der einzelnen Verfälschungen und Verunreini- 
gungen Yon Nahrungsgegenständen oder Nachweisung gesund- 
heitsnachtheiliger Einrichtungen verlangen Kenntnisse, die frü- 
her nicht geboten waren, und Untersuchungen, deren Tragweite 
leicht das Verständniss des Einzelnen überschreiten können. 

Was hier in Beziehung auf die Gesundheitspflege gesagt 
wurde, lässt sich leicht auch auf andere Zweige ausdehnen. 
Verlangt nicht die jetzige Einrichtung der grossen Eabriken 
für chemische und pharmaceutische Präparate die Eenntniss 
der technischen Chemie in einem Grade, der früher nicht 
vorliegen konnte, gestaltet sich, um es kurz zu wieder- 
holen, die pharmaceutische Chemie nicht um in einen der 
wesentlichsten Theile der technischen oder angewandten 
Chemie? 

Wer die Erzeugnisse der chemischen Fabriken beurtheilen 
wül, muss die Fabrication selbst genau kennen, hier ändert 
eich von Jahr zu Jahr die Darstellungsweise des einen oder 
anderen Präparates. Die Salpetersäure wird aus Chilisalpeter 
dargestellt und enthält nunmehr Jod, die Schwefelsäure, aus 
Kiesen gewonnen, Arsenik, das kohlensaure Kali aus dem 
Stasgfurter Chlorkalium mehr Chloride. 

Wer Wein und Bier in der Güte beurtheilen will, 
mu8s genau die Darstellung derselben, die erlaubten und 



42 £. fieicluurdiy Stadium der Pharmaoie. 

nicht erlaubten Ersatzmittel kennen nnd zu beortbeilen im 
Stande sein. 

Diese Früfnngen werden jetzt in mehr nnd mehr sich 
steigerndem Grade Aufgaben des Apothekers sein. Gewiss 
siedeln sich allmahlig auch mehr Chemiker für den Zweck der 
öffentlichen Untersuchungen an, aber doch nur in den grösseren 
oder besonders dazu geeigneten Orten und wer die Aufgaben 
derselben genau studirt, wird sich bald überzeugen, dass sie 
am Geeignetsten durch practische Apotheker gelöst werden, 
deren Einsicht in ihrer früheren Thätigkeit gewonnen wurde. 
Allein die bei weitem grösste Zahl derartiger Untersuchungen 
werden überhaupt von den Laien, den Aerzten, den Behörden 
Apothekern übertragen werden müssen, da sie die überall 
verbreiteten Vertreter der angewandten Chemie sind und 
auch bleiben werden. 

Der Versuch, in kurzer Uebersicht den Beweis zu liefern, 
dass gerade auf dem Gebiete der Chemie für den Apotheker 
eine Menge neuer oder neugestalteter Fragen aufgetreten 
sind, könnte mit gleicher Bedeutung auf andere Zweige seiner 
wissenschaftlichen Ausbildung übertragen werden. Wie die 
Chemie sich jetzt in ihrem theoretischen Theile besonders 
entwickelt hat, so die Botanik in den pflanzen -physiologischen 
Untersuchungen. Auch hier muss sich der Fharmaceut darauf 
beschränken, die allgemeinen wissenschaftlichen Grundlagen 
kennen zu lernen und wie früher die specielle Pflanzen- und 
Droguenkunde bevorzugen. 

Während der gewaltigen Fortschritte der Naturwissen- 
schaften im Gebiete der Theorie sind gewiss die angewandten 
practischen Fächer nicht stehen geblieben und beide Theile 
verdanken sich gegenseitig die werthvoUsten Anregungen. 
Wenn aber in den letzteren solche Anforderungen an den 
Apotheker gestellt werden müssen, so ist es unbedingt Er- 
fordemies für die Btudien desselben, dass anch diese die 
Fortschritte im Fache wiedergeben. Es muss dem studiren- 
den Apotheker Gelegenheit geboten werden, in dem chemi- 
schen Fracticum vorzugsweise die später von ihm verlangten 
Prüfungen kennen zu lernen. 



S. Reichardt, Studium der Pharmaoie. 43 

Prof. Po leck in Breslau äussert eich in einem jüngst 
yeröffentlichten Artikel über das pbarmaceutische Institut in 
Breslau: 

„Die deutsche Gesetzgebung macht den Apo- 
theker verantwortlich für die Reinheit und Güte 
seiner Präparate und Droguen und für die vorschrifts- 
mässige Bereitung der Arzneien , sie siebt femer in ihm den 
gerichtlichen Chemiker und das Publikum schon längst den 
chemischen SachTerständigen bezüglich der Beurtheilung der 
normalen Beschaffenheit der Nahrungs- und Genussmittel u.s.w. 
Dadurch wurde der Pharmacie das Gebiet der auf unsere 
socialen Interessen angewandten Chemie, das Gebiet der öffent- 
lichen Gesundheitspflege erschlossen und der Apotheker zum 
natürlichen Bathgeber auf diesen Gebieten. Diese Mission 
i^t um so wichtiger, als die Apotheken ziemlich gleichmässig 
üher das ganze Land zerstreut sind und der Apotheker daher, 
wenn er seine Aufgabe richtig erfasst, vor allen geeignet int, 
naturwissenschaftliche Kenntnisse in allen Krei- 
sen der Gesellschaft, welche sich fern von den grösseren 
Städten bewegen, zu vertreten. Die Befähigung liegt in 
dem ganzen Zweige seiner naturwissenschaftlichen Ausbildung, 
and er wird diese Mission um so wirksamer erfüllen können, 
eme je grössere allgemeine wissenschaftliche Bildung er sich 
erworben hat." 

Und femer über die Arbeiten im pharmaceutisohen La- 
boratorium: „In erster Linie steht daher die Darstellung 
chemischer Präparate und Prüfung derselben auf ihre Beinheit, 
quantitative Bestimmung der wirksamen Bestandtheile pharma- 
ceutischer Präparate und Droguen, unter beständiger Anwen- 
dung und Hebung der maassanalytischen Methoden.^' »ISin 
zweites Semester umfasst dann die Arbeiten auf dem Gebiete 
der Toxicologie und der öffentlichen Gesundheitspflege.'' 
„ Diese Arbeiten machen dann den üebergang zu den hygie- 
nischen Untersuchungen, unter denen die Analyse des Trink- 
wassers in erster Linie steht. Die atmosphärische Luft 
wird auf ihren Kohlensäure- und Wassergehalt, das Leucht- 
gas auf seinen Ammoniak-, Schwefelgehalt u. s. w. geprüft.'' 



Ai £. Rcichardt, Stadium der Pharniacie. 

,7 Hieran schliessen sich Untersuchungen von Nahrungs- und 
Genussmitteln, Wein, Bier, Mehl, Milch u. s. w." 

Diese, der Kürze wegen, satzweise entnommenen Anga- 
ben zeigen klar und richtig, welche Aufgaben jetzt dem Apo- 
theker von dem Publikum, dem Staate und der jetzigen 
Entwickelung der Oesundheitspflege gestellt werden. 

Anders hat sich in der gleichen Zeit das Studium der 
allgemeinen Chemie gestaltet. Demselben widmen sich eine 
so grosse Menge anderer junger Leute, dass am häufigsten 
die studirenden Fharmaceuten in der Zahl zurückstehen. 
Diese Chemie Studirenden sind meistens ohne alle natur- 
wissenschaftliche Vorbildung, haben dagegen oft den nicht 
verkennbaren Vortheil der vollendeten Schul- oder Gymna- 
sialbildung. Dieselben müssen nothgedrungen die ersten 
Anfange der chemischen Praxis durchwandern und brauchen 
oft lange Zeit, um sich diese ersten Grundlagen einer prac- 
tischen Gewandtheit anzueignen, so gern auch anerkannt wird, 
dass später zuweilen eine auffallend rasche Entwickelung der 
Studien sich bemerkbar macht, welche man der vollendeten 
Schulbildung zuschreiben will. 

Die gemeinsame und gleichmässig gestaltete Ausbildung 
der studirenden Pharmaceuten verlangt eine andere Behand- 
lung. Die Pharmaceuten, selbst wenn sie noch so mangelhaft 
vorgebildet waren, besitzen doch immer den grossen Vor- 
sprung der practischen Uebung in den nothwendigen chemi- 
schen Manipulationen, sie sind von vorn herein geeignet, Prä- 
parate zu fertigen, Untersuchungen anzustellen, an welchen mit 
weit besserem Erfolge gleichzeitig die qualitative , wie quanti- 
tative Analyse gelehrt werden kann. 

Der studirende Pharmaceut befindet sich ferner schon in 
älteren, dem Ernste des Studiums angemessenen Jahren, hat 
Lebenserfahrungen gewonnen, welche den meisten seiner 
Studiengenossen abgehen und hat vor Allem in sehr kurzer 
Zeit ein ganz bestimmtes Ziel zu erreichen. Alles dies bean- 
sprucht, seiner Ausbildung eine ganz bestimmte fachliche 
Richtung zu geben. Die Hauptcollegien müssen pharmaceu- 



fe 



B» Iteichardt, Stadium der t^harm&ci«. 46 

tische sein — das GoUegium der Fhanuacie, in welchem die 
Lehie der Prüfung der Präparate, die Grundlagen der 6e- 
sandheitspflege einzureihen sind , das Collegium der ange- 
wandten oder technischen Chemie, die Studien der pharma- 
ceatischen Botanik und Waarenkunde, — und das chemische 
Practicom muss ebenso von Anfang an auf diese pharmaceu- 
tischen Anforderungen eingehen, laicht etwa, dass jeder 
Pharmacie Studirende eine ganz bestimmte Reihenfolge von 
Analysen mechanisch durchwandere oder eine ebenso bestimmte 
Zahl Ton Präparaten darstelle und prüfe, sondern die Arbeiten 
jedes Einzelnen können und müssen gleichzeitig auch Lehr- 
mittel tür die Anderen sein. Nur dieses Ineinandergreifen 
ermöglicht es, den gesetzlichen Anforderungen des pharma- 
centischen Studiums in so kurzer Zeit gerecht zu werden 
und die tbatsächlich geeigneteren £räfbe des studirenden Phar- 
maceuten wirksam auszunutzen, während andere, diese prac- 
tische Vorbildung entbehrenden Chemiker erst weit später 
derartige Leistungen liefern können. 

In früherer Zeit genügte es, bei dem Eintritt in die 
Lehre des Apothekers die Secunda des Gymnasiums erreicht 
zu haben, jetzt wird die Obersecunda oder die Stufe des Frei- 
wflligenexamens gefordert Nach dieser Zeit durchwandert 
der junge Mann, die 2 — 3, früher sogar 4 jährige Lehrzeit, 
die 2 — 3, oft mehrjährige Conditionszeit als Gehülfe und in 
diesen 4 — 7 — 8 Jahren Zwischenzeit liegt eine weitere Vor- 
bereitung für das academische Studium, welche nur zu häufig 
▼Ott ilen Beurtheilenden übersehen wird. ViTenn aber sogar 
noch geäussert wird, dass dieser Bildungsgrad namentlich 
nicht den academischen Graden entspreche, so kann man in 
der That nur auf das, in neuester Zeit gerade im Gebiete 
der naturwissenschaftlichen Studien so vielfach vernachlässigte 
Buch der Geschichte verweisen. Die Pharmacie hat wahrlich 
keine Scheu, auf die Vergangenheit zurückzublicken; die 
bedeutendsten Männer der Naturwissenschaft stammen aus 
ihrem Fache und sollten Leute, wie Doebereiner, Liebig, die 
Familie Böse, bemerkt haben, dass in ihrer Ausbildung Mängel 
geblieben, so haben sie dieselben durch eifrigstes Studium 



46 £. Beichardt, Stadium der I^harmaoie. 

gehoben. Wer es weiss, wie der Bierbrauer Doebereiner noch 
als Professor der Chemie sich des Lateins befleissigte, um 
auch hierin seinen academischen Collegen nachzukonunen, wer 
die ernsten Sprachstudien Liebig's kennen gelernt hat, wird 
wohl das berechtigte Vertrauen sich erworben haben, dass 
ein solcher Einvnirf der ungerechteste ist, welcher ausge- 
sprochen werden kann. 

Es war die Aufgabe dieser Zeilen, hervorzuheben, dass 
die wissenschaftliche Ausbildung der Apotheker keineswegs 
still gestanden, dass, wie in jedem Gebiete der Wissenschaft 
und angewandter Theile derselben die Zeit andere Forderungen 
stellt, so an den Chemiker von Fach, den Botaniker, den Arzt, 
den Apotheker. Diese Entwickelung ist nothwendige Folge 
der fortschreitenden Studien, der mehr und mehr sich Ter- 
breitenden Kenntnisse im Volke, diese Entwickelung ist ein 
2ieichen der Ausbildung der Wissenschaft und die Förderang 
irgend eines Zweiges oder Faches zur selbstständigen Aus- 
bildung kann nur als berechtigt und diesen Fortschritten 
entsprechend bezeichnet werden, sobald das aufgehäufte Ma- 
terial der Scheidung bedarf. 

Die Pharmacie hat in Deutschland die grösste Ent- 
wickelung, gerade in wissenschaftlicher Beziehung, gefun- 
den, sie als das brauchbare Glied der Heilkunde zu erhalten, 
ist Pflicht des Staates; diese auch überall anerkannte 
Ifothwendigkeit führt zu der ebenso bestinunt auszuspre- 
chenden Forderung, dass auch im Studium diesen Bestre- 
bungen entsprochen werde, dasselbe als ein thatsächliches 
pharmaceutisches erhalten oder entsprechend umgestaltet 
werde. 

Die jetzigen Aufgaben der Chemie sind eben andere 
geworden, als Pharmaceuten zu bilden und wenn dess- 
halb yerlangt wird, dass bestimmte pharmaceutische Col- 
legien und bestimmte pharmaceutische Laboratorien, d. h. 
solche der angewandten Chemie gewidmeten, errichtet werden, 
so ist dies nur eine weitere Entwickelung chemischer 
Hülfswissenschaften, die wohl zu den Fortschritten der 



fi. GoddEroj, SigcliieliAftaD ein. Caeniim«> o. BubidiiunTerbindiuigdii. 47 

allgemeinen Wisaensdiaft beitragen können, nie aber der 
wissenschaftlichen Forschung entgegen stehen werden. 



Elgeiisdkafleii einiger Caealnm- und Subfdlam- 

rerbindangeo. 

Yon Dr. Biehard Godeffroy in Wien. 

Vor einiger Zeit^ habe ich schon angedeutet, dass beim 
Vermischen einer Lösung yon Caesimnchlorid mit einer Lö- 
sung von Palladiomchlorür sofort ein gelber kristallischer 
Xiederschlag entsteht, welcher in grösserer Menge Wasser 
löslich ist XJeberlässt man letztere Lösung dem freiwilligen 
Verdunsten, so ertiält man büschelförmig gruppirte Nadeln 
Yon Caeaium-Falladiumchlorür von der Formel: 
PdCl' . 2C8C1. Dieselben zeigen eine dunkel rothbraune 
Farbe und sehr schönen Farbenglanz. In Wasser sind sie 
ziemlich leicht löslich, nicht aber in Alkohol. Beim Kochen 
der wasaiigen Lösung mit Alkohol oder Glycerin wird das 
PaQadiun nach und nach vollständig herausgeiallt. 

Zur quantitativen Analyse wurden 0,413 g. der früher 
ToUkommen getrockneten Krystalle in Wasser gelöst und der 
kochenden Lösung Glycerin zugefügt; schon nach einigen 
Minuten war — bei fortgesetzter Erwärmung — sämmtliches 
Fklladinm als sammtschwarzer IJiederschlag herausgefällt, 
während die früher rothbraune Flüssigkeit Yollständig farb- 
los erschien. Der Niederschlag wurde auf* ein Filter gesam- 
melt, mit heissem Wasser gewaschen, getrocknet, geglüht 
und gewogen. Ich erhielt Palladium — 0,086 g. » 20,58 %. 

Das Filtrat wurde mit salpetersaurem Silber versetzt 
und der entstandene Chlorsilberniederschlag nach der gewöhn- 
lichen Methode behandelt. Ich erhielt GlAg — 0,45 g. 
- 0,11132 Cl oder 26,95%. 



1} Anh. d Pli. 1876. 9. Zl^ 



48 tt. Gndeffroj, SigaiitabkfteD «io. CMsinn- u, fiu1>i<liiimv«rbiiidiiiig«a. 

n 100 Tbeilen Bind demnach enthalten : 

Berechnat. Oeftiuden, 

Cl* — 142 27,63 »/o- 26,95 «/o. 

Pd — 106,2 20,69 - 20,58 - 

Cb'— 265,2 51,68 - 

513,4 lOO,00"/o- 
las Gaeaium-PaUadiamchlorär wird beim Glühen leicht 
Et in Fall&dium nnd Caeaiumchlorid. 
laesinm-Uaiiganchloriir. A. Beim Yenniscben 
ilzsanren Löson^n tos Manganchlorur und Caesium- 
t entsteht, wie ich früher einmal berichtete' ein kiy- 
cher Niederschlag von der Formel MnCl' . 2CsCl. 
I. Wird die über dem Niederschlage befindliche Flns- 
: dem i^iwilligen YerdnnateD überlassen, ao krystallisirt 
er Zeit ein Salz in kleinen monoklinen Prismen von 
:her Farbe heraus, das Caeeium-Maaganchlorür B. 
Bi Formel 2(MiiCl'' . SCsCl). 5H»0. 
,415 g. dieses Salzes gaben beim Erhitzen bis auf 
1 Verlust — 0,035 g., demnach Wasser — 8,43 %. 
'emer GlAg = 0,442 g., demnach 01 — 0,10934 g. oder 
%. 0,309 g. Salz geben ClAg — 0,333 g., demnach 
0,08238g. oder 26,6b%. 

'eraer Mn^O* — 0,047 g., demnach Mn — 0,03386 g. 
10,95 %. 
,391 g. Salz gaben Verlust 0,035 g., demnach Wasser 

'erner Mn'O* — 0,059 g., demnach Mn — 0,04251 g. 

10,87 %. 

n 100 Theüen sind demnach enthalten: 

Berechnet. Oeftiaden. 



- 110 10,847(,. — 10,957o- 10,87''/o- 

- 284 27,99 - 26,34<»/b. 26,66 - — 

- 530,4 52,30 - _ _ — 
— _ 90^ 8,87 - 8,43 - — 8,95 - 

1014,4 lÖO,00'»/o. 

BerL Bar. 1876. 8. 9. u. Z«iUoli. d. Mlg. Oe. Ap. V. I8I0. 1. 



IL Gode&ojy Eigenflcbaften ein. Caenrnn- a. ^ftubidiumTerbiiidiuigeii. 49 

C. Wird das Salz A. in Wasser gelöst und diese 
Lösung dem freiwilligen Verdunsten überlassen, so krystalli- 
sirt ein Caesium-Manganchlorür G. von der Formel 
MnCl* . 2CsCL 3H*0 in grossen blass rosenrothen Kry- 
stallen heraus. 

0,693 g. dieses Salzes gaben Verlust ^ 0^076 g., dem- 
nach Wasser = 10,96 %. 

Femer ClAg = 0,763 g., demnach Cl = 0,18875 g. 
oder 27,24%. 

0,508 g. des Salzes gaben Verlust = 0,052 g., denmach 
Wasser = 10,23 %. 

Femer Mn»0* == 0,071 g., demnach Mn =. 0,05116 g. 
oder 10,07 7o- 

In 100 Theilen sind demnach enthalten: 

Berechnet. Gefunden. 



t. 2. 

Mn =- 55 10,65 »/o. — 10,07% 

Cl* «= 142 27,50 - 27,24 %. — 

Ca« « 265,2 51,39 - — — 

3H*0« 54 10,46 - 10,93 - 10,23 - 

516,2 100,00%- 
Rubidium-Manganchlorür. Beim langsamen Ver- 
dnnsten der wässngen Lösungen von Manganchlorür und 
Rubidimnchlorid erhält man grosse, blass rosenrothe Krystalle 
dieses Doppelsalzes, welches in Wasser leicht, in Weingeist 
aber unlöslich sind. Sie reagiren yollständig neutral. Erhitzt 
verlieren sie anfangs Erystallwasser und schmelzen hierauf 
ohne Zersetzung. Die Analyse führte zu der Formel 
MnCI«.2RbC1.3H»0. 

0,65 g. verloren beim Erhitzen auf 100^ C. zuerst 
0,0555 g., demnach Wasser 8,54 %. Beim weiteren Erhitzen 
anf 150® C. aber noch 0,023 g., demnach Wasser 3,54%. 

Femer wurden erhalten ClAg » 0,889 g., demnach 
Cl « 0,21992 g. oder 33,83 %. 

Endlich Mn» 0* =- 0,119 g., demnach Mn « 0,8574 g. 
oder 13,17%. 

Mth. d. Pharm. Xtf. Bd«. 1. Heft. 4 



50 B. Godeffroy, £igensebafteb ein. Caedium- u BubidianiTerbindungen. 

In 100 Theilen sind demnach enthalten : 





Berechnet. 


Gefunden. 


Mn = 55 


13,03 7o. 


13,17%. 


Rb« « 171 


40,53 - 




Cl* « 142 


33,65 - 


33,83 - 


2H«0« 36 


8,76 - 


8,54 - 


H»0 « 18 


4,03 - 


3,54 - 


422 


100,00%. 





Das Rubidium -Manganchlorür wird aus seiner concen- 
trirten wässrigen Lösung durch conc. Salzsäure im wasser- 
freien Zustande als blass rosenrothes krystallisches Pulver 
ausgefallt. 

Sowohl das Gaesium- Manganchlorür als auch das Rubi- 
dium -Manganchlorür entsprechen in ihrer Zusammensetzung 
nicht den bis jetzt bekannten und untersuchten Doppelsalzen 
des Manganchlorürs mit Alkalimetallchloriden. Hauz^ be- 
schreibt ein Ammonium -Manganchlorür von der Formel 
2Mn Gl + NH* Gl + 4H0 (MnGi« . NH* Gl . 2H«0). Das- 
selbe soll monoklinometrische Krystalle bilden, die bei 100° C. 
3 Aeq. und bei 135® G. das 4. Aequivalent Wasser verlieren. 
Hauer • fand ein Ammonium - Manganchlorür von der For- 
mel MnGl + NH*G1 + 2H0 (MnGl« . 2NH* Gl . 2H*0) und 
Rammeis berg ' ein Salz von der Formel MnGl + HH*Cl 
+ HO (MnGl* . 2NH* Gl . H«0), welches regulär krystallisi- 
ren soll. 

Rubidium-Gadmiumchlorid. Beim Eindampfen der 
gemischten salzsauren Lösungen von Cadmiumchlorid und 
Rubidiumchlorid erhält man eine weisse krystallische Aus- 
scheidung eines Doppelsalzes A von der Formel Cd Ol" 
-|- 2RbGl. * Ist jedoch Gadmiumchlorid im Ueberschuss 
vorhanden, so krystallisirt aus der salzsauren Lösung bald 



1) Ann. d. Gh. 1S48. (2) 285. 

2) Jahr. d. Ch. 1854. 353. 

3) Pogg. 94. 507. 

4) Berl. Ber. 1875. 8. 9 und ZeiUohr. d. AUg. Oe. Ap. V. 1875. U. 



R. Godeffroy, Eigeiuehaftea ein. Caesiam- u. fiabidiuroyerbindungen. 51 

ein anderes Doppelsalz B in langen, seidenglänzenden, harten 
Nadeln heraus von der Formel (CdCl* . RbCi)« . SH^O. 

0,502 g. dieses Salzes gaben Verlust beim Erhitzen bis 
auf 150« C. « 0,015 g., demnach Wasser « 2,93 %. Fer- 
ner CdO « 0,205 g., demnach Cd = 0,179375 oder 35,73%. 

1,089 g. des Salzes gaben Verlust « 0,026 g,, demnach 
Wasser — 2,39 7o- 

Femer ClAg =- 1,497 g., demnach Cl =- 0,37033 g. oder 
34,0 %. 

In 100 Theilen sind demnach enthalten: 





Bereebnet. 
35,78 7o, 


Grefunden. 


Cd« = 672 


1. 

35,73%. 


i. 


Cl»» — 639 


34,02 - 





34,0 %. 


Rb* - 513 


27,34 - 







3H*0- 54 


2,86 - 


2,98 - 


2,39 - 



1878 100,00 ö/o- 

Bie Mutterlange der Krystalle B giebt beim Eindam- 
pfen zur Trockenheit, nachherigem Auflösen in Wasser und 
freiwilligem Verdunsten der Lösung grosse wohl ausge- 
bildete Prismen eines Doppelsalzes C von der Formel 
^CdCl«.RbCl)*.H*0. 

0,548 g. dieses Salzes gaben beim Erhitzen bis auf 
150* C. Verlust « 0,007 g., demnach Wasser « 1,28 »/o- 

Ferner ClAg — 0,768 g., demnach Gl « 0,18999 g. 
oder 34,67%. 0,9 g. des Salzes gaben Verlust — 0,012, 
denmach Wasser 1,33 %. 

Ferner CdO — 0,372 g., demnach Cd — 0,3255 oder 

36,17 V 

In 100 Theilen sind demnach enthalten: 





Berechnet 
36,29%. 


Gefanden. 


Cd* - 448 


1. 




2. 

36,17 7o- 


CP«-426 


35,04 - 


34,67%- 






Rb* ^ 342,4 


27,21 - 






a 


HH)- 18 


1,46 - 


1,28 - 




1,33 - 



1234,4 100,00%. 

4* 



iefboy, BigcacchaTWa ein, Caeiioin- a. BubidiamTarbiDdangen. 

Robidi um- Quecksilberchlorid. 
Vermischt man die salzeaureii Löaungeo von Kubi- 
id und Quecksilberchlorid, so erhält man beim EId- 
kleine nadelformige Krystalle von der Formel 
iBbCI. » 

1 dieses Salz in Wasser gelöst und die erhaltene 
lem freiwilligen Verdunsten hinterlassen, so erhält 
ise, farblose Prismen des BoppeUalzes B von der 
[gCl».2RbC1.2H»0. 

g. des Salzes gaben beim Erhitzen anf 120" C. 
- 0,054 g., demnach Wasser — 6,5 %. 
ler 8Ug — 0,349 g., demnach Hg — 0,3008 oder 

2 g. des Salzes gaben Verlust = 0,046 g., dem 
sser * 6,46%. 

ler GlAg — 0,744 g., demnach Gl = 0,18405 g. oder 

00 Theilen sind demnach enthalten: 



-200 


36,43«/.. 


36,24 •/.. 


s. 


— 142 


26,86 - 


— 


26,86%. 


-171 


31,16 - 


— 


— 


— 36 


6,66 - 


6,60- 


6,46 - 



)- 

549 100,00 "/o- 
I Eindampfen der gemischten wässrigen Lösungen 
Gewichtatheile Quecksilberchlorids und Rubidiujn- 
>ildet sich ein dichter krystallischer Brei von sei- 
nden Nadeln einee Doppelsalzes G von der Formel 
. RbCI. 

i g. dieses Salzes gaben 6Hg — 0,281 g., demnach 
24224 g. oder 60,25 7^. 

er GlAg ~ 0,427 g., demnach Gl — 0,10563 g. 
7%- 

. Rer. 1876. 8. 9. ii. ZaiUehT. d. AUg. Oe. Ap. V. 1875. il. 



B. Gotkffrojy Eig^nBcbaften ein. Caesium- u. RubidiumTerbindungen. 53 

In 100 Theilen sind demnach enthalten: 

Berechnet. G-efanden. 

Hg« « 400 60,33%. 60,25 7o. 

Cl* = 188,5 26,77 - 26,27 - 
Rb «= 85,5 12,90 - — 

674,0 100,00 7o- 

Beim Erhitzen bis auf 150^ C. verliert das Salz einen 
Theil des Quecksilberchlorides und verwandelt sich nach 
nnd nach in ein Doppelsalz D von der Zusammensetzung 
HgGl*.RbCl. Beim Erhitzen bis zur Rothgluth entweicht 
alles Quecksilberchlorid. 

Das Salz C ist in Wasser sehr leicht löslich, in Wein- 
geist dagegen nur beim Kochen. Das Rubidium - Quecksil- 
berchlorid G unterscheidet sich von den bis jetzt bekannten 
Kalium- Quecksilberchlorid dadurch, dass es wasserfrei kry- 
staUisirt. v. Bonsdorff^ und Rammeisberg* fanden 
für das Kaliumsalz die Formel (Hg Gl«)» . KGl . 2H«0. 

S'Ubidium- Goldchlorid. Beim Yermischen der nicht 
za verdünnten salzsauren Lösungen von Rubidiumchlorid 
und Goldchlorid entsteht sofort ein goldgelber Niederschlag, 
welcher im Wasser löslich ist und beim freiwilligen Ver- 
<Iansten dieser Lösung salpeterähnliche lange, prismatische, 
goldgelbe Krystalle liefert. Die Krystalle sind wasserfrei und 
liaben die Zusammensetzung Au Gl^ . Bb Gl. 

0,724 g. des Salzes gaben Au = 0,334 g. oder 46,13 7o. 

0,744 g. des Salzes gaben GlAg » 1,005 g., demnach 
Cl *- 0,24862 g. oder 33,41 %. 

In 100 Theilen sind demnach enthalten : 

Berechnet. Gefiinden. 

1. 2. 

Au=.197 46,40«/o. 46,13%. — 

Cl* - 142 33,45 - — 33,41 %. 

Bh « 85,5 20,15 - — — 

424,5 100,00 7o. 



1) I^ogg. 17. 122. 
3) Pojj. 90. 33. 



54 Th. Husemann, Zur Toxikologie der Apocjneen. 

Beim Erhitzen schmelzen die Krystalle unter theilweisem 
Chlorverlust und geben röthlich braunes Rubidiumgold- 
chlorür. Beim Glühen werden sie aber vollständig und 
leicht zersetzt in Kubidiumchlorid und Gold. Bas Bubidium - 
Goldchlorid ist auch in Alkohol und Aether unzersetzt löslich. 
Es unterscheidet sich von den entsprechenden Ealiumsalzen 
(AuCl».KCl)^.H2 und AuCl» . KCl . 2H« Topsöe's^ 
dadurch, dass es wasserfrei krystallisirt und beim Glühen 
vollständig in Gold und Rubidiumchlorid zersetzt werden 
kann. 

Caesium-Gold chlor id. Auf dieselbe Weise zu er- 
halten wie das Rubidiumsalz. Es krystallisirt in kleinen, 
röthlich gelben, nadelförmigen Kry stallen, von der Formel 
Au Cl* . CöCl. Dieselben sind in Wasser, Alkohol und Aether 
schwieriger löslich als das Rubidiumsalz. 

0,58 g. des Salzes gaben Au « 0,242 g. oder 41,72 %. 

0,511 g. des Salzes gaben ClAg «= 0,622 g., demnach 
Cl == 0,15387 g. oder 30,15 ^Iq. 

In 100 Theilen sind demnach enthalten: 

Berechnet Gefunden. 





• 


1. 


2. 


Au = 197 


41,77 %. 


41,72 %. 


— 


Cl* = 142 


30,11 - 




30,1 5 «/o- 


Cs «= 132,6 


28,12 - 









471,6 100,000/0. 
Wien. Pharmaceutische Schule 1877. 



Zur Toxikologie der Apoeyneen. 

Von Professor Th. Hu Bemann. 

In RosenthaTs bekanntem vorzüglichem Werke Sy- 
nopsis plantarum diaphoricarum p. 370 findet sich bezüglich 
der auf Java wachsenden Apocynee Plumiera acuminata 
Dryand. s. Fl. acutifolia Lam. die Bemerkung, dass 
die Wurzel dieser Pflanze purgirend wirke und der Milch- 

1) Groelin, Handb, d. Gh. 3, B, 1030, 



Th. Husemann, Zur Toxikologie der Apocyneen. 55 

5(ift der Pflanze scharf und ätzend sei. Diese Angabe ent- 
spricht allerdings der Anschauung der Javanen über die 
betreffende Species der dem in Westindien als Botaniker 
wiederholt gereisten Franziscaaerniönche Charles Plumier 
(gest 1704) zu Ehren benannten Gattung, muss aber als 
irrthümlich bezeichnet werden. 

Aus dem Jahre 1863 liegt bereits eine von J. J. Altheer 
:ui8gefuhrte genauere Untersuchung des Milchsafts und der 
Wurzel der auf Java und den übrigen Inseln des Sunda- 
archipels nicht seltenen, besonders auf Kalkboden und viel 
auf Kirchhöfen wachsenden Strauches, welcher von den Java- 
nen Sambodja genannt wird und sich durch seine äusserst 
angenehm riechenden Blumen auszeichnet, vor. Dieselbe findet 
sich in Band X der Geneeek. Tijdschrift voor Nederl. Indie 
p. 183 — 196 und giebt sowohl eine chemische Analyse des 
Milchsafts als toxikologische Experimente mit diesem und 
der Wurzel der Pflanze, welche letztere, wie er ausdrücklich 
hervorhebt, auf Malabar als tödtliches Gift betrachtet wird. 

Der ans Einschnitten in den Stamm oder in die Zweige 
unmittelbar in grosser Menge ausfliessende Milchsaft ist voll- 
kommen weiss, von saurer Reaction, anfangs geruchlos, später 
\mm Stehenlassen einen den Blumen des Strauches ähnlichen 
Gemch annehmend, schmeckt etwas scharf bitter, zeigt unter 
<\em Mikroskope Molecularbewegung und hinterlässt beim 
Eintrocknen Kry stalle, welche Rhombenoctaeder und davon 
abgeleitete Formen darstellen. Nach längerem Stehen tritt 
Aufschäumen, Eothfarbung und alkalische Beaction auf. Die 
rothe Farbe wird dunkler bei weiterem Stehen und gleich- 
zeitig setzt sich ein organisches Kalksalz und eine klumpige 
ieantschukartige Masse ab, welche letztere auch aus dem 
frischen Milchsafte durch Zusatz einer Säure abgeschieden 
wird. Das specifische Gewicht des Milchsafts beträgt durch- 
^hnittUch 1,03 und nach Abscheidung. der von Altheer als 
Getah bezeichneten Masse, welche 23% ausmacht, 1,045. 

Aus dem Milchsatte konnte Altheer vermittelst des 
Verfahrens von Stas kein Pflanzenalkalo'id erhalten, dagegen 
fand er drei eigenthümliche, von ihm als Plumierasäure a, ß, y 



56 Tb. Husemani], Zur Toxikologie der Apocyueen. 

bezeichnete Säuren, neben Oxalsäure und Baldriansäure, welche 
sämnitlich an Kalk gebunden zu sein scheinen. ^ In wie weit 
diese Säuren als eigenthümliche zu betrachten sind oder 
etwa mit einigen der allgemeiner verbreiteten Pflanzensäuren 
übereinstimmen, muss bei dem Fehlen von Elementaranalysen 
zweifelhaft bleiben. Die als Getah bezeichnete Masse ist 
weder mit Gutta -Percha noch mit Kautschuk identisch. 

Da diese Resultate der chemischen Analyse auf das 
Vorhandensein eines giftigen Stoffes nicht hinweisen und da 
der Milchsaft, welchen die Wurzel, freilich in geringerer 
Menge als der Stamm, einschliesst, mit demjenigen des letzteren 
in allen Stücken übereinstimmt, so war das negative Resul- 



1) Zar Absoheidung dieser Saaren wurde, nachdem das Kalksali sieh 
aus dem oben erwähnten Milchsafte abgesetst hatte, der Niederschlag mit 
einer verdünnten Lösung von kohlensaurem Kali digerirt , der entstandene 
kohlensaure Kalk abfiltrirt, das Filtrat mit Essigsäure gesättigt und jsum 
Kochen erhitzt und nach Abscheidung des dabei in geringer Menge aus- 
geschiedenen Fflanieneiweisses mit basisch essigsaurem Blei behandelt. 
Der abfiltrirte und wiederholt mit Wasser ausgewaschene hellgelbe flockige 
Niederschlag wurde mit Schwefelwasserstoff sersetst und durch Eindampfen 
des klaren, Tom Schwefelblei befreiten Liquidums über dem Wasserbade 
eine dicke Flüssigkeit erhalten, welche unter einer Glocke mit Schwefel- 
säure sich in blumenkohlähnliche Krystallmassen yerwandelte, die in heissem 
Wasser und Alkohol in allen Yerbältnissen löslich, in kaltem Wasser, 
Aether und Chloroform ziemlich schwer löslich waren. Diese Säure, 
a Plumierasäure , krystallisirt sehr leicht aus ätherischer Lösung und 
bildet ein im Wasser sehr wenig und in Alkohol gar nicht lösliches Kalk- 
salz, giebt auch mit Lösungen der Salze von Schwermetallen voluminöse 
Niederschläge, die sich in verdünnten Mineralsäuren leicht auflösen. Die 
ß Plumierasäure wurde aus dem in der Waschflüssigkeit in Lösung befind- 
lichen Bleisalze in analoger Weise in Bbombendodekaedem erhalten, 
welche sich nicht in Alkohol auflösten und deren Kalksalz in Wasser gar 
nicht oder doch nur äusserst wenig löslich war. Hiergegen stellte Alt- 
heer die y Plumierasäure aus der Flüssigkeit, welche nach Abscheiden 
der kautschukartigen Masse zurückbleibt, durch Zersetzen mit Bleiessig u. s. w. 
als dunkelbraunen Syrup dar, welcher nicbt zum Krjstallisiren gebracht 
werden konnte. Diese Säure löste sich in Wasser und Alkohol leicht, 
nicht aber in Aether und Chloroform und gab in Wasser leicht lösliche 
Verbindungen mit Kali und Kalk, welche mehr oder minder leicht in den- 
dritischen Formen krystallisirten. 



Th. Haiemaim, Zur Toxikologie der Apocyceen. 57 

tat directer Thierversuche vorauszusehen. Die Verfiitterung 
Ton 4 Unzen gepulverter Wurzeln im Gemenge mit Fleisch 
übte anf junge Hunde und Katzen durchaus keinen schädlichen 
EinflosB aus und zwar gilt dies sowohl für die Wurzel der in 
Garten gezogenen Pflanzen als für die auf Kirchhöfen gesam- 
melten, denen man in Java eine besonders grosse Giftigkeit 
beilegt. In gleicher Weise erwies sich auch der wässrige 
Tbeil des Milchsafts vollkommen ungiftig. 

Wir haben somit in Plumiera acutifolia eine Pflanze aus 
der Familie der Apocyneen, welche verhältnissmässig indif- 
ferent für den thierischen Organismus ist und welche ganz 
gewiss nicht die ihr in ihrem Yaterlande zugeschriebenen 
toxischen Eigenschaften besitzt. Es würde der Mühe ver- 
lohnen, sich davon zu überzeugen, in wie weit andere Species 
derselben Gattung ebenfalls eine Ausnahmestellung unter den 
sonst so sehr durch Giftigkeit hervorragenden Apocjneen 
einnehmen« Es überrascht von vornherein, wenn wir unter 
der langen Reihe der von Rosenthal aufgezählten Species 
von Plumiera solche mit geniesabaren Früchten neben solchen 
mit einem ätzend scharfen Milchsaft aufgeführt finden, ja 
»ogar einzelne, welche gleichzeitig essbare Fruchte und dra- 
}itischen Milchsaft liefern sollen. Diese Yerbiniung von Nütz- 
lichkeit und Schädlichkeit wird namentlich den westindischen 
Arten P. alba L. und P. rubra L., deren Früchte unter dem 
Namen Franchipanen genossen werden, beigelegt, während 
bei der ostindischen P. obtusa L. nur die Essbarkeit der 
Früchte hervorgehoben wird. Als scharf oder drastisch sind 
die beiden Pinmieren Srasiliens, P. phagedaenica Mart. und 
P. drastica Mart, femer P. retusa Lam. von Madagascar auf- 
geführt. Sosenthai erwähnt ausserdem die mexikanische 
P. Lambertiana Lindl. als Mittel bei Syphilis und Schleim- 
kachexien, woraus natürlich nichts über die etwaige Schärfe 
dieser Species folgt, weil ja gegen die letztgenannten Affec- 
tionen eine Reihe von Mitteln verwendet werden, besonders 
in Form von Tisanen, deren active Principien in keiner 
Weise heroisch wirken. Auch die beiden obengenannten ost- 
indischen Species finden bei Hautkrankheiten und Syphilis 



58 F. A. Fluckig«r, Indifferentes Harz aus Garjonbalsam. 

Anwendung. Alle diese Plumieren verdienen eine genauere 
Untersuchung. Wie diese ausfallen möge, immerhin sind die 
Resultate Altheer's ein Beweis dafür, dass in derselben 
Abtheilung der Apocyneen, in der UnterfamUie der Ophioxy- 
leen, neben den durch ihre grosse Giftigkeit ausgezeichneten 
Species Thevetia neriifolia und Tanghinia venenifera auch 
indifferente Species yorhanden sind. 

Die Möglichkeit, dass der Milchsaft der erwähnten Plu- 
mieren eine andere Wirkung als andere Pflanzentheiie und 
namentlich die Saamen haben, kann übrigens nicht in Abrede 
gestellt werden, da ein ähnliches Verhalten sich bei Cerbera 
Odallam, welche ebenfalls zur XJnterfamilie der Ophioxyleen 
gehört, findet. In den Saamen der letzteren existirt nach 
Oudemansjun. das bekannte Glykosid The vetin, während 
der Milchsaft nach einer Untersuchung von Altheer (Ge- 
neeskundig Tijdschrift voor Kederlandsch Indie, Band X, 
p. 505) nur eine sehr geringe Spur eines in Alkohol löslichen 
scharf bittern Stoffes zeigt und selbst zu einer Unze auf 
Hunde von mittlerer Grösse nicht toxisch wirkt Uebrigens 
gilt dieser Milchsaft nach der Mittheilung des Directors des 
botanischen Gartens in Weltevreden, Teijsman, auch bei den 
Javanen für ungiftig. Dass die Existenz des Milchsafts über- 
haupt weder in der Familie der Apocyneen noch in andern 
Familien einen bestimmten Hinweis auf die giftige Natur der 
betreffenden Pflanze abgiebt, braucht nicht weiter betont 
zu werden. 



Indifferentes Harz aus Gorjanbalsam. 

Von F. A. Flückiger.*) 

Unter dem Namen Gurjun -Balsam wird in Indien, 
besonders in Hinterindien, in grosser Menge der Harzsaft 
mehrerer Bäume aus dem Genus Dipterocarpus gewonnen ^ 



1) Aus Oroth'i Zeitschrift für Erystallographie 1877. 389. 

2) Näheres in Flückiger and Hanbury, Pharmaoographia , Lon- 
don 1874, p. 83. — Vergl. auch Arohi? der Pbarmacie 808 (1876) 420. 



F. Ä. Fliickigery Indifferentes Harz aus Guijunbaham. 59 

und gelegentlich auch in Europa eingeführt. Er besteht aus 
iitherischen Oelen von der Formel C^^H** und Harz in wech- 
selnden Yerhältnissen. Aus dem letztern wurde durch Wer- 
ner * ein krystallinischer Antheil dargestellt und als Gur- 
gnnsänre ' beschrieben. Sie soll der Formel C*^H*®0® 
entsprechen 9 welche auch der Metacopaivasäure zukommt; 
man darf wohl vermuthen, dass beide identisch sind. Schreibt 
man jene Formel C**H'"0®, so ergiebt sich eine nahe Be- 
ziehung zu Maly's Abietsäure* C**H^*0^ 

Bei der Verarbeitung grösserer Mengen Gurjunbalsam 
im Laboratorium des Hauses Gehe & Co. in Dresden wurden 
aus dem Destillationsrückstande Krvstallkrusten erhalten, 
welche nadi einiger Reinigung nur noch schwach gelbliche 
Färbung darboten und von den Producenten als Copaiva- 
saure bezeichnet wurden, weil Gurjunbalsam gelegentlich 
statt Copaivabalsam dient. 

Aus dieser angeblichen Copaivasäure gelingt es bei Win- 
terkälte, gute farblose und durchsichtige Kr}'stalle zu erhal- 
ten, wenn man die rohen Krusten in 12 Theilen warmem 
Ligroin löst. Nur solche Krystalle, welche sich in Folge 
der Abkühlung bilden, nehmen etwas ansehnlichere Dimen- 
sionen an, die jedoch bei den längsten Prismen doch kaum 
1 Centimeter^ überschreiten. Bei Verdunstung des Ligro'ins 
oder aus andern Lösungsmitteln erhielt ich nicht isolirte 
Krystalle. 

Dieses von mir gereinigte Gurjunharz beginnt bei 126^ 
ohne Gewichtsverlust zu schmelzen (Gurjunsäure bei 220^); 
etwas grössere Mengen verflüssigen sich erst bei 130®. Die 
beim Erkalten amorphe Masse krystaliisirt bei Berührung mit 
Weingeist (0,830 spec. Gew.), worin das Harz nicht reich- 
Ucher löslich ist als in Ligroin. Aus offener Platinschaale 
lassen sich kleinere Mengen des Harzes ohne bedeutende 



1) Jahresbmcht 1862, S. 461. — Gmelin, Organische Chemie VII. 
S. 1935. 

t] Richtiger GuijunMore ; nur Onrjun wird in Indien geschrieben. 
S) Ann. der Ch. 161 (1872), S. 115. 



60 F. A. Flackiger^ Indiffercntea Hari aus Garjanbal8.iiii. 

Verkohlung unter Entwickelung eines Harzgeruches rer- 
flüchtigen; die Kohle verbrennt schliesslich ohne Kückstand. 

Während die oben genannten Harzsäuren in weingeisti- 
ger Lösung schwach, aber bestimmt sauer reagiren und sich 
auch sonst als Säuren erweisen, ist dieses bei meinem Gor- 
junharze durchaus nicht der Fall; es ist vollkommen indiffe- 
rent und lässt sich in keiner Weise mit Basen verbinden. 
Seine gesättigte Ligroinlösung bewirkt keine Ablenkung der 
Folarisationsebene. 

In concentrirter Schwefelsäure löst es sich mit rothgel- 
ber Farbe und wird durch Wasser wieder weiss gefallt; bei 
der trockenen Destillation geht ein saures, nicht unangenehm 
riechendes Oel über, das durch Zusatz von weingeistigem 
Eisenchlorid nicht verändert wird. Von schmelzendem Aetz- 
kali wird das Gurjunharz nicht angegriffen, auch lieferte es 
mir weder eine Acetylverbindung, noch ein Nitroderirat in 
krystallisirter Form. 

Bei 100^ getrocknetes, durch wiederholte Krystallisation 
rein dargestelltes Gurjunharz, durch Dr. Buri analysirt, 
ergab: 

r. II. III. 

bei 0,2476 2364 0,2492 Substanz 

CO« 0,7369 0,6996 0,7419 

OH« 0,2535 0,2410 0,2557 

woraus folgt in Procenten: . 

C 81,16 81,05 81,20 

H 11,38 11,37 11,40 

7,46 7,58 7,40. 

Diese B.e8ultate lassen sich durch die Formel C'^U^^O' 
ausdrücken: 

28 G 336 81,16 

46 H 46 11,11 

2 32 7,73 

414 100,00. 

In Betreff der Erystallform dieses Harzes theUt Herr 
Dr. H. Bücking in Strassburg Folgendes mit: Krystallsystem 



Gr. Vnlpias, Das lUdiometoif. 



61 



V 



asymmetrisch-, lange Frismen, deren horizontaler Quer- 
schnitt in beistehender Figur dargestellt ist^ gebildet von 
den glänzenden Flächen a, b, m und abgeplattet nach b\ am 
Ende erscheint die ebenfalls glänzende , steil nach hinten 
geneigte Fläche o und eine nahe horizontale c, welche jedoch 
stets so stark gekrümmt war, dass auch nicht einmal 
angenäherte Messungen auszufuhren möglich war. Es 
konnte daher das Axenverhältniss nicht berech- 
net werden« 

Beobachtete Eantenwinkel: 

a : 6 « 66® 58' 
a : m 65 54 
b': m 47 8 
o : a' 57 6 
o : b 79 20 
o : m' 46 51 
Optische Axenebene bis auf 0^,5 senkrecht zur Kante 
ab, nach welcher die Krystalle yerlängert sind; zweite Mit- 
tellinie fast absolut genau senkrecht zur Fläche b. Mit einer 
natürlichen Platte nach b und einer senkrecht zur ersten 
Mittellinie geschliffenen wurde der Axenwinkel in Oel für 
Natrium gemessen: 

2Ho -= 103« 1' 2H^ =- 93» 58'. 

Daraus folgt der wahre Axenwinkel 

2V ^ 86<^6'. 
Dispersion q'^ v. Doppelbrechung negativ. 



Deber das Radiometer, 

Von Dr. 6. Yalpias in Heidelberg. 

Seit dem im Aprilhefte dieser Zeitschrift vom vorigen 
Jahre erfolgten Erscheinen einer ersten Zusammenstellung 
der aber das Radiometer gemachten Beobachtungen und der 
daran geknüpften Erklärungsversuche sind wieder mannigfache 
auf diesen Gegenstand bezügliche Mittheilungen in Frankreich, 
England, Italien publicirt worden. 



62 G. Vulpius» Das Hadiomete^. 

Dem Physiker Arthur Schuster am Owen -College in 
London gebührt das Verdienst, darauf hingewiesen zu haben, 
dass man der Lösung der von dem Radiometer aufgegebenen 
Käthsel am Sichersten sich nähern werde, wenn mau sich 
jenes Fundamentalgesetzes der Mechanik erinnern wolle, 
welches ausspricht, dass überall, wo eine Kraft einen Körper 
in einer gewissen Kichtung fortzubewegen strebt, eine zweite 
ihr gleiche Kraft gefunden werden kann, welche in entgegen- 
gesetzter Kichlung auf denjenigen Körper wirkt, von welchem 
jene erste Kraft ausgeht. 

Wenn nun die Kraft, welche die Flügel des Radiometer 
in Bewegung setzt, eine directe Wirkung der Strahlung wäre, 
so müsste der Hückstoss auf den strahlenden Körper ausgeübt 
werden; wenn dieselbe dagegen einer innem Wirkung ent- 
springt, so wird ein ßückstoss auf die Wandungen des Rau- 
mes oder Gefasses sich bemerklich machen, worin der sich 
bewegende Körper eingeschlossen ist, es muss somit das Be- 
streben einer Drehung der Radiometerkugel in einer der 
Flügelbewegung entgegengesetzten Richtung vorhanden sein. 
Schuster hat dieses Bestreben constatirt mit Hilfe eines Ra- 
diometers, welches an einem Seidenfaden in einem Räume 
aufgehängt war, welcher selbst luftleer gemacht werden 
konnte, um so die Reibung und den Luftwiderstand auf ein 
Minimum zu beschränken. Um schon geringe Drehungen 
sichtbar zu machen, war ein kleiner Concavspiegel auf der 
Radiometerkugel angebracht, welcher einen Lichtpunkt auf 
eine Scala warf. In der That gelang es Schuster mit diesem 
Apparat zu constatiren, dass stets im Moment der beginnen- 
den Belichtung des Radiometers und mit dem Eintritt der 
Flügelrotation eine Drehung der Kugel im entgegengesetzten 
Sinne stattfand. War d^e Rotationsgeschwindigkeit der Flügel 
einmal constant gew^orden, so kehrte die Kugel wieder in ihre 
alte Lage zurück, um eine mit derjenigen der Flügel gleiche, 
also ihrer seitherigen eigenen entgegengesetzte Drehungsrich- 
tung anzunehmen, sobald die Belichtung abgebrochen wurde. 

Grookes will diesem Experiment keine Beweiskraft im 
Sinne einer Verneinung der von ihm behaupteten directen 




G. Vulpitts, Bas Radiomete]*. 63 

mechanischen Wirkung der StraUung zugestehen, er setzt 
demselben vielmehr ein anderes gegenüber. Das hierzu 
benutzte Radiometer war nicht aufgehängt, es schwamm auf 
Wasser. Die Mühle selbst hatte 10 Arme, wovon 8 aus 
Messing, zwei aus magnetisch gemachtem Stahl hergestellt 
waren, wahrend die Flügel aus einseitig geschwärztem Hol- 
landermark bestanden. Die Strahlen einer Kerze genügten, 
um die Flügel ungeachtet des henmienden Einflusses des 
Erdmagnetismus in Rotation zu versetzen. Liess man das 
Licht von vier das Radiometer im Kreise umgebenden Kerzen 
wirken, so drehte sieb das Radiometergefass langsam imi 
einige Grade bald nach der einen, bald nach der anderen 
Richtung, um schliesslich eine langsame mit der Drehungs- 
ricbhUng der Flügel übereinstinunende Rotation zu beginnen, 
wobei jedoch mehr als eine Stunde zu einem einmaligen Um- 
lauf erforderlich war. Die plötzliche Annäherung eines star- 
ken Magnets sistirte sofort die Rotation der Flügel und es 
begann jetzt das Geiass mit einer Geschwindigkeit von einer 
Umdrehung in zwei Minuten in einer der seitherigen Mühlen- 
drehung entgegengesetzten Richtung zu rotiren ond zwar so 
lange als die Kerzen brannten. Wurde der Magnet entfernt, 
so begann die Mühle ihre alte Drehung wieder und auch das 
Radiometergefass kehrte zu seiner in gleicher Richtung erfol- 
genden ursprünglidien langsamen Bewegung zurück. Jede 
Bewegung hörte auf, als die Kerzen gelöscht wurden und 
wenn Crookes jetzt abwechselnd den Magnet bald der einen, 
bald der andern Seite des Radiometers näherte, so vermochte 
er dadurch eine mit der Rotation unter Lichteinflnss überein- 
stimmende Drehung der Flügel und eine in gleichem Sinne 
stattfindende Bewegung des Radiometergefasses hervorzurufen, 
welche Drehungen stets miteinander ihre Richtung wechselten, 
wenn der Magnet wieder nach der entgegengesetzten Seite 
gebracht wurde. Da also Crookes bei seinem Versuche 
gliche Drehungsrichtung von Flügeln und Gefäss beobachtete, 
80 folgert er daraus äussere Ursache ebendieser Drehung. 
Ifon stehen ihm aber die Resultate zweier anderer Experi- 
mentatoren diametral gegenüber. Salet hat nämlich ein Ra- 



64 6. Vulpiua, Das Radiometer. 

diometer eigenthümlicher Art constmirt. Der Fass dieses 
Instrainentes und mit ihm dieses selbst ist fest. In der 
Glaskugel befinden sich, gleichfalls fest, zwei Lichtmühlen 
übereinander und zwischen ihnen eine auf einer Spitze beweg- 
liche horizontale Glimmerplatte. Sobald nun der Apparat 
belichtet wird, setzt sich die Glimmerscheibe in rotirende 
Bewegung und zwar in entgegengesetzter Richtung von der- 
jenigen, in welcher die Flügel der Lichtmühle rotiren würden, 
wenn sie nicht fest, sondern beweglich wären. Die Glimmer- 
platte repräsentirt einen Theil der gleichsam beweglich gewor- 
denen Gefasswand und wir sehen sie in umgekehrter Rich- 
tung, wie die Flügel, sich drehen, somit die Schuster'sche 
Ansicht von einer innern Bewegungskraft des Radiometers 
zur Evidenz bestätigen. 

Keben Salet ist es Righi, welcher in der Scienza appli- 
cata, Bologna, eine von ihm mit allen Yorsichtsmaassregeln 
zur Beseitigung von Irrthümem und Fehlerquellen angestellte 
Wiederholung des Grookes'schen Experimentes mit dem auf 
Wasser schwimmenden Radiometer beschreibend, zu entgegen- 
gesetzten Resultaten, wie Grookes, und damit auch zu ent- 
gegengesetzten Schlüssen gelangt. Seine Beobachtungen stim- 
men genau mit denjenigen von Schuster überein, er konnte 
die durch eine Rückwirkung der sich drehenden Flügel auf 
das umschliessende aufgehängte Glasgefäss veranlasste Rück- 
wärtsdrehung regelmässig bei der beginnenden Belichtung 
durch eine Drummond'sche Lampe constatiren. Er beschreibt 
femer, wie jeder Vermehrung der Bestrahlungsintensität durch 
saccessive Entfernung vorher zwischen Strahlenquelle und 
Radiometer eingeschaltet gewesener mehr oder weniger dia- 
thermaner Platten eine momentane Drehung des Radiometer- 
gefasses im entgegengesetzten Sinne der Flügelrotation ent- 
spricht. Righi, welcher die gleichartige Drehungsriohtung 
von Mühle und Glashülle beim Aufhören der Belichtung für 
einen Effekt der am Aufhängungspunkt stattfindenden Reibung 
ansieht, hält es für erwiesen, dass die Ursache der unter 
dem Einflüsse der Bestrahlung stattfindenden Drehung ihren 
Sitz in Inneren des Apparates hat. 



Erkennung kfinstlich gcfarbtrr Werne. 65 

Der Ansicht der beiden Vorgenannten schliesst sich 
Berlin an, welcher die Grösse der ins Spiel kommenden Kräfte 
mit Hilfe der Coulomb'schen Drehwaage annähernd bestimmt 
und mit einem vielfach verbesserten Apparate gearbeitet hat. 
Sein Radiometer war an einem einzigen 63 Centimeter langen 
Rohseidenfaden anter der Glocke der Luftpumpe aufgehängt 
und hierdurch der Torsions- und Reibungswiderstand auf 
ein Minimum reducirt. Er hat insbesondere nachgewiesen, 
dass der grosse Unterschied zwischen der erheblichen Drehungs- 
?es hwindigkeit der Flügel und der kaum wahrnehmbaren 
der Glashülle der Berechnung genau entspricht, welche sich 
auf die verschiedenen Trägheitsmomente der beiden genannten 
Haapttheile des Apparates stützt. Geringe wahrgenommene 
Abweichungen zwischen berechnetem und beobachtetem gegen- 
seitigem Drehungsgeschwindigkeitsverhältniss müssen theils auf 
Beobacbtungafehler, theils auf die Widerstände zurückgeführt 
werden, welche durch die wenn auch noch so reducirte Tor- 
sion des Seidenfadens und durch die Reibung der unter dem 
Redpienten der Glocke verbliebenen Luitreste geleistet werden. 

Durch die in dieser Weise von allen Seiten unterstützte 
Theorie, dass die bewegenden Kräfte des Radiometers in 
dessen Innerem ruhen und nicht in einer directen Wirkung 
der Bestrahlangsquelle zu suchen sind, wird indessen über 
die l^atur dieser inneren Kräfte so wenig etwas präjudicirt, 
als über die Art ihrer Wirkung. Hierüber Aufhellung zu 
verschaffen, muss das nächste Ziel der Forschung sein. 



B. Monatsbericht 



Erkennung kflnstUeh gefSrbter Weine. 

W. Stein giebt hierzu folgende Grundlagen: 
Rothweine. Zur Aufsuchung einer Methode, um die 
künstliche Färbung der Weine nachzuweisen, wurde als Norm 
zweifellos ächter rother Eibwein benutzt, der aber nicht älter 

Arch. d. Plunn. XII. Bd«. 1. Uefl. 5 



6() Erkennung künstlich gefärbter Weine. 

als von 1873 zu erhalten war, zur Yergleichung wurden 
italienische, französische, ungarische und deutsche Bothweine 
des Handels benutzt Im Ganzen zeigte sich, dass das ver- 
schiedene Alter der untersuchten Weine, abgesehen von dem 
Unlöslichwerden des Farbstoffs, keine bemerkbare Verschie- 
denheit in dem chemischen Verhalten zur Folge hatte. Die 
Weine verschiedener Abstammung verhielten sich etwas ver- 
schieden vom Eibwein und unter sich, am meisten der Bur- 
gunder. 

Geprüft wurde auf Fuchsin , Indigo , Blauholz, Bothholz, 
Cochenille, Kirschen, Heidelbeeren, HoUunderbeeren, Liguster- 
beeren und Malven. Hierbei wurde beobachtet, dass Koth- 
holz und Blauholz ohne Anwendung eines Thonerdesalzes den 
Wein gar nicht roth färben, ebenso erlangt auch das Coche- 
nilleroth erst auf Zusatz eines Thonerdesalzes das richtige 
Feuer. 

Es wurde auch auf die Veränderung Rücksicht genom- 
men, welche die Farbstoffe durch das Lagern des Weines 
erleiden, hierbei zeigte sich, dass alle, abgesehen von der 
reichlichen Abscheidung der Farbstoffe in unlöslichem Zu- 
stande, bemerkbare Veränderungen erlitten hatten, die jedoch 
nur bei Bothholz und HoUunderbeeren soweit gingen, dass 
der ursprüngliche Charakter gänzlich verändert war. 

Bei Ausführung der beschriebenen Methoden wurden 
vorzugsweise Mischungen von echtem Roth wein mit 10 bis 
20 7o <ier künstlichen Farbstoffe ins Auge gefasst 

Die ITntersuchungsmethode gründet sich auf das Ver- 
halten der oben aufgeführten Farbstoffe zu Wollfaser und 
Thonerde. Ifach diesem Verhalten können sie in 3 Gruppen 
eingetheilt werden, nemlich in solche, welche 1) sich unmit- 
telbar mit der WoUfaser verbinden: Fuchsin, Indigo, 2) welche 
dazu einer Beize bedürfen: Farbstoffe von Blauholz , Roth- 
holz, Cochenille, 3) deren Verbindungsfähigkeit mit der rei- 
nen sowohl, als mit der gebeizten Faser nur sehr schwach 
ist, während sie sich leicht mit Thonerde verbinden: Farb- 
stoffe des Weines, der Kirschen, Heidelbeeren, HoUunderbee- 
ren, Ligusterbeeren, Malvenblüthen. 

Die GUeder der ersten und zweiten Gruppe lassen sich 
leicht und sicher durch Auswaschen auf WoUe einzeln nach- 
weisen und von denen der dritten Gruppe trennen, folglich 
auch in Gemischen mit Weinroth erkennen. Die Glieder der 
3. Gruppe jedoch besitzen ein so ähnliches Verhalten gegen 
aUe angewandten Reagentien, dass es Verfasser nicht gelun- 
gen ist, jedes einzelne, selbst im unvermischten Zustande, 



Optisches Verhalten Terscbiedener Weine etc. 67 

xou allen übrigen, das reine Weinroth nnd Malyenroth aus- 
genommen, mit Sicherheit zu unterscheiden. Dies ist aber 
aach nicht nothwendig, da keiner dieser Farbstoffe in sani- 
tärer Hinsicht Bedenken erregt , es wird meist genügen die 
kanstliche Färbung des Weines mit diesen Surrogaten über- 
haapt festzustellen. Alle Surrogate der dritten Gruppe 
aoterBchttden sich vom Weinfeirbstoff durch einen grössern 
G«halt an Blau, diese Yerschiedenheit ist am deutlichsten 
erkennbar durch eisenfreie Thonerde, und erwies sich zum 
AnfBaugen des Salzes und durch seine ebene , weisse Fläche, 
schöne Erkennbarmachung der S.eaction am Geeignetsten 
weisser Fliesscarton. Auf diesen präparirten Garton getropft, 
bei 100^ C. getrocknet und in destillirtes Wasser gelegt 
erseheint reine Weinfarbe schmutzig rosa, bei Burgunder mit 
schwach bräunlichem, bei manchen Rothweinen mit schwach 
blädichem Ton, die Surrogate der dritten Gruppe für sich 
erscheinen violett bis entschieden blau, in Gemischen roth 
mit entschieden blauem Ton. Es ist immer nützlich einen 
ächten Wein daneben zu prüfen. Betreffs der Details sei 
auf die Arbeit selbst verwiesen. {Dingl, Joum, B. 224. 
K 5.) E. G. 



OptiseheB Verhalten yersehiedener Weine, sowie 
Erkennung mit Traubenzucker gailisirter Weine. 

C. Neubauer veröffentlicht eine 2. Abhandlung, in 
weldier derselbe seine weiter gesammelten Erfahrungen über 
das optische Verhalten der Weine niederlegt. Auch Roth- 
weine kommen sehr häufig gallisirt im Handel vor, um diese 
nn Polaristrobometer prüfen zu können, ist vorherige voll- 
ständige Entfärbung absolut nothwendig. Man kann dieselbe 
auf zweierlei Weise erreichen, entweder durch Behandlung 
mit Thierkohle allein oder durch Fällen mit Bleiessig und 
darauf folgende Behandlung mit Thierkohle. Vergleichende 
Versuche, mit ein und demselben Wein nach beiden Methoden 
angestellt, haben den Beweis geliefert, dass eine bestehende 
Bechtsdrehung durch die Behandlung mit Bleiessig kaum 
nennenswerth beeinflusst wird. So zeigte ein gailisirter Roth- 
wein nadi dem Behandeln mit Thierkohle allein eine Rechts- 
drehang von 1,8^ R., nach dem Behandeln mit Bleiessig und 
Thierkohle eine solche von 1,6^ R. Eine Reihe gailisirter 
Weine des Handels wurden untersucht, bei allen eine Rechts- 
diebimg beobachtet, welche bei dem einen Wein in 200 m. m. 

5* 



6d Fuohain im Weine naohzuweiBen. 

langer Röhre sogar 6,4® R. betrug. Die mitgetheilten Bei- 
spiele zeigen, dass die Keller unserer Weinhändler und Wein- 
producenten noch erhebliche Mengen dieser Kunstproducte 
beherbergen, von denen man, ohne zu erörtern, ob dieselben 
gesundheitsschädlich sind oder nicht, mit Recht verlangeD 
kann, dass sie vom Weinfabrikanten beim rechten Namen 
genannt werden, da, wer einen mit Traubenzucker gallisirten 
Wein als Naturproduct verkauft, ohne Zweifel eine Fälschung 
begeht, eine Fälschung, die aufhören muss, sobald die beschrie- 
bene Prüfungsmethode allgemein in Anwendung gezogen wird. 

Auch über das optische Verhalten der zum Theil mit 
Traubenzucker und zum Theil mit Rohrzucker gallisirten und 
chaptalisirten Moste während und nach der Gährung wurden 
eine Reihe von Versuchen angestellt und dabei gefunden, dass 
die mit Traubenzucker chaptalisirten Weine wieder durch ein 
sehr starkes Drehungsyermögen nach rechts ausgezeichnet 
waren. Die mit Rohrzucker chaptalisirten Weine waren bei 
geringem Zusätzen optisch inaktiv, bei bedeutenden Most- 
concentrationen blieb ein Theil der Levulose unvergohren, in 
Folge dessen die erzielten Weine eine mehr oder weniger 
starke Drehung der Polarisationsebene nach links zeigten. 
Sehr gut bewährt und als vollkommen brauchbar und empfind- 
lich erwiesen hat sich der vom Mechanikus W. Steeg in 
Homburg construirte kleine optische Weinprober. (Zeüsohrtfl 
f. andyi, Chem. 16. Jahrg. 2, Ä 1877,) E. G. 



Fnchsln Im Weine uachzuwelsen. 

Jacquemin giebt unter anderen Verfahren folgen- 
des an: 

1 — 200 C.C. des zu prüfenden Weines werden bis zum 
vollständigen Verdunsten des Alkohols erhitzt. Der Rück- 
stand, kalt mit überschüss. Ammoniak stark geschüttelt, um 
die Löslichkeit des Fuchsins zu bewirken; durch weiteres 
Schütteln mit Aether wird das ammoniakhaltige Fuchsin 
darin gelöst. 

Vermittelst eines Hahnes wird die untere Schicht abge- 
lassen und unter Zusatz von etwas Wasser die Trennung 
vollständig vollzogen, die gesammelte Aetherschicht wird 
nun über reiner weisser StickwoUe verdunstet. War der Wein 
mit Fuchsin gefärbt, so wird die Wolle die charakteristische 
Farbe des Fuchsins annehmen, welche durch Zusatz von 



WaDfirbimg n. Arsenb«8tiinman^. — Eunstl. gefärbte Rothweine. 69 

Vnunoniak sofort yerschwindet und durch weiteren Zusatz 
von Essigsäure wieder hervorgerufen wird. (R^rtotre de 
Pharmacie. No 15. Aoüi 1876. p. 573.) BL 



Zur WelnfSrbnng und Arsenbestlmmuiijr. 

Als die einfachste und für jeden Zollbeamten oder Wirth 
leicht ausfuhrbare Methode der Erkennung von Fuchsin in 
Roth wein giebt C. Husson an, einige Gramm des verdäch- 
tigen Weines mit Ammoniak bis zur alkalischen Reaction 
/.u versetzen und in die nun schmutziggrüne Flüssigkeit 
einen weissea Wollfaden zu bringen. Ist derselbe gut durch- 
tränkt, so nimmt man ihn heraus und lässt an demselben 
einen Tropfen Essigsäure hinablaufen. War der Wein nicht 
mit Fuchsin gefärbt, so wird hie -bei der Faden wieder voll- 
ständig weiss, anderenfalls roth. 

Versuche an TLieren haben Husson gelehrt, dass zwar 
reines Fuchsin auch nicht ganz unschädlich, dagegen nur das 
arsenhaltige des Handels eigentlich giflig ist. Den Arsen- 
gehalt bestimmt er in einer neuen Weise, indem er zunächst 
nach bekannter Methode eine zur Behandlung im Marsh'schen 
Apparat geeignete Flüssigkeit präparirt und das sich ent- 
wickelnde Gas durch eine Lösung von Jod und Benzin leitet, 
welche durch Arsen Wasserstoff vollständig entfärbt wird, 
wobei 1 Theil arsenige Säure 2 Theilen Jod entsprechen soll. 
{J<mm, de Pharm, et de Chtmie, 4. S^rie. Tome XXIV. 
pag. 29i.) Dr. G. V. 



Erkennung des Farbstoffs kflnstlieh gefBrbter 

Rothweine. 

Besonders in Frankreich wird das künstliche RothCärben 
der Weine theils mit Fuchsin, theils mit Orseille in gross- 
artigem Maassstab betrieben und es hat daher Jacquemin 
ein leicht anwendbares Verfahren zur Erkennung solchen 
Betmgs beschrieben. 

Künstlich geförbter Wein wird, wenn mit Schiessbaum- 
wolle erwärmt, oder mit Wolle längere Zeit gekocht, diese 
Körper roth förben, welche Farbe durch einfaches Waschen 
mit Wasser nicht entfernt werden kann. War Orseille der 
färbende Stoff, so wird die Faser durch wässriges Ammoniak 



70 Fuchsin im Wein in erkennen. — Nachweis ▼. Rosolsiure etc. 

dunkelyiolett 9 während das Ammoniak selbst ebenfalls blaa 
wird. Dagegen löst letzteres das Füchsin ans der Faser 
schnell auf, ohne sich selbst dadurch zu färben, während die 
Faser einen braunen Ton annimmt. Die farblose ammoniaka- 
lische Fuehsinlösung wird durch Essigsäure roth, giebt mit 
Aether geschüttelt an diesen ihr Fuchsin ab, so dass in 
jenen gelegte weisse Wolle beim Verdunsten des Aethers 
sich violett färbt (Bull, de la Soc. Chim. de Parts Tom, XXVI. 
No. 2, pag. 68. Dr. G. V. 



Fachsin im Wein za erkennen. 

Fordos schüttelt IOC. C. derselben mit 10 Tropfen 
reiner Ammoniaklösung, setzt 5 — 10 C. C. Chloroform zu 
und mischt dieses durch vorsichtiges Umdrehen der Röhre, 
so dass kein Schaum entsteht. 

Auf einem Trichter mit Glashahn gesammelt, lässt.man 
das sich wieder vereinigende Chloroform abfliessen, legt ein 
kleines Stückchen weisses Seidenzeug hinein und erwärmt. 

In dem Maasse, wie sich das Chloroform verflüchtigt, 
färbt sich die Seide mehr oder weniger rosa. In Ammoniak 
verschwindet diese Farbe, um dann nach dem Verflüchtigen 
des Ammoniak^ wieder zu erscheinen. (Repertoire de I%ar- 
macie. No. 2i. Decembre 1876. p. 740.) Bl. 




Naeliwcis Ton Rosolsäure neben Fuehsin im 

Weine. 

Das Fuchsin hat die Eigenschaft durch Ammoniak ent- 
färbt und in diesem Zustand von Aether aufgenommen zu 
werden, während dieser dann durch Säurezusatz wieder 
loth wird. 

Umgekehrt wird Rosolsäure durch Ammoniak roth, durch 
Neutralisation farblos, durch Ansäuren gelblich. 

Wird nach Guyot und Bidaux der verdächtige Wein 
mit Ammoniak versetzt und dann mit Aether geschüttelt, so 
wird eine Eothfärbung des letzteren auf Zusatz einer Säure, 
z. B. Essigsäure, die Anwesenheit von Fuchsin verrathen, 
während eine gleichzeitige Rothfärbung der unter dem Aether 
boöndlicheu ammomakaliscben Schicht Bosolsäure anzeigt. 






GypsuDg der Weine etc. 71 

Behandelt man den Fuchsin und Rosolsäure enthalten- 
den Wein gleichzeitig mit Essigsäure und Aether, so werden 
dt*m Weine beide färbende Stoffe entzogen und man hat 
einerseits eine gelbliche Lösung von Rosolsäure in Essig- 
säure und andererseits eine darüber stehende rothe des Fuch- 
sins in Aether. Wird jetzt Ammoniak zugesetzt, so wird 
Her Aether farblos, dagegen die untere Schicht roth, denn 
das Fuchsin yerschwindet und die Rosolsäure befindet sich 
j tzt in ammoniakalischcr Lösung, («/ourra. de Pharm, et de 
Chmie. l. Serie. Tome XXV. pag. 115.) Dr. G. V. 



Gypsiug der Weine nnd die HOglielikelt den &yps 
Tortheilhaft dureh WeinsBure ersetzen zu kOnnen. 

Bastide betrachtet die Gypsung in chemischer , ökono- 
mischer und hygienischer Beziehung. 

Die Anhänger der Gypsung glauben, der Gyps wirkte 
auf den Weinstein nach folgender Gleichung ein: 

2C*KH*0«-f. CaSO* = C*H*CaO«-t- C*H«0«-t-K«SO*. 

Dieses ist nach dem Verf., welcher sich auf die XJnter- 
Michongen mehrerer namhafter franz. Chemiker stützt, nicht 
der Fall, sondern der Process ist folgender: 

CaSO* + C*H«^KO« « C*H*CaO« + KH80*. 

Der gegypste Wein verdankt also seine Säure nicht der 
treien Weinsäure, sondern dem sauren schwefel- 
nauren Kall 

Wenn auch der Gyps alle im Weine snspendirten Stoffe 
rasch niederschlägt und den Wein klärt, so hat er doch das 
Unangenehme, einen grossen Theil Gerbsäure und Eisen mitzu- 
lülen, die Beschaffenheit der Weine im Allgemeinen tief zu 
verändern, die Bildung gewisser Aether, welche dem Weine 
die Blume geben, zu verhindern und dem Weine seine Halt- 
barkeit zu nehmen. 

In dem Maasse, dass Gyps auf Weinstein einwirkt, bil- 
det sich saures schwefeis. Eali und neutraler wein- 
»aurer Kalk fallt nieder. Es ist also nicht die Weinsäure, 
welche den Trebem durch die Gypsung entzogen wird, son- 
dern das Eali. DerEaligehalt der Treber macht dieselben aber 
zum kräftigen Viehfatter und zu einem der besten und natür- 
lichsten Büngmittel der Weinberge, 




72 Gefärbte Rothweine. — Rhodein. 

Die Vortheile der Gypsung würde demnach durch fol- 
gende Kachtheile aufgehoben. 

Der Gyps entzieht den Trebem fast alles Sali und aomit 
ihren Werth als Dünger, verändert die Beschaffenheit des 
Weines, zerstört einen grossen Theil seiner l^ahrstoffe und 
incorporirt demselben ein Salz, welches mit der Zeit Unord- 
nungen hervorrufen muss. 

Ein Zusatz von Weinsäure, anstatt des Gypses, könnte 
besser sein und wird Verf. Versuche damit anstellen. (£6- 
pertotre de Pharmacie. No. 2. Janvier 1877, p. 45.) Bl 



OefSrbte Rothwelae. 

H. W. Vogel empfiehlt als höchst interessantes Rea- 
gens auf gefärbte Weine folgendes: Man verdünnt eine 
Probe des Weines mit der neunfachen Menge Wasser und 
versetzt den verdünnten Wein mit ^/s seines Volumens concen- 
trirter Kupfervitriollösung. (Der Erste, welcher Cu SO* zur 
Erkennung der Reinheit des Weines empfahl, war Dietrich; 
dies Archiv 1874, Heft 11, S. 463.) Vogel fand, dass alle 
ihm zur Disposition stehenden reinen Rothweine ohne Aus- 
nahme entfärbt wurden. Er versuchte dasselbe Reagens auf 
Extract von Heidelbeere, Kirsche, Malve, Rheinweide und 
fuchsinhaltigen Wein. Heidelbeere blieb unverändert, Kirsche 
und Malve und fuchsinhaltiger Wein färbten sich violett, 
Rheinweidebeere blau. Merkwürdig ist, dass das alkoholische 
Extract frischer blauer Weinbeerenhäute mit CuSO* eine 
intensive violette Färbung wie Malvenwein lieferte. Dies ist 
ein Beweis, dass der Weinfarbstoff durch Gährung in seinen 
Eigenschaften erheblich geändert wird. {Ber. d. deutsch, 
ehem. Ges. IX, 1907) C. J. 



KhodeTn. 



Wie Jacquemin beobachtet hat, wird die Empfindlich- 
keit der Anilinprobe mit unterchlorigsaurem Natron durch 
Bildung von blauem erythrophenylsaurem Natron, so bedeu- 
tend sie schon an und für sich ist, noch ungemein erhöht 
durch nachfolgenden Zusatz einer Spur von Schwefelammo- 
nium, wobei eine sehr deutliche rosarothe Färbung selbst 
dann noch entsteht, wenn nur Vs&oooo -^luUn vorhanden ist. 



?. 



Frdfiin^ fetter Oele. — Mit tbier. Fetten TerfölBobte Butter etc. 73 

Dem diese FHrbnnp: Teranlassenden Anilinderivat giebt Jacque- 
min den Namen E.hodeia. (Annales de Chimie et de Phy- 
sique. ö. Sorte. Tome IX, pag. 571.) Dr. G. V. 



Prflfung fetter Oele. 

Diese schon so viel besprochene Frage suchte Pinchon 
mit Hälfe eines sehr sinnreich von ihm für Olivenöl con- 
stroirten Aräometers zu lösen. Er bedient sich eines in der 
Form mit nnsem gebräuchlichen Aräometern yoUkommen 
übereinstimmenden Instrumentes, dessen obere Scala für den 
speciellen Zweck der Prüfung von Olivenöl so eingerichtet 
ist, dass die darauf befindlichen Zahlen mit den Graden des 
im untern Theile angebrachten Thermometers coincidiren, 
wenn eben das Instrument in reinem Olivenöl schwinunt. 
Die Normirung des Instrumentes geschieht mit einem Oli- 
Tenöl, dessen Reinheit von seiner Abstammung her bekannt 
ist. Pinchon ist durch viele an eigens zu diesem Zwecke 
hergestellten Oel- und Fettgemengen angestellte Versuche 
zu dem Schlüsse gelangt, dass er ein Olivenöl, das bei sei- 
nem Instrument eine üebereinstimmung der beiden Scalen 
zeigt, für acht erklärt, während ein Oel, das eine Differenz 
der beiden Scalen hervorruft, sicher als verfälscht betrachtet 
werden darf. (Journal de Pharmacie ei de Cktemü, IV, Serie. 
Tome XXIV. pag. 29) Dr. E, H. 



■It thierlsehen Fetten rerfSlschte Butter zu 

erkennen, 

schlagt Jallard das mikroskopische Verfahren vor. Wer- 
den bei einer Vergrösserung von 450 reine Fettkügel- 
chen wahrgenommen, so ist die Butter rein, finden sich 
dahingegen zwischen denselben baumartige Kryställ- 
chen, so ist die Butter mehr oder weniger mit anderen 
Fetten verfälscht. {B^pertoire de Pharmacie. No, 20. Oo- 
iobre 1876. p. 616. J, de mH, Aph. de VAlgMe) Bl. 



74 Oleum amygdBlaniin dolciam. — üntersucliiuig d. Butterfttiei. 

Oleum amygdalanuii dnlelum* 

Unter dieser XJeberschrift hat im September d. J. die 
chemische Fabrik von Joh. Dietr. Bieber in Uhlenhorst 
b. Hamburg Circulare herumgesandt, in denen der Besitzer 
auf die jetzt so häufig vorkommende Verfälschung des fetten 
Mandelöles mit Pfirsichkem- und Besam öl hinweist. 

Die Fabrik hat selbst seit langen Jahren einen grossen 
Betrieb in der Mandelölpresserei, und kann selbstverständlich 
im Preise mit solch gefiälschten Oelen kaum concurriren. 

Herr Fabrikant Bieber hat diesem Unwesen dadurch 
zu steuern gesucht, dass er bestimmte Beactionen sowohl 
für reines Mandelöl, als auch für die zur Fälschung benutzt 
werdenden Pfirsichkern-, Aprikosenkern-, Sesam-, Mohn- und 
Wallnussöl angiebt, und dadurch dem Käufer Gelegenheit 
bietet, sich leicht selbst von der Reinheit der angebotenen 
Waare zu überzeugen. 

Zur Ausführung dieser Beactionen bedient sich Herr 
Bieber erstens eines Gemisches von gleichen G^wichtsmengen 
reiner concentrirter Schwefelsäure, rother rauchender Salpeter- 
säure und destillirtem Wasser, zweitens reiner Salpetersäure 
von 1,40 specifischen Gewicht. 

Je nach der eintretenden Färbung beim Mischen von 
5 Theilen Oel und einem Theil der betreffenden Beagentien, 
wird die Reinheit des fetten Mandelöls bestimmt, und soll 
bei Mischungen der Procentgehalt an reinem Mandelöl auf 
diese Weise annähernd colorimetrisch gefunden werden. 

a St. 



Die üntersuchiuig; des Butterfettes, 

mit besonderer Bücksicht auf Entdeckung und Bestimmung 
von fremden Fetten wird von 0. Hehner, öffentlichen Che- 
miker der Insel Wight, auf die indirecte Bestimmung der 
flüchtigen Fettsäuren basirt, denn nur durch die Anwesenheit 
dieser Säuren unterscheidet sich das Butterfett von den 
andern so nahe verwandten Gemischen, die wir als Thierfette 
kennen. Da die Aequivalentzahlen der drei Glyceride, Tri- 
stearin, Tripalmitin und Triolein, aus welchen alle Thierfette, 
mit Ausnahme der Butter, bestehen, sehr hoch und wenig 
von einander abweichend sind, so war vorauszusetzen, dass 
die drei Glyceride nahezu dieselbe Prooentmenge von Fett- 
säuren liefern würden. 100 Tbeile Tristearin entsprechen 



[ 



üntersnchung d. Butterfettes. 75 

95,73 Stearinsäare, 100 Thle. Palmitin 95,28 Palmitinsäure, 
100 Thl. Olein 95,70 Oelaäure. Thierfette, verseift und mit 
Schwefelsäure zersetzt, müssen demnach zwischen 95,28 und 
y^»737o Fettsauren liefern. Da gewöhnlich Stearin und Olein 
Torliegeo, kann man 95,5 als theoretische Durchschnittszahl 
ansehen; Schweineschmalz, Hammeltalg und ähnliche lieferten 
auch in der That dieser Zahl innerhalb 0,1 7o uahekommende 
Mengen. Da Butterfett neben diesen unlöslichen Säuren auch 
eine beträchtliche Menge von flüchtigen oder (da diese flüch- 
tigen Säuren alle in Wasser löslich) löslichen Säuren liefert, 
so muss nothwendigerweise die Menge der unlöslichen Säuren 
im Verhältniss verringert sein. Bei einer Anzahl Bestim- 
mungen fand sich, dass Butterfett 86,5—87,5^0 unlösliche 
Fettsäuren liefert, in einzelnen Fällen bis 88 ^/o steigend. 
Es zeigte sich, dass die Menge der flüchtigen Fettsäuren im 
Batterfett sehr constant ist und nahezu unabhängig von der 
Varietät der die Milch liefernden Kühe, von dem Futter, der 
Jahreszeit und der Bereitungsart der Butter. Wenn bei 
Butteruntersuchungen die Fettsäuren über die Zahl 88,0 stei- 
gen, ist Yerfalschung als erwiesen zu betrachten und die Be- 
rechnung der Menge fremden Fettes auf die Zahl 87,5 zu 
'asiren. Ein Butterfett, welches 91®/o unlösliche Fettsäuren 
iiefert, enthält demnach 43,5 ®/o fremdes Fett, da 95,5 
—87,5 = 8, und 91 — 87,5 = 3,5. Daher 8 : 3,5 « 100 : x. 
Zur Berechnung der Menge fremden Fettes zieht man also 
von der gefundenen Frocentzahl 87,5 ab, multiplicirt mit 100 
und dividirt mit 8. . Zur Ausführung verseift man das Butter- 
fett mit Aetzkali und Alkohol, zersetzt die gebildete Seife 
mit Salz- oder Schwefelsäure, bringt sodann die Fettsäuren 
anf ein kleines gewogenes Filter vom besten schwedischen 
Filterpapier, wäscht mit kochendem destülirtem Wasser aus, 
his das Ablaufende nicht mehr sauer reagirt, lässt erstarren 
nnd wagt 

Die Ausfuhrung muss sehr sorgfältig geschehen. Geringe 
Mengen von fremden Fetten in der Butter können allerdings 
übersehen werden, doch verringern diese Umstände die prac- 
tiBche Anwendung der Methode nicht, denn Butter kann nicht 
wohl im kleinen Maassstabe mit fremden Fetten gemischt 
werden. Sollte in einzelnen Fällen eine geringe Beimischung 
übersehen werden, so wird der Irrthum zu Gunsten des Ver- 
käafeni begangen und ungerechte Bestrafung kann nicht vor- 
kommen. (Zeüschr, f andyt, Ckem. 16. Jahrg, 2. Heft. 1877.) 



76 ZusamnieoBetzuiig u. Analyse d. Bntterfetteg. — Farbstoff d. Safrans. 

Zusammensetznng und Analyse des Bntterfettes. 

Dupre hat gefunden, dass sich aus unverfälschter But- 
ter im Durchschnitt 87 — 88 Proc. in Wasser unlösliche und 
5 — 5,30 Proc. in Wasser lösliche Fettsäuren (Buttersäure) ab- 
scheiden lassen. Diese Zahlen können in streitigen EaUen 
dem Experten zur Bichtschnur dienen. Er empfiehlt folgende 
Methode zur Analyse des Butterfetts: >ö g. trocknes filtrirtes 
Butterfett werden mit 25 CC. einer Spirituosen Normal- 
natronlösung in einer gut verstopften Flasche eine Stunde 
lang im Wasserbade erhitzt. Der Inhalt wird dann mit 
heissem Wasser in eine Flasche gespült und durch Erhitzen 
derselben auf dem Wasserbade der Alkohol vollständig ent- 
fernt. Man fügt noch ein wenig heisses Wasser und 25 C. C. 
verdünnte Schwefelsäure hinzu, welche etwas stärker ist als 
das angewendete Alkali. Die sich ausscheidenden, in Wasser 
unlöslichen Fettsäuren werden in der Flasche selbst gewaschen. 
Die wässrige Flüssigkeit lässt man durch ein Filter gehen, 
von dem man die geringe Menge der sich darauf ansammeln- 
den unlöslichen Fettsäuren durch ein Gremisch von Alkohol 
und Aether fortnimmt. Die Lösung lässt man zu den in 
der Flasche zurückgebliebenen gewaschenen und getrockneten 
unlöslichen Fettsäuren laufen und entfernt Alkohol und Aether 
durch Erhitzen. Nach Abzug des Gewichts der Flasche 
ergiebt sich die Menge der unlöslichen Fettsäuren. Die 
Menge der freien Säure in dem wässrigen Filtrat und den 
Waschwässern bestimmt man mit Normal - Zehnt - Natron- 
lösung. Indem man von der erforderten Menge den Antheil 
abzieht, welcher zur Neutralisation des Ueberschusses an 
Schwefelsäure nöthig, die man zur Zersetzung der Seife ver- 
wendet hat, ergiebt sich die Menge der in Wasser löslichen 
Fettsäure, welche als Buttersäure zu betrachten ist. {The 
Fharmac. Joum. and TransacL Third Ser. No. 320. Aug, 
1876. p. 131,) Wp. 



Farbstoff des SalFrans« 

Bei einer Untersuchung von Conditorwaaren auf metal- 
lische Gifte machte Stoddart zufällig die Entdeckung, das» 
der gelbe wässrige Aufguss des Safrans durch Salzsäure ent- 
färbt wird, dass aber die Farbe nebst einer prächtigen rothen 
Fluorescenz beim Kochen wiederkommt, wenn in der Flüs- 
sigkeit zugleich eine gewisse Menge Zucker enthalten ist. 
Curcuma verhält sich zwar ähnlich, doch unterscheidet sich 



Capsaicin. 77 

ein Aafguss derselben sofort von einem Safraninfusum 
durcli die Seaction mit Alkalien, welche letzteres nicht afißci- 
reo. Es scheint, als ob diese Reaction dem Safran eigen- 
thümlich ist Sie ist so empfindlich, dass sie eintritt in 
einem mit Vsssss Safran bereiteten Infusum. Auch vom 
Zucker bedarf es ausser dem im Safran enthaltenen nur eine 
Terhältnissmässig geringe Menge. {The Pharm, Joum, and 
TnuuaeL Tkird. Ser. No. 325. Septbr. 1876, p. 238,) 

Wp. 



Capsaicln. 

Bas Capsaicin, der von Thresh entdeckte scharfe Stoff 
des spanischen Pfeffers schmilzt bei 138^ F zu einem öligen 
Liquidum, welches beim Erkalten krystallinisch erstarrt. 
Zwischen ührglasern vorsichtig erhitzt, lässt es sich ohne 
Zersetzung sublimiren. Spec. Gew. « 1,06. Von starker 
Salpetersäure wird das G. zu einer hellgelben Flüssigkeit 
aufgelöst und zersetzt, die Lösung wird durch Alkali schön 
goldgelb. Schwache Salpetersäure wirkt ebenso, nur lang- 
samer. £alte concentrirte Schwefelsäure löst das G. ohne 
Zersetzung. Beim Erhitzen wird die Lösung roth bis dun- 
kel purpurroth. Verdünnte Schwefelsäure ist ohne Einwir- 
kung und bewirkt beim Kochen keine Abscheidung von 
Zacker aus dem G. Goncentrirte Salzsäure löst nur eine 
Spur, dag^en ist das G. in Essigsäure reichlich löslich, aus 
der Losiouig wird es durch Wasser wieder abgeschieden. 
Fixe Alkalien lösen es leicht und lassen einen Theil bei 
Verdünnung wieder fallen. Aetzammoniak nimmt nur eine 
Spur aa£ Kohlensaure Alkalien sind ohne Wirkung. Aus 
der Lösung in ätzenden Alkalien wird es daher durch einen 
Strom Kohlensäure gefallt. Alkohol ist das beste Lösungs- 
mittel des Capsaicins: auch in Aether, Essigäther, Amylalko- 
bol, Benzin und fetten Oelen löst es sich sehr leicht, weni- 
ger in Terpenthinöl und Schwefelkohlenstoff. Petroleum löst 
es selbst beim Erhitzen nur schwierig, Zusatz von etwas 
fettem Oel befördert die Löslichkeit. Durch Ghlor scheint 
das C. zersetzt zu werden, es verliert durch Einwirkung 
desselben die Löslichkeit in Alkalien. 

Eine Lösung von 1 Tbl. G. in 40 Thln. Glycerin und 
Spiritus verursacht auf der Haut bald Röthung und Hitze, 
doch keine Blasen. Linerlich zu Ys G^ran genommen, bewirkt 
es nach einigen Stunden heftiges Brennen im Schlünde und 



78 Wirk). Stoff im Peniicbcn laiacttopul' 

Uagen, starke S&Uration und Thränenabsondertm^. {The 
Pharm. Joum. and Traruacl. Third. Ser. No. 326. S^br. 
1876. p. 259.) Wp. 



Celier den vlrbsunen Stoff Im Perelscheo iQSfscten- 
palTcr (Pyrethrum comenm). 

Roth er echreibt die Wirksamkeit des InsectenpnlTers 
einer Säure oder richtiger einem Glucosid zu , welches er 
Persicin nennt. Es ist braun, unkrystallisirbar, riecht nach 
Honig und wird durch Erhitzen mit Salzsäure in Zucker und 
Pereiretin zersetzt. Mit Kali giebt es ein neutrales amorphes 
und ein saures krystallisirbares Salz. 

Das Pereiretin verhält eich gleichfalls wie eine Säure. 
Es ist braun, in Wasser wenig, in Alkohol und Alkalien 
mit brauner Farbe löslich. Ausserdem enthält das Insect^n- 
pnlrer noch eine ölige Harzsäure, Kother'e Fersiceifn. Sie 
hat den Qeruch des Pulvers und einen bitterlichen Geschmack, 
löst sich in Aether, Alkohol, Benzin und Alkalien, nicht in 
Cblorotonn. Ein Alkalol'd konnte R. im Insectenpulver nicht 
entdecken. Dagegen hat Belle sme nach einer zur Dar- 
stellung von Alkaloiden gebräuchlichen Methode einen kry- 
stallinischen Körper daraus gewonnen, der die toxischen 
Eigenschaften desselben in hohem Grade besitzt. Das flüch- 
tige Oel des Pjrethrum conieum ist nach ihm wirkungslos. 
{The Pkartnac. Joum. and Tranaaci. Third Ser. No. 317. My 
1876. p. 72. und ibid. No. 322. Auguä 1876. p. 172.) 

Wp. 



Flkroroccellln. 

Stenhouse und Groves haben aus einer tos der 
Westküste Afrikas kommenden, zur Oreeillefabrikation dienen- 
den Flechte, einer sich durch ihren bittern Geschmack aus- 
zeichnenden Yarietät von Roccella fuciformis, einen krystal- 
liniechen stickstoffhaltigen Körper dargestellt, den sie Plkro- 
roccellin nennen. Formel C*'H**N*0*. 

Nachdem die Flechte zur Entfernung des Erytbrins mit 
Kalkhydrat ausgezogen war, wurde sie mit kochendem Al- 
kohol behandelt, der Alkohol abdestillirt, die zurückbleibende 
teigige Masse in ein Tuch geschlagen und mehrmals mit 
kleinen Mengen heissem Alkohol geknetet, welcher Chloro- 



Apiol. 70 

phyll, Harz etc. auszog nnd eine dunkelgrüne krystallinische 
Masse hinterliesSy die durch Aufkochen mit Benzin fast farb- 
los wurde. Jetzt wiederum in kochendem Spiritus gelöst und 
heiss filtrirt, schied sie sich in weissen Kr}'8tallen ab, die 
aus einem Gremenge von langen, glänzenden Prismen und 
fedrigen abgeplatteten Nadeln bestanden. Auf mechanischem 
Wege lieasen sich beide leicht trennen, indem die Prismen 
in der Flüssigkeit sich rasch zu Boden senkten, die Nadeln 
aber lange suspendirt blieben. Jene, die Prismen, sind das 
Pikroroccellin, diese haben die Verfasser noch nicht weiter 
untersucht. 

Das Pikroroccellin ist schwach löslich im Aether und 
Benzin, in Wasser, Petroleum und Schwefelkohlenstoff fast 
unlöslich, schmilzt bei 192 — 194^ und entwickelt in höherer 
Temperatur aromatisch riechende Dämpfe, die sich zu öligen 
Tropfen condensiren. In concentrirter Schwefelsäure und 
Salpetersäure ist es beim Erwärmen löslich, durch Kochen 
mit Terdünnter Schwefelsäure oder Salzsäure wird es zersetzt 
unter Bildung eines aus Alkohol in gelben Nadeln krystalli- 
sirenden Körpers, den die Verfasser Xanthoroccellin nennen. 
Besonders leicht erhält man dieses durch Kochen yon 10 g. 
Pikroroccellin mit 15 g. Eisessig unter Zusatz yon 6 Tropfen 
Salzsaure in einem Kolben mit Bückflusskühler. Beim Er- 
kalten entsteht eine krystallinische Masse, die nach Entfernung 
der Säure durch Wasser aus Alkohol krystallisirbar zu erhal- 
ten ist Sowohl durch Natronhydrat wie durch Salpetersäure 
erleidet das X. mehr oder minder tiefgehende Zersetzung. 
Mit letzterer scheint es eine Nitrosäure zu bilden. — Mit 
Terdünnter Schwefelsäure und chromsaurem oder übermangan- 
saurem Kali destillirt, wird das Pikroroccellin zersetzt, es 
geht ein nach Bittermandelöl riechender Körper über, unter- 
mengt mit Krystallen yon Benzoesäure. Durch Behandlung mit 
Terdünnter kochender Natronlauge wird das P. zersetzt, 
Essigsäure scheidet eine zähe weisse Masse ab, aus der sich 
durch Buccessiye Behandlung mit Alkohol und Schwefelkoh- 
lenstoff Krystalle gewinnen lassen yon der Zusammensetzung 
C»*H"N»0» {The Fharm. Joum. and Transact. Third Ser. 
Ao. 321 August 1876. p. 164.) Wp. 



Apiol. 

Bei der Darstellung des Petersilienöls erhält man im 
Oettillat ausser dem Terpen einen allmählig in feinen Nadeln 



80 JKrjrthrophlein. — Ein Alkalo'id im Heliotropium curopaeiuu. 

sich absetzenden Körper, den Fetergiliencampher oder das 
Apiol. Daaselbe läset sich nach E. von Gerichsen aach 
darstellen direct aus dem Saamen durch Extraction mit 
Weingeist, Destillation und Digestion des Kückstandes mit 
Aether (Apiin bleibt ungelöst, Apiol in Lösung). Das Apiol 
bildet sehr lange, spröde weisse Nadeln, schmilzt bei 30 ^ 
löst sich nicht in Wasser, leicht in Alkohol und Aether. 
Das geschmolzene Apiol braucht Wochen und Monate zum 
vollständigen Festwerden, durch Lösen in Weingeist aber 
erhält man leicht wieder die ursprünglichen Krystalle. Con- 
centrirte Schwefelsäure löst das Apiol mit blutrother Farbe 
— scharfe B.eaction. !Nach Lindenbom kommt dem Apiol 
die Formel C^^H^^O* zu. {Ber. d. deutsch, ehem. Ges. IX, 
1477.) a J. 



Erythrophleln. 

Aus der Binde des an der afrikanischen Westküste vor- 
kommenden Erythrophloeum guinense, sowie des ihm ver- 
wandten und gleichfalls zu den Leguminosen gehörenden 
Erythrophloeum Couminga, eines auf den Seychellen einhei- 
mischen Baumes, haben Gallois und Hardy ein undeutlich 
krystallinisches Alkalo'id dargestellt, welches sie Erythrophleiu 
nennen. Sein salzsaures Balz bildet kleine Krystalle. Der 
Körper wirkt lähmend auf die Herzthätigkeit, wirkt über- 
haupt sehr toxisch, wie denn auch die Rinde der genannten 
Bäume längst von den Eingeborenen als Pfeilgift verwendet 
wird. (BtUl. de la Soc. Chim. de Parts. Tome XXVI. 
No. 1. pag. 39.) Dr. G. V. 



Ein AlkaloM im Hellotropiam earopaeum. 

Battandier kochte 10 Kilo Heliotrop mit angesäuertem 
Wasser, dampfte das Decoct bis zur Syrupdicke ein und 
fällte mit starkem Alkohol die meisten Extractivstoife. Der 
Alkohol wurde abdestillirt und das neue Extract mit Pottasche 
und Aether behandelt. Die ätherische, schön grüne Lösung 
mit 50 C. G. schwefelsäurehaltigen Wasser aufgenommen, 
wurde dann wieder mit Pottasche und Aether behandelt. 
Dieser letzte ätherische und farblose Auszug liess beim Ver- 
dampfen ein schleimiges Gel zurück, welches nach und nach 
in eine butterartige Masse erstarrte und in welcher krystal- 



Cotom, der krystaUinische Besiandtheil der Coto-Binde. * 81 

linische Blättchen darchs Mikroskop erkannt wurden. Es 
sind Prismen ans dem klinorhombischen Systeme. 

Dieses Alkaloid ist weiss, wird leicht gelb, schmeckt 
weniger bitter als Chinin und löst sich in säurehaltigem und 
^wöhDlichem Wasser leicht auf. Die Lösung seiner Salze 
schwärzt sich und nimmt den Geruch der flüchtigen Alkalo'ide 
an. Die Salze verbrennen unter Homgeruch und lassen eine 
rolominöse und aufgeblähte Kohle zurück. Das Alkaloid 
selbst schmilzt und verflüchtigt sich theilweise. {Röperioü-e 
d^ Fharmacie No. 22. Novembre 1876. p. 673.) BL 

Verf. nennt dieses Alkaloid Heliotropin und glaubt, dass 
H. peruYianum mehr davon enthalte als H. europeunt 
Folgende Heactionen stellte er damit an: 

Tannin — weisser Niederschlag. 

Jodkalium - Quecksilber — gelblich weisser Niederschlag. 

Jodkaliom - Wismuth — orangefarbiger Niederschlag. 

Jodtinctur- Jodkalium — öliger brauner Niederschlag. 

Pikrinsäure — hellgelber Niederschlag. 

Alkalien — ein weisser Niederschlag, welcher aus öligen 
Tropfen gebildet wird und später erhärtet. 

Brom — es bildet sich eine harzige hellgelbe, sehr zähe 
Masse, welche auf der Oberfläche der Flüssigkeit schwimmt. 
Die Beaction ist sehr empfindlich und kennzeichnet sofort 
das Alkaloid. 

Flatinchlonir, Chlorquecksilber, starke Säuren, auch ver- 
nuBchte, ebenso Kaliumbichromat geben keinen Niederschlag. 

Bichromat in SO^ H' gelöst, ßirbt sich stark grün. 

Das schwefeis. und salzsaure Heliotropin krystallisiren 
nicht, wirkten aber in Mengen von 25 Miliig. und mehr 
todtend bei einer Katze und Hund. {Repertoire de Pharma- 
cie. Ab. 21. Decembre 1876. p. 739.) Bl. 



CotoTn, der krystallinlsche Bestandthell der Coto- 

Rinde. 

Julius Job st hat die Cotorinde einer chemischen Un- 
tenmchung unterworfen und einen krystallinischen Körper 
daraus abgeschieden, welchen J. A. Tod die Formel C** H*® 0« 
und den Namen Cotoin gegeben hat. 

Das Cotoin bildet gelblich weisse, leichte Krystalle, die 
MJion mit blossem Auge zu erkennen sind und unter dem 

Areb. d. Pharm. Xu. Bds. 1. Heft 6 



82 * Ein Beitrug inr Abtcbeidong d< 

Mikroskop schöne quadratische Prismen zeigen. Es besittt 
den beissendcn Geschmack der Hinde ira höchsten Grade, isl 
schwer löslich in kaltem, leichter löslich in heissem WaBser. 
in Alkohol, Aether, Chloroform und Schwefelkohlenstoff. 
Benzin und Fetroleumäther lösen es schwierig und lä-iüt 
es sich aus Alkohol leicht in grossen schwefelgelben Prismen 
erhalten. Der Schmelzpunkt liegt bei 124". Alkalien ioeen 
es mit gelber Farbe, aas welcher Lösung es durch Saunen 
geiSUt wird. Concentrirte Salpetersäure löst Cotoin in der 
Kälte allmählig, rasch beim Erwärmen mit bluthrother Farbe; 
beim starken Verdünnen mit H*0 fallen braunrothe Flocken. 
H*SO* löst mit branngelber, HCl mit reingelber Farbe. Die 
wässri^ Lösung reagirt nentral, redueirt in der £älteG«ld- 
and Silbersalze. Neutrales essigsaures Bleioxyd giebt keine 
Fällung, Bleiessig giebt einen bochgelben Niederschlag, Eisen- 
galze geben braune Färbung und in concentrirten Lösungen 
einen schwarzbraunen Niederschlag. Fehling'acbe Lösnog 
wird langsam, heim Erwärmen rasch redueirt 

Die Daretellungs weise ist folgende: Grob gepulverte 
Cotorinde wird mit kaltem Aether yollstandig extrahirt, der 
Auszug im H*Obade bis auf '/lo ^'•'- abdestillirt und noch 
warm mit 6 Th. Petrolätber gemischt. Die Lösung wird nocb 
warm vom Harz getrennt und krystallisiren gelaasen and 
nochmals ans heissem H*0 umkrystallisirt. (Buchner^s Reperior. 
f. Tharmacie. Bd. ZXV. pag. 23.) C. Seh. 



Ein Beitrag znr Abscheldnng der AlkaloTde. 

Zur Abscheidung der Alkaloide in gerichtlichen Fällen 
bedient sich E. Rennard zur Extraction der CadaTsrtheile 
vorzugsweise des 90 — 9i°l(, Alkohols, nur bei sehr fett- 
reichen Geweben des Wassers. Dem Alkohol wird soviel 
verdünnte Schwefelsäure zugesetzt, dass die flüssige Ümec 
eine deutlich saure Keaction zeigt. Nach der Digestion im 
Wasserbade wird zum zweiten Male extrahirt und nach dem 
völligen Erkalten durch ein grösstes Filter filtrirt. 

Bei schleimigen und zuckerhaltigen Stoffen empfiehlt 
Verf., dem Alkohol '/* his '/s Volum Aether zuzufügen. — 
Bei der Behandlung von Erbrochenem etc. mnss die etwas 
grosse Flüssigkeitemenge im Wasserbade, nach dem Abdestil- 
liren des Spiritus, concentrirt und nochmals mit starkem 
Alkohol behandelt werden. — Hauptsache bleibt, dass man 



BromwasserstofEsaiiTe AlkaloYde. — KSiutliche Athmung. 83 

den Fllissigkeiten vor der Filtration genügend Zeit znm 
Abkühlen und Absetzen lässt. 

Die f^aore Flüssigkeit wird zuerst mit Petroleumäther 
aosgeschüttelt, dann mit wenig Aether. fieide Flüssigkeiten 
werden zur Seite gestellt, weil sie nur selten und wenig 
Alkaloide enthalten. Die mit H' N übersättigte Flüssigkeit 
kann gleich mit Aether ausgeschüttelt werden. {Pkarmaceut 
ZeiUchr. f. Russland. Jahrg. XV. pag. 225.) C. Sc7i. 



Bromwasserstofffiaiire Alkaloide. 

CiL Bai lock stellt die bromwasserstoffsauren Salze 
von Cinchonin, Chinin, Morphin und Stryohnin in der Weise 
dar, dass er die massig concentrirten alkoholischen Lösungen 
der Sulfate obiger Alkaloide mit einer starken Bromkalium- 
lösnng in der berechneten Menge versetzt, von dem sich 
ausscheidenden schwefelsauren Zali abfiltrirt und die Lösun- 
gen zur Krystallisation verdunstet. Sie Alle krystallisiren 
in Nadeln, welche in Wasser schwer, in verdünntem Wein- 
geist leicht löslich sind. (Journ. de Pharm, de Geneve. 
Xo, 20. Jmllet 1876.) Dr. G. V. 



Kftnstllehe Athmung. 

Woillez hat einen Apparat construirt, welcher dazu 
bestimmt ist, bei Ertrunkenen, Erstickten, sowie bei neuge- 
borenen scheinbar leblosen Kindern WiederbelebunsTsver- 
»acbe zu unternehmen, und dem er den Kamen „Spirophore'^ 
gegeben hat. Der Körper des für scheintodt Gehaltenen wird 
in einen schief Uzenden Metallcylinder in der Art gebracht, 
dass der Kopf noch ausserhalb sich befindet und der Absohluss 
nach Aussen durch ein um den Hals gelegtes Diaphragma 
bewirkt wird. Die im Cylinder befindliche den Körper umhül- 
lende Luft steht durch ein seitlich angebrachtes Bohr mit 
einer ganz einfach construirten Pumpe in Verbindung, durch 
welche abwechselnd die Luft im Cylinder verdünnt und wie- 
der verdichtet werden kann. Während der Verdünnung 
strömt durch den ausserhalb des Cylinders befindlichen Mund 
etwa 1 Liter Luft in den Thorax und dehnt diesen aus, um 
einen Augenblick nachher ausgetrieben und beim nächsten 
Pompenzng wieder durch ein neues Quantum ersetzt zu 

6* 



84 Einfloss der Kohlensäure eto. 

werden. Ein in die Cylinderwandimg an geeigneter Stelle 
eingelassener Glasdeckel gestattet den Effect der Arbeit, die 
abwechselnde Hebung und Senkung von Thorax und Abdo- 
men direct zu beobachten. Der Erfinder rühmt die vorzüg- 
lichen durch diese künstlich eingeleitete Athmung erreichten 
Erfolge. (Joum. de Pharm, tt de Ghimie i. Sorte. Tome XXIV. 
pag. 316.) Dr. G. V. 



Einfluss der EohlensSare auf den Athmungsproeess 

der Thlere. 

Raoult fand, dass auch für die thierische Oekonomie 
jenes von Deville und Berthelot aufgestellte Gesetz der che- 
mischen Statik Geltung hat, dass chemische Wechselwirkun- 
gen sehr häufig durch ihre eigenen Producte unvollständig 
bleiben und beschränkt werden. Seine Vermuthung wurde 
bestätigt, dass zwischen dem im Blute gelösten Sauerstoff 
und der darin befindlichen organischen Materie und Kohlen- 
säure ein ähnliches chemisches Gleichgewicht sich etabliren 
müsse, wie dasjenige zwischen einer Säure, einem Alkohol 
und dem von beiden gebildeten Aether, und dass, wie die 
Einwirkung der Säure auf den Alkohol durch den schon 
gebildeten Aether beschränkt wird, so auch die G^enwart 
der Kohlensäure im Blute die Wirkung des Sauerstoffs auf 
die organischen Blutbestandtheile behindert. War dem wirk- 
lich so, dann musste, wenn die Tension des Sauerstoffs der 
eingeathmeten Luft dieselbe blieb, die Hämatose in dem 
Maasse sich verlangsamen, als die Tension der Kohlensäure 
in der eingeathmeten Luft stieg. Der experimentelle Beweis 
gelang vollständig, denn es zeigte sich, dass durch den Ge- 
halt der eingeathmeten Lufb an Kohlensäure graduell die 
Menge der beim Athmungsprocesse gebildeten Kohlensäure 
und noch mehr die Menge des beim Athmen verbrauchten 
Sauerstoffs verringert wird. Es ist somit die Gegenwart 
der ^ Kohlensäure in der eingeathmeten Luft ein Hindernis» 
für die Hämatose. Die zu den Versuchen verwendeten Thiere 
suchten instinctiv den Nachtheil durch vollere Athemzüge 
wieder auszugleichen und es stieg bei einem derselben in 
Folge dessen das in einer Stunde eingeathmete Luftvolumen 
von 71 auf 97 Liter. {Annales de Ghimie et de Pht/sique. 
5. Särie. Tome IX. p. 198) Dr. G. V. 



Einflaai d. Laftdruekt auf lebende Wesen. — Lösung der Seide. 85 

Etnfluss des Luftdrucks auf lebende Wesen. 

Dass der Organismus nicht ungestraft grosse Aenderun- 
gen des Luftdrucks nach der einen, noch nach der anderen 
Kichtung hin erträgt, haben Bergsteiger und LuftschifTer 
einerseits^ Taucher andererseits schon oft zu ihrem Nachtheil 
erfahren müssen. Nach den Untersuchungen und Experimen- 
ten Ton Bert ist, wie schon de Saussure annahm, keines- 
wegs die Aenderung der Druckvcrhältnisse an und für sich 
durch mechanische Wirkung nachtheilig, sondern die erwähn- 
ten Zufalle sind hier durch Uebermaass, dort durch Mangel 
an Sauerstoff hervorgerufen. Dem entsprechend kann der in 
der verdünnten Atmosphäre höherer Luftschichten nothlei- 
Hende Aeronaut durch einige kräftige Athemzüge aus einem 
dazu mitgenommenen Sauerstoffbehälter seinem Blute wieder 
die erforderliche Sauerstoffmenge zuführen und ßein Uebel- 
befinden momentan beseitigen. (Journal de Pkarmacte et de 
Chimie. 4. S6rie. Tome XXIV, pag, M9,) Dr. G. V. 



Zur LSsnng der Seide 

wurde Ton Schloasberger das Nickeloxydul- Ammoniak, von 
Persoz das Chlorzink und von Spiller die concentrirte Salz- 
säure vorgeschlagen. Nach Jul. Löwe ist hierzu vorzüg- 
lich geeignet kalte alkalische Glycerinkupferlösung ; Wolle, 
Baumwolle, Leinen wurden durch dieselbe selbst nach meh- 
reren Stunden nicht angegriffen, während Seide bald gelöst 
wurde. Es ist hierdurch ein Mittel gegeben, Seide in ge- 
mischten Geweben selbst quantitativ feststellen zu können. 
Farben verhindern die Reaction nicht, nur die durch Eisen- 
aalze schwarz gebeizte Seide löst sich unvollkommen und 
muss das Eisen desshalb erst entfernt werden. Die Berei- 
tung der alkalischen Glycerinkupferlösung geschieht durch 
Auflösen von 16,0 Kupfervitriol in 140,0 — 160,0 destillirtem 
Wasser, Hinzufügen von 8 — 10,0 Glycerin (spec. Gew. 1,240) 
und Mischen des Ganzen durch Schütteln. Hierauf tröpfelt 
man unter Yermeidung eines grossem Ueberschusses kalt 
m lange Natronlauge ein, bis der entstandene Niederschlag 
»ich völlig wieder gelöst hat und bewahrt unfiltrirt auf. 
[Dingh folyt. Joum. 1. Novemberheß. B. 222. Heft 3.) 

G. 



86 Zuokerbild. im Thierkörp. — Zucker im Blute. — LeioheoTerbreiiAiiB^. 

Zuckerblldang im ThlerkSrper. 

Aas einer längeren Abhandlung von Gl. Bernard, 
welche sich über Zuckergehalt und Zuckerbildong der ver- 
schiedenen G«webe und Flüssigkeiten des Thierkörpers, auch 
des fötalen, in der interessantesten Weise y erbreitet, seien 
folgende Resultate hervorgehoben: 

Der Zucker bildet sich in der Leber ohne directe Da- 
zwischenkunft des Blutes aus einem in der Lebersubstanz 
enthaltenen Körper und diese Zuckerproduction findet auch 
in der dem lebenden Körper entnommenen Leber noch einige 
Zeit hindurch statt in Folge eines eigentlichen Gahrungs- 
Vorganges, welcher durch Kalte verlangsamt oder sistirt, 
durch gelinde Erwärmung beschleunigt, durch Kochen aber 
definitiv aufgehoben wird. Dieses Glycogen der Leber, des- 
sen Vorkommen jedoch nicht auf das Gewebe der Leber 
allein beschränkt zu sein scheint, ist isolirt und als eine 
Art animalischen Amylums erkannt worden, welches Felouze 
durch rauchende Salpetersäure in Xyloidin umgeändert und 
für das er die Formel C**H**0^* angegeben hat. (Annales 
de Chimie et de Physique. 3. S6rie. Tome VIII. pag, 367.) 

Dr. G. F. 



Quelle des Zuckers im Blute. 

Bernard gelang es, auf rein experimentellem Wege 
bis zur Quelle des im Blute vorhandenen Zuckers aufzustei- 
gen« Er fand dieselbe in einer physiologischen Function 
des Gewebes der Leber, wodurch der in den übrigen Thei- 
len des Körpers verbrauchte und zerstörte Zucker fortwäh- 
rend wieder in der nöthigen Menge erzeugt und dem Blate 
beigemischt wird. TJebermässige Function der Leber in die- 
ser Richtung führt zu Diabetes, ungenügende oder ganz 
eingestellte zu anderen sehr ernsten Störungen im Organis- 
mus. {Annalts de Chimie et de Physique. 5, SMe. Tome IX, 
pag. 207.) Dr. G. V. 



Ein Gutachten Aber die Lelchenyerbrennung« 

Der Gesundheitsrath des Seinedepartements hat sich in 
einem an die Polizeipräfectur erstatteten Gutachten dahin 
ausgesprochen, dass zwar die Leichenverbrennung ohne £nt- 
wickelung irgend wie schädlicher Gase bewerkstelligt werden 



Terhalten der Phenole im Thierkörper. 87 

könne, dass sie auch überhaupt in hygieDischer Beziehung 
unleugbare Vortheile vor der Beerdigung habe, dass sie aber 
vom Standpunkte der gerichtlichen Medicin betrachtet höchst 
bedenklich erscheine, da durch sie naheza alle Gifte verfliich- 
tigt werden, somit dem Giftmischer eine fiir die menschliche 
Gesellschaft sehr unerwünschte Sicherheit vor Ueberfdhrang 
seines Verbrechens verschaffli würde. (Annales de Chimte 
d de Fhysique, 5. Sorte. Tome VIII. paff. 571.) 

Dr. G. V. 



Terhalten der Phenole Im ThierkOrper. 

Nachdem £. Baumann bereits früher festgestellt hatte, 
dass in den Thierkörper eingeführtes Phenol mehr oder we- 
niger vollständig zu phenolschwefelsaurem Salz umgewandelt 
Ultd als solches ausgeschieden wird, stellte er neuerdings 
gemeinschafllich mit E. Herter fest, ob die grosse Zahl der 
Hydroxylderivate des Benzols ein analoges Verhalten zeige. 
Angestellte Versuche ergaben, dass käufliches Kresol ebenso 
wie das aus Pferdeharn gewonnene sich dem Phenol durch- 
aus ähnlich verhalte; in einem gewissen Verhältnisse zur 
Menge der in den Thierkörper eingebrachten Kresole nimmt 
d^e in Form von Sulfaten im Harne ausgeschiedene H* SO* 
ab und verschwindet eventuell ganz, während die Menge der 
gepaarten Schwefelsäure entsprechend vermehrt wird. Auch 
mehrfach substituirte Phenole zeigten dasselbe Verhalten. 
Einem Kaninchen, dessen Harn bei Fütterung mit Kohlblät- 
tem in 100 C. C. 0,896 g. BaSO* aus Sulfaten und 0,036 
aus gepaarten Verbindungen geliefert hatte, wurden 2 g. 
Thymol in den Magen eingeführt. 100 C.C. des darauf ent- 
leerten Harnes gaben 0,458 g. BaSO^ aus Sulfaten und 
0.442 aus gepaarten Schwefelsäuren. 

Ganz anders verhalten sich die Phenole, in denen Was- 
serstoffatome durch Carboxylgruppen ersetzt sind (aromati- 
sche Oxysäuren). Ein Versuch mit Salicylsäure wurde am 
Menschen angestellt und bei der 4 Tage nach einander 
geschehenen Bestimmung keine wesentliche Aenderung im 
Verhältnisse der in den beiden Formen ausgeschiedenen 
Schwefelsäoremengen bemerkt. (Ber. d. deutsch, ehem. Ges. 
IX, 17i7.) C. J. 



88 Das schwarse Pigment in Haaren n. Federn. — FäolniMgift. 

Das schwarze Pigment in Haaren und Federn. 

Hodgskinson und Corby fanden, dass sich weisse 
Haare und Federn durch Digestion mit verdünnter Schwefel- 
säure Yollkonunen auflösen lassen , während schwarze oder 
braune Haare und Federn einen schwarzen amorphen Rück- 
stand lassen. Der Federbart von Krähenfedem liefert etwa 
1 Procent. Nachdem dieser Körper mit verdünnter Salzsäure 
behandelt und mit Aether und Alkohol gewaschen worden, 
entspricht er der Formel C^®H**H*0®. Er wird von ver- 
dünnten Alkalien nicht angegriffen, von concentrirter Salpe- 
tersäure langsam oxydirt. Mit Brom giebt er Verbindungen, 
deren eine in Wasser löslich ist. 

Im dunkelrothen Haar findet sich neben dem schwarzen 
unlöslichen ein rothes lösliches Pigment. Gewisse schwarze 
Federn, z. B. die aus der Haube des Kranichs enthalten statt, 
des schwarzen Pigments allein verschiedene andere Pigmente. 
Das Pigment der Negerhaut wird mit dem schwarzen Pig- 
ment der Haare und Federn identisch sein. {The Pharmac, 
Joum. and Transad. Third. Ser. No. 335. Novbr. 1876. 
p. 433.) Wp. 



FBulnlssgift. 

Die von Panum aus seinen Untersuchungen über Fäul- 
nissgift ^ Bacterien, putride* Intoxication und Septicaemie 
gezogenen Schlüsse werden von ihm^ wie folgt, zusammen- 
gefasst. 

Das in faulenden thierischen Flüssigkeiten oder Gewe- 
ben enthaltene putride Gift, ist ein Stoff sui generis, ein 
chemisches Gifb, niemals aus Albuminkörpem gebildet, son- 
dern mehr den Pflanzenalkaloiden sich nähernd, nicht flüchtig, 
in der Siedhitze nicht zerstörbar, löslich in Wasser. Ins 
Blut gebracht, ruft es einen Complex von Symptomen her- 
vor, welcher als putride Infection oder besser als putride 
Intoxication bezeichnet wird. Wahrscheinlich ist dieses GiU 
das Product vitaler Entwickelung von Bacterien^ speciell 
von Bacterium termo Cohn, eine Art Secretionsproduct. Die 
Bacterien können an verschiedenen Stellen des Nahrungs- 
canais vollkommen gesunder Menschen sich vorfinden, vom 
Darm aus auch bei ihrer ausserordentlichen Kleinheit durch 
denselben Mechanismus, wie die Fette, in das Blut gelangen, 
in diesem aber erst dann leben und sich vermehren^ wenn 



OzalMüreTergiftangen. — Schädlichkeit mancher GummigegeiiBtände. 89 

der Tod einen gewissen Grad von Zersetzung herbeigeführt 
hat; deren Eintritt dnrch die Anwesenheit von jenem oben 
erwähnten putriden Gifl ganz ausserordentlich beschleunigt 
wird. Dieses putride Gift aber kann während des Lebens, 
mit oder ohne Bacterien, besonders von Wunden aus in das 
Blat gelangen und in diesem die putride Intoxication her- 
vorrufen. 

Ein wesentlich verschiedener, Krankheit erzeugender 
Organismus scheint das Microsporon septicum Klebs zu sein, 
welches sich besonders im Eiter entwickelt, vielleicht unter- 
stützt durch eine von dem putriden Gift erzeugte Prädisposi- 
tion, so das8 dieses in der Luft gefüllter Spitaler stets vorhan- 
den ist. Dieses Microsporon scheint sich auch während des 
Lebens im Blute und in den Geweben beträchtlich zu vermehren 
and hier Entzündungen, purulente Ansammlungen und Fieber 
hervorgerufen, sei es durch Erzeugung eines speciellen Giftes 
oder auf mehr mechanische Weise durch massenhafte Irrup- 
tion und Gewebsreizung. 

Durch gleichzeitige Miteinwirkung des zuerst erwähnten 
putriden Giftes können dann die durch Microsporon septicum 
hervorgerufenen morbiden Formen je nach umständen den 
septischen oder den pyämischen Charakter annehmen. {Anna- 
les de Ckimie ei de Physigue. 5. S^rie. Tome IX. p. 350.) 

Dr. G. V. 



OxalsSareTergiftnDgen. 

Vyvere hatte die Eingeweide einer Person zu unter- 
suchen, welche in Folge einer unglücklichen Verwechslung 
statt Magnesiumsulfat 30 g. Oxalsäure erhalten und auf einmal 
genommen hatte. Er fand zu seiner üeberraschung in den 
Eingeweiden erhebliche Mengen von AUoxantin und glaubt 
daher annehmen zu müssen, dass die giftige Wirkung der 
Oxalsäure nicht, wie man sonst angiebt, einer localen Corro- 
sion, sondern einem ganz allgemeinen Effect auf den Gesammt- 
organismus zuzuschreiben sei. {Journal de Pharmacie d*An- 
ttrs, Juin «. Juület 1876. pag. 258.) Dr. G, F. 



Sehidllchkeit mancher GammigegenstBnde. 

Mehrfach ist auf die Schädlichkeit von Kautschuk artikeln 
aufmerksam gemacht, welche nicht aus reinem, sondern mit 
ZiDkoxyd veimischtem Kautschuk gefertigt sind, so früher 



90 Giftige Wirkung der Alkohole. 

häufig die Gummihütchen der Milchsaugeflaschen für Kinder. 
Einen Erkrankungsfall durch zinkhaltiges Gummi berichtet 
B. ToUens. Derselbe betriflPt ein Kind, welches eine Gummi- 
puppe längere Zeit im Munde gehabt hatte. Verfasser wurde 
überrascht durch die Menge Zinkoxyd, welche sich zuweilen 
in solchen Figuren findet und welcher damit digerirte yer- 
dünnte Essigsäure sehr bald zinkhaltig macht. Er erhielt 
aus 0,7329 g. einer solchen Figur 0,4446 g. ZnO oder 
60,58 7o- Um jedem Verluste vorzubeugen, wurde das Gummi 
mit einem Gemenge von 3 Thln. Natriumcarbonat und 1 Thl. 
Kaliumchlorat , dem gleiche Theile Kochsalz zugesetzt wa- 
ren, vorsichtig geschmolzen. Aus der Lösung in HCl wurde 
das Zink nach der Verwandlung in Acetat durch H^ S geföllt 
und nach dem Lösen und Wiederlällen als ZnO gewogen. 
(Ber. d. d. ehem. Ges. IX, 1542.) C, J. 



eiftlge Wirkung der Alkohole. 

Duj ardin, Beaumetz und Audige fanden, dass die 
Menge der durch Gährung entstandenen Alkohole, welche 
erforderlich ist, um in 24 Stunden den Tod eines Hundes zu 
bewirken, mit dem Atomgewicht variirt. Es fand sich, dass 
die tödtliche Dosis, auf das Kilogramm lebend. Gewicht des 
Thieres berechnet, in den Magen gebracht (I) oder unter die 
Haut gespritzt (II) folgende war: 





I. 


n. 


Von Aethylalkohol 
Propylalkohol 
Butylalkohol 
Amylalkohol 


7,75 
3,13 
1,74 
1,48 


8,00 
4,02 
2,15 
2,02. 



Versuche mit andern einatomigen Alkoholen führten zu 
folgenden Besultaten: 

Methylalkohol ist giftiger als Aethylalkohol; tödtliche 
Dose 5 g. 

Heptyl- und Octylalkohol variiren in ihrer Wirkung, je 
nachdem sie rein oder mit Aethylalkohol gegeben werden. 
Unverdünnt ist die Dosis der des Aethylalkohols fast gleich, 
aber bei Verdünnung mit dem zehnfachen Volum Aethylalko- 
hol wirken schon 2,3 — 2,5 Heptyl- und 2,0 — 2,2 Octyl- 
alkohol tödtlich. Cetylalkohol ist unlöslich und in Folge 
dessen nicht giftig. {The Pharm, Joum. and Transact Third 
Ser. No. 336. Dechr, 1876. p. 455.). Wp. 



Jodstirke all Gegengift. — Ennittl. d. HftrnstoffiB« — HarnsedimenU. 91 

Jodstirke mlB €tegenglft gegen mehrere Gifte. 

Nach dem Journal de Facademie de medicine de Turin 
soll die Jodatärke als Gegengift gegen Vergiftungen durch 
ßchwefel, Schwefelalkalien und Erden, durch Ammoniak und 
alle Alkaloüle, mit einem Worte gegen alle Vergiftungen, 
wo Jodtinctur vortheilhaft angewandt wird, zu empfeh- 
len sein. 

Die Jodstärke hat weder den unangenehmen Geschmack 
noch die reizenden Eigenschaften des Jods, sodass sie dem 
Kranken in grossen Gahen gereicht werden kann, und verbin- 
det sich mit den Giften zu unlöslichen oder löslichen Ver- 
bindungen, welche nicht schädlich sind. 

Nachdem sie gegeben ist, reicht man dein Kranken Yor- 
theShaft ein Srechmittel, um die Zersetzung der neuen 
entstandenen Verbindungen im Hagen zu vermeiden. (JR<?- 
perbnre de Pharmacie. No. 1. Janvief' 1877. p. 17.) Bl. 



Zur Ermlttlaiig des Harnstoffs. 

Jaillard hat ein Verfahren, den Harnstoff quantitativ 
zu bestimmen gegründet, das auf der eigenthümlichen Zer- 
setzung des Harnstoffes durch Chlorkalk beruht. Der Ham- 
fitoff zerfallt dabei in Kohlensäure, Wasser- und Stickstoff 
imd es hat Jaillard seinen Apparat so eingerichtet, dass die- 
ser Stickstoff für sich aufgefangen, sein Volumen gemessen 
und aus demselben die Hamstoffmenge berechnet werden 
kann. (Journal de Tharmacie et de Chimie. IV. S6rie. 
Tmn. IXIV. p. 41.) Dr. E. K 



Hamsedlmente. 

C. Mehu wendet sich in einer längeren Abhandlung 
gegen die übliche Angabe, dass Schleim, gewöhnlich als 
Blasenschleim bezeichnet, einen Bestandtheil aller Hamsedi- 
meote ausmache. 

Er weist nach, dass von eigentlichem Schleim, Mucin, 

mckt die Rede sein könne, dass man eben unter diesem 

bequemen Namen eine Menge der heterogensten Dinge 
zosaiomengefasst bat. 



92 Xanthium spinosum. — Büchersebau. 

In der Begel besteht dieser falschlich sogenannte Schleim 
der Harnsedimente aus Gewebsdetritus verschiedenster Art, 
aus Epithelialzellen, Blutkörperchen , Spermatozoiden u. s. w., 
ganz abgesehen von den mancherlei Producten pathologischer 
Herkunft, welche in unzähligen Fällen einen Bestandtheil der 
Harnniederschläge bilden. {Journal de Pharm, et de Ckimü, 
4. Sorte. Tome XXV. pag. 106.) Dr. G. 7. 



Xanthlnm spinosum. 

Dieses in neuerer Zeit als Prophylacticum empfohlene 
Arzneimittel beschreibt C. C. Keller wie folgt: Die dornige 
Spitzklette Xanthium spinös. L. (Compos. — Ambros.) ist ein 
einjähriges Kraut mit 0,3 bis 1 M. hohem Stengel, mit unge- 
theilten oder dreilappigen Blättern, der mittlere Lappen ist 
verlängert und zugespitzt. Oberseite sind die Blätter schwächer, 
Unterseite weissfilzig behaart. Am Grunde der Blätter sitzen 
starke, 30 bis 40 mm. lange, dreigabelige, gelbe Dornen. 
Die eingeschlechtlichen Blüthen sind grünlich, achsel- oder 
gipfelständig. Die männlichen Blüthen in Köpfchen beisammen 
an den Enden der Zweige, die weiblichen zu zweien mit eber 
stachligen Hülle verwachsen in den Blattwinkeln. Die Früchte 
sind grün, eiförmig, mit hakenförmigen Stacheln dicht besetzt, 
zwischen den Stacheln kurz behaart. 

Die Pflanze ist ursprünglich im Mittelmeergebiete heimisch, 
ist jedoch durch den Ackerbau als Unkraut über den grössten 
Theil der Erde verbreitet, hauptsächlich in der schlesischen 
Ebene in Böhmen und Ungarn. Aetherisches Oel und bitterer 
Extractivstoff sind ihre Hauptbestandtheile. (Schweiz. Wochen- 
schrift f. Pharm, Jahrg. XIV. pag. 332. nebst Abbildung.) 

C. Seh. 



C. Büehersehau. 



Practische Spec tralanalyse irdischer Stoffe. 

Anleitung zur Benutzung der Spectralapparate in der quali- 
tativen und quantitativen chemischen Analyse organischer 
und unorganischer Körper, im Hüttenwesen bei der Prüfung 
von Mineralien, Farbstoffen, Arzneimitteln, Nahrungsmitteln, 



BücherBchau. 93 

bei physikalischen und physiologischen Untersuchungen etc. 
von Dr. Hermann W. Vogel, Professor der Photochemie 
nnd Spectralanalyse an der kgl. Gewerbeakademie zu Berlin. 

Die Speetzalanaljse hat seit ihrer Begründung durch Kirchhoff und 
Bonsen ihre grösste Bedeutung auf dem Gebiete der Astronomie erlangt. 
Sie hat nicht nur in dem Lichte selbständig leuchtender Gestirne das 
Olühen der Dämpfe der meisten auf der Erde vorkommenden Elemente 
und die Beitandtheile der Atmosphären dieser Gestirne nachgewiesen, sie 
hat auch durch genaue Beobachtung der Veränderung des Lichtes der 
Geiüme ermittelt, ob und wie schnell ein Stern s\ch unserm Sonnensysteme 
nähert oder ron demselben entfernt. Die Eenntniss unsers Sonnenkörpers 
ist ausserordentlich durch sie erweitert worden, indem dort an beobachte- 
ten Gaseruptionen und atmosphärischen üngewittem deren Bestandtheile, 
Dichtigkeit,. Form, Ausdehnung, die Schnelligkeit ihrer Bewegung und 
die aus dieser berechnete Höhe der auf der Sonne herrschenden Tempera- 
tur erkannt werden konnten. 

Die Spectralanalyse hat dagegen bis jetzt an den Lebrstätten der 
Chemie, den Laboratorien, zu analytischen Zwecken, zu welchen sie recht 
aigvntUeh bestimmt schien, nicht die allgemeine Verbreitung gefunden, 
welche man im Hinblick auf ihre ersten Erfolge, die schnell nach einander 
gemachten Entdeckungen von vier neuen Metallen, hätte erwarten sollen. 

Die Ursachen dieser Vemachläsaigung liegen im Allgemeinen in dem 
bedeutenden Anwachsen des Materials der Chemie, welches längst genothigt 
hat, die chemischen Arbeiten in Specialfiicher zu trennen, in welche 
die Tcnchiedenen Arbeitskräfte sich theilen, und den Platz eines solchen 
▼erdicot auch bereits die chemische Spectralanalyse. Besondere Hinder- 
niue ihrer Ausbreitung über alle chemischen Lehranstalten bildet aber 
bis dahin der Mangel an Apparaten in erforderlicher Anzahl und Güte 
and an Unterweisung durch geübte Praotiker und durch geeignete Lehr- 
bnefaer. Von letzteren konnten selbst die grössten (wie das vorzügliche 
Werk Ton Schellen) dem chemischen Theile in der gewünschten Richtung 
■icht gerecht werden. 

Sie mussten sich darauf beschränken, die in den Journalen zerstreuten 
susfdhrliehen Berichte über die Entdeckungen und Fortschritte auf dem 
Uebiete der chemischen Spectralanalyse kurz zusammenzufassen. Dem 
Bednrihiase nach einem brauchbaren Lehrbuche abzuhelfen, konnte nur 
Ton einem geübten Practiker in der Spectralanalyse unternommen werden, 
weleher im Stande war, die Untersuchungsmethoden selbst zu prüfen und 
doreh eigene Erfahrungen zu erweitem. Herr Professor Vogel war der 
Erste, welcher diesen Zweck yerfolgte und hat denselben in seinem Yor- 
Ücgenden Werke erreicht. 

Dasselbe kann allen Studirenden als Leitfaden, sowie Fabrikanten, 
CcBsumenten und Behörden als Anhalt bei besondem Untersuchungen 
empfohlen werden. Wesentliches Verdienst hat der Verfasser sich um 
die Anwendung vereinfachter und weniger kostspieliger Hülfsmittel erwor- 
bes. Kamentlich in der Absorptionsanalyse bedient er sich fast nur des 
kleinen Taschenspectroskops (nach Sorby - Browning) und hat dasselbe 
ipäter durch Verbindung mit dem Vergleichsprisma noch brauchbarer 
gcmaeht. 

Der Inhalt des Werkes zerfällt in drei Abschnitte. Der erste: 
„Ueber die Eotetehung des Spectrnms'' bespricht die physikalischen Be- 
dingungen des Spectrums und die in der Spectralanalyse angewandten 
Apparate. 



94 Baohersohsa. 

Der sweite Abschnitt: ,,üeber die EigenBchaften der Speotren und 
die Spectralanalyse'' bebandelt im ersten Kapitel die Emisiionsspeetral- 
analyse, im zweiten die Pbosphorescenz und Flnorescenzspectren, im 
dritten die Absorptionsspectralanalyse. Der dritte Abschnitt bringt die 
quantitative Spectralanalyse. ' 

Das Werk ist so Yollständig, als es auf diesem Gebiete bis jetzt 
möglich ist. Die vielen unanagefallten Lücken bieten der Forschung noch 
ein weites Feld. Es darf aber nicht erwartet werden, dass diese jemals 
alle ausgefüllt werden in dem Sinne , wie ein yollständiges Lehrbuch der 
Chemie alle bekannten Stoffe und deren Verbindungen beschreiben mnaa. 
Die Absorptionaspectralanalyse ist fast ausschliesslich auf die farbigen 
und diejenigen farblosen Stoffe angewiesen, welche die bekannte Absorp- 
tion durch bestimmte Farbstoffe markant und charakteristiBch Terandem, 
während die grösste Zahl der farblosen Körper speotroskopisch yielleieht 
stets mehr oder weniger indifferent bleiben wird. 

Jena, November 1877. Dr. C, Gaenffe, 



U. S. Geological survey of MontÄn'a and adjacent territory; 
5the annual report of progress. By F. V. Hayden. 
Washington Government Printing Office 1872. 

U. 8. Geological survey of the territories embracing portions 
of Montana^ Idaho, Wyoming and Utah; 6 the annual report 
of progress of the explorations for the year 1872. By 
F. V. Hayden. Washington, Gov. P. 0. 1873. 

F. V. Hayden, Staatsgeologe, berichtet in den Torliegenden, 100 Bo- 
gen starken , mit vielen Holxschnitten, Lithographieen , Karten , Croqnis 
und Tabellen ausgestatteten Büchern über die, im Auftrage der Begie- 
rung, Ton einer daxu bestimmten Gommission, gemachten Forschungen in 
den angegebenen LSndem, welche im Westen ron N.- Amerika, südlieh 
von der Pacificbahn, in der Nahe der Saleseen und des Tellowatone- 
flusses gelegen sind. Ein District von einer Länge von ca. 60 Meilen 
zeichnet sich durch seine malerischen Schönheiten, welche vorzugaweise 
in, nach Hunderten zählenden, von den wunderbarsten, oft an das Bur- 
leske streifenden Einfassungen (Kratern) umgebenen und herrlich aohön 
gelegenen Geysem bestehen, aus. Die unendliche Verschiedenheit der 
Strahlengebilde selbst, die, was Formenschönheit und Stärke anbelAogt, 
selbst mit den schönsten Fontänen und Cascaden, die Kunst nnr irgendwo 
geschaffen hat, nicht zu Tcrgleichen ist, im Verein mit der grotesken 
Landschaft haben den Plan herrorgerufen , dieses Stuck Land unter dem 
Namen ,,Yellowstonepark** als grossartigsten Nationalpark der Weit dem 
Publikum zu überlassen. Bereits sind Vorschläge gemacht, um dieses 
Wunderland von mehreren Seiten durch Bahnenstrange dem Verkehr 
zugänglich zu machen. • — 

Die Bücher behandeln im weiteren Verlauf Geographie, Agricultui, 
Geologie und Paläontologie, Zoologie und Botanik der einzelnen Länder 
und bringen Beschreibungen Ton einer grossen Menge neuer Speciea. Die 
Commission steht in sofern mit dem Smithson'schen Institut (National - 
Museum) in Verbindung, als diesem die mitgebrachten Sammlungen incor- 
porirt worden sind. Druck, Einband und Vertheilung der Bücher geschsh 
für Rechnung der V. Staaten. Diesen jährlichen Berichten entsprechend 
erschien vor Kurzem ein, ebenfalls Yorliegendes, Verzeichniss unter dem 
Titel : 



BftehenchftQ. d5 

Cataloque of th« pnblications of the ü. S. Geological 
and Oeographical surrey of the territories. 1877. Depar- 
tement of the Interior. 



The Pollution of Streams. By Charles F. Eolsom M. D. 
Boston: A. J. Wright 1877. 

Der achte Jahresberieht des Oeanndheitsrathee von Massachusetts an 
den Senat enthalt als Hauptinhalt eine Abhandlung über die Veninreini- 
gong der Gewisser. Die genannte Behörde übersandte im rorigen Jahre 
an aUe medieinisehen Correspondenten des Landes Fragebogen folgen- 
der Art: 

L Ist an Ihrem Wohnorte eine Vermureinigang Ton Flüssen oder 
Teichen bemerkt worden 

a) Ton Fabriken oder Mühlen; 

b) Ton stadtischer Canalisirang ? 
IL Und wenn, — 

a) walchen Charakter hatte die Veranreinigong^ (Kalk, Farbstoffe, 

£xcremente, Strassenkehrieht etc.) 

b) ihre Ausdehnung (Farbe , Geruch , Einwirkung auf Fische , auf 

Haasthiere etc.)? 

in. stammte die schädliche Substanz aus Ihrem Wohnort, oder aus 
Nachbarorten, und aus welchen? 

IV. Wo ist die Quelle Ihres fliessenden Wassers und ist sie völlig 
gesehütst Tor jeder Besudelung? 

Y. Sind irgend welche Klagen in Betreff der Yerunreinigung der 
FluBswasser Ihres Ortes laut geworden? 

TL Haben Sie irgend welche Mittheilung mit Bezug auf ein etwai- 
ges Drainirungs- oder Canalisationssystem für Ihren Ort zu 
machen? 

Nach Eingang der Antworten begaben sich der Verfasser und Prof. 
Xi^Is an diejanigen Orte, über deren Gewässer am meisten Klage ge- 
führt wurde; letzterer untersuchte dieselben analytisch. In Anbetracht 
der vieleB Etablissements — Wollen- und Baumwollenmühlen, Papier-, 
Kasim -, Leim - und Lederfabriken, Gerbereien, Gasanstalten — nimmt es 
sieht Wander, dass einzelne Gewässer tintenartig gefärbt, andere total 
übdiieehend bes. faulig waren und in noch anderen Fische todt Torge- 
fofldsn wurden, nm so weniger noch, wenn man in Erwägung zieht, 
weiche Mengen Ton firemden Stoffen von einzelnen Fabriken dem Wasser 
sugefihrt werden; so verbraucht, nach dem Berichte, eine einzige 
WoUspiaaerei jahrlich 320,000 Pfund Farbeholz und ahnliche Stoffe, 
15,000 Pf. Chlorkalk, Ammon und Schwefelsaure, 40 — 50 Tonnen Galli- 
poUol, 700,000 Pf. Seife und 14,000 Tonnen Kohle, wo?on die Abgang- 
etofie dem Waaser zuwandern. Nichols bestimmt filtrirtes und unfiltrirtes 
Waiser, jedes für sich. Er giebt, abweichend von dem bei ims üblichen 
Vezfiihrett, diejenige Menge Ammoniak, welche beim Erhitzen des Was- 
ttn mit stark alkalischer Kaliumhypermanganatlösung erhalten wird, als 
£iweiss -Ammon (albuminoid Ammonia) an; im üebrigen verzeichnet er 
die Qesammtsumme des Trockenrückstandes und giebt das Manco am 
Gliihrüekstand als organische Materie. Wir erfahren bei der Gelegenheit, 
dua, wiederam abwaiohand von dem in Dentsohland üblichen Verfahren, 



96 Büchencbao. 

in Frankreich Hauptgewicht auf den in Wasser enthaltenen, freien 
Sauerstoff bei der Beartheilong der Wasser gelegt wird. Die aiifgestall- 
ten Tabellen enthalten die gewonnenen Resultate übersichtlich geordnet 
nnd bilden einen schätsbaren Beitrag cor allgemeinen Hygleine. 

Obwohl nan die Erfahrung lehrt, dass die Oxjdation der organischen 
Stoffe mit der Breite und der Ausflussgeschwindigkeit eines yerunreinigten 
Stromes conimmt, wird doch als besonderes Reinigungsmittel yorgesc^a- 
gen^ Canäle für die Abflusswässer der Fabriken su bauen, um diese recht 
weit dem Einfluss der Luft aussosetsen, sie aber ausserdem noch mit 
Pflanzen zu bebauen^welobe sich durch reichliche Sauerstoffentwieklung 
auszeichnen z. B. Arundo Phragmites, Sparganium, Mjriophyllam u. A. 

Es folgt nun eine Besprechung aller bisher üblichen Reinignngi- 
methoden, nebst Kostenanschlägen, sowie Mittheilungen, wie sich solche 
an den einzelnen Orten bewährt haben. Hierbei werden auch die Erfah- 
rungen, welche im Ausland gemacht sind, mit erwogen, das englische Ge- 
setz Tom 15. August 1876 mit Bezug auf Verunreinigung öffentlicher 
Gewässer, die in Paris für Reintgong der Seine getroffenen Bestimmungen 
mitgetheilt, die Grossartigkeit des Berliner Badialsystems wird anerkannt 
und das Reinigungssystem fva Frankfurt a/M. als Weltmuster hingestellt 
— Theorien, auf eine Menge Terschiedenartigster Beobachtungen gestütct, 
welche das Verhältniss der WasserTcrunreinigungen zum Wohlbefinden 
der Menschheit behandeln, bilden den Schluss. 

Wir empfehlen diese überaus lehrreiche und interessante Schrift 
allen denen angelegentlichst, welche sich ez officio oder aus Neigung mit 
dem Studium der öffentlichen Gesundheitspflege zu beschäftigen haben. 

Mtner. 



A report to Surgeon General (of U. S.) on the transport of 
sick and wounded by pack - animals. By Greorg A. Otis, 
Ass. Surgeon. Washington: Gov. P. 0. 1877. 

Ein Tom Kriegsministerium, Abth. für Medioinal -Angelegenheiten, 
herausgegebener, mit yielen Illustrationen yersehener, Bericht des Assi- 
stenzarztes G. A. Otis fiber den Verwundetentransport durch Packthiere 
an unzugänglichen, wüsten Orten. Der Transport bezieht sich auf die 
Strecke, welche Tom Feldverbandplatz bis zur Ambulanoe, resp. znm 
weiter rückwärts gelegenen Kriegshospital zurück zu legen ist. Die 
Studien zu dieser ziemlich umfangreichen Arbeit sind theÜs in Mexico, 
grösstentheils aber in den Indianerkriegen im Korden und Osten gemacht 
worden, dabei aber die einschlägigen Erfahrungen anderer Nationen nicht 
ausser Acht gelassen. Die Schrift sei denen, welche für die Yerpflegnng 
resp. den Transport von Kranken im Kriege zu sorgen haben, bestens 
empfohlen. 

£laner. 



UäU0, BoclidrQolMr«! d«« WaiMiihatia«*. 



ARCHIV DER PHARMACIE. 

9. Band, 2. Heft/^/O^ ^ :C \ 

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A.. Orlginalmlttheili 



VntersaehiiBgeii ans dem pharmaeeiitlscheii Institute 

der UnirersitSt Dorpat. 

Mitgetheilt y. Dragendorff. 

L neber einige abyssinische HeilniitteL 

Während meines yorjährigen Aufenthaltes in Garlsruhe 
kam ich in den Besitz kleiner Proben Ton drei Heilmitteln, 
welche in Abyssinien Verwendung finden und welche im Jahre 
1874 durch Dr. W. Schimper zum Zweck wissenschaftlicher 
Begutachtung nach Europa gesandt waren. Ich habe, soweit 
das Material reichte, diese drei Mittel chemischen Analysen 
onterworfen und auch einige pharmakologische Versuche 
angestellt, worüber ich im Folgenden berichten will. Die 
Angaben über Abstammung und in Abyssinien eingeführte 
Anwendungsweise, mit denen ich meine Besprechung der 
drei Mittel einleiten will, entnehme ich einem Schreiben des 
Herrn Dr. W. Schimper, in welches mir Einsicht zu nehmen 
gestattet war. 

1. Add-Add. 

Die unter diesem Namen mir yorgelegte Drogue stellt 
die Blätter eines zur Familie der Gelastraceen gehörigen 
Baumes, des Celastrus obscurus, dar. Die Mutterpflanze ist 
in allen Hochländern Abyssiniens in einer Höhe von 8000 
bis 10,000 Fuss über der Meeresfläche sehr yerbreitet, geht 
aber nidit unter 8000 Fuss hinab. (In einer Höhe yon 

Areh. d. Pbarm. XII. Bda. S. Heft. 7 



98 Dragendorff, ü«ber einige abyssinitche Heilmittel. 

4000 — 7000 Fu88 kommen Celastraceen- Stauden yor, welche 
gleichfaUs z. Th. als ,yAdd-Add'' bezeichnet waren, welche 
aber die Wirkungen des G. obscunis nicht besitzen. Die 
Blätter, sowie sie mir yorliegen, sind eiförmig, oben abge- 
rundet, oder ausgekerbt, etwas in den Blattstiel yerschmä- 
lert. Der Blattstiel ist holzig, 0,7 — 0,8 Ctm. lang, die Lamina 
lederartig, 3 — 6 Ctm. lang, 2 bis 3,6 Ctm. breit, bei jünge- 
ren Exemplaren flach ausgebreitet, bei älteren etwas zum 
Mittelnery gefaltet und durch Rückwärtsbiegung des Mittel- 
neryen wenig gekrümmt. Unter der Lupe sind keine Punk- 
tirungen durch Oeldrüsen und selbst auf der Unterseite des 
Blattes keine Härchen erkennbar. Der Blattrand ist fein 
gekerbt, das Blatt netzadrig, der weissliche Mittelnery auf der 
Unterseite ziemlich stark 'henrortretend. Nach dem Trocknen 
hat das Blatt eine hellgrüne bis bräunlich grüne Färbung, 
das Pulyer ist dem der Sumachblätter ähnlich. Der Geschmack 
der Blätter ist adstringirend- bitter, der Greruch erinnert an 
den des schwarzen Thees. 

Das Mittel wird namentlich bei der in Abyssinien yor- 
konimenden Eollakrankheit angewendet. Ueber diese finde 
ich in den mir mitgetheilten Notizen Folgendes: 

Eolla ist eigentlich die Bezeichnung für die im Innern 
Abyssiniens yorkommenden Niederungen yon 5000 Fuss ab- 
wärts bis zu 2600 Fuss hin. In diesen Gegenden kommt 
während der Begenzeit (Juni bis Ende October) eine äusserst 
üppige Vegetation yor, während yon Noyember bis Mai die 
Bäume entlaubt, die dichtstehenden Gräser yon 5 — 8 Fuss 
Höhe und die meisten kleineren Gewächse yerdorrt sind. 
Namentlich während der Regenzeit, aber selbst während der 
trocknen Monate, entwickeln sich reichlich Miasmen, nament- 
lich in den feuchten Thaleinschnitten. Sie zwingen den Ein- 
geborenen seine Wohnungen möglichst fem yon diesen 
wasserreichen Stellen auf kleinen Erhebungen und Hügeln 
anzulegen und bei Beisen etc. auch stets die letztbezeichneten 
Stellen als Schlafplatz zu benutzen. Dabei wird ausserdem 
noch die Vorsicht angewendet, dass man durch Abbrennen etc. 
die Vegetation yon dem Lagerplatz entfernt. Können diese 



Diagendoiff, UeW einige abyssinieche Heümittel. 99 

Voraehtsmaassregeln nicht beobachtet werden, so länit der 
Beigende grosse Grefahr von der sehr contagiösen, sogenann- 
ten Eollakrankheit befallen zu werden. Grosse Hitze, 
Eopf- nnd Rückenschmerz , auffallender Trübsinn und De- 
pression, Störungen der Herzthätigkeit , denen abzuhelfen 
gewöhnlich möglichst schnell ein starker aber kurzer Ader- 
las8 angewendet wird, grosse Disposition des Blutes zu Zer- 
setzungen, werden als Hauptsymptome der Krankheit ange- 
geben, welche letztere, wenn nicht schnelle Hülfe erfolgt, 
innerhalb 21 Tagen mit Tode endet und bei der nament- 
lich der 3., 7., 11., 14. und 21. Tag als kritische gelten, 
üeber die Therapie dieser Krankheit — der vorliegende 
Bericht stammt nicht aus der Feder eines Mediciners — 
wird mitgetheilt, dass bald nach Ausfuhrung des Aderlasses 
ein starkes Brechmittel (2 bis 3 g. Brechweinstein) gereicht 
wird und darauf mit Wasser verdünnte Salzsäure (auf eine 
Flasche Wasser 4 — 8 Tropfen starker Salzsäure, so dass 
das Getranky von dem innerhalb 12 Stunden 4 — 6 kleine 
arabische Tassen voll genommen werden, einer starken Gitro- 
nen- Limonade an Acidität gleichkommt). Opium soll durchaus 
Termieden, Chinin jedenfalls nicht gleich gebraucht werden. 
Thut die Salzsäure ihre Dienste , so nimmt gegen den 7. Tag 
Un die Intensität der Krankheit ab und nun soll die geeig- 
nete Zeit kommen, um das dieselbe begleitende Fieber zu 
bekämpfen. Man verordnet nun wohl Chinin; besser soll 
aber die gepulverte Chinarinde und am Besten eben unser 
Add-Add wirken. Abkochungen der ungepulverten Blätter, 
so conoentrirt, dass sie dunkelbraun, aber nicht schwarzbraun 
sind, lässt man anstatt der Salzsäure, auch wohl anfangs 
neben derselben, benutzen. Der Patient erholt sich aümählig; 
man lässt ihn nach Ablauf der ersten 7 Tage etwa 600 bis 
1000 Schritt weit von der Stelle, wo er erkrankte, in etwas 
höher gelegenes Terrain, aber nur ganz allmählig in das 
eigentliche Hochland bringen. Die Beconvalescenz dauert 
lange Zeit; monatelang fast allnächtlich stellen sich während 
derselben sehr schmerzhafte Wadenkrämpfe ein, gegen welche 
man die unter 11 zu besprechende übyaea anwendet; auch 

7* 



100 Dragendorff^ üaber einige abysrinische HeilmitteL 

Würgen und Erbrechen, namentlich gegen Anbruch des 
TageSy werden noch eine Zeit lang beobachtet. 

Ich habe das Add-Add tbeils als Pulver, theils in Form 
unzerkleinerter Blätter zur Verfügung gehabt und bei beiden 
Proben keine wesentlichen Abweichungen im chemischen Ver- 
halten beobachtet. Die im Verlaufe meiner Untersuchung 
ausgeführten quantitativen Bestimmungen erfolgten sämmtlich 
mit gepulvertem Material, welches während der Arbeit lu^ 
dicht verschlossen aufbewahrt wurde. 

Dieses Pulver hatte einen Gehalt von 5,60^0 Feuch- 
tigkeit und es lieferte beim Verbrennen 9,78% Asche, 
von welcher aber 1,07^0 Sand in Abrechnung zu bringen 
sind-, also wahre Asche = 8,71%. Die Asche braust mit 
Salzsäure nicht sehr stark auf (Kalium- und Calciumcarbo- 
nat); sie enthält neben etwas Eisen-, Calcium- und Magne- 
siumphosphat, namentlich Phosphat des Kaliums. 

Ueber den weiteren Verlauf meiner Untersuchung werde 
ich, da in den letzten Jahren nur wenig derartige Arbeiten ver- 
öffentlicht worden sind und namentlich Anhängern damit 
gedient sein dürfte, etwas ausführlicher berichten. 

I. Untersuchung auf ätherisches Oel, Fett etc. 

5 g. des gepulverten Krautes wurden mit 20 C.C. leicht- 
siedendem Petroleumäther in einer cylindrischen Flasche mit 
gutschliessendem Glasstöpsel mehrere Tage unter zeitweisem 
Umschütteln macerirt und es wurden schliesslich, nachdem 
die überstehende grüne Flüssigkeit sich vollständig geklärt 
hatte, zwei Portionen derselben auf tarirten Glasschaalen in 
der von Osse (Arch. f. Pharm. Ser. 3. B. 7. p. 104. 1875) 
beschriebenen Weise bei gewöhnlicher Temperatur verflüch- 
tigt. Der Rückstand, als er soweit als möglich constantes 
Gewicht erlangt hatte , wurde gewogen und von jeT 1 C C. 
Auszug erhalten. 

L 0,0174 g. n. 0,0169 g. Rückstand. 

Nach dem Erhitzen auf 100^ verringerte sich das Ge- 
wicht von 

I. auf 0,0097 g. und von IL auf 0,0095 g. 



Dragendoxff, Ueber einige abjesinisohe HeilmitteL 101 

Was nim hinterblieb^ war ein darch etwas Chlorophyll 
gefärbtes Fett Aus dieser Analyse berechnet sich der Ge- 
balt an ä t h. e 1 zu resp. 3,08 ^o ^^^ 2>96 ^/o, im Mittel zu 
3,02%, der an Fett zu resp. 3,86% ^^d 3,80 7o, m Mit- 
tel zn 3,83 %. 

Als der Best der Flüssigkeit abfiltrirt, der Rückstand 
mit Petrolenmäther ausgewaschen, der Auszug destiliirt und 
der Rückstand bei 100® erhitzt wurde, lieferte dieser Theil 
noch 0,1749 g. eines bei gewöhnlicher . Temperatur weichen 
Fettes — 3,89 %. 

Der in Petroleumäther lösliche Antheil der Drogue ist 
fast vollständig auch in Aether löslich. Er enthält neben 
dem äth. Oel und Fett, wie gesagt, wenig Chlorophyll aber 
kerne bitterschmeckenden Bubstanzen. 

II. Bestimmung der in Aether löslichen Sub- 
stanzen, Harz etc. 

a) 5 g. des Pulvers wurden mit entwässertem Aether meh- 
rere Tage macerirt» dann filtrirt, mit Aether nachgewaschen, 
der schön grüne Aetherauszug auf ca. 5. G. C. abdestillirt. 
Der nun erkaltete Rückstand schied sehr geringe Mengen 
Ton Chlorophyll und Wachs ab, auf deren Mengen- 
bestimmnng verzichtet wurde. Weiter verdunstet, bis con- 
stantes Gewicht eingetreten war, hinterliess der Auszug 
0,3155 g. Rückstand, der sich zu ca. % auch in kaltem 
absolutem Alkohol auflöste (es hinterblieb namentlich Fett 
angelöst) und der kaum bitterlich schmeckte. Es waren hier 
demnach in Summa 6,31 % Fett, Harz und Chlorophyll iso- 
lirt. Da nun nach dem vorigen Versuche die Fettmenge 
3,83% ausmacht, so bleibt für Harz und Chlorophyll 
2,48% übrig. 

b) Extraction des in I gebliebenen Rückstandes des Add- 
Add mit Aether lieferte 0,1400 g. harziger, wenig bitterer 
iÜMsen, welche auch in absolutem Alkohol löslich waren 
= 2,80®/o. ^ttel aus Versuch IL a) und b) 2,64 7o Harz 
und wenig Chlorophyll. 



102 Dragendorff, üeber einige abyssiniBche Heilmittel. 

in. BeBtimmung der in Alkohol löslichen Bnb- 
stanzen, GerbBäure, Fhlobaphen, BitterBtoff etc. 

a) 10 g. des Folyers werden mit absolutem Alkohol durch 
mehrtägige Maceration etc. erschöpft, der Auszug , nachdem 
er auf 10 G. G. abdestillirt und erkaltet worden, scheidet 
nichts Wesentliches ab, wohl aber erfolgte Abscheidung grüner 
Massen, als die Flüssigkeit mit 30 G.G. Wasser gemengt, 
erwärmt und dann kalt gestellt wird. Der Niederschlag ißt 
nach dem Trocknen bei 110^ » 0,6957 g.; er enthält etwas 
Wachs, Fett, Harz und Ghlorophyll und Fblobaphen, in 
Summa also 6,96%. 

Das Filtrat von diesem Niederschlage ist sehr bitter 
und adstringirend und besteht grösstentheils aus Bitterstofi^ 
Grerbstoff und Aschenbestandtheilen in Summa, nach dem 
Trocknen bei 110® gewogen, 1,3550 g. •= 13,55 ®/o- 

b) Bei einer Wiederholung der Alkoholextraction mit einer 
neuen Menge des Fulvers wurden als Summa der in Alkohol 
von 90 7o löslichen Substanzen 20,21 7o> ^^^ davon durch 
Wasser entziehbar 19,41 % ermittelt. Der in Wasser lös- 
liche Antheil dieses alkoholischen Extractes hinterblieb, nach 
der Beseitigung der Gerbsäure mit Bleioxyd und nach Ent- 
färbung mit Thierkohle verdunstet, theilweise krystallinisch. 
Es handelt sich hier im Wesentlichen um ein Gemenge von 
Bitterstoffen, deren einer in Aether aufgenommen wird uod 
in conc. Schwefelsäure anfangs gelb, dann schön grün löslich 
ist, während der andere (grössere) in absolutem Aether unlös- 
lich ist. Offenbar sind es die hier vorliegenden Bitterstoffe, 
welche neben der reichlich vorhandenen Gerbsäure für den 
Celastrus obscurus besonders charakteristisch sind. ^ 

c) Die Menge der in Alkohol von 90^0 löslichen Sub- 
stanzen, welche der in Aether unlösliche Bückstand von 
n. a lieferte, betrug 20,27 ^/o; auch hier handelte es sich 
vorzugsweise um Bitterstoff, Gerbstoff und geringe Quantitäten 



1) Die Differeni iwiichen diesem nnd dem folgenden Yersuclie einer- 
aeits und Yenach III. a ftndererseiU erklart sich darauf, dasi der eehwi- 
ohere WeingeiBt weniger Fett und mehr Gerbetoff amfge&ommen hat 



Dragendorffy Heber ebige abyssimscbe Heilmittel. 103 

ron AschensnbstanzeiL Von der Abwesenheit des Zuckers 
in diesem Ausznge liabe ich mich überzeugt. 

IV. Untersuchung der in Weisser löslichen Sub- 
stanzen, Schleim, Gerbsäure, Fflanzensäuren etc. 

a. 1) 10 g. des Pulvers wurden durch 5 malige Behand- 
lang mit je 100 g. Wasser bei 100® extrahirt, die filtrirten 
Auszüge wurden auf 500 G.G. gebracht. 

Hiervon wurden 50 G.G. im Flatinschälchen verdunstet 
und der Rückstand, nachdem er bei 110® constantes Gewicht 
angenommen hatte, gewogen. Seine Menge entsprach 0,3211 g., 
was nach Abzug der beim Verbrennen hinterbleibenden 
Aschenmenge = 0,0418 g. 27,93 ®/o in Wasser löslicher 
Substanzen ausmacht. Der wieder gelöste Rückstand gab 
starke Gerbeaurereactionen. 

2) Andere 150 G.G. des Wasserauszuges wurden bis auf 
25 G.G. eingedampft und dann mit 75 G.G. absol. Alkohols 
gemengte Es wurden nach 24 stündigem Stehen abfiltrirt 
0,3200 g. Schleim und Salze, oder nach Abzug von 0,0653 g. 
Aachensubstanz 8,48% in Wasser löslicher Fflan- . 
zen seh leim. Der Schleim war durch längeres Kochen mit 
verdünnter Schwefelsäure in Zucker umzuwandeln. 

3) 50 G. G. des Auszuges dienten zur Bestimmung des 
Gerbstoffes mittelst Eupferacetat. Der durch dieses aus- 
gefaUte Niederschlag wog nach dem Trocknen 0,1939 g., das 
durch Glühen etc. ermittelte Kupferoxyd desselben 0,0768 g., 
demnach Gerbstoff allein 0,1171 g. « 11,71 ^1^. Ein zwei- 
ter Versuch ergab 12,12%, Mittel aus beiden 11,91%. 

4) Ein Versuch, den Gerbstoff in 50 G.G. Auszug nach 
der Methode zu bestimmen, welche Garpenö für die Ermitte- 
Inng der im Weine vorhandenen Gerbsäure proponirt hat, 
scheiterte wohl namentlich desshalb, weil der Gelastrus- 
Gerbstoff einen wesentlich anderen Wirkungswerth gegen 
Chamäleon besitzt, wie die zum Einstellen des Titres benutzte 
&al%felgerbsäure. 

5) Bei einem Versuche, durch Bleiacetat den Gerbstoff 
zu fiQen, wurden aus 50 G.G. Auszug 0,2883 g. Nieder- 



104 DngatioiS, Uclier einigs abyiiiniiche HeilmitUl. 

ecblag und ans dieBem 0,1369 g. Bleioxyd erhalten •= 15,14 "lo, 
es sind hier aber mit dem Gerbstoff auch noch andere 8nb- 
Btanzen, namentlich Weinsäure gefallt worden (eiebe ^äter 

ain Verfluch, durch Kochen mit verdünnter Sals- 
erbstoff in ein dem £icheiiroth verwandte« Bpal- 
umzuwandeln und durch Wagnng dicaes letzteren 
pferacetat gefundene G-erbsäaremenge zu bestä- 
MD ganz betHedigendee Resultat , weil auch der 
azQge TorhandcDe Bitteretoff nuter diesen Um- 
nlÖBÜches Froduct lieferte. Die Uenge der nach 

und Abkühlen abfiltrirten Substanzen machte 
I Gewichte des Fnlvers aue. 
be berechtigt zu eein, den Tersuch mit Eupfer- 
DJenigen anzusehen, welcher den richtigen Ana- 
I Gesammtmeuge des Gerbstoffes gewährt. 
' nach der Weingeistextraction hiuterbleibende 
» Pulvers (III. a.) wurde mit heissem Wasser 
nd der Auszug auf 260 C. C. gebracht, 
Rirden 26,0 wie in IV. a., verdunstet und hinter- 
bes 0,1860 g. Kückstand mit 0,0367 g. unver- 
ubstanz = 14,93 % in Wasser leicht löslicher, 
obwer löslicher Sabstanzen. Dnrch Subtraction 
OD der in IV. a. 1. ermittelten Gesammtmengo 
ir löslichen Snbstanzen findet man als in Alko- 
jser zugleich lösliche Materien 13,00 % (Gerb- 
»rstoff.) 

Alkohollösung (HL a.) befanden sich nach Päl- 
Wasser unlöslichen Stoffe, namentlicb die Ge- 

der Bitterstoffe und ein Theil des Gerbstoffes, 
tt mit absolutem Alkohol mit Weingeist von 
irt (HL c.) BO war die Uenge des in Losung 
rbstoffes reichlicher wie dort; eine vollständige 
isselben durch absoluten Alkohol war schwer zu 
ährend der Bitterstoff auch in absei. Alkohol 
idig übergeht (conf. V. a.) Um nun ein unge- 
1 über die Menge des Bittereto&s zu erlangen, 



DngtndoTft, lieber einige abyssinische Heilmittel. 105 

welcher in den Blättern Torkommt, muBste ermittelt werden, 
wie Tiel Gerbsäure noch bei dem Versuche lH. a. ungelöst 
geblieben war. Es wurden desshalb 52 C. G. des in lY. b. 1. 
erhaltenen Wasserauszuges mit Kupferacetat gefallt und 
0,1337 g. Niederschlag mit 0,0466 g. Kupferoxyd — 4,35 7o 
Gerbsäure erhalten. 

3) Ein ähnlicher Versuch mit anderen 52 CG. ergab 
0,3321 g. Bleiniederschlag mit 0,2154 g. Bleioxyd — 0,1167 g., 
organische Substanz «= 5,835 7o- 

4) Ein dritter Versuch mit 52 G.G., durch Kochen mit 
Salzsäure das Celastrusroth abzuscheiden und aus diesem die 
Gerbsäure zu berechnen (da hier der Bitterstoff zuvor besei- 
tigt worden, so ist der Versuch zu verwerthen), ergab 
0,0979 g. — 4,89 %. Aus den Versuchen IV. b. 2. und 4. 
würde sich als Durchschnitt 4,62 % Gerbsäure berechnen, 
welche beim Versuche lU. a. nicht Yom Alkohol gelöst wor- 
den. Alkohol muss demnach bei jenem Versuche 7,29 % ^^^ 
Gerbsäure aufgenommen haben, nach deren Abzug von der 
Smnme der in Alkohol und Wasser löslichen Substanzen 
(13,55 7o) höchstens 6,09 7o Bitterstoff berechnet werden 
kann. Voraussichtlich verringert sich diese Menge noch um 
etwa 1 — 2*/o, die für fremde, nicht weiter qualificirbare 
Venmreinigungen des Bitterstoffes und Aschensubstanzen 
anzusetzen sind. 

c) In der wässrigen Abkochung einer neuen Fortion des 
Pulvers wurde der Schleim durch Alkohol, nach der Destil- 
lation wiederum die Gerbsäure durch Kupferacetat gefallt, 
schnell filtrirt und das Filtrat mit Bleiacetat versetzt. Hier 
fielen die sonst noch vorhandenen „Pflanzensäuren'' aus. Aus 
2 g. des Pulvers wurden 0,0486 g. organische Substanz des 
Niederschlages ermittelt » 2,43% organische Säuren. 
Zeriegong einer grösseren Portion eines so dargestellten 
BleiniederschlageB mit Schwefelwasserstoff und qualitative 
Cntersuchung der wiederabgeschiedenen Säure ergab vor- 
zugsweise die Gegenwart von Weinsäure. (Fällbarkeit 
durch Kalkwasser in der Kälte, Löslichkeit des I^iederschla- 
ges in Chlorammoniumsolution etc») 



106 Dragtndoiff, Ueber einige abjetiniiche HeilmiUel. 

Ein Theil der durch Bleiacetat fallbaren Pflanzen -Säu- 
ren muss sich auch in Weingeist lösen und zwar darf man 
auf Grundlage der Versuche IV. b, 2., IV, b. 3., IV. b. 4 und 
IV. c. annehmen, dass etwa die Hälfte in Weingeistlösung 
übergeht. Aus der Differenz der Versuche IV. a. 3 und 

IV. a. 6 hätte man 3,43 % Weinsäure etc. erwarten dürfen. 
Da aber dort die Filtration erst nach längerem Stehen 
erfolgte, so vermuthe ich, dass durch Bildung von Bleicarbo- 
nat etc. ein Fehler entstand, den zu vermeiden ich in Ver- 
such IV. c. bestrebt war. 

Subtrahiren wir die Summe des Pflanzenschleimes, des 
Gerbstoffes und der Pflanzensäuren (— 22,82 %) yon der 
Gesammtmenge der in Wasser löslichen verbrennlichen Sub- 
stanzen, die nach IV. a »- 27,93 % ist, so bleibt ein B-est 
5,11 % ^^^ ^^^ Bitterstoff und andere lösliche Substanzen, 
was die in IV. b. 4. angestellte Rechnung bestätigt 

V. Bestimmung der in Wasser unlöslichen, in 
Alkohol löslichen Substanzen und des Galcium- 

oxalates. 

a) Der in Wasser unlösliche Theil von IV. a. wurde 
wieder getrocknet und mit absolutem Alkohol bei Zimmer- 
temperatur ausgezogen; das Alkoholextract wog, nachdem es 
bei 110^ constantes Gewicht aDgenommen hatte, 0,6532 g. 
= 6,53% (conf. Verf. III. a.); es enthielt Fett, Chlorophyll, 
Harz, Phlobaphen, aber war nicht bitter. Die Bitterstoffe 
des Celastrus obscums sind, wie gesagt, sowohl durch Alko- 
hol wie durch Wasser leicht in Lösung zu bringen. 

b) Das in a. gebliebene Residaum wurde wieder getrock- 
net und bei gewöhnlicher Temperatur mit 250 G.G. stark 
salzsäurehaltigem Wasser 24 Stunden in verschlossener 
Flasche ausgezogen, dann ausgepresst, unter Vermeidung der 
Verdunstung filtrirt. 200 G.G. des Filtrates wurden mit 
überschüssigem Natriumacetat versetzt und es wurde, nach- 
dem dem ausgeschiedenen Galciumoxalat mehrere Tage Buhe 
gegönnt war, der Niederschlag auf einem doppelten Filter 
gesammelt etc. Das Gewicht des Oxalates betrug 0,1795 g., 



Dragttidorff, üeber einige abysainische Heilmittel. 107 

woraus, nachdem noch ^5 hinzu addirt worden, sich 1,32 % 
an Ealk gebundener Oxalsäure (2,15% Calciumoxalates) 
berechnet 

VL Bestimmung des Fhlobaphens, Fectins und 

Pararabins. 

a) Die in Wasser unlöslichen Kückstände von 5 g. des 
Folyers wurden mit 200 G.G. sehr verdünnter Katronlauge 
(1 \ NaHO) 24 Stunden macerirt, dann abgepresst, sedimen- 
tirt und auf 100 G.G. der klaren Flüssigkeit 200 G.G. Wein- 
geist von 95% Tr. zugemischt. Der gallertige Ifiederschlag 
wurde abfiltrirt, mit Weingeist ausgewaschen, .bei 110^ 
getrocknet. Sein Gewicht war 0,1394 g., wovon aber 0,0602 g. 
als Asche abzurechnen sind. Das macht auf die 5 g. Fulver 
0,1584 g. pectinartige Substanzen (man darf wohl sagen in 
Wasser unlöslichen, in verd. Natronlauge löslichen Fflanzen- 
schleimes) -=3,18 % „Fectin". 

b) Das weingeistige Filtrat von VI. a. gab beim Ver- 
dunsten 0,0145 g. in salzsäurebaltigen Wasser unlöslichen, in 
Anmioniakwasser löslichen Rückstandes d. h. in 5 g. Kraut 
0,0285 g. Phlobaphen — 0,57 % 

c) Der Rückstand der Extraction VL a. wurde mehrmals 
mit Wasser abgewaschen und dann mit 200 G. G. schwach 
salzsaurehaltigen Wassers 12 Stunden macerirt, zuletzt in 
einer Flasche mit Rückflusskühler einmal schnell aufgekocht. 
Auch hier wurden 100 G.G. des abgepressten und geklärten 
Auszuges, nachdem mit Katronhydrat genau neutralisirt war, 
mit 200 G.G. Alkohol gefallt und der gallertige ^Niederschlag, 
wie in VI. a. behandelt. Er wog 0,1375 g., wovon 0,1138 g. 
Aschensubstanz und als Galciumoxalat vorhandene Oxalsäure 
waren. Die 5 g. des Fulvers enthielten demnach 0,0474 g. 
=-0,95% Fararabin. 

^ Bestimmung des Stickstoffs, Albumins etc. 

a) Bei der Verbrennung mit Natronkalk lieferten 0,7281 g. 
des Folvers 0,1628 g. Flatinsalmiak — 0,0102 g. Stick- 
stoff- 1,4024 7o. 



lOS Dragendorff, Ueber einige abjesiniiohe HeümitteL 

b) 5 g. des Pulvers wurden mit Wasser bei 30® extrahirt, 
der Auszug wurde unter Zusatz yon wenig Essigsäure erhitzt 
und schied 0,0445 g. » 0,89^0 Fflanzenalbumin ans. 

Aus der in YII. a. angegebenen Stickstoffinenge würden 
sich 8,75% eiweissartige Substanzen berechnen, vorausge- 
setzt, dass nicht ein Theil des Stickstoffes in Fonn von 
Alkaloi'den, Ammoniak und Salpetersäure vorhanden wäre. 
In der That hat die ÜDtersuchung auf Alkalo'ide ein negati- 
ves Resultat (conf. IX.), diejenige auf Ammoniak und Sal- 
petersäure nur sehr geringe Mengen derselben ergeben, es 
kann demnach behauptet werden, dass jedenfalls die grössere 
Menge des Stickstoffs in Form einer in Wasser schwer- 
löslichen albuminartigen Verbindung vorliege und 
dass diese gegen 7,5 7o '^^^ Gewichte der Blätter ausmache. 

VIU. Bestimmung des Zellstoffs. 

Die Cellulose wurde in dem in Weingeist und Wasser 
unlöslichen Rückstande von lY. b. 1. nach Maceration mit 
Ealiumchlorat und Salpetersäure von 1,18 sp. Gew., Aus- 
waschen mit Wasser, Ammoniakwasser, Alkohol etc. bestimmt 
Ihre Menge betrug nach Abzug der unverbrennlichen Bei- 
mengungen 1,6438 g. =« 16,44 «/q Zellstoff. 

Die Analyse giebt bis hieher keine Auskunft über 
16,34% ^61* 1^ Gelastrus obscurus vorhandenen Substanzen, 
von denen erwartet werden muss, dass sie in Fetroleumäther, 
Aether, Alkohol, Wasser, verd. Salzsäure und verd. Natron- 
lauge unlöslich, aber durch das Gemenge von Kaliumchlorat 
und Salpetersäure oxydirbar sind. Wir sind berechtigt anzu- 
nehmen, dass es sogenannte Cuticularsubstanzen, 
Yasculose, Lignin etc. sind, welche wir hier vor uns 
haben. 

IX. Untersuchung auf Alkalo'ide und Bitter- 
stoffe. 

a) Zur Untersuchung auf Alkalo'ide wurden 10 g. des 
Pulvers mit Wasser in der Wärme extrahirt und der Auszug 
eingedampft bis zur Syrupdicke, darauf mit einigen Baum- 



Dxa^ad4>rffy Ueber einige abyssinische Heilmittel. 109 

theüen Alkohols Ton 95 % gemengt und 24 Stunden kalt 
gestellt Nachdem filtrirt und der Alkohol durch Destillation 
beseitigt worden , wurde der Destillationsrückstand durch 
schwach schwefelsäurehaltiges Wasser verdünnt, filtrirt und 
dem in meiner ,, Ermittelung der Gifte'' beschriebenen Aus- 
schattelverfahren unterworfen. Es wurden gewonnen 

1) aus saurer Lösung 

durch Fetroleumäther: nur ein geringer fettiger Rück- 
stand ohne krystallinische Beimengungen , durch conc. 
Schwefelsäure braun, nur an einzelnen Stellen etwas 
röthüchviolett werdend, nicht alkalo'idisch und nicht 
bitter; 

durch Benzin: ziemlich reichliche Mengen einer in 
Wasser theilweise löslichen, bitterschmeckenden, nicht 
alkalo'idischen Substanz, welche amorph hinterbleibt, durch 
conc. Schwefelsäure braun, durch Salzsäure nicht roth, 
durch Eisenchlorid nicht violett gefärbt wird. Es ist 
ein geringer Antheil der in Wasser löslichen Bitter- 
stoffe, aber keine Salicylsäure oder dieser verwandte 
Substanz vorhanden; 

durch Chloroform wurde der mit Benzin erschöpften 
Flüssigkeit nur wenig amorphe, nicht alkaloidische, we- 
nig bitterschmeckende Substanz entzogen, welche sich 
in conc. Schwefelsäure grünbraun löste. (Auf eventuelle 
Gegenwart von Benzoesäure wurde besondere Eücksicht 
genommen.) 

2) Aus ammoniakalisch gemachter Lösung 
wurde ausgeschüttelt 

durch Petroläther: nichts, 

durch Benzin: geringe Mengen einer amorphen, nicht 
alkalo'idischen Substanz, 

durch Aether: ebenso, 

durch Chloroform: ebenso, aber etwas bitterschmecken- 
der, sehr geringer Rückstand, der gleichfalls keine, 
oder doch nur spurweise Beaction mit den empfindlich- 
sten Fällungsmitteln für Alkalo'ide gab. 



110 Dragondorff, üeber «inig« abjatinisebe Heilmittel. 

b) Wiederholung des Versuches, bei welcher das PnlTcr 
sogleich mit schwefelsäarehaldgem Wasser ausgezogen irar, 
gab dasselbe Resultat. Ein Theil dieses schwefelsäurehalti* 
gen Auszages y direct mit Jodkalium, Ealiumquecksilberjo- 
did etc. untersucht, lieferte gleichfalls keine Beactionen, welche 
zu weiterer Früfong auf Alkaloide auffordern könnten. 

Bemerken will ich hier noch, dass angesichts der That- 
sache, dass die Blätter einiger Celastrus- und Gatha- Arten 
in Arabien etc. als Theesurrogat benutzt werden , von mir 
besondere Rücksicht auf das Yorkommen yon Gaffern genom- 
men wurde, dass dieses aber nicht nachweisbar war. 

Die ganze Versuchsreihe hatte mich demnach nur in 
der Meinung bestärken können, dass, wenn der Celastnu 
obscurus überhaupt Wirksames enthalte, dieses in dep 
stickstofffreien Bitterstoffen gesucht werden müsse, 
o) Um über die Natur dieser letzteren weitere Informa- 
tionen zu gewinnen, wurden 10 g. des Pulvers mit sieden- 
dem Wasser erschöpft, die Abkochung unter Zusatz ge- 
schlenmiten Bleioxydes so lange eingedampft; bis eine kleine 
Probe derselben abfiltrirt, durch ein Gemenge von Ferro - und 
Ferridsalz nur noch etwas dunkler bräunlich, nicht tinten- 
färben wurde. Einige Tropfen dieses Filtrates gaben direct 
keine Znckerreaction, wohl aber nach dem Kochen mit yer- 
dünnter Schwefelsäure, welches letztere unter Abscheidnng 
einer harzigen Substanz und unter Entwickelung eines star- 
ken dem Menyanthol ähnlichen Geruches vor sich gebt. 

Es war hiemach wahrscheinlich, dass der Bitterstoff 
glycosidisch und dem Menyanthin ähnlich seL 

Zur weiteren Isolirung des Bitterstoffes wurde die mit 
Bleioxyd erhitzte Abkochung, nachdem sie zum dünnen Brei 
eingedampft war, mit 3 Baumtheilen Alkohol von 95 7o 
gemengt, nach 12 stündigem Stehen filtrirt, vom Filtrate bei 
Luftverdünnung der grössere Theil des Weingeistes abdestil- 
lirt und der Best desselben über Schwefelsäure verdunstet; 
der Brückstand, welcher hier bleibt, ist theil weise krystalli- 
nisch, er lässt sich durch absoluten Aether oder Chloroform 
in zwei Antheile zerlegen, deren einer — der kleinere — 



Disfcndorfl^ üeb«r einige abysiinisehe Heilmittel. 111 

in diesen FlÜBsigkeiten — wenn aach nur recht schwer — 
löslioh ist ^ 

Der in Aether nnd Chloroform lösliche Aniheil der Bit- 
terstoffe hinterbleibt beim Verdunsten seiner Lösungen amorph, 
er sdmieckt rein bitter und löst sich meistens in conc. 
Schwefelsaure mit grunbrauner, mitunter auch mit schön 
Tioletter, fast blauer Farbe. Auch durch Ausschütteln der 
Wasserlösung mit absolutem Aether kann dieser Antheil als 
eine &st farblose harzige Substanz gewonnen werden^ die 
beim Erwärmen mit rerd. Schwefelsäure starken Menyanthol- 
^enich entwickelt. Den AntheQ des Bitterstoffes, welcher in 
Aether nicht gelöst wurde, löste ich wieder in Wasser auf; 
ich behandelte mit Thierkohle und erhielt, nachdem der 
^ssere Theil des Wassers wieder bei 40®, der B^t über 
Schwefelsäure bei Zimmertemperatur verdunstet war, eine 
venig gefärbte theilweise krystallinische Masse, welche 
gleichfalls beim Erwärmen mit yerdünnter Schwefelsäure die 
schon oben geschilderten Zersetzungen erfuhr und mit conc. 
Schwefelsäure grünbraune Färbxmg annahm. 

c) Um dem Einwand zu begegnen, dass beim Erwärmen 
des Auszuges bereits eine theüweise Zersetzung erfolgt sei, 
wurde ein neuer Versuch mit 10 g. des Pulvers in der Art 
gemacht, dass dasselbe wiederum mit Wasser ausgezogen, 
die Abkochung bei Luflverdünuung etwas eingeengt, dann 
abgekühlt und mit reiner Leimlösung vom Grerbstoff befreit 
wurde. Das Filtrat vom Leimniederschlage wurde bei Luft- 
Verdünnung destillirt, bis der Bückstand syrupös war, dann 
durch Fällung mit Alkohol vom überschüssigen Leim und 
Schleim befreit, wiederum bei Luftverdünnung destillirt und 
endlich über Schwefelsäure ausgetrocknet. Der Bückstand 
hatte gleiche Eigenschaften wie der in DL b. erhaltene; er 
gab namentlich an Aether einen ähnlich reagirenden Bitter- 
stot^ wie letzterer ab. 



1) Extnhirt man du Kraut dimot mit Aether, so geht er nicht in 
Löemg. 



112 Dragendorff, Üeber einige abjasinische HeilmitteL 

d) Da hieraus geschlossen werden konnte, dass die Ein- 
wirkung des Bleioxydes keine stärkere Zersetzung der Bitter- 
Stoffe, wie das in c. beschriebene Verfahren bewirke, wurde 
Dach der in b. beschriebenen Methode versucht, eine etwas 
grössere Menge derselben zu erhalten. 200 g. der Blätter 
wurden auf einmal verarbeitet und es wurde nur insofern 
von dem m b. erwähnten Verfahren abgewichen, als der 
Verdnnstungsrückstand der mit Alkohol versetzten und dann 
filtrirten Flüssigkeit mit Glaspulver gemengt und nochmals 
mit absolutem Alkohol aufgenommen wurde. Hierbei blieben 
noch einige fremde Substanzen ungelöst. 

Nach neuem Abdunsten der Solution wurde der Back- 
stand in möglichst wenig absol. Alkohol gelöst, die Lösung 
so lange mit Aether versetzt, als dieser etwas fällte, der 
innerhalb 48 Stunden ausgeschiedene harzige Niederschlag 
wurde mit Aetheralkohol nachgewaschen und die vereinigten 
Aether -Alkohollösungen wurden verdunstet. Mit dem wieder 
in absol. Alkohol aufgenommenen Rückstande wurde nochmals 
die Aetherfällüng wiederholt. Sowohl die durch Aether 
abgeschiedenen, als die nach Verdunsten der Aetheralkohol- 
lösung hinterbleibenden Massen wurden schliesslich in Wasser 
gelöst, wobei der in Aether lösliche Theil eine grössere 
Menge harziger Substanz ungelöst liess, und mit Thierkohle 
behandelt. 

Alle drei Froducte zeigten das gleiche Verhalten gegen 
concentrirte und verdünnte kochende Schwefelsäure. Beim 
Kochen mit derselben entwickelte der in Aether schwer lös- 
liche starken Geruch nach Menyanthol, der in Aether lösliche, 
in Wasser unlösliche und der in Aether, Alkohol und Was- 
ser lösliche weniger, aber gleichfalls deutlichen Geruch nach 
demselben. Zucker war in reichlicher Menge aus dem erst- 
erwähnten, durch Aether fällbaren Bitterstoff abzuscheiden, in 
geringer Menge aber aus den beiden letztbezeichneten, sowie 
aus dem durch Aether aus wässriger Lösung ausschüttelbaren 
Bitterstoff. 

Ich vermuthe hiernach, dass in dem Celastrus obscnms 
ursprünglich der in Wasser und Alkohol leicht lösliche Bitter- 



w 

Dng«ndorff, üeber einige abyssinische HeilmitteL 113 

5to^ welcher durch Aether gefällt wird und welchem ich Tor- 
l&ufig den Kamen Celastrin beilegen will, vorkommt. Die mit 
diesem abgeschiedenen Substanzen halte ich für Zersetzongs- 
prodncte des Gelastrins, welche allerdings z. Tb. schon unter 
Einflass der Lebensyorgänge aus ihm entstanden sind und 
zwar in der Art, dass sich der grössere Theil oder aller 
Zucker und ein TheQ des flüchtigen Gomplexes aus dem 
Celastrin abgespalten hat und vorzugsweise das harzige Zer- 
setzungsproduct desselben übrig geblieben ist Leider konnte 
ich aus dem zu meiner Verfügung stehenden Material nur 
ca. 3 g. des Celastrins gewinnen und auch diese waren für 
eine Analyse nicht rein genug. Ich bedaure desshalb, auf 
eine weitere üntersnchung dieses Bitterstoffes vorläufig ver- 
zichten zu müssen. 

2L Weitere Untersuchung der Gerbsäure. 

Die Celastrus-Gerbsäure wurde aus dem in IX. b. 
und IX. d. erhaltenen Bleisalze durch Zerlegung mit Schwefel- 
wasserstoff, Eindampfen der wässrigen Lösung bis zur Syrup- 
consistenz bei Luftverdünnung, Zumischen von Alkohol, Fil- 
triren und Anstrocknen gewonnen. Sie ist bräunlich, amorph, 
in absolutem Alkohol sehr schwer, in wasserhaltigem leicht, 
in absolutem Aether nicht löslich. Durch Ferroferridsalze wird 
sie blauschwarz gefällt; mit Blei-, Kupfer-, Zinnoxydulsalzen 
und Leim liefert sie die für Gerbsäuren charakteristischen 
Niederschläge; durch Brechweinstein wird sie nicht präcipi- 
tiri Das Xnpfersalz wird in der Regel mit einem Gehalt 
von 36 — 39% Knpferoxyd erhalten. Kochen mit verdünn- 
ten Säuren liefert keine der Gallussäure, sondern eine dem 
Eichenroth ähnliche Substanz neben Zucker. Ersteres Spal- 
tungsproduct, welches die Eigenschaften der Fhlobaphene 
besitzt und von dem eine kleine Menge aus den getrockneten 
Blättem (conf. VL b.) vorliegt, will ich Gelastrusroth 
nennen. 

Im Hinblick auf den hohen Gehalt der Blätter an Gerb- 
säure^ dürfte es zweckmässig sein, dieselben als Ersatz von 
Eidienrinde etc. ins Auge zu. fassen« 

Areh« d. Pharm. XII. Bda. S. Heft, 8 



114 Dragendoiif, üeber einige ftbjMmiielM HeOmittel. 

SecapitulatioiL 

Die Analyse der Folia Celastri obscnri hat ergeben auf 
100 TheQe: 

Feuchtigkeit 5,60 Theüe. 

Asche 8,71 

Sand 1,07 - 

Albumin 0,87 -1 1,4% 

Sonstige eiweissartige Substanzen . 7,52 - ) Stiekitoff. 

ZeUstoff 16,44 

Cuticularsubstanz, Vasculose, Lignin 16,34 

Pararabin 0,95 

Fectinsubstanz 3,18 

In Wasser löslicher Schleim . . . 8,48 

Aetherisches Oel 3,03 

Fett 3,83 

Han und Chlorophyll 2,64 

Phlobaphen 0,57 

Gerbsäure 11,91 

Bitterstoffe (Celastrin etc.) .... 5,11 

Weinsäure etc 2,43 

Oxalsäure (als Calciumoxalat) . . 1,32 

100,00 Thefle. 

Von allen aufjgefnndenen Bestandtheüen können nur die 
Gerbsäure, das ätherische Oel und die Bitter- 
stoffe eine medicinische Wirkung des Celastrus 
obscurus erklären. Keiner dieser Bestandtheile scheint 
mir aber im Stande zu sein, Wirkungen henrorzurafen, 
welche das Add-Add auch für europäische Yerhaltnisse 
empfehlenswerth erscheinen liessen. 

Die Gerbsäure unserer Drogue theilt mit den bekann- 
teren Gerbstoffen die adstringirenden Wirkungen, hat aber, 
soweit ich sie studiren konnte, keine Vorzüge vor denselben. 

Das ätherische Oel, mit dem ich allerdings nur 
einige wenige Versuche machen konnte, hat, wie mir schein^ 
keine besonders hervorragenden therapeutischen Eigenthüm- 
lichkeiten, namentlich keine , welche es mit dem Eucalyptol 



Dngendorff, Ueber einige abyssiniBche Heilmittel. 115 

Yergleidien liesBen. Seinen Gerach kann ich am Besten mit 
dem der schlechteren Theesorten yergleichen. 

Was endlich die Bitterstoffe angeht, so haben Ver- 
suche, welche durch Stnd. medicin. Yictor Schwarz ausgeführt 
wurden, constatirt, dass sie beim Hunde, welcher durch 
Injectionen von Heuinfns. und Eiter fiebernd gemacht war, 
keine bedeutendere Temperaturemiedrigung bewirken. Des- 
gleichen habe ich nicht bemerkt, dass sie auf farblose Blut- 
körperchen etc. wie Chinin wirken, oder dass sie endlich Fäul- 
nissprocesse, Bacterienentwickelung und dergl. rerhindem 
können. Sie mögen als Tonica, wie z. B. unsere Menyanthes 
trifoliata etc. einen gewissen Werth besitzen, ich glaube aber 
annehmen zu dürfen, dass die nach Europa versandten, 
ge^ockneten Blätter^ sich kaum durch irgend eine Eigen- 
schaft vor diesen empfehlen würden. 

Grade hier, glaube ich, haben wir auch ein Yergleichs- 
object, welches uns die Anwendung des Add-Add erklären 
lasst, Tor uns. Zu allen Zeiten und bei allen Völkern findet 
sich bei Patienten , welche an Faulfiebem , Intermittens etc. 
leiden, ein fast instinctiver Trieb, bittere oder abstringirend- 
bittere Pflanzentheile zu sich zu nehmen. Er hat den India- 
ner Südamerikas zur Ausnutzung der Chinarinde geführt, 
dem Griechen die Centaurea und Gentiana, unseren Vorfahren 
die Uenyanthes trifoliata , welche wir noch heute „ Fieber- 
üee^ nennen und andere ähnliche Medicamente, dem Abys- 
sinier den Celastrus obscurus in die Hände gegeben. So 
ungleich auch der absolute therapeutische Werth dieser Mit- 
tel sein mag, ihr relativer Werth ist insofern ein gleicher, 
als sie die Mittel repräsentiren, welche ein Volk im Jahr- 
hunderte oder Jahrtausende langen Verkehr mit der Vege- 
tation seines Heimathlandes und durch gleich langes, wenn 
auch noch so rohes Beobachten als die wirksamsten erkannt, 
die ihm fdr diesen Zweck von dieser heimathlichen Vegeta- 
tion geliefert worden. Speciell in diesem Falle, wo zwar 

1) Nfttürlieh kann ich nur über das getrocknete, eohon mehrere 
Jahre aufbewahrte Kraat artheilen; für frisohei Kraut gebe ich eelhit- 
tcntaadlieh die 'Möglichkeit abweichender Wirkungen zu. 

8* 



116 Dragendorff, üeber einige abyssinische Heilmittel. 

eine Blutrergiffcnng angenommen, aber behauptet wird, dass 
Add-Add und auch Chinin erst nach Beseitigung derselben 
indicirt sind, darf man wohl annehmen, dass das Mittel Tor- 
zugsweise als Tonicum oder Roborans wirke. 

Interessant ist die nahe chemische TJebereinstimmung 
des Celastrins und Menyanthins, trotzdem die Mutterpflanzen 
sich im botanischen System bekanntlich sehr fem stehen. 
Yon sonstigen Celastraceen würde zu bemerken sein, dass, wie 
gesagt einige wie Catha edulis Forsk. und G. spinosa Forsk. 
unter dem Namen Ehät in Arabien als Thee getrunken wer- 
den. Der Aufguss soll beleben und gilt als FräservatiY 
gegen die Pest. Dass sie durch Vorhandensein eines Bitter- 
stoffes ausgezeichnet wären, kann ich aus der mir bekannten 
Literatur nicht entnehmen. Die mir vorliegenden Blätter der 
Catha edulis schmecken nicht bitter und kaum adstringirend. 
Der nordamerikanische Gelastrus scandens L., dessen Binde 
als Ersatz unserer Dulcamara dient, ist viel weniger bitter 
als das Add - Add und nicht adstringirend. Mit einer kleinen 
Probe dieser Rinde habe ich einen Versuch gemacht, einen 
dem Celastrin ähnlichen Bitterstoff durch den beim Kochen 
mit verddnnter Schwefelsäure eintretenden Menyantholgeruch 
nachzuweisen, der ein positives Resultat hatte. Vielleicht 
erhalte ich einmal durch die Güte eines amerikanischen 
Freundes etwas mehr Material, um den Bitterstoff aus der 
„bitter sweet bark'^ darzustellen, bei dem allerdings kaum 
auf eine grosse Ausbeute gerechnet werden kann Die bitter 
adstringirende Wurzel von Celastrus senegalensis Sam. dient 
in den Senegalländem bei chronischen Diarrhöen, die von 
Celastrus sepiparius Dennst. in Malabar bei Manie; C. Onixa 
Sieb, soll in Japan Verwendung finden. 

2. Tschuklng oder Zereehtlt (Tigr^ » TBohenani Citrado) 

sollen die Blätter, Blüthen und Früchte der übyaea 
Schimperi sein. Was mir vorliegt^ besteht fast nur aus 
Blüthenständen einer Compositee, welche grosse Aehnlichkeit 
mit unseren Flores Millefolii besitzen. Die kleinen Blüthen- 
köpfchen sind ohne die Stiele eingesammelt und im Laufe 



])iageiidorff, üeber einige abyisinisehe Heilmittel. 117 

der Zeit z. Th. aiiseinanderge£alleD. Sie sind fast kugelför- 
mig, aimblüthig, ca. 2 Mill. im Durchmesser haltend, mit 
einem mehneihigen, starkwolligen Hüllkelch versehen. Der 
Blüthenboden ist, soweit ich an den mir vorliegenden Proben 
erkennen kann, nackt, halbkugelig. Auf demselben glaube 
ich sterile, kurze, zungenlörmige , weisse Bandblüthen und 
fertile, fast weisse Scheibenblüthen erkennen zu können.^ 
üebrigens ist ein Theil der Blüthen schon abgeblüht. Der 
Gerach der Drogue erinnert an Millefolium, doch ist ein schwa- 
cher Beigeruch nach Gina oder Tanacetum erkennbar. Der 
Geschmack ist nur wenig bitterlich - aromatisch. Die Pflanze 
wächst in allen Theilen Abyssiniens, deren Höhe zwischen 
500O und 10,000 Fuss über der Meeresfläche liegt. Sie 
liebt Aecker und Brachfelder, wo sie Mitte Juni ' erscheint 
und im October reif ist. Zu medicinischem Gebrauch ist sie 
vor vollständiger Keife zu sammeln. 

Ueber die Anwendung habe ich schon früher gesagt, 
dass dieselbe zunächst bei der Kachkur der B.ollakrankheit 
statt hat. Das Pulver der TJbyaea wird mit Wasser und 
zerriebener Seife zu einem Brei gekocht, welcher Abends als 
Eataplasma auf die Waden gelegt wird und die obengeschil- 
derten Krämpfe in circa 10 — 15 Tagen bekämpfen soll. 
Ausserdem wird das Mittel als kräftiges und dabei milde 
wirkendes Antispasmodicum innerlich gebraucht; in concen- 
trirteren Decocten soll es magenstärkend, schweisstreibend wir- 
ken und bei Syphilis soll es vollkommen die Sarsapariila ersetzen. 

Auc^ zu technischen Zwecken soll die übyaea sich eig- 
nen. Als Zusatz zur Seife, soll sie diese stark schäumend 
madien, die reinigende Wirkung derselben bedeutend erhö- 
ben^ 80 dass sie nicht nur für die Zeugwäsche, sondern auch 
als Toiletteartikel empfohlen wird. 



1) Leider ist mir die Flora Abjisiiiica Ton Boeh, in deren erstem 
'f^MÜB p. 447 die Gattung Ubyaea Gay*! beschrieben sein soll, nicht 
ngiagUeh. 

S) hl einer Höhe Ton 8000—10,000 Fnss schon im Febmar bis 
Apvü, so da« fie im ICai die snm iKn«^intnAin geei^ete Entwiekelnng 
«nsidu hü 



118 Dragendorff, üeber eisige abjisiniiohe Heilmittel. 

Meine Analyse dieses Mittels wurde in ziemlich ähn- 
licher Weise, wie die des Add-Add ausgeführt, ich werde 
desshalb über dieselbe nnr detaillirt berichten, wo Abwei- 
chungen von dem dort beschriebenen Modus procedendi noth- 
wendig wurden. Das zu derselben benutzte Material hatte 
einen Feuchtigkeitsgehalt » 6,11^0, es hatte eine 
Aschenmenge -= 12,04 7o> wovon aber 2,81 % Sand 
abzuziehen sind. Die Menge der wahren Asche betrag 
demnach 9,23 7o- 

I. Untersuchung auf ätherisches Oel, Fettete 

Die Verdunstung von 2 C. C. des FetroleumätherauB- 
zuges 1:5 bei gewöhnlicher Temperatur ergab 0,0129 g. 
Rückstand, der beim Erhitzen auf 100^ sich auf 0,0059 g. 
verminderte — 1,73% ätherisches Oel und 1,48% Fett 
plus Chlorophyll. Wiederholung des Versuches ergab 
resp. 0,0125 g. und 0,0056 g., demnach 1,72% ätherisches 
Oel und 1,40% Fett etc. 21 G.G. des Petroleumätheraus- 
znges bei 100<^ verdunstet, gaben 0,0624 g. Fett etc. ^ 1,49 % 
im Mittel 1,725% ätherisches Oel und 1,46 7o Fett, 
Ghlorophyll etc. Der Fettrückstand ist nicht bitter und nur 
zum geringen Theile in Alkohol, vollständig im Aether 
löslich. 

II. Bestimmung der in Aether löslichen Sub- 

stanzen, Harz etc. 

a) 5 g. der Drogue gaben 0,1793 g. in Aether lösliche 
Substanz (bei 100^ bis zu constantem Grewicht erhitzt) 
— 3,59% Fett, Ghlorophyll,* Harz und eine Spur Bit- 
terstoff. 

b) Der in Fetroleumäther unlösliche Theil von 5 g. der 
Drogue, gab an Aether noch 0,1026 g. « 2,05 % Harz 
und Ghlorophyll etc. Die Differenz zwischen a und b 



1) In den PetroUtheranssügea diefes und der meisten VegetabiUen 
finden eich nnr geringe Mengen Chlorophyll Die grössere Menge dei- 
selben ist im Aethennsinge n snchen. 



Dngendoiff, ü«ber einig« abysiinische Heilmittel. 119 

würden für Anwesenheit von 1^54 % ^^^^ sprechen. Mittel 
aus I und IL Demnach 1,50 % Fett und Chlorophyll. 
Die in AeUier lösliche Substanz (a) ist grösstentheils in 
absoL Alkohol schwerlöslich; sie schmeckt nur schwach bit- 
terücL 

m Bestimmung der in Alkohol löslichen Sub- 
stanzen, Harz, Zucker, Gerbsäure, Bitterstoff etc. 

a) 5 g. der Drogue gaben an absoluten Alkohol bei 
Zimmertemperatur ab 0,3807 g. « 7,61 %. Hiervon werden 
7on Aether aufgenommen 0,0483 g. Fett und Chlorophyll 
^ ö»97%- Dör in Aether unlösliche Theil wird nur zum 
Thefl Ton Wasser gelöst, in diesem letzteren Auszuge, der 
bitterlich schmeckt, weist alkalische Kupferlösung Zucker und 
Ferriferrosalz Grerbsäure nach. Der in Wasser unlösliche 
Antheil betragt 0,1301 g. und stellt ein in Natronlauge 
lösliches Harz dar -= 2,40 7o- 

b) Der in Aether unlösliche Rückstand von ü. a. giebt 
an absoluten Alkohol 0,2744 g. «■ 5,49 % ab, grösstentheils 
Harz, etwas Zucker und Grerbstoff, aber wenig bitter- 
schmeckende Substanz. Die Summen dieser letzteren betrüge 
(Differenz aus b. u. a. — 5,49—2,40 =) 3,09%. 

IV. Untersuchung der in Wasser löslichen Sub- 
stanzen, Schleim, Zucker, Gerbsäure, Pflanzeji- 

sauren etc. 

a) 10 g. der Drogue wurden mit Wasser bei 100® extra- 
hirt und der Auszug auf 500 C.C. gebracht. 

1) 50 C. C. des Auszuges hinterliessen 0,3027 g. Ver- 
danstnngsräckstand mit 0,079 % ?• Asche. Hieraus berechnen 
sich 22,37 ^/o in Wasser lösliche verbrennliche Bestandtheile 
und 7,90% in Wasser lösliche unverbrennliche Substanzen. 
Es sind demnach über 85 7o ^^^ wahren Aschenmenge in 
einer in Wasser löslichen Verbindungsform in der Drogue. 

2) 50 C.C. des Auszuges wurden zur Syrupconsistenz 
abgedampft und es wurden dann durch Alkohol 0,0691 g. 



120 Dragendorff, üeber einige abyssinische HeilmitteL 

Fflanzonschleim mit 0,0493 g. ABchenBubstanz 

— 0,98 % geßUt. 

3) Bei einer zweiten Fortion deB AuBzugeB von 50 C. C. 
wurde verBncht nach Fällung mit Alkohol den noch feuchten 
Niederschlag wieder in WaBBcr zu lösen, was leicht erfolgte 
und durch Kochen mit verd. Schwefelsäure den Schleim in 
Zucker umzuwandeln; es ergab sich dabei, dass bei 15 Minu- 
ten langem Erhitzen nur eine geringe Menge Zucker ent- 
standen war. Längeres Kochen ergab ' allerdings bedeutende 
Mengen einer Glycose. 

4) Das alkoholische Filtrat vom Schleimniederschlage 
(IV. a. 3) wurde bei ca. 40^ eingedampft, der Rückstand in 
WasBcr aufgenommen, die Lösung auf 50 G. C. gebracht. 
22,2 C. C. derselben reducirten das in 10 C. C. Fehling'scher 
Lösung Yorhandene Kupferoxyd, aber die Keduction erfolgte 
ziemlich träge, erst nach längerem Kochen. Es ist wahr- 
scheinlich, dass in der Ubyaea keine Glycose, Bondem eine 
Saccharose oder ein verwandtes Kohlehydrat 
vorliegt. Aus dem Resultate dieser Analyse würden sich 
11,26 7o ztickerartige Substanz berechnen. 

5) Eine directe Bestimmung des Zuckers mit dem Was- 
serauszuge (TV. a. 1.) der Ubyaea ergab auf 10 C. 0. Fehling- 
scher Lösung einen Verbrauch von 19,8 C.C. = 12,62% 
zuckerartige Substanz. Auch hier erfolgte die Reduc- 
tion langsam, die Flüssigkeit blieb blassgrünlich , ohne dass 
Blutlaugensalz in ihr noch Kupferoxyd angezeigt hätte. 

6) Bei einem anderen Versuche, bei welchem 50 C.C. des 
WasserauszugeB vor dem Titriren eine Zeit lang unter Röck- 
flusskühlung mit verd. Schwefelsäure gekocht waren (die Flüs- 
sigkeit trübte sich dabei — Zersetzung der Gerbsäure), ver- 
brauchten 10 C.C. Fehling'scher Solution 19,0 C.C. « 13,16 % 
zuckerartiger Substanz. Es ist wohl anzunehmen, dass die 
Zuckermenge hier etwas zu hoch gefunden wurde und dass 
Versuch 5) den richtigsten Ausdruck für dieselbe gewährt. 

7) 100 C.C. des Wasserauszuges gaben mit Kupferacetat 
0,0961 g. gerbsauren Kupfers und diese 0,0396 g. Kupfer- 
oxyd. Die Gerbsäuremenge berechnet sich danach zn 



Dragendoiff, Ueber einige abyssiniBche Heilmittel. 121 

0,0566 g. — 2,82 7o- Die Gerbsäure grünt Eisensalze, 
fallt Leim aus concentrirteren Lösungen, wird aus einge- 
dampften Solutionen theilweise durch Chlorammonium nieder- 
geschlagen. 

8) 100 C-C. des Auszuges wurden mit Alkohol vom 
Schleim, dann durch Kupferacetat von Gerbsäure befreit, 
endlich wurden durch Bleiacetat die Fflanzensäuren nieder- 
geschlagen. Der Bleiniederschlag wog 0,1956 g., die Slei- 
oxydmenge in ihm 0,1234 g. — 0,0722 g. — 3,61 % Pflan- 
zenBäareo. Die qualitative Analyse ergab Anwesenheit 
von wenig Oxalsäure und Citronensäure, etwas mehr Wein- 
^ore. Diese Säuren müssen in Form neutraler Salze vor- 
handen sein, denn der wässrige Auszug der TJbyaea reagirt 
fast neutraL 

b) Der in Alkohol unlösliche Antheil von lU. a. gab an 
Wasser noch 1,3365 g. mit 0,3500 g. Aschensubstanz ab 
« 19,73% Schleim, Zucker, Gerbsäure etc. (ein Theil des 
Zuckers und der Gerbsäure waren schon in Alkohollösung 
übergegangen.) 

V. Bestimmung der in Wasser unlöslichen, in 

Alkohol löslichen Substanzen, des Galciumoxa- 

lates und der pararabinartigen Substanzen. 

a) Der in Wasser unlösliche Antheil von lY. a. gab an 
absol. Alkohol 0,2736 g. Harz und Chlorophyll etc. = 2,74% 
ab (Vera. III. a. hatte 2, 40 % ergeben). 

b) Der hier bleibende Bückstand gab an Salzsäure 
0,0155 g. durch NatriumacetHt iällbares Ealkoxalat « 0,96 % 
Oxalsäure. 

c) Aus dem Filtrate vom Oxalsäuren Kalk fällte Wein- 
geist nach Neutralisation mit Natronhydrat einen gelatinösen 
Niederschlag » 0,4572 g. mit 0,2302 g. Aschensubstanz 
= 0,2270 g. eines pararabinartigen Körpers 2,27%. 

VI. Bestimmung der in Wasser unlöslichen 

„Pectinkörper." 

a) Der in Wasser unlösliche Antheil von 10 g. übyaea 
wurde mit 250 C* C. sehr verdünnter Natronlauge 24 Stunden 



DngmimS, Ueber einige abjuiiiiMhs Hailmitt«L 

erirt. 50 C. C. des Aasznges wurden mit SiltBiure 
la neatralisirt und mit 100 C.C. Alkohol Ton 95% Tr. 
letzt. Der abfiltrirte und getrocknete Niederschlag wog 
>65 g., die Aaohenmenge in demselben 0,0113 g.; der 
alt an „ pectinartigen Körpern" iBt demnach — 3,26%. 
b) 60 C.C. des Anszngea gaben mit 150 C.C. Tersetzt, 
} nentraliairt zu sein, 0,0717 g. Niederschlag mit 0,0339 
he — 2,39% „Pectin". Das Uittel ans a. o. b. e^iebt 
2% „Poetin". 

Bestimmnog des Stickstoffs, Ammonitki, 
Albnmins etc. 
i. 1) 0,6301 g. des entwässerten Krautes lieferten bei 
Verbrennaog mit Natronkalk etc. 0,3441 g, Platinsalmiak 
1,99% Stickstoff. 

i) 0,4736 g. desselben gaben 0,312 g. Platinsalmiak 
,85 %; Mittel auf die ungetrocknete Substanz berechnet 
1 u. 2 — 2,76 7o Stickstoff. 

b. Ein Yersuch, Salpetersänre im WasseransBiige 
:h WasserBtoffdeficit volumetrisch zn bestimmen, fnbrte 
1er TIebenteugung , dass nur Sparen dieser Säure zoge- 
sind. 

X 1) Zur BestimmuDg des Ammoniaks wurden 0,995 g. 
Krantes mit verdünntem Weingeist erschöpft, der Ans- 
wnrde unter Znsatz von Magnesia deetülirt, so lange 
t alkalisch reagirende Substanzen übergingen. Letzlere 
len in Salzsäure anfgefiingon und es wurde nach Zusatz 
Flatinchlorid zum Destillate etc. eibalten 0,1745 g. Fla- 
ilmiak *• 0,92% Ammoniak. 

i) Eine Controlanalvse lieferte aus 0,785 g. Knut 
25 g. Flatinsalmiak ~ 0,94 7^. Mittel ans c 1 n. 2 
1,93% Ammoniak (0,77% Stickstoff). 
1. 6 g. des Krautes gaben bei Behandlung mit Wasser 
80° an dieses 0,0463 g. coagnlirbares Pflanzen- 
eisB — 0,93% ab. 

i. Die wäserigen Auszüge des Krantes lieferten mit sol- 
. Alkalo'idreagentien, weiche gegen Ammoniaksalze indifie- 



Dngondorff, Ueber einige abyssi^Bohe Heilmittel. 123 

rent sind, keine Ifiederschläge. Auch die später za erwähnen- 
den VersQchey durch Ansschütteln Alkaloid nachzuweisen, 
gaben negatives Resultat. 

Da nnn die Gesammtmenge des Stickstoffs nach Abzug 
der für Ammoniak berechenbaren Stickstoffmenge einen Best 
« 1,98% « 12,67 ^/o albuminartiger Substanzen ergiebt, so 
011188 die Menge der in Wasser unlöslichen Eiweiss« 
körper (12,67 — 0,93) « ll,74 7o betragen. 

VULI. Bestimmung des Zellstoffs. 

5 g. der Ubyaea lieferten 1,9000 g. Zellstoff — 38,00%, 
TOQ denen noch für Sand 2,81 % abzuziehen sind, also wahre 
ZelUtoffmenge 35,19%. Die noch fehlenden 2,57 7o d^ 
Gesammtgewichtes der Drogue sind für Vasculose, Cu- 
ticalarsubstanzen und dergl. anzusetzen. 

IX. Untersuchung auf Alkaloi'de und Bitter- 
stoffe. 

a) Ausschüttelungen der mit Wasser und schwefelsaure- 
haltigrai Wasser angefertigten Auszüge der TJbyaea lieferten 
übereinstimmend 

1) ans saurer Lösung 

durch Petroleumäther: eine sehr geringe Menge har- 
ziger, wenig bitterer, in conc. Schwefelsäure mit brauner 
Farbe löslicher Substanz; 

durch Benzin: gleiches Besultat, nur etwas mehr Bück- 
stand, welcher beim Erwärmen alkalische Kupferlösung 
redudrt und Eisenvitriol grünbräunlich färbt; 

2) ans ammoniakalischer Lösung 

durch Petroleumäther, Benzin und Chloroform 
krine Substanzen, welche durch alkaLo'idische oder cha- 
rakteristische Farbenreactionen ausgezeichnet wären, ^ach 
diesen Versuchen ist nur die Anwesenheit einer geringen 
Menge eines glycosidischen Bitterstoffes wahrscheinlich, 
der aber, da er wenig hervortretende Eigenschaften hat 
^ nur in sehr geringer Menge vorkonmit, nicht weiter 
Tsrfolgt wurde. 



124 Dragendorffy üeber einige abyiunisohe Heilmittel. 

b) Nicht wahrscheinlich war nach dem Aas&ll dieser 
Verflache das Vorkommen einer saponinartigen Sub- 
stanz, auf welche ich glaubte nach den mir vorliegenden 
Mittheilungen über medicinische und technische Verwendung, 
namentlich auch wegen des Vergleiches mit der Sarsaparilla, 
meine Aufmerksamkeit richten zu müssen. Baponin hatte 
sich in der aus saurer Lösung mit Chloroform erhaltenen 
Ausschüttelung finden müssen. Ausserdem habe ich noch 
10 g. der Ubyaea zu einem directen Versuche auf Saponin 
verwandt. Sie wurden in der Wärme mit Wasser ausgezo- 
gen, der Auszug zur Trockne gebracht und ihr Verdunstunge- 
rückstand mit siedendem verdünntem Weingeist extrabirt. 
Auch dieser Auszug wurde wieder grösstentheils verdunstet 
und der Kückstand mit conc. Barytwasser gemengt. Es ent- 
stand ein voluminöser Niederschlag, wie solcher bei Gegen- 
wart von Saponin entstehen muss. Als aber der Nieder- 
schlag abfiltrirt, mit Wasser angeschüttelt und mit Kohlen- 
säure zersetzt war, wurde nach dem Filtriren des Barynm- 
carbonates eine Lösung erhalten, die beim Verdunsten keine 
saponinartige Substanz hinterliess und die auch nach erneuer- 
ter Behandlung mit verd. Alkohol nichts abgab, welches 
beim Zusammenkommen mit Wasser wie Saponin geschäumt, 
oder beim Stehen mit conc. Schwefelsäure die für Saponin, 
Sennegin, Digitonin etc. charakteristischen Farbenreactloneii 
gegeben hätte. 

Ich bin geneigt den in AlkohoUösung durch Barytwas- 
ser gefällten Niederschlag mit dem Vorhandensein des in 
IV. a. 6 besprochenen Kohlehydrates in Zusammenhang zu 
bringen. Es sind bereits mehrere Kohlehydrate — Inalin, 
Levulin, Triticin etc. bekannt, welche ähnlich gegen Baryt- 
wasser reagiren. Nach Erwärmen der nach IX. b. gewon- 
nenen Masse mit verdünnter Säure wurden Zuckerreactionen 
erhalten. 

Recapitulation. 

Die Analyse der Flores TJbyaeae Schimperi hat 
ergeben auf 100 Theile: 



i 



Dngendorff, lieber einige sbyssinische Heflmittel. 125 

Peuditigkeit 6,11 Theile. 

lache 9,23 - 

Sand 2,81 - 



Ammoniak 0,93 - ] 

Albumin 0,93 - ^ """ '^ 



2,75 o/o 



I Stickstoff. 



Sonstige eiweissartige Substanz . . 11,74 

Zellstoff 35,19 - 

Vascnlose, Caücularsubstanz etc. . . 2,57 - 

Pararabin 2,27 - 

Pectinsnbstanz 2,32 - 

Im Wasserlöslichen Schleim . . . 1,98 - 

Kohlehydrat (nicht Glycose) . . . 11,26 - 

Aetherisches Oel 1,72 - 

Fett und wenig Chlorophyll ... 1,50 - 

Harz nntf Chlorophyll 2,05 - 

Gerbsäure 2,82 - 

Weinsaure nebst wenig Oxal- und 

Oitronensäure 3,61 - 

Oxalsäure (an Calcium gebunden) 0,96 - 

100,00 Theile. 

Medicinische Wirkungen der Ubyaea Schimperi 

können nach diesen Resultaten allerdings wohl nicht yöl- 
lig gelaugnet werden und es dürften an denselben ausser 
den Ealiumsalzen wohl namentlich das ätherische Oel, 
die Gerbsäure und der spurweise vorhandene Bit- 
terstoff theilnehmen. Es darf aber jedenfalls das Mittel 
nicht zn den heroischen gerechnet werden. Sachen wir auch 
tnr dieses nach einem Yergleichsobject in der europäischen 
Series medicaminum, so würden wir dasselbe wohl in den 
Flores Millefolü und allenfalls Flores Chamomillae finden, die 
ja gleichfalls als Antispasmodica, Sudorifera etc. Anwendung 
finden. Bestandiheile, welche eine Substitution der Sarsa- 
pariUa dnrch Ubyaea rechtfertigen könnten, Termag ich nicht 
nachzuweisen. 

(Forteetiong folgt.) 



des Archivs 1877 werden Versnche 
Lmalgamirong verBChiedeDer Metalle 
- iibergoss in einem Beohei^lase 
lertem Wasser und legte das zn 
jbst einem Zinkstabe hinein-, nnUr 
ricklung Ubeniog Bioh dann z. B. da« 
TIeber so erbaltenes Alnmininmamal- 
: „Bas Alnminium hat das Eigen- 
es heraoBgenommen und getrocknet 
dase das Hg zu kochen scheint und 
reideartigen Üeberzuge soriickbleibL 
ist eine Amalgamimng nicht mehr 

Zeilen tauchte bei mir sofort dei 
ideartige Ueberzng" sei Alnminium- 

hier eine ähnliche Oxydationswei&e 
ims vor, wie seiner Zeit von Henze 
de. Wir baden damals (Archiv d. 
I aus metallischem Alniuimum, wel- 
en mit einer Spur Quecksilber oder 
en wurde, an den geriebenen FU- 
blickeu weissliche Wulste von Thoo- 

ieser Frage behandelte ich ein Stack l 
llethode in mit H'SO* angesäaer- 
soviel H*SO* zugesetzt, dass eine 
tcklung eintrat. Nachdem dieselbe 
latte, wurde das Alnminium, weichet 
B an einigen Stellen von der S&aK 
iusserlich keine Ver&nderung zeigte, 
sichtig mit einem Tuche abgetrock- 
ieit wuchs wulstfonnige Ihonerde 
lit einer starken Lupe Hessen sieb 
diäten winzige QueoksilberkUgei- 



K. Jeha, Oxydation ▼. meCallUohem Alnmixiiaxn. 127 

chen wahrnehmen. Eb lag jedoch die Möglichkeit nahe, dass 
auf diese Weise die Oxydation nur dadurch hervorgemfen 
war, dass das mechanisch an der Oberfläche des Aluminiums 
haftende Quecksilber beim Reiben mit dem Tuche sie 
bewirkte, analog meiner früheren Beobachtung. Ein anderes, 
auf dieselbe Weise mit Hg beladenes Stück Aluminium wurde 
dessbalb zunächst einige Minuten lang einem kräftigen Was- 
serstrome ausgesetzt, um das anhängende Hg zu entfernen. 

Bei der Besichtigung mit starker Lupe waren auch nur 
noch sehr yereinzelte Quecksilberkügelchen wahrzunehmen. 
Das betrefiende Aluminium wurde einem trocknen Luftstrome 
ausgesetzt, und, sobald es trocken war, begann auch hier das 
Au&teigen der Thonerdewülste. Wurde ein mit Hg belade- 
nes Aluminiumstück bei massiger Wärme im Trockenraume 
getrocknet, so trat die Thonerdebildung ziemlich schnell ein, 
wohingegen sie sich sehr yerzögerte, wenn dasselbe feucht, 
wie es aus dem Quecksilberbade genonmien war, bei gewöhn- 
licher Temperatur dem allmähligen Trockenwerden durch 
Yerdonsten der anhängenden Flüssigkeit überlassen wurde. 
Mit anderen Worten gesagt, die Thonerdebildung begann 
stets erst dann, wenn die Oberfläche des Aluminiums nicht 
mehr feucht erschien. 

Es wur daher a priori anzunehmen, dass bei der Auf- 
bewahrung des Hg — AI unter Wasser eine Oxydation 
übeihaupt nicht stattfÄnde. Der Versuch ergab, dass ein mit 
Hg beladenes Stück Aluminium stundenlang — im gegebenen 
PaUe wurde der Versuch auf 4 Stunden ausgedehnt — unter 
Wasser liegen konnte, ohne dass Thonerdewülste aus dem- 
selben heryorwuchsen. Dagegen fand während der ganzen 
Zeit eine gelinde Wasserstofientwicklung statt, und am Bo- 
den des Glases war ein feiner Schlamm abgelagert, der neben 
Qnecksilber Thonerde enthielt. — 

Uebereinstimmend mit Cassamajor fand ich, dass nach 
Abwischen des Thonerdeüberzuges eine Amalgamirung des 
Aluminium« nicht mehr wahrzunehmen resp. ein Quecksilber* 
gehalt nicht mehr zu constatiren war, vorausgesetzt natürlich, 
dass das Ende der Al^O'bildung abgewartet war. Zwischen 



ohardt, ÜDtsnilBhang der Buttar inf fremde Fette. 

waren, wie schon oben bemerkt, mit dem Yer- 
;lase kleine Hgkügelohen zu erblicken, nnd schien 
ihre Ansscheidnn^ ans dem Alumininm der der 
rauf^inge. 

»ondere Erwärmung des AlnminimuB bei dem 
rocesB habe ich dagegen nicht beobachtet, ge- 
nn ein sehr Heisa- oder Kochend -Werden, wovon 
ipricht. 



I«r8nchaiig;eii toh NahrangsmlttolD. 

Von S. Eeiohardt 

achnng der Bntter auf fremde Fetta 

ach der Veröffentlichnng der Prüfling einer mil 
chten Bntter (siehe d. Zeitschr. Bd. 210. B. 339) 
der Zeitschrift fiir analytische Chemie von Fie- 
J. S. 145) die „Analyse des Butterfettes, mit 
lückeicht aof Entdeckung nnd fieetimmong tob 
ten", TOn 0. Hehner, Chemiker auf der Insel 
reelbe geht von einem bis dahin nicht angeven- 
1 (resichtspankte aus, nemlich von dem bei dem 
'orhandenen grösseren Gehalte an flüchtigen Fett- 
che bei der Veraeifung und Zersetznng der S«iie 
isser gelöst bleiben. 

nach dem Erscheinen wurden einige ControlTer- 
rührt, welche im Ganzen die Angaben Behnere 
mittlerweile wurde auch diese Methode von dem 
liarmacentischen Vereine, in Folge der darüber 
enen Preisfrage prämürt, obgleich die Arbeit 
r TeröfTentliclit worden war. 
' Wichtigkeit des Gegenstandes war es angezeigt, 
nsgebreitet Fette zu untersuchen, um feetzostel- 
selben thatsächlich den Angaben Uehners ent- 



K. Reichardt, üntersuchang der Butter auf fremde Fette.. 129 

Desshalb führte ^ auf meine Yeranlassung, Herr fltud. 
pharm. Issleib eine ganze Reihe dieser Prüfnngen aas, sie 
bestätigen im Allgemeinen die Resultate Hehners durch- 
gängig; jedoch mag zuerst die Methode selbst, nach H eb- 
ner aus der Zeitschrift von Fresenius entnommen, hier 
Toranstehen. 

Hat man nicht an und für sich reines Butterfett, demnach 
gewöhnliche y käufliche Butter, ¥rie sie mit Salz versetzt ist, 
wasserhaltig, auch noch mit Käse oder Milch versehen, so 
muss man dieselbe zunächst im Wasserbade schmelzen, wo- 
Sei Wasser, Salz und Käse gewöhnlich rasch zu Boden sinken 
nnd das Fett, immer noch trübe, oben aufschwimmt. Das 
geschmolzene Fett wird abgegossen und noch durch ein 
trocknes Filter filtrirt, was am Besten in einem warmen 
Orte, Trockenschrank, geschieht, d. h. man muss dafür sor- 
gen, dass das Butterfett flüssig bleibt. Man filtrirt am 
Besten in ein kleines Bechergläschen. Das filtrirte Butter- 
t'ett ist dann völlig klar und darf beim Trocknen auf dem 
Wasserbade nicht weiter an Grewicht verlieren, muss also 
wasserfrei sein. 

Das weitere Verfahren mag wörtlich nach H ebner 
iFresen. S^eitschr. wie oben S. 152) folgen. 

„Man wäge das kleine, das reine Butterfett enthaltende 
Becheigläachen und nehme dann mittelst eines Glasstabes 
angefikhr 3 — 4 g. heraus, die in eine 5 Zoll im Durchmesser 
messende Abdampfschaale gebracht werden; der Glasstab mit 
dem daran klebenden Fette kommt gleichfalls in die Schaale. 
Das Bechergläschen wird wieder gewogen und so die ange- 
wandte Butterfettmenge genau in Erfahrung gebracht. Man 
füge nun zu dem Fette 50 C. C. Alkohol und ein 1 — 2 g. 
wiegendes Stückchen reines Aetzkali. Der Alkohol wird auf 
dem Wasserbade massig erwärmt, wobei sich das Butterfett, 
besonders beim Umrühren, mit Leichtigkeit zu einer klaren, 
gelben Flüssigkeit löst und sich ein starker Geruch nach 
Buttersäureäther ^ bemerkbar macht. Man erwärme etwa 



1} Bei mit fremdem Fette yersetster Butter meietenB auffallend 
gcTiBger. Bdt, 

Areh. d. FhAnn. XU. Bds. i. Heft. 9 



^ 



130 IC. R«iohardt, ünteriacbiiiig der Bq 

5 Minaten ian^ und fdge sodanii tropfenweise destillirte)' 
Waseer zn. Entsteht, hierdurch eine Trübung von ansgc- 
schiedenem nszerfletztem Fett, so erhitzt man etwas langer, 
bis zuletzt weiterer Zusatz ron Wasser die Flüssigkeit uichl 
mehr im . allergeringsten trübt. Die Yereeifung ist dann 
vollendet. Sollte aber, durch unToreichtigeu Wasserznsatz. 
sich Fett in öligen Tropfen, die eich nicht leicht in dem nuD 
zu verdünnten Alkohol wieder lösen, ausgeschieden haben, »o 
muss man entweder fast zur Trockne dampfen und dorch 
erneuerten Alkoholzusatz lösen, oder besser wird der Versuch 
mit einer neuen Buttermenge von vorn angefangen. Geschieht 
die Verdünnung mit Wasser nur einigermaassen vorsichtig, 
so wird eine solche bleibende Ausscheidung von Fett nicfat 
leicht vorkommen," 

„Die klare Seifenlösung wird znr Entfernung des Alko- 
hols auf dem Wasserbade bis zur Syrupsconsistenz einge- 
dampft, sodann der Rückstand in etwa 100 — 150 C.C. 
Wasser gelöst. Zu der klaren Flüssigkeit fügt man cur 
Zersetzung der Seife verdünnte Salz- oder Schwefelsäure, bis 
znr starksanren Reaction. Hierdurch scheiden sich die unlös- 
lichen Fettsäuren als käsige Uasse ab, welche zum gröeslen 
Theile rasch zur Ober&äche steigt. Das Erhitzen wird eine 
halbe Stunde lang fortgesetzt, bis die Fettsäuren zn eineia 
klaren Oele geschmolzen sind, und die wässrige Flüssigkeit 
sich fast völlig geklärt hat." 

„Mittlerweile hat man im Wasserbade ein 4 — b Zoll 
im Durchmesser grosses Filter vom dichtesten • schwedischen 
Filtrirpapier getrocknet. Das Filtrirpapier muss von der 
besten Qualität und so dicht sein, dass selbst heiases Wasser 
nur tropfenweise davon durchgelassen wird. Gewöbnliches 
Filtrirpapier lässt leicht die zu filtrirende Flüssigkeit trübe 
durchlaufen. Man wäge ein klares fiechergläschen , femer 
eine Filterröhre, und drittens Filterröhre plus Filter, so 
erhält man das Gewicht des Filters plus Bechergläschen," 

1) Bei den folganden lahlTsiahen Terancben äet Hemi Isilei^ 
bediente sich denelbe sinet diohten, sehi guten gewöhnlichan Filtrii- 
papieret. 



S. Bcichtrdty Untexsnchung der Battor auf fremde Fetto. 131 

„Das gewogene Filter wird dicht in einem Trichter 
angelegt, gehörig befeuchtet und halb mit Wasser gefüllt; 
dann giesst man aus der Schaale die wässrige Flüssigkeit 
und das geschmolzene Fett auf und wäscht die Schaale und 
Glasstab mit ganz kochendem Wasser. Es hat keine Schwie- 
rigkeity alles Fett auf das Filter zu bringen, so dass die 
Schaale nicht mehr im Geringsten fettig erscheint. Zur Be- 
ruhigong kann man sie aber mit Aether waschen und so die 
eriialtenjs Flüssigkeit nachher zu der Fettsäure fügen. Ge- 
wöhnlich beträgt jedoch die mit Aether ausgezogene Fett- 
menge weniger als 1 Milligramm.^' 

„Die Fettsäuren werden auf dem Filter mit kochendem 
Wasser auf das sorgialtigste gewaschen. Man fiille den 
Trichter nie mehr als zu zwei Drittel yoll. Wenn das Fil- 
trat mit empfindlicher Lackmustinctur geprüft nicht mehr 
sauer erscheint (3 g. Fett gebrauchen gewöhnlich ^/^ Liter 
kochendes Wasser), lässt man alles Wasser abtropfen, und 
taudit den Trichter in ein mit kaltem Wasser gefülltes 
Becherglas, so dass der Spiegel der Flüssigkeiten innen und 
aussen annähernd derselbe ist. Sobald die Fettsäuren erstarrt 
sind, wird das Filter aus dem Trichter herausgenommen, in 
das gewogene Becherglas gestellt und im Wasserbade zu 
constantem Gewichte getrocknet.'^ 

„Beim Filtriren des Oeles, eine Operation, die wohl 
Manchem als gefahrlich erscheinen mag, hat man Verlust 
nicht zu befurchten, wenn nur die Qualität des Filtrirpapie- 
res die beste ist Das Filtratist völlig klar, und selbst mit 
dem Mikroskope lassen sich keine Fettkügelchen erkennen. 
Auch kann man das Filter trocken ablaufen lassen, und 
doch dringt die ölige Flüssigkeit nicht durch das nasse 
Papier.** 

„Man trockne 2 Stunden lang und wäge , nach weiteren 
2 Standen wird abermals gewogen. Meistens hat zwischen 
den zwei Wägungen das Gewicht nicht um mehr als ein 
Miliig. abgenommen. Man muss bedenken, dass man nicht 
mit einem Mineralkörper, sondern mit einem verhältnissmässig 
leicht oxydirbaren Fette zu thun hat; völlige G^wichtsconstanz 

9» 



132 £. Beicbardt, Untersuchung der Butter auf fremde Fette. 

kann man daher nicht erwarten. JDoch ist die Aendening, 
wie aus folgenden Zahlen hervorgehen wird, keine sehr 
bedeutende^ und auf jeden Fall eine für practische Zwecke 
ganz unwichtige/' 

(Hehner giebt nun 8 Wägungen binnen 17 Standen 
an, welche erst eine geringe Zunahme, dann wieder gleiches 
Gewicht zeigen). 

„Nach 22 bis 27 Stunden ist das Gewicht wieder das- 
selbe, wie nach 2^2 Stunden, und nimmt nachher stetig ab. 
Ohne Zweifel tritt zuerst Oxydation und dann Yerflüchtiguiig 
der gebildeten Producte ein/' 

„Wenn das Waschen des Oeles auf dem Filter nicht 
ganz gründlich vorgenommen wurde, ist constantes Gewicht 
nur sehr schwer, oder gar nicht zu erreichen. Die nur mit 
SchvTierigkeit löslichen Buttersäuren, wie Capronsäure, blei- 
ben dann in den ganz unlöslichen Säuren gelöst, und ver- 
flüchtigen sich langsam beim Trocknen/^ 

„Die nachfolgende Analyse mag hier aus einer sehr 
grossen Anzahl mir zu Gebote stehender angeführt werden: 

Becherglas und Butterfett 38,6654 g. 

35,0555 - 

Butterfett 3,6099 - 

Röhre und Filter 15,4730 - 

Röhre leer 14,8457 - 



Filter 0,6273 - 

Bechergläschen 23,9013 - 



Bechergläschen und Filter 24,5286 - 

Bechergläschen und Filter in Fettsäuren nach 2 Stunden 

27,6809 g. 
nach 2 7» Stunden 
27,6800 g. 

Fettsäuren » 3,1514 g. 

Unlösliche Fettsäuren -= 87,3 Procent." 

So weit die wörtliche Wiedergabe der Arbeit von Heh- 
ner, aus welcher hervorgeht, dass sorgfaltig gearbeitet 



B. Beichardt, Untenaohung der Batter aaf fremde Fette. 133 

werden mnss, jedoch sind die Schwierigkeiten keineswegs 
so, dass nicht jeder exact Arbeitende « der im Besitze einer 
guten chemischen Waage ist, sich sehr bald einarbeiten 
könnte. 

Hehner giebt nnn femer an, dass die gewöhnlichen 
Thierfette Gremenge aas Tripalmitin, Tristearin und Triolein 
Beien, demnach keine flüchtigen Fettsäuren enthalten; Tripal- 
mitin enthält aber 95,28 Proc. Palmitinsäure, Tristearin 
95,73 Proc. Stearinsäure und Triolein 95,70 Proc. Oelsäure. Da 
nun, nach Hehner, alle Fette, mit Ausnahme der Butter, 
Gemische dieser 3 Grlyceride sind, so schwankt der Fett- 
Säuregehalt derselben zwischen 95,28 — 95,73 Proc, oder, da 
in der Regel Stearin und Olein vorwiegen, nimmt Hehner 
als Durchschnittszahl 95,5 Proc. an. Schweineschmalz, Ham- 
meltalg und ähnliche Fette geben in der That einen solchen, 
kaum um 0,1 Proc. schwankenden Fettsäuregehalt. 

Bei 12 verschiedenen Butterproben wurden nur 85,85 Proc. 
unlösliche Fettsäuren erhalten, die Zahlen schwankten zwi- 
schen 85,4 — 86,2 Proc. Endlich wurden auch Versuche mit 
Butter angestellt^ welche bei verschiedener Fütterung gewon- 
nen war; so liess Dr. Turner längere Zeit ausschliesslich 
Oelkuchen füttern, die so gewonnene Butter lieferte 86,3 Proc. 
unlösliche Fettsäuren. 

Zahlreiche andere Untersuchungen, auch von anderen 
Chemikern ausgeführt, erhielten bei reiner Butter Schwan- 
kungen von 86,5 — 87,5 Proc. unlöslicher Fettsäuren, so dass 
Hehner zu dem Ausspruche gelangt, dass eine bis 
88 Proc. unlösliche Fettsäuren enthaltende But- 
ter noch nicht als verfälscht zu bezeichnen sei; 
die Berechnung der Menge des fremden, zuge- 
setzten Fettes gründet Hehner auf den Procent- 
gehalt der Butter von 87,5 Proc. 

Die Berechnung stellt Hehner nun wie folgt an: Der 
Unterschied der angenommenen Mittelzahlen der unlöslichen 
Fettsäuren von anderen Fetten und der Butter (95,5 und 
87,5 Proc.) betragt 8 und entspricht denmach 100 Th. Fett. 
Enthält nun z. B. eine fragliche Butter 91 Proc. unlösliche 



134 JS. Beichardt, Untersuchung der Butter auf fremde Fette. 

Fettsäure, so beträgt der Unterschied gegenüber der Mittel - 
zahl für reine Butter (91,0 und 87,5) nur 3,5. 8 : lOO 
— 3,5. X = 43,5 Proc. fremdes Fett. 

Es mag zuerst nochmals hervorgehoben werden, dass 
diese Art der Untersuchung auf thatsächlichen Eigenschaften 
des Butterfettes beruht und dies ist ein sehr empfehlens- 
werthes Moment, welches nur der wiederholten Bestätigung 
bedarf, um mit um so grösserer Sicherheit Anwendung^ zu 
finden. 

Herr stud. pharm. Issleib unternahm nun vorerst die 
Untersuchung von 9 verschiedenen Butterproben, von denen 
d als völlig rein zu bezeichnen sind, nach Bezugsquelle und 
Bereitung uns genau bekannt, die neunte Probe war als 
fraglich bezeichnet worden. 

Die Procentgehalte an in Wasser unlöslichen Fettsäuren 
stellten sich, wie folgt: 

I. = 86,80; n. = 85,73; HI. =- 87,97; IV. ^ 87,65; ; 
V. = 86,32; VI. «= 85,70; VIL « 87,92; VIIL — 87,80; 
IX. ergab nun 88,02 Proc. 

IX. konnte demnach auch noch als rein bezeichnet werden . 
und die Mittelzahl dieser 9 Versuche ist 87,12 Proc. 

Hierauf wurden die in Wasser unlöslichen Fettsäuren 
von folgenden Fetten und Oelen ermittelt: 

Rindstalg I. — 94,07 Proc. 

II. « 93,83 - 

Gänsefett — 95,47 - ; 

Schweinefett =- 95,58 - ' ;^ 

Mohnöl — 95,97 - 

Mandelöl « 94,02 - . /;' 

Rüböl « 96,03 - /' 

Olivenöl ^ 94,03 - ^^ 

Leber thran -=93,87 - J ' "^ 

Palmöl I. -. 86,20 - 

- n. ^ 86,08 - 

Die zwei sich controlirenden Bestimmungen bei RindM?.', 
talg und Palmöl sind bei ersterem um 0,24, bei letztere]»-. 



^>; 



'0. 



£. Belcbardty Untersuchung der Butter auf fremde Fette. 135 

»im 0,12 Proc verschieden, eine Genauigkeit, wie sie bei der- 
artigen Untersuchungen kaum erwartet werden kann und für 
die Methode selbstrerständlich spricht. 

Die Differenzen innerhalb dieser Fettsäureprocente sind, 
bis aaf das Palmöl, äusserst gering; bei letzterem müssen 
mit friscliein Materiale noch weitere Untersuchungen ange- 
^teUt werden. 

Die Mittelzahl der anderen Proben, ausgenommen das 
Palmöl, ist 94,32, demnach etwas niedriger wie bei Hehner. 

Endlich "wurden künstliche Gemische von Butter und 
anderen Fetten der Untersuchung unterworfen. 

L Butter mit Schweinefett. 

Die reine Butterprobe ergab an unlösL Fettsäuren 85,73 Proc. 

Mit 10 Proc. Schweinefett vermischt 87,36 - 

. 20 - - - 89,05 - 

. 25 - - - 88,90 - 

. 33,3 - - - 89,21 - 

. 50,0 - - - 90,65 - 

Nimmt man die von Hehner angegebene Mittelzahl von 
'7.5 Proc. für reine Butter an und 88% ^^^^ mchi als ver- 
lacht so sind denmach 10 % Schweinefett nicht zu ent- 
den, bei 20 Proc. Zusatz ergiebt sich folgendes Verhältniss: 

• 4 05 07^5 «=. 1,55.8 : 100 «=- 1,55 = 19,4 Proc. fremdes 

■'U demnach gut stimmend. Bei 25,0 Proc. Zusatz berech- 

-3 sich natürlich etwas weniger, da eben weniger oder fast 

:€n soviel Fettsäuren gefunden wurden. Bei 33,3 Proc. 

F^:t2usatz berechnen sich jedoch nur 22,6 Proc. und bei 

' Proc nur 40. 

Stellt man die hier gleichzeitig möglich gewesene reine 
'.tter als Norm, »o treten schon 10% Fettzusatz deutlich 
-' Steigerung der unlöslichen Fettsäuren hervor und die 
rdrige, von Hehner oft beobachtete Zahl von 85,73 Proc. 
» -^mi bei den Gemengen nicht wieder vor. Nimmt man 
M diese Zahl 87,73 Proc. als Normalzahl, die Mittelzahl für 
I '3kdc Fette 95»^, müsste bleiben, da reines Schweinefett 



136 B. Reichardty Untersnchung der Butter auf fremde Fette. 

95,58 Proc. ergab, so beträgt der Unterschied 9,77 und hier- 
nach berechnen sich folgende Zahlen: 

Genommen : Kach^den Fettsäuren berechnet: 

10 Proc. Schweinefett 17,0 Proc. 

20,0 - - 33,9 - 

25,0 - . 32,4 - 

33,3 - - 35,6 . 

50,0 - - 50,3 - 

Die Yermischung mit wenig Fett ergiebt hier also etwas 
zu hohe Zahlen, die beiden letzten Resultate stimmen jedoch 
recht gut zu der Wirklichkeit der Verfälschung. 

IL Butter mit Rindstalg. 

Die reine Butter ergab hier 86,80 Proc. unlösliche Fett- 
säuren, das Gemenge dagegen mit 

10 Proc. Talg — 87,88 Proc. Fettsäuren. 
26 - - -- 88,44 - 
33,3- - -= 89,92 - 

Bei der angenommenen höchsten Zahl von 88,0 Proc. 
für reine Butter treten demnach 10 Proc. Talg auch nicht 
hervor, bei 25 Proc. berechnen sich (88,44—87,50 = 0,94) 
nar 11,4 Proc. und bei 33,4 Proc. sehr annähernd 30,25 Proc. 

Legt man die hier fiir reine Butter gefundene Zahl 
86,80 zu Grunde, so beträgt die Differenz von 95,5 = 8,7. 

Genommen: Nach den Fettsäuren berechnet: 

10 Proc. Talg 12,4 Proc. 

20 - - 18,4 - 

33,3 - - 35,8 - 

Diese Zahlen nähern sich der Wirklichkeit mehr, als es 
bei den angenommenen Normalzahlen der Fall ist. Immer- 
hin bestätigen diese Versuche die Angaben Hehners sehr 
gut und zeigen jedoch noch weiter die bei wirklichen, künst- 
lich dargestellten Gemischen beobachteten SchwankungeiL 



G. VulpiaSy Salicylsaareldsungen. 137 

lieber SallcylsäarelSsungen. 

Von Apotheker Dr. O. Yulpius in Heidelberg. 

'Wie früher die Vorschriften zu einer haltbaren wässeri- 
gen fihabarbertinctnr einen stehenden Artikel pharmaceutischer 
Fachblatter ansmachten, so sehen wir derzeit mit einer gewis- 
sen He^elmässigkeit in deren Spalten wässerige Lösungs- 
mittel für Salicylsäure angepriesen. Die werthvoUen Eigen- 
schaften der Salicylsäure werden allerdings in recht unange- 
nehmer Weise beeinträchtigt durch die so geringe Löslichkeit 
dieses modernen Heilmittels in kaltem Wasser, allein, da wir 
einmal die Eigenschaften der Eörper nicht nach unserem 
Belieben gestalten, sondern dieselben nur constatiren können, 
so dürfte es wohl besser sein, die Schwerlöslichkeit der Sali- 
cylsäure mit Resignation hinzunehmen, als Lösungsmittel 
anzugeben, welche in Wirklichkeit keine solchen sind. Bald 
sehen wir den Borax als vorziigliches Lösungsmittel fiir Sa- 
licylsäure bezeichnen, bald soll der Zuckerrübensyrup ein 
solches sein, bald endlich vermeint ein Dritter im essigsauren 
Ammoniak den Stein der Weisen gefunden zu haben. Der- 
artige Angaben sind aber geradezu schädlich, denn nicht 
aberall darf eine kritische Prüfung derselben erwartet werden, 
man wird vielmehr annehmen müssen, dass in der Kegel mit 
Vergnügen nach einem solchen Helfer in der Noth gegriffen 
wird, sobald das Factum der Löslichkeit der Salicylsäure in 
einer wässrigen Lösung des empfohlenen Körpers einfach 
verificirt ist. Und damit hat es ja, oberflächlich betrachtet, 
seine volle Bichtigkeit. Sehen wir aber einmal etwas genauer 
zu, 80 fiLllt uns ein, dass der Rübensyrup eine ganze Muster- 
karte von organischen und anorganischen Alkali salzen ent- 
hält. Erinnern wir uns ferner der meist stark alkalischen 
Reaction der Rübenmelasse, so leuchtet uns sofort ein, was 
es mit der angeblichen Löslichkeit der Salicylsäure in die- 
sem Znckerfabrikationsrückstand für eine Bewandtniss hat. 
Die Salicylsäure ist allerdings gelöst worden, aber nicht als 
solche, sondern in Form eines salicylsauren Salzes, was vom 
ärztlichen Standpunkte aus betrachtet ein sehr grosser 



138 G. Yulpius, Salicylsäurelösungen. 

unterschied seiB dürfte. Denn wenn auch salicylsaure Salze 
eine hervorragende therapeutische Verwendung gefunden 
haben, so doch in ganz anderer Richtung als die Saücylsäure, 
für welch' letztere allein, so viel uns bekannt, der Werth 
eines gährung- und fäulnisswidrigen Mittels beansprucht 
wird. Eine auf solche Art bewerkstelligte Lösung der Sali- 
cylsaure wird dem Arzt nimmermehr bieten, was er verlangt. 
Nicht anders steht es mit der Lösung der Salicylsaure 
in einer wässerigen Auflösung von Borax, welche letztere 
zwar beiläufig 50 Procent des vorhandenen Borax Salicyl- 
saure aufnimmt, aber ohne Zweifel in der Weise, dass die 
Borsäure ihrer Neigung zur Bildung sehr saurer Salze fol- 
gend einen Theil des mit ihr verbundenen Natron an die 
Salicylsaure abglebt, so dass man eben auch hier wieder 
keine Salicylsaure, sondern salicylsaures Natron in Lö- 
sung hat. 

Die Löslichkeit der Salicylsaure in essigsaurer Ammo- 
niakflüssigkeit ist ein weiteres Beispiel dieser Art, und hier 
muss es doppelt befremden, dass sich Jemand über den wah- 
ren Charakter des Vorgangs bei der angeblichen Auflösung 
täuschen konnte; denn schon die ersten Zusätze von Salicyl- 
saure zu einem vollständig neutralen Liquor Ammonii acetid 
veranlassen das Auftreten eines ausgesprochenen Geruches 
nach Essigsäure und nach vollendeter Sättigung des Liquor 
mit Salicylsaure hat man eine Lösung von salicylsaurem 
Ammoniak neben freier Essigsäure, welche sich theilweise 
durch Destillation von ersterem trennen lässt. 

Wollte man unter solchen Umständen darauf beharren, 
das essigsaure Ammoniak neben Borax und Melasse als Lö- 
sungsmittel der Salicylsaure anzusehen, dann könnte man mit 
Leichtigkeit noch eine lange Reihe von Salzen aufführen« 
welche es in gleichem Grade und gleichem Sinne sind. Reich- 
liche Mengen von Salicylsaure nehmen auf die wässerigen 
Lösungen von 

kohlensaurem Kali, 

doppeltkohlensaurem Eali, 

kohlensaurem Natron, 



G. Tulpitts, SallcylsäurelösuDgen. 139 

doppeltkoblensanrem Natron, 
kohlensaarem Ammoniak, 
sie alle anter Entweichen der Kohlensäure und Bildung des 
entsprechenden salicjlsanren Salzes ; ferner die, Lösungen von 

essigsaurem Kali, 
essigsaurem Natron, 
phosphoraaurem Natron, 
citronensaurem Kali, 

Natron, 
Ammoniak, 
bemsteinsaurem Kali, 

Natron, 
Ammoniak, 
essigsaurer Thonerde. 

Die Menge der von den wässerigen Lösungen der eben 
genannten Salze aufgenommenen Salicylsäure bezogen auf die 
Menge des in dem nothwendigen Wasserquantom gelösten 
Salzes, beträgt zwischen 5 und 70 Froc. bei gewöhnlicher 
Temperatur. 

Auch die Lösungen von Kali tartaricum und Tartarus 
natronatuB nehmen reichlich Salicylsäure auf und zwar unter 
Ausscheidung äquivalenter Mengen von Weinstein, ein deut- 
licher Fingerzeig wie man solche Salicylsäurelösungen anzu- 
sehen hat. 

Vielleicht ist es fiir Aerzte erwünscht, zu erfahren, dass 
die beiden neuerdings von Wien aus nachdrücklich zur Inha- 
lation und Betupfung empfohlenen Mittel gegen Diphtheritis, 
da» Tetramethylammoniumoxydhydrat und das Teträthyl- 
ammoninmoxydhydrat, gleichfalls im Stande sind, Salicylsäure 
zu lösen, und zwar nimmt eine lOprocentige wässerige Lö- 
^jmg dieser Verbindungen ihrerseits wieder 10 Froc. des 
Gewichtes der Lösung Salicylsäure auf, ohne Zweifel auch 
hier wieder in Form eines salicylöauren Salzes und nicht 
etwa als specifisches Lösungsmittel für Salicylsäure. 

Wir werden uns also im Voraus dagegen verwahren 
dürfen y dass uns nicht die verschiedenen oben aufgezählten 



G. Vulpiiu, SkticflMurelösangen. 

«twa allmählig als nen ^fdndene LöBnngemittel der 
änre aufgetiBcht werden. 

trachten wir uns echliesaltcb im Ge^naatze zn allen 
PeeadolÖstiDgBmitteln diejenigen Fluida, in welctiec 
eure als solche in der That loelich ist, so begeben 
ächat dem Aceton, vodarch 80 Froc, und dem Aether, 
■und 70 Proc. Salicylsäure gelöst werden. £s mag 
ich bemerkt werden, dasB diese Zahlen approximaÜTe 
d keinen Anspruch auf abBoInte Genauigkeit machen, 
ja für die pharmacentiBche Praxia ohne Werth wäre. 
raubende auf halbe und Zehntelprooente , sowie ein- 
emperaturgrade auBgedehnte Ermittelung des Löslich- 
bältniBses TOrzunehmen. 

ch Alkohol von pharmaoopöiecher Stärke löst echon 
vÖhnlicher Temperatnr über 60 Proc Balicylaanre, 
lÖBnngakraft nimmt jedoch durch Wasserzusatz so 
b, dasB ein mit seinem gleichen Yolumen Wasser 
ter Weingeist kaum noch ein Viertel der eben ange- 
tSenge Säure zu lösen vermag. 
lylalkobol löst bei gewöhnlicher Temperatur etn 
,, Fbenylalkohol bis zu seinem Schmelzpunkte erwärmt 
, Salicylsäure. Von Chloroform werden nur so geringe 
, unter 1 Froc. liegend, aufgenommen, daes die Ad- 
^rechtfertigt erscheint, es sei diese spurweiBO Löb- 
der Salicylsäure in Chloroform nur eine Folge der 
n Chloroform des Handels aus bekanntem Gmndu 
dteu fehlenden Beimischung einer kleinen Mei^ 

B. 

» endlich in kaltem Wasser nur etwa '/i Froc. Ssli- 
I sich gelöst zu halten vermag, ist eine allbekannte 

Durch mehrstündiges Kochen kann man es dahin 
, dasB etwa */^ Proc. auch in der Kälte wenigstens 
18 Stunden lang gelöst bleiben. Länger hält dieses 
uch nicht vor. 

i besseres Lösungsmittel ist OeL Die Lösung der 
iure in Olivenöl geht zwar in der Kälte sehr lang- 

der Wärme dagegen rasch und leicht von Slatten, 



6. T. Hofm, Geschichte der Apotheken za Bamberg. 141 

Dnd 68 bleiben auch nach dem Erkalten 2 Vi bis 3 Procent 
daaernd gelöst Andere Angaben z. B. diejenige der Existenz 
eines 10 procentigen Salicylöls, welche sich sporadisch in die 
medidmsche Literatur verirrt haben, beruhen auf Irrthum, 
veranlasaty wie uns durch Zufall bekannt, dadurch, dass ein 
Apotheker, von welchem von ärztlicher Seite ein lOprocentiges 
Salicylöl yerlangt wurde, einfach ein mit Salic3'l8äure gesät- 
tigtes Oel als solches ohne nähere Angabe dispensirte. Oliven- 
öl, in welchem durch Erhitzen 10 Frocent Salicylsäure gelöst 
werden, erstarrt beim Erkalten zu einem Brei. Wider Erwar- 
ten gering ist die Löslichkeit der Salicylsäure in Glycerin. 
Vermögen wir auch beim Kochen ganz beträchtliche Mengen 
davon zur Lösung zu bringen, so scheidet sich doch in der 
Kälte die Hauptmenge und von dem zunächst gelöst bleiben- 
den, nicht ganz 3 Frocent betragenden Reste nach mehrtägigem 
Stehen nochmals beinahe die Hälfte aus. 

Schwerlich dürfte mit dieser Aufzählung die Reihe der 
ächten Lösungsmittel der Salicylsäure völlig erschöpft sein, 
vielmehr werden wohl alle niederen Alkohole der Fettsäure- 
reihe hierher gerechnet werden müssen, allein für die Bedürf- 
nisse der Praxis wird man in der Regel nicht so weit zu 
gehen haben. 



Oesdilehte der Apotheken zu Bamlberg. 

Ton 6. Frhm. von Hörn. 

L Noch im dreizehnten und vierzehnten Jahrhundert 
wurde das Studium der Medicin in Deutschland nur in den 
Stifts- und Klosterschulen und zwar als ein Lieblingsfach 
eifrig betrieben. Erst allmählig ging diese Wissenschaft von 
den Geistlichen auf die Weltlichen über, und die Stadt Bam- 
berg zahlt zu jenen Städten, in welchen, wie urkundlich 
luu^hgewiesen ist, zuerst von Laien Medicin wissenschaftlich 
betrieben wurde , wo sogar Specialärzte für einzelne Krank- 
heiten vorhanden waren. Es ist zu nennen vor Allen Magi- 
ster Conradus Ringer 1402, Lorenz Vetter 1414, Meister 




142 G. y. Horo, Geschiebte der Apotheken eu Bamberg. 

Feter der Augenarzt 1430, Meister Eonrad Megenwart, 
welcher in einer Urkunde vom Jahre 1431 von Bischof Fried- 
rich doctor in medicinis und lerer in den Künsten 
der Ertzney genannt wird. Es gab aber in jener Zeit 
auch schon Apotheker in Bamberg. 

In einer Urkunde des Stadtgerichtes zu Bamberg von 
16. März 1405 über den Verkauf eines ewigen Zinses auf 
dem Hause des Taschners Feter Münch geschieht eines Apothe- 
kers Erwähnung, indem das belastete Haus und dessen Lage 
also beschrieben wird: Steinhaus zu Bamberg unter den 
Cremen gelegen, an des Appothekers Hofstat und an Anna 
Stromeyerin Hause, hinten von der Vischmul über und vora 
an der Strassen stossend. Es muss hier bemerkt werden. 
dass unter einer Hofstatt, ein solcher unbebauter Flatz, yiqV 
eher sich zur Erbauung eines Hauses eignet, ein Bauplatz, 
wie man heute sagt, zu verstehen ist, und dass dieser Bau- 
platz an der Strasse lag, welche heute Obere Brücke genannt 
wird, und zwar auf deren rechter Seite, wenn man vom 
Grrünen Markte auf die genannte Brücke geht, da wo sich 
jetzt eines der Häuser Nr. 582 a., 582 b. und 583 erhebt. 
Diese Urkunde giebt wohl von einem Apotheker, aber nicht 
von einer Apotheke Nachricht. 

Die alte städtische Rechnung vom Jahre 1437 besagt, 
dass der Apotheker Hartwich für gelieferte Medicamente 
Zahlung erhalten habe. Ueber die Ferson dieses Hartwich 
folgt unten Näheres. 

Mit einer Urkunde vom 23. Januar 1453 erkennt der 
Landrichter des Stiftes zu Bamberg Albrecht von Giech dem 
Ulrich Elüpfel, Apotheker zu Bamberg „ein Hoffrey t und 
Hofstat zu Bamberg an der Schute gelegen, die altt Appo- 
tek genannt wegen einer nachgewiesenen Schuld von drei- 
hundert Gulden zu. Diese Urkunde beweist, dass auf dieser 
Stelle vor dem Jahre 1453 eine Apotheke stand. Dieser 
Platz aber ist derselbe, auf welchem die heutige Hofapo- 
theke steht. 

Aus einer Urkunde vom 8. Janueur 1455, mit welcher 
G^org von Giech als Schiedsrichter eine zwischen dem Dom- 



i 



O. T. Horn, Geschiebte der Apotheken m Bamberg. 143 

berrn Grafen yon Löwenstein, als Besitzer eines Domherrn- 
hofes hinter dem Dom zu Bamberg, und dem Peter Eberlein als 
Besitzer eines Anwesens auf dem Eanlberge daselbst ent- 
htandene Lehensstreitigkeit schlichtete, ist ersichtlich, dass 
der vorhin genannte Apotheker Klüpfel dieses Anwesen zu 
einer nicht bezeichneten 2ieit an den Eberlein yerkaufte. 

In demselben Jahre 1455 am 5. Februar ertheilte Bischof 
Anton von Botenhan dem mehr genannten Apotheker Ulrich 
Klüpfel die Bewilligung, auf der oben zum Jahre 1453 
erwähnten Hofstatt an der Schutt zu Bamberg eine Behau- 
sang erbauen und darin eine Apotheke einrichten zu dürfen. 
Die darüber gegebene Urkunde ist die älteste Bamberger 
Apotheken -Concessionsurkunde, zugleich aber auch eine der 
ältesten in ganz Deutschland, und dies rechtfertigt deren 
wortgetreue Mittheilung, welche nun folgt: 

„Wir Anthonig von gotes gnaden Bischoue zu Bamberg 
Bekennen offenlich mit diesem briue gen allermeniglichen, 
das wir angesehen haben, das sich vnnser lieber getreuer 
Virich Klüpfhel Apotecker bisher redlich vnd frümgklich In 
vnnserer Stat Bamberg gehalden hat vnd haben mit willen 
vnd verhenngknus der wirdigen vnnserer lieben Andechtigen 
Jörgen Ton Schawmberg Tumprobsts Allbrechten Grauen 
ZQ wertheim Dechants vnd des Capitels gemeiniglichen 
Tnnsers StiflH» Im ynd Barbara seiner eelichen wirttynn 
vnnsere vnd unnseres Stifts Apotecken Hofstat In vnnserer 
Stat Bamberg an der Schüt an Gontzen Emsts vnnseres 
Snerders Haws gelegen, dorauff die behawsunge derselben 
Apotecken Tor ettwieufl Jaren abgebrant, rnd die gemelt 
Hofstat bissher vngebawet vnd wüst gelegen ist recht und 
redlichen gelassen haben, und lassen In die In craft ditzs 
briefs. Also das er vnd die genant Barbara sein wirttynn 
dieselben vnnsere vnd vnnseres Stifts Hofstat nach rate vnd 
anweiaunge der vnnsem, den wir das beuelhen werden von 
newen bebawen und vnnsere und vnnsers Stifts Apotecken 
redlichen vnd getreulichen Dorinn halden vnd bestellen sollen 
oach rate vnd satzunge der Ertzte, den das itzuzeiten von 
^8 vnnseren nachkomen vnd Capitel beuolhen wirdet, vnd 



144 O. T. Hörn, Oeschichte der Apotheken zu Bamberg. 

sie sollen yns ynnsenn Stifte ynd nachkomen von demselben 
HawB ynd Hofreite Jerlichen zu Zinsse reichen ynd geben 
fönfftzeben guidein Reinischer guter Landsswerange halb rf 
sant walburgen, vnd den andern halbteyle yf sant Merteins- 
tage ynd dortzu Jerlichen ein halb pfunt wachs In sant 
Thomas Capellen In ynnseren Hofe , ynd was sie an derselben 
behawssunge also wissenlich ynd kuntlich yerbawen werden, 
das sollen wir ynnser Stifte ynd nachkomen in des Halbteüs 
nicht schuldig sein zu bezalen, aber den andern halbteil sol- 
len wir sie In der gemelten behawsunge yersitzen ynd In 
das an den gemelten Zinssen abgeen lassen ongeuerde, Vnd 
dieselben ynnsere und ynnsers Stifts Apotecken ynd behaw- 
sunge sollen ynd mögen sie Ir beyder Lebtage auss, weyl 
sie der annders Inuorberyrtermasse redlichen yorsein, ynd 
die bestellen Innhaben, die leiplich besitzen ynd ynuertriben 
dauon pleiben, ynd dieselben behawsunge auch In redlichem 
pawe halden, ynd wir ynd ynnsem nachkomen sollen sie auch 
mit keinem andern Apotecker ybertzihen oder ybersetzen 
ongeuerde, ynd ob ymant lehenschafit zins oder ander Sachen 
yf der gemelten ynnseren Apoteken yermeynt zu haben, die 
sollen und wollen wir ynd ynnsere nachkomen In abtragen 
on Ir scheden ongeyerde, ynd ymb dess willen Das derselbe 
ynnser Apotecken desto redlicher ynd aufrichtiger gehalden, 
der gewartten, ynd auch sein Spezereye dester gleicher gege- 
ben möge, So freyen wir für yns ynnser Stififte ynd nach- 
komen, In ynd sein wirttynn weyl sie dieselben ynnsem 
Apotecken also besitzen halden, ynd Innhaben yon Stewr, 
wachen, fronen, ausszihen, Wochengelde ynd annderm mitlei- 
den, das sie der mit ynnsem Bürgern zu Bamberg nicht 
geben noch tun dorffen. Aber yngeldes Tatzes ynd gemeyner 
yelle, yns ynd ynnser Stifile antrefifend, sollen sie nicht vbrig 
sein, Sie sollen auch sust keinen Handel treiben, on alles 
geyerde, ynd des alles zu yrkunde ist ynnser Insigel an 
diesen briue gehannggen. Ynd wir obgenanten Tumprobst 
Dechant ynd das Capitel gemeiniglichen des Stifts zu Bam- 
berg bekennen, das die obgemelt yerlassunge ynd freytinge 
mit ynnsenn wUlen ynd yerhenngknuss zuganngen vnd 



6. T. Honi, Gksehiohte der Apotheken zu Bamberg. 145 

gesehene ist ynd haben des zu meren bekenntniss ynnsers 
Capitels Insigel zn des obg^enanten vnnseres gnedigen Her- 
ren von Bamberg Insigel an diesen briue gehanngen, Doch 
ms Tnd mnserm Capitel an ynnsem lenten vnd guten In 
gemejnde vnd snnderheit vnschedlichen. Der geben ist zu 
Bamberg am freytage nach sant Dorotheen tage Nach Cristi 
vnnsers lieben Herren geburt, vierzehenhundert vnd in dem 
fonff ynd funStzigsten Jaren.^' 

Unter der Regierung des Bischofs Philipp von Henne- 
berg, 1475 — 1487, war in Bamberg mit dessen Bewilligung 
gegen den Wortlaut obiger Urkunde eine zweite Apotheke 
errichtet worden, wodurch sich Ulrich Klüpfel „an seiner 
Versduneibung und Nahrung merklich erschwert glaubte. 
Dann war eine Restforderung von 85 fl., welche Hartwich 
Teoffel, der Schwager des Ulrich Klüpfel, an den Bischof 
Anton yon Rotenhan zu machen hatte, auf Ulrich Xlüpfel 
gekommen. Dieser forderte nun von Bischof Heinrich Ent- 
schädigung wegen Vertragsverletzung und auch Zahlung der 
Schuld des Bischof Anton von Botenhan. Bischof Heinrich 
hielt diesem Vorbringen des Klüpfel entgegen, dass derselbe 
über dreissig Jahre weder Zins bezahlt noch Bechnung über 
den Bau gelegt habe. Man verglich sich endlich dahin: 

1) dass Ulrich Klüpfel „das Appotecken Hawss sein 
lebenlang besitzen, inhaben, nutzen, nissen, gebrauchen und 
darin Appotecken handel treiben und arbeiten soll und mag 
doch aufrecht und redlich als einem gesworen Appotecker 
zusteht^, und soll ihm der Zins, den er laut der Verschrei- 
bimg des Bischofs Anton von Botenhan zu geben hätte, sein 
lebenlang erlassen und er befreit sein „für Steuer, wach, 
fron, ansszihen, wochengelt und ander mitleiden, das er den 
sein lebtag auss mit den Bürgern zu Bamberg nicht geben 
noch thun bedorff;" 

2) dass aber Klüpfel dagegen „ungelts, Tax und Gemei- 
ner velle den Bischof und das Stifit antreffend nicht übrig 
aein*^ soll, auch das Haus in gutem Zustande, besonders was 
die Dachung betri£% zu halten und ein halbes, Pfund Wachs 

An^ (L Pharm. Xn. Bdt. 8. H«ft, 10 



116 G. T. Hom, Gflichicbts dar Apotheken la Bamborg. 

jährlich in die Thomas - Eapelle des bischöflichen Hofes xu 

— 1— "— "-e; 

es dem Bischof, dem Stift and den Nachfolgern 
Tode des Klopfet freistehen, jederzeit das ApoÜte- 
ut 130 fl. von dessen Erben oder dem Innahaber 
gegenwärtigen Vertrag errichteten Urkunde einzn- 
lich aber soll 

Schuldbrief, den Bischof Anton von Botenhan dem 
Teufiel über 65 fl. gegeben, der sich jetzt in den 
es Klnpfels beflndet, eben so alle übrigen gegen- 
>rdeningen der beiden Conlrahenten aufgehoben nnd 

■ diesen Vergleich wurde eine Crkunde am 7. Fe- 
19 errichtet, welche gleich den Urkunden vom 

■ 1453 und Tom 7. Februar 1455 im £. Ereis- 
1 Bambei^ aufbewahrt wird. 

dem bis jetzt Vorgetragenen ergeben sich nachsto- 
nderlegbare Folgerungen ; 

on längst Tor dem Jahre 1455 gab es in Bamberg 
heke, welche aber einige Jahre vorher abgebrannt 

wüst liegen geblieben war. 

Jahre 1406 lebt« in Bamberg bereite ein Apothe- 
a Name aber leider nicht genannt wird. Der An- 
!r, dass dieser Apotheker die abgebrannte Apotheke 
hntt damals inne hatte, steht gar nichts entgegen. 
IS im Jahre 1437 der Apotheker Hartwich, am in 
ideneprache jener Zeit zu reden, den Apotheken- 
Bamberg betrieb, beweist der oben angezogene 
n der Stadtrechnang. Dieser Apotheker Hartwioh 
jewiss mit dem in der Urkunde von 1489 erwähDte 
Tenfl'el, mit dem damals schon Terstorbenen Schwager 
i Elnpfel ein und dieselbe Person. Dafür spricht 
Lnd, dass der Name Hartwich um jene Zeit in Bam- 

sehr grosse Seltenheit war. 

SB dieser Apotheker Hartwich TeuSel im Jahre 
im Jahre 1437 die im Jahre 1455 abgebrannt 

Apotheke an der Schutt inne gehabt hat, ist äae 



Qr. T. Hom, Geschichte der Apotheken zu Bamberg. 147 

folgerechte Annahme ans dem vorhergehenden, die wohl kaum 
angreifbar ist, eben bo auch das folgende: Biese Apotheke 
war Eigenthum des Bischofs und des Stifts, und Hartwich 
Teuffei hatte sie in ähnlicher Weise inne, wie Elüpfel später 
die neue Apotheke an der Schutt besass. Jene 300 fi. aber, 
wegen welcher dem Ulrich Elüpfel vom Landrichter mit XJrtheil 
vom 23. Januar 1453 die Apothekenhofstatt an der Schutt 
zagesprochen worden war, war der auf diesem Bauplatze haf- 
tende Betrag der Baukosten des abgebrannten Apotheken- 
hauses, und Ulrich Klüpfel ist auf dieselbe Weise in den 
Besitz dieser Forderung gelangt, wie er zu der Forderung 
von 85 fl. gekommen. Der Bischof Anton von Botenhan 
und das Domkapitel waren damals aber nicht im Stande 
diese Summe einzulösen oder das Haus wiederum auf zu 
bauen. Jeder, der die Geschichte Bambergs kennt, weiss, 
dass damals Bischof und Kapitel bis über den Kopf in Schul- 
den steckten und kaum das nothwendigste Geld aufzubringen 
Termochten. 

5) Die im Jahre 1455 von Ulrich Elüpfel wiederum 
errichtete Apotheke war damals die einzige in Bamberg. Die 
heutige Hofapotheke ist, da sie nur, um diesen Ausdruck zu 
gebrauchen, eine Fortsetzung der von Elüpfel gegründeten 
Apotheke ist, demnach nicht nur die älteste Apotheke in 
Bamberg, sondern auch eine der ältesten Apotheken in Deutsch- 
land, möglicher Weise älter als die im Jahre 1403 in Leipzig 
und 1404 in Nürnberg errichteten Apotheken. Dafür dass 
in Bamberg und Nürnberg fast gleichzeitig Apotheken errich- 
tet warden, sprechen die vielen und nahen Beziehungen, in 
welchen diese beiden Städte zu einander standen. Ist es ja 
doch bekannt, dass zur Zeit der Empörung Heinrichs Y. gegen 
seinen Vater Heinrich IV., als ersterer die Stadt Nürnberg 
bis auf die Burg niederbrennen liess, viele Familien aus 
lifümberg nach Bamberg flüchteten, dort eine zweite Heimat 
fanden, und dass einzelne Glieder dieser Familie bald wieder 
in die alte Heimat zurückkehrten, während die anderen in 
Bamberg entweder immer oder doch nach längere Zeit ver- 
blieben. Ich nenne nur die Haller, Löffelholz, Ffinzing. 

10* 



148 6. V. Hörn, Gesohiobte der Apotheken in Bamberg. 

Die nächste Urkunde, welche von unserer Apotheke han- 
delt^ ist gegeben am 30. März 1530 vom Bischof Weigand. Aus 
derselben geht hervor, dass Bischof Heinrich, der Vorgänger des 
Bischofs Weigand, nach dem Tode Klüpfels , welcher zwischen 
die Jahre 1489 und 1495 fallt, von dessen Erben nach Maassgabe 
des oben erwähnten Vertrages die Apothekenbehausung an der 
Schutt um 130 fl. „erledigt und an sich bracht, dann dem 
Simon Wolf aus Breslau, welcher oben erwähnt wurde, und 
endlich 1427 dessen Sohn Wolfgang Wolf, welcher schon 
bei Lebzeiten seines Vaters den Apothekenhandel redlich und 
treulich üben half, verlassen hat, welche Verlassung dann 
unterm 30. März 1530 auf weitere 3 Jahre von ihm dem 
genannten Wolfgang Wolf verlängert wurde und zwar unter 
folgenden Bedingungen: „das er die gemelt drey Jahre, die 
nechsten nacheynnander folgendt (So fern er Anders mit 
vermöglichkeit seines leibs. Auch sonnsten Inn ander wege^ 
dem Handell vorsteen kan) In angezeigter behaussung sein 
wesenn vnd wonnung habenn, darinnen Appotecken handell, 
redlich vnd getreulich. Als einem geschworenn Appotecker 
Zusteet vnnd er Inhalt seiner pilicht, die er vns gelobt vnd 
geschworen hat, schuldig ist, treybenn, vben vnd halttenn. 
Auch die Appotecken mit noddurStigen Spezerey und Mate- 
rialien, nach Bathe, yetzutzeiten vnser geschworenn Ertzt 
fursehen, vnd solle vns vnd vnnsern nachkommen die be- 
meltten jare Auss, yglichs jare besonder, zu Zinss reichen 
vnd gebenn, vnd In vnser Cammem Antwortten fonfizehen 
guidein Reinisch, halb zu sant Walburgentage, vnnd halb 
zu Sant Michaelstage mit dem ersten Zinss zu dem nechst 
kommenden sant walpurgentage Antzufahen, dartzu jerlich 
ein halb pfund wachs Inn Sannt thomas Gappein In vnserm 
BischofiQichen Hof gelegenu, vnnd solle zu sollicher behaussung 
Ann den Inpeuen geverlich nichts abbrechen, bescheedigen 
noch abreyssenn, vnnd damit er die bemellten Zeit Auss die 
Appotecken desterredlicher vnd mit gutten statten, In not- 
turffigen Spezereyen vnd andere zugehorungen einer Appo- 
tecken gehalten möge, haben wir Ime soliiche Zeit Auss 
gefreyhet für Steuer, wache, frone, Bayss, wochengelt vnnd 



G. T. Hörn, Geschichte der Apotheken zu Bamberg. 149 

ander mitiejden In AUermassen wie der genant vlrich klupffel, 
vnnd Symon wolff sein vatter selige, die Zeit sie In obbemr- 
ter behaossnng gesessen, gefreyt gewest synde Onyeverde, 
doch Tns vnserm Stifft vnd nachkommen an ynsern obrig- 
keitten, herlichkeitten, gerichtbarkeitten vnd gerechtigkeitten, 
Tnschedlich, ynd Tnyergriffenlich , vnnd Also, das der genant 
woll^ang Wolff, solliche Zeitlang keinen Anderen Bürger- 
lichen kanfmans handell habe oder treybe, wurde er aber 
kaafimans handell treybenn, das er Alsdann davon thette , wie 
ein Ander Im Mitleydenn. Ob auch dem genanten WoU- 
fen, In mitler Zeit der gedachten dreyer Jare sollich Kranck- 
heit oder vnvermoglichkeit an seinem Leybe oder sonstenn 
anstiessen, oder zu stundenn, dadurch er die Appoteckenn 
In Lrem wesen Tnd wirden mit dem das Zu einer Appo- 
tecken gehöret, nit gehaltten mochte, oder aber das er sich 
sonstenn vngepurlich hielten oder mangell bey Ime funden 
wurde, das er der Appotecken nit vorsein . konte. So solle 
er vff Tnser, oder vnser nachkonmien ermanung, der Abtret- 
tenn, vnnd die behaussung Reumen, damit die Appotecken zu 
Qottorfft gemeynes nutz mit einem Andern fursehenn vnnd 
bestellet werden möge. Alle geverde Aussgeschlossenn.'' 

Im Jahre 1545 am 18. November überliess Bischof Wei- 
gand die vielgenannte Apothekenbehausung an der Schutt 
dem Apotheker Adolph Denstatt, und nachdem die Zeit, auf 
welche sie ihm gegeben war, 3 Jahre, abgelaufen war, bewil- 
ligte Bischof Georg IV., Fuchs von Rugheim, 1556—1561, 
dem genannten Denstatt mit Urkunde vom 11. November 
1566 die Apotheke auf 10 Jahre unter denselben Bedingun- 
gen, unter denen sie Wolf besessen hatte. Bei der Erwäh- 
nung der Steuerfreiheit werden jedoch als Vorbesitzer der 
Apothekenbehausung an der Schutt Ulrich Klüpfel und Hans 
Kotier oder Xolter aufgeführt, der beiden Wolf, Vater und 
Sohn, aber geschieht gar nicht Erwähnung. Es ist dies um 
^ mehr auffallend, als in der Verleihungsurkunde des Wolf- 
gang Wolf bei derselben Gelegenheit als Nachfolger des 
Klüpfel ganz ausdrücklich Simon Wolf, der Vater des Wolf- 
gang genannt wird. Man wird sich erinnern, dass in eben 



150 0. y. Hörn, GeicMohte der Apotheken zu Bamberg. 

dieser Urkunde gesagt wird, dass Bischof Heinrich das 
Apothekenhaas von den Erben des Elüpfel nm 130 fl. ein- 
gelöset hat. Sollte nun dieser Hans Kotler oder £olter etwa 
dieser Erbe gewesen sein? Der Annahme, dass er es war, 
steht durchaus nichts entgegen. TJnd habe ich, um dem 
Manne nicht unrecht zu thun, ihn in dem unten folgenden 
Verzeichnisse der Innehaber der Apothekenbehausung an der 
Schutt nach dem Ulrich Elüpfel eingereihet. 

Adolph Denstatt überlebte die 10 Jahre des ihm bewil- 
ligten Bestandes nicht; er starb schon am Ende des Jahres 
1561 oder am Anfange des Jahres 1562. Ihm folgte als 
Beständer des Apothekenhauses an der Schutt zu Bamberg 
der Apotheker Greorg Weinberger, welchem Bischof Veit IL, 
von Würzburg, 1561 — 1577, dasselbe auf zehn Jabre ver- 
liess. In den Bedingungen, unter denen die Verlassnng 
geschah, findet sich ein wesentlicher Zusatz von grosser Be- 
deutung. Da, wo ihm die Pflicht auferlegt wird, die Apo- 
theke mit den nothwendigen Spezereien und Materialien zn 
yersehen, heisst es, dass dies zu geschehen habe „nach je 
zu Zeitten unser geschworenen Ertzt und derselben gemach- 
ten und geordneten tax", während es bei seinen Vorfahren 
nur hiess „nach dem Rathe der Aerzte." Das ist doch wohl 
kaum anders zu verstehen als, dass der Verkauf der Arznei- 
mittel nur zu einem von den Aerzten festgesetzten Preise, 
Taxe, geschehen dürfe, und er stets gewisse Arzneimittel 
Yorräthig haben müsse. 

Auch in dieser Urkunde ist der oben erwähnte Kolter 
oder Kotler als der Nachfolger Klüpfels aufgeführt. Der Schrei- 
ber dieser Urkunde schrieb eben dem Schreiber der vor- 
gehenden Urkunde nach, und so ist dem Umstände, dass in 
den folgenden Urkunden ebenso der beiden Wolf nicht Er- 
wähnung geschieht und Kotler als der Nachfolger Klüpfels 
erscheint, kein grösseres Gewicht beizulegen. 

Georg Weinberger erfreute sich des Besitzes der Apo- 
thekenbehausung an der Schutt nicht lange. Schon am 
24. Juni 1567 verlängerte Bischof Veit dem Apotheker 



6. T. Hörn, Geschichte der Apotheken zu Bamberg. 151 

Zacharias Eletc den dreijährigen Bestand dieser Behausung 
auf weitere 3 Jahre. 

Diese Urkunde spricht sich noch deutlicher aus, dass 
der Verkauf der Arzeneien nur nach einer festgesetzten Taxe 
geschehen dürfe, indem sie sagt: ,,Auch die Apodecken mit 
Notturfitiger Spetzerey vnnd Materialien, nach Rath Je zu 
Zeitemi, vnnser geschworenen Artzt, vnd sonderlichen des 
bochgelerten vnsers Leibarzt Melchior reupiscli seligen gemach- 
teun Tud geordneten Tax versehen ynd darüber niemant 
vbernemen noch beschweren." 

Noch eine neue Bedingung erscheint in dieser Urkunde. 
Es heisst nämlich in derselben: „damit er die bemelte Zeit 
Aq8s, die Apodeckenn desto mit Pessem statten Inn If otturff- 
tigen Spezereyen vnnd andern zugehörungen einer Apodecken, 
gehaben möge, haben wir Inn ermelte Zeit auss gefreyhet, 
für Steuer, Wacb, Prohn, Raiss, Wochengeldt, vnnd annder 
miüeidten, Inn Aller massen wie Ulrich Elüpffel, Hanns Kot- 
ier, Adolff Denntstatt vnnd Jörg Weinberger, die Zeit sie in 
obbemrter Behaussuug gesessen, gefreyt gewesen sindt 
AnngeTerde, Doch vnns vnnseren Stifft vnnd Nachkomme, 
ann vnnsem Obrigkeiten vnnd^ gerechtigkaitenn unschedtlich 
Tnnd vnuergriffenlich, Ynnd auch also das der genannt 
Kleth, sich der Altenn Catholischenn Ghristli- 
chenn Eirchenn Ordnung gemess halte vnnd er- 
weisse, Auch solche Zeitlanng, sonnsten keinen Andern 
Borgerlichen Eauffmannshandel haben oder treiben. Wurde 
er Kaufinannsshanndel, treiben, das er alsdan davon thue, wie 
ein Ander Im Mitleid, allhie Inn unnser Statt Bamberg, Ob 
auch genannter Kleth, wie obsteet, mit Verlegung des Apo- 
deckershandel nit Inn vermog oder Aber, das er sich sonn- 
stenn vngeburliche vnd beschwerlichen vbernemen der leut 
hiltte, oder mänugel bey Im fundenn wurde. Das er der Apo- 
deckenn nit Lennger vor sein Könnte, so soll er vff vnnser 
oder vnser Nachkomen ermanung, welches Jars vns ebent 
Tnd gefeilig, der abtreten, vnd Behaussung reumen u. s. w. 

Ueberschreiten der Taxe ist hier ausdrücklich mit Ent- 
ziebong der Apotbeke bedroht. Dass ein Religionswechsel 



152 G. T. Hörn, GeBohichte der Apotheken zu 

dieselbe Folge haben werde ^ ist gerade nicht ausgesprochen 
aber doch ziemlich verständlich angedeutet. 

1570 am 28. Juni, 1573 am 24. Juni verlängerte Bischof 
Veit dem Zacharias Klett den Bestand der Apotheke wieder- 
holt und zwar jedesmal auf 3 Jahre. 

Unter der B^erung des Bischofs Johann Georg L 
Zobel von Giebelstadt, 1577 — 1580 trat eine Yerändenmg 
des Eigenthumsverhältnisses der oftgenannten Apotheken- 
behausung ein. Dieselbe war bis dahin Eigenthum des Bi- 
schofs resp. des Fürsten und des Stifts, wie aus Obiges 
ersichtlich, und die bis jetzt aufgezählten Apotheker hatten 
dieselbe bestands- oder pachtweise inne. Der genannte 
Bischof aber vererbte und verkaufte dieselbe dem Zacharias 
Elett als ein rechtes Söhne- und Töchter -Zinslehen um die 
Summe von 1200 fl., wovon 300 fl. in zwei Terminen, näm- 
lich an Fetri Cathedra und Laurent i 1579, der Rest von 
900 fl. in den nächst darauf folgenden Terminen bezahlt 
werden sollte. Dieser Kauf hat danach wohl im Jahre 1578 
stattgefunden. Eine Urkunde darüber konnte nicht aufgefun- 
den werden. Diesen Mangel aber ersetzt eine Urkunde des 
Bischofs Ernst von Mengersdorf vom 1. October 1587, welche 
sich im Besitze des dermaligen Eigenthümers dieser Apothe- 
kenbehausung befindet, vollständig. 

In dieser Urkunde bestättigt vorerst Bischof Ernst von 
Mengersdorf die Vererbung und den Verkauf „der Behau- 
sung undt Apodeckhen, die Ober Apodeckhen genannt, an 
der Schutt, vom gegen Eilian Schwaben Hofschneiders Be- 
hausung über, zur rechten band hinauf mit einer seithen an 
hannsen Köders Schneiders Behausung, anderseiths an die 
freyen gasson, gegen Hannsen Mertzen Behausung über und 
hinten gegen Stephan Zeitlosen Behaussung zum gülden 
Creutz genannt, gelegen '*, sagt den Käufer, Zacharias Klett, 
da er 300 fl. an den Terminen Fetri Cathedra und Laurenti 
1579, später auch den B«st von 900 fl. erlegt habe, wegen 
der Eaufsumme quitt und ledig, und vererbt und verleiht 
^hm die Oberapotheke unter folgenden Bedingungen: 



G. ▼. Hom, Getcliicbte der Apotheken zu Bamberg. 153 

1) Zacharias Elett und seine Besitznachfolger sollen die 
Behausung inne haben , nutzen und niessen, aber auch „in 
redlichen Pauen und wegen halten, bessern und nit ergem''; 

2) an die fürstliche Kammer ist jährlich 7i A« ^^^ ^^^^ 
Fastnachtshenne zu reichen; 

3) die Oberapotheke soll eine Erbapotheke sein und 
bleiben; 

4) BesitzTeränderungen sind der fürstlichen Kammer sofort 
anzuzeigen, wobei die Belohnung zu erbitten und das Hand- 
lohn mit 1 fl. fiir je 20 11., bei ErbföUen aber soviel Schreib- 
geld als Zins gereicht wird, zu entrichten ist; 

5) die Oberapotheke soll „anderer bürgerlichen mitleiden 
und Beschwehmus, wie die fürstlichen gemeynen hoffdiener 
gefreyet seyn." 

In dieser Urkunde kommt zum ersten Male die Benen- 
nung Ob er apotheke vor, in den früheren Urkunden heisst 
sie „die Behausung und Apotheke an der Schutt/' 

Es ist hier nachzutragen, dass im Jahre 1584 Fürst- 
Bischof Ernst eine Apotheker- und Tax -Ordnung erliess, 
welche unten im Abdrucke folgi 

Am Ende des Jahres 1599 oder am Anfange des Jahres 
1600 starb der Apotheker Zacharias Elett. Sein Sohn Lo- 
renz folgte ihm im Besitze der Oberapotheke, welche er bei 
der mit seinen Geschwistern gepflogenen Abtheilung um den 
Kaufpreis von 1400 fl. erhielt. Am 27. März 1600 wurde 
der Brief über dessen Belehnung mit der Oberapotheke vom 
Fürstbischof Johann Philipp von Gebsattel, 1599 — 1609, 
ausgestellt. 

Im hiesigen K. Kreis -Archive befindet sich ein Schreiben 
der Besitzer der Apotheke zum weissen Schwanen , Mathias 
Heyl und Wilhelm Difienbacb, ohne Datum, Ort und auch 
ohne Adresse, mit der UeberRchrift : „Edle, erveste, hoch- 
achtpare fursichtige und weise grosgünstige gepietende Herrn. 
E. L und f. w." Diese Titulatur und einige Andeutungen 
im Sdireiben selbst lassen mit Sicherheit schliessen, dass 
sich die Schwanenapotheke in Frankfurt a. M. befand, und 
dass das Schreiben an Bürgermeister und Rath daselbst 



i 



154 G. T. Hörn, Geichichte der Apc 

gerichtet ist In demselben ersticlien die beiden genannten 
Apotheker Biirgermeieter und Eath, dieselben möchten bei dem 
BiBchof Keithard, 1591 — 1598, dahin wirken, dass dieser den 
Ober- und Hofapotbeker Lorenz Klett anhalten lasse, ihnen 
zwei Schuldposten, nämlich 61 &. 2 x., welche er ihnen für 
in der Herbstmesse 1592 erkaufte Materialwaaren nnd 10 fl. 
29 X. für von Adam Keck, dem Yorbesitzer ihrer Apotheke, 
in der Fastenmesse desselben Jahres entnommene Waares 
schuldig sei, zn bezahlen; sie würden einen Bothen an den 
genannten ihren Schuldner senden, und diesem solle dann 
Lorenz Klett die obigen Beträge übergeben und auch den 
Bothenlohn bezahlen. Es geht daraus hervor, dass Lorenz 
Elett schon zu Lebzeiten seinen Vaters die Apotheke ver- 
waltete, aber keineswegs ein guter Zahler war. 

Im Jahre 1 603 finden wir „ Barbara , weiland Lorenzen 
Kletten, Oberapothekers in der Stadt Bamberg allhier, nach- 
gelassene Witwe" im Besitze der Oherapotheke. Dieselbe 
wandte sich in diesem Jahre mit einem im E. Ereis - Archrre 
aufbewahrten Bittgesuche an den Fürstbischof Jobann Phi- 
lipp und machte darin voratellig: „wie das nicht allein, ihr 
verstorbener hausswirth, sondern auch anietzo sie gemeiner 
Statt und LandtschafTi; des StifFts und Füratentbumbs Bam- 
berg und also menniglichen zu guten und besten, mit An- 
nexen und frischen Wahren sich versehen, damit einem Jeden 
bei Tag und nacht bereit sein müsse; dieweile hierdurch der 
gemeine Ifutz hetordert würde, sie hingegen in gnaden zu 
bedenken und der Steuer von obbemelter Apotheken nnd 
wohobehaussung zu einer ergetzlichkeit aus gnaden zu erlas- 
sen, demüthig angelangt und gebetten." unter dem 20. No- 
vember desselben Jahres wurde ihr denn auch Steuerfreiheit 
der Apotheke und des Wohnhauses jedoch nur auf Wider- 
ruf gewährt. 

Die Witwe Barbara Klett hatte ihrem Schwager Fanlnt 
Elett die Oberapotbeke in Bestand gegeben. Dieser scheint 
kein tüchtiger Apotheker geweseo-zn sein und Hess die Apotheke 
so sehr herab kommen, dass sich das Domkapitel zum Ein- 



6. T. Hörn, Geschiebte der Apotheken zu Bamberg. 155 

gcbreiten veranlasst sab. Dasselbe erliess nacbstehenden 
Befebl an die Witwe Klett: 

„Nachdem einem Hochwürdigen und Edlen DomCapitel 
dess Eayss. ßtiffts Bamberg, zu underschiedlichen mahle 
Torkommen, das die Ober Apothecken allhie weder mit medi- 
camentis und notbwendigen zu einem solchen werck gehöri- 
gen Sachen^ noch auch mit qualificirten Fersohnen der gebiier 
nach versehen werde, alss würdt der darin wohnende Witt- 
frauen Barbara Klättin hirmit aufgetragen, dass sie zwischen 
hier und nechst künfftig Pfingsten berührte Apothecken ver- 
kaofe und reume, damit andere und bessere anordnung 
geschehen könne. Dessen verlassen man sich zu geschehen. 
Geben under wolbemelts Dom Capitels hierunden gedrucktem 
Beeret. Freytag den 20. Decembris. Anno 1613." 

Am 27. Mai des folgenden Jahres 1614 zeigte die Witwe 
Klett an, dass sie ihrem Schwager Paulus Elett die Ober- 
apotheke auf etliche Jahre bestandweise verlassen, dass sie 
immer geglaubt habe, dass die Apotheke mit Materialien und 
anderen dahin gehörigen Sachen versehen sei, da ihr Schwa- 
ger in dem Vertrage sich verpflichtet, die Apotheke bis zuna 
Ende seines Bestandes mit Allem der Gebühr nach zu ver- 
sehen, „damit Menniglich und Yornemblich die Obrigkeit 
zufrieden sein könne.'' Sie habe ihm an Materialien ein 
XamhafieB eingehändiget, und man sei auch bei den früher 
vorgenommenen Visitationen ziendich zufrieden gewesen. Da 
Bie nun aus dem „ ernstlichen ^ an sie ergangenen Decrete 
vermerket, dass ihr Schwager der Apotheke nicht, wie sich 
gebührt, voiqgestanden, habe sie sich allenthalben nach einem 
..qnalificirten provisorn umgethan*', dessen ungeachtet aber 
noch zur Zeit keinen, der der katholischen Keligion zuge- 
than, überkommen können. Es habe sich zwar einer von 
München gemeldet, doch sei es ihr nicht möglich gewesen, 
sich mit demselben zu einigen. Damit aber die Apotheke der 
Gebühr nach versehen, und ihr keine „Versäumniss" zuge- 
messen werden könnte, so habe sie vorbehaltlich gnädiger 
Ratification den Nicolaus Heblig, der sich etliche Jahre bei 
Herrn Veit Kraus ^ XJnterapotheker allhie gesellenweise auf- 



106 6. ▼. Hörn, Geschiohte der Apotheken zu Bamberg. 

gehalten, welcher ortsbekannt und hier um alle Gelegenheit 
wisse, zu einem „proyisorn'' angenommen, den sie hiemit 
unterthänig vorstellig mache, und demüthig bitte, mit dessen 
Person zufrieden zu sein, und ihm zu befehlen, wie er sich 
in ein und dem anderen in dieser Apotheke zu verhalten 
habe. Da ihr der Herr Domdechant habe untersagen lassen, 
die Apotheke zu öfiPoen, so habe sie nicht eher etwas abge- 
ben oder verkaufen wollen, bis die Materialien, die sie diese 
kurze Zeit über zur Hand gebracht, deren sie aber mehrere 
mit dem frankfurter Geleitschiff gewärtige, visitirt worden, 
und sie bitte nun, den Medicis zu befehlen, die bemeldeten 
Sachen zu besichtigen; sie werde dasjenige, was diese noch 
ferners anzuschaffen fiir noth wendig erachten würden, zur 
Stelle bringen lassen, und die Apotheke mit Gottes Hülfe 
also „proviantiren'^ dass jedermann zufrieden gestellt würde. 

Wie lange die Witwe des Lorenz Klett die Oberapo- 
theke nach dieser Zeit noch besass, wer namentlich während 
der traurigen Zeiten des dreissigjährigen Krieges darin sass, 
ist nicht zu ermitteln gewesen. 

Das Steuerrevisions - Protokoll vom Jahre 1653, worin die 
bürgerlichen Häuser der Stadt Bamberg mit ihren Besitzern 
verzeichnet sind, nennt den Apotheker Jacob Berdach, wel- 
cher selbst sich „Ferdach'' schrieb, als Eigenthümer der 
Oberen Apotheke. Aus dem betreffenden Vortrage ist ersicht- 
lich, dass Ferdach ein vermögender Mann war, obgleich er 
895 fl. Schulden hatte, worunter 132 fl. für von einem Nürn- 
berger Materialisten erhaltene Apothekerwaaren. Die Best- 
summe mag aus dem Ankaufe der Apotheke herrühren. Die 
Of&cin nebst den ausständigen Forderungen waren auf 300 
geschätzt. Im Keller lagen 18 Eimer Most und er besass 
250 fl. ausgeliehene Kapitalien , wovon jedoch 50 fl. unsicher 
waren. 

Aus dem Steuerrevisions - Frotokolle vom Jahre 1678 
ist ersichtlich, dass sich die Vermögens Verhältnisse Ferdachs 
in der Zwischenzeit noch verbessert hatten. Derselbe wird 
hier Hofapotheker und des Raths genannt. Bein Besitz 
an Immobilien hatte sich vermehrt und von Schulden ist 



O. T. Hom, Geflcbichte der Apotheken la Bamberg. 157 

keine Rede mehr. Der Werth der vorrathigen Medicamente 
ist zn 300 fl. geschätzt, das Steuerkapital der Profession ist 
za 300 angegeben, was im Vergleich zu anderen Geschäften 
rerhaltnissmassig ein hoher Anschlag ist. Die daraus be- 
rechnete Steuer betrug, ä 3 fl. 12 x. von 100 fl. Steuerkapital, 
91 d6x. 

Perdach hatte eine reiche Witwe geheirathet, welche 
einige Xinder in die Ehe brachte. 

Perdach starb im Jahre 1701 und an seine Stelle im 
Baihe der Stadt Bamberg , in welchem von jetzt an bis zur 
Säcnlarisation stets ein Apotheker sass, trat der Apotheker 
Popp auf der oberen Brücke. Perdach betrieb das Geschäft 
in seinen alten Tagen nicht mehr; er hatte dasselbe schon 
im Anfange des Jahres 1691 an den Hofapotheker Georg 
Adam Ludwig abgegeben, denn dieser erhielt in diesem 
Jahre Zahlung für verschiedene an den bischöflichen Hof 
gelieferte Medicamente , namentlich für die Pferde des Hof- 
stalles. Am 22. August 1694 aber verkaufte Perdach die 
Apotheke an den oben genannten Ludvng um 1,200 fl. frän- 
kisch, oder 1,500 fl. rheinisch, und 12 Speziestbaler Leihkauf, 
»welcher sogleich des Herrn Verkäufers Frau Liebsten erlegt 
worden.** Von dem Kaufpreise wurden 400 fl. baar erlegt, 
der Best von 800 fl. sollte in jährlichen Katen von 100 fl. 
abgetragen werden. Der über diesen Kauf ausgefertigte 
„interims recess'*, welcher von folgenden Personen unter- 
schrieben ist, nämlich 1. Jacob Perdach, des Batbs und 
ümgelter deputirter als Verkäuffer, nx. pr. 2. Georg Adam 
Ludwig, Hof- und Oberapotecker, 3. Johann Jacob Zuber, 
Oberbürgermeister, 4. Johann Langweber, Herrn Ludwigs 
Bejstandt, befindet sich im Besitze des dermaligen Eigen- 
thümers der Oberapotheke. 

In dem Steuerkataster vom Jahre 1732 ist des Hofapo- 
ihekers Georg Ludwig Witwe als Eigenthümerin der Ober- 
apotheke aufgeführt. Die „Profession" ist zu 240 fl. ver- 
anschlagt. 

Vom 10. October 1739 sind zwei beinahe gleichlautende^ 
onr in der Stylisation etwas von einander verschiedene 



158 6. ▼. Hörn, Oesohichte der Apotheken sa Bamberg. 

Urkunden vorhanden; die eine derselben ist yom Bischof 
Friedrich Karl, die andere von dem Eammerlehen- Verwalter 
Hess aasgestellt; beide sind im Besitze des gegenwärtigen 
Eigenthnmers der Apotheke. In derselben wird dem Bef- 
und Oberapotheker Johann Anton Frey das Haus, die Ober- 
apotheke genannt auf der Schutt in der Residenzstadt Bam- 
berg zu rechtem Zinslehen, so man Söhnen und Töchtern zq 
leihen pflegt, geliehen, und heisst es darin, dass er dieses 
Haus Ton des gewesenen Hof- und Oberapothekers Johann 
Michael BüU nachgelassenen Witwe und resp. seiner Schwie- 
germutter Magdalena Bull, welche dasselbe per portatorem 
bei der Kammer am 29. November 1724 zu Lehen empfangen 
hatte, unter Herauszahlung von 1,666 fl. 40 x. an seine Erbs- 
interessenten bei statt gefundener Theilung übernommen 
habe. Daraus geht hervor, dass die Witwe des Hof- und 
Oberapothekers Georg Adam Ludwig und die Witwe Magda- 
lena Bull ein und dieselbe Person ist. Wäre dies nidit der 
Fall, so müsste zwischen den Jahren 1724 und 1739 eine 
Besitzveränderung der Oberapotheke stattgefunden haben, 
und diese wäre dann in den Urkunden von 1739 erwähnt 
worden. Will man dies nicht zugeben , so liegt hier in dem 
Vortrage des Steuerkatasters und der beiden Urkunden vom 
10. October 1739 ein Widerspruch vor, der nicht zu erklä- 
ren ist. 

Anton Frey wurde 1723 nach dem Tode des Apothe- 
kers Joseph Popp in den Bath der Stadt Bamberg gewählt; 
er starb am 3. Juni 1746, aber erst am 24. April 1756 wurde 
dessen Witwe Ursula Frey mit der Oberen Apotheke belehnt. 
Die darüber von dem fürstlichen Kammerlehen - Verwalter 
Hess ausgestellte Urkunde befindet sich im Besitze des der- 
maligen Eigenthümers der genannten Apotheke. Als Lehene- 
träger für seine Mutter erscheint Gottfried Frey. Dieser 
wurde 1764 in den Bath der Stadt Bamberg gewählt In 
dem fürstbischöflichen Erlasse vom 21. November 1764 wird 
er fürstlicher Kammerdiener, Leib- und Hofapotheker geuannt 
er verwaltete damals also die Apotheke entweder als Ge- 
schäftsführer seiner Mutter, oder auf eigene Rechnung. In 



G. T. Hom, Oeschiclite der Apotheken la Bamberg. 159 

dem um das Jahr 1767 angefertigten Stenerkataster erscheint 
als Eigenthümer der Oberen Apotheke Gottfried Frey, Apo- 
theker und des Raths. Gottfried Frey starb im Jahre 1787, 
hinterliess ein sehr beträchtliches Vermögen an liegenden 
Gritem und an Kapitalien, sowie eine Witwe, Benigna Frey, 
welche die ihr zugefallene Apotheke durch einen Geschäfts- 
führer, 'Franz Bader, später Apotheker zu Burgebrach, yer- 
walten liess. 

Nach dem Tode der Witwe Benigna Frey, welche am 
B.April 1819 im Alter von 69 Jahren starb, fiel die Apo- 
theke an ihre Haupterbin und Schwester Wilhelmine Ott, in 
deren Kamen der oben genannte Franz Bader die Yerwal- 
tnng fortführte. 

Am 12. April 1831 zeigte Gottfried Prätor aus Würz- 
barg an, dass ^r die Hofapotheke in Bamberg gekauft habe, 
und dass ihn der bisherige Greschäftsfuhrer mit seinen fer- 
neren Dienstleistungen unterstützen werde. Die Eaufsumme 
betarag 32,000 fl. 

Frator blieb nicht lange im Besitze der Apotheke, er 
rerkaofte sie schon am 21. Kovember 1835 an Jacob Friedrich 
Schnck, aus Aschaffenburg, um 31,000 fl. 

Nach einer Anmerkung im Hypothekenbuche der Stadt 
Bamberg vom Jahre 1838 ist diese Apotheke in dem damali- 
gen Gewerbskataster unter der Benennung Apotheke zur 
Schwane oder Hofapotheke vorgetragen. 

1843 am 6. October kaufte Max Engerer von Kadolz- 
burg die Schwanen- oder Hofapotheke um 36,000 fl. in der 
Absicht, dieselbe sobald als möglich um einen höheren Preis 
wiederum zu yeräussem. Es fand sich auch bald ein Lieb- 
haber für diese Apotheke in der Person des dermaligen Eigen- 
thnmers derselben. Herr August Lamprecht aus Lübeck 
kaufte dieselbe im Frühjahre 1846. 

Der leichteren üebersicht wegen recapitulire ich nun die 
Reihenfolge der sämmtlichen Besitzer der Oberen-, Schwa- 
nen- und Hofapotheke und bemerke dabei, dass nur dem 
umstände, dass diese Apotheke anfangs Eigenthum des 
Bischöfe und des Stifts, dann ein Lehen der fürstlichen 



160 



6. T. Hörn, Geachiobte der Apotheken sa Bamberg. 



Kammer war, es za verdanken ist, dass die im Obigen ent- 
haltenen Kotizen, wenigstens der grösste Theil derselben, 
gegeben werden konnten. Die den Namen beigesetzten Jah- 
reszahlen geben das Jahr an, in welchen der Beweis des 
Besitzes geliefert ist. 

1. TeufTel, Hartwig, 1405, 1437. 

2. Klüpfel, Ubrich, 1453, 1455, 1489. 

3. Kotler, Hans. 

4. Wolf, Simon ans Bresslau 1495, 1530. 

5. Wolf, Wolfgang, 1527, 1530, 1545. 

6. Dennstatt, Adolph, 1545, 1556. 

7. Weinberger, Georg, 1562. 

8. Klett, Zacharias, 1567, 1570, 1573, 1587. 

9. Klett, Lorenz, 1592, 1600. 

10. Klett, Barbara, des Obigen Witwe, 1603, 1614. 

11. Ferdach, Jacob, 1653, 1678, 1694. 

12. Ludwig, Georg Adam, 1691, 1694. 

13. Riill, Johann Michael, vor 1724. 

14. Rüll, Magdalena, des Obigen Witwe 1724. 

15. Frey, Johann Anton, 1739. 

16. Frey, Ursula, des Obigen Witwe. 

17. Frey, Gottfried, 1764. 

18. Frey, Benigna, Witwe des Obigen, 1787. 

19. Ott, Wilhelmine, 1819. 

20. Prätor, Gottfried, 1831. 

21. Schuck, Jacob Friedrich, 1835. 

22. Engerer, Max, 1843. 

23. Lamprecht, August, 1846. 

Die heutige Hofapotheke, frühere Schwanen- und Ober- 
apotheke besteht mit einer kurzen Unterbrechung nunmehr 
beinahe vier und dreiviertel Jahrhunderte. Sie hatte wäh- 
rend dieser Zeit 23 Besitzer. Der ununterbrochene Beeitz 
der Hofapotheke während 4^8 Jahrhundert durch 22 Besitzer 
ist im vorstehenden nachgewiesen. Während eines 39ljäh> 
rigen Bestandes, von 1455 — 1446, hatte diese Apotheke 
21 Besitzer, es kommen demnach auf einen durchschnittlich 
21 Jahre 9V3 Monat 






KeptnniiUD, ein neuei Metall. 161 

Nachdem die Inhaber und Eigenthümer der Oberen, 
Schwanen- und Hofapotheke im Obigen aufgefohrt worden 
sind, mösBen im Folgenden auch die Baulichkeiten , Einrieb- 
lungen nnd der Betrieb des Geschäftes in einigen Betracht 
gezogen werden. 

Die oft^enannte Apothekenbehausung, welche seit dem 
Jahre 1804 mit der Haus -Nummer 1189 bezeichnet ist, erhebt 
sich an der Ecke der Karolinenstrasse, früher Schutt, Schütte 
genannt^ und der Bingleinsgasse, am Fusse des Domberges, 
gerade da wo die zum Dome hinauf führende Karolinenstrasse 
zü steigen beginnt Sie besteht aus zwei zu einem Hause 
vereinigten Häusem, von welchem die untere Hälfte, das 
ursprüngliche Eckhaus, die alte Obere Apotheke ist. Das 
Haus stand nnd steht noch von drei Seiten frei, gegen Sü- 
den und Osten die Karolinenstrasse oder Schutt und das Ring- 
leinsgässchen y ^egen Norden das jetzt mit einer Mauer und 
einem Thore abgeschlossene Höflein, welches in den alten 
Urkunden als das Grässlein zwischen dem Apotheken- und 
dem Garten- nnd Hofraume des Aufsees'schen u. s. w. Dom- 
hermhofes, noch früher der Behausung zum goldnen Kreuz 
bezeichnet wird. 

(ForteetitEUig im näebsten Heft.) 



B. Monatsbericht 



Neptuniom, ein neues Metall« 

i Untersuchungen üher die Verbindungen der Metalle 
der Tantalgmppe fand KHermannein neues, dieser Gruppe 
angehörendes Metall;^ welches er Keptunium genannt hat. 
Es findet sich in Gestalt von Neptunsäure zu Haddam (ver- 
einigte Staaten) in Mineralien yon der Form des Golumbits 
und als Vertreterin von Säuren der anderen Metalle der 
Tantalgmppe — Tantal, Niobium, Umenium und Neptunium. 
Mit dem Tantalfluoride theilt das Neptunfluorid die Eigen- 
schaft^ dass kochende Lösungen dieser Fluoride mit über- 

Arck. d. Phann« XII. Bdi. 8. Hoft. 1 1 



162 Ein neues Metall DaTjum. 

schüssigem Natronhydrat amorphe MederscUäge bOden, die 
Ton kochendem H^O nicht gelöst werden. Dadurch luiter- 
scheidet eich das Neptunium von Niobium und Ilmeniuffl,' 
deren verdünnte Fluoride mit kochendem überschüssigem I^a- 
tronhydrat krystallinische Niederschläge von Natronsalzen 
geben, die von 25 Theilen kochenden H^ vollständig gelost 
werden. Yom Tantal unterscheidet sich das iNeptunium 
besonders dadurch, dass sein Fluorid mit EFl eine leicht 
lösliche Yerbindung bildet, während das Kalium — Tantal- 
fluorid 200Theile H«0 von 10<> zur Lösung braucht Auf 
diesem verschiedenen Verhalten beruht die Scheidung des 
Neptuniums von den anderen Metallen der Tantalgruppe. 
Sein Atomgewicht ist 118. Im metallisch glänzenden Zu- 
stande hat Verfasser das Neptunium bis jetzt nicht erhalfceii, 
da es ihm an Material fehlte. {Journal /. pract. Ckemie. 
Bd. 15. S. 105.) ai 



Ein neues Metall Daryom. 

Serge Kern behandelte Flatinmineralien nach der 
Bunsen^schen Trennungsmethode und erhielt durch Erwärmen 
der bei der Trennung von Rhodium und Iridium bleibenden 
Mutterlaugen mit einem üeberschuss von Ghlorammoniam 
und Ammoniumnitrat einen dunkelrothen Niederschlag, der in 
der Bothglühhitze eine dunkelgraue, dem Plätinmohr ähnliche 
Masse hinterliess. Durch Schmelzen im Knallgasgebläse nahm 
diese Masse das Aussehen von Silber an. 

Der Verfasser hat diesen Körper als ein neues Metall 
aus der Flatingruppe erkannt und dem Grelehrten Davy kq 
Ehren Davyum getauft. 

Dasselbe hat das spec. Gew. 9,385, wird leicht von 
Königswasser, dagegen nur sehr schwach von kochender 
Schwefelsäure angegriffen. Kalihydrat giebt mit den Lösun- 
gen des Davyums einen gelben, Schwefelwasserstoff in sau- 
rer Lösung einen braunen, nach dem Trocknen schwarzen 
Niederschlag. Es hat mit dem Eisen die Rhodankaliumreac- 
tion gemein, d.h. es giebt damit eine rothe Färbung, in 
concentrirter Lösung jedoch zum Unterschiede vom Eisen 
einen rothen Niederschlag. {Journal de Pharmacie d äe 
Chimie. IV. S6rie. Tome XXVI pag. 242 bü 245.) 

Dt. E. ä 



Temp. d. Sonne. — Einfl. d. Druckes. — Zosanunfi. gelöst. Öalze n. Sanren. 163 

Temperatur der Sonne. 

Sehr im Widerspruch mit der sonstigen Annahme colos- 
8aler Temperaturgrade der Sonnenoberfläche sind die von 
VioUe aus langen Beobachtungen und Berechnungen gezo- 
genen Kesnltate. 

Nach Oun ist der absolute Werth der Sonnenwärme- 
straUungsintensität an der Grränze unserer Atmosphäre gleich 
2,54, d. h. die dort per Minute auf einen Quadratcentime ter 
Oberfläche fallenden Wärmestrahlen würden hinreichen, um 
die Temperatur von einem Gramm Wasser um 2,54^ C. zu 
erhöhen. Von der Gränze der Atmosphäre bis zu unserer 
Erdoberfläche findet eine Abschwächung der Strahlungsinten- 
sität statt, deren Grösse abhängt von dem Luftdruck, von 
der Menge des Wasserdampfes, von der vertikalen Höhe des 
Beobachtnngsortes, von der Höhe* der Luftsäule, welche 
dorcliBtrahlt wird. Sowohl aus actinometrischen Messungen, 
wie durch vergleichende Beobachtungen in einem auf hoho 
Temperaturen gebrachten abgeschlossenen Baum berechnet 
sich die wahre mittlere Temperatur der Sonnenoberfläche auf 
2500® C. {Annales de Chimie de Physique. 5. S6riti. Tome X. 
pag, 289). Dr. G. V. 

Einflnss des Druckes auf chemische Beactlonen. 

Berthelot findet seine schon vor geraumer Zeit aus- 
gesprochene Ansicht, dass die chemische Action zwischen 
zwei Körpern durch grossen Druck nicht aufgehoben, son- 
dern nur verlangsamt wird, durch Versuche von Quinke 
bestätigt Diese Versuche zeigen, dass die Einwirkung von 
Schwefelsäure auf, Zink auch in geschlossenen Gefassen eine 
unbegrenzte ist und dass dabei das entstehende Wasserstofi*- 
gas in der Weise gespannt wird, dass es in den ersten 
Tagen einen Druck von l^g bis 10 Atmosphären, in 5 Mona- 
ten einen solchen von 27 bis 54 Atmosphären, in 17 Jahren 
einen Druck bis zu 126 Atmosphären ausübt. (BtUL de la 
Soc. Chim. de Parü. Tom. XXVII. No. 8. pag. 347,) 

Dr. R K 



ZnsMnmensetznng gelSster Salze und SSuren. 

Heber die Znsammensetzung der in Wasser gelösten 
Säuren und Sake, besonders der mehrbasischen oder wenn 

11* 



164 Baratellang von Jodwassexstofisäitre. 

mehrere Salze gleichzeitig in Wasser gelöst sind, ist es nicht 
leicht eine bestimmte Behauptung aufzustellen. 

Berthelot und Longuinine kamen bei dem Stadium 
der Zusammensetzung der phosphorsauren Salze zu dem 
Schlüsse, dass die 3 Aequivalente Basis, die sich nach einan- 
der nüt der Fhosphorsäure yereinigen, von versdiiedener 
Bedeutung sind. Das erste Aequivalent yergleichen sie mit 
der Basis der Nitrate, oder der Chloralkalien, das zweite mit 
der der Garbonate und Borate, das dritte mit der Basis der 
Alkali -Alkoholate; sie sagen ferner, dass diese drei Aequiva- 
lente mit yerschiedener und ungleicher Kraft mit der Pbos- 
phorsäure vereinigt sind. Das Streben der Phosphorsaare, 
sich mit Basis zu vereinigen, erstreckt sich bei den alkali- 
schen Erden über die 3 Aequivalente hinaus, wir sehen dies 
an den basischen Verbindungen mit diesen Körpern. Sie 
kommen dadurch zu der Annahme, die Phosphorsäure ist 
eine einbasische Säure mit gemischter Function. Analogie 
zeige in dieser Beziehung die Salpetersäure, die Chlor- und 
Jodsäure und in noch ausgesprochenerer Weise die üebe^ 
jodsäure, welch letztere Salze bildet mit 1 Aeq. Säure und 
1 Aeq. Basis, solche mit 1 Aeq. Säure und 2 Aeq. Basis und mit 
5 Aeq. Basis. Alle diese Säuren werden gewöhnlich als ein- 
basische bezeichnet. Man kann diese Verschiedenheiten am 
besten erklären durch die Annahme der gemischten Functio- 
nen, eine Theorie, die durch die organische Chemie wach- 
gerufen vnirde. (Bull, de la Soc. Ckitn. de Paris. Tom, 
XX VII No. 8. pag.338—346.) Dr. K K 



Darstellung Ton JodwasserstoffsBure. 

Kolbe macht darauf aufmerksam, dass verschiedene 
Lehrbücher der Chemie (z. B. Fittig, von Richter und Boscoe- 
Schorlemer) zur Darstellung von Jodwasserstoffsäure eine 
unbrauchbare Methode empfehlen. Das vorgeschlagene Ge- 
misch von Jod, Wasser und amorphem Phosphor enthält zu 
viel Wasser und zu viel Jod. Beim Erhitzen geht mit viel 
H* und wenig HJ freies Jod über. Kolbe empfiehlt die 
bekannte Methode, die darin besteht, dass man in eine mit 
CO« gefüllte Retorte zu 10 Theilen Jod nach und nach 1 Theil 
gewöhnlichen Phosphors in kleinen Stücken einträgt und 
das nachher noch kurze Zeit erhitzte Gremisch von Zwei- 
fach- und Dreifach -Jodphosphor nach dem Erkalten mit 



Jodtriefalorid. 165 

« 

4 Theilen H' O übergiesst. Bei gelindem Erw^ärmen ent- 
weichen Ströme jodfreier Jodwasserstoffsäure. {Joum. f, 
pmt. Chem. Bd. 15. S. 172.) C. J. 



Jodtrichlorid. 



Zur' Xenntniss des JGl' theilt A. G. ChriBtomanos 
Folgendes mit. 

Durch Darüberleiten von trocknem Chlorgas über fein 
zertheütes Jod bekommt man nur eine gelbe Decke von 
Trichlorid, die das überschüssige Jod zum Theil einhüllt, und 
selbst wenn dies unter fortwährendem Schütteln geschieht, 
erhalt man zwar ein dem Aussehen nach rein gelbes Pro- 
dnct; nach einigen Tagen aber setzt sich dasselbe von selbst 
zu flüssigem, braunen Monochlorid um, ohne dass Chlor frei 
wird. Bei der ersten Einwirkung des Chlors bildet sich 
nemlich sogleich flüssiges Monochlorid ; dieses hüllt das innen 
befindliche Jod mit einer schützenden Decke ein und nur 
das Jodmonochlorid wird bei weiterer Einwirkung des Chlor- 
gases in gelbes Trichlorid yerwandelt. Befindet sich nun 
zwischen dem Jodkeme und der äusseren Trichloridlage eine 
Termittelnde Schicht von JCl, so verändert sich in geschlos- 
senen Geissen und bei Abschluss von Feuchtigkeit das JCP 
nicht; kommt aber Jod mit JCl' in directe Verbindung, so 
bildet sich JCl: 2J + JCl« = 3 JCl, in welchem das etwa 
noch überschüssig vorhandene Jod unangegriffen verbleibt. 

Ein reines und ganz jod&eies Trichlorid erhält man 
nach Christomanos auf folgende Weise: Vollkommen trocke- 
nes Jodjwasserstoffgas, erhalten durch gelindes Erhitzen eines 
breiigen Gemenges von amorphem Phosphor, etwas Wasser 
nnd der allmählig hinzugebrachten zehnfachen Gewichtsmenge 
Jod in einer tubulirten Glasretorte und Hindurchleiten des 
Gases durch eine Trockenröhre mit CaCl*, wird direct in 
tiefe Cylinder mit Chlorgas geleitet. Bei der ersten Berüh- 
rung der beiden Gase bildet sich augenblicklich, aber vor- 
übergehend, ein weisser, dichter Rauch (HCl), in welchem 
^iMählige, goldgelbe Trichloridflimmerchen hin und her wo- 
gen. Ist der Gasstrom kräftig und lufkfrei und auch das 
Chlor im Cylinder sorgfaltig gesammelt, so entzündet sich 
rcgehnässig der Jodwasserstoff im Chlorgase. Hierbei schei- 
det sich das Jod als violetter Dampf aus, verbindet sich mit 
Chlor EU goldgelb glänzenden Trichloridkrystallen, während 



166 Schwefel in Essigsäure. — Sulfurylchlorid. 

der Wasserstoff im noch überschüssigen Joddampfe mit glü- 
hend rother Flamme verbrennt. Die Reaction bietet ein 
glänzendes Schauspiel dar. Bleibt die Entzündung des HJ 
aus, 80 braucht es vor seinem Eintritt in das Chlor nur 
erwärmt zu werden, etwa durch Erhitzen der Mündung des 
Gasleitungsrohres durch eine Gasflamme. 

Das feste, citrongelb gefärbte JCl' ist sehr zersetzbar, 
nur in einer Atmosphäre von trocknem Chlorgase lässt es 
sich beliebig lange bei gewöhnlicher Temperatur aufbewah- 
ren. An der Luft verflüchtigt es sich merklich, selbst bei 
— 12® noch. Es ist in H*0 löslich, durch siedendes wird 
es zersetzt in Chlor und rothbraunes, sich lösendes JCl. 
Zwischen den Fingern verrieben oder auf die Haut gebracht, 
trocknet es dieselbe energischer als Jodtinctur ein und be- 
wirkt ihre Abstreifung. (Ber, d. deutsch, ehem. Ges. X, 
434.) a /. 



LSsnng Yon Schwefel In Essigsäure. 

L. Liebermann fand, dass sich Schwefel in nicht 
unbeträchtlicher Menge in warmer concentrirter Essigsäure, 
spurenweise aber auch in massig verdünnter löst. Verdüimt 
man solche Lösungen mit Wasser, so fällt der Schwefel als 
Milch aus, verdunstet man sie unter der Bunsen'schen Pumpe, 
so bleiben schöne, lange Schwefelprismen zurück. Auch 
beim Erkalten der Lösung krystallisirt der Schwefel aus. 
{Ber. d, d. ehem. Ges. X, 866) C. J. 



Salfurylchlorid. 

P. Bohrend studirte das Verhalten des Sulfurylchlo- 
rids SO^Cl* gegen Alkohole. Man stellt es bequem dar, 
indem man reines Sulfuryloxychlorid, welches man leicht 
durch Einwirkung von HCl auf Schwefelsäureanhydrid erhält, 
in Röhren einschmilzt und einen Tag lang im Paraffinbade 
auf 200 — 210® erhitzt. Aus dem Röhreninhalt erhalt man 
durch fractionirte Destillation fast reines SO* Cl*. Um es von 
kleinen Mengen SO* , OH . Cl und SO* zu trennen, giesst 
man es auf einen mit Eisstückeben gefüllten Scheidetrichter, 
wodurch diese momentan zersetzt werden, während SO* Cl* 
kaum angegriffen wird und nur etwas getrübt als schwere 
Oelschicht zu Boden sinkt. Wird im Exsiccator über P*0* 



Xm, 



Solfnrylchlorid. 167 

getrocknet und nochmal aoB dem Wasserbade destUlirty 
so geht 68 oonstant bei 70^ als eine wasserhelle, an der 
Laf schwach raachende Flüssigkeit über. Mit Wasser zer- 
setzt es sich allmahlig in Schwefelsäure und Salzsäure: 
80«C1* + 2H«0 « H«SO* + 2HCI 

IHe Einwirkang von Sulfurylchlorid auf Aethylalkohol, 
wobei zu einer abgewogenen Menge reinen SO' Gl* durch 
einen mit Hahn versehenen Trichter langsam die äquivalente 
Menge Alkohol zugetropft ¥rurdey verlief unter äusserst 
heftiger Reaction nach folgender Gleichung: 

S0«C1» + C»H5 0H « 80« ci^*^^ + HCl. 

Es bildet sich also neben Salzsäure Aethylschwefelsäure- 
Chlorid. 

Wesentlich anders gestaltet sich der Frocess, wenn man 
umgekehrt das Sulfurylchlorid zum Alkohol tropfen lässt, wenn 
also dem SO'Cl* stets ein Ueberschuss von Alkohol geboten 
wird. Der überschüssige Alkohol wirkt sowohl auf das 
Aethylschwefelsäurechlorid als auch auf die entstehende Salz- 
^Äare ein. Mit ersterem bildet er neutralen Schwefelsäure- 
•ither: 

^*cf *^* + C*H^OH «= SO«^^!^» + H^*' 

mit der Salzsaure Chloräthyl, welches entweicht. 

Mit Wasser zersetzt sich das Aethylschwefelsäurechlorid 
in Aethylschwefelsäure und Salzsäure: 

SO»g{^'^* + H«0 « 80«Qg *^* + HCl. 

Wie auf Aethylalkohol, wirkt S0»C1« auch auf Methyl- 
alkohol ein, nur ist die Beaction noch heftiger, wogegen seine 
Einwirkung auf Isobutylalkohol weit weniger lebhaft ist. 
Die Producte sind analog der Einwirkung auf Aethylalkohol. 
Bei der Einwirkung von Aethylschwefelsäurechlorid auf Me- 

OC* H* 
thylalkohol erhält man den gemischten Aether SO* qqus y 

«ierselbe zerfallt mit H'O momentan in Aethylschwefelsäure 
md Methylalkohol: 

^*OCH?* + H'O « 80* g^*^* + CH'OR 

Denselben gemischten Aether erhält man umgekehrt 
auch durch Einwirkung von Methylschwefelsäurechlorid auf 
AethylalkoboL Er ist ndt Alkohol und Aether in jedem 
YeihäUnisse mischbar. 



168 Die Oxydation der Sohwefelmetalle. 

Yerfasser stellte auf analoge Weise noch den Schwefel- 
säureäthylbutyl- und den Schwefelsäuremethylbutyläther dar, 
die in ihren physikalischen Eigenschaften obigem Aether 
ganz ähnlich sind und sich mit Wasser in Butylschwefelsaure 
und Aethylalkohol beziehungsweise Methylalkohol zersetzen. 
(Joum. f. prad. Chem. Bd. 15. S. 23) C. l 



Die Oxydation der SehirefelmetaUe. 

Glermont und Guiot haben die Oxydirbarkeit ver- 
schiedener Schwefelmetalle näher untersucht und dabei gefan- 
den, dass wenn man frisch gefälltes und gut ausgewaschenes 
Schwefeleisen stark drückt und zwischen den Fingern zerreibt, 
eine so energische Oxydation stattfindet, dass ein eingehal- 
tenes Thermometer bis zu 50^ C. steigt und gleichzeitig 
Wasserdämpfe auftreten. 

Stellt man denselben Versuch mit dem Schwefelnickel 
an, so hat man dieselbe Erscheinung, nur erscheint die Oxy- 
dation noch rapider, die Temperatur steigt bis auf 60^0. 
und man beobachtet ebenfalls das Auftreten von Wasser- 
dämpfen. 

Die Oxydation von Schwefelcobalt, Schwefelkupfer und 
Schwefelzink geht nicht so lebhaft vor sich, um diese auf- 
fallende Wärmeerscheinung zu veranlassen. 

Von dem rosafarbigen Mangansulfid weiss man, wie 
leicht es sich oxydirt, wenn man es auswäscht oder bei 100^ 
trocknet. Eocht man dasselbe längere Zeit mit einer Lösung 
von Chlorammonium, weinsaurem Ammoniak oder irgend 
eines Ammoniaksalzes, so kann es von der Flüssigkeit getrennt 
und vollkonmien getrocknet werden, ohne eine Spur von Ver- 
änderung zu erleiden. 

Das grüne Sulfid giebt hierbei keine so guten Resultat«, 
es oxydirt sich beim Trocknen stets an den der Luft aus- 
gesetzten Stellen. 

Trocknet man gut ausgewaschenes fleischfarbiges Mau- 
gansulfid zwischen Löschpapier im luftverdünnten Räume 
über concentrirter Schwefelsäure und bringt man dasselbe 
nach 3 Tagen mit dem atmosphärischen Sauerstoff in Berüh- 
rung, so findet eine so lebhafte Oxydation statt, dass das 
Sulfid glühend wird und das Papier verbrennt. Es entweicht 
schweflige Säure und Mangansulfat und braunes Manganoxjd 
bleiben zurück. Dieses Phänomen, das von dem feinzertheilten 



^ ^ 



Einwirk. trocbier Smlssänre auf Sulfate. — Fester Schwefelkohlenstoff. 169 

Kalinmsulfid , dem Gray - Lussac'scben Pyrophor schon lange 
bekannt ist, tritt jedoch nur ein, wenn man das Mangansuliid 
M sorgfaltig gewaschen hat, dass es vollkommen frei von 
Mangansalz und von Schwefelammonium ist. (Bulletin de la 
9oeiH6 ckmique de Paris. Tom. XVIIL No. 2. p, 55 
bis 57.) Dr. E. Ä 



Elnwirkimg troekner SalzsSure auf Sulfate. 

Im weiteren Yerlanf seiner Arbeit berichtet G. Hens- 
gen über obigen Gegenstand: 

Wasserfreies Magnesinmsulfat Mg 80^ lässt sich erst 
bei anfangender Rotbgluth durch trocknen HCl zersetzen. 
Die Temperatur darf nicht weiter erhöht werden, da sonst 
ein grosser Theil des entstehenden MgCl' mit yerdampfl. 

Dagegen geht die Einwirkung von Salzsäuregas auf 
MgSO* + 7H*0 schon bei gewöhnlicher Temperatur vor sich. 
Die Erystalle schmelzen zu einer klaren Flüssigkeit, und 
diese scheidet nach einiger Zeit unter fortwährender starker 
Absorption von HCl ein Krystallpulver aus. An gewöhn- 
licher Luft zerfliesst die Masse unter Entwicklung von Salz- 
sanredämpfen und krystallisirt nach einiger Zeit wieder voll- 
standig in grossen Erystallen. 

Trocknet man den Krystallbrei über H*SO*, so erhält 
man nach einigen Tagen ein zartes, weisses Pulver von 
MgSO*. Nach dem Verfasser findet bei Einwirkung von 
HCl auf Bittersalz (MgSO* -f 7 H« 0) keine Zersetzung statt, 
vielmehr erklärt er den Vorgang folgendermaassen : Bei der 
Einwirkung von HCl auf MgSO* -f- 7H*0 sättigt sich zuerst 
das Krystallwasser mit HCl, wobei zu Anfang das Sulfat, so 
lange die entstehende wässerige Salzsäure nicht zu concen- 
trirt ist, in Lösung geht, dann aber in dem Maassc, als die 
Concentration zunimmt, wieder Sulfat abgeschieden wird. 
{Ber. rf. deutsch, ehem. Ges. X, 258.) C. J. 



Fester Schwefelkohlenstoff. 

Werden nach Mercier eintrocknende Oele, besonders 
Leinölfimiss mit geringen Mengen SCI behandelt, so gehen 
dieselben in kurzer Zeit in eine feste, schwefelhaltige, elasti- 
sche und vollkommen durchscheinende Masse über. 



170 Direote Verbrennung des Stickstoffi. 

Flüchtige Flüssigkeiten wie Schwefelkohlenstoff, Benzin^ 
Petroleum, welche in den Oelen löslich sind, in dem Augen- 
blick der Mischung derselben zugesetzt, yerhindem das Fest- 
werden der Oele nicht; im Gegen theil, sie werden Ton den- 
selben eingeschlossen, um nur langsam wieder zu entweichen. 

Die Mischung kann an 70% ^^^ aufnehmen, ist als- 
dann schleimig und dem Quittenschleim ähnlich. Beim 
Anzünden verbrennt der CS^ allein und das geschwärzte Oel 
bleibt zurück. Bei 160^ schmilzt es zu einer schwarzen 
Masse, welche sich schwer entzündet. 

Je nachdem dem Oel mehr oder weniger SCI zugesetzt 
wird, färbt sich die Masse dunkel, erhitzt sich, verliert CS* 
und nimmt ein homartiges Ansehen an. In diesem Zustande 
ist die Masse zerbrechlich, lässt sich zwischen den Fingern 
zu Pulver zerreiben und verliert den grössten Theil sei- 
nes CS« 

Ist zum Festwerden der Oele weniger als 10 % SCI 
genommen worden, so entsteht eine klebrige Masse, welche 
den eingeschlossenen Schwefelkohlenstoff nur schwer verliert. 

Eine Mischung, welche 70% CS« enthält und 20 Ctm. 
tief in die Erde vergraben wurde, verlor in weniger als 2 Tagen 
50 7o seines Gewichts, dann 59 % in 3 Tagen. Die Masse 
theilweise undurchsichtig geworden, war poröser und schien 
noch CS« abgeben zu müssen. Dieselbe Mischung im Labo- 
ratorium aufbewahrt, verlor nach 24 Stunden 24 7o i ^^^ 
48 Stunden 26% und nach 72 Stunden 27% seines Gewich- 
tes, dabei wurde die Masse härter, ohne undurchsichtig zu 
werden. 

Wirkt SCI auf Oele ein, so bildet sich HCl, welche 
man sättigen kann im Augenblick, wo man die Mischung 
macht, wenn 10 % gelöschter Kalk zugesetzt werden. (Äf- 
perioire de Pkartnacte. No. 10. Mai 1877, p. 29i.) Bl, 



Directe Verbrennung des Stickstoffs. 

Taucht man nach H. Kämmerer ein etwa 30 — 40 cm. 
langes brennendes Magnesiumband in einen mit Luft gefüllten 
Cylinder, so verbrennt dasselbe darin sehr rasch, und man 
bemerkt darauf in dem Cylinder den intensiven Geruch des 
Stickstoffdioxydes, nachdem sich das gebildete MgO abge- 
setzt hat, auch dessen eigenthümliche Färbung. Auch durch 
Ausschütteln des Cylinders mit essigsaurer Jodkaliumlösung 



ünterwdpetrige S&ure. 171 

Iä«5t sich das gebildete UO^ durch die von dem ausgeschie- 
denen Jod bewirkte Braunfarbung und die auf Zusatz von 
^tarkelösung eintretende Bläuung anschaulich machen. {Btr, 
l d. ehem. Ges. X, 168i.) C. J. 



Untersalpetrlge SSure. 

Vor verschiedenen Jahren theilte E. Divers Untersuchun- 
gen mit (Ber. ehem. Ges. IV, 481) über die Producte der 
Einwirkung von Natriumamalgam auf Alkalinitrate. Er erhielt 
dadurch eine Flüssigkeit, die mit Essigsäure neutralisirt durch 
AgSO^ einen gelben Niederschlag gab, der nach Divers die 
Zu^^ammensetzung AgNO haben sollte. 

J. D. van der Flaats hat diese Untersuchung von 
nenem aufgenommen. 

Darstellung des untersalpetrigsauren Silbers. Kalium- 
nitrit wurde im dreifachen Gewichte Wasser gelöst, diese 
Lösung 80 lange mit Natriumamalgam versetzt, bis es nicht 
mehr oxydirt wiard, dann mit Essigsäure neutralisirt und 
darauf mit AgNO* gefällt. Der entstandene Niederschlag 
ist ein Gemenge von Silberacetat und Silberhyponitrit; das 
er<te wird unter dem Einfluss des Lichtes bald zersetzt; 
Ter^etzt man dann den Niederschlag mit verdünnter H^SO*, 
PO bleibt Ag* O zurück, und löst sich nur das unter salpetrig- 
^anre Silber, welches aus seiner Lösung durch Neutralisation 
mit H' N als schön gelbes Pulver fällt. Man erhält auf diese 
Weise aus 40 g.. KNO* nur etwa 6 g., also noch nicht Vio 
der theoretischen Menge; Versuche auf anderem Wege 
untersalpetrigsaure Salze zu erhalten, blieben erfolglos. Die 
Analyse ergab die Zusammensetzung AgNO. AgNO ist ein 
amorpher, nicht hygroskopischer Körper von blassgelber 
Farbe, wird durch das zerstreute Licht nicht zersetzt und 
l^\ in Wasser unlöslich. Beim Glühen hinterbleibt reines 
>^ilber. Ln verdünnter H* SO* und HNO' ist es leicht löslich 
und wird durch Neutralisation wieder vollständig gefällt. 

Am leichtesten erhält man die freie untersalpetrige 
Säure durch Zersetzung des Silbersalzos mit HCl. Man 
versetzt das in Wasser fein vertheilte Salz mit soviel HCl, 
das« noch ein geringer Ueberschuss der Silberverbindung 
ijiungegriffen bleibt. Sie ist im Filtrat enthalten, ziemlich 
beständig, giebt mit AgKO* einen gelben Niederschlag. AU- 
mäblig zersetzt sie sich, und nach ein bis zwei Wochen ist 



172 SalpeterbilduDg durch organiseho Fennente. 



nur noch eine Spur Säure übrig geblieben. Wahracheinlicli ^ 
zersetzt sich die untersalpetrige Säure in Stickstoffoxydnl j 
und Wasser: I 

. 2HN0 « H«0 + N«0. ! 

Die freie Säure wird durch conc. H* SO* in Wasser uud I 
reines Stickstoffoxydnl zerlegt. Ob die Formeln der beepro- , 
ebenen Verbindungen sind: 

H N undAg N oderH 

N = =*0 und Ag N = =*0, lässt sich bis jetzt nodi ■ 

nicht beantworten. (Ber. d. deutsch, ehem. Ges. X, 1507.) 



SalpeterMldnng darch organische Fermente. 

Der Salpeter ist, er mag sich finden wo er will, ent- ; 
standen durch Verbrennung von Ammoniak, dies ist tm . 
längst bekannte Ansicht aller Chemiker. Viel weniger kkr 
ist man sich dagegen über den Chemismus bei diesem Ter- 
brennungsprocess, indem die Salpeterbildung bald erklärt wird 
als das Froduct einer rein chemischen Action zwischen d^ 
Sauerstoffgase und den Stickstoffverbindungen, bald als bedingt . 
durch die intermediäre Mitwirkung gewisser Fermente. 

Seh lös sing und Munty gingen auf diese Frage 
näher ein und stellten gestützt auf ihre Beobachtung, da$^ 
Chloroformdampf auf alle organisirten Fermente tödtend wirkt. 
während er die gelösten unberührt lässt, Nitrificationever- , 
suche an. 

Sie fanden dabei , dass die Salpeterbildung in der Tbat 
eingeleitet und unterhalten wird durch ein- organisirtea Fer- , 
ment und dass sie zum Verschwinden gebracht wird, weim j 
man in dem Medium, in dem sie stattfindet, auch nur Spuren 
von Chloroformdampf entwickelt. 

Es erübrigt nur noch, die salpeterbildenden Organismec 
aus dem kalkhaltigen Sand, in dem die Versuche yorgenom- 
men wurden, zu isoliren und man ist auch der Entscheidunf 
der Frage über die Salpeterbildung erheblich näher getreten 
Dass eine derartige Entscheidung eine Bolle spielt bei der 
Reinigung übelriechender oder überhaupt unreiner Wasser 
liegt auf der Hand, indem ja der Salpetergehalt eines Wal- 
sers als directer Maassstab dient für die Schädlichkeit eines 
Wassers. {Joum, de Pharm, et de Chimie. IV. Sorte. Tome 25. 
pag. 381 — 384.) Dr. E. H. 



Oxjr^ation d. SdekitoffB dnrch Oson. — Salpeters. Ammoniak. 173 

Wird freier Stfekgtdff in Gegenwart alloilisclier 
Sabstanzen durch Ozon oxydirt? 

Schönbein giebt in einer Denkschrift über das Ozon vom 
Jahre 1849 an, dass sich das Ozon bei Gegenwart eines 
Alkalis nnter Bildung yon salpetrigsaurem Salz mit freiem 
Stickstoff Tereinige und dass diese Oxydation die Hauptquelle 
für die natürliche Salpeterbildnng sei. Er operirte bei sei- 
nen Yeranchen nüt Ozon, das durch langsame Oxydation 
von Phosphor und nachheriges Waschen erhalten war. 

Diese Versuche unterwarf Berthelot einer sehr sorgfalti- 
gen Prüfnngy wobei er die von ihm erkannten Fehlerquellen 
bei dem Verfahren Schönbein's yermied und zu dem Resul- 
tate kam, dass sich bei der langsamen Oxydation des Phos- 
phors durch die Lufc Spuren von salpetriger Säure bilden, 
dass es jedoch unrichtig sei, dass freier Stickstoff durch Ozon 
bei Gegenwart eines Alkalis oxydirt werde. Die Spuren von 
Nitrit, die Schönbein nachgewiesen, müssen in dem von ihm 
benntzten Ozon praeexistirt haben. {Journal de Pharm, et 
de Chimie, IV. Sörie, Tom. 26. pag. 241—244.) 

Dr. E. H, 



üeber salpetersaares Ammoniak. 

Die zur Gewinnung von Stickoxydul benutzte Zersetzung, 
welche das Salpetersäure Ammoniak durch Erhitzen erleidet, 
ist so bekannt, dass es überraschen muss, von Berthelot 
zu erfahren, dass das genannte Salz sich unter Beobachtung 
geeigneter Voreicht wenigstens zu einem grossen Theile 
unzersetzt sublimiren lässt. 

Wird salpetersaures Ammoniak in einer Schaale, welche 
^n der Ton der Benzoesäurebereitung auf trockenem Weg her 
bekannten Weise mit Filtrirpapier überdeckt ist, langsam 
aaf eine 190* nicht übersteigende Temperatur erhitzt und 
^ere Zeit auf dieser erhalten, so findet sich nach dem 
Erkalten nicht nur die untere Seite des Filtrirpapiers mit 
einer reichlichen Menge von unzersetzt sublimirtem salpeter- 
baorem Ammoniak überzogen, sondern auch Glasscherben 
zeigen sich yon solchem bedeckt, welche man in einen über 
die Schaale gesetzten unten offenen Glascylinder gebracht 
^&tte. {JbmaUs de Ckimie et de Biysique. 6. S6rie. Tome X. 
P^' 3S2.) Dr. G. F. 



1 74 Salpetr. Alkalien. — BoraxTorkommen. — Kalksulfat u. d. Alkalisolflate. 

Salpetrigsanre Alkalien 

stellte man bisher dar, entweder durch Absorption salpetri- 
ger Säure durch Alkalilösung oder durch doppelte Zersetzang^ 
des salpetrigsauren Bleioxyds mit dem Garbonate des ge- 
wünschten Alkalis. 

Etard giebt eine etwas bequemere Darstellungsmethode 
an, die darauf beruht, dass schwefligsaure Salze beim Zu- 
sammenschmelzen mit SFitraten in schwefelsaure Salze über- 
geführt werden, während gleichzeitig salpetrigsanres Salz 
entsteht. Da nur dieses letztere in Alkohol löslich ist so iat 
eine Trennung der beiden Salze vermittelst Alkohols leicht 
auszuführen. 

KNO» + K«80» - K«80* + KNO«. 

(Bull, de la Soc. Chim. de Paris. Tome XX VII. No. 10. 
pag. 43i u. i35.) Dr. E. Ä 



BoraxTorkommen. 

Eine neue Quelle für Borax hat sich in Califomien auf- 
gethan. In der Nähe des Coloradoflusses findet sich ein 
18 engl. Meilen langer und 8 Meilen breiter ausgetrockneter 
See, dessen Boden bedeckt ist mit Lagern yon Kochsalz, 
schwefelsaurem Natron und Borax. Auch findet sich borsau- 
rer Kalk darin. Zwei amerikanische Gesellschaften betrei- 
ben zur Zeit die Ausbeutung und Reinigung des Borax. 
{The Pharmao. Jounu and Transad. Third Ser. March 1877. 
p. 7i3. Vergl. Bd. 211. S. 395.) Wp. 



Ealkanlfat und die Alkallsnlfate. 

Ditte stellte durch üebergiessen von Gyps, sowohl des 
gebrannten wie ungebrannten, mit einer kalt gesättigten Lö- 
sung eines AlkalisalzeB verschiedene krystallisirte Kalkdop- 
pelsulfate her, so das mit Kali nach der Formel: 

Ca SO* + K«80* -I- H«0, 
femer das Bubidiumdoppelsalz 

2CaS0* + Rb«SO* + 3H«0 
und die Ammoniumverbindung 

CaSO* + (NH*)«.SO* + H«0. 



Zenetsimg dei Barjruadiozyd. — Zenetenng ron Kalialaun. 175 

Mit den Snlfaten des Natriums, Lithiums, Hagnesimns 
und ThaUiums gelang es Ditte nicht, Doppelsalze mit G-yps 
henasteUen. {Bulletin de la 8oci6t6 chtmique de Paris. 
Tome XVUL No. i u. 5. pag. 159 u. 160) Dr. E. JBL 



Zersetzung des Baryuiadloxydes Im luftleeren 

Baume. 

ILBoussingault beschäftigte sich schon yor 20 Jah- 
ren eingehend mit dem Problem, den Sauerstoff für gewerb- 
liche Zwecke in grösserem Maassstabe aus der atmosphäri- 
schen Luft herzustellen. 

Er kam wieder auf dieses Thema zurück und fand beim 
genaueren Studium des Verhaltens der Oxydationsstufen des 
Baryums zur Wärme unter dem Atmosphärendruck und im 
Inftrerdünnten BAume folgendes interessante Resultat. 

Das Monoxyd des Baryums verdichtet unter dem Ein- 
flüsse des atmosphärischen Luftdruckes Sauerstoffgas unter 
Bildung Ton Dioxyd bei einer Temperatur, bei welcher sich 
das fertig gebildete Baryumdioxyd im luftverdünnten Baume 
wieder im Monoxyd und Sauerstoff spaltet. Ueber den Tem- 
peraturgrad, bei dem diese Erscheinung eintritt, theilt Bous- 
Hignault nichts Näheres mit, er giebt nur an, dass Baryum- 
hxperoxyd im luflverdünnten Baume schon in der dunkeln 
Rothglühhitze nicht mehr bestehen kann. 

Zur Herstellung des luftverdünnten Baumes dienten bei 
diesen Versuchen die SprengeVsche Quecksilberluftpumpe oder 
die Wasserluftpumpe von Alvergniat. 

Vielleicht lässt sich dieses Verhalten der Oxydations- 
stafen des Baryums dereinst practisch verwerthen? (Journal 
de Pharmacie et de Ckim. IV. S6r. Tom6 25. pag. 373 
bis 376.) Dr. E. H. 



Zersetzung von Kalialaun. 

Alex. Naumann hat gefunden, dass krystallisirter 
I^jüja^lft^ff in einem verschlossenen Gefasse bei 100^ nach dem 
Schmelzen sich allmählig dissocürt, indem er zunächst nach 
and nach Krystallwasser abgiebt unter Abscheidung der wahr- 
scheinlich wasserfreien Verbindung in fester Form, und dass 



176 Zar ültramarinfrage. 

Bodann in dem flüssigen Theile unter Einwirkung des &ei- 
gewordenen Wassers sich auch eine basische Verbindiing 
von Thonerde, Kali, Schwefelsäure und Wasser abscheidet. 
(Ber, d, deutsch, ehern, Ges. X, 456.) C. /. 




Zur mtramarinfrage. 

W. Stein kommt zu dem Schlüsse, dass der Schwefel 
des ültramarins, soweit er nicht als SauerstofiVerbindang 
darin vorhanden ist, mit Aluminium vereinigt ist. Den Aus- 
gangspunkt iür diese Ansicht bildete die bekannte Thatsache 
dass eine ganz innige (moleculare) Mischung von Schwarz 
und Weiss eine blaue Farbe besitzt. Als Beispiel solcher 
Mischung fuhrt Verfasser den Kobaltultramarin an, den man 
zwar als eine chemische Verbindung von Thonerde mit Ko- 
baltoxydul ansieht, der aber schwarzes Kobaltoxyd enthält, 
wie es sich bildet, wenn Kobaltoxydul lange an der Lull 
geglüht wird. Herr Stein hat die Bestätigung dafür schon 
früher durch die Bestimmung der Sauerstoff- und Kobaltmenge 
in einem käuflichen Kobaltultramarin beigebracht; als weiteren 
Beweis fuhrt er an, dass ein aus Thonerdehydrat und Ko- 
baltoxydul gemischter Niederschlag beim Glühen in einer 
Atmosphäre von Stickstoff ein pfirsichblüthfarbenes 
Präparat liefert. Die Verbindung der Thonerde mit dem 
Kobaltoxydul ist demnach in der That nicht blau^ — Der 
Thonerdeultramarin soll nun eine ähnliche Mischung von 
Weiss und Schwarz sein, wie der Kobaltultramarin, wobei 
als Stellvertreter des schwarzen Kobaltoxyds das Schwefel- 
aluminium fungirt; denn die Verbindungen des Schwefels 
mit Natrium sind weder schwarz noch blau, solche mit Sili- 
cium können unter den gegebenen Bedingungen nicht ent- 
stehen, während die Bildung von Schwefelaluminium möglich 
und dasselbe schwarz ist. Das Schwefelaluminium ist durch 
Chlor zerlegbar, nicht aber die Sauerstoffverbindung. Bei 
der Behandlung grüner, blauer und röthlichblauer Ultramarine 
mit Chlor zeigte sich, dass die rein blauen am leichtesten 
zerlegt wurden, die grünen und röthlichblauen dagegen in 
solchem Grade widerstanden, dass selbst bei der höchsten 
erreichbaren Temperatur in einem Erlenmaier'schen Ofen eine 
vollständige Zerlegung nicht gelang. Diese verschiedene 
Zersetzbarkeit der Ultramarine findet ihre Erklärung in den 
Mittheilungen R. Hoffmann's über deren Zustandekommen. 
Danach wird der grüne Ultramarin für den Handel bei so 



Eisenroetalle. 177 

hoher Temperatur dargestellt, 'dass er gewöhnlioli etwas 
„gefinttef ist. Das röthliche Slau dagegen hat grosse Nei- 
gnng zu „ sintern/' Was im ersteren Falle die höhere Tem- 
peratur, das bewirkt im letzteren ein Zusatz von Kieselerde. 
In beiden Fällen findet also eine beginnende Yergla- 
jjung statt und darin liegt der Grund für die grössere Wi- 
derstandsfähigkeit nicht nur gegen Chlor, sondern auch gegen 
andere Reagentien. Diese Versuche resp. die Bildung von 
Ohloralmninium beweisen nach Stein's Ansicht, dass das Ver- 
halten des TTltramarins in der That der Voraussetzung ent- 
spricht, dass sein in metallischer Verbindung be- 
findlicher Schwefel ganz oder zum grösstenTheile 
un Aluminium gebunden sei. 

Sie beweisen femer, dass die Farbe des Ultramarins im 
Zusammenhange steht mit seinem Gehalte an Schwefelalumi- 
ninm, denn die Farbe verschwindet, wenn das Schwefelalu- 
minium zerstört vrird. (Journal f. praot. Chem, Bd, li, 
S. 387.) C. J. 



Elsenmetalle. 

Das Eisen und seine metallurgischen Froducte sind, ganz 
analog wie dies beim Platin der Fall ist, stets von einer 
Anzahl anderer Metalle begleitet, die Terreil die Eisen- 
metalle nennt. 

Es sind dies vor Allem die magnetischen Metalle, 
Nickel, Cobalt, Chrom, die sich, wenn auch nur in sehr 
geringer Menge, in allen Eisenerzen vorfinden; ausser die- 
sen kommen noch vor Kupfer, Vanadin, Titan und Molybdän. 

Zum Nachweise dieser Metalle bedient sich Terreil fol- 
genden Granges: Er löst das Eisen oder Erz unter Zusatz 
von Ealiumchlorat in Salzsäure oder in Königswasser; hier- 
bei bleiben Titan und Wolfram ungelöst, alsdann giesst er 
'iie saure Lösung in Ammoniak, wodurch Eisenoxyd mit 
Chrom und Vanadin ausgefiült werden, während Kupfer, 
Wickel, Kobalt und Mangan in dem Ammoniak gelöst blei- 
ben. Zur Constatirang der auf diese Weise gruppenweise 
i^etrennten Metalle bedient sich Terreil der gewöhnlichen 
Eleactionen dieser Körper. 

Was die Menge, in der die genannten Begleiter des 
Eisens vorhanden sind, anbelangt, so ist diese in der Regel 
eine ausserordentlich kleine, in metallurgischen Froducten 

Arch. d. Pbum. XII. Bds. 8. Heft. 12 



178 Wirk. T. Salxfliare auf Eisen n. Zink. — Kahmngswerth d. Melliort 

worden selten im Gesammten 5 Tausendstel nachgewiesen 
wahrend in Erzen oder im Meteoreisen der Gehalt bis zu 
10^0 steigen kann. (Bullei. de la soc. Chitiu de Parü. 
Tarne XX VU No.8. pag. 350 — 353.) Dr. E. H. 



YerzOgerung der Wirkimg ron SalzsSnre »af Elsen 

und Zink dnreh Myeerin. 

Lnnge hat gefunden, dass sich Eisen und Zink in 
einer mit Glycerin versetzten Salzsäure viel langsamer lösen 
als in derselben Säure, verdünnt mit einer dem Glycerin 
gleichen Menge Wasser. Da die Säure auf Glycerin bei 
gewöhnlicher Temperatur keine Wirkung äussert, das Gly- 
cerin selbst auf die Metalle keine Wirkung hat und das 
Product der Seaction in Glycerin leicht löslich ist, so kann 
die Ursache der Verzögerung nur eine mechanische sein, 
veranlasst durch die Viscosität des Glycenns. üebrigens 
wird die Wirkung der Salzsäure auf Eisen nach Lunge auch 
durch Lampenschwarz verzögert, ja fast aufgehoben. {The 
Pharmac. Joum. and Transact, Tkird Ser. No, 347, Febr. 
1877. p. 681.) Wf. 

Um den Nahrongswerth der Mehlsorten zu 

bestimmen, 

machte La i Her eine Beihe von Versuchen, bestimmte zuerst 
den Kleber feucht, die Wassermenge dieses Klebers und 
endlich den Kleber trocken, welcher in einer Menge Mehl- 
sorten ist: 100 Thle. der verschiedenen Mehlsorten geben 
22,5 — 48Thle. feuchten Kleber, welcher 69—66% Was- 
ser enthält und 8,5 — 16,32 Thln. trocknen Kleber. Seine 
Schlüsse waren folgende: 

1) Aus der Menge des trocknen Klebers allein ist 
man im Stande die Güte und den Kährwerth der Cerealien 
und der Mehlsorten zu beurtheilen. Die Bestimmung des 
Klebers im feuchten Zustande fuhrt zu Irrthümem. 

2) Es wäre zu wünschen, dass die Menge trocknen 
Klebers angegeben würde, welche gutes Mehl enthalten 
muss, so dass das Mehl nach dem ^o'^^^^^^ ^^ Kleber im 
trocknen Zustande gekauft werden könnte. {Ii6perMre de 
Pharmacie. No, 2. Janvier 1877. p. 37) BL 



AntljM d. Schwalbenkothes. — Hamgahrung. 179 

Analyse des Sehwalbenkotlies. 

Nach Gujot enthält derselbe in 100 TheQen: 

Wasser 81,04 

Federüberreste 2,09 

Haare - 0,14 

Pflanzen - 2,07 

Insecten - 4,04 

Eiweiss 1,69 

Harnsäure 0,45 

Harnsanren Kalk .... 0,51 

Hamsaures Ammoniak . . 0,27 

Oxalsäure 0,34 

Oxalsäuren Kalk .... 0,48 

Oxalsaures Ammoniak . . . 0,23 

Kohlensauren Kalk .... 0,17 

Kohlensaures Ammoniak . . 0,03 

Sahniak 0,02 

Phoaphorsauren Kalk ... 0,18 

Phosphorsaures Ammoniak . 0,09 

Phosphorsaure Magnesia . . 0,03 

Chlomatrium 0,02 

Cblorkalium 0,0050 

Jodnatrium 0,0005 

Schwefelsaures Natron . . 0,0010 

Kieselsäure 0,0200 

Eisen 0,0880 

Kies 0,0500 

Hirondelin 0,5645 

Andere organische Stoffe . . 5,4310. 

Das Hirondelin soll ein Alkalo'id sein, welches in Alko- 
hol löslich ist, in ziemlich schönen Nadeln krystallisirt und 
sich mit Säuren zu krystall. Salzen verbindet. {ßj^perUnre de 
fkarfMcie, No. 20. Oäobre 1876. p. 6U) El. 



Zur HanigShnuig. 

Musculus hat schon vor Jahresfrist aus dem Harn 
dardi Alkohol einen schleimigen Körper gefallt, durch dessen 
Entfernung der Harn die Fähigkeit verliert, in faulige G-ah- 
niQg überzugehen, welcher dagegen seinerseits den Harnstoff 
unter Bildung von kohlensaurem Ammoniak zu zersetzen 

12* 



180 Harnanalyse. — Harosanre. 

yennag, also in die Klasse der nicht oi^nisirten, sogenannten 
chemischen Fennente gehört. 

Pasteur und Jonbert und mit ihnen auch Berthe- 
lot suchen nun die'Concordanz dieser Beobachtung nüt den 
Pasteur'schen Gährungstheorieen dadurch herzustellen, daas 
sie dieses lösliche Ferment aus der vorhergehenden Thätlg- 
keit eines organisirten sog. physiologischen Fermentes resni- 
tiren, es als ein Product des letzteren erscheinen lassen. 
Es ist ihnen nemlich gelungen, durch Aussaat des organisir- 
ten Fermentes in eine Abkochung von Bierhefe ohne Zusatz 
von Harnstoff jenen durch Alkohol fallbaren Schleim in Menge 
zu erzeugen, welcher dann gelösten Harnstoff in kohlensaures 
Ammoniak umändert. (Journal de Phartnacie et de Chintie. 
L Serie. Tome XXIV. pag. 206 u. 208.) Dr. G. F. 



Zar Harnanalyse. 

Zur Methode der Analyse des Harns auf dem W^eg^ 
der Zersetzung seiner Bestandtheile bemerkt Yvon, dass 
unterbromigsaures Natron schon in der Kälte den gesammten 
Stickstoff des Harnstoffs in Gasform austreibt, unterchlorig- 
saures Natron in der Kälte 67, in der Hitze 92 Proc. dessel- 
ben, unterchlorigsaurer Kalk endlich in der Kälte 94,5 Proc., 
während er beim Erhitzen stets ein grösseres Gasvolumen 
entwickelt, als dem Stickstoffgehalt des vorhandenen Harn- 
stoffs entspricht. Man wird also mit dem unterchlorigsanren 
Kalk schnell und leicht approximative, nicht aber genaue 
Resultate bekommen. (Joum. de Pharm, et de Chimie. 4. S^rte. 
Tome XXIV. pag. 209.) Dr. G. V. 



HamsBare nachzuweisen. 

Didelat giesst auf ein kleines Stückchen Guano etc. 
einige Tropfen Salpetersäure und reibt eine blanke Eisen- 
fläche mit dieser Mischung. Das Eisen färbt sich sofort in 
Berlinerblau und soll durch diese Reaction die Gegen- 
wart der geringsten Menge Harnsäure zu erkennen sein, 
welche vielleicht noch empfindlicher als die Ammoniakreaction 
ist. {Repertoire de Pharmade. No. 13. Juület 1876. p. 389.) 

BL 



Boxoesiiur« in d. WoUwuohe. ~ Alkaloi'd im Gehirn u. in d. Leber etc. 181 

BenzoCsiure in der WollwBsche. 

Bekanntlich hat man in der Wollwäsche eine grosse Menge 
Ealisalze, so wie in dem Wollschweiss Cholesterin und Isocholes- 
terin nachgewiesen. AndrewTaylorhat jetzt gefunden, dass 
auch Benzoesäure in irgend einer Verbindung darin ist. Er 
destillirte die zuvor concentrirte Wollwäsche, den Woll- 
schweiss, mit Petroleum in gespanntem Dampf. Von dem 
Destillat wurde das Petroleum wieder abgetrieben ; der Bück- 
stand mit Salzsäure durch gespannte Dämpfe erhitzt, setzte 
beim Erkalten eine Menge iiadelförmiger Erystalle ab, die 
sich wie Benzoesäure verhielten. Eine Tonne Wollschweiss 
lieferte etwa 3 Pfund Benzoesäure. (The Pharm. Joum. and 
TrmmcL Third Ser. No. 327. Sepfbr. 1876. p. 272.) 

Wp. 



Ein Alkalold Im OeUm und in der Leber, so wie 
im wilden Mohn (Papaver Rhoeas). 

Wenn man nach Leimi Gehirusubstanz oder Leber, um 
«e auf giftige Alkalo'ide zu untersuchen, nach der Extraction 
mit Aeüier mit Amylalkohol behandelt, die Flüssigkeit ab- 
dampft und den gelblichen Rückstand mit Essigsäure behan- 
delt, ao löst er sich zum TheQ, und diese Lösung giebt nach 
dem Abdampfen mit Jod- Jodwasserstoffsäure einen braunen, 
noter dem Mikroskop krystallinischen I^iederschlag , der sich 
alsbald in ölige Tropfen umsetzt Durch Schütteln mit Was- 
ser kann man dem Amylalkohol diesen Körper entziehen. 
Das Wasser wird dadurch alkalisch. Da Morphin mit Jod- 
Jodwasserstoffsäure einen ähnlichen Niederschlag giebt, so 
darf man bei gerichtlichen Untersuchungen die Probe auf 
Morphin mit Jodsäure nicht verabsäumen. 

Lelmi behandelte die grünen unreifen Kapseln des 
wilden Mohns mit Alkohol, mischte das Extract mit Baryt- 
hydrat und behandelte es mit Aether, dann mit Amylalkohol. 
Letzterer nahm einen Körper auf, der sich dem oberwähnten 
aas dem Gehirn und der Leber ganz gleich verhielt. Mor- 
phin fand sich nicht in den unreifen Kapseln, in den reifen 
Hess sich überhaupt keine alkalo'idische Substanz auffinden. 
{The Fharmae. Joum. and Transad. Third Ser. No. 319. 
Äug, 1876. p. 118.) Wp. 



182 Chemisohe Zaflamme&seisang dei Gehirns. 

Chemische ZusammeiiBetzimg des Oehlms. 

Charles T. Kingzett hielt vor der Liverpooler che- 
mischen Gesellschaft einen Vortrag üher die Beziehungen 
der Chemie zur Physiologie und Pathologie, insbesondere 
über die chemische Zusammensetzung des Grehims. 

Er nahm zu seinen Untersuchungen mehr als 2O00 Ge- 
hirne von Ochsen, von denen jedes im Durchschnitte 356 g. 
wog. Die Methoden, nach welchen er die einzelnen Stoffe 
isolirte, übergehe ich und gebe in folgender Tafel die Aesul* 
täte der Untersuchung. 

Bestandtheile des Gehirns. 

1) Gruppe der schwefelhaltigen Stoffe : 
Eiweissstoffe C^Hi^^N'^SO". 

2) Gruppe der phosphorhaltigen Stoffe: 

a. Eephaline. 
KephaUn C"H^»NPO". 



C*«H79NPOi». 
C"H"NPOK 
C"H"NPOi* 
C"H»oN*POi3. 



Eephalo'idin . . . 
Oxy-Kephalin . . 
Peroxy - Kephalin 
Amido-Eephalin 

b. Mydine. 

Mydin C^^hsöNPO». 

Oxy-Mydin C*oH"NPO»«. 

Amido-Mydin .... C^oH^'N^PO^^ 
Verbindungen mit Kephalin. 

0. Lecithine. 

Lecithin C"H8»NP0» 

Verbindungen mit Kephalin. 

3) Gruppe, stickstoffhaltige Stoffe: 

Cerebrin C^^H^SN^O». 

Stearoconot C»*H««N«0« 

Phrenosin C«*H«'N08. 

Kerasin C*«H»iNO». 

Ausziehbare und sich abscheidende Säuren. 

Harnsäure und ähnliche. 

Neue Säuren. 

Ausziehbare Alkaloi'de (mehrere neue). 

Harnstoff und Amidosäuren. 





Chemiscli« Zasaramensetiimg^ dei Gehirni. 188 

4) Grappe, oxydirte Stoffe: 

Cholesterin C"H**0. 

Inosit C«Hi«0«. 

Milchfläure etc. 
Fett und Fettsaaren. 

6) Gruppe, anorganische Stoffe: 

H»SO*; HG; P«0*5 CO«; H«0; K; Na; 
H*N; Ca; Mg; Cu; Fe; Mn. 

Die Eiweissstoffe des Gehirns wurden nicht abweichend 
-v^on denen anderer Körpertheile gefunden und kamen vor- 
zn^weise in der in Wasser unlöslichen Form vor. 

Die Kephaline lösten sich alle in Aether mit rother 
Farbe auf und besassen grosse Begierde^ sich mit Sauerstoff 
za verbinden. Sie enthielten den Phosphor als Glycerin- 
phoaphorsaure, eine Verbindung, welche zuerst von Thudichum 
in dem Gehirn gefunden wurde. 

Die Myeline sind weiss and oxydiren sich an der Luft 
nicht. Sie sind wegen ihrer Zusammensetzung nicht mit 
Lecithin, welches Strecker beschreibt, zu verwechselu. Sie 
verbinden sich mit Blei und werden durch Zersetzen dieser 
Bleiverbindungen durch SH* rein erhalten. 

Lecithin nennt Verf. einen gewissen Stoff, welcher aus 
dem Gehirn erhalten wird. Derselbe geht mit Platinchlorid 
eine Verbindung ein, welche ihrerseits wieder so unbeständig 
war, dass deren Natur nicht näher bestimmt werden konnte. 

Cerebrin, Stearoconot etc. sind alle gut charakterisirte 
StoflSa. Die beiden ersten sind isomerisch, und kann aus dem 
Cerebrin das Stearoconot dargestellt werden. Cerebrin ist 
wahrscheinlich das Diamid einer Fettsäure, während Phreno- 
sin das Monoamid zu sein scheint. Kerasin ist mikroskopisch. 
leidt zn erkennen und zeichnen sich diese 4 Stoffe dadurch 
aus, dass sie sich in heissem Alkohol lösen und mit Schwe- 
felaaure nnd Zucker eine Purpurforbe geben. 

Inosit kommt im Gehirn des Ochsen mehr ab in dem 
des Menschen vor. 

Wird Kephalin mit Wasser behandelt, so schwillt es 
aSy giebt eine Emulsion und schliesslich eine unvollständige, 
trabe Lösung. Es ist eine Colloidsubstanz, welche nicht zu 
dfalyairen ist. 

Cerebrin und die anderen stickstoffhaltigen Stoffe schwel- 
len in Wasser ausserordentlich an, lösen sich nicht spä- 
ter Biof, Bondem geben eine solide Masse. 



184 Ueber die Chininblame. 

Die phosphorhaltigen Stoffe verbinden sich mit Säuren, 
Alkalien und Salzen mit grosser Leichtigkeit. Eine sehr 
schwache Kephalinlösung giebt mit allen diesen Niederschlage 
und, was eigenthümlich ist^ ein Wasserzusatz hebt diese 
Verbindungen wieder auf, so dass auf einen Dialysator gebracht, 
wieder reines Kephalin zurückbleibi 

Kedner geht dann auf den Einfluss des Wassers im 
Gehirne, auf die vom Blute aufgenommenen Stoffe über, in 
welcher Weise sie die Gehimsubstanz bilden und verändern 
und den Lebensprocess des Menschen zerstören können und 
bespricht die Ansicht von Tudichum über Gehirnerweichung, 
über Delirium tremens etc. Bei ersterer Krankheit wurden 
Glycerinphosphorsäure und Fettsäuren im Gehirn im freien 
Zustande gefunden, welche als Zersetzungsproducte irgend 
einer der phosphorhaltigen Stoffe zu betrachten sind. Das 
Wasser des Gehirns ist nicht als solches, sondern chemisch 
gebunden als Colloidbydratwasser vorhanden. 

Die gesunde Ernährung, die Functionen des Gehirns 
hängen von seiner Beschaffenheit ab und insbesondere , in wel- 
cher Weise das Wasser vorhanden ist. Gehirnsubstanz 
nach dem Leben in Alkohol gebracht, verliert ihr Was- 
ser, die Beweglichkeit ihrer Theilchen und wird solider und 
fester, so dass es nicht unwahrscheinlich ist, dass bei Deli- 
rium tremens soviel Alkohol verzehrt worden ist, welcher 
bei seiner Diffusion durchs Gehirn in der Gestalt des Blutes, 
den Nerven ihre Beweglichkeit und hierdurch ihre Kraft 
nimmt, die Nahrung zu assimiliren und die Producte ihrer 
Lebensfunctionen auszustossen. Oder, da die Gehirnsubstanz 
mit Ausnahme der Eiweissstoffe in warmem Alkohol 
gelöst wird, so ist nicht unmöglich, dass ein Mensch soviel 
Alkohol trinken kann, um in seinem Blute soviel im unoxy- 
dirten Zustande zurück zu behalten, um Spuren der Gehim- 
substanz zu lösen. 

Im Uebrigen verweise ich auf den Vortrag selbst. (^Tke 
american Chemist No» 11. May 1876. p, 425. Chem Neu?s) 



üeber die Chlninblume 

schreibt Dabney Palmer: 

Die Quinine-flower ist eine jährige Pflanze von 29 bis 
44 Centimeter Höhe, hat einen aufrechten grünen Stengel, 
gerade Blätter von l^a bis 3 Centimeter Länge und kleine 



Die logeuannten Cbininblamen. 185 

weisfie Blötben. Die Wurzel besteht aus zahlreichen zarten 
Fasern. Die Pflanze wächst in Florida besonders häufig in 
Nadeiholzwäldem in massig trocknem Boden, spriesst in März 
oder April und blüht vom Juli bis September. 

Die ganze Pflanze dient in Decoct oder als Extract in 
der Umgegend von Monticeilo, Jefferson county, gegen die 
verschiedenen Formen von Malaria etweder ad libitum gege- 
hen oder bis der Patient die Wirkungen des Chinins im 
Kopfe merkt: Spannung oder Yollheit im Kopfe, Ohrenklin- 
gen oder zeitweilige Taubheit. Bei der Seltenheit des Chi- 
nins währeod des letzten amerikanischen Krieges wurde die 
Qoinine-flower vielfach angewandt. Sie ist intensiv und 
anhaltend bitter und giebt diese Eigenschaft an Wasser und 
Alkohol ab. Eine gesättigte Tinctur, alle zwei Stunden 
Tbeelöfielweise gegeben, genügt, um die Paroxysmen von Fe- 
bris intermittens zu brechen. 

Zu den vorstehenden Angaben Yon Palmer macht 
John M. Maisch einige erläuternde Zusätze: Die Quinine- 
äower gehört zur Ordnung Grentianaceae, Unterordnung Gen- 
tianeae, zur gleichen Section mit Erythraea und Sabbatia 
und correspondirt mit Sabbatia EUiotti Steud. 

Der Geschmack der Pflanze ist Anfangs krautig und 
entwickelt sich dann zu einem rein und anhaltend bittem, 
frei von Adstringens. Der populäre Name Quinine - flower 
scheint nur in einem beschränkten Theile von Florida ge- 
bräachlich zu sein. Porcher erwähnt Gentiana quinquefolia 
als „Indian quinine" und ,,ague weed" (Fieberkraut) und 
^iebt an, dass diese Gentiana mit Sabbatia stellaris und 
Sabbatia gracQis ähnliche medicinische Eigenschaften besitze. 
Die von Palme r angegebenen Erscheinungen der Chinin- 
Wirkungen bei Anwendung der Chininblume sind bisher noch 
nirgend erwähnt und beachtenswerth. {Amertcan Journal of 
Pharmacy. Vol^ XLVIU. 4.8er. Vol. VI. 1876, p,45iseq.) 

R. 

Die sogenannten Chininblumen 

enthalten nach Untersuchungen von Beckert möglicher- 
weise ein Alkalo'id, das dann das erste in der Familie der 
Gentianaceen gefundene sein würde. Es bildet sich ein leich- 
ter Niederschlag mit Mayer's Lösung, wenn man die ein- 
gedampfte Tinctur in leicht angesäuertes und filtrirtes Was- 
ser schüttet. (American Journal qf Pharmacy. Vol. XLIX. 
l Ser. Vol. VJL 1877. pag. 40.) B. 



186 Silpbium Cyrenaicum. — Vegetation chlorophyllfreier P/Uiiaen. 

SUphiiim Cyrenateum. 

Botanisch nnd historisch nntersucht Herincq die Frage^ 
ob das Silphium Cyrenaicum des Dr. Laval identisch sei 
mit der von den Griechen ^^Silphion^^, von den Eömen 
„Laserpitium^* genannten Pflanze. Er glaubt mit Bestimmt- 
heit sagen zu können, dass eine solche Identität nicht exis- 
tirt, sondern dass vielmehr das von Dr. Laval so genannt« 
Silphium Cjrenaicum nichts Anderes ist, als die in Spanien, 
Italien und Algier wachsende und in den Arzneischatz die- 
ser Länder aufgenommene Thapsia garganica. (Jbtcm. 
de Pharm, et de Chimie. 4. S^rie, Tome XXV. p. 66.) 

Dr. G. F. 



Vegetation ehlorophyllfi^ier Pflanzen. 

Pasteur stellt, gestützt auf die Thatsache, dass Hefe- 
zellen unter voUkonmienem Abschluss von Licht und ohne 
die Hülfe von Chlorophyllkörpern mit Nahrung rein chemi- 
schen Ursprungs vegetiren und Materie bilden können, die 
Behauptung auf, es treffe die von Boussignault angegebene 
Regel, dass organisirte Substanz nur durch Ghlorophyllkör- 
per unter Mitwirkung des Sonnenlichtes geschaffen werden 
könne, bei einigen niederen Pflanzen nicht zu. Unter Kah- 
rungsmitteln rein chemischen Ursprungs sind dabei zu ver- 
stehen Alkohol, Essigsäure, sowie etwas Phosphorsäore, 
Ammoniak, Kali, Magnesia und Wasser. Boussignault führt 
diesen scheinbaren Ausnahmefall dadurch auf die allgemeine 
Begel zurück, dass er sagt, die Essigsäure, wie der Alkohol 
stammen mehr oder weniger direct von Kohlehydraten ab, 
die unter der Wirkung des Sonnenlichtes durch die Chloro- 
phyllkörper anderer Pflanzen producirt worden sind. Es sei 
somit die Arbeit der Assimilation, die einzig und allein dem 
Chlorophyll möglich sei, für die Hefezellen von anderen 
Pflanzen im Voraus geleistet worden. {Joum, de Fharmade 
et de Chimie. IV. S^rie. Tome XXIU. pag. U3.) 

Dr. E. K 



Biicbcrschatt. 187 



C. Bftchersehan. 



Die Alkalien. Ein Handbuch für Färber, Bleicher, Sei- 
fensieder, Fabrikanten von Glas, Zündwaaren, Lauge, 
Papier, Farben, überhaupt von chemischen Producten, für 
Apotheker und Droguisten. — Darstellung der Fabrikation 
der gebräuchlichsten Kali- und Natron -Verbindungen, der 
Soda, Pottasche, des Salzes, Salpeters, Glaubersalzes, 
Wasserglases, Chromkalis, Blutlaugensalzes, Weinsteins, 
Laugensalzes u. s. f. , deren Anwendung und Prüfung. — 
Von Dr. S. Pick, Fabrikant chemischer Producte. Mit 
24 Abbildungen. Wien. Pest. Leipzig. A. Hartleben's 
Verlag. 

Dtt Bneh bietet mehr, als was der Titel verspricht; zwar ist das 
in der techaisehen Chemie gewöhnlich den Alkalien sagesählte Ammo- 
oiak nsd dessen Sulie anheriiekaichtigt geblieben, dagegen finden aber 
die Kali- nnd Katron -Yerbindongen die ausgedehnteste Besprechung. 
£i ist far Fabrikanten und solche Gewerbtreibende berechnet, die in 
ilirem Gewerbe Ton den betreffenden chemischen Producten Gebrauch 
Bteheo, neli ober deren Darstellung unterrichten und den Werth dersel- 
ben selbst abscbatien lernen wollen; der Fabrikant sowohl wie der Oe- 
verbetreibettde findet in dem Buche reiche Belehrung und Anleitung, aber 
auch der Apotheker und Droguist werden es mit Nutzen gebrauchen 
können. 

Das Werk halt sich mit Rucksicht auf die Leser, für die es hanpt- 
^hlieh bestimmt ist, frei von allen gelehrten Zuthaten der modernen 
Cheoie und steht gons auf dem Boden der dualistischen Theorie; es ist 
gUtt und sehr fasalich geschrieben und nur hier und da laufen einige 
nieht gut gewählte Ansdmcksweisen und Undeutlichkeiten mit unter. So 
'sagt s. B. auf Seite 95 , wo Ton der Bereitung des doppeltkohlensauren 
NstroBS die Bede ist, ein Sats mit „Man lost Kohlensäure in Steinkru- 
ken ^* an; auf Seite 51 heisst es Ton der Anwendung des Glaubersalzes: 
^krystaUisirt ist es als Abfuhrmittel officinell, sonst ist die häufigste fast 
aoBsehliessliche Verwendung die zur Verfälschung der Soda ** ; vom Natrium 
^d auf Seite 6 gesagt: ,,e3 zersetzt dasselbe (das Wasser) unter Frei- 
werden Ton Wasserstoff, wobei es sich mit Natrium zu >iatron yerbindet^*; 
und 7om Salpeter heisst es auf Seite 202: ,,er verbrennt Kohle, Schwe- 
fel und Phosphor.^^ 

Von solchen kleinen Formfehlern fast ganz frei sind die hei yer- 
lehiedenen Gelegenheiten gegebenen Anleitungen zu maassanaljtisohen 
Werthbestimmnngen, die überhaupt mit grosser VorUebe bearbeitet zu 
lein schfinea und aaeh denn Ungeübten ein zuyerlassiger Bathgeber sein 
werden. 



188 BUchencbaa. 

Bas Werk enthält neben der genauen nnd anBfübrlichen Bescbrei- 
bang der Fabrikationsxnetboden Ton den auf dem Titel genannten Pr^a- 
raten (woiu noch Borax, chlorsaures Kali, Cyankalium und andere kom- 
men) auch viele interessante statistische Notizen und eine solche über 
Pottasche möge hier Plati finden. Die Production der yerschiedeiien 
Pottaschequellen im Jahre 1878 wurde folgendermaassen geschätst: 

Holzasche 20 Millionen Kilo. 
Bübenasche 12 lull. Kilo. 
Künstliche Pottasche 15 Hill. Kilo. 
Wollschweissasche 1 Mill. Kilo. 

Druck und Papier des Werkes sind tadellos, die wenigen Abbfldao- 
gen entsprechen aber der sonstigen guten Ausstattung des Buches nicht 
und sind zum Theil recht dürftig. 

Dresden. G, Hofmaum, 



Dr. 6-. Erause's Tabelle für chemisclie Laboratorien, 
Real- und Grewerbeschnlen. Zweite verb. Auflage. Preis 
1 Mark. Verlag der Chemiker - Zeitung. Cöthen. 

Auf einem Blatt starken Papiers Ton etwa- 86 Centimeter Höhe snd 
ebensoyiel Breite finden sich gut und übersichtlich zusammengestellt tos 
sämmtlichen Kiementen die Entdecker und das Jahr der Entdeckung, ihre 
Symbole, Quantiyalenzen, Atom- und Aequiyalentgewichte, Yolumgewiehte, 
speciflsohen Gewichte, Härte, Schmelzpunkte, specifische Wärme. Trotz 
dieser Reichhaltigkeit scheint der Preis der Tabelle ein etwas hoher. — 
Die Angabe der Quantivalens der Elemente wäre wohl besser weggeblie- 
ben; eine Tabelle wie die vorliegende sollte möglichst nur Daten usd 
Zahlen bringen, die als unanfechtbar feststehend angesehen und Ton den 
Terschiedenen theoretischen Ansichten nicht beeinflusst werden; man wird 
das aber von den Werthigkeitscoefdoienten, yorläufig wenigstens, nicht 
sagen können , denn man braucht nur die Angaben in der Krause'scbeo 
Tabelle mit Gorup - Besanez, Pinner, Geuther und Anderen zu Tergleicheo. 

Dresden. G. Hofmann. 



Katechismuß der Physik von Professor Dr. A. J. 
Tenune, Oberlehrer am Gymnasium zu Warendorf. Wa- 
rendorf, Druck und Commissions- Verlag von J. Schnell 
1876. 

Das Werkchen hat seinen Lehrstoff in die Form Ton Frage and 
Antwort gebracht und wird besonders solchen Schülern, die bereits eineo 
e:^erim enteilen Gursus (da der Katechismus aller Abbildungen entbehrt) 
in der Physik durchgemacht haben , als Repetitorium und Nachschlage- 
buch Ton grossem Nutzen sein. Es yerwendet, was grade in der Phyiil 
nicht genug betont werden kann , die höchste Sorgfalt auf Klarheit und 
Correctheit im Ausdruck und empfiehlt sich desshalb auch jüngeren Leh- 
rern als schatzenswerthes methodisches Hülfsmittel beim Unterricht 

Dresden. G, Sofmaim^ 



Büobenchao. 189 

Die wichtigsten Nahrungsmittel and Getränke, deren Yer- 
nnreinigangen und Verfälschungen. Practischer Wegweiser 
za deren Erkennung von Oscar Dietzsch, Chemiker des 
Gewerbemuseoms Zürich. Kebst einem Anhang: Unter- 
suchungen hausräthlicher Gegenstände in Bezug auf gesund- 
heitsschädliche Stoffe oder Verfälschungen. Zweite yer- 
mehrte und yerbesserte Auflage. Zürich, Orell Füssli 
& Co. 1878. 

S«it aBigen Jahren ist der Kampf gegen die Verfälschung der Le- 
bffBfniittAl die Parole des Tages. In den Fachjournalen wimmelt es Ton 
Methoden inr Erkennung derselben nnd die Tagesblätter fällen ganse 
Spslten Bit frahrscheinlicben und nnwahrscheinlichen Berichten über ent- 
hüllte FÜsehniigen. Vereine bilden sieh , dem Unwesen zu steuern , die 
Behörden aetien Comraissionen ein, nehmen umfassende Reyisionen bei 
den Verhiafem Tor, überall ist die Agitation im Tollen Gange. Mag 
lach Manches, was von Fälschungen berichtet wird, übertrieben sein, 
dssi dtasalben existiren nnd der Qesammtheit wie dem Geldbeutel des 
Kiosehiea oft empfindlichen Schaden sufügen, wird Niemand bestreiten 
wolieo. 

Gar oft wird desshalb auch jetst der Apotheker und Chemiker auf- 
gefordert, Untersachungen Yerdächtiger Nahrungsmittel auszuführen; Käu- 
fer nnd Verkäufer appelliren an sein Urtheil, nicht wenig hängt oft vom 
Ergsboiss seiner Analyse ab, einer Analyse, die in den meisten Fällen 
dem gewissenhaften nnd sorgifsltigen Arbeiter viel Mühe und Kopfzerbre- 
chea Terursaoht, da die Körper, deren Untersuchung verlangt wird, nicht 
ehcvittbe Verbindungen bestimmter Zusammensetzung, sondern solche 
und, deren Gehalt nach Art der Fabrikation oder Production, nach Lan- 
dasitts und Gewohnheit des Publikums, nach Ansicht über erlaubte und 
aaexiaabte Verbeasenmg ein sehr verschiedener ist. Eifrig sucht desshalb 
Jeder, welcher derartige Untersuchungen ansführen muss, nach Leitfaden, 
▼siehe ihn fuhren, nach Lehrbüchern, welche ihm sagen sollen, so oder 
10 mass Dieses oder Jenes beschaffen sein. 

In den meisten Fällen wird sein Suchen ein vergebliches sein, denn 
>iie Literatur über diesen Theil der Chemie ist sehr spärlich vertreten, 
dis Biciste Neuere in Journalen zerstreut. 

Die wenigen Sammelwerke sind meist veraltet, oft sehr ungenau, ent- 
hsltea eine Menge unsicherer oder schwer ausführbarer Methoden, sind 
gssefarieben von Männern, die nicht im practischen Leben standen. Das 
einzige Nennenswerthe, vraa wir besitzen , sind die Werke von Hager, 
doch sind diese sehr ausführlich, infolgedessen kostspielig oder, wie die 
neueste Sehrift des verdienstvollen Autors, vorwiegend pharmaceutischem 
(aterasse gewidmet. Ausserdem hat Dr. Hager bekanntlich über Nah- 
naggmittdfslschungen seine ganz besonderen Ansichten. Desshalb hilft 
das Erscheinen des vorliegenden Buches einem wirkliehen Mangel ab, 
dsss derselbe allgemein empfunden worden, dafür liefert die innerhalb 
vcaiger Monste aöthig gewordene zweite Auflage den besten Beweis. 

Du Werkchen behandelt, ?rie der Titel angiebt, nur die wichtigeren 
Nihrongsmittel und Getränke. Bei allen Artikeln werden einfache Me- 
thodea in klarer allgemein verständlicher Sprache angegeben, überall ist 
>t«ts saf möglichst leichte Ausführbarkeit derselben Rücksieht genommen 
Qod Aaleitong ertheilt, wie man auch aus den so verhältnissmässig rasch 
ud leicht erhaltenen Besultaten werthvoUe Schlüsse über Reinheit oder 



190 Btchencbau. 

Tetllliebniig dei untennchtMi OtjeetM tiehen kum. El erwlebtt tott- 
dnreh lugleioh d«r nicht in nntarachäuende Votttieil büligsr AnifObnuig, 
b«i ' LebeiMmitUlniitenuohunBan ein wichtj^r f «ctor. D«t Yertuta 
emeiit üch ala ein enucbiedener Oegn«r ättjeoigea Chemiker, «dcbt 
bat dernrtigsn Cntertucbnngsn nicht genug qnantitstiTe Beitinunnngu 
aaifahitn kooneo. Ob in Terfnuer diu auch leineiHiti (lieiond«n Ui 
Wein) hierin nicht lu weit geht, mag hier nicht weiter erörtert werdtn, 
das Haterial i>t noch in därftig , um da« Für und G«gen genan ahwign 
sn können. 

Auf MOMlne Artikel »padell «ingehend lei Folgendes ta bemerken 
geitattet: . Die freie Säure das Weiaea lüait aich durch Titriren geninet 
bwtimmen, wenn man tod Zeit la Zeit einen Tropfen de* OemiictKi 
herauuümmt und auf rothei, resp. blauea Xiackmuspapier bringt, da hiti- 
bei die Endreaotion riel achärfer zn eikenaen iat, all in der Fläiiigkeit 
aelbit, denn in dieaer tritt oft aohon Tor der voUitändigeo Neutialiutiim 
eine Farbenveränderang ein, Ea bitte bei Cntersuchimg der Weine aocb 
wohl der Ton Prof. Nenbauer aufgefundenen optiiicfaeD Probe lur £rkei- 
niuig mit Traubenmcker gaUiairter Weine ein Plati gebührt, beaonden 
da dieae Methode einfach, rasch auaführbar und gicber iat. Znz Beurtbet- 
lung, ob ein Mehl anorganiacha Stoffe beigemiacht enthält, dürfte aieli 
doch eine Aacbenbeitimmuiig beiaer eignen, ala da* Sohiitteln mit Chlno- 
form, von welchem man, nimmt man nur irgend eihebliche Hangen in 
Arbeit, eine groiae Quantität braucht. Die Aacheobeatimmnng hat aniier- 
dem den Tortheil, daaa aie noch aber eine ganze Reibe oaderer Teibali- 
niaae Aufachloaa lu geben rermag : dieaelbe iat durchaua nicht langwierig, 
nur wende man boohatani 1 ^ — ^S g. an ilnd Terbrenne im achief geneigun 
Tiegel. Saaca-Caffee beateht wohl in den aeltenaten Fällen not au 
Schaalen der Calfeebacht, wie Tetfaaaer meint; deijeoige, welchen Schrei- 
ber dieee« nnteraucht, enthielt gar keine Scbaalen, dann er entbiell we- 
der Caffein noch Gerbsäure, wohl aber groaae Mengen Stärkemebl, Cil- 
feeachaalen werden iibsrbaupt niobt oft iua Binnenland gelangen; da tu 
denaelben Eingangaioll geben miiaaen wie die Bohnen, ao werden aie lai 
Erlegung dea Zolls von denaelben getrennt und dann, in London weaig- 
■tena, im ZoUbaau verbrannt. Bei Prüfung der GewUrse werden sich 
wohl kaum alle VcrHilschungen mittelst des Hikroakops erkennen Ui- 
aen, es liegen dem Unteraeichneten, besondere, Ton Gewämühlu 
eigens lum Vermiachen gefertigte Surrogate vor, die durob opüiche Pii- 
fang lieh cur aehr schwer ala aolcbe erkennen Uisen, bei Beatinmmig 
dea Aachen-, reap. Eitraotgehelles aich jedoch sofort Teriatheo. Bai 
Prüfung der Fruebtaäfte , insbesondere des Himbeersaftes aa( Anilin iil 
die Probe mit Amflatfcohol, welche gam auegeteichnete Besultate lieferl, 



Itt auch dal Werk, wenigstena der Vorrede nach, nicht in entet 
Linie für Chemiker Ton Fach beatimmt, ao wird ea doch auch denjenigen, 
— '-'-- lieh schon Tielfach mit dergleichen Ünt«raucbangan beschiftigl 
Ton groiiem Nutzen aein. Auf diese Letzteren bei einer nentti 
noch mehr Bücksicht lu nehmen, wenn auch auf Kosten der Er- 
»ei dem Verfusor Ton Herten empfohlen ; er erscheint durch aeiie 
ng zu einer eolcben Arbeit vor Allen beßihigt. Ea beecbäfbga 
ohl-Chemiker, also solche, welche reeht wenig ron Cbemie vir- 
bereiti nni ta Viele mit Untere aohongea von Kahrungsmitteln, 
veiat die groase Anzahl von Beactionen, die man in den Jonmllen 
t lur meist unfehlbaren Entdeckung von Verfülacbungen angege- 
len kann , Beactionen , die , weil sehr häufig nur auf eehr aNh- 
Eigenachatten der Körper baaiti, in einem FaUe (Dtreffea, in him- 



B&chenehaiu 191 

dert taderen aber nieht. Allen dieeen seien die lehr beberzigengwerthen 
Worte dar Vorrede dea Baches empfohlen. Jedem aber, den sein Beruf 
nödiigt, Lebensmittelimtersachtmgen attsiufiihren, das gesammte Werk. 

Dresden, Deoenber 1877. Dt. JE. Geit$ler. 



Die Chemie des Bieres yoa Dr. Carl Reischauer. Aus des- 
sen NachlasSy herausgegeben von Dr. Victor Griessmayer. 
Aogsborg, Lampart & Co. 1878. 

Seite 1 bis 10 dieses Werkchens sind etymologischen nnd geschicht- 
licfaen Betrachtungen über den Ursprung des Bieres, sowie einer ganz 
oberlliehliehen Besehreibang der Darstellung desselben ge¥ridmet; ausser- 
dem bringt Seite Sl — 48 eine ausführliche Betrachtung des Brauproces- 
Ks. Weiter finden sich auf Seite 11 — 31 die Natur und Eigenschaften 
der ia den Rohstoffen, Gerste und Hopfen Torhandenen, sowie der beim 
üravproeesie sich bildenden, wesentlichen, organischen Stoffe wiederge- 
geben. 

Der ganze übrige Raum des 338 Seiten umfassenden Buches gilt der 
iJBsljse des Bieres. 

Demnach darf man letztere als den Hauptzweck des Buches ansehen. 

Hingegen bleibt es ungewiss, für wen das Werkchen eigentlich be- 
itimmt ist, ob für den Brauer oder für den Chemiker. 

Für erstere Ansieht spricht die ausführliche Betrachtung (Seite 49 
bis 130) der bei der ehenüschen Analyse yorkommenden Operationen, 
dsf egea darftea in diesem Falle doch die Detailanalyse der Bierasche und 
Methoden, wie die der Trennung ron Kali und Natron durch Differenz- 
toslyse, nachdem man bei der Bestimmung des Stickstoffgehaltes empfoh- 
len hatte, das erhaltene Ammoniak als Platinsalmiak zu bestimmen, nicht 
MB Platze sein und richtiger dem Fachchemiker oder wissenschaftlichen 
Yersachsstationen überlassen werden. 

Kothiger wäre es gewesen, in diesem Falle dem Abschnitte über 
Aaalyse eine, wenn auch nur kurze, Ableitung und Erklärung der so 
nel&eh in Anwendung gezogenen Aeqniyalentgewichte Torauszuschicken. 

Dem Chemiker bringt das Werkchen allerdings eine Anzahl Winke 
Bad Griffe, die den Beweis liefern, dass der ursprüngliche Autor in der 
piaetisehen Bierasalyse Erfahrung gesammelt hat, würde aber vollkommen 
aageaagend sein, da es s. B. die Aufsuchung des in unsem modernen 
Bietea so hapfig Torkommenden Glycerina oder auch der, wenn auch nur 
selten Torkommendeni bittem und narkotischen Stoffe gänzlich unbeaoh- 
t^ Issst 

For die Bestimmung der Milchsaure ist Reischauer die Methode des 
Antzngs mittelst Aether und Sehwefelsäure unbekannt 

Dadurch, dass die Herausgabe nicht durch den eigentlichen Autor 
getehehea, fehlen mehrere Abbildungen Ton Apparaten oder Einzelnheiten 
ttber eine Methode, auf die im Texte Bezug genommen ist; so Tom 
Henasgeber nieht gerügt, Seite 139, über die Bestimmung des Ez- 
tiBctgeJultes oder, Seite 1S9, der Apparat zur Bestimmung der Eohlen- 
äore. 

Eadlidi finden sich auch mehrfach Druckfehler und kleine Unge- 
Bsaigksiteny so Seite 33 Gameralisirung statt Caramelisirung. Seite 188 
i-Will'seheKohlensänreapparat statt Fresenius -Will'sche. Seite 251 



192 Büchenchaa. 

werden die Ton Dikion auf die Qnantit&t der gefondenen Asehe betoge- 
nen Einielbestandtheile derselbeo, mit dem Procentgehalta der Asehe T«r* 
wechselt und Seite 278 ist ein Lehrbuch Winklers tat „pruchaetiseh«'* 
Chemie erwähnt. 

Jena. Br. JBmü TftiftT, 

Der Leib des Menschen. Vorträge für Grebildete über Ana- 
tomie, Physiologie und Diätetik, von Prof. Med. G. Reclant 
2. Auflage. Stuttgart, Julius Hoffmann. 

Wer ein Mal das Glück hatte sich an der Hand tüchtiger Lehnr 
mit der Physiologie des Menschen zu beschäftigen, dem hat dieselbe 
sicher das lebhafteste Interesse abgewonnen und sein einziges Bedaafn 
wird, wie bei Schreiber dieses, gewesen sein, dass dieser Schatz ron Kennt- 
nissen nur so Wenigen, gewisserniaassen Privilegirten zugänglich wir, 
während es doch wünschenswerth gewesen wäre, dass er wenigstaai in 
seinen Grandzügen zum Gemeingut würde und namentlich auch aof die 
Erziehung der Jugend seinen segensreichen Einfluss auszuüben TermÖehte. 
Dies konnte freilich nicht durch eins jener populären Werke oder besser 
gesagt Machwerke geschehen, die da glauben schon hinreichend getiias 
zu haben , wenn sie dem Publikum auch nur halbe Wahrheit oder hslbe 
Genauigkeit darbieten; yielmehr durfte dies nur Jemand untemehmcs, der 
das ganze Gebiet beherrscht und doch auch wieder das Talent der popu- 
lären Darstellung besitzt, wie dies bei Prof. Eeclam in so glueUichcr 
Weise Tereinigt ist. 

Die Schwierigkeit zu einem Publikum zu sprechen, bei dem man die 
eigentlich nötbigen VorkenntnisBe in Anatomie nicht voraussetzen durfte, 
machte es, auch schon des leichtem Auffassens halber, nöthig, das Werk 
mit zahlreichen bildlichen Darstellungen zu yerseben und ist auch in die- 
ser Hinsicht die Aufgabe als in glücklichster Weise gelöst zu betrachten, 
indem die Ausführung der zahlreichen Holzschnitte und der, bei wichti- 
gen Punkten gewählten Farbeutafeln jedem wissenschaftlichen Fachwerke 
zur Ehre gereichen würde und Uebersichtlichkeit mit leichtem Verstiod- 
niss verbindet. 

Diese zweite Auflage des Werkes erscheint in 20 Lieferungen , von 
denen die erste über Stoffwechsel und die zweite über die Verhältnisse 
des Gehirns vorliegt. Beide finden sich ganz auf dem Standpunkt der 
neuesten Forschung und heben die in diätetischer Hinsicht zu machen- 
den Schlüsse und Nutzanwendungen immer in gebührender Weise hervor. 

Auch Dri^ck und Papitr lassen nichts zu wünschen übrig und bleibt 
nur zu hoffen , dass das Werk zum begen der Familien recht weite Ver- 
breitung finde. 

Jena. Dr. Mmü Pfeiftr, 



Berichtigung. 

Band 812 Seite 33, 14. Zeile vcd oben niuss es heissen: Genertl- 
Versammlung des deutschen Apotheker Vereins in Stuttgart 1876 (nicht 1866). 



iUiXin, Buchdrackorci des WaisenhaiMM. 




ARCHIV DER PHAMACIE. 



- r 



9. Band, 3. Heftf^>^ 






A. Origlnalndttheütogj^^^ // 




-i ^ 



Untenuehiingeii ans dem pharmaoeutlschen Institute 

der UniyersitBt Dorpat« 

Mitgeiheilt t. Dragendorf f. 

L Ueber einige abyssinische HeilmitteL 

(Fortsetzung.) 
3. Kossila (Tigr^ « Sangäla). 

Unter diesem Namen erhielt ich kleine braune Saamen, 
▼eiche als Mittel gegen Bandwurm empfohlen werden. Heber 
die Abstammung habe ich leider nichts weiter erfahren kön- 
nen, als dass sie von zwei yerschiedenen Species einer Gat- 
tung eingesammelt werden. Schimper vermuthet, dass sie 
zuerst Ton den Bewohnern des Amchara- Landes angewendet 
worden und dass der Gebrauch von ihnen aus in den letzten 
30 Jahren sich weiter verbreitet habe, so dass das Mittel 
z. B. auch in einzelnen Theilen des Tigr^landes jetzt ge- 
braucht wird. Die 8aamen sind ca. 0,2 Met. lang und ca. 
Q4 Met. breit, von der Seite zusammengedrückt, nierenfor- 
mig längsgestreift und auf den Streifungen fein getüpfelt. 
Sie sind dunkelbraun, haben eine gelbliche Baphe tmd sind 
exalbuminos. Beigemengt finden sich reichlich grüne Bruch- 
stucke einer Eruchtcapsel und kleine Stengelreste, die von 
gleicher Ausdebnung wie die Saamen sind und wahrschein- 
lich machen, dass die Drogue durch ein feinmaschiges Sieb 
getrieben worden. 

Ardi. d. Pliarm. XTL Bd«. 3. Heft. 13 



194 Dragendorff, lieber einige abyssinlsche Heilmittel. 

lieber die Anwendung wird mitgetheilt, dasB die Saa- 
men (Früohte steht im Text) gepulvert werden und 34 g. 
dieses Pulvers auf 3 Mal eingenommen werden solleu. Vs ^^^ 
bezeichneten Gabe wird, mit Honig gemengt, Abends beim 
Schlafengehen, Vs gleichfalls mit Honig am nächsten Morgen 
möglichst fiüh und Va ^^ wenig Eieinusöl ^ gemischt 1 V» bis 
2 Stunden später genommen.' In anderen Gegenden wird 
das Pulver auch bei den ersten Gaben schon mit Oel gemengt 
eingenommen. Vor der Anwendung soll Abends der Magen 
unbelastet bleiben, oder es soll doch nur eine stark gesalzene 
und mit einigen Enoblauchzwiebeln abgekochte Suppe genos- 
sen werden. In letztem Falle kann die Dosis etwas ver- 
ringert werden. Der Bandwurm soll am zweiten oder dritten 
Tag halbverwest abgehen und das Mittel soll sehr sicher 
wirken. 

Die zu meiner Analyse verwendete Probe enthielt 6,37 ^o 
Feuchtigkeit und 5,96% Aschensubstanz. 

I. Bestimmung der Fettmenge durch Petroleum- 
äther. 

5 g. des Saamenpulvers gaben an Petroleumäther 0,6981 g. 
fettes Oel ab — 13,96%. Das Oel ist bei gewöhnlicher 
Temperatur hellgelb, dünnflüssig, langsam verharzend, in 
absolutem Alkohol ziemlich leichtlöslich. 

U. Bestimmung der Fettmenge durch Aether. 

5 g. des Saamenpulvers gaben an absoluten Aether 
0,7104 g. desselben Oeles, mit einer kleinen Beimengung 
von Chlorophyll ab -» 14,21 %. Dieses Oel löst sich bis 
auf eine kleine Menge einer harzigen Substanz auch in Pe- 
troleumäther auf, desgL in absolutem Alkohol. Die Menge 
der harzigen, in Aether löslichen Substanz würde 
sich aus der Differenz von Vers. I. u. IL zu 0,25% be- 
rechnen. 



1) ZuTiel RiciiMisöl soll sehädlich sein, weü et in Behnellei Purgi* 
ren bewirkt. 



Dimgendorff, üeber einige «bjsffiidicbe Heilmiitel. 195 

ILL Bestimmuiig der in Alkohol löslichen Sub- 
stanzen. 

a) 5 g. des Pulvers gaben an Alkohol OJ392 g. lösli- 
cher Substanzen « 14,78 % ab, unter diesen fast das ge- 
sammie OeL 

b) Aether entzieht dem mit Alkohol behandelten Rückstande 
nur noch 0,1653 g. =- 3,51% einer fettig -harzigen, wenig 
bitterlich schmeckenden Materie. 

c) Der in Aether unlösliche Antheil von 11. verliert bei 
Behandlong mit absoL Alkohol 0,1404 g., es kann demnach 
die Menge der in Aether schwerlöslichen, in Alkohol leichter 
löslichen Substanzen (Zucker etc.) nur sehr klein sein. Der 
Rückstand dieses Alkoholauszuges «» 2,81 % ^ braunharzig, 
bitterlich schmeckend, in Wasser grösstentheils unlöslich. 
Es hinterbleiben bei Behandlung mit Wasser 0,1143 g. 
» 2,55% ^^ Alkohol lösliches Harz. 

IV. Untersuchung der in Wasser löslichen Be- 
standtheile, Schleim, Grerbstoff, Fflanzensäuren, 

Zucker. 

a. 1) 10 g. des Pulvers wurden mit Wasser 24 Stunden 
kalt macerirty dann bei 100^ ausgezogen, nach dem Erkalten 
auf 500 CG. gebracht und filtrirt. 

2) 50 CG. des hellgelb gefärbten Filtrates hinter- 
liesaen nach dem Austrocknen 0,1566 g. Bückstand mit 
0,0341 g. Aschensubstanz — 12,25% ün Wasser lösliche 
verbrennliche Substanzen* 

3) 50 G. G. des Auszuges lieferten bei der Alkohol- 
fiUimg 0,0802 g. schleimigen, jodbläuenden Niederschlages 
mit 0,0202 g. Aschensubstanz » 6,00% Schleim plus 
etwas jodbläuender Substanz. 

Das alkoholische Filtrat wurde verdunstet, der Bück- 
stand wieder in Wasser angenommen. Es färbt Ferroferrid- 
s&lz giünbraun, reducirt alkalische Kupferlösung beim Kochen, 
locht in der Kalte, mit verd. Schwefelsäure erhitzt giebt es 

13* 



196 Dragendorff, üeber einige abysiiniiche Heilmittel. 

einen Geruch, welcher an den unter ähnlichen Umständen 
beim Celastrin bemerkbaren erinnert. 

4) 50 G. C. des Auszuges gaben nach Fällung des 
Schleimes mit Alkohol, Destillation, Wiederverdünnen mit Was- 
ser und Fällen mit Eupferacetat 0,0373 g. gerbsaures Kupfer 
mit 0,0190 g. Kupferoxyd « 0,0183 g. Gerbsäure =- 

1,83 7o. 

5) 50 C. G. ebenso behandelt, aber mit Bleiacetat präci- 

pitirt lieferten 0,0615 g. Niederschlag mit 0,0408 g. Blei- 
oxyd = 0,0207 g. Gerbstoff und Pflanzensäuren. Aus der 
Differenz Yon 4 und 5 berechnen sich 0,24% Pflanzen^ 
säuren. 

6) 50 G. C. des Auszuges wurden zur Syrupdicke ver- 
dunstet, mit Weingeist gefällt, destillirt und der Rückstand 
auf 25 G.G. gebracht. 22 G.G. dieser Lösung reducirten 
5 G.G. der Fehling'schen Solution, es war aber, da die Be- 
duction nur träge von Statten ging, das Ende des Versuches 
nicht scharf zu erkennen und der Versuch, welcher gegen 
2,8 7o zuckerartige Substanz angezeigt hat, lässt an 
Genauigkeit zu wünschen übrig. Dass hier keine Glucose 
vorhanden sein kann, geht schon aus m. a. 3. hervor, es 
muss sich um eine Saccharose oder einen dextrinartigen Kör- 
per handeln. 

7) Bei einer Wiederholung des Versuches mit 250 G.G. 
des wässrigen Auszuges wurde vor dem Titriren mit verd. 
Schwefelsäure gekocht und auf 50 G. G. verdünnt. 10 C. G. 
Fehling'scher Solution brauchten nun 13,5 G.G. => 3,68% 
Zucker; es muss aber angenommen werden, dass sich durch 
Einwirkung auf einen gleichzeitig anwesenden glycosidischen 
Bitterstoff etwas neuer Zucker gebildet hat (die Flüssigkeit 
hatte sich bei Einwirkung der verd. Schwefelsäure getrübt 
und einen starken, entfernt an Menyanthol erinnernden Ge- 
ruch entwickelt. Ich glaube desshalb doch eher das Resul- 
tat des Vers. 6 verwerthen zu dürfen. Immerhin kann aber 
dieser letzte Versuch dazu dienen, die Gegenwart einer 
glycosidischen Substanz wahrscheinlich zu machen. Subtra- 
hiren wir die Menge des Schleimes, der Gerbsäure, Pflanzen- 



Drag€Bdorffy Ueber einige abyssiiusohe Heilmittel. 197 

säure und des Zuckers von der GreBammtmenge der in Was- 
ser löslichen verbrennlichen Substanzen (12,25 — 10,87), so 
würde der Rest = l,387o das Maximum angeben, welches 
för diesen glycosidischen Bitterstoff in Rechnung 
gebracht werden darf. 

Eine der Myronsäure oder dem Amygdalin verwandte 
Substanz liegt hier nicht vor. Behandelt man das mit Fe- 
trolather entfettete Pulver, nachdem es wieder getrocknet 
wurde, mit Wasser, so entwickelt sich keine Blausäure, kein 
Bittermandelöl und kein Bhodanallyl. Auch wenn bei Ein- 
wirkung des Wassers noch Emulsin zugegeben wird, bleibt 
der Effect derselbe. 

Y. Bestimmung der pectinartigen Substanzen 

und des Calciumoxalates. 

a) Der in Wasser unlösliche Antheil von IV. a. wurde 
mit 250 C. C. sehr verdünnter Natronlauge macerirt und 
filtrirt 100 C C. des Filtrates lieferten mit Weingeist 0,2631 g. 
Niederschlag mit 0,0566 g. Aschensubstanz «5^18 % »V^^' 
linartiger Substanz", der mit Wasser gut ausgesüsste 
Bückstand von Y. a. wurde nun auch mit 500 G.G. salz- 
j^äurehaUigem Wasser bebandelt und es wurden aus 200 G. G. 
des Auszuges durch Natriumacetat 0,0071 g. Galciumoxa- 
lat gefällt « 0,18^0 Galdumoxalat oder 0,11 7o Oxal- 
säure. 

Aus dem Filtrat von 6) fällte Weingeist keine dem 
Paranbin ähnliche Substanz. 

YL Die Untersuchung auf Amylum 

mittelst des Mikroskopes und mit Zuhiilfenahme von Jodwas- 
?er bewies, dass Stärkmehlkömchen nicht anwesend waren, 
dass aber einzelne Theile der Zellwandungen durch Jod 
gebläut wurden. Es kann demnach die theilweise Blaufär- 
bnng, welche Jodwasser bei dem im lY. a. 3. isolirten 
Scbkime bewirkte, nicht als Beweis dafür, dass Stärkmehl 
Torhsnden wäre, gebraucht werden. 



198 Dngsndorff, Ceber eüiig« BbjliiniioliB Heitmiltel. 

Vn. Bestimmung des Stickstoffs und der eiweiBs- 
artigea Sabstanzen. 

a) 1 g. des Pulvers lieferten 0,3753 g. PlaünsalDiiiii 
- 1,71 "/o Stickstoff. 

b) Qualitative Versuche belehrten mich, dass der Saame 
keine nachweisbaren Mengen von Salpetersäure, nur Spuren 
von Ammoniak und keine nachweisbaren alkalo'idiscben Sab- 
etanzen enthalte. Es darf demnach angenommen werden, 
dass tbst die ganze Menge des Stickstoffs in Form eiweis^ 
artiger Substanzen vorliegen und dass die Menge dieser 
= 10,94% sei. 

c) Zur Bestimmung des Albumins wurde der in Petio- 
leumäther unlösliche Rückstand von L mit 100 G.C. Wasser 
bei 35»— 40» extrahirt. G5 C. C. des Filtratea lieferten 
0,0440 g. Albumin ; die 5 g. Kossala enthielten demnach 

577 g. Pflanzeneiweiss = 1,35 %. 

d) Der hinlänglich mit Wasser Dachgewaschene Hiicketand 
vn. c. gab bei Maceration mit 100 C. C. schwach amma- 

ütaltigem Wasser an dieses eine leguminartige Sobstsni 
60 C.C. des Filtrates gaben nach Zusatz von eoriel 
igsänre, dass deutlich saure Beaction erreicht war, 0,0654 g. 
derschlag = 2,85 7o X<egumin. Es ist hier zwar nur 
r schwach ammoniakalisches Wasser zur Extraction be- 
st worden, ich mnss aber doch zugeben, dass möglicher- 
se eine kleine Menge pectinartiger Substanz gelöst, wieder 
illt und als Legumin gewogen worden ist. 

e) Ifach diesen Resultaten ist zu erwarten, dass in dem 
Vasser und ammoniakhaltigem Wasser unlöslichen Antheile 

Kossala noch 6,74 % anderer EiweisssubstanzcD 
ickgehlieben sind. 

Vin. Zellstoffbe Stimmung. 
Aus 5 g. Eoseala wurden 1,6975 g. Zellstoff mit 0,1207 g. 
bensnbstanz erhalten, d. h. 31,64 7o Zellstoff gefun- 
Eb sind demnach noch 10,89 % vom Gewichte der 
[Qen als Guticularsnbstanz etc. in Rechnung lu 
Sen. 



Dngttidorffi Ueber einige abyssinische HeiimitteL 199 

LL Untersuchung auf Alkalo'ide und Bitter- 

Stoffe. 

Die Ausschüttelungen mit Petroleumäther etc. gaben 
weder in rein wassrigen Auszügen noch solchen, welche mit 
schwefelsäarehaltigem Wasser angefertigt waren, Anzeichen 
Tür die Gegenwart hierher gehöriger Substanzen , welche auf 
diesem Wege isolirt i^erden könnten. 

Auch die durch Alkohol in solchen Auszügen nach dem 
Eindampfen gefällten Niederschläge wurden wieder gelöst 
and dem Ausschüttelverfahren unterwori'en , aber gleichfalls 
mit negativem Erfolge. 

Leider reichte das, gerade bei dieser Drogue nur spar- 
sam zugemessene Material m'cht, um den Bitterstoff, dessen 
Vorhandensein durch Vers. lY. a. 7. wahrscheinlich gemacht 
worden, weiter zu Terfolgen 

Becapitulation. 

In 100 Theilen der Kossala sind gefunden: 

Feuchtigkeit 6,37 Theile. 

Asche 5,96 

Albumin 1,35 - 1 

^» '^'«^ - sia 

Unlösliche Eiweisskörper .... 6,74 - JL 

Zellstoff 31,54 - 

Cnticolarsubstanzen etc. .... 10,89 

Pectin 5,18 - 

Schleim (im Wasser löslich) . . • 6,00 
Saccharose od. dextrinartiges Kohle- 
hydrat 2,80 

Fett 13,96 - 

Harz (in Aether löslich) .... 0,25 

Harz (in Alkohol löslich) .... 2,55 - 

Bitterstoff (in maximo) .... 1,38 

(ierbsaure 1,83 

Pflanzensäuren 0,24 

Oxalsäure (an Calcium gebunden ) . 0,11 

100,00 Theile. 



200 Dngtadortt, Notis«n lur ganohtlkhen Chflnu«. 

In Bezug auf die medicinische Wirksamkeit der 
EoBsala kann ich oonetatires, daes nach Gabea von 5g. 
der gepulverten Substanz bei einem ca. 26 Kilo scbwereo 
Yiebhande Abgang eines 1'/, — 3 Ellen langen Bandwurmes 
erfolgte und daes am folgenden Tage gereichte 6 g. nodi- 
maU Ausscheidung eines Bandwurmstäckes bewirkten. Ich 
mnsB aber bemerken , dass Dosen von 1 — 2 g. bei kleinen 
Hunden starkes Erbreohen und bei Katzen jedenfalls bedeu- 
tende Verdanungsstöningen , Appetitlosigkeit etc. bewiiiten. 
Durch eine grössere Versuchsreihe an Uenschen, zu Telcher 
mein Material nicht aasreicht, müsste festgestellt werden, ob 
nicht diese Ifebenwirknngeu TOn einer häufigeren Benutzung 
der Eossala abrathen. 

n. Einige Notizen zur gerichtlichen Chemie. 
1) In den letzten Jahren sind in die Therapie mehrere 
Heilmittel eingeführt worden, welche tbeils ziemlich stark- 
wirkend sind und desshalb zu Vergiftungen Anlass 
geben können, reap.- gegeben haben, theila aber auch 
bei medicinaler Anwendung in so bedeutenden Mengen benntzt 
werden, dass sie Toraussichtlich in Füllen, wo wegen Ver- 
dacht einer Intoxication gerichtlich - chemische Untersuchung 
angeordnet wird, Störungen der Analyse bewirken müssen, 
falls sie kurz TOr dem Tode, etwa als Medioament, gereicht 
wurden. 

Nachdem ich in meiner „Ennittelang der Gifte" ein 

Verfahren empfohlen habe, welches zur Nachweisnng der 

durch Ausschütteln aus wässriger Lösung isolirbaren Alka- 

loide , Bitterstoffe etc. benutzt werden kann und nachdem ich 

die wichtigeren hierhergehörigen Gifte etc. einer Bearbeitung 

nach meinem Untersuchungsverfahren unterworfen, deren 

Kesultate ich im genannten Werke nnd meinen „Beiträgen 

zur mnohtlichen Chemie" mitgetheilt habe, schien es mir 

in, auch die neueren hierher gehörigen Heilmit- 

demselben Verfahren zn prüfen. Solche Unter 

nbe ich nun im vorigen Semester theila selbst 

eils dnrdi einige Fracticanden , welche sich mit 



Dragendoxff, Notizen zar gerichtlicben Chemie. 201 

gerichtlich -011611118011611 Arbeiten bescbäftigen sollten, ausfahren 
laaseiL Einige Resultate derselben mögen hier kurz vor- 
gefahrt werden. 

Mein Verfahren setze ioh als bekannt voraus. Wenn 
dasselbe insofern, als es bei ihm darauf ankommt, durch suc- 
cessive Behandlung vässriger Lösungen mit verschiedenen, 
mit Wasser nicht mischbaren Flüssigkeiten die gesuchten 
Gifte etc. auszuschütteln, als Modification des Stas'schen 
Ver&hrens bezeichnet werden muss, so unterscheidet es sich 
von diesem doch dadurch, dass zur Ausschüttelung verschie- 
dene Flüssigkeiten angewendet werden, welche wegen ihrer 
angleichen Wirkungen auf die zu suchenden Stoffe bereits 
über die Natur dieser einigermaassen orientiren können und 
dass nicht nur auf eine Grewinnung aus alkalisch reagiren- 
der, sondern auch aus saurer Solution reflectirt wird, was 
wiederum Gelegenheit zu vorläufiger Unterscheidung, sowie 
zur Erweiterung des Kreises nachweisbarer Gifte fuhren 
mass. Gerade die Möglichkeit, auch aus saurer Lösung Sub- 
stanzea ausschütteln zu können, welche wie ath. Oele, Car- 
bolsäure, Ereosot, Nitrobenzol, viele Bitterstoffe und manche 
Säaren früher nur schwer isolirt werden konnten, falls sie in 
kleinen Mengen vorlagen, machte es nun wünschenswerth, mit 
derjenigen Säure, welche neuerdings so häufig therapeutisch 
verwerUiet wird, ich meine die 

Salicylsäure in der bezeichneten Bichtung Yersuche 
za machen. Wenn es keine besonderen Schwierigkeiten 
macht, Benzoesäure durch Ausschütteln mit Chloroform aus 
Lösangen, in denen man durch Zusatz von Schwefelsäure 
erstere firei gemacht hatte, zu gewinnen, so war a priori 
wahrscheinlich, dass auch für die Salicylsäure eine Flüssigkeit 
gefanden werde, welche sie der wässrigen Lösung entzieht. 
Dem ist in der That so. Herr stud. Ghristowsky hat durch 
eine Versuchsreihe bewiesen, dass die Salicylsäure schon 
darch leichtsiedenden Petroleumäther aus der mit Schwefel- 
«^aore versetzten wässrigen Lösung in geringer Menge gewon- 
nen wird und dass sie noch bedeutend leichter und reichli- 
cher, wie in diesen, in Benzin und in Chloroform übergeht. 



202 Dragendorff^ Notizen zur gerichtlichen Chemie. 

Beim Verdunsten der Benzin- und Ghlorofonnausschiitteliingen 
bei ca. 30® hinterbleibt die Balicylsäure krystallinisch, oft 
fast farblos^ so dass man direct mit der isolirten Sabstauz 
die bekannte Eieenchloridreaction ausführen kann. 

Will man von diesem Verhalten der Salicylsäure bei 
Untersuchung von Bier Gebrauch machen, so ist nur 
nöthig, das Bier mit etwas Schwefelsäure zu versetzen, ein- 
mal mit Fetroleumäther und dann mit Benzin auszuschütteln. 
Im Auszuge, welcher mit Petroleumäther gemacht wurde, 
wird sich, wie angegeben, schon etwas Salicylsäure neben 
Fuselbestandtheilen des Bieres etc. finden ; die grössere Menge 
der Säure wird im Verdunstungsrückstande der Benzinans- 
schüttelung vorhanden sein. Bei einem hiesigen Biere, bei 
dem Abwesenheit von Salicylsäure zuvor constatirt war, 
gelang es die Salicylsäure wieder abzuscheiden , als diese in 
der Menge von 0,1 g. auf 500 C.C. Bier gelöst war. Zur 
Aastelluug der Eisenchloridprobe war nur ein kleiner Bnich- 
theil der hier isolirten Säure erforderlich; man hätte sie auch 
noch völlig befriedigend nachweisen können , falls V20 ^^^^ 
V30 der bezeichneten Menge im Biere anwesend wäre. An- 
gesichts der Thatsache^ dass jetzt Salicylsäure häufiger bei 
der Bereitung von Bier in Anwendung konunt, lässt sich die 
beschriebene Methode für Fälle, wo der Zusatz constatirt 
werden soll, empfehlen. 

Wäre einmal der Mageninhalt eines Verstorbenen zn 
untersuchen, bei welchem eine grössere Menge der alsHedi- 
cament ihm einverleibten Salicylsäure vorhanden wäre, so 
würde diese nur bei der Untersuchung der aus saurer Lösung 
erhaltenen Ausschüttelungen störend werden, aber auch hier 
leicht auf Grundlage ihrer Eisenreaction erkannt werden 
können. 

Grelsemium sempervirens. Die Wurzel dieser 
Pflanze wird schon lange in den vereinigten Staaten gegen 
Neuralgie etc. benutzt; auch in Europa ist sie neuerdings 
häufiger zur Anwendung gekonmien. Dass sie zu den stark- 
wirkenden Droguen gehört und schon mehrfach Vergiftungen 
herbeigeführt hat, ist Thatsache. Nach den Untersuchungen 



I)nig«ndorff, Notiien zur gerichtlichen Chemie. 203 

Yon Wormsley^ war das Yorhandensein eines eigenthöm- 
lichen Alkaloides^ des Gelsemins und einer sauer reagiren- 
den Substanz, welche er G-elseminsäure nannte, in der 
Gelsemiumwurzel dargethan worden. Robbins ' hat beide 
näher untersucht und wahrscheinlich gemacht, dass die Gel- 
seminsäure identisch oder nahe übereinstimmend mit dem 
Aesculin sei. Robbins hat in Bezug auf das Gelsemin 
femer dargethan, dass es nach der Stas'schen Methode isolirt 
werden kann und dass bei Nachweisung desselben namentlich 
Ton einer Reaction gegen Schwefelsäure und Ceroxyd oder 
Ealiumbichromat Nutzen gezogen werden kann. Bringt man 
Gelsemin mit reiner conc. Schwefelsäure zusammen, so löst 
es sich gelbroth; fugt man dann eines der erwähnten Oxyda- 
tionsmittel — am besten Ceroxyd — hinzu, so wird die 
Lösung kirschroth. Es war nun zu untersuchen, wie sich 
die erwähnten Oelseminbestandtheile gegenüber den von mir 
benutzten Extractionsmitteln verhalten, ob beide oder nur 
eines durch Ausschütteln werde gewonnen werden, eventuell 
in welchen Ausschüttelungen die beiden Substanzen zu suchen 
seien. Falls es in der That gelang, beide so sehr charakte- 
ristischen Bestandtheile des Gelsemiums in verschiedenen 
Ausschüttelungen darzuthun, so war damit für die Unter- 
Buchung auf diese Drogue und ihre Präparate eine erhöhte 
Sicherheit gewonnen. Letzteres ist in der That so. 

Die in gehöriger Weise vorbereiteten Auszüge des Gel- 
eemium sempervirens geben bei Anwesenheit freier 
Schwefelsäure an Fetroleumäther so gut wie nichts, an 
Benzin wenig harzige Substanz ab, welche durch conc. Schwe- 
felsaure und Ceroxyd nur braun gefärbt wird. Auch in die 
Chloroformauszüge aus saurer Lösung geht letztere, nicht 
veiter qualificirbare Substanz über, neben ihr aber ein Be- 
standtheü, welcher nach Verdunstung des Chloro- 
formauszuges sich in siedendem Wasser löst und 
in dieser Solution, namentlich aber nach Zusatz 



1) Cfr. Jahresber. f. Fhann. Jahrg. 1874. p. 471 
S) Ibid. Jahrg. 1876. p. 152. 



204 Dragendorff, Notizen zar gerichtlichen Chemie. 

von etwas iNTatronlauge zu derselben eine sehr 
deutliche Fluorescenz in Blau zeigt. 

Die Uebereinstimmong mit dem Aesculin, TJmbelliferonetc. 
ist eine äusserst frappante, jedenfalls handelt es sich hier um 
dieselbe Substanz, welche oben als Gelseminsäure au^efiihrt 
wurde. 

Das Greis emin geht in keine der aus saurer Flüssig- t 
keit herstellbaren 3 Ausschüttelungen über. Der durch ] 
Ammoniakzusatz alkalisch gemachten Lösung ent- 
zieht Fetroleumäther gleichfalls kein oder doch nur eine ^ 
Spur Ton Gelsemin. Der Yerdunstungsrückstand dieses Aus- 
zuges wird mit Schwefelsäure und Geroxyd ganz Yoräber- 
gehend violett. Dagegen gehen reichliche Mengen ] 
des Gelsemins aus alkalischer Flüssigkeit in 
Benzin und auch in Chloroform über. Die nach Ver- 
dunstung dieser Auszüge erhaltenen Bückstände gaben die < 
für Alkaloide charakteristischen [Niederschläge mit Jodjodka- 
lium^ Brombromkalium, Gerbsäure, Phosphormolybdänsäare, 
Pikrinsäure, Ealiumquecksilberjodid, Ealiumwismuthjodid, Gold- 
chlorid , Ealiumbichromat etc. und die schon oben beschrie- 
bene Farbenreaction mit Schwefelsäure etc. 

Man kann demnach das Gelsemin in ähnlicher Weise, 
wie das Strychnin und Brucin isoliren und man wird diese 
Alkaloide, wenn sie zusammen in einem Objecte anwesend 
sind, auch gemeinschaftlich abscheiden. Für die Unterschei- 
dung wird man namentlich das Verhalten gegen reine conc. 
Schwefelsäure allein verwerthen können. Solche Säure löst 
bekanntlich Strychnin und Brucin farblos oder fast farblos, 
Gelsemin ge^broth. 

Jaborandi. In den Jaborandiblättern kommt nach 
Dräsche, Hardy, Gerrard und And. ein Alkalo'id vor, 
welchem die Namen Serronin und Pilocarpin beigelegt wor- 
den sind^ und auf welchem nach Bochefontaine u. A 
die wesentlichen Wirkungen der Drogue zurückgeführt wer- 
den müssen. Auch mit dieser Drogue hat Herr Ghristowsky 



1) Gonf. Jahresber. f. Pharm. Jahrg. 1875. p. 178. 



Dragendorff, Notiien zur gerichtlichen Chemie. 205 

Versnobe ansgefährt^ welche beweisen, dass ihre Auszüge, so 
lange sie sauer sind, an Fetroleumäther nur die geringen 
Meng^i ätherischen Oeles abgeben, welche in die Was- 
serlösung übergegangen sind, dass sie gleichfalls an Benzin 
und Chloroform kein Alkalo'id und überhaupt nur geringe 
Mengen einer harzigen, nicht weiter qualificirbaren Substanz 
überiassen. 

Nach XJebersättigung mit Ammoniak entzieht 
Petroleumäther ebensowenig eine alkalo'idische Substanz, wie 
bei Einwirkung auf Atropinlösungen. Benzin undChloro- 
form nehmen dann aber das Pilocarpin recht leicht 
auf und es kann demnach dieses Alkalo'id ähnlich wie Atro- 
pin isolirt werden. Die in schwefelsäurehaltigem Wasser 
gelösten Yerdunstungsrückstände der Benzin- und Chloro- 
formausschüttelungen geben mit Jodjodkalium, Brombromka- 
ÜTim, Phosphormolybdänsäure, Pikrinsäure, Ealiumquecksilber- 
jodid, Xaliumwismuthjodid und Goldchlorid wie bei den 
meisten Alkalo'iden Präcipitata Der Niederschlag mit Ka- 
linmkadmiumjodid ist ziemlich leichtlöslich, die Gerbsäure- 
rerfamdung gleichfalls leichtlöslich. Parbenreactionen für 
Pilocarpin sind, ebensowenig wie beim Atropin, bisher bekannt 
geworden. Zur Bestätigung, dass Pilocarpin vorhanden ist, 
wird man bei gerichtlichen Fällen wohl namentlich das phy- 
siologische Experiment herbeiziehen müssen. 

Taxus baccata. Vergiftungen mit Theilen dieser 
Pflanze sind bekanntlich nicht selten vorgekommen, man hat 
aber bisher keine Mittel gehabt, um solche Vergiftungen auf 
chemischem Wege zu constatiren. 

Nachdem nun vor Kurzem Marme in dem Eibenbaum 
das Alkalo'id Taxin nachgewiesen und zugleich erkannt 
hatte, dass dasselbe die toxische Wirkung der Pflanze 
bedingt, ^ gewann die Sache ein erneutes Interesse. 

Taxin ist nach Marm^ ein in Alkohol, Aether, Chloro- 
form, Benzol etc. lösliches, in kaltem Wasser kaum, in Petro- 
leimiäther nicht lösliches Alkalo'id von bedeutender Basidtät, 



1) CoBf. JfthTMbcr. f. Phana. Jahrg. 1S76. p. 93. 



206 Draf^dorfT, Kotiten xnr gtriehtliehea Chtmi«. 

Trelches ziemlich leicht kryatallisirt, durch oonc. Bchwdeluiiiie 
mit rother Farbe aaf^nommeii wird und deeaen LöBnug in 
sänrehaltigem Waeser mit den meisten Alkalo'idftUliui^siiut- 
teln Kioderschlägfl g^ebt. LeichtlÜslich eiod nach itami 
die VerbindaQgen des T&xias mit Platinohlorid, Goldchlond, 
Quecksilberchlorid, KaliiimplatiiiGyanär. 

Auf Grundlage dieser Mittheilungen war zu erwaii^ 
daes bei Vergfiftnugen mit Taxas baccata das Taxin oacb- 
weisbar sein werde und zwar in der ammoniakalisch gemach- 
ten Lösung. Meine Yeranche beweisen, dass dem tu ia 
That so ist. Aus saurer Flüssigkeit entziehen Petroleum- 
äther und Benzin das Taxiu ebensowenig als sonst einen, 
durch charakteristische Keactionen ausgezeichneten, Tains- 
bestandtbeil, Chloroform nimmt es in geringer Menge ant 
Der anuDoniakalischen Flüssigkeit entnimmt Fetrolaomätlier 
das Taxin nur spurweise. Leicht geht letzteres aus alkali- 
scher Lösung in Benzin und Chloroform über. Nach Ver- 
dunstung der Benzinausficbüttelung erhält man das AlkaloTd 
krystallinisch, ans der Chloroformlösung in der Kegel amorph. 
Für die Kachweisung des Taxins wäre, abgesehen Ton 
der Reaction gegen Bchwefelsüure das Verhalten gegen Pl»- 
tin-, Gold- und Quecksilberchlorid beachtenswerth. DieLeioht- 
löslichkeit der Goldverbindung würde es vor den meisten 
giftigen Alkalosen auszeichnen. Dass in der That das sue 
den Blattern und Saamen der Taxuspfianze in angegebeoer 
Weise isolirte Alkalo'id aus verdünnteren Solutionen doich 
Gold- Quecksilberchlorid etc. nicht gefallt wird, davon hkbe 
ich mich überzeugt. 

In dem Fruchtfleische und den Fruchthäuten der Taxas 
_-!.„■_. j^ Taxin nicht oder nur spurweise vonrokommen; 
Saamen lässt es sich, wie gesagt, wenn auch in 
ii Menge, wie ans den Blättern isoliren. Wenn nun 
Literatur dieses Gegenstandes zahlreiche Bdspiele 
let sind, welche für die Giftigkeit der Taxusfi-ndite 
, so sind diese angesichts des in den Saamen vor- 
1 Taxins durchaus verständlich. £s liegen aber aucb 
it geringe Anzahl solcher beglaubigter Fälle vor, in 



Dngendorffy Notizen zur gorichtliolien Chemie. 207 

denen Taxasfriichte ohne nachtheilige Folgen von Menschen 
genossen worden sind. Wie sind diese zu erklären? — Ich 
habe schon Tor einigen Jahren, als ich von Gent ans in einer 
gerichtlichen Sache consnltirt wnrde, darauf hingewiesen, 
dass diese Widersprüche wahrscheinlich durch die Annahme 
erklärt werden können, dass in solchen Fällen, wo die Früchte 
im Monde nur gequetscht und dann yerschluckt werden, die 
Intoxication ausbleibt, während^ wo die Früchte mit den in 
ihnen enthaltenen 8aamen zerbissen, die Saamen zertrümmert 
werden, Yergiftung beobachtet wird. 

Ln ersten Falle wird der Saame mit seinem Taxin ziem- 
lich uuTerändert wieder den Körper yerlassen. Auch, wo 
die Saamen wieder ausgespieen und nur das Fruchtfleisch 
allein in den Magen gekonmieo, wird dies ohne Schaden zu 
verursachen geschehen. 

Es wäre mir interessant, wenn vorkommenden Falles 
bei Vergiftung mit Taxusfirüchten darauf geachtet würde, 
ob sich im Tractus intestinalis oder in den Faeces zerklei- 
nerte Taxussaamen finden und ob meine These sich bestätigt. 
2) Yor einiger Zeit hat Lombrosi ^ darauf aufmerksam 
gemacht, dass gefaulter Mais eine in Alkohol lösliche bit- 
terscbmeckende Substanz enthalte, welche im gesunden Mais 
nicht vorkommt und welche bei Menschen nach längerer An- 
wendung in kleinen Dosen Pellagra erzeugt. Seebeschädigter 
Mais soll nach demselben Autor einen Bestandtheil enthalten, 
weldier gleich&lls in Alkohol löslich ist und welcher, Thie- 
ren in grösserer Dosis gereicht, nach längerer Zeit Tetanus 
l>ewirkt. Eine dritte Substanz, deren Wirkungen Yerf. wohl 
mcht ganz mit Recht mit denen des Ergotins vergleicht, soll 
sich in den mit Alkohol extrahirten Rückständen des verdor- 
benen Mais als in Wasser lösliche Substanz vorfinden. Srug- 
oatelli * behauptet» dass die zweite der erwähnten Substanzen 
in den chemischen Reactionen dem Strychnin ähnlich sei und 
es wird angedeutet, dass bei chemischer Untersuchung der 



1) C<mt Jthrwher. t Pharm. Jahrg. 1676. p. 487. 
t)Ibid« p.468. 



208 Dngendorff, NoHien ita g*Ti«htIiahen CfasniB. 

Intestina nach GenuBs von BeebeBchädigtem ]tfaiB Strychnin- 
reactionen erhalten werden könnten, wo in der That dieses 
Alkalo'id niclit in Anwendung kam. 

Ala im Frühjahre 1877 aus Fünfkirchen wogen einer 
venneintlichen Massen Vergiftung von Schweinen, welche in 
einer MaisBtürkefabrik mit den Ahtallen gefuttert waren, eine 
Frage an mich gerichtet wurde, wurde ich an die erwähnten 
Angaben erinnert und wenn cb mir auch bald ziemlich 
unwahrscheinlich wurde, dasa hier einer der yoa Lombroso 
beschriebenen giftigen Bestandtheile verdorbener Maiskünier 
die Ursache der Erkrankung abgegeben habe — es vnurde, 
als ich desshalb anfragte, ansdrucklicb bestritten, dass die 
Abfälle vor dem Verfüttern in Fäulniss übergegangen wa- 
ren — 80 nahm ich doch die Gelegenheit wahr, um ein Urtheil 
darüber zu erlangen, ob die im Uais entstandenen Gifte nach 
meinem Veri'ahren der Untersuchung auf Alkalo'ide iBolirt 
werden könnten. 

Eine erste hierauf gerichtete Versuchsreihe führte Herr 
stud. Ghristowaky aus. Er verarbeitete zunächst gute Uais- 
kÖmer nach meiner Methode und erhielt weder in den Aaa- 
Schüttelungen der sauren Auszüge, noch in denen der amino- 
niakalisch gemachten etwas Alkalo'idiscbes. Ueberhaupt wurde 
nur bei Ausschüttelnng des schwefelsäureh&ltigen Mais-Ans- 
znges mit Benzin eine besser charakterisirte Substanz is 
etwas grösserer Menge erhalten. Es waren farblose E17- 
stalüsationen , sehr schwerlöslich in Wasser, leicbtlÖBlich in 
Alkohol, Benzin und Kalilauge, nicht alkaloidisch , ohne Nei- 
gung mit starken Mineralsäuren etc. Farbenreactionen xu 
geben. 

Sodann wurde eine Probe derBelben Maiseorte, nachdem 
sie längere Zeit, mit destillirtem Wasser anfgeweicht, stark 
1.: — ug^ jjjjij übelriechend geworden war, demselben 

n unterworfen. Das Resultat war ein fast gleiches; 

r der Ausscfanttelungen fand sich ein alkaloidiBcber 

heil, welcher die geringste Aehnlichkeit mit dem 

1 gehabt hätte. 



ThagenäorS, Notuen zur geiichtlicben Chemie. 209 

Ich habe endlich auch ein gleiches Quantum der Mais- 
kömer, wie es zu den obigen Versuchen gedient hatte mit 
einer Terdünnten Salzlösung von der Conoentration des Meer- 
wassers (2,5 7o I^aCl und 0,4 % MgCl) aufgeweicht, der Zer- 
setzung überlassen und endlich nach meiner Methode mit 
gleichem Erfolg untersucht. Angesichts dieser Thatsachen 
muss ich bestreiten, dass bei der Analyse von Gemengen, 
in denen gefaulter oder seebeschädigter Mais vorhanden ist, 
Körper auftreten, welche den Verdacht einer Strychnin- 
vergiftung erwecken können; damit ist natürlich nicht 
gesagt, dass ich an der Giftigkeit des verdorbenen Mais 
zweifle. 

3) Es ist längst bekannt, dass, wenn man Brucin in 
conc. Schwefelsäure löst und darauf etwas Ealiumbichromat 
hinzniiigt, ähnlich als wollte man die bekannte Strychninprobe 
ausführen, das reine Brucin eine dunkelgrüne Lösung giebt, 
dass es aber, wenn man die Lösung in conc. Schwefelsäure 
oder Schwefelsäuredi- resp. trihydrat zunächst mit etwas Sal- 
petersäure versetzt und die erste Farbenreaction des Bru- 
ciiis abblassen lässt, später nach Zusatz von Ealiumbichromat 
diese Färbung nicht mehr giebt und die Farbenreaction even- 
tuell vorhandenen Strychnins nicht stört. Femer ist bekannt, 
dass in wässrigen Lösungen von Brucinsulfat Ealiumbichromat 
allmählig einen deutlich krystallinischen Niederschlag erzeugt 
QBd dass eine ähnliche krystallinische Masse erhalten werden 
kaim, wenn man« Brucin mit verdünnter Ghromsäurelösung 
abergiesst Ich bin zufallig noch auf eine andere Beaction 
des Bmdns aufmerksam geworden, welche mittelst Ghrom- 
säure ausgeführt werden kann. Löst man Brucin in einer 
Mischung von einem Raumtheil reiner Schwefelsäure und 
neun RaumtheQen Wasser auf, so resultirt eine farblose 
Flüssigkeit. Bringt man in diese mittelst des Glasstabes 
kleine Mengen einer sehr verdünnten wässrigen Solution von 
Saliumbichromat, so färbt' sich die ganze Flüssigkeit für 
einige Secunden schön himbeerroth, um dann allmählig in 
Hothorange und später in Braunorange überzugehen. Li der 
W&nne erfolgt dieser Farbenübergang schneller, wie in der 

Arth. d. Phann. ZII. Bds« 3. Heft. 14 



210 C. Jehn, Notii aber talssäurehaltigen Essigsprit. 

Kalte; es ist empfehlenswerth den Yersuch bei Ziminertem- 
peratur anzustellen. 

Die Empfindlichkeit dieser Probe ist sehr bedeutend. 
Lösungen 1 : 1000 nehmen sogleich schön tiefrothe Farbong, 
etwa wie der aus Himbeeren ausgepresste Saft an; auch in 
Lösungen 1 : 10000 ist die Beaction sehr deutlich zu beobach- 
ten, wenn man einen Ueberschuss von Ealiumbichromat ver- 
meidet. Da man, selbst wenn aus Leichentheilen das Snidn 
nicht ganz rdn isolirt sein sollte, mit einer Mischung toi 
1 Raumth. Schwefelsäure und 9 Baumth. Wasser farblose 
Lösungen desselben erhält, so hat diese Eeaction einen gewis- 
sen Vorzug vor solchen, bei denen concentrirtere Säuren in 
Anwendung kommen, welche durch begleitende fremde Stoffe 
dunkel gefärbt werden. 

Offenbar handelt es sich hier um eine ähnliche Oxyda- 
tion des Brudns wie z. B. beim Erwärmen mit säurehaltiger 
Quecksilberoxydullösung, wobei, wie Fiückiger gezeigt h&t^ 
gleichfalls eine Bothfärbung eintritt Die Oxydation erfolgt 
hier aber, Dank des stärkeren Oxydationsyermögens der 
Ghromsäure, schneller und in der Kälte, ohne doch so schnell 
wie z. B. bei Einwirkung von Salpetersäure auf Solutionen 
des Brucins in concentrirterer Schwefelsäure, zu verlaufen. 

(Fortsetsttng folgt) 



Notiz Aber salzsBarehaltlgen Essigsprit. 

Ton Dr. G. Jehn, Apotheker in Geseke. 

Vor Kurzem wurde mir von einem Essigsprithändler eine 
Spritprobe übergeben, die 13% Essigsäure enthalten sollte 
Die Prüfung mit der stathmetischen Ammonlösung (Hagers 
Oomm. Bd. 1. S. 7) ergab richtig 18 % Säure. Dieser hohe 
Frocentsatz liess sofort die Anwesenheit einer fremden ICne- 
ralsäure vermuthen, da bekanntlich fabrikmässig nur circa 
10 7q Essigsäure enthaltender Essigsprit als höchst gradiges 
Product erreicht wird. AgNO® ergab sofort dicke käsige 



O. Zander, Sem. Cataputiae minorii. 211 

Fallaiig TOD AgCL Bei der näheren Untersnchang stellte 
sich denn auch heraus, dass der Sprit eine bedeutende Menge 
HCl enthielt, so zwar, dass nach Abzug derselben kaum 8 7o 
Essigsaure yerblieben. Man sollte kaum glauben, dass Essig- 
spritfobrikanten noch eine derartige plumpe, so leicht nach- 
zuweisende Täuschung versuchen würden. Der betreffende 
Sprit war von einer österreichischen Fabrik. 



Sem. Cataputiae nünoris. 

Von O. Zander, Apotheker in NenstrelitE. 

Euphorbia Lathyris, die Mutterpflanze der kleinen Fur- 
girkörner, wird in hiesiger Hofgärtnerei als Zierpflanze gezo- 
gen. Die Pflanze bringt in warmen und trocknen Sommern 
eine reiche Ernte yoUständig reifer Saamen, welche speciell 
auf ihren Gehalt an fettem Oele geprüft vrurden. 

In einem Porzellanmörser zerquetscht geben die Saamen 
sofort eine grosse Menge geruchlosen Oeles frei, doch 
roch das mit Schwefelkohlenstoff extrahirte Oel intensiv nach 
Enoblaudi oder Kakodyl, was auf eine chemische Einwirkung 
des Schwefelkohlenstoffs schliessen lässt; der Ertrag war 
42*/q eines gelben, klaren, dickflüssigen Oeles. 

Der entölte Rückstand gab mit Weingeist extrahirt ein 
weidies, scharfes Harz. 

5 Tropfen des Oeles mit etwas Wasser genommen, ver- 
ursachten ein anhaltendes Brennen im Schlünde, es stellte 
sich üebelsein mit etwas Schwindel ein und nach ^^ Btunde 
erfolgte Erbrecben, dem nach weiterem Verlaufe 7t Stunde 
starkes, sogar wiederholtes Abführen folgte. 

Mehrmalige Einreibungen auf die Haut verursachten nur 
gelindes Brennen. 

Diese giftigen Eigenschafken lassen den bereits von 
einigen Landleuten behufs Gewinnung des Oeles zu Brenn- 
zwec^en versudisweise unternommenen Anbau der Pflanze 
nickt zweckmässig erscheinen. 

14* 



212 £. Jahns, Verhalten des Borax zu Salicylsaure etc. 

Es wäre dessbalb wünschenswertli, wenn das Oel näher 
auf seinen therapeutischen Werth geprüft würde , es könnte 
vielleicht das theure Grotonöl ersetzen. 



Ueber das Yerhalten des Borax zu SallcylsSure und 
der BorsBure zu SallcylsSure - Salzen. 

Ton £. Jahn 8 y Apotheker in Gottingen. 

Die Schwerlöslichkeit der Salicylsäure in Wasser hat zu 
zahlreichen Vorschlägen Veranlassung gegeben, durch Zusätze 
ihre Löslichkeit zu erhöhen; es sind zu diesem Zweck tbeils 
Medien empfohlen, in denen die Säure leichter als in reinem 
Wasser löslich ist und hiergegen ist nichts einzuwenden, 
theils aber auch Salze, von denen nicht immer erwiesen ist 
dass sie ohne chemische Wirkung auf die Salicylsäure diese 
einfach in Lösung halten. Der Zweck erscheint verfehlt nnd 
der Zusatz unzulässig, wenn eine Bildung von Salicylsänre - 
Salz erfolgt oder irgend eine andere chemische Umsetzung 
stattfindet, deren Möglichkeit immerhin in Betracht zu sieheo 
ist, dessbalb ist der Nachweis wünschenswerth, dass diese in 
Rede stehenden Flüssigkeiten in der That freie Salicylsäure 
in der beabsichtigten Menge enthalten. 

Neben andern Salzen ist Borax in Vorschlag gebracht, 
der in bemerkenswerther Weise die Löslichkeit der Säure 
befördert, denn nach Versuchen von Mitchell, Böse, Thresh 
u. A. ^ ist derselbe im Stande, nahezu das Doppelte seines 
Gewichts Salicylsäure unter Beihülfe von Glycerin in concen- 
trirte Lösung zu bringen, so dass sich eine 25proc Säore- 
lösung herstellen lässt, die eine beliebige Verdünnung mit 
Wasser verträgt. Ohne Zusatz von Glycerin Hessen sich je 
nach dem Verhältniss der beiden Substanzen mehr oder we- 
niger concentrirte Lösungen erzielen, die aber zum Tbeil 
beim Verdünnen eine Abscheidung gaben. Keib't man, wie 



1) Im Anfing dieier Zeittchr. 1877, Bd. 11. 851 u. f. 



£. Jahns, Verhalten des Borax tu Salicylsäare etc. 213 

von Thresh angegeben, gleiche Gewichtstheile Borax und 
Salicylsanre im Mörser zusammen , so entsteht eine erst tei- 
gige, dann halbflüssige Masse, die wenige Minuten nachher 
wieder eriiärtet. Unter Zufögung von etwas Wasser einige 
Zeit aof dem Dampfbade erhitzt und dann völlig getrocknet, 
resultirt ein bitter schmeckendes Pulver, dem durch Aether 
keine Salicylsanre entzogen werden konnte. Eine Bildung 
Ton salicylsaarem l^atrium unter Abscheidung von Borsäure 
anzunehmen y liegt nahe, allein der auftretende, auch von 
^chinn beobachtete, bittere Geschmack, lässt auf eine in ande- 
rer Weise verlaufende Wechselwirkung schliessen; diese 
aafzuUären , wurden die nachstehenden Versuche unter- 
nommen. 

Es war zunächst festzustellen, in welchem Molecular- 
Verhaltniss beide Verbindungen auf einander einwirken und 
wieviel Salicylsäure vom Borax gelöst zu werden vermag. 
3,8 g. Borax (1 MoL) und 2,75 g. Salicylsäure (2 Mol.) wur- 
den in 8 g. heissem Wasser gelöst, die Lösung einige Zeit 
auf dem Wasserbade erhitzt und dann 24 Stunden bei Seite 
gestellt; es hatte sich nach dieser Zeit nichts abgeschieden. 
Nach weiterm Zusatz von 1,38 g. Salicylsäure (1 Mol.) und 
Erhitzen der Flüssigkeit bis zum Sieden schieden sich nach 
24stiuidigem Stehen in der Kälte anfangs wenige Ery stalle 
von anscheinend Borsäure aus, später nur kömig -krystallini- 
^her Absatz, in dem sich unter dem Mikroskop neben undeut- 
ichen Ery stallformen sechsseitige Tafeln erkennen liessen, 
oicht aber Salicylsäurekrystalle. Nach abermaligem Eochen 
der Lösung mit 1,38 g. Salicylsäure unter entsprechendem 
Wasserzusatz wurde auf das Gesammtgewicht von 30 g. ver- 
dünnt und, als nach eintägigem Stehen keine Ausscheidung 
--tattfand, später bis auf 20 g. eingedampft. Die ganze Flüs- 
sigkeit erstarrte nach dem Erkalten zu einem Erystallbrei, 
Ton dem eine Probe sich unter dem Mikroskop im wesent- 
lichen wie die firühere Abscheidung ausnahm, doch waren 
einzelne nadeiförmige Krystalle zu sehen. Ein geringerer Zu- 
satz von Salicylsäure (0,5 g.) konnte zwar bei Siedhitze noch 
in Lösung gebracht werden, schied sich aber während des 




214 £• JahnB, Verhalten dei Borax zu Salicylsaure etc 



Erkaltens grösstentbeils wieder aus. 1 Mol. Borax Tcrmag 
demnach 4 Mol. Salioylsänre in Lösung zn halten resp. zu 
binden. 

76 g. Borax (1 Mol.) würden in 400 g. Wasser gelöst, 
nach Zusatz von 110 g. Salicylsäure (4 Mol.) die LösxiBg 
einige Zeit bis nahe zum Sieden erhitzt, dann bis auf etwa 
600 g. verdünnt und nach dem Filtriren 24 Stunden kalt 
stehen gelassen zur Versicherung^ dass die Salicylsäure voll- 
ständig gebunden war. Da die Flüssigkeit klar geblieben 
war, ward auf etwa 600 g. eingedampft. Nach eintägigem 
ruhigen Stehen hatte sich am Boden des Grefässes eine Kruste 
weisser, undurchsichtiger, warzig gruppirter Ery stalle gebil- 
det, deren Form indess nicht deutlich zu erkennen war. Die 
abgegossene Flüssigkeit gab nach weiterm Eindampfen eine 
zweite der ersten gleiche Erystallisation,. auf der sich später 
einzelne Gruppen durchsichtiger Erystalle absetzten, die ane 
Aggregaten sechsseitiger Tafeln bestanden und sich als reine 
Borsäure erwiesen, sie Hessen sich leicht mechanisch von der 
Kruste trennen. Die Mutterlauge erstarrte nach dem Con- 
centriren, besonders beim Bewegen oder Rühren, sehr leicht 
vollständig zu einem Krystallbrei , nur bei ganz ruhigem Er- 
kalten der völlig klaren siedendheissen Flüssigkeit konnten 
noch borsäurefreie Krusten gewonnen werden. Später wur- 
den Gemenge beider Verbindungen erhalten, die sich durch 
wiederholte firactionirte Krystallisation nur zum kleinsten 
Theile trennen liessen, so dass schliesslich ein nicht unerheb- 
licher Theil des Natronsalzes verloren gegeben werden musste. 
Die letzten Mutterlaugen waren roth gefärbt Da die Ab- 
scheidung von Borsäure begann, als das Gesammtgewicht 
der Flüssigkeit ungefähr 480 g. betrug, lässt sich hieraas 
annähernd entnehmen, wie viel Borsäure in Freiheit gesetzt 
ist. Diese Flüssigkeitsmenge als eine kalt gesättigte Lösung 
von Borsäure gedacht, würde etwa 20 g. derselben enthalten, 
das ist nicht ganz die Hälfte der aus 76 g. Borax zu erhal- 
tenden Gesammtmenge Borsäure (49,6 g.). Indessen kann 
diese Schätzung nur als eine oberflächliche gelten. Sanunt- 
liche erhaltenen Krusten wurden durch mehrmaliges Um- 



I 

I 



£. JahüB, Verhalten des Borax zu Salicylsäure etc. 215 

kiystalliBiien gereinigt und bei gewöhnlicher Temperatur 
getrocknet 

Das Salz stellt, wie schon erwähnt, weisse, undurchsich- 
tige Ernsten dar, aus warzig oder sphärisch gruppirten 
undeutlichen Xrystallen bestehend, ist leicht löslich in sie- 
denden Wasser und Alkohol, fast unlöslich in Aether und an 
diesen namentlich keine Salicylsäure abgebend. Die heisse 
wissrige Lösung schmeckt stark bitter, reagirt sauer und 
bräunt Curcnmapapier, durch Eisenchlorid wird sie violett 
ge&bt; Essigsäure ruft keine Veränderung hervor, Salzsäure 
aber und andere stärkere Säuren scheiden Salicylsäure ab. 
Kaltes Wasser wirkt auf das Salz zersetzend, dasselbe löst 
sich zwar allmählig, in zerriebenem Zustande etwas leichter, 
aber in dem Maasse des Gelöstwerdens scheidet sich Sali- 
eylsanie aus, auch eine massig verdünnte heiss bereitete 
Lösung setzt nach längerm Stehen Salicylsäurekrystalle ab, 
in beiden Fallen behält die Flüssigkeit einen bittem Gre- 
Mihmack. Auf Platinblech erhitzt, verbrennt es unter star- 
kem Aufblähen, ohne vorher zu schmelzen, mit grüngesäumter 
Flamme, als Rückstand bleibt eine Verbindung von Katron 
mit Borsäure. 

Ein Theil des zerriebenen lufttrocknen Salzes wurde im 
Luftbade längere Zeit auf 120^ erhitzt, bis keine Grewichts- 
abnahme mehr stattfand, 0,748 verloren 0,008 Wasser 
= 1,06 Proc. Nach längerm Trocknen über Schwefelsäure 
ergab sich beim Erhitzen auf 120^ bis zum constanten 
Gewicht: 

0,4145 Salx yerlor 0,002 Wasser » 0,4S Proo. 
1,687 Sals ferlor 0,00S Wasser — 0,47 Proc. 

Das Gewicht blieb auch bei 150® unverändert Auf die 
nnien berechnete Formel bezogen, müsste 1 MoL H' 
« 5,2 Proc. betragen, die Verbindung ist demnach als was- 
serfrei anzusehen. Zur Bestimmung des Natrons und der 
Boreäure wurde das derart getrocknete Salz vorsichtig ver- 
kohlt, dann bis zum völligen Verbrennen der organischen 
Sabstanz geglüht und die Hitze schliesslich bis zum Schmelzen 



216 £. Jahns, Tnbftllen dai Borax la SalicjbäDre etc. 

des Rücketanden gesteigert, um dsB anfangs gebildete Ni^oiD' 
carbonat Tollständig in Borsänre-Salz nberzaführen. 

I. O,eS0B Sali hintorlieHen 0,1176 QlühiBcIcBtaDd ^ 80,S1 Proc 
II. 0,8»8 8s1e hintarlistien 0,1B8 GiahrSckaUod <= S0,8T Prot 

Dem Natrium nnd die Boreäure worden in diesem Gläh- 
rückfitand Indirect bestimmt, indem dasselbe in Wasser gelöst, 
mit einer hinreichenden Menge Salzsäure zersetzt Hud«, 
dann nach dem Verjagen der überschüssig zugesetzten Sänre 
im Wasaerbade und anhaltendem Trocknen des aus Borsäure 
und Chlomatrium bestehenden Gemenges bei 100" das Chlor 
als Chlorsilber bestimmt und hieraus der Natriumgehalt be- 
rechnet. In dieser Weise behandelt gab: 

I. 0,lS75OliibräckBtand 0,S79 AgCl, ontipTechend 0,0111 Kitriui 
= 7,20 Ptoe. det Sslies. 

IL 0,183 Glahrückitand 0,101 AgCl, Mitopcecheiid 0,0611 Hatnm 
^ 7,30 Proc. d«« Sttliea. 

Es ergiebt sich aus diesem Natrinmgehalt, dass der 
un verbrannt bleibende Antheil des analjsirten Salzes an» 
HaBO* besteht (20,54 NaBO» würde 7,15 Na und 20,SI 
NaBO* — 7,09 Na enthalten müssen). Nach Abzug d« 
gefundenen Natrium berechnet sich der Gehalt an BO* wie 
folgt: 

I. 0,1S76 QlührÜDkiUnd nuh AbEQg tos 0,0117 Na giebt 0,08!G 
B0< —: 13,31 Pcoc. dM SaUei. 

II. 0,183 Olühruckatand oacb AbiDg Ton 0,0ei7 Na gisbt 0,11^ 
B0> = 13,11 Pro«, dea Saliei. 

Die Verbrennung des bei 120" getrockneten Salzes mit 
Kupferosyd und Bauerstoff ergab kein befriedigendes B«sb1- 
tat, da es nicht gelang die Temperatur zu erreichen, bei dei 
die vorhandene Borsäure das anfangs gebildete Kohlensäure 
Salz zersetzt Es wurde desshalb mit chromBanrem fil» 
mt, dem etwaa vorher geschmolzenes dichromMii- 
lium beigemengt war, um diesem Uebelstande voraw- 

O.Blse SabataDi gab 1,618 COi und 0,S0SH*O, entipnclin^ 
I '^ 62,36 Ptdo. und 0,0!21 H =- 2,66 Proc. 

0,329 Subitani gab 0,628 C0< und 0,082fi E* 0, entiprMtiaii)! 
. =• 62,03 FroD, and 0,00916 H = 2,7B Fioe. 



E. Jahns, Verhalten des Borax zu Salicylsäure etc. 217 

Aus den Analysen lässt sich für das Salz die Formel 
Ci*Hi»0*NaBO« berechnen. ^ 





Berechoet 


Gefanden. 






c 


168 


51,85 


52,36 


52,03 






fl 


10 


3,08 


2,66 


2,78 






Na 


23 


7,10 




— 


7,20 


7,20 


BO« 


43 


13,27 






13,34 


13,17 





80 


24,70 






— 





324 100,00. 
Es ist die Frage, welche Constitution dieser Verbindung 
zukommt, namentlich welche Stellung die Borsäure in dersel- 
ben einnimmt. Wollte man diese als an Ifatron gebunden 
annehmen, so würde man zu einer wenig wahrscheinlichen 
Zasammensetzung gelangen, es ist aber auch die Auffassung 
möglich, das Salz als entstanden anzusehen aus 2 Mol. Sali- 
cybanre, in denen 1 At. Wasserstoff durch Natrium und 1 At. 
Wasserstoff durch den einwerthigen Borsäurerest BO vertre- 
ten ist, der dem Antimonyl SbO, oder auch dem Acetyl zu 
vergleichen wäre. Dass dieser Best für den Wasserstoff der 
zweiten Carboxylgruppe eingetreten sei und die Zusammen- 
setzung des Salzes der Formel 

C« H*, COONa, OH 
C« H*, COO (BO), OH 

entspräche, erscheint bei dem negativen Charakter beider 
Gmppen unwahrscheinlich. Zwar sind von Schultz - Sellack ' 
und GustavBon ' Verbindungen der Borsäure mit Schwefel- 
8äare beobachtet, aber dieselben werden schon durch Wasser 
in ihre Bestandtheile zerlegt; and er weite Verbindungen, in 
denen die Borsäure als Base auftritt, sind nicht mit Sicher- 
heit gekannt, denn die Annahme von Duflos, nach der die 



1) Noeb besser warde die Formel C^* H« 0<^ NaB0>, die 62,01 Proc. 
C, 2,7S Proc. H and 7,12 Proc. Na verlangt, mit den gefundenen Zablen 
•tinmen, die Grfinde für Annabme der oben gegebenen Formel, werden 
cell weiterbin Ton selbst ergeben. 

2) Ber. d. d. cbem. Ges. 4, 15. 

3) Ber. d. d. cbem. Ges. 6, 10. 




218 £. Jahns, Yerhalteii dei Borax zu Saliojrleäure etc. 

Borsäure im Boraxwemstein und BorsäureweiiiBtein als Base * 
fungire, ist von Böse, Wittstein, und später durch Duye^ j 
als irrig widerlegt. Eben sowenig dürfte die Annahme 
gerechtfertigt erscheinen, dass die Borsäure den Benzolkern 
angegriffen haben sollte, so bliebe noch die Möglichkeit, dass 
der Hydroxylwasserstoff der Salicylsäure durch den Bor- 
säurerest vertreten sei, entweder das eine der beiden Was- 
serstoff-Atome durch BO, oder beide durch den zweiwerthi- 
gen Rest B(OH). Im ersteren Falle könnte die Zusammen- 
setzung sein: 

... C*H*, COONa, 0(B0) , . C«H^ COONa, OH 
W c«H*, COOH, OH ^^^^ ^^} C»H*, COOH, 0(BO), 

im letztem müsste sie sein: (III) p« tt4 pqoh O ^(^^)- 

Die Leichtigkeit, mit der diese Verbindung Salicylsäure 
abspaltet, könnte für die Formell, sprechen, die eine nur 
lose Anlagerung von Salicylsäure voraussetzt, andererseits 
aber kein Band erkennen lässt, welches die beiden Holecäle 
zusammenhielte, wie dies bei lU. der Fall ist. Welcher die- 
ser beiden Formeln der Vorzug zu geben ist, muss dahin 
gestellt bleiben, es mag vorläufig III. acceptirt werden, dann 
würde die Wirkung des Borax auf Salicylsäure in dem ange- 
wandten Verhältniss durch folgendes Schema veranschaulicht 
werden : 

4C« H*, COOH, OH + Na« B* 0^ 10 H« 

- ^(cIS^Ä^ »H + '^'^^' + '^'^' 
Es wird also die Hälfte der Borsäure in Freiheit gesetzt, 
was mit der beobachteten Thatsache vollkommen überein- 
stimmt. Obwohl die vorhandene Borsäure gerade ausreichen 
würde, sämmtlichen Hydroxylwasserstoff durch BO zu ersetzen, 
geschieht dies dennoch nicht; dieser Umstand spricht gegen die 
obige Formel II. , denn wenn man sich für I. oder IL ent- 
scheiden wollte, ist eher anzunehmen, dass das salicylsanre 
Natrium BO aufzunehmen vermag, als die Salicylsäure. 



1) Wittatein'fl Yierteljahressohr. 18, 822. 



E. Jahna, Yarbalten des Borax zu Salicylsaure etc. 219 

Es ergiebt sich aus der ZuRammensetzang des Natron- 
salzes, welches als (saares) bordisalicylsaures Natrium 
bezeichnet werden kann, dass dasselbe sich geradeanf bilden 
mu8s, wenn 1 Mol. salicylsaures Natrinm, 1 Mol. Salicylsäore 
und 1 MoL Borsaure in concentrirter Lösung gekocht wer- 
den, oder auch 1 Mol. Borax, 1 Mol. Natriumcarbonat und 
8 MoL Salicylsaure. Auf beide Weisen wurde das Natronsalz 
dargestellt, die Bildung erfolgte glatt und ohne störende 
Xebenumstande, doch wurde auch hier beobachtet, dass die 
über dem auskrystallisirten 8alz stehende Mutterlauge Nei- 
gung zeigt, in der Kälte beim Bewegen Salicylsäure abzu- 
spalten, es musste daher nach dem weitem Eindampfen 
jedesmal bis zum Sieden erhitzt und für ruhiges Erkalten 
Sorge getragen werden. Der erste Weg erscheint namentlich 
geeignet, die entsprechenden Balze anderer Metalle darzu- 
etellen. Die nachstehend aufgeführten Salze wurden einer 
ToIIst&ndigen Analyse nicht unterworfen, sondern nur durch 
die Bestimmung einzelner Bestandtheile die angenommene 
Zusanmiensetzung bestätigt. 

Bordisalicylsaures Kalium paii*' roon' O^^"^ 

wurde eihalten durch genaues Neutralisiren von 133 g- S^~ 
cjlsaure (1 MoL) mit kohlensaurem Kalium und Kochen der 
coDcentrirten Lösung mit 13,8 g. Salicylsäure und 6,2 g. 
Borsäure (1 MoL). Beim Erkalten krystallisirt das Kalium- 
^ in zusammenhängenden Krusten aus, der Best wird durch 
weiteres Eindampfen der Mutterlauge erhalten, die weniger 
Neigung zur Zersetzung zeigt als beim Natronsalz, sich aber 
auch allmählig roth färbt. Die Verbindung ist ähnlich dem 
-^atronsalz, die Krusten sind aber härter und dichter, auf 
Platinblech erhitzt yor dem Verbrennen schmelzend, im übri- 
gen sich gleich yerhaltend, von bitterm Geschmack. Beim 
langem Erhitzen des lufttrocknen Salzes auf 120^, nachher 
auf 150® verlor dasselbe als Mittel aus zwei Versuchen 
l;2Proc. Wasser, ist also wasseri^i. Beim Einäschern des 
getrockneten Salzes gaben 1,384 Salz 0,336 KBO > » 24,27 Proc. 
^be^echnet 24,11 Proc.) 



220 £. Jaboi, VsihalUn dai BorM zu SilicyUäore eU. 

„,.,., . C«H*,COONH<,Or™ 

BordiBalicyleanres AmmoopaTT« pqqq n ""'^ 

wnrde ebenso ans ealicrleanrem Ämmon, Salicjlsäare und 
Borsäure dargestellt. Weisse zerreiblicbe Erusteo, die aus 
randlicben Aggregaten bestehen, im Verhalten den beiden 
vorigen Salzen gleich. Bei höherer Temperstnr schmilzt es, 
es entweichen die Süchtigen Bestandtheile und schUeeslicb 
bleibt Borsäure zurück; angezündet verbrennt es mit schon 
grüner Flamme. Es ist ebenfalls tvaeserrrei, das Infttrockne 
Salz verlor nach längerem Trocknen bei 160" 1,3 Proc W»s- 
aer. Nach dem Glühen hinterliessen bei einem Versuche 
0,4985 getrocknetes Salz 0,0535 Borsänreanhydrid — 10,7Proc., 
das aber trotz anhaltenden G-lühens nicht frei von Kohle erhal- 
ten werden konnte , sondern dunkel geiarbt blieb. Nach der 
Theorie müssten 10,9 Proc. B*0' erhalten werden. 

BordisalicylsBures Uagneeiuin. 
C« H«, COOH, „rt„ 
C«H*.COO„„ 0^"" , ,-„,^ 
C«H«,C00*'8'0„„„ + 1^" *^- 
C H*, COOH, " 
Durch Neutralisiren von 1 Mol, Salicvlsänre mit kohlen- 
eanrer Uagnesia und Kochen der Lösung mit 1 Mol. Salicfl- 
säure und 1 Mol. Borsäure erhalten; das Salz krystallieirt 
leicht, auch zeigt die Lösung wenig N^eigung zur Zersetziing. 
Weiche, durchsichtige Krystalle, deren Grundform eine ver- 
längert sechsseitige Tafel ist, leicht löslich in heissem Was- 
ser, von bitterem Geschmack. Mit Wasser in der KalW 
zusammengebracht, werden die Krystalle undurchsichtig ohne 
gelöst zu werden, sie werden sehr träge angegriffen und erst 
nach sehr langer Berührang mit Wasser wird SaUcylsäure 
t schmilzt das Salz und entlässt uiitsr 
ipfe, beim Verbrennen bleibt ein kohlen- 
ierig sich weissbrennender Kückstand- 
Luft kaum verwitternd, entläset es sein 
jntheils schon bei 100", vollständig i^'^ 
nftbade bei dieser Temperatur bis znv 
«trocknet entllessen: 



E. Jaiiiiffy Yerholten des Borax sa SaUcylsäure etc. 221 

I. 1,0375 lnfttr. Salz 0,235 BH> = 22,65 Froc. 
IL 1,0965 lnfttr. Salz 0,2405 H^O = 21,93 Proe. 

Das San) zweiten Versiich dienende Salz, hatte in zer- 
riebenem Zustande längere Zeit an der Luft gelegen. Die 
Gewicbtsbestimmang des Magnesiums geschah als phosphor- 
sanre Ammon -Magnesia resp. pyrophosphorsaure Magnesia 
durch Fällung der heissbereiteten und wieder erkalteten Lö- 
song des luittrocknen Salzes mit Natriumphospbat unter 
Zusatz Ton hinreichend Salmiak und Ammoniak und Glühen 
des Niederschlags. 

L 1,871 Salz gab. 0,1895 MgsPH)^ » 0,0409 Mg = 8,21 Proc. 
IL 1,0375 Salz gab. 0,152 Mg* PH)^ » 0,0328 Mg « 3,16 Proc. 

Aus diesen Bestimmungen berechnet sich der Erystall- 
Wassergehalt des Salzes zu 10 Mol., wie folgende Zusammen- 
stellung zeigt: 

Berechset. Gefunden. 

Mg 2,97 3,21 3,16 

H«0 22,33 22,65 21,93. 

Der Versuch, durch Einäschern des Salzes und Wägung 
des zurückbleibenden borsauren Magnesiums aus diesem den 
Borsauregehalt zu berechnen, gelang unvollkommen, denn es 
entweicht beim Verbrennen Borsäure, wie die Grünfärbung 
einer über das Verbrennungsgefass gehaltenen Flamme zeigte; 
anstatt der berechneten 13,6 Proc. wurden nur 12,5 Proc. Glüh- 
nickstand erhalten. 

Bordisalicylsaures Calcium. 

C«H*,COOH, 0^^„ 
C«H*,C00p^ 0^^^ , -.„,^ 
C« HS COO ^* j.^^ + lüü u. 

C«H*, COOK, 0^^^ 

wird wie das Torige erhalten. Aus der concentrirten LÖ- 
snng krystallisirt das Salz in durchsichtigen, tafelförmigen 
Krystallen, im Aeussem der vorigen Verbindung ähnlich und 
gegen kaltes Wasser sich ebenso verhaltend. In kaltem 
Alkohol ist das Salz leicht löslich, ebenso in warmem Was- 
ser; niit Wasser allmählig erhitzt, schmilzt es anfangs zu einer 



222 [£. Jahns, Verhalten des Borax zn Saliejlsäure etc. 

Öligen Schicht zusammeD, die sich beim Umrühren leicht löst, 
die Lösung ist wie die des Magnesiumsalzes beständig. Das 
Trocknen des Salzes bei 150^ ergab: 

0,987 lufttrocknes Salz yerloren 0,211 H* « 21,88 Proo. 
0,996 lufttrocknes Salz verloren 0,2115 H'O » 21,23 Proo. 
Beim Verbrennen und Glühen des krystalliairten Salzes wurde an 
zurückbleibendem Calciumborat gefunden: 

0,996 lufttrocknes Sali hinterliessen 0,148 Ga(BOa)< ^ 14,85 Proe. 

Der Calciumgehalt wurde durch Fällen einer heissen 
Lösung des krystallisirten Salzes mit oxalsaurem Anunon und 
Ammoniak unter Zusatz Ton Salmiaklösung, um die Mitfäl- 
lung von borsaurem Calcium zu verhindem, und naohheriger 
Wägung als Carbonat ermittelt. 

1,225 krystallirtes Salz gaben 0,1555 CaCO>, entsprechend 0,0622 Ca 
B 5,07 Proc, Diese Bestimmungen führen zu einem Krystallwassergehalt 
Yon 10 Mol. 

Berechnet. Gefunden. 

Ca(BO«)« 15,32 14,85 — 

Ca 4,86 5,07 — 

H«0 21,89 21,38 21,23. 

Wird eine heisse Lösung Ton bordisalicylsaurem Natrium 
mit der Lösung eines Barytsalzes versetzt, so erfolgt im ersten 
Augenblick keine Fällung, nach wenigen Secunden entsteht 
ein aus kugeligen Aggregaten bestehender Niederschlag des 
entsprechenden Baryumsalzes, das selbst in siedendem Was- 
ser schwer löslich ist. Ebenso geben Blei- und Silbersalze 
Fällungen, nicht aber Zinklösungen und Quecksilberchlorid. 
Kupfersulfatlösung mit einer erkalteten Lösung des Natrium- 
salzes gemischt giebt keinen Niederschlag, die blatte Farbe 
der Flüssigkeit wird beim Erhitzen in grün verändert, beim 
Erkalten wird die Lösung wieder blau. 

Im Anschluss an die hier mitgetheilte Untersuchung 

erübrigte noch, um das Verhalten der Borsäure zu Salicyl- 

säure und deren Salze hinreichend klar zu stellen, zu ermitteln, 

ob Verbindungen der Zusammensetzung C*H*, COOM*, BO*, 

also Borsalicylsäure- Salze, und Salze, die der Formel 

C« R\ COOMS ^r.^ 
C« H^ COOM», ^^^ 



E. Jilins , Verbalien des Borax %u Saliejlsaure etc. 223 

entsprechen, darzustellen sind, und endlich war die Darstel- 
lung der freien Borsalicylsäure zu versuchen. Die in dieser 
Richtung angestellten Versuche sind noch nicht abgeschlos- 
sen, doch geht aus denselben schon jetzt hervor , dass die 
erstgenannten Salze sich mit Leichtigkeit bilden, wenn Sali- 
ejlsaure -Salze aus Borsäure in dem erforderlichen Verhält- 
niss zusammengebracht werden, und dass Borsalicylsäure in 
fireiem Zustande zu existiren scheint, aber durch Wasser in 
ihre Bestandtheile zerlegt wird ; allen hierher gehörenden Yer- 
bindung^n scheint ein mehr oder weniger bitterer Geschmack 
eigenthümlich zu sein. 

Die Frage, welche zu der vorliegenden Untersuchung 
Veranlassung bot, ob eine unter Beihülfe von Borax herge- 
stellte Salicylsäurelösung die Säure in freiem Zustande ent- 
hält, mnss nach dem vorhergehenden verneint werden, solange 
die auf 1 Mol. Borax (382) angewandte Menge Säure 4 Mol. 
(552) nicht überschreitet; damit hat die lösungsbefördemde 
Eigenschaft des Borax aber auch ihr Ende erreicht. Eine 
solche mit Salicylsäure gesättigte Boraxlösung scheidet nach 
dem Verdünnen allmählig Salicylsäure ab, was in dem Ver- 
halten des bordisalicylsauren Natrium gegen kaltes Wasser 
seine Erklärung findet; bei gleichzeitiger Anwesenheit von 
Glycerin wird dieses die Ausscheidung der Säure verhindern. 
Die Angabe von Böse, ^ dass dabei eine Bildung von salicyl- 
saurem Natrium nicht stattfinde, ist also vollkommen richtig, 
wenn auch der von ihm angestellte Versuch an Beweiskraft 
zu wünschen übrig lässt. Es braucht kaum bemerkt zu wer- 
den, dass bei Herabminderung der Salicylsäuremenge diese 
ebensowenig in freiem Zustande in Lösung befindlich ist, 
indess wurde der Verlauf der Wechselwirkung hierbei als 
von geringerm Interesse nicht weiter verfolgt. Es ist mög- 
lich, dass die antiseptische Wirkung der Salicylsäure in die- 
ser Verbindung nicht beeinträchtigt ist, da auch am Borax 
und an der Borsäure faulnisswidrige Eigenschaften beobachtet 
sind, jedenfalls ist aber der Boraxzusatz für unzulässig 



1) JahrMberieht f. Chemia 1875, 671. 



234 E. Jahiu, TerUleB da Bonx m Salkylünre etc. 

ta erachten, wenn eine Lösung der freien Säure beaWcli- 
ligt ist. 

Es sei zun Scblnss goHtattet, snf die Analogie biiuu- 
weisen, welche zwischen den im Vorhergehenden besprochenen 
Terbindnngen nnd zwei phannacenti&chen FräpsrateD, dem 
Borsänreweinstein nnd dem Borax weinstein (Tartaros boraxa- 
tna), besteht. Fasst man die D&rstellaog des ersteren ins 
Ange, Kochen von 1 Hol. sanrem weinsanrem Kalium mit 
1 MoL Borsanre, so ist das dieselbe Methode, nach der du 
bordisalicjlsanre Kalium erhalten wurde, aus 1 MoL salicyl- 
sanrem Kalium, 1 MoL Salicylsänre und 1 MoL Borsäare. 
Die Formeln der betreffenden Verbindungen lassen die Aehn- 
lichkeit der Processe am deutlichsten heirortreten : 

^'^* icOOH OH + H'BO'giebtBorsänreweinsteinttnd 
f** W* POOIT OH 
r* H*' rOOH OH + H' BO* giebt bordisaUcylsaures Kalium. 

Die Stellung, welche die Borünre im Borsäoreweinstein und 
Borazweinstein einnimmt, ist erst von Dnve (1. c) befriedi- 
gend aufgeklärt worden. Derselbe bewies, dass die Wein- 
säure im Stande ist, unter Aufnahme von 1 resp. 2 MoL 
Borsäure und Abspaltung von Wasser eine Monobor- und 
Diborweinsaare zu bilden; von ersterer stellte er neutrale 
und saure Salze dar, die letztere kann nar in neutralen Sal- 
zen bestehen, in freiem Zustande konnten beide Säuren nicht 
erhalten werden. Diese Salze wurden einfach dargestellt 
durch gemeinsames Auflösen der betreffenden neutralen oder 
sauren Weinsäure - Salze und Borsäure in dem erforderlichen 
Mol-VerhältnisB. Durch die Existenz der neutralen Salze, 
welche beweisen, dass die Borweineäuren noch ebensogut zwei- 
basisch sind wie die Weinsäure, widerlegt D. die Ansicht 
luflos, dass die Borsäure in diesen Verbindungen die 
:iner Base spiele, er giebt den beiden zosammengesetz- 
uren die Formeln; ' 
H0\ C"H»Os , HOl C^H^O« 
ho/ BO» '^'^ HO/ (BO»)« (C = 6.) 

r jetzt angenommenen Constitution der Weinsäure lässt 
1 diesen Borweineäuren nicht wohl Borsäureanhfdrid 



J5. Jaknsy Verhaltea des Borax in Salicylsäare eto. 225 

YoraassetzeDy man kann aber hier dieselbe Auffassung gelten 
lassen, welche für die Borsalicylsäure Torgeschlagen wurde, 
nemlich BO für Wasserstoff eingetreten anzunehmen, und 
man gelangt dann zu dem Ausdruck, welcher in dem Referat 
über DuTe's Arbeit im JahresbericU für Chemie 1869, 541 
für die Borweinsäuren acceptirt ist. Die Zusammensetzung 
der Mono -Borweinsäure entspräche hiemach der Formel: 

C*H* IqoOh' oh ' ^® ^^^ Diborweinsäure würde sein: 

C*H* inQQjj' OTBO^ ^^^ ^^ Bildung des Borsäurewein- 
steins (saures monoborweinsaures Kalium) erfolgt nach der 
Gleichung: 

IC00H,0H -r ^ ^^ - o n jcoOH,OH ^ ^^ "' 
diejenige des Boraxweinsteins (monoborweinsaures Kalium - 
Natrium 4- saures monoborweinsaures Kalium) nach der 
Gleichung: 

Na> B* 0^ lOH« + 4C« H« (cooH OH "^ 

.ntK^fCOOK^BO^ 2rfH»/C00K,B0«' ^, ^ 
^^ ^ \COONa,OH + 20 H \cOOH, OH + ^^H O. 

Man könnte auch der Monoborweinsäure eine Formel geben, 
in der nicht 1 Atom H durch BO, sondern beide H Atome 
der Hydroxylgruppen durch B (OH) vertreten wären, doch 
liegt kein Grund vor, diese Auffassung der des genannten 
Beferenten vorzuziehen. 

Bei der Vergleichung des Verhaltens der Borsäure zu 
Weinsäure -Salzen und Salicylsäure- Salzen ergiebt sich eine 
völlige Analogie, die sauren Salze nehmen nur 1 Mol. Bor- 
saure unter Wasseraustritt auf, die neutralen tauschen sänmat- 
lichen Hydroxylwaeserstoff gegen BO aus, der Monoborwein- 
säure entspricht Bordisalicylsäure, der Diborweinsäure würde 
Borsalicylsäure entsprechen. Bemerkenswerth ist die Leich- 
tigkeit, mit der die Borsäure auf die genannten Salze ein- 
wirkt und es dürfte die Yermuthung nicht ungerechtfertigt 
sein, dasa sie sich gegen die Salze anderer Säuren, welche 
Hydroxylgruppen fuhren, in der gleichen Weise verhalten 

Arch. d. Phann. ZH. Bdfl. 3. HefU 15 



226 E. Hoffmann, NatriamYerbindttngen der ßalicjlsSiire ete. 

und znr Bildung zuBanunengesetzter Säuren Yeranlassung 
geben wird. 

Göttingen, 15. Jan. 1878. 



Hlttheilungen aus dem pharmacent. Laboratorlimi. 

Von Dr. B. Hoffmann, Apotheker in Kandel. 

1) Natriumverbindungen der Salicylsäure; Sali- 
cylsäure-NatriumsaHcylat. C'H«0»Na + C^H«0» 

Theoretisch sind zwei Verbindungen der Salicyisanie 

PO OH 
G* H^ 'qxt mit Natrium als bestehend Toraasziuehes: 

einmal in der Eigenschaft als einbasische Säure, wie auch 
als Phenol. Im ersten Fall durch Ersatz des Wasseratofis 
der sogen. Garboxylgruppe CO . OH durch Natrium und ziK^ei- 
tens durch weitere Vertretung in der die Phenole charakteri- 
sirenden Hydroxylgruppe OH. 

Die eine dieser Verbindungen ist das jetzt gebrauchliche 

Natrum salicylicum C^H^ 'qu ; ob entspricht nach 

seitherigem Begrifi dem neutralen Salz der Salicylsäure und 
wird durch Sättigen der letzteren erhalten. Es krystallisirt 
in kleinen zu Büscheln oder blumenkohlähnlichen Massen 
vereinigten Nadeln, welche beim Trocknen ihr Erystallwas- 
ser Terlieren und als weisses ziemlich hygroskopisches Pal* 
yer hinterbleiben. 

Das Natriumsalicylat hat sich, obwohl es bei der öfteren 
Berührung mit Luft nicht ohne Zersetzung aufbewahrt wer- 
den kann, dennoch wegen seiner Löslichkeit in Wasser bereits 
vielfach an Stelle von Salicylsäure Eingang zu interner medi- 
cinischer Verwendung verschafft. — 

Die zweite mögliche Verbindung, das sogen, natrium- 

salicylsäure Natrium C«H*^^-qJ* büdet sich als 
Mittelglied bei der von H. Eolbe herrührenden, seither in so 



£. HoSmaxm , KatrinmTerbindttiigen der SalicyUaore etc. 327 

groBsartigem Maassstabe betriebenen Darstellungsmethode der 
SaUcjlsaare. 

Es entsteht beim Einleiten von Eohlensänre in Phenol- 
natriom und wird durch Salzsäore direct in Salicylsäure and 
Kochsalz zerlegt. 

Ausser diesen beiden Verbindungen war mir keine wei- 
tere bekannt ; auch fand ich in der mir wenigstens zu Gebot 
stöhenden Literatur nirgends davon Erwähnung. Ich erhielt 
jedoch bei öfterer Bereitung von Natrum salicylicum noch 
eine dritte Verbindung, und zwar in schönen grösseren 
Kry stallen. 

Diese sind Ton stark saurer Reaction und erwiesen sich 
mir als aus je gleichen Molecülen Natriumsalicylat 
und Salicylsäure bestehend: C^HöO'Na + C'H«0» 
Sie sind demnach nicht als ein eigentlich saures Salz auf- 
zufassen, sondern analog dem sogenannten sauren Ealium- 
acetat CH»— CO . OK + C* H* 0«. 

Das Salicylsäure-Natriumsalicylat krystallisirt 
wasserfrei und ist gegenüber dem Natriumsalicylat eine luft- 
bestandige, nicht der Zersetzung unterworfene Verbindung. 
— Heine Aufmerksamkeit wurde ganz zufällig auf dieselbe 
gel^kt. 

Da das Natriumsalicylat sich allmählig beim Aufbewah- 
ren in nicht ganz luftdicht schliessenden Gefassen bräunt und 
zwar um so rascher, je leichter und poröser dasselbe herge- 
stellt wird und dieses in concentrirter wässriger Lösung weit 
weniger mir stattzufinden schien, — es auch meistens nur 
in flüssiger Arzneiform dispensirt wurde, so zog ich vor, 
einen dem Liquor Kali acetici der Fharmacopöe ganz analog 
bereiteten ddVsProc. Liquor Natri salicylici zu diesem 
Zwedu) Torräthig zu halten. 

Das spec Gewicht desselben beträgt bei 17^ G. annä- 
hernd » 1,136. 

Absichtlich wurde bei der Bereitung ein kleiner Säure - 
leberschuss gelassen, weil dadurch, wie dieses auch für andere 
Pheaole gültig erscheint, grössere Widerstandsfähigkeit gegen 
den atmosphärischen Sauerstoff bedingt wird. — 

15* 



228 £. Hoffmann, NatriumTerbindungen der Salicjlsänre ete. 

Bei längerem Aufbewahren einer solchen Lösung hatteo 
sich die erwähnten, schön ausgebildeten, harten, wasserhelleD 
Krystalle ausgeschieden. 

Anfangs war ich geneigt, dieselbe für Salicylsäure m 
erklären, fand jedoch, dass solche ein ganz merkwürdiges 
Verhalten gegen Wasser zeigten. In dem Augenblick, in 
dem sie mit demselben in Berührung kamen, worden sie 
parcellenartig weiss und in kurzer Zeit in Pseudomoiphoaen 
von Salicylsäure — aus feinsten mikroskopischen Nadelo 
bestehend — umgewandelt. 

Es schien wohl denkbar, dass eine moleculare ümlage- 
rung diese Veränderung hervorgebracht habe. 

Einäschern der Substanz und Wägen des Bückstandes 
gab indess den sicheren Beweis, dass hier eine Verbindung 
von Salicylsäure und Natriumsalicylat vorliege. Dieselbe 
wird durch Wasser, obwohl aus concentrirter wässriger Lösung 
krystallisirend, (durch) bei grösserer Verdünnung wieder in 
Salicylsäure einerseits und lösliches Katriumsalicylat andrer- 
seits zerlegt. 

Weitere Versuche haben in anderer Weise volle Bestä- 
tigung dieser Thatsache gegeben. 

Ich machte zunächst die Beobachtung, dass das Salicyl- 
säure -NatriumsaUcylat in Alkohol sich ohne Zersetzung auflöst» 
daraus krystallisirt und daher auch in gleicher Weise ent- 
stehen muss, wenn Salicylsäure und Natriumsalicylat im Ver- 
hältniss ihrer Moleculargewichte (138 : 160) in Alkohol gelöst 
und eingedampft wird. 

Auch so gewonnen bewirkt Wasser dieselbe Zersetznngs- 
weise unter Abscheidung von Salicylsäure. 

Dass dieses wirklich der Fall ist, macht sich sehr augen- 
scheinlich bei Beobachtung des Vorgangs unter dem Mikroskop 
bei massiger (70facher) Vergrösserung bemerkbar: in dem 
Moment der Befeuchtung schiessen nach allen Richtungen hin 
die Nadeln der Salicylsäure an. 

Wirklich brillant lässt sich diese Umwandlung der Erv- 
stallform zu demonstrativem Zwecke hervorrufen, wenn einige 
Tropfen der concentr. alkoholischen Lösung vorher auf dem 



£. HoffoianD, Prüfang der Aqua Flonim Aurantii. 229 

Objectglas eingetrocknet werden. Die das Licht anders 
brechenden, moosariigen Erystalle des salicylsanren Natrium- 
«^alicjlates werden an den Benihrungsstellen mit l^asser 
aagenblickh'ch in langgestreckte durchsichtige Nadeln von 
Salicjlsaure umgewandelt. — 

Aber auch umgekehrt gelang es mir die Bildung des 
Salicjlsaure -Natriumsalicylates mikroskopisch zu verfolgen. 

Wird etwas Salicylsäure auf dem Objectglas mit einer 
ganz concen trirten Lösung von Natriumsalicylat befeuchtet, 
so scheint die Erystallnadel nach kurzer Zeit trnbewerdend, 
granolirt und wenig später beginnt die Ausscheidung der 
kurzen Prismen und Octaeder der neuen Verbindung unter 
nun raschem Verschwinden der Salicylsäure: einige Tropfen 
Wasser zugefugt genügen, um augenblicklich den Process 
rückgangig zu machen und die Krystalle der Salicylsäure 
wieder herzustellen. 

Hiermit ist zugleich der Weg angedeutet, wie bei einer 
Darstellnngsmethode in grösserem Maassstabe practisch zu 
verfiüiren wäre. 

Darüber, wie über Krystallform, Eigenschafben und 
nventnelle Verwendung dieser Verbindung, welche zwischen 
<2er schwer löslichen Salicylsäure einerseits und dem zwar 
leicht löslichen aber auch leichter zersetzbaren Hatrium- 
salicylat in der Hitte steht, werde ich mir später weitere 
Mittheflnng gestatten. — 

3) Zur Prüfung der Aqua Florum AurantiL 

Bas Orangenblüthenwasser des Handels ist je nach des- 
sen Bezugsquellen und Alter von ziemlich wechselnder Be- 
schaffenheit 

Die deutsche Pharmacopöe stellt allein als Anforderung, 
^ es frei Ton metallischen Bestandtheilen sei — 

Weiterhin möchte allerdings die Nase das beste Erite- 
rimn bei dessen Beurtheilung abgeben. 

Dtych ereigneten sich unlängst Fälle, die bewiesen, dass 
noch mehr zn berücksichtigen bleibt; wie nur der Geruch 



280 K. Hoffmamiy Prüfung der Aqua Florom Aoarntü. 

und da auch fernerhin bei Nichtbeachtung desselben redit 
unangenehme Erörterungen zwischen Arzt, Patient und Apo- 
theker daraus entspringen mögen, so nehme ich hiermit 
Veranlassung darauf aufmerksam zu machen und die gesuchte 
Erklärung zu geben. 

Beim Dispensiren von hellen Mixturen, welche Aqna 
Flor. Aurantii nebst einer organischen Säare enthielten und 
die man gewohnt war, farblos zu wissen, trat unbegreiflicher- 
weise nach kurzer Dauer lebhaftes Erröthen der Flüssigkeit 
ein; es zeigte sich, dass die verwendete, frisch bezogene 
Aqua Flor. Aurantii daran Schuld sei. — 

Nun erwähnt zwar Hager in seinem Conmientar zur 
Fharmacopöe, dass echtes Pomeranzenblüthenwasser durcb 
concentrirte Salpetersäure oder Schwefelsäure sich röth- 
lich färben sollte — dieses jedoch nach seiner Beobachtung 
nicht jederzeit zuzutreffen scheine. — 

Dass aber auch schon geringe Mengen einer organischen 
Säure, Essigäure, Citronen-, Salicylsänre eine solche Färbung 
hervorzurufen im Stande seien, musste bislang der Beachtung 
entgangen sein. 

Verschiedene in Folge dieser Beobachtung geprüfte Pro- 
ben von Aq. Flor. Aurantii von theilweise vorzüglichem 
Geruch färbten sich bald mit Säuren, andere wieder nicht. -> 

Wo immer aber eine Färbung eintrat, erfolgte solche 
ohne Zuhilfenahme von concentrirten Säuren, langsamer 
bei gewöhnlicher Temperatur, sofort beim Erwärmen. Der 
relative Farbstoffgehalt war indess nur ein sehr geringer 
und es schien wenig Aussicht vorhanden, möglicherweise üher 
die Natur desselben AufschluBs zu erhalten. 

Ist der Farbstoff a priori vorhanden, ist derselbe aus 
gleichzeitig anwesendem äther. Oele, Aldehyde, Ammoniak etc. 
entstanden oder aber erst nachträglich hinzugekommen? 

üeber diese Fragen erhielt ich durch die nukroskopische 
Untersuchung der im Wasser enthaltenen Deposita befrie- 
digende Antwort 

Dieselben bestanden aus Schleim -Harzgerinsel, Reste von 
Pflanzentheilen, alle mehr oder weniger gefärbt; unter letzteren 



E. HofimAnn, Profiuig der Aqaa Florum Aorantü. 281 

waren einzelne Spane von an seinen gehöften Tüpfelzellen 
leicht kenntlichem Goniferenholz von intensiv hoch- 
rother Färbung. 

Es konnte somit kein Zweifel mehr obwalten, dass der 
rothe Farbstoff a priori weder vorhanden war, noch im Was- 
ser sich gebildet habe, sondern es mnsste derselbe gleich- 
zeitig mit dem bereits gefärbten Goniferenholz — ob absicht- 
lich, ob zniallig hineingerathen sein. 

Möglich, dass dadurch die Sage von der Echtheit con- 
^^errirt^ andi möglich, dass einem durch Ueberspritzen bei der 
Destillation etc. missfarbig gewordenem Wasser die Farbe 
eorrigirt werden sollte. — 

Was die Natur des Farbstoffes anlangt, fand ich zu 
dessen Erkennung ans dem Verhalten einer sehr concentrir- 
ten, durch Digestion aus einer grösseren Menge Wasser- 
rdckatünde bereiteten Lösung gegen Beagentien, wie auch 
bei der .damit vorgenommenen spectroscopischen Prüfung,^ 
ziemlich sichere Anhaltspunkte. 

Der Farbstoff wird durch die Einwirkung von massig 
concentrirten Mineralsäuren nicht verändert; Alkalien ändern 
^^eise Farbe in Hellgelb um. 

Hiedurch ist weitaus der grösste Theil der rothen Farb- 
"«toffe ausgeschlossen, alle jene, welche mit Alkalien blaue, 
violette, grüne, graue Kuancirungen aufweisen. 

Ebenso können die schönen Froducte unserer neueren 
Theer&rben- Industrie ausser Acht gelassen werden, da jene 
mit dem Orangenblüthenwasser vorgenommene Frocedur un- 
«streitig älteren Datums seinen Ursprung verdankt. — 



i) Für den Gebraach in pbannac. Laboratorien, kann ich das neaer- 
<üagi Ton Fr. Sefamidt & Haensch in BerUn zn dem miUsigen Preis Ton 
M> 45 hergeeteUte, gans Torsügliche leieht su handhabende Taschen- 
•pectroakop mit Yergleichsprisma nnd Spiegelbelenohtong als ein wiUkom- 
meaei Hilfsmittel bei den manniehüschsten Untersuohnngen empfehlen, 
aBneBÜieb, seitdem doreh H. Vogel eine treffliobe Anleitung gegeben ist. 
rPcactiache SpeeCnlanalyse irdischer Stoffe 1S77. Beck'sche Bnchhand- 
W. KordHngen). 



282 E. Hoffmann, Prüfang der Aqua Florom Aurantii. 

Das Absorptionsspectnun der Farbstofflösniig hat dage- 
gen grosse Aehnliohkeit mit dem des Saftes der Beeren Ton 
Phytolacca de c an dr a (Eermes- Scharlachbeere), welchem 
Büdfrankreich vielfältig zum Auffärben von Kothwein benutzt 
werden sollen und gleichfalls mit dem der rothen Varietäten 
der überall heimischen Runkelrübe, Beta vulgaris. 

Sowohl der Farbstoff von Phytolacca wie von Beta wird 
durch Säuren nicht zerstört, durch Alkalien dagegen in ein 
sehr leichtes Gelb umgewandelt. 

Daraus ist erklärlich, dass ein damit versetztes Orangen- 
blüthen Wasser , welches durch vorhandenes Ammoniak ancli 
noch so schwach alkalisch reagirt, fast farblos erscheinen 
mag und erst auf Zusatz einer Säure der Farbenwechsel in 
Rosa eintreten kann. — 

Den grössten Theil des vorhandenen Farbstoffes wird 
man immerhin in den suspendirten, durch Filtration zu tren 
nenden Theilen zu suchen haben, im Verein mit schleimigem, 
harzigem Gerinnsel, organischen Stoffen. Ein nicht fil- 
trirtes Wasser wird sich aus diesem Gninde intensiver 
färben, wie filtrirtes. 

Mit dem Alter geht die anfangs schön rothe Färbung 
mehr in Braunroth über; doch erhielt ich noch aus dem 
Bückstand einer Aq. Fl. Aurant., welches ich ein Jahr lang in 
kleinen Flaschen abgefüllt aufbewahrt hatte, durch Digestion 
mit verdünnter Salzsäure eine so intensiv, tingirte Lösung, 
dass deren Farbe älterem Rothwein gleich kam. — 

Obwohl nun ein Zusatz von Phytolacca oder Betasaft 
zum Orangenblüthenwasser, aus welcher Ursache derselbe 
immerhin geschehen mag, keinerlei Einfluss auf dessen Wohl- 
geruch üben wird^ so scheint mir doch bei dessen Prüfung 
und Auswahl, jener Sorte der Vorzug zu geben zu sein, 
deren Verwendung von vornherein ausschliesst, dass ein mit* 
unter misslicher und Misstrauen erregender Farbenwechsel 
eintreten könnte. 



E. HoffmADn, Nacbschrift. 233 

Nachschrift 

zu 1) Katrininyerbindung der Salicylsäure etc. 

Anch mit Ealiam, Lithiam, Ammoniam erhielt ich inzwi- 
schen in derselben Weise die dem SaUcylsäure -Natriomflalicylat 
entsprechenden Verbindungen. 

Dieselben yerhalten sich ganz analog und werden durch 
Wasser gleichfalls sofort wieder in Salicylsäure und neutra- 
les Salz zerlegt 

Salicylsänre-Ealiumsalicylat. 

Es krystallisirt aus gesättigten alkoholischen Lösungen 
in grossen, harten , rhombischen Erystallen. 

Die Einwirkung von Kaliumsalicylat in concentrirter 
wässriger Lösung auf Salicylsäure aber geht merklich lang- 
samer yon statten, wie bei Natriumsalicylat und resultirt die Ea- 
liamyerbindung hierbei in kleineren nadeiförmigen Erystallen 
— während andrerseits die aus wässriger Lösung schön 
krystallisirende Natriumverbindung aus alkoholischer sich nur 
in kahnfonnigen Blättchen abscheidet. 

Salicylsäure- Lithi ums alicylat 

erhalt man in kurzen rhombischen Prismen und Octaedem 
sowohl bei der Erystallisation aus Alkohol, wie auch durch 
Einwirkung von wässriger Lithiumsalicylatlösung auf Salicyl- 
säure; diese Seaction geht bei Lithium noch rascher Tor sich 
wie bei Natrium. 

Es verhält sich so eigenthümlicher Weise die Intensität 
der Einwirkung der neutralen Salze auf Salicylsäure umge- 
kehrt wie die Atomgewichte der Alkalimetalle, so dass bei 
Lithium am leichtesten sich der ümwandlungsprocess auf 
dem Objectglas mikroskopisch verfolgen läest. — 

Salicylsäure- Ammoniums alicylat 

krystallisirt aus wässriger, wie alkoholischer Lösung innadel- 
oder moosartigen Erystallen. 



2ai G T. Hon, GcarkicM« d«r ApoÜMkcs in Bamberg. 

Ton den sich an die AlMhnetaPe Eunachst anreihenden 
Elementen geht das Magnesinm ebenfaHa ausser dem neu- 
tralen Salze noch andere Verbindungen mit Balicylsaiue ein. 
Ersteres zerfiUt schon dnrch längeres Erhitzen im Wasser- 
bade beim Austrocknen und ist hierauf im Wasser nicht mehr 
TöUig löslich; seine concentrirte wassrige Lösung femer wirkt 
sichtbar auf Salicylsanre. 

Eine constante Verbindung ansser den bereits gekannten 
ist mir jedoch bis jetzt nicht gelungen nachzuweisen, eben 
sowenig für Baryum, Calcium, Strontium — für die letzte- 
ren auch kaum Yorauszusehen. — 



fiesehlehte der ApothekeB zu Bamlierg. 

Von 6. Frlim. Ton Hörn. 
(Fortsetiung u. SchloM.) 

IL Oben wurde schon gesagt^ dass Bischof Philipp von 
Henneberg gegen die ausdrückliche Zusage des Bischöfe An- 
ton Yon Bx>tenhan, welche dem Ulrich Elüpfel gegeben wo^ 
den war, die Errichtung einer zweiten Apotheke in der Stadt 
Bamberg gestattet hatte, und dass daraus nebst anderen 
Ursachen Irrungen zwischen Bischof Heinrich und Elüpfei 
entsprangen waren, sowie endlich auch dass über die Beile- 
gung derselben am 29. Januar 1489 eine Urkunde errichtet 
worden war. Nähere Angaben aber über diese zweite Apo- 
theke zu Bamberg enthalt diese Urkunde nicht, und eine 
Urkunde über die Bewilligung, diese Apotheke zu errichten, 
ist nicht Torhanden. Aus einer Urkunde des Stadtgerichts 
Bamberg vom 11. Februar 1473 jedoch geht hervor, dass der 
Apotheker Jobann Sohmid von dem Andreas Salzmann einen 
Theil einer Hofreith und eines Garten von einem grösseren 
Complexe, welchen Salzmann selbst am 26. November 1470 
erst erworben, gekauft und darauf ein neues Haus gehant 
hatte, von welchem er 2 fl. Zins zu zahlen sich verpflichtete. 
In einer städtischen Bechnung des Jahres 1478 geschiebt 



i 



G. T. Hom, Gescbiebte der Apotheken za Bamberg. 235 

eines Apothekers Erwähnung, welcher Meister Hans genannt 
wird, während auf der Apotheke an der Schutt der Meister 
Ulrich sass. Nach einer Urkunde vom 14. NoTcmber 1496 
war der Apotheker Hans Schmid zu dieser Zeit bereits gestor- 
ben, und seine Witwe besass das oben erwähnte Haus. Diese 
Thatsachen reichen wohl hin, die Annahme zu rechtfertigen, 
das« Hans diejenige Apotheke errichtete, welche ein Gegen- 
stand der Irrungen zwischen Bischof Heinrich und Apotheker 
Klöpfel war. Weitere urkundliche Nachrichten über eine 
zweite Apotheke in der Stadt Bamberg aus dieser Zeit sind 
nicht Torhanden. 

Aas einer städtischen Rechnung geht hervor, dass 1543 
in Bamberg eine .Apotheke bestand, welche die TJnterapo- 
theke biess, und eine Urkunde des Stadtgerichts zu Bam- 
berg vom 11. Februar 1574, welche im K. Ereisarchive zu 
Bamberg aufbewahrt wird, gibt Nachricht über diese Unter- 
apotheke. Es bekennen nämlich darin, Jonas Bock, des Raths 
und des Grerichts zu Bamberg, und seine Ehefrau Bosina, 
für sich und ihre Erben, dass der Apotheker Feter Erauss 
und dessen Ehefirau Eosina von der Frau Katharina Eber- 
wein selig, des Bocks Schwester, deren Behausung die Un- 
terapotheke genannt am Eck zu rechter Hand, wenn man 
Ton der Unteren Brücke das Zwerchgässlein herum hinauf- 
wärts gen Hof gehen will, und mit einer Seite an des wohl- 
gelehrten Herrn Bartholomäus Sauerzapf, Doctor der Rechte, 
anderer Seite an Michael Riegel, des Rathes, seligen Frau 
Witwe Behausung stossend, gekauft und den Kaufpreis rich- 
tig bezahlt habe. Das Haus, die Unterapotheke genannt, ist 
heute mit der Nummer 1180 bezeichnet, und nach dem Muster 
der Oberapotheke an der Schutt, mit einem Halbstocke zwi- 
schen dem ersten und zweiten Stockwerke, wie schon gesagt, 
versehen; seine Erbauung fällt in eine sehr frühe Zeit. Es 
mag der Ehemann der Frau Katharina Eberwein in dem 
oben genannten Jahre 1543 die Unterapotheke besessen haben, 
das aber ist gewiss, dass sie im Jahre 1614 im Besitze des 
Apothekers Veit Kraus war, dessen „ Geselle'^ Nicolaus Heblig 
von der Witwe Klett „zu. einem provisom*' angenommen wurde. 



236 G. ▼. Hörn, Geschichte der Apotheken zu Brmbcrg. 

Von jetzt an entsieht sich die Unterapotheke den Blicken 
gänzlich nnd nach dem dreisBigjährigen Kriege befindet sie 
sich nicht mehr in dem bezeichneten Hause. An ihrer Stelle 
als zweite Apotheke ist in dem SteaerroYisions- Protokolle 
vom Jahre 1653 die Apotheke des Johann Schober auf der 
Oberen Brücke vorgetragen, welche sich in demselben Hanse 
befand, in welchem heute die Mohrenapotheke ist, und wel- ^ 
ches die Nr. 8 trägt. 

Das Steuerrevisions- Protokoll von 1678 nennt den Hans 
Philipp Yonessen, des BAths, als Apotheker auf der Oberen 
Brücke. 

1701 am 12. April war Anton Joseph Popp, des Baths, 
Eigenthümer der Apotheke auf der Oberen Brücke. Wann 
er sie erworben hat, konnte nicht ermittelt werden. Derselbe 
starb am 8. März 1728 als Bürgermeister der Stadt Bamberg, 
welche Würde derselbe über 10 Jahre bekleidete. 

m 

Das Steuerkataster vom Jalre 1732 entlält Wilhehn 
Koch als Eigenthümer der Apotheke auf der Oberen Brücke, 
und ist es nicht unwahrscheinlich, dass er der unmittelbare 
Nachfolger des Popp war. 

Nach dem Steuerkataster des Jahres 1767 war Lieb 
damals Eigenthümer der Apotheke auf der Oberen Brücke. 
Im Jahre 1777 wurde die Mohrenapotheke des Lieb auf der 
Oberen Brücke mit der Einrichtung vom Stadtgerichte zom 
Verkaufe ausgeschrieben. Das erste Angebot, das darauf 
gelegt wurde, betrug 8,000 fl. und 6 Ducaten Leihkauf, das 
höchste 9,500 fl. und 6 Ducaten Leihkauf. Johann Yanselow i 
kaufte dieselbe. : 

Im Jahre 1803 wurde die Mohrenapotheke auf der Obe- 
ren Brücke abermal zum Verkaufe öffentUch ausgeschrieben. 
Das niedrigste Gebot, das dieses Mal gelegt wurde, betrug 
ebenfalls 8,000 fl. Das höchste 9,600 fl. Im September des ; 
angegebenen Jahres wurde die Mohrenapotheke Eigenthum des | 
Quirin Schneemann. 

Am 26. April 1815 verehelichte sich die Apothekers- 
witwe Schneemann mit dem Apotheker Huber. Dieselbe blieb 
Eigenthümerin der Apotheke, bis sie deren Sohn aus erster 




6. T. Hörn, Oetehichte der Apotheken su Bamberg. 237 

Ehe Joseph Schneemann übernahm. Nach dem Tode Schnee- 
manns heiiathete dessen Witwe den Apotheker Joseph Schne- 
diz, welchen wir bis zn seinem im Jahre 1870 erfolgten Tode 
aof der Hohrenapotheke finden. Darauf kam dieselbe durch 
Kauf an Herrn Joseph Frandl, yon diesem erkaufte sie am 
1. Juli 1877 der gegenwärtige Eigenthümer derselben , Herr 
Hans Sippel von Kissingen. Die Mohren - Apotheke befindet 
sich nachgewiesener Massen seit dem Jahre 1653 auf dem 
Haufie, das heute die Nr. 8 trägt, also 225 Jahre. Die unun- 
terbrochene Zeitfolge der Besitzer dieser Apotheke herzu- 
stellen, ist nicht möglich, weil die dazu nöthigen Behelfe 
nicht vorhanden sind. 



HL Nach der Mohrenapotheke folgt dem Alter nach 
die Einhornapotheke auf dem Markte, heute mit Nr. 568 
bezeichnet 

1694 fasste der Fürstbischof Lothar Franz, Graf von 
Schönborn den Entschluss, das alte, den Markt verunzierende 
Waghaus zu veräussern. Es fand sich auch bald in der 
Person des Wägers und ümgeldners Johann Wolfgang Batz 
ein Kaufliebhaber. Nach einem im K. Kreis - Archive zu 
Bamberg aufbewahrten Eaufbriefentwurfe sollte derselbe das 
Waghaus um 450 fl. erhalten, wovon 50 fl. baar zu erlegen, 
der Best aber in Abschlagszahlungen von 50 fl. abzutragen 
war. Es trat jedoch bald ein zweiter Liebhaber auf, welcher 
SOG fl., also 50 fl. mehr auf das alte Waghaus bot. Mit die- 
sem wurde denn auch am 9. October 1694 ein Kaufvertrag 
abgeschlossen, nach welchem Boxberger 200 fl. baar erlegte, 
den Kaufschillingsrest aber in jährlichen Abschlagszahlungen von 
50 fl. abtragen sollte. Weitere Bedingungen waren, dass er 
das alte Haus bis auf den Grund abreissen, den unteren Stock 
des Neubaues mit Quadern und den Giebel wenigstens mit 
Backsteinen zur Zierde der Stadt aufbauen müsse. Zum Baue 
erhielt er ein Schock weiches Holz und 10 Eichen zu Schwel- 
len. Den Bau föhrte er nach getrofiener Vereinbarung mit 
seinem Nachbarn Heinrich Ducro nach einem verabredeten 
Plane aus, nach welchem beide Häuser als ein einziges 



288 O. T. Hörn, Gesoluclite der Apotheken tu Bamberg. 

erscheinen sollten und wirklich erscheinen. Mit dem Baue 
scheint es langsam vorwärts gegangen zn sein, denn im Jahre 
1694 bittet Boxberger, welcher sich Apotheker zum Einhorn 
nennt, den Fürstbischof, er möge ihm den Termin zur Zah- 
lung der ersten ialligen 50 fl. auf etliche Jahre .,prolongiren.'^ 
Zur Begründung fuhrt er an, dass bei seinem noch imper- 
fectionirten Baue, worin er schon über 2,000 fl. angewendet, 
seine ganze Baarschaft erschöpft sey, und dass er bis snr 
TÖlligen „Vollziehung des Baues'' auch noch viel auszuge- 
ben habe. 

Boxberger Hess über die Thür des vollendeten Hauses 
als Schild der neuen Apotheke ein weisses Einhorn in blauem 
Felde malen und darunter nachstehendes Ghrondystichon 
setzen : 

hVc pLVIt VnIoeko CornV LawqVentIbVs jegeIs 
Cebia saLYs Ite hYC phabMaCopjca patet. 

Die grösseren Buchstaben waren mit rother, die kleine- 
ren mit schwarzer Farbe angeschrieben. Die grossen Buch- 
staben sind auch lateinische Ziffern. Setzt man dieselben 
unter einander und addirt sie, so erhält man die Zahl 1695 
des Jahres, in welchem der Bau vollendet, die Offizin der 
neuen Apotheke eröffnet wurde. Im Jahre 1825 wurde das 
Schild und die Inschrift neugemalt und geschrieben, aber 
nicht in der alten Weise. 

Der Erbauer und Gründer der Einhornapotheke sass ün 
Bathe der Stadt Bamberg bis zu seinem 1734 am 10. Juni 
erfolgten Tode. 

In dem Steuerkataster des Jahres 1732 erscheinen zoni 
ersten Male drei Apotheken: die Obere oder HofapoÜieke 
mit 240 fl. Frofessionsanlage , die Apotheke auf der Oberen 
Brücke mit 240 fl., die Einhomapotheke mit 200 fl. Der 
Greschäftsbetrieb in den beiden erstgenannten Apotheken darf 
demnach als gleich stark betrachtet werden, der der Einhom- 
apotheke stand beiden merklich nach. 

In dem Steuerkataster von 1767 ist Gabriel Ziegler als 
Eigenthümer der Einhomapotheke vorgetragen, im Jahre 1774 



6. T. Hom, Oesebichte d«r Apotheken eq Bamberg. 239 

ging sie auf Jacob Werner Uolinari über, nnd im Jahre 1781 
kam sie an die Grebrüder Sippel ans dem Fuldaisohen. Die 
Apotb^e befindet sich noch heute im Besitze eines Kachkom- 
men des einen dieser Brüder. Der dermalige Eigenthümer 
der Einhorn -Apolhekey Herr Magistratsrath Friedrich Sippel, 
wird also in 4 Jahren das seltene Familienfest des hundert- 
jährigen Apotheken- und Hausbesitzes feiern können. Ich 
föge noch bei, dass der Grossyater des dermaligen Eigen- 
thümers Joseph Sippel vom 14. Mai 1785 an im Rathe der 
Stadt Bamberg bis zu dessen Auflösung im Jahre 1804, Yon 
da an in dem neugebildeten Yerwaltungsrathe der Stadt Bam- 
beig bis zu dessen Auflösung im Jahr 1812 gesessen hat. 

lY. Unterm 31. December 1754 wurde dem Johann Georg 
Richter vom Fürstbischof Franz Konrad, Grafen von Stadion, 
mit Rücksicht auf die häufigen TJeberschwemmungen , welche 
die Bewohner des auf dem rechten Ufer der Regnitz gelege- 
nen grosseh Theiles der Stadt Bamberg und der nahen Orte, 
namentlich der Tolkreichen Märkte Hallstadt und Memmels- 
dorf oft auf mehrere Tage von den Apotheken der Stadt 
abschnitten, welche alle auf dem anderen Regnitzufer liegen, 
gestattet eine vierte Apotheke in Bamberg auf dem soge- 
nannten Steinwege in der alten Teuerstadt, in der heutigen 
Königsstrasse, Haus Nr. 1013 anzulegen. 1774 kam diese 
Apotheke, Adlerapotheke genannt, auf Anton Richter, den 
Sohn des Gründers derselben, welcher von 1773 bis zu sei- 
nem g^;en das Ende des Jahres 1786 erfolgten Tode im 
Bathe der Stadt Bamberg sass. Diesem folgte Professor 
Friedrich Rumpf, Ton welchem die Adlerapotheke auf dessen 
Sohn, Friedrich Rumpf kanL Die Witwe desselben verkaufte 
die Apotheke an Herrn Adolph BaiL Yon diesem kaufte sie 
am 1. August 1874 Herr Jacob Sattes, von welchem 2 Jahre 
spater me Herr A. £atzenberger erwarb. 

Y. Die fünfte Apotiieke in Bamberg wurde im Jahre 
1833 Ton Anton Kirchgessner im Hause Nr. 1625 in der 
Lngbank am Fusse des Kaulbergs unter der Benennung Lö- 
wenapotheke errichtet. Dem Gründer dieser Apotheke folgte 
im Besitze derselben Herr Gustav Goes im Jahre 1848. 



340 6. ▼. Hom, Geschichte der Apotheken f a Bamherg. 

Im Jahre 1864 erwarb sie der dermalige Besitzer Herr Fried- 
rich Bayerlein. 

VI. Nachdem in dem Eigenthumsverhältnisse der Obe- 
ren Apotheke unter dem Bischof Johann Greorg 11. die oben 
sjigegehene Yeränderang vorgegangen war und dieselbe ans 
einer bischöflichen und stiftischen Fachtapotheke ^e Erb- 
apotheke geworden war, konnte nicht mehr in der bisher 
üblich gewesenen Art und Weise Fürsorge dafür getroffen 
werden y dass diese Apotheke stets mit guten Arzneimitteln 
versehen sei, und dass der Verkauf derselben nach einer yor- 
geschriebenen Taxe geschehe , sondern es musste dies durch 
eine förmliche fürstliche Verordnung erwirkt werden. Schon 
unter der Regierung des Fürstbischofs Martin von Eyb scheint 
man dies erkannt zu haben, denn es liegt der Entwurf einer 
Apotheker -Ordnung des genannten Fürstbischofs vom Jahre 
1581 vor. Eine Tax -Ordnung enthält dieselbe nicht Fer- 
ner liegt ein ganz gleichlautender Entwurf des Bischofs Ernst 
von Mengersdorf vor, ebenfalls ohne Tax- Ordnung. Endlich 
ist eine gedruckte Apotheker- Ordnung des letztgenannten 
Bischofs vom 4. September 1584 nebst Tax- Ordnung vor 
banden. Dieselbe umfasst im Granzen das Titelblatt nnd 
38 Seiten y und zwar die Apotheker -Ordnung 16 ^ die Tax- 
Ordnung 22 Seiten. Das Format ist das eines gewöhnlichen 
Schreibheftes, klein Quart Auf dem Titelblatte befindet sich 
das Bischöfliche Wappen. Der Inhalt dieser Apotheker - 
Ordnung ist gleichlautend mit dem der beiden vorgenannten, 
jedoch enthält sie mehrere Absätze, welche in diesen beiden 
nicht enthalten sind, nämlich Nr. 12, 17 und 18. Die Tax- 
Ordnung enthält die Taxen aller gebräuchlichen Arzneimittel 
und zählt eine sehr grosse Menge derselben namentlich anf. 
Die den Preisschwankungen unterworfenen Gregenstände führt 
diese Tax -Ordnung am Schlüsse nur namentlich ohne Preis- 
angabe auf. Apotheker -Ordnung und Tax -Ordnung sind in 
historischer und wissenschaftlicher Hinsicht im höchsten Grade 
interessant y und folgte deshalb beides wortgetreu. 



6. t. Hörn, 6«Mhiclite der Apotheken in Bamberg. 241 

Eine sehr deutliche Abbfldung der Oberen Apotheke ent- 
hält der Zweidler'sche Plan der Stadt Bamberg yom Jahre 
1602. Sie ist auf demselben als ein hohes , stattliches, stei- 
nernes Grebaade Ton grosser Begelmässigkeit dargestellt. 
Dasselbe ist dreigäthig, hat an der Giebelseite, welche nach 
altem Brauche nach der Hauptstrasse, der Schutt, hin ge- 
richtet ist, in den beiden oberen Stockwerken je vier regel- 
mässig Tertheilte Fenster, in dem unteren Stocke dagegen in 
der Mitte eine breite Bogenthür, oberhalb derselben eine 
etwas sdmiälere dergleichen Thür, und unterhalb der Mittel- 
thör ein Bogenfenster. An der Seite des Hauses nach dem 
Ringleinsgässchen zeigt sich nicht ganz in der Mitte eine Bo- 
genthür, welche in den Keller fuhrt^ oberhalb derselben eine 
vergitterte Fensteröffiaung, neben der Thür gegen die Haupt- 
strasse und ebenso auf der andern Seite derselben je ein 
Bogenfenster. Die mittlere Thür an der vordem Seite des 
Hauses führte und fuhrt noch heute in die Offizin, die dane- 
ben befindliche in den Hausgang und zur Treppe des Hauses. 
Die beiden oberen Stockwerke enthalten gegen die Ringleins- 
gasse je drei Fenster, und am Dache erhebt sich ein kleiner 
Ueberbau, hier Erker genannt 

Wirft man einen prüfenden Blick auf die heutige Facade 
des Hauses, welche sich an der Earolinenstrasse hinauf zieht, 
nnd Tergleicht dieselbe mit dem Bilde der Apothekenbehau- 
sang des Zweidler*schen Planes, so erkennt man sofort, dass 
das heutige Haue aus zwei ungefähr gleich grossen Häusern 
in eines zusammen gebaut ist, und es sind deutliche Spuren 
zn bemerken, welche zeigen, dass die untere Hälfte des heu- 
tigen Hauses in den beiden oberen Stockwerken je vier Fen- 
ster hatte, aus welchen später drei gemacht wurden. Betritt 
man das Innere des Hauses, so fällt sofort die dicke Scheide- 
maner der beiden Häuser, welche heute noch besteht, auf. 
Sieht man sich die dicken Umfassungsmauern von Sandstein- 
qoadem, die Spitzbogengewölbe der Offizin, des Laboratoriums 
luul der sonstigen unteren Bäume, die Spitzbogen über den Thü- 
ren, namentlich über der Hausthür näher an, und steigt man 
hinab in die hellen, hohen, trockenen Kellerräume und 

▲reh. d. Fhftim. 2JI. Bds. 8. Heft. 16 



342 O. ▼• Hom, Geseliielite der Apotheken in Bamberg. 

betrachtet eich auch diese mit ihren gegen 2 Ueier dicken 
Mauern und Gewölben, so wird man die Ueberaeugnng gewin- 
nen, daes diese Keller- und Farterreräiunlichkeiten dieselben 
sind, weiche Ulrich ELiipfel im Jabre 1455 erbauen lieu. 

Das Spitzbogengewölbe der Offlsin, des Laboratoriam. 
welches sich am Ecke gegen die Ringleinsgasse und den Hof- 
raum befindet, des Haasganges bis gegen die Treppe, daon 
der hinteren Räume reicht nicht bis zum Fussboden der darü- 
ber beöndliohen Gemächer des zweiten Stockwerkes hinauf: 
dazwischen befinden sich der Eintheilung des Hansea eol- 
sprecbende, einige Meter hohe Käame, von welchen die hin- 
teren durch mit Eisenetäben vergitterte Fensteröffnungen Licht 
und Luft erhalten. Die Decke der Flur zwischen dem Labo- 
ratoriam nnd der OfBzin, resp. dem Kellerhalee reicht hk 
zum Fussboden der Flur des zweiten Stockwerkes hinauf, ia 
also höher als das Laboratorium u. b. w. Die Wand, welche 
den Platz von dem Laboratorium scheidet, zeigt die jetzt ver- 
mauerte Thüröffuung, durch welche man mittelst einer ange- 
setzten Leiter zu den Zwischenräumen gelangte. Heute sind 
die Räume von dem Podium der Treppe aus zugänglich. 
Was die über der Offizin und dem vorderu Haasgange lie- 
genden Zwiechenräome betrifit, so sind diese von den darü- 
ber befindlichen Zimmern aas zugänglich, und es werden die 
Oeffnnngen durch das Getäfel des Fussboden verdeckt Diese 
Räumlichkeiten dienten früher zor Aufbewahrung der Vot- 
räthe der verschiedensten Art, wie auch noch heute. Diese 
Einrichtung besteht aber nur in dem alten Apothekenhauec, 
in der oberen Hälfte des heutigen Hauses nicht. 

Oberhalb des weiten Kellerhalses , der sich an der Hin- 
tamrainA Aar nMttr.Q befindet, befand sich früher ein ähnlicher 
elcher durch eine Thiiröffnung an der Hin- 
n von dieser aus ebenfalls durch eine ange- 
inglich war. Dieser Raum, welcher durch 
itterte Fenster über der Kellerthür Licht und 
elt die Schlafstätte des „Apotbekergesellen", 
/& allabendlich auf einer Leiter da hinauf 
rator liess die Oeflnung in der Wand ver- 



6. T. Hörn, Geschiolite der Apotheken sa Bamberg. 243 

mauern und die beiden änsseren Wände bis zur Höhe des 
KeQeriialses niederreissen. 

Die Einrichtnng, wie sie oben geschildert wurde, ist als 
die Mnstereinrichtung eines richtigen Apothekenhanses der 
alten Zeit sn betrachten, war doch diese Apothekenbehausung 
Tom Meister Ulrich nach dem Rathe und der Anweisung der 
Tom Bischof damit Betrauten erbaut und nach dem £athe 
und den Satsungen der Aerzte des Bischofs und des Kapitels 
eingerichtet worden, üebrigens ist auch dasjeixiige Haus, in 
welchem sich im Anfang des 16. Jahrhunderts die Apotheke 
he&nd, mit welcher Elüpfel von dem Bischöfe Philipp von 
Hemieberg „überzohen und übersetzt^' worden war, ganz auf 
dieselbe Weise eingerichtet, indem es gleichfalls solche Zwi- 
iK^enranme, einen solchen Halbstock hat. 

Dem Hofapotheker Gotthied Frey, welcher ausser einem 
grossen Vermögen auch grosse Fachkenntnisse, einen guten 
(reschmack und Schönheitssinn besass, genügten diese alten 
Einrichtungen nicht mehr. Er schuf sich neue Räume zur Auf- 
bewahrung seiner Yorräthe, indem er das oberhalb der alten 
Apothekenbehausung gelegene grosselterliche Haus zu der 
letzteren hinzuzog und mit demselben vereinigte. Er Hess 
dasselbe erhöhen, die Fenster des Eckhauses abändern und 
auf die vereinigten Häuser ein hohes Mansardendach setzen. 
In den unteren Räumen des oberen Hauses richtete er ein 
geräumiges Geschäftszimmer und eine Materialkammer u. s. w. 
ein, ganz so, wie sich heute noch Alles vorfindet. Die Offi- 
zin and das Laboratorium im alten Apothekenhause aber Hess 
er unverändert besteben. 

Die von ihm gemachte Einrichtung ist schön, praktisch 
and sefaenswerth, weshalb ihr hier einige Worte gewidmet 
werden müssen. 

Vom Hausgange gelangt man auf einigen Treppenstufen 
dorch die in die ehemalige Scheidemauer der beiden Häuser 
gebrochene Thür in das freundliche, durch zwei Fenster 
erhellte Geschäftszimmer oder Comptoir, worin sich ein von 
dem dermaligen Eigenthümer der Apotheke construirter eiser- 
ner, mit Sandbad und Eochvorrichtungen versehener, drei 

16* 



244 Q. T. Eon], Geiclucht« der Apotheken in Bamberg. 

Localitäten erwärmeader Trockenofen befindet, welcber sücter 
praktiHcKen Einrichtung wegen in einer groesen Anzahl aas- 
wärtiger Apotheken eingeführt worden iat. Aus diesem Zim- 
mer fahrt eine Flügelthür in die Materi&lkammer. Die- 
selbe hat ein Fenster. Dia beiden Seitenwände werden von 
grossen eiogemsnerten Schränken eingenommen, welche aol 
einem 5 Centimeter vorspringenden Schnbladenregale rahen. 
Die westliche Wand hat zwei grosse und einen kleineren Schrank, 
der sich in der Mitte zwischen den beiden grossen befindet 
und mit dem in der gegenüber stehenden Wand von der Flä- 
gelthür eingenonmienen Raame coirespondirt. Diese Schränke 
haben anten, wo sie auf dem Schnbregale an&itzen, Niecben, 
welche früher offen waren, von denen jetzt aber die meisten 
mit verachlicsabaren Thüren versehen sind. Der obere Theil 
der Schränke ist mit Flügel- ond einfachen Thüren vereehen. 
Die Östliche Wand ist ebenso eingetbeilt, za beiden Seiten 
der Flügelthur des Einganges befinden sieb ganz dieselben 
Schränke wie gegenüber nnd über derselben ist ein dem 
Schranke der anderen Seite entsprechender angebracht, wel- 
cher jedoch nnr bis zur Thiire herab reicht. Sammtlicbe 
Schränke sind innen mit Fächern zom Aufstellen der Stand- 
gefasse ausgestattet. Dem Fenster gegenüber befindet sidi 
eine tiefe Nische, gleichfalls zur Aufnahme von Yorräthen 
bestimmt und eingerichtet. Am Fenster verzieren die schma- 
len Wandflächen zwischen den Schränken and der Fenster 
nische Holzschnitzereien. Oben mitten über der Nische 
erblickt man das geschnitzte und bemalte Wappen des Fürst- 
biachofs Adam Friedrich von Seinsheim, welcher znr Zeit der 
Einrichtung dieses Raumes regirte. Dasselbe ist mit ge- 
' " ten und bemalten Verzierungen umgeben. Etwas tie- 
en steht die Jahreszahl 1772, nnd zwar auf jeder der 
Seiten zwei Ziffern derselben. 

ie Schränke nebst dem Scbubladenregale sind, wenn 
m Zopfstyle, keineswegs überladen, sondern gesohmack- 
rzieret. Sie sind mit graulidier Oelforbe angestrichen, 
■zieningen mit grüner. Das Ganze, ein ünicum ohne 
n, das in keiner anderen Apotheke zu finden ist, 



G. T. Hom, Geschichte der Apotheken su Bamberg. 245 

gewahrt einen schönen Anblick und ist sehenswerth. Sämmt- 
liche Thüren und Schubladen schliessen jetzt, nach über hun^ 
dertjahrigem Grebranche^ noch auf das Grenaueste und geben 
&ugiiis8 von der grossen Accuratesse und Geschicklichkeit 
des leider unbekannten Schreinenneisters, in dessen Werk- 
stätte diese Schränke und Schubladen gefertigt worden sind. 
Schränke und Schubladen enthalten ihrer ersten Bestim- 
mung gemäss die nach Anleitung der Wissenschaft und nach 
Maassgabe der bestehenden Vorschriften geordneten und ver^ 
wahrten Torräthigen Materialien. Der ober der Eingangsthür 
aber Terwahrt zum Andenken an vergangene Jahrhunderte in 
alten prachtvollen mit Gold verzierten, mit eingebrannter 
Schrift versehenen BAndgläsern nachstehende Stoffe aus dem 
Arzneischatze des 15. und 16. Jahrhunderts, nämlich: 1. La- 
pides Carpionum, 2. Mandibulae Lucii piscis, 3. Friapus Cervi, 
4. Priapus Ceti, 5. Lapides Percarum, 6. Testes ovorum cal- 
cinatae, 7. Viperae exsiccatae pulverisatae, 8. Ossa Yiperarum, 
9. Bufones exsiccatae, 10. Brachii Astaci marini, 11. Mater 
Perlamm, 12. Cornu Alois, 13. Pilae marinae, 14. Fabae ma- 
rioae, 15. XJnicomu tot et pulverisat», 16. Lumbrici terrestres 
exsiccati, 17. Momiae verae, 18. Poma de Ambra, 19. Mar- 
garitae textiles, 20. Scorpiones venetae, 21. Argagropilae, 
22. Resina terra coa, 23. Millepedes, 24. MUlepedes praepara- 
ae, 25. Armadill. ofßcin., 26. üngulae Alois praeparatae, 
27. Stercus Favonis, 28. Stercus canis ver., 29. Lapis Lyncis, 
30. Lapis Jardaicus, 31. Lapi Granati et praeparat., 32. Nephre- 
ticus, 33. Bezoar. miner. praeparat., 34. Bezoar. cf Tinal. 
35. Lapis Amethysti, 36. Lapis Carneol. PF., 37. Lapis Hya- 
cinthi FF., 38. Lapis Lazuli FF., 39. Lapides Rubini, 40. La- 
pis Saphir. ^. 

Ein ganz vorzugliches Augenmerk musste Gottfried Frey, 
welcher zu der Zeit lebte, in welcher meistens aus Yegeta- 
bQien bereitete Arzneimittel verordnet wurden, darauf richten, 
^raumige Trockenböden und eine geräumige, luftige und 
trockene Eräuterkammer zum Trocknen und Aufbewahren der 
unzähligen Arten und der grossen Mengen der damals zur 
Verwendung kommenden Wurzeln, Kräuter, Blumen und 



246 O. T. Hörn, Gesohichte der Apotheken lu Bamberg. 

Saamen einzurichten. Dass ihm dies vollkommen gelungen 
ist, zei^ die heute noch vollständig vorhandene von ihm 
gemachte Einrichtung. 

Die Kräuterkanmier erstreckt sich unter dem hohen Man- 
sardendache über die ganze Länge des Hauses der Earolioen- 
strasse entlang, und nimmt beiläufig ein Drittel der Breite 
des Hauses ein. An der Wand nach der Strasse hm steht 
eine Beihe grosser mit gut schliessenden Deckeln versehener 
Kisten. An der entgegengesetzten Wand erhebt sich ein 
hohes 8chubladenregal , dessen drei unterste Reihen je om 
25 Centimeter vor der darauf folgenden Reihe hervortreten, so 
dass drei Stufen gebildet werden, welche es ermöglichen, die 
Schubladen der obersten Reihe heraus zu nehmen, ohne eine 
Leiter oder einen Tritt zu gebrauchen, und ist also durch 
diese Einrichtung die Unbequemlichkeit des Hin- und Her- 
tragens oder Schiebens der genannten Hilfsmittel beseitiget 
üeber diesen Stufen befinden sich noch 7 Reihen von Schub- 
laden. In den vier Ecken sind Nischen angebracht, welche 
oben hohe offene Fächer enthalten, in denen jetzt grosse gnt 
verschlossene Blechbüchsen stehen, welche zur Aufbcwabnmg 
weniger haltbarer Vegetabilien dienen. In gleicher Weise 
sind die Räume zwischen je zwei Nischen beschaffen. Alle 
Schubladen schliessen auf das beste und sind mit genau pas- 
senden Deckeln versehen. Die Zahl der Schubladen beläafl 
sich auf 400. Sie sind alle mit Aufschriften in schöner 
Schrift versehen, und sie sowohl als die Regale sind nicht 
ohne Verzierungen. 

An dem einen Flügel der Doppelthür hängt eine Tafel mit 
folgender Aufschrift: 

Herbae. 
Blum, Wurzeln, Kraeuter und die Saeam 
So Frey von Feld und Waeldem kam, 
Hat er zum Fried und Nutzen dein, 
Gott, Dir Mensch! gestellet ein. 

.1773. 
Diese Aufschrift besteht aus grossen lateinischen Buch- 
staben. Die sämmtlichen Anfangsbuchstaben der Hauptwörter 



0. T. Hom, Gescliichte der Apotheken zu Bamberg. 247 

.«lud Ton rother Farbe, und eben so alle Bachstaben der 
Worte Frey, Fried, Grott, welche in umgekehrter Ordnung 
gelesen den Namen des Erbauers Gottfried Frey geben. Die 
übrigen Buchstaben sind schwarz. Die Jahreszahl ist roth. 
Um das Ganze zieht sich ein lother verzierter Band. 

Dass diese Einrichtung zum grossen Theile heute über- 
fldssig ist, bedarf kaum der Erwähnung, denn die Fortschritte 
in der o^fanischen Chemie yerdrängen die rohen vegetabi- 
lidcben Arzneimittel immer mehr und mehr, allein der jetzige 
Eigenthümer behalt dieselbe aus Rücksichten der Pietät beL 

Vor der Eräuterkammer und über derselben befinden sich 
unter dem hohen Mansardendache drei grosse, helle, luftige 
Böden zum Trocknen you Yegetabilien. 

Zu dem Bodenräume gelangt man auf einer bequemen 
breiten Treppe, deren Geländer mit reichem Schnitzwerke 
verziert ist, und welche Gottfried Frey bauen liess. 

Nach dem Tode des Gottfried Frey kam, wie oben schon 
gesagt, die Apotheke an dessen Witwe und dann an deren 
Schwester, während welcher Zeit sie von dem Geschäfts- 
führer Franz Bader yerwaltet wurde. Dieser ging mit dem 
Gedanken am, in dem nicht allzufemen Burgebrach eine Apotheke 
zu errichten, und es sagt die böse Welt von ihm, er habe 
manches schöne und gute luTentarstück der trefflich ausgestat- 
teten Apotheke von Bamberg nach Burgebrach wandern lassen. 

Prator, welcher, wie oben schon angegeben wurde, im 
Jahre 1831 die Apotheke antrat, war keineswegs ein tüch- 
tiger Geschäftsmann, rerkaufte viele gute und werth volle 
Inrentarstücke und würde auch die schöne Materialkammer 
>eriiuBert haben, wenn er einen Käufer gefanden hätte. Die 
Lagerhöbser der Weinfasser im Keller verwandte er als 
Brennholz! Von Ergänzung der Vorräthe war bei ihm keine 
Rede. Bei seinem Nachfolger dem Landwehrmajor Schuck 
^ng es noch schlechter. Derselbe trank nebenbei gern und 
^el, und war dabei g^b gegen das Publikum. So konnte 
e« denn nicht ausbleiben, dass bald das Geschäft gänzlich 
bemnter kam und die Kundschaft verlor. 



248 O- V, Hom, Oaohiobt« der Apotbsken lu Bimbe^. 

Engerer, der Nachfolger Schncka, der die Apotheke auf 
BpecnUtion gekaufte hatte, rnnsate natürlich vor Allem dar- 
auf sehen, eine groaee Enndschaft herbeizuziehen and der 
Apotheke ein gutes Ansehen za geben. Er richtete daher 
Tor Allem die Offizin, durch welche ja gewiasennasaen da» 
Geschäft repräsentirt wird, neu her. Er erhöhte den Fusb- 
boden deraelben, Uesa neue Thären and neue Fenster, neue 
Begale und einen neuen B«oeptirtisch fertigen. Auch atatteu 
er das Greschäft mit Vorrüthen aus. Eine grosse Kundschaft 
glaubte er durch Creditgebon am leichtesten und Echnellateii 
heranziehen zn können. Er borgte daher bie in das Dunkel- 
blaae. Dadurch gelang es ihm nun allerdings eine grosee 
Enndscbaft heran zu locken, allein auf der anderen Seite 
muaete dies sehr bald zu einer gewissen Insolidität im 
Geschäfte fahren, welche schon im Anfange des Jahres 1846 
so sehr hervortrat, dass befürchtet werden musate, das Ge- 
schäft könne sieb nicht mehr lange halten. Und es erechien 
im Frühling des genannten Jahres gerade rechtzeitig ein 
Eaufliebhaber in der Person des dermaligen Eigenthümers 
der oftgenannten Apotheke. Der Kauf wurde am 16. April 
Terabredet and am 16. Jnni 1846 übernahm Herr Aagast 
Lamprecbt das Geschäft. 

Die erste Sorge des neuen Eigenthümers war es, da» 

gar sehr herabgekommene Geschäft in einer dem Stande der 

Wissenachaft und den gesetzlichen Beatimmangen Tollständig 

entsprechenden Art einzurichten und auf der Basis der etreng- 

Bten GewiBsenhaftigkeit, Sorgfalt und Solidität fortzoführen. 

" auf aber beschränkte sich der Eigenthümer der Schwanen- 

theke nicht allein; er beschäftigte sich auch mit wissen- 

iftlichen Untersuchungen und nahm in Yerbindung mit dem 

rn Professor Dr. Wittstein von Uüuohen eine chemische 

ersuchung der liasfonnationen der Bamberger Gegend 

Diese üntersnchung ergab unter Anderem auch, dass 

lem Lias schiefer Bambergs ein Torzugliches Leuchtgas 

landen ist. Bald auch fanden beide ein eigenthnmlidie» 

fahren, dasselbe herzustellen, and erhielten unter dein 

November 1868 ein PriTÜegium anf die Aasfnhmng dieser 



O. T. Horn, Gesehichte der Apotheken su Bamberg. 249 

ihrer Erfindang. Herr Lamprecht Hess nun eine Einrichtang 
zum Kochen und zur Beleuchtung herstellen, und so wurde 
Tom 16. Joni 1854 an die alte Apothekenbebausung an der 
Schätt zu Bamberg nach 399 jährigem Bestehen mit aus 
LiEMchiefer bereitetem Gase beleuchtet! 

Bei Gelegenheit der Anwesenheit des Königs Maximi- 
lian II Ton Bayern benutzte Herr JL^^^i^pi^^^ht dieses Gas zur 
Illumination seines Hauses, indem er ein gebogenes, ange- 
bohrtes und mit Brennern versehenes Bleirohr oben am 
Hause anbrachte. Das den Flammen entströmende Licht war 
80 hell, dass die brennenden Strassen- Oellatemen wie ver- 
glimmende Nürnberger Nachtlichter erschienen, und dass man 
in einer Entfernung von etwa 12 Meter eine gewöhnliche 
Zeitung lesen konnte. Die Einführung des Liasgases zur 
Beleuchtung ganzer Städte scheiterte an dem umstände, dass 
die Rückstände nicht in genügender Masse Absatz finden, 
wie dies bei dem Holzgase und dem Kohlengase der Fall ist, 
und ganz besonders bei letzterem, indem die Bückstände als 
Coaks KU jeder Zeit gut verwerthet werden können. Bald 
darauf entdekte Herr Lamprecht das Vorhandensein eines 
schwarzen Farbstoffes in dem Liasschiefer und das Verfahren 
der Herstellung desselben. Auch auf diese Erfindung wurde 
ihm unter dem 17. Mai 1854 ein Privilegium ertheilt. Die 
neue schwarze Farbe wurde alsbald in den Handel gebracht, 
nnd es zeigte sich, dass der Verbrauch derselben nicht genü- 
gend sei, um eine Fabrik zur Bereitang dieser Farhe zu 
errichten. Zur Zeit des Gründungs- und üntemehmungs- 
schwindels wäre es allerdings ein Leichtes gewesen, Actio- 
näre zur Errichtung einer grossen Fabrik zur Bereitung 
dieses Farbstoffes zusanmien zu bringen, allein dagegen 
stiiabte sich das Rechtsgefühl des Erfinders. Femer ge- 
lang es ihm, aus dem weissen Keupersande Bambergs 
das sogenannte Biscuit, das feine, milchweisse durchschei- 
nende Porzellan herzustellen. Auf diese Erfindung erhielt 
er am 1. April 1867 ein Privilegium, welches er im Jahre 
1868 an einen Porzellanfabrikanten im Grossherzogthum Baden 
verkaufte, welcher alsbald sein Geschäft um das zehnfache 



250 G. T. Hom, Geschichte der Apotheken zu Bamberg;. 

Tergrössern mnsste, um der Nachfrage nach seinem Fabrikate 
genügen zu können. Endlich setzte Herr Lamprecht eine 
Füllungsmasse für feuerfeste Schränke znsammen, welche sieb 
bei dem grossen Brande zu Meiningen im Jahre 1874 als 
ganz vorzüglich bewährt hat. 

Was die Eigenschaft der vielgenannten Apotheke als 
Hofapotheke betrifft, so hatte sie diese von ihrem Anfange an 
und diese Eigenschaft behielt sie auch noch später und ge- 
wiss vorzüglich deshalb, weil sie Eigen thum des Bischofs 
und des Stiftes war. Nachdem die Apotheke als Erb- 
apotheke in das Eigenthum des Zacharias Elett übergegan- 
gen war, behielt sie doch die Eigenschaft als Hofapotheke 
bei. Der erste Nachfolger des Zacharias Elett, sein 
Sohn Lorenz wird ausdrücklich Hof- und Oberapotheker 
genannt, eben so Perdach und in den fursüiclien Eanuner- 
rechnungen wird den Besitzern der Oberapotheke an der 
Schutt stets der Titel Hofapotheker, so namentlich dem Georg 
Adam Ludwig, 1691, beigelegt. Fürstbischof Friedrich Karl 
nennt in der Urkunde vom 10. October 1739, welche oben 
schon erwähnt wurde , sowohl den Johann Michael Bull als 
auch den Johann Anton Frey Hofapotheker. Gottfried Frey 
wird in dem furstbischöflichen Erlasse vom 20. November 
1764, womit seine Wahl in den Rath der Stadt Bamberg 
bestätigt wird, fürstlicher Kammerdiener, Leib- und Hof- 
apotheker genannt. Mit der Säcularisation des Bisthums ver- 
lor die Apotheke die Eigenschaft als Hofapotheke. Frätor 
war übrigens herzoglicher Hofapotheker. 

Ln Jahre 1855 wurde in den ehemaligen Residenzstädten 
Ansbach, Bamberg, Bayreuth, Würzburg u. s. w., in welchen 
jetzt noch königliche Besidenzschlösser sich befinden, jenen 
Apothekern, deren Besitzvorfahrer einst fürstliche Hofapo- 
theker waren, vom königlich Bayerischen Oberhofineisterstab 
die Mittheilung gemacht,' dass wenn sie sich um den Titel 
eines königlichen Bayerischen Hofapothekers bewerben woll- 
ten, sie die desfallsigen Gesuche, belegt mit dem Nachweise, 
dass ihre Apotheke früher eine Hoflsipotheke gewesen sei, 
und dass dieselbe nach ihrer Einrichtung und nach der Qnali- 



G. T. Hörn, Oesobiehte der Apotheken zu Bamberg. 251 

fication des Besitzers so beschaffen sei, dass der königliche 
Hof bei seiner Anwesenheit in diesen Städten füglich die 
allenfalls benötbigten Medicamente aus denselben beziehen 
können, einsenden möchten. Der derzeitige Eigenthtimer der 
alten Hof- und Schwanenapotheke kam dieser Aufforderung 
nacli, und mit Entschliessung vom 14. Juni 1855 wurde ihm 
der Titel eines königlichen Bayerischen Hofapothe- 
kers verliehen und zugleich die Berechtigung ertheilt, das 
^sse königliche Wappen zu fuhren, welches denn auch 
heute Yom am Hause angebracht ist, innen aber in der Offi- 
zin an dem der Eingangsthür gegenüber stehenden Hegale 
befindet sich das vergoldete Wappen des letzten Eürstbischofs 
von Bamberg, Christoph Franz ron Busek. 

Unsere Hofapotheke erscheint zuerst gewissermaassen als 
eine Staatsanstalt. Mit dem Jahre 1587, in welchem sie 
Zacharias Klett kaufte, verlor sie diese Eigenschaft und ward 
eineErbapotbeke, woraus sich nach und nach das radi- 
zirte Gewerbsrecht entwickelte. Jetzt ist aber auch 
dieser Standpunkt ein überwundener. 

Man wird zugestehen müssen, dass diese Apotheke die 
ganze Geschichte des Apothekerwesens, das Vorhandensein 
jener drei Perioden , welche die Geschichte der Arzneimittel- 
ehre bis zum Beginne des gegenwärtigen Jahrhunderts ver- 
/.eichnet, und in welchen galenische Mittel aus dem Thier- 
reiohe, galenische Mittel aus dem Mineralreiche und solche 
ins dem Fflanzenreiche im Gebrauche waren, und die Ge- 
schichte der Geschichte der Pharmazie als Profession, als 
Knnst und als Wissenschaft, von ihrem ersten Anfange an 
biä zu der hohen Stufe ihrer Entwickelung, auf welcher sie 
hente steht^ so recht ad hominem und ad oculos demonstrirt. 



G. T. Harn , Gaichichl« der Apotheken in Bamberg. 

N«ue 

Apoteeker Ordnong zn Bamberg 

aambt dem Tax Abdd 1684 anffgericltt. 

(Wappen). 

Oedrackt n Buntwrg durflh 

Anthoninm Horiti. 

Anno M.DXXXXnU. 



Wir EruBt von Gottes gnaden Bischof za Bamberg, Nieti 
dem ein zeit lang her von den Inwonem mser Stadt Bamberg. 
Geistlichen und Welttlichen, auch anderer Tff dem Lande, 
die jhe zu Zeiten, Artzney in den Apoteoken inn ermeitter 
Tnaer Stadt Bamberg, za holen md kanfen pSegen, ofiter- 
mals klag vorkommen, das jnen mehr denn eins, nnkrefllige, 
altte, verlegene materialien vnd stock, vor ftisch, krefilig 
vnnd gut verkauOl, daraus des erfolget, das den Kraaoken 
allein nicht geholffen, sondern auch der aufTgewante Tncosten 
vergebens gewesen, das auch die Apoteeker solche Artzoeyeii, 
in 80 hohen Tax vnd werdt verkaufil, das den Armen not- 
tnrfiligen, anss mangel begertte hülff vnd Artzneyen m 
bekommen schwerlich, da doch jnn alle weg dieselben soll- 
ten bedacht werden. 

So haben wir derwegen au&s sonderlicher neygnng und 
lieb, so wir zu unseren vnterthanen vnd verwandten goedig- 
lich tragen, solchem mangel stadtlich zu begegnen, mit Raht 
wissen nnd willen Der Ehrwirdigen und Wirdigen, Dechsnt 
vnd Capitels vnseres Thumbstiffts zn Bamberg, nicht alleis 
Yisitation, Hondern anob Tax vnnd Ordnung, über die vori- 
Vorfarem, Christlicher löblicher gedachtnue, 
zeit nachfolgende verliechen vnnd vorge- 

jn, ordnen vnd wollen wir, das Tnsere Apo- 
Bamberg, Neue Apoteckerpfiicht thun, nieit 



O. T. Hom, Geiehichte der Apotheken eu Bamberg. 253 

alldn itzünder, sondern alle Jar, oder inn zweyen jaren ein- 
mal, 80 o£Et wir es vor ein nottnrfit achten^ darmit sie desto 
besser inn officio blejben, vnd jren Sachen fleissiger nach- 
^hen mögen. 

Sie sollen auch die Apotecker Gesellen, so offb sie derer 
einen annemen, ynn Hof bringen , darmit derselbe unserem 
HoffinelBter, oder wenn wir jederzeit darzu verordnen wer- 
den » das Juramentum fidelitatis leiste. So auch der Apo- 
tecker einer, ihrer Gesellen einen, inn solchem recht zu thun 
Terhindert, oder einredete, sol der Gesell, schuldig sein, 
!>o]ches Tnsem bestellten Medicis anzuzeigen vnd zu vermel- 
den, welches denn den Apotecker Gesellen In specie soll 
Termeldet werden. 

Zorn andern, setzen und wollen wir, das die Apotecker 
mit allem Fleisa, die Wurtzeln, Ereuter, Blumen, Samen, 
aOuer oder anders wo wachsendt, nicht allein zu rechter 
zeit, wenn sie am krefitigsten sein, einkauffen vnnd samlen, 
Sondern auch inn saubere, reine gefess fassen, an gebürlichen 
oitten auStrucknen vnd bereitten, jnn reinen gefesen verwa- 
ren, an ordentliche örtter richtig setzen vnnd ordnen. Auch 
was dieser ort nicht zu bekommen, zu Franckfurtt, Nürn- 
berg, oder andern ortten mit fleyss einkauffen. 

3) Sollen sie alle die stuck, so jnn der Visitation ver- 
worfen, getreulich hinwegk thun, auch die Gomposita so 
seltten gebraucht, auch dessen wegen alt worden, onn vor- 
Torwissen der Doctoren, nicht vffs neue zu richten, vbrigen 
Unkosten zu verhütten. 

4) Die Apotecker sollen hinfurter, keinen purgierende 
Composition, auch sonsten keine, die man magnas nennet, 
dergleichen auch keine species vermengen, one bey sein 
zom wenigsten eines Doctoris, der denn seinen Kamen, Des- 
gleichen der Apotecker selbst, neben dem Gesellen, jnn die 
böchsen verzeichnen sollen, auch vff welchen tag solches 
geschehen, samt dem Tara, vnd bey den pflichten darmit sie 
vns zogethan, jnen zum vortheil solche zettel nicht verjungen 
oder vemeaem. 



254 



O. T. Horn, Geschichte der Apotheken sa Bamberg. 



5) Yiind darmit hierinnen einiger betrug niclit möge ge- 
braucht werden, ordnen vnd wollen wir, das ein jeder Apo- 
tecker ein Register zu richte, darinnen teglich und jederzeit, 
ein jedes Compositum, so in der Apotecken gebräuchlich, 
vff welchen tag es bereittet, wer darbey gewesen, wie liel 
es gewogen, sambt dem Tara aufifgezeichnet werde, darmic 
wenn der zettel von dem gefesen abfiele, man sich der zeit, 
ynd wie altt die Composition, erkundigen muge. 

6) Da auch decoctiones oder andere medicamenta, von 
den Dootoribus verordnet worden, wollen wir, das bej den 
Armen, so woll als bey den Reichen, der Apotecker, so Tiei 
müglich, Selbsten darbey sey, ynd den Dienern allein darüber 
nicht vertrauen, darmit menniglichen recht geschehe. 

7) Die Artzneyen von den Doctoribus, den hiewonenden 
oder frembden verordnet, auch sonsten von den Wondtarts- 
ten gefordert, sollen vom Sontag an die gantze wochen, bis$ 
vff den Sambstag vmb Yesperzeit, vmb bedencklicber vrsa- 
chen wegen, ordentlich vff dem Tisch inn der Apotecken 
liegen bleiben, oder einem jeden Doctori ein besonder Bucii 
zugerichtet vnnd gebunden werden, darein er seine Reoept 
schreibe ; der Tag wenn es geordnet worden, wem es znge- 
höret, sambt dem Tax darauf gezeichnet werden. 

8) Inn den speciebus vnnd anderen compositis, sollen 
sie nicht zuviel vff ein mall zurichten, damit dieselben frisch 
bleiben, vnnd nicht, do sie allt vnd verrochen, dem Leib 
vnnd dem beutel schedlich sein können. 

9) Wir setzen, ordnen vnnd wollen auch, das kein Apo- 
tecker vor sich selb»ten, seine Diener, vnnd viel weniger 
sein Weib, vmb vielerley Ursachen willen, keine purgierende 
oder andere Artzney, verordnen oder geben soll, one der 
Doctoren vorwissen. Sondern der Apotecken allein obwart- 
ten, jnn bedenckung, daz solches wieder jhre pflicht, so sie 
vns geleistet, vnd die Doctores keine Artzney zu verkanffen 
jnn ihren Heusern haben dürffen. Solches auch zwischen 
den Doctoribus vnd Apoteckem vnwillen vnd vnfreundschafft 
zurichtet. 



6. T. Hom, Geschichte der Apotheken zu Bamberg. 255 

10) Vnsere Apotecker, sollen den Erancken^ keine allte 
Eecept, one Yorwissen des Doctoris, der zuyor solches geord- 
net, nicht wieder zu richten. Die weil oftermals die Kranck- 
heiten sich endem, auch die zeit des Jars ynd altters yer- 
endert, alierley nachtheil ynd ynradt daraus erfolget. 

11) Darmit sich niemandt ynfleisses beklagen möge^ 
wollen wir, das an den Festen, Hochzeitten, auch anderen 
Frendentagen, ein geschickter Gresell, bey Tag ynd Nacht 
jnn der Apotecken bleibe, auch Herr ynd Gesell ^ nicht 
Tf einmal one nottwendige yrsachen auss der Apotecken 
gehen. 

12) Die weil auch durch yngelerte Apotecker Gesellen, 
vnd Lhezjungen, so der Lateinischen sprach ynerfaren, 
gar halt etwas übersehen kan werden, mit der Krancken 
geferlichen schaden, so gebieten wir, daz hinfüro unserer 
Apotecker keiner einigen Lherknaben anneme, onn ynserer 
gegcbwomen Doctoren yorwissen, damit ob sie zu solchen 
qualificirty yon jnen bericht eingenommen werde. 

13) Von wegen gemeines nutzes, wollen ynd ordnen wir, 
bey yermeidung ernstlicher hoher straff, dass aUe Barbie- 
rer, Bader, Wheeanmien, auch andere Weiber, streiffende 
Apotecker ynd Juden, Dessgleichen alle Landtfarer, Tiriacks- 
kremer, so sich biss daher, dess Wasser besehens, Curirens, 
Trancksiedens, Purgierens, ynd anderer Artzney eingebens, 
mit der Krancken grossen schaden, unterstanden, Die- 
weü solches allein den Doctoribus zu stehet, hinfurtter 
^ntzlich enteussem ynd enthaltten, sie seindt denn zuyor 
durch ynsere Medicos genugsam examinirt und zugelassen 
worden. 

Es sollen auch die Leut, so jhe zu zeit, warthalben zu 
den Eiancken gefordert werden, die Doctores jnn jhrem 
Khatschlegen, die Krancken abzuweysen, ynd ordentlichen 
weg der Curation, zu endem, nicht y er hindern, die weil inn 
deme den Krancken schaden ynd nachtheü, auch dem Me- 
dico böse nachrede erfolget. 

14) Wir ordnen und wollen auch, das die Kremer jnn 
TBfier Statt Bamberg, forthin, bey straff 10 gülden Beinisch, 



256 O. ▼. Hörn, GeBohichte der Apotheken sn Bamberg. 

so oSt sie das übertretten, Tiriack, Mitridaty Senetbletter, 
Rhabarbaren, Goloquinten, auch andere Furgirende Artt- 
neyen, viid ^as den Apoteckem zustet. Item Tenniscbte 
zQokerkiiclilein, ausserhalb des Zuckers, vnnd anders was 
vff den Tisch gehörig, nicht feyl haben oder verkauffen sol- 
len, sondern sich jhrer hendel befleissen, ynd bey denselben 
genügen lassen: 

15) Die Landfarer Tiriacks kremer vnd Zanbrecher, sol- 
len ausserhalb oSner Jarmerckt, nicht gelitten werden. Audi 
die Salben kremer jnn vnd ausserhalb der Messen dnrdi 
vnsere geschwome des Barbierer handtwerkka exanunirt 
werden. 

16) Die Frembde, so hausieren gehen, mit Oel, wasser, 
Aqua vitae, vnnd dergleichen, die weil ofift schaden daraus 
erfolget, ynnd sie betrug darinnen gebrauchen, sollen hin- 
fürtter, one sonderliche be willigung, vnsers Oberschultessen 
vnnd Medicorum kein erlaubnuss haben. 

17) Das destiliren betreffent, die weil die Wasser so inn 
bleienen, vnnd kupfferen geschierren gebrent werden, einen 
frembden vnlieblichen geschmack bekommen, auch in Leib 
zu nemen, allerdings nicht bequeme, sollen forthin, zum 
wasser brennen, so viel muglich, gleseme oder Wallenbur- 
gische geschierr gebraucht werden, oder so man jhe diesel- 
ben nicht haben kann, die Kupfferen jnwendig fleissig yer- 
zinnet sein. 

18) Die Apotecker sollen weder durch sich selbst oder 
jhre Diener, one vorwissen der Doctom kein gifft oder artz- 
ney so unzeitige lieb verursachen oder Kinder abtreiben 
möge, verkauffen oder hinaus geben, vnd do gifft oder der- 
gleichen jmandt hinaus gegeben wurde, solches ordentlich, 
was, wieviel, wem es verkaufft, vnnd wer es abgeholt, jnn 
ein besonder Buch, welches sie den wöchentlich vnseren 
Medicis auffweisen sollen, vmb allerley nachrichtung willen, 
auszeichnen. 

Letzlich, ordnen und wollen wir ernstlich, das vnsere 
Apotecker, alle vnd jde Becept, vnd was sonsten auss der 



h 



O. ▼. Hom, Geschichte der Apotheken zu Bamberg. 257 

Apotecken abgeholet wirdt, nach dem Tax vnd wierdigung, 
so wir jtziger zeit verordnet haben taxiren vnnd rechnen 
sollen, darmit auch geferlicher weiss niemandt beschweren. 
Vnd damit der Apotecker so woll als die Krancken hierin- 
nen einigen schaden oder nachtheil sich nicht zu besorgen 
haben y auch etzliche waren von Merckten zu Merckten, auff 
vnd abschlagen sollen vnsere Apotecker verpflicht vnd schul- 
dig sein, wenn sie von Nürnberg oder Frankfurt kommen, 
den kanffsettel der waren, wie hoch, auch wie viel derselben 
erkauffet, vnseren geschwornen Medicis, zu weisen vnd vor- 
zulegen, darmit so enderung jnn Tax vor zu nehmen, solches 
mit vorwissen der Doctoren geschehe, vnnd niemandt vbcr 
die billigkeit beschweret werde. 

Befhelen darauff ernstlich, bey vermeydung vnserer hohen 
straffe. Das vnsere Apotecker, vor sich jhre Diener, vnnd 
zogethane, solche vnsere Ordnung, inn allen puncten vnd 
Artickeln, stark, fest vnd vnuerbriichenlich halten. 80 wir 
auch inn erkundigung befinden soltten, das vnsere Apotecker 
vor sich, jhre Diener oder zugehörige, solche Ordnung, inn 
einem oder mehr puncten, freunntlicher oder geferlicher weis 
übertretten würden, gegen denselben behalten wir vnns be- 
vor, solch an Leib oder Gut, nach gelegenheit der übertret- 
tung, vnnadileslich zu straffen. 

Vnnd wir Ernst, von Gottes gnaden zu Bamberg, behal- 
ten vnns vnd vnseren nachkommen beuor, solche Ordnung 
vnseres gefallens, zu minderen, zu mehren, zu bessern oder 
gar abzuthim. Zu vrkunt mit vnserm anhangendem Secret 
veraecretirt vnnd geben jnn vnser Statt Bamberg, am Din- 
"it^ den vierten Monatstag Septembris , Nach Christi vnsers 
lieben Herrn geburt funftzehen hundert vnd im vierund- 
achtzigisten Jare. 



Ar^ d. r'hmrm, XIL Bdf. 8. H«fl. 1 7 



258 6. y. Hörn, Gcachichte der Apotheken sn Bamberg. 

Apotecken Tax 

zu Bamberg. 

ELECTVARJA LENJTJVA vnd 

Solatina auch Simplicia 
zu der Pnrgation dienstlich. 



Alle Electnaria lenitiua vnd solutina werden das Lott 
vor 16. Pfenning geben. 

Aassgenommen. fl. i&, A 

Cassia in Cannis 1 Lot — — 8 

Flores Cassiae 1 Lot — 1 18 

Cassia extracta — — 34 

Diacassia cum Manna — 16 

Lenitiunm de Manna — — 24 

Diaturbith cum Rhabarbaro — — 24 

Electuarium de sncco Bosarum — — 16 

Confectio Hamech — 1 — 

Diacarthamum — — 16 

Diacitoniten laxatiuum — — 16 

Turbith elect 1. quinten ... — — 16 

Scammoncae 1. quinten ... — — 18 

Diap^rdium 1. quinten ... — — 20 

Agnrici electi 1. quinten ... — — 12 

Communis 1. quinten ... — — 8 

Colocyntis 1. quinten ... — — 8 

Bhabarbari electi optimi .... 1. quinten ... — 1 ^ 

Communis — — 27 

Foliomm Senae Alex 1 Lott — — 6 

mundatorum 1 Lott — — 8 

Epithimus Cretensis 1 Lott — — 12 

Mannae calabrinae 1 Lott — 12 

.Cortices myrobalonorum Citrinorum j — — 10 

Judorum 1 — — 10 

Belliricorum .... > 1 Lott ..... — — 8 

Emblicorum ....j — — 8 

Chebulorum . . . . j — — 12 

Tamarindorum eztractorum — — 12 

Per se — — 8 

Alo6 succotrinum ". — — 12 

Zinziber laxatiuum — — 24 

Confectio lumbricorum — — 16 

Von den Pillulis. 

Alle Pillulae, wie die Nansen haben cum et sine Bha- 

barbaro, cum et sine acumine, das quintlein vmb ... — — 16 

Aussgenommen. 

Pillulae Pestilentiales , 1. quinten ... — — 12 

01o€phanginae — — 12 

Vergultte -. — 18 



O. ▼. HoFD, GeBchicbte der Apotheken za Bamberg. 259 

Von den Speciebns Aromaticis. fl. U. ^. 

Alle species aromaticae die do nicht Biesem in sich 
haben, auch die so zu der Brust gebraucht werden 

l quintlein — — 16 

Aassgenommen. 

Spedes Electuarij de gemmis Calidis 1. quinten ... — 1 6 

de gemmis frigidis 1. quinten ... — — 27 

Species diamoschu dulcis 1. quinten ... — 1 6 

Diambrae — 1 6 

Diafhameron — — 24 

Confectio Liberantis — — 24 

Axomatici Bosati — 1 — 

Diaplyris cum musco — — 24 

Diadnamomum -— — 24 

Diaxyloalo^s — — 24 

Diarbodon abbatia — — 24 

Dlatriasandalj — — 18 

Laeticiae (labni — — 27 

Cordialium — — 27 

Ton den Confectionibus, vnd Küchlein. 

Alle Confectiones vnnd Botulae so keinen Museum 

Tud Ambram baben Das Lott . . — — 8 

Aussgenommen. 

niectaari de gemmis cal 1 Lott ... — — 12 

De gemmis frig • . . . — — 12 

Diamoschu dnl — — 12 

Dialaccae — — 12 

Confectio Liberantis — __ 12 

Diapljris cum musco — — 12 

Diatnasandalj — — 8 

Diarbodon abbatis — — 8 

Manus Christi Simpli — — 8 

Christi cum marearitis . . ^ — — 12 

cum lapidibus preciosis — — 16 

cum aqua Cinamonj . .^ — — 12 

cum cinamomo et margaritis — — 24 

cum Oleo feniculi — — 12 

Oleo Anisi '. — — 12 

Tabulatum praeseruatiuum — — 21 

Von den Opiatis vnnd Antidotis. 

Theriaca diatessaron 1 Lott ... — — 8 

Yenetiana — 1 2 

Alexandrina optima — 4 6 

M jthiidati optimj ....^ — 1 6 

Electuarij Curatiui Camphorati — 1 18 

de Ouo — 3 — 

Aure Alexandrina — — 24 

Athanasöa magna — — 20 

Phrlonij Sonani — • — 16 

Persiü - - 16 

Confectio Anaeardina — — 16 

Tnphera com Opio — — 16 

17* 



260 6. Y. Hörn, Geiohichte der Apotheken zu. Bamberg. 

fl. il * 

Diacastorej — — 20 

Diascordium — 1 2 

Electaariom praesematiuum Doct. Adamj — 12 

Doct. Udalricj ab Angelburg — 11$ 

Von den Puluern. 

Puluis Papae Pij contra Calcalum 1. qnintlein ... — — 12 

Bezoarticus ruber Capitalis — — 18 

Caroli quinti contra pestem — — 6 

Foliorum Senae Montegnanae — — 8 

Lumbricorum — — 6 

Rnstici Misnensis — — 4 

Ad casum — — 4 

Pro famo — — 9 

Marchionis Albertj — — 24 

Contra Epilepsiam — — 16 

Contra pestem pro divitibus — — 6 

pro pauperibus — — 4 

Yon den Conditis oder Eingemachten diengen. 

Nuces Indicae conditae 1 Lott ... — 1 12 

Nuces muscatae conditae — — 16 

Myrobalani conditi — — 20 

Muscateller Biem — — 4 

Pomeranzen schelffen — — 6 

Citernat — — 5* 

Eingemachten Ingwer — - 6 

Indianischen Ingwer — — 12 

Calmus — — 4 

Weichsein — — 3 

Quitten — — 4 

Messpein — — 3 

Alantwurtzel — — ^ 

Bibenell — — 4 

Diacitoniten Simplex 1 Lott ... — — 4 

Cum speciebus — — 6 

Gemmae Prysij — — 16 

Von den Conservis oder eingemachten Blumen. 

Alle eingemachten Blumen so man Conservas nen- 
net, Das Lott — — 4 

AuBSgenommen. 

Rossmarinbltitt 1. Lott ... — — 10 

Lauendelblütt — — 6 

Salbeyblütt — - 6 

Gicht Rosen — — 6 

Veyell — — 6 

Von den Sefften vnd Julep. 

Alle Syrupi vnd Julep 1 Lott ... — — 6 

Aussgenommen. 

Syrupus Acetositatis citrj 1 Lott ... — ~~ ^? 

Bosarum Soluitiuus — — 15 

Tiolarum solutiuns — — 20 



6. ▼. Hörn, QesehiGhte der Apotheken zu Bamberg. 261 

fl. «^. i. 

Mellis Bosatj colatj. * ^ 

Srnipos Acetosns Simplex. 

Et Sacco Endimae. 

Et Sncco Acetosae. 

Famiterrae. 

Glyceritae. 

De LupuÜB . . Jedes 1 Lott ... — — 4 

GraDatoram — 16 

De Staechae — q 

Et Citroneiß. 

De Papaaere. 

Nympheae. 

Meli Virgineum purum Jedes Lott ... - 4 

Sjriipuä Diaaereos iß 

Et floribas Acaciarom — 8 

CoDtra calcum. D. Adamj — 12 

Rob et Lohoch. 

R'jl» Xucam 1 Lott ... — 4 

DiamoroD _ ^ 

Köü de Bibes 6 

Berberorum _ 6 

De Cerasis — 3 

Alle Lohoch das Lott ... — — 6 

Von den Trochiscis. 

AlWrley Trochisci 1. quintlein ... — — 2 

Aussgenommen. 

Trochi ci de Rhabarbaro — 18 

}'r«» fumo — — 12 

Alipta muscata vera — -^4 

Gallia muscliata \er<i 1 I18 

Troci.iäci de violis __ 24 

Pro fumo cum musco — 1 18 

Sieff. 

A'le Sieff 1 quinten ... — — 4 

Von den Decotionibas. 

Decoctum comnmne 1 Lott ... — — 3 

Pectorale — _ 3 

Füliomm Senae — 3 

Essig. 

AUerley kreuter Essig l Lott ... — — 4 

Von den d^stiliertten oder gebrentten Wassern. 

Alle pemcine gebrennte Wasser ... 1 Lott ... — — 1 

Aussgenommen 

Zimm€twa.«ser das beste l Lott ... — — 24 

Des geroeinen — — l2 

Doctor Langen Wasser 24 

Aqua Vitae contra Paralysin — 1 2 

Apijplexiam , — 1 2 

Aqua Stomacbalis • . . . . 18 

Aqua contra Pestem — 16 



262 O. y. Hörn, Geiohichte der Apotheken zu Bamberg. 

Aqua Thiriacalis cois *•.... — — 24 

Aqua Phylosophica — — 18 

Mythridatica — 1 12 

Lauendell Wasser. 1. Lott 

Basilien Wasser. 
Kosen Wasser. 
Erdtbeer Wasser. 
Gelbveyel Wasser. 

Blauveyel Wasser Jedes 1. Lott ... — — 2 

BoBsmarin Wasser — — 3 

Maioran Wasser — — 3 

Schuppwurz Wasser — — 4 

Extractum cordiale. Hertz Wasser — — 8 

Von den Oelen. 

Alle gemeine Oell Das Lott ... — — 4 

Aussgenommen. 

Oleum e granis Juniperj 1. Lott ... — 12 

Ex ligno Juniperi — — 6 

Quorum — — 24 

De lateribus — 1 — 

Spicae — — 18 

Binthinae Vulg — — J6 

Petrolej — __ 16 

Masticinj — — 8 

Nardini — — 8 

Scorpionum — — 12 

Amigdalarum dulcium — — 12 

Amaramm *... — r- ^ 

Frisch aussgezogen mandel Oel — — 16 

8asaminj. 
De PiperibuB. 
De Euphorbio. 
De Castoreo. 

E Capparibus Jedes 1 Lott ... — — 6 

Olei Vulpinj 1 Lott ... — — 4 

Samsucliinj — — 8 

Oheyrini — — 6 

Nucis muscatae — 3 6 

Macis — 4 — 

Von den Distilierten Oelen vnd extracten. 

Oleum Anisi 1. quintlein .... — 16 

Feniculj — 1 6 

Cinamomj 2 4 6 

Succiui albj — 2 — 

Citrinj — 1 12 

Vitriolj rectificatum — 1 18 

Terebinthinae — — 8 

Masticis — 1 6 

Nucis muscatae — 1 6 

Extractum Babarbarj — 2 3 

Rbuponticj — 1 2 



G. T. Horn, Geschichte der Apotheken zu Bamberg. 263 

fl. Äf. ^ 

Eitnctnm Tnrpetj — 1 12 

Angelicae — — 9 

VoD den Ynguentis oder S^alben. 

Alle gemeine Salben virdt das Lott ymb 3. vnd 
4. Pfenning gegeben. 

AuBSgenommen. 

Vnguenti Somni feij 1 Lott ... — — 10 

Nihilj — — 14 

De AJabastro — — 6 

Arragon — — 8 

Vogaentum Marciaton — — 8 

Agrippae — — 8 

Pectorale — — 6 

Fuscom . . .' — — 6 

Apostolortun — — 6 

Sandalinum — — 8 

Infrigidans (ralenj — — 8 

Bosatom — — 12 

Stomachale — — 12 

Caniphoratnm — — 8 

De Pomis — — 12 

FoBconi — — 8 

Alle Cerata. Das Lott __ 8 

Von den Pflastern. 

Alle gemeine Pflaster wirdt das Lott vmb 3 und 
4 Pfenning gegeben. 

Anssgenommen. 

EiDplastmm Oiycrocenm 1 Lott ... — — 12 

Santalinam — — 12 

Apostolomm — — 12 

Contra mptnram — — 8 

Diachilon cnm gunmls — — 6 

De Cmsta panis — — 6 

De baccis lauij — — 6 

Von den Wurtzeln. 

Alle gemeine TVnrtzelen , so bey nns in dem Garten 

o^er auf dem Feldt wachsen . . 1 Lott — — 4 

Anssgenommen. 

Söessholz 1 Lott ... — — 2 

Spargeninirtz — — 6 

Badicea Azarj — — 8 

Esolae praeparatae — — 12 

Cydaminis — — 12 

Bhnponticj. opt — — 16 

Communis — — 10 

Doronicj •. — — 8 

Angelicae Terae — — 12 

Curcnmae — — 8 

Been Vtriusq — — 12 

Apij — — 6 



264 G. Y. Hörn, Geschichte der Apotheken zu Bamberg. 

Radices Bruscj — — 6 

Cyperj _-^ 8 

Rotwnrtzell. 
Ochsenzungen Wuriz. 
Zeitloss. 
Golttwnrz. 

Diptan Jedes 1 Lott ... — — 6 

Satyrionifl — — 8 

Hirsch wartz. 
Mcisterwnrtz. 

Harstrang Jedes 1. Lott ... — — 6 

Zitwer — —28 

Von den Corticibus oder Schelffen. 
Alle gemeine Cortices 1 Lott ... — — 4 

Aussgenommen. 

Cortices Granatomm — — 6 

Citij — - 8 

Cortices aurantiorum 1 Lott ... — — 4 

Tamariscj — - 6 

Capparomm — — 8 

Mandragorae — — 12 

Ligni Indicj — — 6 

De Lignis. 

Allerley geroeine Holz, so zu Artzenej gebraucht 
wirdt 1 Lott ... — — 4 

Aussgenommen. 

Lignum aloSs so gutt 1 Lott ... — 46 

Sandali Albj — — 6 

Citrinj — - 12 

Rubrj — — 6 

Viscus quercinus — — 6 

Geschnitten franzosen Holz .... 1 pfundt ... — 1 12 

Ungeschuitten franzosen Holz ... 1 pfundt ... — 12 

Von den Blumen. 

Alle Blumen so vff dem Feldt wachsen, wird 1 Handt- 
voU geben — — 2 

Aussgenommen. 

Blauer Veyell — — 6 

Rosen — — 6 

Ochsenzungen Blumen — — 4 

Seeblumen — — 4 

Boragen blumen. 
Laveudell blumen. 
Spicanardj. 

Salbej blumen Jodes 1. Handvoll ... — — 8 

Rossmarin blumen — — 24 

Balanstien 1 Lott . . . — — 20 

Von den Samen. 

Alle gemeine Samen, so inn Feldern vnd Gertten 
wachsen 1. Lott ... — — ^ 



6. ▼. Hom, GeBchichte der Apotheken zu Bamberg. 265 

AiiBSgenominen. fl. U. ^. 
LeiosameD. 
FaeDimigTaecam. 

KnmiD«]] Jedes 1 Lott ... — — 2 

Fennicheü ..• — — 3 

Schwarzer Kümmel — — '6 

Tillensamen — — 2 

Ammi Veruin * — — 16 

Baalien ] — - 24 

Maioran > Samen. Jedes Lott — — 24 

Citronen | — — 12 

Aiainj commune — — 8 

WonDsamen des besten — — 24 

des gemeinen — — 16 

Melissen Samen — — 12 

Agni Castj ' — — 6 

Gfana Tinctomm — 1 2 

Von den Kräutern. 

Alle Kräuter so inn Gertten auf Tff dem Feldt wach- 
sen 1. HandtvoU ... — — 2 

Aussgenommen. 
Salbej. 
Mellissen. 
GaittheiL 

Cardebenedicten Jedes 1. Handtroll ... — — 3 

M&ioran — — 8 

Thimus — _ 8 

Lauendell — — 6 

Bossmarin — — 12 

8pica 1. HandtvoU ... — — 6 

Wiedcrthan — — 8 

Hirschzungen — — 6 

Soldaoella - — 12 

Thimus Creticus — — 12 

Scordium — — 5 

Von Fruchten. 

Caricae 1. Lott ... — — 2 

Jiubea. 

8ebesten. 

Dactüj. 

Pineae mundatae Jedes 1. Lott ... — — 6 

Pistaoeae cum corticibus — — 4 

Enudeatae — — 12 

Pnina communia 2. Lott ... — — 1 

Damascena — — 4 

Xux Yomica ., — — i2 

Bittermandell — — 4 

Suessmandell Yenedisch — — 2 

Baecae Hirtj. 

Lauij. 

Alkekengj. 

Gallae '. . . . Jedes 1 Lott ... — — 4 

S)iiquae — — 2 



266 6. ▼. Hom, GeBchichte der Apotheken su Bamberg. 

Pfirschenkern — — 4 

Berberis — — 4 

Myrtilli Vulgares «_— 3 

Verj 6 

Anacardus — — 12 

Naces Cupressj — — 8 

Indicae — — 12 

Sncci liquidi et depuratj. 

Gemeine Se£Fbe 1 Lott ... — - — 4 

Eosarum — — 4 

Eypatorij — — 8 

Granatornm dolciom et acidonun — — 8 

Süßsenholtz Safft .' — — 4 

Sncci concreti et Gummj. 

Hypocystis 1. Lott ... — — 12 

Acacia — — 3 

Opium — 2- 

Camphora — 1 12 

Lycium — — 12 

Styrax calamita — 1 6 

Liquida — — 9 

Asa dulcis electa — 1 — 

Faetida __ - 16 

Armouiacum — — 16 

Galbanum — — 12 

Sagapenum — — 10 

Opoporax — — 12 

B delium — -24 

Myrrha electa — — 24 

Communis non Selecta — — 16 

Ladanum — — 8 

Olibanum .' — — 6 

Grana masticis Selecta — — 18 

Mastix — — 16 

Succinj albi electj — 1 12 

Praepara^ -— 1 18 

Citrinj communis — — 6 

Sandaraca 1. Lott ... — — 12 

Euphorbium — — 12 

Sarcocolla — — 14 

Sanguis draconis — — 24 

Gummj arabicum — — 6 

Tragacathum albiss — — 6 

Commune — — 4 

Lacca abluta — — 16 

Thus — — 4 

Metallica et Terrae. 

Argentum Viuum 1. Lott ... — — 16 

Mercurius sublimatns — — 24 

Praepitatus — 112 

Arsenicum album — — 8 

Eubrum — — 8 



G. T. Hom , GeBchiehte der Apotheken zu Bamberg. 267 

fl. ۧ. ^. 

Folia ftnripnriss. Nnme. i — — 5 

Zwischgolt. Name, i — — 4 

Argentj. Name. 1 — — 2 

Cinober — — 16 

Myniimi — — 1 

Viride aeris — — 6 

Ceroflfia alba — — 2 

Citrina — — 2 

Lytiargyriom — — 1 

Vitrioli albj 1. Lott ... — — 4 

Viridis 2. Lott ... — — 1 

Alomen crndam — — 2 

Ustom — — 6 

Plomosiim — — 4 

Sacbarinom — — 6 

Atramentom rubram — — 6 

Griseom — — 6 

Anripigmentnm — — 6 

Lapis calaminaria — — 4 

Lapis calaminaris praeparatas — — 8 

lApis magnetia praepa 1. Lott ... — — 10 

Tütia piaeparata — 1 2 

Xihiii albom — — 10 

Lapis Lazo]j — — 20 

Bolas anneniia VeruB — — 24 

Bolns communis — — 2 

Tena srgillata Vera — — 24 

Commania — — 4 

Haeoatites praepara — — 12 

Lapis Judaicoa . — — 14 

Spongiae — — 8 

Pnmix — — 4 

Margaritarom praeparatanim . . 1. qainten ... — 2 3 

Hyaemthoram praepa — 1 12 

Rabinorum praepa — 1 28 

Saphyr- — 1 18 

Smaragdi praepa — 1 18 

(.^oralli mbi praepa — — 16 

Xon praepara — — 12 

Albi praepa — — 12 

Non praepa — — 8 

Mater perlarum 1 Lott ... — — 16 

Partes Animaliam. 

CiMMjam Hominis 1 Lott ... — — 16 

Spenna cctj — 120 

CoUa pifidnm — _ Q 

Vngnla Alcis 1. qainten ... — - 12 

Stineos MariDoa Name. 1. vmb 24 oder 30 Pfenning. 

Odorata et ab Animalibas desamta. 

Mwd optimj 1. Granu ... — — 21 

Commanis — — 16 

i^iae . . ... — — 24 



268 G. ▼. Hörn, Geschichte der Apotheken in Bamberg. 

fl. 

Zibetj — 

Castoreum Optimum 1. Lott . . . — 

Commune — 

Pulmo Vulpis — 

Epar Lupj — 

Sangfuis Hircj — 

Spodium praepa — 

Boleti cen'ini Verj — 

Vulgaris — 

Mumia , — 

Os de corde cervj 1. quinten . . . — 

Cornu cervi Vstum praeparatum ... 1. Lott . . . — 

Rasura cornu cervj — 

Oculj cancrj — 

Lfpus combustus — 

Cantharides — 

Oesipus humida — 

Ton den gewürtzen. 

Cibeben 1. Lott . . . — 

Saffran — 

Cardamömlein — 

Ausserlesene Ziromett — 

Gemeine Zimmett — 

Negdein .1 Lott . . . — 

Muscatbltit — 

Muscatnass ausserlesen — 

Gemeinn — 

Zitwer — 

Galant — 

Calmus — 

Ingwer so schön — 

Gemein — 

Paradcissköruer . — 

Pfeffer — 

Langer Pfeffer . — 

Mutter Negelein — 

Thomas Zucker — 

Mellis Zucker — 

Canari — 

Diese Gewörtz dieweil sie von Messen zu Messen 
steigen nnd fallen, kan der Tax jderzeit geendert wer- 
den ^ doch mit vor wissen. 

Ton den Schmaltzen. 

Tachsöchmaltz — — ^ 

Hundsschmaltz — — 6 

Beeren schm alt z — — 6 

Hennenschmaltz — — ^ 

Eoppenschmaltz — — ^ 

Endten schmal tz — — ^ 

Gennsschmaltz ■ — — ^ 

Wildt endtenschmaltz — — ^ 

Ashenschmaltz — 11^ 



it 


4 


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12 




18 




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24 


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16 


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5 



L 



O. T. Hom , Geschieh te der Apotheken zu Bamberg. 260 

fl. U. i. 

Bergenchmaltz — 1 6 

Wachtelscbmaltz — 1 6 

Ha«eQschmaltz — — 8 

Wildtkatz«nschmaltz — — 18 

Hi^^rachen unsslicht 2 Lott ... — — 3 

IJöcken unsslicht — — 1 

MeDschenschnudz — 4 6 

FariDae vnd MehL 

Fabanim 1 Lott ... — — 2 

Faenugraecj — — 3 

Hordej — — 1 

LeDtiam — — 1 

Linj — — 2 

Orobj — — 2 

Nachfolgende Stacke dieweil sie im kauff steigen und 
filleD: sollen ad aeqaam, bonum et arbitrinm boni Vir! 
gerechnet werden. 

Calmns. Paradeisskorner. 

Pomeranzen. Limonen. 

Quel^ber. Manna. 

Safran. Mnseat Nüsse. 

Zimmetiinden. Rhabarbaren. 

Campffer. Zucker. 

Feigen. Weyrach. 

GratöpffeQ. Ingwer. 

Galgaott Limonien. 

Pandeisholz. Musscatblütt. 

Saess md bittere Mandeln. Honig. 

Barras. Schwarzen pfeffer. 

Xegelein. Sericnm cmdnm. 

Caäamömlein. Tamarinden. 

Zibeben. Bosinlein gross nnd klein. 

Citronen, Zitwer. 

Baumwollen. Cappem. 

Holz Onr. 

Welche das Lignnm Gnaiacannm oder 'Indicnm, Inn was Kranck- 
heiten es anch sey sieden lassen, soll der Apotecker von einem decocto, 
darein 1. Pfandt Holtz ghet, des starcken, aach des Trinckwassers, 
wie man es vff einmal zn zurichten pfleget, von Holz, Kolen, Gefess 
vnod arbeit nicht mehr denn 5. Patzen rechnen, Jdoch soll jme erlau- 
bet sein , so ein Medicus darneben mehr Holtz , oder andere Arzney 
damit zu sieden verordnet, dieselbige besonder dem Tax nach zu 
reebnen. 

Clistier. 

Inn den Clisteribus kan kein gewisser kauff geordnet werden, 
Soßen derwegen solche die Apotecker, nach der verordneten Tax, vnnd 
^or seine mhn, Kolen auch Darleihung der Instrument, nicht mehr 
deon 24. pfenn. rechnen, Vor die Application durch den Gesellen nicht 
mehr von denen die es vermugen, als 36. Pfennig forderen, den Armen 
soll es vmb Gottes willen gereicht werden. 



270 KobaltammoniumverbinduDgen. 

Becoctiones longae. 

Vor eine lange Decoction, darvon ein Kranker einen tag 4. 5. oder 
6. einnehmen soU, sollen die Ingredientia dem Tax nach, vnd dem 
Apotecker vor sein mhüe and Eolen nicht mehr den 12. oder 16. Pfen- 
ning, oder zum meisten 24 Pfenning, pro qnalitates laboris, geredaet 

werden. 

Was das decoctum salsae pariliae, Sassafras, ynd Badicis chyDse 
belanget, soll jederzeit nach dem Tax, So woi die Badix mechoaca 
gerechnet werden. 

Gedruckt zu Ramberg durch 

Anthonium Horitz. 



B. Monatsbericht. 



EobaltammoniniiiYerblndimgeii. 

Im Anschluss an «eine frühere Mittheilung (Ber. ehem. 
Ges. X, 154) berichtet G. Vortmann femer über Kobalt- 
ammoniuniverbindungen. 

1) Octaminpurpureochlorid Co« . (NH»)». (H«0)«C1« kry- 
ßtallisirt in kleinen Octaedem von tief violetter Farbe, löst 
sich leicht in Wasser und wird aus der wässrigen Lösung 
durch conc. HCl nur theilweise niedergeschlagen. Es wird 
erhalten, indem man eine concentrirte , ammoniakalische Eo- 
baltcarbonatlösung, die durch mehrtägiges Stehen in einem 
offenen Gefösse der Oxydation überlassen war, mit verdünn- 
ter HCl übersättigt und auf dem Wasserbade erwärmt, bis 
die Flüssigkeit rein violett geworden ist. 

2) Octaminroseochlorid Co« . (NH'^» . (H« 0)« Cl« . 2H* 
erhält man durch Fällung derselben Lösung in der Kalte mit 
conc. HCl als hochrothen Niederschlag. Bei 110® verliert 
es 2 Molecüle Wasser und geht dabei in das vorige Salz 
über. 

3) Octaminsulfat Co« . (NH»)« . (SO*)« . 6H» 0. Man über- 
sättigt die Kobaltlösung in der Kälte mit verdünnter H*80* 
und dann mit Alkohol; das Salz scheidet sich in hochrothen, 
nadeiförmigen Kryställohen ab. {Ber. d, d. ehem. Ges. X 

U61) a l 



rDdionet«. — Yerbr. ▼. Zink etc. — Kenntn. v. norm. u. bas. Bleicfaromat. 271 

Indlnm In amerikanischen Zinkblenden. 

Cornwall untersuchte von 23 verschiedenen Fundörtem 
Zlokblenden und erhielt im Spectroskop mehr oder weni- 
ger starke Indiamlinien. Die 2 Indiumstreifen waren beson- 
ders lebhaft in der Zinkblende von 1) liTewada Countz, Col., 
2) Roxbury, Conn., 3) Alps Lode, Nevada Countz, Col.; Verf. 
will den Gehalt dieser 3 Blenden an Indium feststellen. 
(The atnencm Chemüt. March 1877, pag. 339.) BL 



Yerbrennnng Ton Zink nnd Cadminm. 

Als Yorlesungsversuch lässt sich die Verbrennung des 
Zinks nach Fried r. Gramp sehr effectvoll auf folgende 
Weise ausfahren. Von locker zusammengelegten Zinkdreh- 
spänen fasst man einen etwa 40 Mm. langen und 20 Mm. 
breiten Büschel mittelst einer Zange an einem Ende und halt 
das andere £nle des Büschels vertical in eine Leuchtgas- 
flamme. Die Späne entzünden sich fast augenblicklich und 
brennen unter Bildung einer riesigen, mattgrünen Flamme 
und einer dicken, weissen Bauchsäule von Zinkoxyd rasch 
ab. Unzählige Flocken von lana philosophica erfüllen in 
kurzer Zeit das Auditorium. 

Die Verbrennung des Cadmiums gelingt sehr leicht 
dnrch Erhitzen des Metalles in einem kleinen Porzellantiegel 
über der G^bläselampe. Schon nach wenigen Augenblicken der 
Erhitzung siedet das Cadmium lebhaft und verbrennt der 
entweichende Dampf mit mächtiger, düsterrother Flamme 
unter Ausstossung dichter brauner Wolken von Cadmium- 
oxyd. {Ber. d. d. ehem. Ges. X, 1685.) C. J. 



Zar Kenntnisa ron normaiem nnd basiscliem 

Blelcliromat 

theflt M. Bosenfeld mit: Legt man in eine breiförmige 
Mischung von Chromgelb und Kalilauge ein Stück festes 
XOH, so bemerkt man nach einigen Stunden die Ausschei- 
dung von gelben Eryställchen und neben dieser die Bildung 
von goldglänzenden Schüppchen. Versucht man dies Ge- 
menge, welches selbstverständlich aus normalem £aliumchro- 
niat und Bleioxyd besteht, durch Behandlung mit Wasser zu 



272 Einwirkung d. Phosphors auf schwefolsaurei Kapferozjd. 

trennen, so gelingt dies nicht, indem sich die Masse &st 
sogleich in ein ziegelrothes Gemisch aus Chromgelb und 
Chromroth verwandelt, selbst dann, wenn man durch Waschen 
mit Alkohol das überschüssige Aetzkali vorher gänzlich ent- 
fernt hat. Die Scheidung gelingt jedoch auf folgende Weise: 
man entfernt das überschüssige Aetzkali durch Decantation 
mit absolutem Alkohol, überschichtet mit letzterem \on 
neuem, fügt soviel H'O hinzu, bis die goldähnlichen Blätt- 
chen durch Lösen des K* CrO* deutlich sichtbar werden, 
und giesst die Flüssigkeit rasch ab. Diese Operation wie- 
derholt man so lange, bis die Lösung nur noch schwach gelb 
gefärbt wird, bringt die Masse aufs Saugfilter, wäscht zuerst 
mit verdünntem Alkohol und schliesslich mit H'O. Das so 
erhaltene PbO bildet, über H* SO* getrocknet, sehr schöne 
goldgelbe Flinmierchen , die beim Erhitzen eine hübsch 
kupferrothe Farbe annehmen. 

Diese Beobachtung führte zu folgenden Resultaten: 

Verreibt man die beiden Substanzen im Yerbältniss Ton 
2 PbO zu K' CrO* zu einem feinen Pulver und überschichtet 
mit wenig Wasser, so bildet sich rothes basisches Bleichro- 
mat. Noch schneller erhält man das Chromroth, wenn man 
das Gemenge erhitzt und noch warm mit H'O übergiesst 

Wird K'CrO* im Ueberschusse angewandt, so bildet 
sich Chromgelb. (Journal f. prad. Chemie, Bd. 15. S. 239) 

C.J. 



Einwirkang des Phosphors auf sehwefelsanres 

Eapferoxyd. 

S i d 1 warf Phosphorstücke in eine gesättigte schwefel- 
saure Kupferlösung; sobald eine Entfärbung eintrat, wurde 
weitere conc. schwefeis. Kupferlösung zugegossen und so 
Monate lang fortgefahren. Er erhielt auf diese Weise Phos- 
phorkupfer neben metallischem Kupfer undPhosphor- 
und Schwefelsäure waren frei in der Flüssigkeit. So lange 
der Phosphor auf Cu einwirkt, wurde keine Gasentwickelung 
wahrgenommen; war jedoch alles Cu verschwunden, die Lo- 
sung farblos geworden, so entwickelte sich auf der Ober- 
fläche Wasserstofifgas, welches mit sehr wenig PH* ver- 
mischt ist. 

Das von dem Ph und Cu befreite Phosphorkupfer war 
schwarz und blieb an der Luft und im Wasser unverändert. 



Ki^oajlsüber. 273 

um grössere Mengen schwarzes amorphes Phosphür zu 
erhalten y liees Verf. Phosphor auf eine kochende schwefel- 
saure Enpferlösong einwirken, in welche er so lange Kupfer- 
Titriolstücke warf, bis eine Entfärbung nicht mehr eintrat. 
Der aasgeschiedene Bodensatz wurde so lange mit Wasser 
gewaschen, bis das ablaufende Wasser nicht mehr sauer war. 
Er wurde unter beständigem Umrühren bei sehr gelindem 
Feuer getrocknet. Die Eigenschaften dieses Fhosphorkupfers 
waren mit dem kaltbereiteten identisch. In einer Porzel- 
lanröhre in Gegenwart von Phosphordampf rothglühend ge- 
macht , wurden sehr schöne Krystalle you reinem Phosphür 
erhalten, welche glänzten und wie ein Metall aussahen. 
Dieselben Krystalle wurden leichter erhalten, wenn das 
schwarze Kupferphosphür in einem geschlossenen Tiegel 
erhitzt wurde, so dass sein Schmelzpunkt nicht überschrit- 
ten und diese Temperatur 2 Stunden lang unterhalten wurde. 
{Repertoire de Pharmacie. No 17. Sepfembre 1877. p. 626.) 



liltrosylaUber. 

Nach Divers erhält man bei der Behandlung einer 
Losung Ton salpetersaurem Kali mit Natriumamalgam, darauf 
folgender Keatralisirang mit Essigsäure und Versetzen 
mit Silbemitrat ein Silbersalz von der Zusammensetzung 
KOAg. 

W. Zorn kann diese Angaben bestätigen: durch Auflösen in 
sehr Terdünnter HNO' und vorsichtiges Ausfallen mit H'N 
erhalt man die Substanz leicht vollständig rein, und sie besitzt 
dann eine rein gelbe Farbe, löst sich ohne Rückstand in 
HNO', sowie in Ammoniak und lässt sich ohne Zersetzung 
im luftleeren Baume über H'SO^ trocknen, in welchem Zu- 
»lande sie längere Zeit auf 100^ erhitzt werden kann, ohne 
an Gewicht zu verlieren. Einen Körper von genau densel- 
ben Eigenschaften erhält man auch durch Beduction von 
£N0' mit Natriumamalgam u. s. w. AgNO wäre Nitrosjlsil- 
her, nntersalpetrigsaures Silber oder Silberhyponitrit zu 
benennen. Die von Divers gemachte Beobachtung, dass das 
Salz durch Essigsäure in Stickoxydul und in Silberoxyd ge- 
spalten wird, zeig^, dass das Stickoxydul das Anhydrid der 
diem Salze zu Grunde li^^nden Säure^ der „untersalpetrigen 
Säure^ ist: 

▲reh. d. Pbarm. XU. Bdik S. Heft. 18 



274 Ammoniakgehalt d. beiiscb salp«ten. Wismnthi. — SilbernltniBanB. 

-Ag -H if/ 

Silberhypo. hypothet. unter- ßfcickoxydnl, 

nitnt. salpetrige Saure. Unterealpetrib&u^ 
(Ber. d. deutsch, ehem. Ges. X, 1306.) G /. 



Ammonlakgehalt des bafilseh salpetenanren Wis- 

mathfiu 

Ein solcher Gehalt ist bekanntlich öfters nachgewiesen und 
davon hergeleitet, dass die Fabrikanten, um die AusbeutB zn 
yennehren, zur Fällung nicht blos Wasser, sondern eine 
gewisse Menge Ammoniak anwenden. Piper hat nun ge- 
funden, dass sich bei der Auflösung des Wismuths in Salpe- 
tersäure Amjnoniak bildet, von welchem eine gewisse Menge 
in den Niederschlag übergeht und darin mehr oder weniger 
yerbleibt, je nachdem derselbe mehr oder minder sorgfaltig 
ausgewaschen wird. {The Pharmac. Joum. and Ihmsaä, 
ITtird Ser. No. 366. Äprü 1877. p. 8i9.) Wp, 



Silbemltraniartai. 

Schon 1874 gab Unger an, dass bei der Digestion dee 
blauen ültramarins mit SUbemitratlösung ein Ultramarin ent- 
stehe, welches an Stelle des Natriums Silber enthälta Hea- 
mann fand gleich damals bei einem Versuche, dass das 
Digestionsproduct ein Gemenge eines dunkelgrünen Pulven 
mit unzähligen Silberflittem war. In jüngster Zeit hat Hea- 
mann nun von neuem blaues Ultramarin mit yoUkommeii 
neutraler Silberlösung bei 100^ digerirt. 

Je ooncentrirter die Silbernitratlösung ist, um so rascher 
schreitet die Keaction yoran, so dass bei kochend gesättigter 
Lösung die blaue Farbe des Ültramarins alsbald in Boi^el- 
grün und nach kurzer Zeit in ein gelbliches Grün Übergeht 
In dem Product waren zahlreiche, gelbe Körnchen durch das 
Mikroskop zu erkennen, die nebst glänzenden oder grauen 
Silberpartikeln den noch unyeränderten blauen Ultmnarüi' 
kömem beigemengt waren. Der gelbe Körper wurde durch 
Abschlänmien für sich erhalten; seine Analyse ergab: 



AoflUleod. y«rWt d. Zmnchlorari etc. — Das gelbe Qnecksilberoxyd. 275 



Ay 
AI 


47 . 89 %. 
9.11 - 


Na 


1 ,17 - 


S 
S 
8i 


(geaammt) 4 . 68 • 
(als Sulfat) . 67 - 

10 . 46 - 



Das Natrium war demnacli noch nicht ganz vollständig 
düfdi Silber vertreten. Der gelbe Körper ist ein Silbemltramarin, 
das aber noch nicht chemisch rein war. Es wird durch ver- 
dünnte Sauren leicht zersetzt, wobei sich gallertartige Eiesel- 
sanre gemengt mit schwarzem SchwefelsUber abscheidet. Bei 
Anwendung von HCl befindet sich natürlich alles Silber im 
Niederschlag, theUs als Sulfid theils als Chlorid. (Ber, d. d. 
ehm. Ges. X, 991.) C. J. 



üeber ein sehr aiüTallendes Yerhalten des Zinn- 
eUorfirs zu ehlonanrem KalT. 

Reibt man 2 Gewichtstheile Zinnchlorür und 1 Th. Ka- 
Uomchlorat in gepulvertem Zustande zusammen, so erhitzt 
sich die Masse nach Dr. Böttger's Angabe sehr stark; es 
entweicht hierbei nebst chloriger Säure eine grosse Menge 
Wasserdampf und als Rückstand erhält man eine gelbliche 
Masse, die in siedendem Wasser gelöst beim Erkalten über- 
düorsanres Kali in prachtvoll glänzenden glimmerartigen 
Xrjstallen absetzt, während die darüberstehende opaHsi- 
rende, milchige Mutterlauge Zinnchlorid ist. {Jahresbericht 
dii ntfHeal. Vereins zu Frankf. a/M. Rechnungsjahr 1876 
bis 1876. pag. 12.) C. Soh. 



1Te1»er das gelbe QaeeksUberoxyd 

theilt &ille die Resultate seiner damit angestellten Ver- 
suche mit. Wir entnehmen denselben, dass die beste Dar- 
steUnngsmethode in der Ausfallung einer Quecksilberoxyd- 
salzlösung mit Kalkwasser besteht. Das hierdurch erhaltene 
Oxyd soll heller gelb sein als das durch Natron oder £ali 
ausgefällte und femer, weil das Fällungsmittel kein Carbonat 
enthalt^ was bei den beiden genannten stets der Fall ist, rei- 
ner sein. Er bestätigt femer die bekannte Thatsache, dass 
das noch so sorgfiHtig gewaschene Oxyd, selbst wenn das 

18* 



276 Verbess. ßereitusg d. gelb. Jodqueoksilben. — Athmang d. PflanieL 

Waschwasser keine Spar von Calciumcblorid mehr nachwei- 
sen lässty etwas von dem Eällungsmittel zurückhält. Dieser 
G-ehalt lässt sich durch den beim Glühen bleibenden, wenn 
auch geringen Rückstand von alkalischer Reaction constaü- 
ren. (Journal de Fharmacie d^Afwers. 33. Armäe. Jwn 1877, 
pag. 201 —207.) Dr. E, R 



Terbesserte Bereltong des gelben JodqueeksUbers. 

Um ein sich gleichbleibendes und reines gelbes 
Jodquecksilber zu erhalten, empfiehlt le Ganu folgendes 
Verfahren. 

5 g. Quecksilber werden mit 20 Tropfen Alkohol so 
lange in einem Mörser verrieben, indem der sich yerdunstende 
Alkohol durch anderen ersetzt wird, bis das Quecksilber 
vollständig getödtet ist. In kleinen Fortionen werden 3 g. 
Jod nach und nach zugesetzt unter fortwährendem raschen 
Beiben, so dass nach 10 Minuten das Protojodür fertig ist; 
Ein Auswaschen mit Alkohol ist unnöthig, indem es frei 
von allem rothen Jodquecksilber ist. Das wenige, 
welches sich bei der Bereitung bilden kann, wird sofort wie- 
der zerlegt. 

Yerf. will nach diesem Verfahren immer das beste Prä- 
parat erhalten haben« {Repertoire de Fharmacie. Mais 1877. 
pag. 140.) Bl. 



Athmung der Pflanzen. 

Boussignault bestätigt durch seine an der Hand 
der Waage unter einer Glasglocke ausgeführten Keimungs- 
und Yegetationsversuche an Maiskörnern, die dem Pflanzen- 
physiologen bekannte Thatsache, dass die Pflanze im Stande 
ist, bei Ausschluss von Kohlensäure zu respirireni sowie, 
was eigentlich mit den physiologischen Functionen des Chloro- 
phylls scheinbar im Widerspruch steht, zu ergrünen und 
zu assimiliren. 

Boussignault zeigt, wie das keimende Maiskorn die in 
ihm zur Ernährung des neuen Individuums aufgespeicherteo 
Kohlehydrate und Fettkörper verbrennt und dass die neue 
Pflanze ihr Grün lediglich der bei diesem Yerbrennungspro- 
cess gebildeten Kohlensäure, der absolut nothwendigen Be- 
dingung für die Existenz der Ghlorophyllkörper, verdankt. 



BesUndtheile der Blätter. 277 

Die quantitative Analyse ergab, dass Individuen, die sich 
bei diesen Yegetationsversnchen in Yollkommen kohlensänre- 
freier Luft bis zu einer Höhe von 24 Ctm. entwickelt hatten, 
nicht die mindeste Zunahme an Trockensubstanz erfuhren, 
d&88 vielmehr ein kleiner Verlust an Materie stattfand, ver- 
glichen mit dem lufttrockenen Maiskorn. 

Da die Kraft, Kohlensäure unter Einfluss des Lichts zu 
reduciren und Sauerstoff auszuathmen, nur cblorophyllhaltigen 
Zellen zukommt, so theilt Boussignault sämmtliche Zellen nach 
der Anwesenheit oder dem Mangel an Chlorophyll in solche Zel- 
len, die dem Organismus Stoff zufuhren und in solche, die dies 
nicht thun. Letztere sind nur im Stande, schon gebildete Stoffe 
durch verschiedenartige Einflüsse, sowohl durch Oxydation 
als auch durch die Wirkung von Eermenten in tiefgehender 
Weise umzuändern. Er geht noch weiter und vergleicht die 
Voiginge in chlorophyllfreien Pflanzenzellen mit denen in 
tbieriflchen Epidermiszellen und Eliissigkeiten und erklärt auf 
diese Weise die Entstehung der in thierischen Organen 
gefundenen Fettkörper, Zuckerarten, des Inosits und Glyko- 
gens, die je in ihrer Zusammensetzung mit dem Stärkemehl 
der Pflanzen übereinstimmen. Den Schluss seiner Abhand- 
lung bildet die von ihm und Dumas herrührende Aeusserung: 
Die Thiere schaffen nicht, sie bilden lediglich die durch cQe 
Pflanzen vorbereiteten Stoffe um. {Joum. de Fharmacte et 
de Odmü. TF. S6rü. Tome XXHL pag, 408) Dr. E. H. 



Bestandthelle der BIBtter. 

Fliehe und Grrandeau haben eine lange Reihe ver- 
gl^chender Untersuchungen über die Bestandtheile der Blätter 
von verschieden Bäumen und zu verschiedenen Zeiten ange- 
stellt, deren B.e8ultate etwa in Folgendem gipfeln. 

Vom Moment der Knospenentfaltung an bis zu ihrem 
Abfallen werden die Baumblätter stets reicher an Trocken- 
substanz. Sie verlieren während dieser Zeit einen Theil 
ihren Stickstoffs durch Resorption, und die Aschenmenge 
nimmt zu. In dieser Asche ist eine Abnahme von Phosphor- 
f»aarß, Schwefelsäure und Kali zu constatiren, während der 
Gehalt an Kalk, Eisen und Kiesel mit der Annäherung an 
den Herbst steigt-, dagegen lässt sich für Magnesia, Natron 
und Mangan ein ähnliches Gesetz nicht auffinden. Das zur 
BlattbQdung erforderliche Wasserquantum ist bei Bäumen 
versdiiedener Arten dasselbe, ungleich aber sind die Mengen 
von Stickstoff und festen Bodenbestandtheilen, welche sie zur 



278 Alkaloid d. IpMaouanha. — Z. Frage d. Tamüngehalte d. Badix GentiiiiM. 

Blattbildung in Anspruch nehmen. Das Yerhältniss der ein- 
zelnen Aschenbestandtheile wechselt von Art zu Art, wie 
denn überhaupt aus dem bisher Gesagten sich ergiebt, dase 
verschiedene Bäume ganz verschieden abgestufte Anspräche 
an den Boden erheben. Endlich gelangen die Verfasser zu 
dem Schlüsse, dass das gefallene Laub der Wälder zwar 
einen geringen landwirthschaftlichen Düngwerth habe, aber 
gleichwohl seine Abfuhr aus dem Walde für diesen so nach- 
theilig als möglich sei. Diese bei uns gebräuchliche Abfohr 
des todten Laubes und seine Verwendung als Streumaterial 
wird hierbei mit B«cht als ein fauler Fleck der deutschen 
Forstwirthschaft bezeichnet, weil hierdurch der Waldboden 
verarmt. In Frankreich sei dieser Gebrauch beinahe unbe- 
kannt. {Armales de Chimie et de Fhysique. 5. S^ie. 
Tome VIIL p. 486.) Dr. G. F. 



AlkaloM der Ipecacuaiiluu 

Im Widerspruch mit den seither erhaltenen Besultaten, 
welche das Emetin als einen nicht krystallisirbaren Körper 
erscheinen liessen, ist es A. Gl^nard gelungen, nicht allein 
das Alkaloid der Ipecacuanha mit Leichtigkeit auszuziehen, 
sondern auch die Verbindung desselben mit Chlorwasserstoff- 
säure in ansehnlichen Erystallnadeln zu erhalten. Das hierzu 
eingeschlagene Verfahren war einfach genug. Alkoholisches 
Ipecacuanhaextract oder gepulverte Ipecacuanha worden mit 
Ealkhydrat gemischt, das Gemenge mit Aether erschöpft, die 
ätherische Lösung mit salzsäurehaltigem Wasser ausgeschüt- 
telt und diese Flüssigkeit entweder langsam und vorsichtig 
zur Erystallisation verdunstet oder mit Ammoniak das reine 
Emetin ausgefällt. Glenard giebt für das Letztere die For- 
mel C*^H**NO* an. {Annexes de Chimie et de Fkytiqfie. 
5. SSrie. Tome VIIL pag. 233.) Dr. G. V. 



Zar Frage des Tannlngehalts der Badlx Genüraie. 

John Maisch hält in einer neueren Veröffentlichnng 
gegenüber der Angabe Hagers, die Badix Gentianae enthalte 
Gerbsäure, die Ansicht aufrecht, dass dieses nicht der Fall 
sei. Die Schwärzung von Pillen, aus einem Eisensalze und 
Pulv. Gentianae bereitet^ lässt Maisch nicht als Beweis gelten. 



Oxjnarootiny ein neaes Alkaloi'd des Opiums. 279 

Kach seinen Untersnohnngen ist die Ursache jener Schwarz- 
firbnng in der Grentiainsäure zu Buchen, nicht aber in einem 
Tanningebalt y welchen er auf das Entschiedenste bestreitet. 
(Tic Chicago PharmaciH. Vol. IX. No. 12. pag. 357.) 

Dr. G. V. 



OxTBareottn^ ein neues Alkalold des Opiums« 

G. H. Beckett nnd C. R. Alder Wright erhielten 
bei der Darstellung nnd Reinigung Yon Narce'in aus Opium 
eine in heissem Wasser kaum lösliche, undeutlich krystallini- 
sehe Masse y worin sie ein neues Opiumalkaloid entdeckten, 
welches sie, da es zum Narcotin in derselben Beziehung steht, 
vis Benzoesäure zu Benzaldehyd, Oxynarcotin nennen. 
Um es zu isoliren wird die krystalliniscbe Masse in heisser 
Tefdunnter 80' gelöst, das Filtrat mit der genau nöthigen 
^CBge Katriumcarbonat neutralisirt^ der dadurch entstehende 
iiehte krystallinische Niederschlag wird nach einigen Stunden 
Ton dar überstehenden Flüssigkeit getrennt und nach und nach 
■it kleinen Mengen Wasser gekocht, wobei die fast reinen 
ErjstaUe von Oxynarcotin zurückbleiben, welchen die letzte 
8pir Karcein durch kochenden Alfohol entzogen wird. Zu- 
ktrt wird in heisser Salzsäure gelöst und noch heiss mit 
toxkalilangft im IJeberschuss versetzt, wo das Oxynarcotin 
kraisfallt. Es hat die Formel G**H>'NO^ ist in Wasser 
wi Alkohol selbst beim Kochen wenig löslich und krystalli- 
vt ans diesen Lösungen beim Erkalten aus. Es unterschei- 
fe sidi Tom Karcotin ausser durch seine Zusammensetzang 
IbcIi die geringe Löslichkeit in Wasser und Alkohol und 
In^ beinahe vollständige TJnlöslichkeit in Benzin, Aether 
Chloroform; fixe Alkalien und deren Garbonate geben in 
r. Salzlösungen eine Fällung, bei verdünnten Lösungen 
nicht, da es in alkalischen Flüssigkeiten etwas lös- 
za sein scheint Oxynarcotin, in HCl gelöst und ver- 
B^fl, giebt Krystalle von der Formel C"H"N08HC1, 2H«0 
irird diese Verbindung durch heisses Wasser zersetzt, 
nch Salzsäure abscheidet und ein basisches Salz gebil- 
wd. Bis jetzt sind zwei solche basische Salze unter- 
Uli «war öC"H"N08,HCl und 7C"H"N08HC1. 
2ieitsohr^ f* Russland. Jahrg. XV. pag. 417.) 

C. Seh. 



280 EBfligsäure im Opium. — Aoonitbaaen. 

EssigsSure im OpininL. 

Brown hat in so vielen Proben Opium Essigfiaure 
gefunden, dass er annehmen zu dürfen glaubt, sie sei ein 
constanter Bestandtheil desselben. Die Nachweisung der 
Essigsäure geschieht durch Destillation des wässrigen Opium- 
auszugs, Keutralisiren des Destillats mit Alkali, Abdampfen 
zur Trockne und Zersetzung des Bückstandes mit Schwefel- 
säure. Hiernach scheint sie frei im Opium zu sein. (Tke 
Pharmac. Joum. and Transact Third Ser. No. 325, Sep&r. 
1877. p, 246.) Wp. 



Aeonltbasen. 



Es herrscht nachWright bisher eine ziemliche Unklar- 
heit über die Alkalo'ide, welche von verschiedenen Chemikern 
aus dem Sturmhut, Aconitum Napellus, A. ferox, A. Lycoc- 
tonum etc. dargestellt sind. Man weiss nicht, in welchem 
Zusammenhange sie stehen und ob nicht das eine aus dem 
andern etwa durch die bei der Darstellung angewendeten 
Manipulationen und Methoden erzeugt wird. Oroves hat es 
sich zum Ziel gesetzt, dies näher zu erforschen and Wright 
berichtet über die bisher in dieser Bichtung gewonnenen 
Besultate. 

Die beste Darstellungsmethode, welche ein Alkaloid, ein 
Aconitin, von constanter Zusammensetzung und grosser an- 
neilicher Wirksamkeit liefert, ist die etwas modificirte von 
Duquesnel: Extraction der Wurzel von Aconitum Napelluß 
mit durch Weinsäure angesäuertem Alkohol im Yerdrän- 
gungsapparat, Verdampfen des Auszugs bei möglichst niedri- 
ger Temperatur, am besten im Yacuo bis auf ein geringes 
Yolum, Sonderung des nach der Concentration sich ausschei- 
denden Harzes von der überstehenden Flüssigkeit und Fal- 
lung der letzteren mit kohlensaurem Natron, Lösung des 
Niederschlags in Aether und Erystallisation des gelösten 
Alkalo'ids aus letzterem, fernere Beinigung durch Verwand- 
lung der Base in das bromwasserstoffsaure Salz. Das in 
letzterem enthaltene Alkaloid hat die Formel C«»H"NO^l 
Es entspricht am nächsten dem krystallisirten Aconitin von 
Duquesnel. Diesem adhärirt hartnäckig ein durch blosses 
ümkrystallisiren aus Aether nicht zu entfernendes, an sich 
amorphes Alkaloid. Eine zweite amorphe Base bleibt in 
Auflösung, wenn man bei der Fällung des Aconitins aas 



Schilientoff von Atropa Belladonii«. 281 

dem Weinsäuren Alkoholausznge der Aconitwarzel einen 
UeberschnsB an Alkali anwendet. 

Die Ton y. Planta untersuchte amorphe Aconitbase ist 
wahrscheinlich ein Gemenge von mehr oder minder bei der 
Bearbeitung yerandertem krystallisirtem Aconitin mit den bei- 
den amorphen Basen. Das sogenannte Napellin ist damit 
Tielleicht identisch. 

Wendet man bei der oben angegebenen Darstellung des 
Aconitins statt der Weinsäure Salzsäure an, so erhält man 
nebenbei eine beträchtliche Menge von einer ziemlich inerten 
Base, die das wirksame Alkalo'id yerunreinigt (The Pharm, 
Jlwmi. and Transact. Thtrd Ser. No. 326. Sqftbr. 1876. 
p. 256.) Wp. 



Sehtllentoff Ton Atropa Belladonna. 

Derselbe wurde zuerst von Richter als Blauschillerstoff 
beschrieben und giebt nunmehr R. Fassbender einige 
Notizen, Er fand denselben in allen im Handel vorkommen- 
den Extracten von Atropa. Er zeichnet sich durch seine 
grosse Beständigkeit und die starke Fluorescenz aus, die 
sich noch in den höchsten Grraden von Verdünnung erkennen 
lässt Zwei noch unreife Beeren von A. Belladonua wurden 
z. B. mit etwas Wasser zerquetscht, im Wasserbade einge- 
dampft, darauf mit Alkohol Übergossen, die filtrirte Lösung 
Terdampft und der Rückstand wieder in H'O aufgelöst. 

Die filtrirte Lösung, welche empfindliches Lackmuspapier 
deutlich röthete, wurde zur Absorbirung des Farbstoffes mit 
Thierkohle digerirt. Diese wurde mit Alkohol in gelinder 
Wärme digerirt, ein paar Tropfen Ammoniak hinzugefügt, 
abfiltrirt und noch einige Male mit Alkohol ausgewaschen. 
Das Filtrat zeigte deutliche Fluorescenz; selbst bei einer 
Verdünnung mit Alkohol auf 200 C C. war , wenn man von 
oben herab durch die Flüssigkeit sah, die eigenthümliche blaue 
Farbe sehr deutlich zu erkennen. 6 G.G. dieser Flüssigkeit, 
in ein enges Probirröhrchen gegeben, zeigten die Reaction 
noch deutlich. Man würde also im Stande sein, noch den 
dO. bis 40. Theil der obigen Menge mit Sicherheit zu erken- 
nen, und giebt dieser Versuch zugleich eine Methode zur 
Abscheidung und Erkennung dieses Farbstoffes, die sich in 
jeden systematischen Gang der Untersuchung auf Alkalo'ide 
in gerichtlichen Fällen einschieben lässt. (ßer. d. d, ehem. 
Ges. JX, 1357.) C. J. 



282 Aetheriflchei Oel r« Ledam palustre. — Kirsch - o. PflaumenkernÖl 

Aetherlsehes Oel toh Ledvia palnstre. 

Nicolai Iwanow hat Ledum palostre einer neuen 
üntersuohnng unterworfen, wobei er die Arbeiten Yon Kanch- 
fn88, GroBsmann, Bachner n. A. berücksichtigte. Er eiiiielt 
2% eines dünnflüssigen, gelbrothen, angenehm riechenden 
ätherischen Oeles, welchem er die Formel C®H*® gab. Femer 
erhielt er weisse , prismatische Erystalle yon schwachem Ge- 
ruch, unlöslich in Wasser, hingegen in Alkohol, Aetiier, 
Chloroform und Benzin sehr leicht löslich, yollständig flüch- 
tig, auf H^O rotirend. Der Schmelzpunkt liegt bei 101^ C 
der Siedepunkt bei 174« C. Die Formel C*H«0». 

Noch erhielt er ein dünnflüssiges, gelbes ätherisches Oel, 
welches in der Winterkälte nadeiförmig 6 Ctm« lange Ery- 
stalle absonderte, die jedoch wegen der geringen Menge nicht 
näher untersucht werden konnten. (Aus der russ. Magiäer- 
düsertatton d, Verf. Petersb. 1876, durch Pharm. Zeüsiihr. f. 
Russl Jahrg, XV. pag. 577.) C. Seh. 



Klrseh- und PflaumenkernOL 

G-uyot zog mit Aether aus 1 Kilo Eirschkömer 64 g. 
und aus 1 Kilo Mirabellenkömer 107 g. reines Oel. Im 
Grossen wird Stossen und Auspressen der Kömer oder Ex- 
trahiren mit CS* empfohlen, um zu gleicher Zeit auch Amyg- 
dalin zu erhalten. 

Das Kirschkemöl ist goldgelb, flüssig, hat einen Handel- 
geruch, welcher nach einiger Zeit verschwindet und bläut 
das Schönbein'sche B/Cagenspapier erst nach einiger Zeit. 
Frisch schmeckt es leicht bitter und setzt, wenn es ranzig 
wird, Krystalle ab. 

Das Mirabellenkemöl ist dunkelgelb, riecht sehr stark 
nach bitteren Mandeln und färbt das Schönbein'sche Kea- 
genspapier nach und nach. Der Geschmack ist nicht unan- 
genehm. 

Keine Salpetersäure färbt das Kirschkernöl nicht; 
Mirabellenöl wird dahingegen gebleicht und färbt sich 
später grün. 

Die anderen angegebenen chemischen Unterscheidungs- 
merkmale sind schwach und wenig von einander abweidiend. 
(Repertoire de Pharmacie. No. 22. Novembre. 1876. p. 619) 

Bl 



Xantbozylou. 283 

XAathoxylöIn. 

0. Witte, aus Elend in Hannover , gelang es in der 
Binde von Xanthoxylom fraxineum Willd., einen nenen Kör- 
per zu iBoliren , dem er den Namen Xanthoxylo'in beilegte. 
Derselbe hat die Formel: C^*H**0*, nnd einen Schmelz- 
punkt Ton 131 — 131,5^0., nnd siebt dnrch seine Eigen- 
schaften den harzahnlichen Bitterstoffen nahe. 

Tersnche mittels Bleiznckerlösnng zu einem Aetheraus- 
ZQg der besagten Binde im Filtrat oder Rückstand Krystalle 
abzosondem, misslangen, bis es endlich Witte, durch Behan- 
deln mit überhitztem Wasserdampf, Auflösen der Krystalle in 
beissem Alkohol, Auskrystallisiren und mehrmaliges Wieder- 
holen der Operation, gelang, vollkommen farblose Krystalle 
zu erhalten. 

Diese Krystalle enthalten kein Krystallwasser, sind voll- 
kommen Stickstoff- und schwefelfrei, neutral und krystallisi- 
ren in durchsichtigen, monoklinen Prismen, die durch Vor- 
walten der Längsflächen dünn tafelförmig erscheinen. 

Sie entsprechen der einfachsten Formel: G^H^O', oder 
einem mehrCaoben derselben. 

Yen den Verbindungen den Xanthoxyloins wurden die 
des Broms genau untersucht undf ergaben die Formel: 
C"H"BrO*. 

Da die reine Substanz sich beim Erhitzen schon unter- 
balh ihres Siedepunktes zersetzt, kann eine Dampfdichte- 
bestimmung mit derselben nicht vorgenommen werden. 

Beim vorsichtigen Erhitzen fangt die Substanz schon 
bei 105<^C. an zu sublimiren, bei 131 — 131,5<' C. schmilzt 
sie zu einer barzähnlichen , farblosen, erst nach langer Zeit 
fest werdenden Hasse. Beim höheren Erhitzen zersetzt sie 
sich theilweise, stösst übelriechende Dämpfe aus und ver- 
brennt mit leuchtender, stark russender Flamme, ohne Asche 
ZQ hinterlassen. 

Die Krystalle sind in 12 Theilen kaltem und in 7 Thei- 
len heissem 95^/0 Alkohol löslich, leicht löslich in Aether, 
Chloroform, Benzol, Essigäther. Unlöslich in Wasser. 

Eine durch Lösen der Substanz in concentnrte Schwe- 
felsaure und mit Wasser ausgefällte Sulfosäure ist bis jetzt 
noch nicht in ihren Verbindungen untersucht worden. 

Xanthoxylo'in selbst übt auf den thierischen Organismus 
eine bestimmte Wirkung ans, welches sich im krampfhaften 
Zusammenziehen der Muskeln zeigt. 



2IH Ventbeituns d. Chinurindtn in OtUnilieD. — Pilpcarpin n. i«iiia Bilit. 

ZusamiDciisetziiiig and Sclimetzpnnkt antersobeiilen das 
Xanthoxylolfn von dem früher von Stenhonse aua den Früch- 
ten Ton Xanthoxylam piperitum erhaltenen Xanthaxr^- 
(&avgw. Düsert. 1877) C. S. 



Die Verar1>eltiiiig der CUnarlnden In Ostliidlen. 

In den Chinaplan tagen, -welche die Engländer in Ost- 
indien angelegt haben, wird die zor Alkalo'idgewiantmg 
bestimmte Binde znm grossen Theil nicht als solche Teraandt, 
sondern auf rohes Alkaloid am Orte selbst verarbeitei Zn 
diesem Zweck wird die trookene Binde nicht gepalvert, son- 
dern nur in kleine Stücke serscblagen mit sehr verdöonter 
kalter Balzsänre in hölzernen Bottichen macerirt nnd die 
geklärte Flüssigkeit mit einem TIeberschasse von concentrirteT 
Natronlaa^ß versetzt. Der entstandene Niederschlag wird 
auf Filtern von Bau mwol lenzeng gesammelt, mit WasBer got 
ansgewascbcQ und in gelinder Wärme getrocknet. In diesem 
Zustande heisst das Präparat „crode Febrifuge." Letzteres 
wird nun einem freilich ziemlich rudimentären Reinigung- 
processe unterworfen. Zu diesem Ende wird eine gewisse 
Menge in verdünnter Schwefelsäure aufgelöst und mit einem 
geringen Quantum einer Losung von Schwefel in Natron- 
lauge eine partielle Fällung ausgeführt. Nachdem man nnn 
24 Standen das Ganze der Buhe überlassen nnd dann die 
klare Flüssigkeit vorsichtig abfiltrirt bat, wird die letilere 
mit einem Ueberschusse von Natronlauge versetzt, der wie- 
der auf Baumwollen Stoff gesammelte Niederschlag mit einer 
geringen Waesermenge gewaschen und getrocknet. £r ist 
jetzt znm Versandt fertig und gebt zur weiteren Verarbei- 
tung nach Enropa unter dem Namen „Oinchona Febrifuge." 
(New Remedieg. December 1876. pag. 356.) Dr. G. V. 



Pilocarpin nnd seine Salze. 

Gerrard hat efne ganze Beihe von Salzen des Pilo- 
rgestellt. Besonders gut gelingt die Herstellnng 
m salpetersnurem Pilocarpin , weil dieses in ksltem 
Jtum, ziemlich leicht aber in kochendem löslich ist, 
em es sich beim Erkalten in weissen tafelfönnigen 
L abscheidet. Deren wässerige mit Aetzkali alka- 
achte Lösung giebt beim Schütteln mit Chloroform 



SinflttM d, Bodena n. Düngers anf d. Zaokergehalt d. Rüben. 285 

an dieses reines Pilocarpin ab, welches beim Abdestilliren 
des Chloroforms hinterbleibt. Aus ihm stellt man durch 
lieotralisiren der wässerigen Lösung mit Salzsäure, Schwe- 
felsänre, Essigsäure, Phosphorsäure, Salpetersäure und Brom- 
wasserstoffsäure die betreffenden Salze dar, von denen die 
drei ersten zerfliesslich sind, die anderen sehr gut ausge- 
prägte Individuen bilden. Die Mehrzahl der Salze ist in 
Wasser, Alkohol, Aether und Chloroform, aber nicht in 
Schwefelkohlenstoff löslich; beim Phosphat erstreckt sich die 
üiilöslichkeit auch auf Aether, Chloroform und Benzole. 
{New Semedufs. November 1876. pag. 331.) Dr. G. V. 



Eisfliiss des Bodens und Dflngers anf den Zucker- 
gehalt der Bfiben. ^ 

Fremy und Deherain stellten eine grosse B.eihe ron 
Versuchen über die oben angedeutete Frage an und lassen 
sich deren Ergebnisse in folgenden Sätzen zusammenfassen. 

Salzlösungen üben auf die Zuckerrüben einen wesentlich 
Terschiedenen Einfluss aus, je nachdem die Wurzeln in die 
Salzlösung direct eintauchen, oder die letzteren nur einen^ 
porösen Körper imprägnirt sind, in dem sich die Buben 
befinden« 

Bringt man Zuckerrüben von verschiedenen Varietäten 
in einen gleichmässig gedüngten und bewässerten Boden, so 
erhalt man dennoch Wurzeln von sehr verschiedenartigem 
Znckergehalt. 

Im Uebermaass angewendeter Stickstoffdünger vermin- 
dert den Zuckergehalt bei allen Arten von Rüben. Gehören 
diese ^er ansgezeichneten Sorte an, so bewahren sie doch 
noch einen Zuckergehalt, durch den ihr Anbau immer noch 
»ehr lohnend bleibt. 

Wendet man viel stickstoffhaltigen Dünger bei veredel- 
ten Zuckerrüben an, so wird deren Erträgniss per Hectare 
Tergroeseri, ihr Anbau lohnend; ebenso erhöht er die Benta- 
bQitat des Anbaus von rothhalsigen Wurzeln; jedoch wird 
der Zuckergehalt dadurch in dem Maasse verringert, dass 
sich die Fabrikanten bei der Verarbeitung auf Zucker grossen 
Verlusten aussetzen. 



l) Vexgl. Arck. d. Pharm. 1876. Bd. SOS. 8. 368. 



286 Superphoapliate. — Konstliohes Elfenbein. 

Um aaf einer gegebenen Fläche mit der Kübencultor 
ein fiir den Fabrikant und den Anbaner gleichzeitig möglichst 
günstiges Resnltat zu erzielen, moss man vor Allem sein 
Augenmerk auf die richtige Auswahl des Samens lenken. 
(Journal de Pharmacie et de Chim. IV. S6r. Tom. XXIII, 
pag, 401.) Dr. E. R 

Saperphosphate. 

In Bezug auf die Eztraction der sogenannten löslichen 
Phosphorsäure aus den Superphosphaten macht £. Erlen- 
meyer die Superphosphatfabriken darauf aufinerksam, 

1) dass 1 TheU saurer phosphorsaurer Kalk CaH«(PO*)* 
+ H'O erst in 700 Theilen Wasser Ton gewöhnlicher Tem- 
peratur YÖUig löslich ist; 

2) dass durch eine kleine Menge H* ein grosserer oder 
geringerer Theil des genannten Salzes in freie Phosphor- 
säure und unlöslich sich abscheidendes Dicalciumphosphat 
zersetzt wird: 

CaH*(POV « CaHPO* + H»PO* 
Es darf daher die Extraction der Phosphorsäure auf dem 
Filter, welche nach Märke r die richtigsten Resultate zur 
quantitativen Bestimmung liefert, nur bei solchen Super- 
phosphaten vorgenommen werden, welche ausser dem sauren 
phosphorsauren Kalk noch eine hinreichende Menge freier 
H'K)^ enthalten, um die unter 2 angefllhrte Zersetzung za 
yerhindem. 

Enthalten die Superphosphate keine freie Phosphorsaare) 
so kann bei obigem Verfahren die Menge der als CaHFO^ 
unlöslich werdenden Phosphorsäure bis zu 8% der in der 
Form von Monocalciumphosphat vorhanden gewesenen Säure 
ausmachen. (Ber. d. d. ehern Ges. IX, 1839.) C. / 



Kftnstliehes Elfenbein 

soll auf folgende Weise erhalten werden können. 2 ThL 
reinen Gaoutchoucs werden in 36 ThL Chloroform gelöst und 
diese Lösung mit reinem Anunoniakgas gesättigt. Hierauf 
wird das Chloroform bei einer Temperatur von 85^ C. abde- 
stillirt und der Rückstand mit phosphorsaurem Kalk oder 
kohlensaurem Zink gemischt, in Formen gepresst und getrock- 
net. Das Product soll mit dem natürUchen Elfenbein viel 
Aehnlichkeit besitzen. {Journal de Pharmaeie et de Ckmü. 
IV. S6rie. Tome XXIV. pag. i5.) Jh. R Ä 



Bfiehersehaa. 287 



C. Bfiehenebau. 



Die qnalitatiTe Analyse nebst Anleitung zu TJebimgen im 
Laboratoiiom von T. E. Thorpe und M. M. Pattison 
Mair, deutsch von Dr. £. Fleischer. 

• 

Ab qoalitatiTen Aiudysai, und noch dazu guten, ist wahrlich kein 
Mngel. Trolsdem wollen wir nicht nntorlassen, auf obige« Werkchen 
hiuQweiten , da es in sehr inttrnotiYer Form den AnfSnger in 25 Lectio- 
nea maielist mit einer Aniahl ron Elementen, ihren Eigenschaften, Ver- 
luadiiAgen, Daratellnngnnethoden etc. bekannt macht , wobei am Schlüsse 
jeder Leetion in prägnanten Sätsen das in derselben Gelehrte knn reca- 
ptodlrt wird. Im iweiten Theüe wird die qualitative Analyse in 5 Ab- 
lebaittaa behandelt, und swar im ersten die einleitenden Operationen, im 
t. die sjttematisehe qnalitatire Untersuchung, im 8. die selteneren £le- 
nente und im 4. und 5. die Gifte und Harnuntersuchung. 

Die Yerlagsbuehhandlnng Th. Grieben in Berlin hat in Beiug auf 
Anis fsth mg an Papier und Holischnitten nicht gespart, so dass der Preis 
TOB M. 4,50 miiaig erschoint 

Geseke im Januar 1S7S. Dr. Jehn. 



Leit&den zur Vorbereitung auf die deutsche Apothekergehül- 
fanpr^fung, Ton Dr. Fr. Blsner. Verlag von Julius Sprin- 
ger in Berlin. 

Der YetfiMier wül in einem gedrängten Bahmen alles das geben, was 
■ach den neueren Bestimmungen in der ApothekergehÜlfenpröfnng yerlangt 
wwdea kann. Sein Werk soll dem studirenden EleTcn, für den es ja in 
enter Linie bestinunt ist, all Grundlage bei seinem Priratstudium dienen 
vad andererteita dem unterrichtenden Prinsipale eine kurse, übersicht- 
liebe Unterlege seines Unterrichts geben, und wir dürfen gestehen, dass 
dieses Ziel im allgemeinen erreicht ist. Die Eintheilung, wie Überhaupt 
die gaaie Anlage des Werkes, das auf die Pharmacopöe basirt und sich 
giiedeit in die 4 Abschnitte: I. Phjsicalischer Theil, II. Pharmaceutische 
Gheaue, IIL Pharmacognosie im Rahmen der phannaceutischen Botanik 
(mit Anhang: Zoologische Pharmacognosie), lY. Die gesetslichen BestUn- 
miingen uhn die Bechte und Pflichten der deutschen Apothekergehulfen 
▼oa Dr. H. Böttger, können wir nur billigen. Sie ist übersichtlich, 
•rlaabt die schnellste Orientirung und wird bei der, im ganien genommen, 
•ehr sofoedenstellenden Ausführung der einzelnen Abschnitte gewiss mit 
dsiu beifaragen, dem Buche unter unsem jungem Faohgenossen Tide 
f reuide lu gewinnen. •— 



288 Bfichenchau. 

Leider ist es Teninstaltet darch eine Unsahl ron Dmek- und Flieh- 
tigkeitsfehlem , die sich ganz besonders im sweiten Abschnitte bnii- 
machen. Datsende sind Tom Verfasser in einem Anhang bereits berich- 
tigt, anbedeutende, wie s. B. SO*H« statt SO'^H* Seite 57, 4H*0 ttstt 
2H«0 S. 72, HKO< statt 2 HNO* S. 73, Kaliumsnlfat statt KaUamnitnt 
S. 77, die Formel der Pyroantimonsäure SbsO(OH)« statt Sb*Os(0fl)« 
und eine ganze Ansahl ähnlicher, die der Baamerspamiss wegen oncr- 
wähnt bleiben, mögen dorohsehlupfen. Dagegen möchte ich einige For- 
meln anführen, die meines Erachtens Tom Verfasser nicht richtig visdo- 
gegeben sind. 

So giebt derselbe bei der Prfifung -des Chlorwassers aof saxnen QehsU 
an Chlor, die mit 100 Chlorwasser, 3 JBisenyitriol, gelöst in salxsäar«- 
haltigem Wasser, und Kaliumpermanganatlösang ausgeführt wird, fol- 
gendes Beaetionsschema: 

2(8FeOS 7H«0) -f SH»0* -f 2C1 « (SO*)« Fe« -f 2Ha + UH«0. 

Woher kommt die su dieser Umsetzung noth wendige SohweMsaors? 
Doch nicht aus dem salzsäurehaltigen Wasser! Die Gleichung ▼erisnft 
(▼om Wassergehalt des BiseuTitriols abgesel^en) im Sinne der Zeichen: 

6FeS0« 4- 6C1 » 2 (Fe« (SO«)*) + Fe>Cl« 

Tartarus stibiatus enthält nur ein halbes Molecül Krystallwasser, oder 
rielmehr auf 2 Molecüle Salz ein Molecül H« und loystallisirt in Te- 
traedern, was nicht unerwähnt bleiben durfte, da es eins der wenigen so 
krjstallisirenden Salze ist Ferrocyankalium ist nicht wasserfrei, soaden 
hat 3 Molecüle Krystallwasser, resp. 6 nach der Elsnerschen Formel 
Auch hat Bismuthnitrat nicht die Formel Bi(NOs)« + SH^O sondern 
S[Bi(NO>)s] + 9H«0. Magnesia lactica schreibt Eisner C«Hi«0«. 
0« Mg, 3 H« statt (C> fl» 0>)« 0« Mg, 3 H« , während er doch dstf gani 
analoge Zincum lacticum richtig (C H^ 0«) 0« Zn , 3H«0 synboluirt 
Oelsäure ist C»Hs«0« und nicht C^^H'^O«. In der Einleitung snin 
chemischen Theile heisst es: nur ein einwerthiges Atom Termag sich mit 
einem andern einwerthigen Atome so zu yerbinden, dass Sättigung er- 
folgt. Hier wäre „ einwerthig ^^ durch „ gleichwertbig ^* su enetseD. 

Auch dürfte es fraglich sein, ob die Anwendung Ton Struetarfanneln 
in einem für Anfänger bestimmten Buche zweckentsprechend ist, da dorf- 
ten die typischen Formeln doch wohl übersichtlicher sein ; jedenfalls würd« 
in den meisten Fällen die empirische Formel Tollkommen genügen. 

Hoffentlich werden in einer zweiten Auflege die gerügten und unge- 
rügten Mängel, die sich in der ersten Hälfte des sonst tüchtigen Werk- 
chens häufen, während die zweite Hälfte fast ganz frei davon ist» beseitigt 
und so dasselbe allen Ansprüchen genügend geschaffen. 

Geseke, den 9. Januar 1878. Dr. /«sAm. 



hmilm, BnehdmelMi«! dm WaitimhaiHM. 



ARCHIV DER PHARMiMJIE. 



9. Band, 4. Heft. 



^^^^M^#N#^^lW^^^#VW^^^AMM^ 



A. Originalmittheilnng 




Untenaehungen aus dem pharmaeeiitlsclien Instltate 

der UniTersitSt Dorpat. 

Mitgetheilt t. Dragendorff. 

S'otizen zur gerichtlichen Chemie. 

(Fortsetsimg n. ScUiua.) 

4) In einem Anfsatze, welchen ich im Yorigen Jahre 
in dem Pharmacent. Joum. and Trans. ^ pnblicirt habe, habe 
ich gezeigt dass man viele ätheriBohen Oele, wenn sie Speise- 
gemengen etc. beigemischt sind, durch Destillation im Was- 
serdampüstromey Ausschütteln des Destillates mit einem unter 
40^ siedenden Petroleumäther und Verdunsten der Ausschütte- 
iong bei Zimmertemperatur isoliren kann. Ich habe bei dieser 
Gelegenheit auch einige Farbenreactionen mitgetheilt, welche 
bei der Diagnose der äther. Oele Nutzen gewähren können 
and ich habe einen kurzen Auszug aus dieser Arbeit auch 
in die zweite Auflage meiner ^^Ermittelung von Giften'^ auf- 
genommen« In letzterem Werke mache ich ausserdem für 
den Fall, dass das Oel des Ledum palustre aufgesucht 
werden soll, auf die von Trapp mitgetheilten ßeactionen 
dieses Ledumöles gegen Schwefelsäure und Eisenchlorid auf- 
merksam. Der krystallinische Antheil des Ledumöles soll von 



1) YoL6. No. 8S9. p. 541, No. 891. p. 581, No. 894. p. 641 und 
Ko. 19€. p. 6S1 , Tergl. aaeh die aweite Aufl. meiner Srmittelung Ton 
Giftra p. 46. 

Arch. d. Pharm. XII. Bdi. 4. Heft 19 



290 Dragendorffy Notisen zur geriohtliehen Chemie. 

erdterer braun und dann violett gelöst werden. Eine Mschang 
von Schwefelsäure und Eisenchlorid soll violett lösen, dieselbe 
soll sich mit einer Chloroformsolution des Ledumcamphors 
grün färben. Dass die Farbenreaction mit Schwefelsäure 
nicht allein dem Ledumcamphor, sondern auch anderen äther. 
Oelen zukommt (Ol. Ginae, Cajeputi, Lauri, Gascarillae, Ga- 
langae etc.) geht aus meiner erst citirten Abhandlung hervor. 
Wenn die Probe einigermaassen einen Werth haben solly so 
muss zuvor constatirt worden sein, dass die Ery stalle des 
Ledumcamphors vorliegen und dass diese Erystalle sie geb^ 
Leider hatte ich bisher keine G-elegenheit zu prüfen, ob und 
wie weit die beiden anderen !Reactionen dem Ledumcamphor 
allein zukommen. Diese Lücke habe ich jetzt durch Herrn 
stud. Eossow beseitigen lassen. Herr Kossow hat mit ver- 
schiedenen äther. Oelen, die theils in meinem Laboratorium 
dargestellt worden sind, theils aus guter Quelle stammen, die 
betreffenden Versuche ausgeführt und des Yergleiches halber 
auch das Verhalten der Chloroformlösungen dieser Oele ge- 
gen conc. reine Schwefelsäure einer Prüfung unterzogen. 
Die Resultate seiner Versuche finden sich in folgender Tabdle 
zusammengestellt. Ueber die Ausführung der Versuche will 
ich noch bemerken, dass zu der Schwefelsäureprobe mögliebst 
reine Säure, zu den Versuchen mit Eisenchlorid eine Mischung 
aus conc. reiner Schwefelsäure mit Ve ^^^< einer Lösung 
von 1 Thl. Eisenchlorid in 20 Tbl. Wasser angewendet wur- 
den und dass auf je einen Tropfen Oel 2 — 3 Tropfen der 
Säure resp. dieses Gemisches angewendet "wurden, indem man 
Oel und Keagens auf einer Porzellanplatte zusammenbrachte. 
Wo das Oel in Chloroformlösung verbraucht wurde, war 
stets 1 Tropfen desselben mit 1 C.C. Chloroform aufgenom- 
men worden und mit 1 — 2 Tropfen des Reagens versetzt 
Diese Mischungen wurden in verkorkten Reagensgläsem auf- 
bewahrt. Bei diesen letzteren Mischungen bildet sich natör* 
lieh mit der Säure keine homogene Flüssigkeit, sondern es 
lagert sich beim Stehen die Säure unter das Chloroform und 
es haben dann die beiden Elüssigkeitsschichten meistens 
ungleiche Färbungen. Letzteres ist in der Tabelle berücksich- 



DngendoTff, Notixen mr geriohtliclien Chemie. 291 

tigt worden; bei jedem Oel bezeichnet die Bnbrik S. die 
Färbung der Säuremiscbang, Chi. die des überBtehenden 
Chloroforms. Die Oele, welche in meinem Laboratorium dar- 
gestellt worden sind, sind mit einem Kreuz (-{-) bezeichnet; die 
mit dem Zusatz „von Zeise^' versehenen verdanke ich der 
Güte des Herrn Fabrikanten Zeise in Altena. Die Oele sind 
zom Theil schon ca. 3 Jahre alt, waren aber meistens in 
kleinen, völlig gefüllten Flaschen aufbewahrt. Bei einzelnen 
werden sich vielleicht kleine Differenzen ergeben, wenn die 
Versuche mit frischbereitetem Oel wiederholt werden. 

(Siehe Tabelle pag. 292.) 
Auch diese Beobachtungen zeigen, dass die oben ange- 
gebenen Reactionen des Ledumcamphors nicht durchaus als 
spedfische anzusehen sind und dass sie desshalb nur zur 
Bestätigung desselben verwendet werden können, wenn 
andere charakteristische Eigenthümlichkeiten — Erystallinität, 
Geruch etc. — zu gleicher Zeit beobachtet worden sind. Wenn 
Herr Kossow die grüne Färbung der Chloroformlösung des 
Ledumcamphors noit Schwefelsäure und Eisenchlorid nicht 
beobachten konnte, so muss ich dahin gestellt sein lassen, 
ob daran die von ihm gewählte Yerdünnung oder das 
Mischungsverhältniss des Reagens oder sonst etwas Schuld 
trägt 

Diese und meine früheren Untersuchungen scheinen übri- 
gens zu beweisen, dass man durch Farbenreactionen , welche 
natürlich noch sehr mannigfach variirt werden können, den 
Nachweis mancher ätherischer Oele ziemlich sicher bewerk- 
stelligen kann. 

Sehr zu bedauern ist es, dass sich die obenbeschriebe- 
nen Reactionen der äther. Oele nicht wohl in Petroleum- 
ätherlösung anstellen lassen. Es würde eine wesentliche 
Vereinfachung des Yersuches gewesen sein, wenn man die 
Petroleumausschüttelungen nicht völlig zur Trockne zu ver- 
dunsten brauchte, sondern in der etwas concentrirten Flüssig- 
keit direet hätte mit Schwefelsäure etc. reagiren können. 
Wie sich Herr Kossow überzeugt hat, lässt sich dies, wie 
gesagt^ nicht empfehlen. Die Farbenreactionen gelingen nicht 

19* 



Dragendozff, Nodaen «ur gerichtlichen Chemie. 



293 



13 . Sisenclilorid und 



X^eh 



ich Bcluna- 
hrhU 



!:ixblos 






itx. 

Ml Tiolett 
ciolcU 

t f tf blo9 
t fmrblo« 

rschrotb 
u*xi^ bl«a 



-1 

ratli 
rioUtt 

TOUk 

violett 

TOtK 

tioUtt 

vembrmsn 
|wh nolfltt 

ttriKbniml 

fttblof f 



KMh 
48 StnndcD. 



niiTerandert 
blau TioUtt 

braun 
wsinroth 



bnonroth 
weinioth 

braun 
heUrötbUch 

braun 
Ml&mnts. braan 

farblo« 
farbloi 

dankelgron 
grfin 

braun 
■ehön blangran 

gelbbraun 
blaugrfin 

braun 
aehmutsig blan 

braun 
bläulich 

braon 
grünlich 

dnnkelbraan 




^ ria/etf /lehmutaig gron 

^^ I Mcbmutäg oli- 

.- / 1 _ 

färbloB 



ihnüB 



hbhki-i 



bmnn 
, eDif&rht sieb 

ricktt 

^ rott- ! ,5ehlicli b«»nii 
NffWfl iebwa«b K«»^^^ 

ro» 



t3CD 



Mit Chloroform u. concentr. H*SO^ 



Sogleich. 



{ 
{ 



S. Mass gelb- 

Uch 
Chi. farblos 

S. gelb in 
kirscbroth 
Chi. farblos 

(S. farblos 
\Chl. do. 

r S. farblos 
\ Chi. do. 

{8. orange 
Chi. farblos 

S. gelb 
Chi. farblos 

rs. gelb 
\Chl. farblos 

8. gelb in 
orange überg. 
Chi. farblos 



Nach. 
30 Minuten. 



Nach 
48 Stunden. 



{ 



I 



{8. orange 
Chi. farblos 



{ 



S. orange bis 
roth 
Chi. farblos 



fS. gelbroth 
\ Chi. farblos 

{8. orange 
Chi. farblos 

{8. gelbl. grün 
ChL farblos 

{8. orange 
ChL farblos 

I 8. hellbraun in 
i kirscbroth 
IChl. farblos 

S. röthlich 
braun 
ChL farblos 

S. orange in 
roth ubergeh. 
ChL farblos 



{ 
1 



gelbroth 
hellorange roth 

dunk^braun 
weinroth 

schwach gelb 
farblos 

schwach gelb 
farblos 

rothbraun 
weinroth 

braunroth 
weinroth 

orange 
blass rosa 

dunkelbraun 
hellrothbraun 

hellrothbraun 
blass violett 

hellrothbraun 
blass Tiolett 

rothbraun 
braun 

Orangeroth 
blass rosa 

dunkel orange 
blass rosa 

rothbraun 
hellweinroth 

dunkel kirscb- 
roth 
farblos 

Chi. hellbraun 
8. dunkel kirscb- 
roth 



1 



canninroth 



orange 
hell weinroth 

schwarsbraun 
dunkel braun- 
roth 

gelblich 
hellrosa 

schmutzig gelb 
miasfarben 

rothbraun 
rothlichbraun 

braunroth 
dunkel weinroth 

Orangeroth 
schmutzig roth 

dunkelbraun 
röthlich braun 

hellroth braun 
schmutzig vio- 
lett 

dunkel braun 
schmutzig vio- 
lett 

rothbraun 
Violettroth 

gelbbraun 
hellbraunroth 

dunkelbraun 
braunroth 

dunkelbraun 
miasfarben 

kirscbroth 
schön roth vio- 
lett 



1 



missfarben 



kirscbroth 

schön hell vio* 

lett 



294 



Dragendorff, Notuen sar gerichtlichen Chemie. 



Oele. 



18. + OL Foeniouli 



19. Ol. Awi itelL 



80. Ol. Myrist. t. Zeiee 



21. OL Eaoaljpt. 

22. 4- OL CaiyophylL 



23. OL Gajepati 



24. OL Piment yon 
Zeile 

25. OL Yalerianae 



26. + OL Cinae 



27. + OL Lauri äth. 



28. OL Caasiae 



29. OL Zingib. Ton 
Zeise 



80. OL Galangae Ton 
Zeise 

81. OL Cardamom. 



82. OL Piperie von 
Zeiae 



Mit Eisenchlorid nnd conoentrirter 
Schwefelsäure. 

FarbenTex&nderong im Lanfe einer Stande 

beobachtet: 



^ 



Mit Chlo: 



Sogleirb 



hellgelb wie 17 



«wie 17 



mahagonibraun y blass rother Band 



wie 20, einselne yiolette Streifen 



sofort grün, dann schwarz, Tiolettbrann 
bis blau 

lebhaftes mahagonibraun, in blatroth aber- 
gehend, schwarz schattürt 



fast sofort schwarz, biaonTioletter Rand 

sofort umbrafarben, fast schwarz mit schwa- 
chem blassrosa Bande, bläuliche Streifen 

mahagonifarben , blutroth, schwärzlich 

'inahagonifarben, schwarzbraun, schwarz 
yioletter Band 

sofort braun, dann olivengrün, fast schwarz 
in kaum 2 Sek., grüner Band, lebhaft 
grün in blau übergehend 

* 

hellbraun, umbrafarben, schmutzig grüner 
Band 



wie '29 blauer Band, missfarben 



orangebraun in rothbraun übargehend, fast 
wie roth, gleicWässig orangeroth 

wie 81 , roth gesäumt und schwarz ge- 
fleckt, durchweg roth mit schwarzen 
Flecken 



rs. 

\CliL 
\ChL 



farU 



Ol 



farbloi 



6. dunkel 

orange 
Chi. fiarbla 

8. dunkel 
braunroth 
GbL farbbi 

S.donk.onaJ 

in roth 
Chi. farUof 

f 8. fichmuti^ 
l braun 
IChL farbloa 



{ ChL "^^ ** 



{ 



8. 



{ 



ChL ^"^^ 

f S.dunk.oraq 

< inblutr.nbca 
IChl. farblos 

8. braanÜch 

bis brau , 

Chi. fast fM 

jS.orangeia^ 
•cvengrunühfl^ 
IChL farbloff 

{S. blntsrodi 
ChL xöthliik 
Tiolett 

[8. dunkel- 

< braun 
IChl. fazblotj 

fS. orange, 
l dunkler i^^ 
(ChL Urhlm 

{8. dunk»! bl« 
roth I 

GbL £arblo* I 



Dragendorff, Notizon lur gerichtlichen Chemie. 



295 



rm, EisendiloTid tmd 
nc. H»SO* 



Xa«h 

> MinateiL 



Kaoh 
48 Stunden. 



Mit Chloroform u. concentr. H*SO*. 



Sogleich. 



Nach 
30 Minnten. 



Nach 
48 Standen. 



«K rothlieh 
bimoB 
£arbloi 

röthlich 
tvach rosa 

braoa 
iwach rotli- 

lieh 

iwaribrtvB 
r^uiTiolett 

iifohioth 
nuuig grön 

ikrl kinch- 

roth 
vi?h Tiolett 

itnuuig oli- 

TtDgTOB 

farblos 

raa braoa 
Msiüich 

•noaroth 
mritiig tIo- 
Utt 

rnnbrann 
TiaUtt 

c'vervidett 
grün 

otfa braan 
bräanÜeh 

iTFrasdert 
nk€l fioktt 

(htTcIl rodi 
i'ü tiolett 

braan 
violett 



Idrsehroth 
iast farblos 

kinchroth 
eatlarb^ sich 

bxmun 
grün 

donkel brann 
farblos 

dankel kirsch- 

roth 

gronlich 

kinchroth 
schön Tiolett 

bräunlich 
graa Tiolett 

nnTorandert 

iiBTerandert 
blangron 

unrerandert 

Bchmntsig dun- 
kel grün 
do. 

nnTerandert 



brann 
tief Tiolett blaut 

I 
rotl&braun 
miaafarben 

brmnnlich 
bliia Tiolett 



{ 



S. orange 
ChL farblos 

S. orange 
ChL farblos 

S. wie 19 
Chi. 

S. 

Chi. "~ 

S. roth bis 
blutroth 
Chi. farblos 

8. 

Chi. "" 

S. wie 23 
ChL 

S. gelblich 
Chi. farblos 

S. rothbraun 
Chi. farblos 

S. gelborange 
hCL farblos 

S. rothbraun 
ChL farblos 

5. orange 
ChL farblos 

6. orange dann 
braun 

ChL farblos 

6. gelb ins 

orange 
Chi. farblos 

S. orange 
Chi. farblos 



dank, kirschroth 

schön weinroth 

(heU) 

blutroth, dünn. 

rosa 

carminroth 

braun 
blass rosa 



dankel kirsch- 
roth 
hell weinroth 



wie 23 
schmutzig Tio- 
lett 

uuTerändert 

dankel braun 
braunlich 

braun 
rötblich braun 

dankel braun 

hell oliTen- 

grun 

dunkel roth- 
braun 
hellrosa 

dunkel braun 
dunkel Tiolett 

dunkel orange 
röthlich Tiolett 

dankel braun 
hell weinroth 



missfarben 

rothbraun 
miss&rben 

schmutsig braun 
missfarben 



unTerandert 
kirschroth 



braunroth 
missfarben 

unTerandert 

missfarben 

braun 
hell Tiolett 

schmutsig oll- 
yengrün 
bläulich 

missfarben 
missfarben 



dunkel orange 
schön blaugrün 

unTerandert 
schön kirsch- 
roth 



296 



Dragendorff, Notizen eüt gerichtlichen Chemie. 



Oele. 



33. + OL Cubebar. 



34. + Ol. Copaiyae 



35. -f ^^ l>&<}0. Ju- 
niperi 



36. 4~ Ol. baco. Jonip. 
yerharat 

37. OL ligni Juniperi 



38. OL UgDi Cedri 



89. -I- OL Sabinae 



40. OL Pini sylyest. 



41. OL Pini pnmlL 

42. OL terebinthinae 
gallic. 

48. OL terebinth. crnd. 

44. OL Citri 

45. Ol. Bergainottae 

46. OL Aorant. amar. 

47. OL Aurant» dnlc. 
(▼erharct) 



Mit EisencUorid und concentrirter 
Bchwefelsäare. 

Farbenyerandenmg im Laufe einer Stande 

beobachtet: 



Mit CUoTi 



Sogleich. 



brann, röthlich yioletter Rand, blauer 
Rand 

heUnuBsfarben, grüner Rand, blauer Rand, 
Bchwarse Streifen und Flecken 



dunkelorange, blutroth mit graublauen 
Flecken 



dunkelbraun, dunkel mit rothem Rande 



wie 36 



Bchmutiig hellbraun, schnell theila tIo- 
letter theila blauer Saum, deutlich blau 
sohattirt 



hellbraun in tief blutroth übergehend, con- 
atant dunkel kirschroth 

mahagonibraun, dunkelbraun und roth ge- 
Bfiumt, gelb Bchattirt 



wie 40 



dunkel mahagonibraun , roth 
schwarz mit rothem Saum 

wie 48 



geflSumt, 



nuBsbraun, wie 42 

nuBsbraun, dunkelbraun mit rothem Strei- 
fen und Flecken 

dunkel orange, roth gesäumt 



dunkel umbrafarben, röthliche Streifen 



S. intenair 

gelb 
ChL Tiolett 

S. orange 
rosa überg. 
Chi. farblos 

(S. gelb in dia 
ner 8chieht 
roth 
ChL farblos 

{ - 

JS. wie 35 
\ChL Tiolett 

IS. pracfatvoS 
grün in bis 
übergehes^i 
ChL anfanfs 
farblos dasa 
blan 

{8. roäibraua 
Chi. blass ros 

{S. roihbimsa 
Chi. farblos 

S. hellbrauB, 
rothbraun 
werdend 

Chi. farblof 

rS. blutroth 
\ Chi. farblos 

8. blutroth 
Chi. farblos 

{?k ^* *5 

{8. rothbrauA 
ChL farblo? 

{8. hellbraui 
ChL farblo» 

{S.dunkelbras 
ChL ftahlw 



{ 



Dragendor^ Notizen zur gerichtlichen Chemie. 



207 



orm, Eisenchlorid und 
?^^nc. H« SO*. 

Naeh 

30 



48 Stunden. 



Mit Chloroform u. concentr. H'SO*. 



Sogleich. 



s- hön Tiolett 



riolett 



blaas rotblich 
Tioistt 



cbwmfik Tiolett 



schön blma 



bTttmilich 
(lass roea 

rothbxvim 
rb'wmeh liolett 

rotbhniia 
hc hinatsig gelb 

«luDkelbraim 
zn'ssfiurben 

unk. bminroth 
oliTengrön 

mi«sfarben 

ö.Tinkcl hrann 
rliwach Tiolett 

bram 
gelbbiam 

mitsfarben 



braun 

■chon methyl- 

Tiolett 

granbrann 
tief Tiolett 



braun 
schmatsig Man 



üBTerandert 
dnnkel Tiolett 



misafarben 



vnTerandert 
farblos 

unTerandert 
farbloi 



misafarben 

vnTerandert 

üDTerandert 
donkel grän 

misafarben 

vnTerandert 
oliTengron 

misaüarben 
ndssfarben 



!S. orange 
Chi. farblos 

f S. gelb 
\Chl. farblos 



{ 



S. achwach 

gelb 
Chi farblos 



I S. orange 
< raaeb dunkler 
iChl. &rülos 



S. fast nnge« 

färbt 
Chi. farblos 



S. orange in 
blutrotb abrg 
Chi farblos 

{S. orange 
Chi. farblos 



{ 



8. orange in 
roth fiberg. 
Chi. farblos 



wie 41 



\Chl. 

JS. gelb 
\Cbl. farblos 

{S. orange 
Chi. farblos 

{S. schwach gelb 
Chi. farblos 

S. gelb in 
orange überg. 
Chi. farblos 



{ 



fS. rothbraun 
ChL farblos 



Nach 
80 Minuten. 



dunkel roth- 
braun 
weinroth 

schön orange 
fast farblos 



wie 34 



dunkel braun 
seh muisig braun 



fast farblos 



dunkel blutrotb 
hellbraun 

rothbraun 
schwach bräunl. 

dunkel braun- 

roth 

hell rosa 

wie 41 

wie 41 

braunroth 1 
bräunlich j 

gelbbraun 
hell roaa 

orange in dünn. 

Schicht rothlich 

bräunlieh 

dunkelbraun 

hell Oliven- 

grün 



Nach 
48 Stunden. 



dunk. blutroth 

rothbr. in dann. 

Schicht Tiolett 

missfarben 



orange 
gelblich 



miasfarben 



fast farblos 
schwach rosa 



unTerandert 
rothbraun 

rothbraun 
schwach rosa 

unTerandert 
röthlich 

wie 41 

wie 41 

dunkler 
geworden 

braxm 
missfarben 

missfarben 



unverändert 
missfarben 



298 Dragendorff^ Notizen lur gerichtlicheo Chemi«. 

oder nngenügend^ weil die gefärbten Zersetzungsproducte der 
Oele, die gross tentheils in Chloroform leichter oder schwerer 
löslich sind, sich in Fetroleumäther nicht oder nur äusserst 
spurweise lösen. 

5) Die Untersuchung von Harn auf einen 
Gehalt an Garbolsäure, 

welche yielleicht in Fällen, wo eine Vergiftung mit dem 
Phenol wahrscheinlich ist, von Werth sein könnte, darf bekannt- 
lich nicht durch Destillation der mit Mineralsäure yersetzten 
Flüssigkeit ausgeführt werden, weil normaler Harn einen 
Bestandtheil enthält, der unter diesen Umständen Carbolsäure 
als Zersetzungsproduct liefert. Nachdem ich gezeigt hatte 
dass die Carbolsäure aus Mischungen auch ohne Destillation 
durch Ausschütteln mit Petroleumäther oder Aether isolirt 
werden kann, blieb noch zu untersuchen, wie sich normaler 
und Carbolsäure -haltiger Harn bei Bearbeitung auf diesem 
Wege verhalten würden, ob ersterer einen Bestandtheil abgeben 
würde, welcher die Reactionen der Carbolsäure theilt und ob 
letzterer dem Petroleumäther Bestandtheile mitgeben werde^ 
welche die Reactionen der Carbolsäure stören. Speciell war 
zu prüfen, ob Zusatz von verd. Schwefelsäure zum Harn 
bei gewöhnlicher Temperatur bereits eine Zersetzung 
der normalen Carbolsäurequelle des Harns bewirken werde. 
Sowohl Herr Eossow wie ich selbst haben einige hierauf 
bezügliche Versuche ausgeführt. 

In 300 C. C. Harn von verschiedenen Personen wurden, 
jede Probe für sich, in 3 gleiche Theile getheilt und jede 
dieser Portionen mit Petroleumäther ausgeschüttelt Die erste 
Portion von 100 C.C. blieb ohne Zusatz, die zweite Portion 
erhielt 10 C. C verdünnte Schwefelsäure (1 : 10) zugemengt, 
die dritte 0,1 g. Carbolsäure. Die Petroleumätherausschütte- 
lungen wurden auf 4 Uhrgläschen vertheilt und bei Zimmer- 
temperatur verdunstet. Der in einigen Tropfen Wasser 
gelöste Rückstand auf den Uhrgläschen wurde 1) mit 
Eisenchlorid, 2) mit Bromwasser, 3) mit Chlorkalk und Am- 



Dragcndorff, Notizen lur gerichtlichen Chemie. 299 

moniak and 4) mit einer Lösung von Qaeoksilberoxydnitraty 
welche etwas salpetrige Säure enthielt, auf Carbolsäure 
geprüft. Es ergab sich, dass a. Harn ohne Säurezusatz an 
Petroleumäther nichts abgiebt, welches wie Carbolsäure rea- 
girte, dass b. der mit Schwefelsäure versetzte (nicht erwärmte 
Harn) ein gleiches Verhalten zeigte, oder dass doch nur 
äusserst geringe Mengen einer Substanz in den Petroleum- 
äther übergingen, welche wie Carbolsäure gegen Quecksilber- 
lösimg — nicht gegen die übrigen Reagentien — sich ver- 
halten, c. der Carbolsäure -haltige Harn lieferte an Petroleum- 
äther die Säure so vollständig aus, dass alle erwähnten 
Beactionen gelangen, falls man nur bei gewöhnlicher Tempe- 
ratar die Auaschüttelung verdunsten Hess und den Moment 
wahrnahm, wenn die letzten Antheile des Petroleumäthers 
gerade abgedunstet waren. 

Herr Kossow hat ähnliche Versuche auch in der Art 
wiederholt, dass er statt Petroleumäther Aether znm Aus- 
schütteln anwandte. Er erhielt hier aus dem Harn ohne 
Säorezasatz keine wie Carbolsäure reagirende Substanz. Der 
schwefelsäurehaltige Harn gab etwas mehr derjenigen Sub- 
stanz ab, welche gegen Quecksilberlösung reagirt Die Aua- 
schüttelung des mit Carbolsäure (0,1 g. auf 100 C. C) gemisch- 
ten Harnes gestattete den Nachweis mit allen genannten 
Beagentien. Im Ganzen dürfte es zweckmässiger sein, bei 
rotersuchung von Harn auf Carbolsäure Petroleumäther anzu- 
wenden, weil dieser bei Gregenwart von Schwefelsäure weni- 
ger des normalen HambestandtheQes, welcher gegen Queck- 
silherlösung reagirt, aufnimmt, wie Aether. 

Bei der grossen Empfindlichkeit einzelner der för den 
Nachweis der Carbolsäure benutzten Beagentien, war femer 
anfragen, ob dieselben nicht direct auf einen Harn, 
welcher diese Säure enthält, angewandt werden 
dürften. In dieser Richtung habe ich mit Herrn Stud. 
Eggert einige Versuche ausgeführt, welche aber keine sehr 
befriedigenden Kesultate ergaben. Es stellte sich heraus, 
<i&s8 die Carbolsäure - Reagentien bei Versuchen mit Harn 
theüs durch andere Harnbestandtheile in ihrer Wirkung 



300 Dragendorff, Materialien zur WerthbeBtimmung der flor. Cinae. 

modificirt werden (Eisenchlorid und Chlorkalk - Ammoniak), so 
dass sie erst bei Anwesenheit grosser Mengen der Säare 
diese anzeigten, theüs aber auch, dass sie mit normalen 
Harnbestandtheilen ebenso, wie mit Garbolsäure reagiren 
(Quecksilberoxydnitrat mit salpetriger Säure). Nur die Lau- 
dolt'sche Bromwasser -Reaction kann allenfalls zu einer Vor- 
untersuchung des Harnes auf Garbolsäure yerwendet werden, 
man darf aber das Reagens in nicht zu geringer Menge 
zusetzen, weil die ersten Antheile desselben von anderen 
Harnbestandtheilen in Anspruch genommen werden und die 
Fällung des Phenols erst später eintritt. 

IlL Materialien zu einer chemischen Werth- 
bestimmung der flores Ginae. 

In der Vorrede zu einer chemischen WerthbestimmQng 
habe ich eine Fortsetzung meiner Arbeiten auf diesem Gebiete 
in Aussicht gestellt. Wenn eine solche bisher nicht als selbst- 
ständiges Werk erschienen ist, so liegt das nicht daran, dass 
ich in den letzten Jahren zu einer Weiterführung der Arbeit 
kein Material gesammelt hätte, sondern es erklärt sich das 
Ausbleiben einer Fortsetzung aus dem Umstand, dass mir 
Zeit zu einer Redaction des vorhandenen Materiales geman- 
gelt hat. Zu den Droguen, für welche ich schon vor einigen 
Jahren Methoden zu einer chemischen Werthbestimmung auf- 
gesucht habe, gehören auch die flores Ginae. Da ich in der 
letzten Zeit in durch eine Anfrage gegebener Veranlassung die 
betreffenden Notizen zusammenstellte, mag hier ein Abdruck 
derselben stattfinden. Ich hatte, als ich mich zuerst mit der 
Frage nach der Werthbestimmung der Zittwersaamen beschäf- 
tigte, die Hoffitiung, dass eine quantitative Bestim- 
mung des Santonins ziemlich in derselben Weise erfol- 
gen könne 9 wie man bei der fabrikmässigen Darstellnng 
letzterer Substanz verfahrt. Auskochen der zerkleinerten 
Blüthen mit Kalkmilch und Wasser, Zersetzen des eingedampf- 
ten Auszuges mit Salzsäure, Filtration, längeres Stehenlas- 
sen des Filtrates bei niederer Temperatur, Abfiltriren des 
entstehenden Santoninniedersohlages und Auswaschen desselben 



Dn^dorl^ Kateiialien znr Werthbestiminiing der flor. Cinae. 301 

mit emer Lösang, welche im Stande ist, die das Santonin 
reninranigenden Harze etc. anfzunelimeüy sollten, wie ich 
hoffte, mir die Gesammtmenge des Santonins in einem Zustand, 
dass sie gewogen werden können^ in die Hand fuhren. Meine 
Hoffhang hat sich nun allerdings insofern bestätigt, als es 
gelang durch Anbringung gewisser Modificationen eine ziem- 
lich genaue Bestimmung des Santoningehaltes eines Zittwer- 
saamens zu erzielen, die Metbode wurde dadurch aber so 
mnstandlich und zeitraubend, dass ich mich nach einer ande- 
ren einfacheren glaubte umsehen zu müssen. 

Vergegenwärtigen wir uns zunächst die Gründe, wess- 
halb die oben erwähnte Methode keine befriedigenden Resul- 
tate liefern konnte. 

Meine Controleversuche wurden mit einem Santonin 
ausgeführt, welches 1,86 % Feuchtigkeit enthielt. 

Als 0,2107 g. desselben » 0,2068 g. Trockensubstanz 
mit 10 C. C. Kalkmilch (hier und bei allen folgenden Ver- 
suchen 10 7o CaH«0* enthaltend) und mit 200 C.C. Wasser 
längere Zeit gekocht waren, ging zwar alles Santonin in 
Lösung, es wurden aber nach Zersetzung der filtrirten und 
auf 50 C. C. eingedampften Flüssigkeit mit überschüssiger 
Salzsäure, 6tägigem Stehen im Eiskeller nur 0,1770 g. was- 
serfreien Santonins wiedererhalten. Da das Santonin bei der 
angegebenen Temperatur nach Trommsdorflf 4000 — 5000 Th. 
Wasser zur Lösung bedarf, so lässt sich der Verlust nicht 
durch das Tom Wasser aufgenommene Santoninquantum 
decken (50 C.C. Filtrat konnten höchstens 0,0125 g. in Lö- 
song halten und 50 CG. Waschwasser, welche angewendet 
▼aren, konnten, da Santonin sehr laugsam vom Wasser 
gelöst wird, so gut wie kein Santonin aufgenommen haben). 

Auch durch die im Filtrate vorhandene überschüssige 
Salzsaare konnte der Verlust nicht erkl&rt werden, da in ihr 
das Santonin nicht leichter, wie in reinem Wasser löslich 
ist Nach mehrtägigem Stehen mit überschüssigem Santonin 
bei Zinmiertemperatur nehmen 100 C.C. einer 15procentigen 
Baizsaure nur 0,02 g. desselben auf. 



302 Dragendorff, Materialien cur Werthbestimmaiig der fior. Giaae. 

Der Grand liegt, wie ein zweiter ganz ähnlich aasge- 
fdhrter Versuch lehrte, bei dem von 0,2513 g. wasserfireien 
Santonins nur 0,2033 g. wiedergewonnen wurden, in dem 
Umstände, dass es äusserst schwierig ist auch nach mehr- 
tägigem Stehen im Eiskeller eine vollständige Rückverwand- 
lung der in Wasser leichter löslichen Santonsäure, welche 
aus dem Kalksalze durch Salzsäure abgeschieden wird, in das 
Anhydrid Santonin zu erreichen. Ein kleiner Rest der San- 
tonsäure, einmal mehr das andere Mal weniger, bleibt anzer- 
setzt und dieser Antheil bedingt hauptsächlich den Verlast. 

Wenn dies nun schon da, wo es sich um reines Santo- 
nin handelt, der Fall ist, so in noch höherem Maasse, wenn 
man Auszüge aus flores Cinae verarbeitet. 

Es wurden bei mehreren Versuchen je 15 — 20 g. flo- 
res Cinae (bei diesen und den später zu beschreibenden Ver- 
suchen stets dieselbe mittelgute Sorte mit 14,9 % Feuchtig- 
keit) = 12,76 — 17,02 g. Trockensubstanz mit 20 C.C.Kalk- 
milch und 400 C. C. Wasser 6 Stunden im Wasserbade, dann 
eine halbe Stunde lang auf freiem Feuer erhitzt, filtrirt, der 
Rückstand nochmals mit 10 CG. Kalkmilch und 200 CC. 
Wasser gekocht und mit Wasser nachgewaschen. Filtrate 
und Waschwässer wurden im Wasserbade auf 30 C. C. ver- 
dunstet, nach dem Abkühlen mit Salzsäure genau gesattigt, 
sogleich filtrirt, das Filtrat mit überschüssiger Salzsaare 
gemengt und 5 — 6 Tage in den Eiskeller gebracht; der 
gehörig ausgewaschene (darüber später) Santoninniederschlag 
wog bei: 

Vers. 1. aus 20 g. — 0,3510 g., Vers. 2. aus 15 g. — 
0,2889 g., Vers. 3. aus 15 g. (die Flüssigkeit hatte 12 Tage 
im Eiskeller gestanden) — 0,3202 g., Vers. 4. aus 20 g. — 
0,3740 g., machte also resp. 1,75 %> 1,92 7o ^^^ 1;Ö7% 
Tom Gewichte der Originaldrogue aus. 

Dass auch hier der Verlust vorzugsweise durch in Lö- 
sung bleibende Santonsäure bedingt ist, erkennt man, wenn 
man die Filtrate von den beschriebenen ^Niederschlägen mit 
Chloroform ausschüttelt ; Santonsäure geht in Gresellschafl 
Ton harzartigen Substanzen etc. in das Chloroform über und 



Dngtndoiff, Matarialien lur Werthbestimmiiiig der flor. Cinae. 303 

rerwandelt sich beim Eindampfen der Ghloroformlösnng in 
SantonuL Als bei den obenerwähnten Yorrersuchen mit rei- 
nem Santonin der Kücketand der Chloroformausschüttelang 
gew(^n and zum Gewichte der Niederschläge addirt wurde, 
stimmte die Summe mit der Menge in Arbeit genommenen 
Santonins fast genau überein. 

Bie Chloroformausschüttelungen aus den Filtraten der 
letzten 4 Versuche mit Zittwersaamen wogen, nachdem das 
Han etc. entfernt war, bei 

Vers. 1. — 0,0568 g. (Summa 2,034 % Santonin). 

- 2. — 0,0207 g. (Summa 2,064 % Santonin). 

- 3. — kein Santonin. 

- 4. — 0,0401 g. (Summa 2,070 % Santonin). 

Aehnliche Resultate erhielt ich, als ich eine Sorte von 
flores Ciaae- Abfall, so wie er in Nischni- Nowgorod beim 
Sieben und Reinigen der Zittwersaamen erlangt wird, ver- 
arbeitete. 

Später durch Chloro- f, 

form auageschüttelt. »^nia 

0,077 7o- 0,999 % 

^ 0,097 - 0,997 -' 

0,195 - 1,066 - 

0,051 - 0,986 - 

0,076 - 0,984 - 

Bei allen diesen Versuchen wurden, wie ich bereits 
bemerkte, zunächst durch Salzsäure Niederschläge erhalten, 
welche durchaus kein reines Santonin, sondern Gemenge des- 
selben mit Harz etc. repräsentirten. Es wog beispielsweise 
nach der Pällung und vor der Reinigung der Niederschlag 
von Vers. 1. 0,5890 g., der von Ters. 2. 0,4115 g., der von 
Vera. 3. 0,4582 g. 

Zum Zweck der Reinigung mussten diese Niederschläge 
ausgewaschen werden mit einer Flüssigkeit, welche möglichst 
wenig Santonin und wo möglich alle fremde Substanzen auf- 
niimnt Die Vorschriften zur Darstellung des Santonins 
empfehlen in der Regel ein Auswaschen des Rohproductes 
mit Anmioniak- haltendem Wasser; ich überzeugte mich aber 



El agsben 


durch Fallimg 


Vers. 5. 


0,921 Vo- 


- 6. 


0,900 - 


- 7. 


0,871 - 


- 8. 


0,935 - 


- 9. 


0,908 - 



304 Bragendorff, Materialien cur Wertibbestimmong der fior. Gioa«. 

durch Versuche y dass dieses für unsem Zweck anbrauchlMur 
ist^ weil es vom Santonin zu viel aufnehmen kann. Nach 
meiner Erfahrung lösen bei mehrtägiger Einwirkung und 
Zimmertemperatur 10 G.G. 

Aetzammoniakflüssigkeit mit 8,2 ^/^ Ammoniak 0,0874 g. 
Santonin. 

Aetzammoniakflüssigkeit mit 4,1 ^^ Ammoniak 0,0782 g. 
Santonin. 

Aetzammoniakflüssigkeit mit 2,05 % Ammoniak 0,0650 g. 
Santonin. 

Aetzanmioniakflüssigkeit mit 0,82 % Ammoniak 0,0457 g. 
Santonin. 

Aetzammoniakflüssigkeit mit 0,41 % Ammoniak 0,0398 g. 
Santonin. 

Alle diese Versuche wurden so ausgeführt, dass ein und 
dieselbe Santoninmenge zweimal mit der Aetzammoniak- 
flüssigkeit behandelt, aber nur das Kesultat des zweiten 
Versuches verwerthet wurde. Die ersten Versuche ergaben 
überall eine scheinbare grössere Löslichkeit, weil zunächBt 
die anhängenden Verunreinigungen namentlich auch des auf 
der Oberfläche der Erystalle hier und da vorhandenen Pho- 
tosantonins gelöst werden. 

Weit besser als Aetzammoniakflüssigkeit lässt sich zum 
Auswaschen des Rohsantonins eine wässrige Lösung von Na- 
triumcarbonat verwenden, welche die Verunreinigungen sehr 
leicht, das Santonin sehr schwer aufnimmt. 

0,6567 g. Santonin » 0,6445 Trockensubstanz wogen nach 
mehrtägiger Behandlung mit 10 G.G. einer Natriumcarbo- 
natlösung mit 8,17^/0 Na> GO» 0,6416 g. Die Diflerenz 
beträgt 0,0029 g. oder 0,029 % vom Gewicht der Soda- 
lösung, d. h. kaum mehr als wenn reines Wasser einge- 
wirkt hätte. 0,3353 g. » 0,3290 g. Trockensubstanz gaben 
an 10 G.G. einer 4,09procentigen Sodalösung unter ähn- 
lichen Umständen 0,0086 g. Santonin ab. 
Aus diesen Gründen wurde bei den oben besprochenen 
Versuchen das Auswaschen des Rohsantonins, sowohl des 
gefällten, wie des durch Ghloroform ausgeschüttelten, stets 



Dngendoxffy Matenalien snr Werthbestiiiimimg der flor. Ginae. 305 

nüt einer SodalÖBong von 8 % auBgeföhrt und es waren bei 
jedem Versuche 10 — 15 C.C. derselben erforderlich, fiir die 
efYMitaell eine Correctur von je 0,003 — 0,0045 g. ßantonin 
für den Ifiederschlag und die Ausschüttelung anzubringen 
wäre. Ich berechne danach den Santoningehalt der unter- 
suchten flores Cinae zu 2,129 7o ^^^ ^^^ cLes Zittwersaa- 
meoabfalles zu 1,14% ^^^ glaube, damit der Wahrheit sehr 
nahe gekommen zu sein, denn wenn allerdings noch ein Feh- 
ler bei dieser Bestimmungs weise bleibt, so ist dieser in den 
meisten FäUen so klein, dass er yemachlässigt werden kann. 

Dieser letztangedeutete Fehler beruht in dem Umstände, 
dass mitunter, wenn nach Eindampfen des kalkhaltigen Gina- 
aosznges mit Salzsäure bei gewöhnlicher Temperatur neutra- 
b'sirt wird, das sich ausscheidende Harz kleine Mengen von 
Santonin einschliesst. Man kann sich, wenn man das Harz- 
pradpitat in Sodalösung aufnimmt, davon überzeagen, dass 
einzelne Erystalle von Santonin auf dem Filter bleiben, die 
man mit dem später zu wägenden Niederschlage vereinigen 
kann, deren Menge aber in den seltensten Fällen eine neu- 
nenswerthe ist 

Es wäre hiermit nun in der That die eigentliche Auf- 
gabe, eine Werthbestimmung der flores Ginae auszuführen, 
gelöst, aber es kann, wie gesagt, nicht geläagnet werden, 
dass die Methode umständlich und zeitraubend ist. 

Sine Vereinfachung der Bestimmungsweiae habe ich 
dadurch erreicht, dass ich 

1) statt mit Kalkmilch auszukochen, mit verdünnter Na- 
tronlauge im Wasserbade auszog. Für 15 g. flores Ginae 
und ca. 200 G. C. Wasser genügen 15 G. G. zehnprocentiger 
Natronlauge und eine 1 — 2 stündige Digestion, 

2) dass ich weiter nach dem Eindampfen, dem Neutrali- 
siren mit Salzsäure, dem Filtriren und nachdem mit Salz- 
aanre sauer gemacht war, sogleich mit Ghloroform ausschüt- 
telte (drei Ausschüttelungen mit je 15 — 20 G.G. Ghloroform 
genügen), und 

3) nachdem die Ghloroformauszüge destiUirt waren, den 
trocknen Bückstand derselben wieder in möglichst wenig 

Aich. d. Fham. ZH. Bdi. 4. Haft. 20 



306 Dragendorff, Materialien zur Werthbestimmung der flor. Cinae. 

yerdünnter Natronlauge anfhahm, die filtrirte Lösung mit 
Salzsäure übersättigte, zwei bis drei Tage bei niederer Tem- 
peratur stehen liess und den ausgeschiedenen Santoninnieder- 
schlag mit Sodalösung auswusch. 

B<3i dieser Modification des Verfahrens hat man noch 
den Yortheil, dass das Santonin aus der mit Salzsäure yer- 
setzten Katronlösung schneller und vollständiger ausgeschie- 
den wurde, dass solche Bestandtheile der Gina, welche der 
vollständigen Fällung des Santonins entgegenwirken, vorher 
entfernt werden. 

Ich fand so bei je zwei nahe übereinstimmenden Ver- 
suchen in den flores Cinae 2,063 7o ^^^ ^^^ Zittwersaamen- 
abfallen 1>164% Santonin. 

Dieses zweite vereinfachte TJntersuchungsverfahren liesse 
sich demnach so formuliren: 

15 — 20 g. Zittwersaamen werden unter Zusatz von 15 
bis 20 C. C. zehnprocentiger Natronlauge und 200 C. C. Was- 
ser zwei Stunden im Wasserbade extrahirt, filtrirt und mit 
destillirtem Wasser nachgewaschen. Auszug und Wasch- 
wasser werden vereinigt und auf dem Wasserbade auf ca. 
30 — 40 G.G. concentrirt, der Rückstand erkaltet, mit Salz- 
säure neutralisirt, sogleich filtrirt, das Filter mit 15 — 20 CC. 
Wasser successive nachgespült. Der Niederschlag kann mit 
achtprocentiger Sodalösung ausgewaschen werden, zeigen sich 
Santoninkrystalle auf dem Filter, so werden sie später mit 
der Hauptmenge des Satitonins vereinigt und gewogen, das 
Filtrat vom Salzsäureniederschlage ist nach weiterem Zusatz 
von etwas Salzsäure 3 mal mit je 15 — 20G.C. Ghloroform 
auszuschütteln; die mit Wasser gewaschenen Ghlorofonnaus- 
züge werden bis zur Trockne .destillirt. Der hier bleibende 
Rückstand wird in möglichst wenig Natronlauge gelöst, wemi 
nöthig filtrirt und dann mit möglichst wenig Wasser das Fil- 
ter nachgewaschen.. Die Lösung wird mit Salzsäure stark 
angesäuert, kalt gestellt; nach 2 bis 3 Tagen kann das aus- 
geschiedene Santonin auf dem Filter gesammelt, mit 10 bis 
15 G.G. achtprocentiger Sodalösung ausgewaschen und das bei 
110^ getrocknete Santonin endlich gewogen werden. Auf 



▼. Piererling, Gontrole der Nahrangsmittel. 307 

je 10 C. C. wässriger Flüssigkeit, aus der das Santonin gefallt 
war (nicht Waschwasser), können 0,002 g. auf je 10 C.C. 
beim Auswaschen benutzter Sodalösung 0,003 g. der Summe 
des gefundenen Santonins zugerechnet werden. Man kann 
bei der Werthbestimmung der flores Cinae auch nach An- 
leitong der in meinem Laboratorium yon Osse angestellten 
Untersuchung den Gehalt an äther. Oel berücksichtigen 
und darf in ihnen (conf. Jahresb. f. Pharm. £. 10 p. 326) 
CA. 2.25% ätber. Oel und ca. 3% in Petroleumäther lös- 
liches Fett und Harz erwarten. 

Dorpat, den 14. August 1877. 



Die ehemlscli- analytische Methode Im Dienst der 
Controle der Nahrangs- nnd Gennssmlttel nach 

erweiterten Prlndplen. 

Yon Br. t. PieTerling, Apotheker in München. 

Unter diesem Titel lege ich, nachdem indess der Inhalt 
der Gesetzvorlage des Reichskanzleramtes über den Verkehr 
mit Kahrungs - und Grenussmitteln etc. bekannt geworden ist, 
in diesen Blättern eine Arbeit nieder, welche ich in Form 
eines Gutachtens und — wie nachstehend — in sieben mit 
MotiTen versehenen Sätzen der im November v. J. in Berlin 
einberufenen Commission von Sachverständigen aus Mitte des 
kaiserlichen Gesundheitsamts vorgelegt habe. Bekanntlich 
hatte diese Conunission die Berathung der wirksamsten Maass- 
nahmen zum Schutz der Nahrungs- und Genussmittel gegen 
dolose Fälschung sich auf die Tagesordnung gesetzt. Diesem 
Gutachten ging eine von mir in der ,, Allgemeinen Zeitung 
in Augsburg" ^ veröffentlichte Abhandlung voraus und ist 
«steres als Folge jener anzusehen. 



1) A. A. Ztg. Handelsbeilage Ko. 229. 230 Tom 29. u. 30./IX. 77. 
Der vesestUclie Theü der Abhandlung ist indessen auch in die Pharmac. 
Zeitnng obergegangen. Ko. 103. 26./2II. 77. 

20* 



306 V. Pieverling, Controle der KahrangtmitteL 

Ich übergebe NachBtehendes der Fablication, weil es in 
Hinblick auf das hohe Interesse, welches die in Frage ste- 
hende öffentliche Sache mit Recht für sich in Anspruch 
nimmt, wünschenswerth nnd mehr als instructiv wäre, auch 
Andere, die der Anfforderang des Reichskanzlers Eolge ge- 
leistet und ähnliche Arbeiten genannter Commission gutacht- 
lich vorgelegt haben, Veranlassung nehmen zu sehen, diese 
zu veröffentlichen, um die Möglichkeit zu geben, ein ürtheil 
zu gewinnen über das Material, welches der Novembercom- 
mission bei Berathung ihrer späteren Entschliessungen vor- 
gelegen hat. 

1) Die von den deutschen Chemikern geübte, weil tod 
den deutschen Strafgerichten postulirte Methode zur Beurthei- 
lung der Brauchbarkeit oder sträflichen Verwerflichkeit emer 
dem Gonsum dienenden Handelswaare ist solange eine indi- 
recte, als sie sich ausschliesslich in der chemisch -analytischen 
Aufsuchung eines bestimmten zur Verfälschung benutzten 
Materials bewegt. 

Motive: Die Thatsache stattgefundener Fälschung fest- 
zustellen, wird bis heute von den deutschen Gerichtshöfen 
der exacte analytische Nachweis eines oder mehrerer bestimm- 
ter, irgend einem Substrat beigefügter, suo genere firemd- 
artiger oder G-esundheit gefährdender Zusätze von dem 
Experten verlangt Diese Methode erschliesst die zur Beor- 
theilung der Güte und anstandlosen Verkäuflichkeit eines 
Consumartikels nöthigen Momente schon desshalb keineswegs, 
als sie die Gonstatirung der Anwesenheit sämmtlicher wesent- 
licher und wirksamer Bestandtheile einer normal beschaffenen 
Waare mehr oder weniger vollständig ausser Acht lässt^ viel- 
mehr in einem fagen Umhertasten sich verliert nach mög- 
licher Weise gemachten straffälligen Zusätzen. In weiteren 
Betracht muss die Thatsache gezogen werden, dass nach 
Stand der wissenschaftlichen Ghemie die exacte Methode in 
Hinblick auf die Fassung der bezüglichen Paragraphen des 
Beichsstrafgesetzbuches vor unlösbare Aufgaben gestellt wird 
und allzuhäufig auch in solchen Fällen, wo der Verdacht 
stattgehabter Fälschung in anderen Indicien sich begründen 



T. Piererling, Controle der Kabrungsmittei. 309 

kann, doch den positiven Nachweis des verwendeten Fäl- 
echnngs- Materials zu liefern ausser Stand ist, hauptsächlich 
da, wo es sich um den jNfachweis organischer Beimengungen 
handelt Der ohemische Experte war und ist allzu häufig in 
die Lage versetzt, vor dem G-erichtsforum die Unzulänglich- 
keit der Methode einzugestehen. Es führt dies zunächst zur 
DiBcreditirung seiner eignen Expertise, im weiteren aber zu 
der der angewandten Wissenschaft überhaupt. Zweifellos 
hat eben beregter Missstand dazu beigetragen, dass trotz 
Tsimehrter Wachsamkeit der Polizei- und Sanitätsbehörden 
die dolose Fälschung der Consumartikel mit gesteigerter 
Veh^nenz fortgeschritten ist; neben andern parallel laufenden 
Ursachen ist das Bekanntwerden wenig bestimmter, schwan- 
kender Expertisen der Sachverständigen Veranlassung gewe- 
sen für den Betrüger, die letzte Schüchternheit abzulegen. 

2) Der für die analytisch -controlirende Praxis zur Gel- 
tung kommende Stand der wissenschaftlichen Chemie verlangt 
mit Nothwendigkeit, diese indirecte Methode im Princip zu 
verlaasen und die directe in Anwendung zu nehmen, welche 
darin fondirt, den Gehalt eines gegebenen Substrats an wirk- 
samen und accessorischen Bestandtheilen zu ermitteln, und 
den Befand mit den durch Analyse absolut reiner Waare 
gefundenen Werthen in Vergleich zu setzen. 

Motive: Eine durchgreifendere Besserung vorbezeich- 
neter Missstände steht in sicherer Aussicht, wenn der übliche 
indirscte Weg im Princip verlassen wird. Sieht sich der 
chemische Experte da und dort, wo der Nachweis des einen 
oder andern Gesandheitsgefahrdenden zugesetzten Materials 
verlangt wird, vor unüberwindliche Schwierigkeiten gestellt, 
Bo verliert anderseits diese Unbequemlichkeit ihre Bedeutung 
ftofort, wenn beansprucht wird, diejenigen Momente überhaupt 
featzQstellen , welche für die Beurtheilung der Güte einer 
Handelswaare bezw. deren Zulässigkeit auf den Markt 
AüBsehlag gebend sind. Diese können ohne Schwierigkeit 
durch directes Verfahren gewonnen werden; durch quantita- 
tire Bestimmung nicht nur der wirksam auftretenden Bestand- 
theile eines gegebenen Substrates, sondern auch der accesso- 



310 *- FieTarling, Contiol« der Natkrnngimitt«!. 

riechen, in der natürlichen Beach^enheit des Objectea begrün- 
deten. Letztere geben allermeist — weil von den FälBChern 
nnberilckaichtigt — zur Evidenz die Anhaltspunkte znm B»- 
■weiß stattgehabter Fälschung. Diesem Yer&hren ist die 
chemisch -analytische Methode vollständig gewaohaen und im 
Stande, ausreichendes Material zur Begründung einer Anklage 
zn liefern. Dnrch zahlreiche Analysen absolut reiner Waare 
können Normalwerthe ermittelt und festgestellt werden, fär 
den je nach Bereitungs weise nach Maassgabe angewandter 
Bohmaterialien oder (Milch, Butter, Käse) durch beetiinmte 
Ra^en der Thiere bedingten, in natürlichen Grenzen wech- 
selnden Gehalt an constitnirenden Bsstandtheilen. £s geben 
diese Werthe den Stoff zur Anlage leicht übersichtlicher 
Tabellen, die als Begnlative zu gelten haben für Benrthei- 
Inng einer Waare auf Güte oder sträfliche Verwerflichkeit. 
Die chemische Analyse ist Tollkommen in der Lage, solche 
Grenzwertbe ermitteln zu können; Täuschungen hierin sind 
ausgeschlossen. 

3) Die directe Methode zur Argumentation einer atatt- 
gefundenen Yerfälschung ist in allen Fällen in Anwendnng 
zu nehmen, wo es die natürliche Beschaffenheit des Substra- 
tes gestattet. 

Motive: In Anwendung ist diese directe Methode wo 
thnnlich überall zu bringen und ist ohne Weiteres entspre- 
chend; a. für Milch: durch quantitative Bestimmang von 
Case'm, Fett, Wasser, Eiweiss, Zucker, fixen Bestandtheilen 
unter Berücksichtigung der Sommer- und Winterfüttenug. 
sowie der Ra^ der Thiere, welcher sie entnommen; b. für 
Butter: unter Rücksichten wie bei a; c. für Käse: unter 
Berück sichtignng der Bereitungs weise in verschiedenen Pro- 
dnctions-Districten; d. für Bier: mit Rücksicht des ein- 
gehaltenen Brauverfahrens, welches die Quantitäten aogiebt 
dnn verwendeten Rohmaterials;^ e. für Wein; mit Rückwcht 

)eraetbeQ Commlision , der dieiei Outaehten Torgelegeo, «nrdt 
Oriaimejer eia Gntachtea unterbreitet, welehei io höcbit lisB- 
Ttite die BaUtian«D (Normatwonhe) tax eine Baihe tod K«m 
S. Cingler*! P. J. 1878. S3T. 98. 



T. Plererling, Controle der Nahrangsmittel. 311 

der Marke, femer der Lage und des Jahrgangs, die ihn pro- 
dQcirt;^ f. for Mehl: (Stärke , Asche, Wasser, Fett) unter 
Käcksicht auf die Getreidesorte, event. auch des Bodens, auf 
dem das Korn gewachsen; g. für Brod: unter gleichen Rück- 
sichten wie bei f. 

Zur Fälschnng benutzte, bestimmte Materialien analytisch 
an&asnchen, würde Veranlassung bleiben: a. in Criminalfal- 
len; b. in solchen Fällen, wo es sich lediglich um den Nach- 
weis der Anwesenheit von Arsen oder Metallgiften handelt, 
die allein ausreicht, das Verdict der Unverkäuflichkeit einer 
Waaie auszusprechen; c. in Fällen, wo die z. Z. ermittelten 
Methoden untrügliche Resultate zu geben geeignet sind; d. da, 
wo die natürliche Beschaffenheit des Substrates eine directe 
Untersuchung auf Normalwertbe ausschliesst. 

4) Ein Kahrungs- oder Genussmittel, oder eine andere 
dem täglichen Consum dienende Handelswaare ist als verfälscht 
bezw. unverkäuflich zu erklären, wenn sie die durch zahl- 
reiche Analysen von Staatswegen vereideter Chemiker für 
Normalwaare festgestellten Minimal- bezw. Maximal werthe 
nicht erreicht bezw. übersteigt. 

Motive: Sind die als Normale geltenden Grenzwerthe 
durch zahlreiche Analysen einmal ermittelt, so ist ein sicherer 
Standpunkt gewonnen, die ünzulässigkeit einer Waare für den 
Consom sanitätspolizeilich zu begründen; bezw. da es auch 
für schlechteste Waare zu billigem Preis Abnehmer (Zwi- 
schenhändler) geben dürfte, deren Unverkäuflichkeit event. 
Vernichtung auszusprechen. Die Fälscher verschieben die 
Normalwerthe einer Waare dnrch ihre Manipulationen in der 
einen oder andern Richtung; dadurch schliesst sich die Be- 
förchtung aus, dass die Untersuchungsresultate auch eines 
geialschten Objectes innerhalb der Normalgrenzen fallen und 
dieses straffrei ausgehen möchte. Anderseits lassen die aus 
un£u8ender analytischer Arbeit hervorgegangenen Normativ- 
werthe, deren Spielraum in der Natur der Sache begründet 



i) Dr. Mftz Bncbner, Oenochem. UntenuohangeQ. Dingl. p. J. 1877. 
»6. 531. 



312 ▼. Piererling, Controle dar NahnrngniutteL 

ist und sicli von selbst ergiebig kaoin die Besorgniss zn von 
Missgriffen in der Kechtsprechung. 

5) Den Chemikem privater, gemeindlicher nnd staatlicher 
Laboratorien als obligatorisches Regulativ geltende Normal- 
zahlen zur Beurtheilung jedes einzelnen zur Untersuchung 
gestellten Objectes auszuarbeiten, ist Aufgabe des dem hohen 
kaiserlichen Gesundheitsamt beigegebenen Chemikers. 

Motive: Es liegt im Sinne des Programms, welches 
die Schöpfung eines Gesundheitsamtes im deutschen Beiche 
veranlasst hat, dass diesem ausschliesslich das Recht und die 
Pflicht zusteht. Regulative wie die allen zum Controldienst 
der Consumartikel Berufenen als Maassgabe dienenden Ta- 
bellen mit Normalwerthen auszuarbeiten, ihnen amtliche Grel- 
tung zu verschaffen und den Experten wie den Strafrichtern 
in amtlicher Form zur Eenntniss zu bringen. Die an sich 
gross erscheinende Arbeit kann nach Maassgabe des sich gel- 
tend machenden Bedürfnisses unschwer bewältigt werden, 
durch Benutzung des a priori reich vorhandenen Materials, 
durch Heranziehung der über das Reich verbreiteten chemi- 
schen Laboratorien der Landesuniversitäten, der agricultorche- 
mischen Versuchsstationen und der pathologischen Institute; ^ 
durch Berufung vertrauenswürdiger Mitarbeiter ad hoc, in 
Districten, wo deren Mitwirkung nöthig erscheint 

6) Das hohe kaiserliche Gesundheitsamt wolle geneigte 
Veranlassung nehmen, in Verhandlung mit den legislatorischen 
Gentralstellen dahin sich zu verwenden, dass ein fdr die 
erspriessliche Wirkung oben ausgesprochener Principien hin- 
länglich breiter Rechtsboden geschaffen und zu allgemeiner 
Geltung im deutschen Reich gebracht werde. 

Motive: Der Autorität des hohen kaiserlichen Gesund- 
heitsamtes muss es vorbehalten bleiben, erfolgreiche InitiatiTe 
zu ergreifen zu Anträgen bei dem kaiserlichen Reichskanzler- 
amte, welche die Betonung der unumgänglichen Nothwendig- 
keit zum Inhalt hat, dass ein neuer Rechtsboden in obigem 



1) Die Fälle ins Auge gefasst, wo die ehem. Analyse allein riobere 
Kriterien nicht beibringen kann s. B. bei Beortheilang Ton Milch trieb- 
tiger KUhe etc. 






O. HeflM, Die Alkaloide der Cbinarinden. 313 

Sinne zu achaffen ist Eine Interpellation der Ilegierang aus 
Mitte der Aeichstagsabgeordneten erscheint nach Lage der 
Dinge nicht entsprechend, zum wenigsten vorläufig überflüssig. 

7) Ein solcher Rechtsboden erscheint vorhanden, wenn 
der Wortlaut des anzustrebenden Gesetzes sich äussern würde : 
„Straffällige Fälschung eines Nahrungs- oder Genuss- 
mittels oder anderweitigen dem täglichen Gonsum dienenden 
Handelsartikels ist jeder Act, der in doloser gewinnsüchtiger 
Absicht die normale Zusammensetzung eines dieser Artikel 
— nach Maassgabe der vom kaiserlichen Gesundheitsamt 
ausgearbeiteten, von der Seichsregierung mit Rechtskraft 
bekleideten Regulativ -Tabellen — verändert durch Zusätze 
oder Entziehungen ii^end welcher Art/' 

HotiTe geben die seit Jahren von Gerichtshöfen und 
Staatsanwälten in der drückendsten Weise . geßihlten Mängel 
der Stra^rocessordnung in grosser Zahl. Die breiteste Grund- 
lage in Gesetzeskraft diesen als Handhabe gegeben und mit 
exemplarischen Strafmaassen begleitet, wird in Kurzem die 
Frechheit der Betrüger zügeln und Niemanden als diesen zu 
Zetergeschrei Veranlassung geben, während anderseits die 
Erledigung der im Fluss befindlichen brennenden Frage mit 
einer nur halben Maassregel im allgemeinen Interesse tief zu 
beklagen wäre. — 

München, 10. November 1877. 



üeber die Alkalolde der dünarinden. 

Von 0. Hesie in Feuerbach bei Stuttgart. 

Die Nomenclatur der Chinaalkaloide ist im Laufe der 
letzten zwei oder drei Jahre ganz besonders dadurch ver- 
wirrt worden, seitdem die Droguisten und ArzneiwaareDhänd- 
ler den Beruf in sich zu fühlen scheinen, für die fraglichen 
Substanzen Bezeichnungen zu wählen, wie sie ihnen gerade 
passen. Namentlich bat das Wort „ Chinidin '^ in Verbindung 
niit rerschiedenen Prädicaten eine vielseitige Anwendung 
gefiinden, so zwar, dass es mir als Sachkenner geradezu 



314 0. HoBBe, Die Alkaloide der GhinarindeD. 

uiunöglich ist, zu errathen, gesohweige denn zu wiesesy was 
darunter verstanden werden wilL 

Für den deutschen Apotheker specieU muss diese Zer- 
fahrenheit sehr unangenehm sein, besonders im Hinblick 
darauf, dass bei der in Aussicht stehenden Revision unserer 
Pharmacopöe wegen der zeitweilig stattfindenden bohen Chi- 
ninpreise die billigeren, eben&Us antifebril wirkenden Chiaa- 
alkaloide wohl zur Aufiiahme gelangen werden, wie es z.B. 
theilweise schon für die östreichische und ungarische Pharma- 
copöe der Fall ist. 

In den Berichten der deutschen chemischen Gesellschaft 
10, 2162 — 2162 habe ich nun eine Uebersicht über das 
fragliche Gebiet niedergelegt, welche geeignet sein dürfte, 
etwaige Zweifel über das Wesen des einen oder andern China- 
alkaloids zu heben. Bei dem Interesse, das der Apotheker 
an diesen Substanzen hat oder haben wird, erlaube ich mir, 
diese Mittheilung im Folgenden wiederzugeben mit dem Be- 
merken, dass ich dieselbe in Folge der inzwischen erschiene- 
nen Mittheilungen von Godeffroy^ und Schaer' durch 
eine Anmerkung und einen Kachtrag ergänzt habe. 

Zunächst ist darauf zu verweisen, dass meine weiteren Un- 
tersuchungen der Chinaalkaloi'de unter anderem ergeben haben, 
dass das Cinchonidin von Koch, wie Derselbe* behauptet, 
wirklich von Winckler's Chinidin verschieden ist. Da fer- 
ner Pasteur's Cinchonidin ein Gemisch von beiden Alka- 
leiden (nahezu 2 Theile Winckler's Chinidin und 1 Theil 
Eoch's Cinchonidin) ist, so finden damit Widersprüche ihre 
befriedigende Erklärung, welche sich in den betreffenden 
Mittheilungen von Panteur^ und von Koch vorfinden. Da- 
mit erweist sich auch Flückiger's Ausspruch,^ dassPasteor 
den Begriff Cinchonidin mit unübertrefflicher wissenschaftlicher 
Schärfe defioirt habe, keineswegs als richtig. 

1) Archiv. Bd. 211. 8. 515. 

2) Daselbst S. 9 n. f. 

8) Pharmaceutisohe Post 10, 207 (1S77). 

4) Moniteur soientifique (3) 7, 600. 

5) Arohiy f. Phsrmaoie 210, 395 (1877). 



0. Heue, Die Alkaloide der Chinarinden. 315 

Das Cinchomdin von Eoch ist homolog zu dem Chinidin 
TOD Winckler; beide Alkaloide sind sich in vieler Beziehung 
äusserst ähnlich und daher leicht mit einander zu verwech- 
seln. Obwohl für Winckler's Alkaloid der Name Chinidin 
historisch begründet ist^ so wird doch jetzt fast allgemein der 
Name Gindionidin dafür angewendet; wir können daher mit 
letzterem Kamen, dessen Beibehaltung ich aus verschiedenen 
Gründen befürworte, nicht auch gleichzeitig das andere Alka- 
loid bezeichnen, wenn wir nicht neue Verwechselungen beider 
Alkaloide herbeiführen wollen. 

Ich hoffe daher, dass man es billigen wird, wenn ich in 
der folgenden üebersicht über das Gebiet der Chinologie, 
sowie in Zukunft, den Namen Homocinchonidin für 
Eoch's Cincbonidin gebrauche, üebrigens muss hervorgeho- 
ben werden, dass Winckler dieses Homocinchonidin ebenfalls 
entdeckte ; nur hielt derselbe es für Cinchovatin oder Aricin. 

Chinin. C**^H**N*0*. — Das aus seiner Auflösung 
in Terdünnter Säure durch einen Ueberschuss von Ammoniak 
oder Natrinmhydroxyd niedergeschlagene Alkaloid ist amorph, 
wasserfrei, yerwandelt sich jedoch unter Aufnahme von 3 H^ 
sehr bald in kleine Ery stalle. Das Anhydrid scheidet sich 
zum Theil auch in kleinen, weissen Nadeln ab, wenn die 
schwach erwärmte Lösung eines Chinin salzes mit Soda oder 
Xatriumbicarbonat gefallt wurde. Beide Substanzen, das An- 
hydrid sowohl wie das Trihydrat, sind auch fähig, in sehr 
langen dünnen Fri»men zu krystallisiren und bilden dann 
Massen, welche eben so leicht sind als jene des krystaUisir- 
ten Chininsulfats. Das krystallisirte Anhydrid schmilzt bei 
177', das Trihydrat bei 57®; ersteres löst sich in Wasser 
ohne vorher zu schmelzen und scheidet sich beim Erkalten 
der Lösung wieder in sternförmig gruppirten Nadeln ab; 
letzteres dagegen schmilzt in kochendem Wasser und seine 
Losung liefert beim Erkalten bloss milchige Trübung ohne 
das mindeste Anzeichen von Erystallisation. Ein Theil des 
Anhydrids löst sich bis bei 15® in 1960 Theilen Wasser, 
ein Theil des Trihydrats in 1670 Theüen. ^ 

1) Liebig's Asnalen 176, 205 und 207. 



316 O. H«He, Di« AUudoId« in Chintrindeii. 

Aether löst beide SabstaiiEflii auBchemend gleich leicht 
aaf and acheidet einen Theil davon beim langsamen Ver- 
dnnaten in zarten weissen Nadeln ab, den Rest amorph. 
Aber aacli dieser Beat erstarrt nach einiger Zeit krjstal- 
liniscb. 

Nicht selten zeigt die ätherische Lösnng die EigenÜiöm- 
lichkeit, dass sie plötzlich in Folge von Ghininabscbeidimg 
gallertformig erstarrt Dabei hat das Chinin eine solche Farn 
angenommen, in welcher es sich ziemlich schwer in Aether 
lost In dieser Form braucht dann 1 Thsil Chinin (waese^ 
frei) bei 16»C. 16 — 25,5 Theile Aether (iJ = 0,72) zur Lo- 
sung. Die Differenz in meinen bezüglichen Bestimmnogen 
mag vielleicht davon herkommen, dans dem schwer löslicheii 
Chinin leichtlösliches beigemischt war. Der bei gelinder 
Temperatur erhaltene Aetherrückstand ist amorph, krjatalli- 
sirt aber sofort, wenn derselbe bei 110 — 120* ausgetrock- 
net wird. 

Die Auflösung des Chinins in verdünnter überschüssiger 
Schwefelsäure fluorescirt in Blau, solche in verdünnter Sali- 
säure zeigt diese Eigenschaft nicht. Da noch mehrere andere 
Substanzen, namentlioh Chlormetalle, die Eigenschaft ies 
Chinins zu fluoresciren aufheben,* so folgt hieraas, dass die 
Nachweisung des Chinins mittelst des Flnoreskops unter 
Umständen nicht zuverlässig sein kann. 

Mit Chlor und überschüssigem Ammoniak giebt es grüne 
Färbung (Thalleiochin). 

Tod den Salzen des Chinins mögen folgende angeführt 
werden: Das Chlorhydrat C"H"N»0» HCl + 2H«0, das 
— »-1» fiulfat 2C"H"N»0», 80*H» + 8H»0 und dw 
wefelsaure Salz C«<'H»*N»0», 80*H« + 7H»0. 
lesen Salzen verwittert das neutrale SulÜat gau 
leicht; dabei bersten die Erystalle an&ngs senk- 
te, später parallel zu derselben. Hierdurch wird 
ihe immer grosser und jedenfalls dadurch die Ter- 
beschleunigt. Hieraus würde folgen, das« man 

^1 Aniuaui 18i, 136. 



0. HesM, Die Alkalose der Chinarinden. 317 

darauf bedacht sein sollte , ein möglichst wenig verwittertes 
Präparat zu erhalten. Ein solches mit etwa 15,3 Froc. Ejy- 
stallwasser («- 7Vt H'O) scheint diesen Anforderungen nach 
meinen Erfahrungen am besten zu entsprechen. 

Die Prüfung des Chininsulfats auf die Gregenwart anderer 
Chinaalkalo'ide geschieht am leichtesten und besten nach der 
Mediode von Eerner. ^ Kach dieser Methode hat man 
iTheü Sulfat mit 10 Theilen Wasser von 12 — 15« C. Was- 
ser so lange zu mischen, bis dass das Ganze eine Emulsion 
bildet, hierauf die Mischung eine halbe Stunde lang stehen 
zu lassen, dann das Flüssige abzufiltriren und 5 Cc. des Fil- 
trats mit 7 Gc. Ammoniaklösung von 0,96 spec. Gew. zu 
iibergiessen und vorsichtig zu mischen. War das Sulfat rein, 
50 resultirt eine vollkommen klare Lösung. 

Man hat vorgeschlagen, das Chininsulfat behufs der 
Fräfimg mit heissem Wasser zu behandeln, um angeblich das 
Cinchonidinsulfat besser in Lösung zu bringen, allein diesen 
Vorschlag halte ich desshalb nicht für empfehlenswerth, weil 
durch Anwendung von heissem Wasser leicht Zersetzungen 
des Chininsulfats veranlasst werden können.' 

üebrigens muss beigefügt werden, dass die Ee];^er'sche 
Probe den Gehalt von Ginchonidinsulfat des Präparates erst 
dann zu erkennen giebt, wenn derselbe mehr als 1 Proc. 
betragt Lieb ig' s Methode zeigt denselben erst von 10 Proc. 
ab an, dagegen giebt ihn die Schräge' sehe Cbininprobe' 
in keiner Weise zu erkennen. 

Conchinin, isomer mit Chinin, von van Heijnin- 
gen entdeckt, krystallisirt aus Alkohol mit 27« H'O in 
verwitternden Prismen, aus Aether in Bhomboedem mit 
2H'0, aus kochendem Wasser in zarten Blättchen mit 
1 Vi H' 0. In letzteren beiden Fällen 'zeigt es keine Yer- 
wittemng bei gewöhnlicher Temperatur. 



1) Zeitschrift t analyt. Ghem. 1S62, B. 160. 
S) Vgl. nieh Pharm. J. Tram. (8) 4, 589. 
3) ArchiT t Pharm. S06, 504. 



318 0. Heus, Die AlkBloTde der ChiniHnden. 

Während sein iBomeres, das Chinin, die Ebene des* pola- 
risirten LichteB nach linke ablenkt, bewirkt das Conchinio 
eine Ablenkung derselben nach rechts. 

Von den Salzen C"H"N*0», HC1+ H»0, C"H"N'0', 
SO*H» + 4H»Onnd2C»''H"H»0»,80*H» + 2H»Obehaiii^ 
tet nnr das letztere einen namhaften Platz im Handel 

Chinicin C"H"N»0», bildet eich ans dem Chinin 
nnd Oonchinin in höherer Temperatur namentlich unter dem 
gleichzeitigen Einflues Ton gewissen Sänren. So gehen bei- 
spielsweise die einfach schwefelsauren Salze von Chinin odei 
Conchinin im Augenblicke des Schmelzens ohne Gewichtarer- 
Inst in Chinidnsulf^t über. 

Das Chinicin ist amorph, vermag indess mit mehreren 
Sänren kryetallisirbare Salze zu bilden. Es lenkt die Folari- 
sationsebene schwach nach rechts ab. 

Das Chinicin findet sich nicht in den Chinarinden vor. 

Dioonchinin, C*''H'*N*0', der wesentliche Bestand- 
theil des Chinoidius,' begleitet das Chinin nnd Concbiiiin 
in wohl alten Chinarinden. Es ist als amorphes Alka- 
lo![d dieser Rinden den letzteren Namen nach schon längst 
bekannt, allein sein Wesen bis zor Stunde verkannt worden. 
Zwar ist mir die Umwandlung des Diconchinins in Conchinin 
noch nicht gelangen, allein Vieles' deutet darauf hin, dass 
beide Alkalose in sehr naher Beziehung zu einander stehen 
müssen, die sich wohl zum Theil aus der folgenden Gleichang 
ergiebt : 

C*0H*«K«O» + H»0 - 2C»''H"B»0» 
DicDnehiuin ConohioiD. 

Das Diconchiniu ist vollständig amorph und scheint aach 
nur amorphe Salze bilden za können. Es flnorescirt in 
schwefelsaurer Lösung wie Chinin oder Conchinin nnd giebt 

) Ghinoidin ist ein CollectiTaimc, welcher tonrog«veiie äaa Oemiidi 
morphan CbinMlkaloids beuiehnet. Lübig «miitUlte die proMnti- 
Iniammenietfang Ton Ghinoidin dei Handels oiid erhielt dkbei Ztli' 
lia gmt luRUig tu der Formel C"'H»*H»0» fährten. Du Dicou- 
enthült Sber 2 Ptoe. C mehi all die tob liebig fOi ChiDoUin 
teilte Fonnel Terlangi 



O. Hasse, Bie Alkaloide der Chinarinden. 319 

ebenao wie diese Alkaloide mit Chlor und überschüssigem 
Ammoniak grüne Färbung. Es lenkt femer die Ebene des 
polarisürten Lichtes nach rechts ab. 

Das Diconchinin ist nicht fähig, beim Erhitzen mit 2 Mol. 
SO' Chinicin zu bilden. 

Cinchonidin C»«H«^N«0, von Henry und De- 
londre 1833 zuerst beobachtet^ dann 1834 wieder aufgege- 
ben, Ton Winckler 1844 abermals entdeckt, von Kemer 
o- Chinidin genannt, krystallisirt aus Alkohol in glänzenden 
PHsmen, bei einer gewissen Verdünnung der Lösung auch 
in matten, weissen Kadeln oder endlich in Blättchen, in allen 
Fällen wasserfrei Vollkommen frei von Chinin oder Conchi- 
nin zeigt es in schwefelsaurer Lösung weder Fluorescenz, 
noch giebt es grüne Färbung mit Chlor und Ammoniak. Es 
lenkt die Ebene des polarisirten Lichtes nach links ab. 

Von den Salzen dieses Alkalo'ids führe ich folgende an: 
Das CUorhydrat 

C»oHt4N«0, CIH + H«0, 
welches grosse monoklinoedrische Doppelpyramiden (sog. Oc- 
taeder) bildet, ind das Sulfat 

2C"H"N»0, SÖ*H« + 6H«0. 

Letzteres scheidet sich aus der heissen, wässerigen 
Lösnng bei deren Erkalten in mehr oder weniger langen, 
glänzenden Kadeln ab, welche beim Trocknen an der Luft 
nicht zusammenschrumpfen. In reinem Chloroform ist das 
Sal£ait nahezu unlöslich ; allein es quillt darin gallertartig au£ 
Wird die Gallertmasse von Chloroform befreit, so krystallisirt 
dann das Salz aus heissem Wasser wieder in glänzenden 
Sadeh. 

Cinchonin, isomer mit Cinchonidin, mithin nach der 
Formel C'^H'^N'O zusammengesetzt, krystallisirt aus star- 
kem, heissen Alkohol in glänzenden, wasserfreien Prismen, 
welche in verdünnter Schwefelsäure gelöst, keine blaue Fluo- 
rescenz der Lösung verursachen. Es lenkt die Ebene des 
polansirten Lichtes nach rechts ab. 

Salzsäure bildet es die Verbindung 
C"H»*N«0, HCl + 2H«0, 



320 0. Hesse, Die AlkaloSde der ChiBarindeii. 

welche in langen B^adeln krystallisiri^ und mit Schwefebänre 
das Salz 

2C«oH"N«0, SO*H» + 2H«0, 
das ans wässeriger Lösung in compacten Prismen anscMeasL 

Cinchonicin C««H"N«0. Wenn die ein&ch schwe- 
felsauren entwässerten Salze vom Cinchonidin oder Cinchonin 
auf etwa 130^ erhitzt werden, eventuell so lange erhitzt, bis 
dass sie schmelzen, so verwandeln sich dieselben ohne Ge- 
wichtsverlust in Ginchonicinsulfat. 

Das Cinchonicin lenkt die Ebene des polarisirten Lidites 
nach rechts ab, ist amorph, bildet aber mit mehreren Säuren 
hübsch krystallisirende Salze. Es findet sich nicht in den 
Chinarinden vor. 

Dicinchonin C"H*8N*0« ist als Bestandtheil des 
amorphen Alkalo'ids oder Chino'idins von solchen 
Binden zu erwarten, welche erhebliche Mengen Cinchonidin 
oder Cinchonin enthalten. Es gelang mir indess noch nicht, 
dasselbe (aus Chino'idin) ganz frei von Diconchinin zu erhal- 
ten, so dass die angeführte Formel durch die Analyse erst 
bestätigt werden muss. 

Homocinchonidin C^®H**N*0, krystallisirt ans 
starkem Alkohol in grossen Prismen, aus verdünntem in Blätt- 
chen. Es lenkt die Ebene des polarisirten Lichtes nach links 
ab und zwar beträgt bei 2 p ^ Substanz in 97 vpc. ^ Alko- 
hol und t = 15 « (a)D « — 109,34 «>. 

Mit Salzsäure bildet es ein in monoklinoedrischen Dop- 
pelpyramiden krystallisirendes Salz 

Ci9H"N«0, HCl -f H«0, 
mit Schwefelsäure das Salz 

2C'»H"N«0, 80*H« + 6H»0. 

Letzteres krystallisirt in zarten Nadeln, so zwar, dass 
die Masse bei einer gewissen Concentration gallertartig 
erscheint, fieim Trocknen an der Luft schrumpft dann die 



1) p. bedeutet die Gewichtsmenge, in Gramm auigedrilokty tob loge- 
nannter aetiyer Sabftani, welche in 100 Co. entlialten ist. 
8) ypo. Abkünnng für Volum -Procent. 



O. Hasse, Die Alkaloide der Chinarindeo. 821 

Masse aiiBserordentlich zusammen und kaim sogar hörn- 
artig werden. Wenn das noch nasse gallertartige Salz einer 
Temperator Ton etwa 30^ ausgesetzt wird, so zerfliesst 
es in dem eingeschlossenen Wasser. Allein bei einer ge- 
wissen Conoentration der Lösung lässt es sich auch in dich- 
ten Massen erhalten, welche bei vorsichtigem Trocknen in 
leichten, der Magnesia ähnlichen Stücken sich darstellen 
lassen. In letzter !Form wird das Homocinchonidinsulfat meist 
ia den Handel gebracht 

In Chloroform quillt das Salz, welches lufttrocken in der 
Regel wasserfrei ist, gallertförmig auf. Wird es dann in 
kochendem Wasser gelöst, so krystallisirt es beim Erkalten 
•ier Lösung wieder in der ihm eigenen Form. ^ 

Der Umstand, dass das Sulfat dieses Alkalo'ids bei einer 
gewissen Concentration seiner Lösung in gallertförmigen 
Massen sich abscheidet, ist offenbar die Ursache gewesen, 
dass Manche es für Aricin gehalten haben. Li der That ist 
das Tor mehr wie dreissig Jahren Yon Winckler aus der 
Cinch. oyata dargestellte Cinchovatin oder Aricin im Wesent- 
lichen nichts anderes als Homocinchonidin. Andererseits ver- 
danken aber auch die meisten Aricinsulfate des Handels ihr 
eigenthümliches Verhalten zu Wasser einer gewissen Bei- 
mengung von Homocinchonidinsulfat. Es hängt dann lediglich 
Ton der Concentration der bezüglichen Lösung ab, ob man 



1) Stoddart (von Sehn^ irrthümlieh Stodelart genannt) hat bekannt- 
Uek aof das Tersehiedene Yerbslten einiger GbinaalkaloSde lu Rhodanka- 
linm eiae Methode rar Unterscheidung derselben gegründet, welche neulich 
Oodflffroy yerfollkommnet hat — Betreffs der Ton Letsterem gegebenen 
Bildet Tom Cinchonidin mag angeführt werden, dass die ersten iwei der- 
tfähtn mth lebhaft an die Bilder erinnern, welche man nnter den gleichen 
Yerhffltnisseu mit Homoeinohonidinsuliiat erhalt. XJebrigens mag angedeu- 
tet Verden, daaa das Besnltat dieser Methode Ton der relativen Menge 
der sof einander wirkenden Massen snm Theil bedingt wird. Wendet 
man beis^elsweiM Chininlosong nnd sehr wenig Bhodankalinm an, so 
«riiflt man Kryitalle wie bei Ginohonidinsalz, bei mehr Bhodankalinm 
wird dagegen eine amorphe Fallong erhalten, die sieh selbst nach vielen 
Stoadta nicht in Xrjstaile nmsetat. 

Ana. d. Phann. ZU. Bds. 4. Heft. 21 



322 0. Hesse, Die Alkaloi'de der Chinarinden. 

Ginchonidinsolfaty Homocinchonidinsnlfat oder ein Gemisch 
von beiden Salzen erhält 

Homocinchonin C^^H^^N'O, isomer mit Homocin- 
chonidin, würde wohl das Ginchonin von Skranp^ sein. 
Wie es den Anschein hat, so findet sich dieses Alkalo'id in 
der Rinde von C. rosulenta vor. 

Homocinchonicin C^^ H** N* 0. Das entwässerte 
einfach schwefelsaure Homocinchonidinsulfat geht beim Schmel- 
zen ohne Gewichtsverlust in Homocinchonicinsulfat über. 
Dieses neue Alkalo'id ist amorph; es bildet mit Oxalsäiire 
die Verbindung 

2Ci*H"N«0, C«H«0* + 4H«0, 
welche dem entsprechenden Ginchonicinsalz im hohen Grade 
ähnlich ist. 

Dihomocinchonin C*®H**N*0^, amorph, begleitet 
das Homocinchonidin und Cinchonidin, Homocinchonin (?) und 
Ginchonin in der Rinde von G. rosulenta. Es lenkt die Ebene 
des polarisirten Lichtes stark nach rechts ab. Mit Samen 
scheint es nur amorphe Salze bilden zu können. 

Man wird annehmen dürfen, dass sich das Dihomocin- 
chonin unter gewissen Umständen ebenfalls im Ghino'idin 
vorfindet. 

. Ghinamin G*»H"N»0«, von mir 1872 in der Rinde 
von G. succirubra von Darjeeling aufgefunden, habe ich 
inzwischen in allen Rinden derselben Species aus Britisch 
Indien und Java, welche von mir untersucht wurden, nach* 
gewiesen. Ausserdem habe ich das Vorkommen dieses Alka- 
lo'ids in vielen südamerikanischen Ghinarinden constatirt, 
nemlich in der Quinquina rouge de Mutis aus Delondre's 
Sammlung, in der Rinde von G. nitida, G. erythrantha, C. 
erythroderma, G. rosulenta, G. Galisaya var. SchuhkraSt und 
G. Galisaya, welche als Fararinde im englischen Handel 
bekannt ist. 

Bei der Darstellung des Ghinamins bietet die Gegen- 
wart der amorphen Alkalo'ide einige Schwierigkeiten dar. 



1) Chem. Gentralbl. 629 (1877). 



O. Heflse, Die AlkaloTde der GhinarindeiL 323 

De Vrij ^ behauptet zwar^ dass letztere Alkaloide durch 
Bhodankalinm beseitigt werden können, weil dieselben mit 
Rhodanwasserstoff im Gegensatze zu dem Ghinamin schwer 
lösliche Salze bilden, allein thatsächlich geht ein nicht unbe- 
trächtlicher Theil Ghinamin in den harzigen Niederschlag 
über, der auf Zusatz von Bhodankaliumlösung zur essigsau- 
ren Lesung des Alkaloidgemisches entsteht, während ande- 
rerseits ein gewisser Theil der amorphen Alkaloide gelöst 
bleibt Fährt man fort, weitere Mengen you ILhodankalium- 
lösirng zuzufügen y so gelangt man endlich dahin, dass nur 
nodi Sporen von Ghinamin, aber noch reichliche Mengen ven 
amorphen Alkaloiden in der Losung sich befinden. 

Wird jedoch in der Weise verfahren, dass man ver- 
döimte Bhodankaliumlösung zur ebenfalls verdünnten essig- 
sauren Losung der fraglichen Alkaloide mischt, bis dass 
letztere Losung, welche anfänglich mehr oder weniger dun- 
kelgelb gefärbt ist, nur noch blassgelb gefärbt erscheint, wird 
diese Lösung hierauf, nachdem sie sich vollständig geklärt 
hat, mit Ammoniak übersättigt und mit Aether ausgeschüttelt^ 
so liefert jetzt der Aetherrückstand, wenn derselbe in ver- 
dünntem heissem Alkohol gelöst wird, beim Erkalten der 
Lösung entweder sogleich oder nach kurzer Zeit das Ghina- 
min krystalliairt, während die noch vorhandenen amorphen 
Alkaloide gelöst bleiben. 

Ich habe früher« für das Ghinamin die Formel G*^H"N«0* 
aaigesteUt, zu welcher auch jetzt ein Theil meiner Analysen 
führte, allein die nächsten Zersetzungsproducte, welche das 
Chinamin liefert, bestimmen mich, die Formel G^*H**N*0* 
dafür in Anwendung zu bringen. Letztere Formel findet 
Zudem in der Formel und dem Verhalten des Gonchinamins 
eine weitere Stütze. 

Conchinamin G**H**N*0*, begleitet das Ghinamin 
in den Binden von G. succirubra und G. rosulenta, vielleicht 
in aQen oheaa. genannten Binden. Es krystallisirt in langen. 



1) FbttiD. J. Trans. (8) 4, 609. 
t) lieUg't Annalea 166, 869. 

21 



324 0. Heise , Die Alkalol'de der Chinarinden. 

glänzenden Prismen, welche schon bei 123^ (Chinamin hi \ 

■ 

172^) schmelzen. Ferner zeigt es bei t » 15® C, p =■ 1,8 
in 97 vpc. Alkohol (0)0 ■= + 200^; es wirkt also fast noch ' 
einmal so stark |inf das polarisirte Licht wie das ChinamiiL 

Im Uebrigen yerhält es sich ganz so wie Chinamin. Es 
wird daher erst in ooncentrirter Lösung dnrch Platinchlorid 
gefällt, giebt mit Goldchlorid einen gelben, bald purpurrotii 
werdenden Niederschlag, mit Jodwasserstoff ein in hübschen 
Prismen krystallisirendes Salz. 

Chinamidin C^*H"N*0*, ein amorphes Alkaloid, 
welches aus dem Chinamin beim längeren Kochen mit Ter- 
dünnter Schwefelsäure entsteht. Es wird aus seiner Auf- 
lösung in Säuren schwierig durch Ammoniak, leicht durch 
Natriumhydroxyd gefallt und löst sich leicht in Aether. Mit 
Salzsäure bildet es ein in Wasser ziemlich schwerlöslidies, 
in Prismen krystallisirendes Salz, das mit Groldchlorid einen 
gelben amorphen Niederschlag giebt, der sich alsbald pur- 
purroth färbt. 

Apochinamin C*®H[*^N*0, isomer mit Homocinchoni- 
din, wird durch Einwirkung von ooncentrirter Salzsäure auf - 
Chinamin und Conchinamin erhalten: 

Ci»H"N«0« — H«0-C»»H"N»0. 

Um dieses Alkaloid zu erhalten, genügt es das China- 
min oder Conchinamin während einiger Minuten mit Salz- 
säure zu kochen. Dagegen scheint es sich aus Chinamidin 
nicht büden zu können. 

Auch bei Anwendung von Bromwasserstoffsäure anstatt 
Salzsäure bildet sich anfangs Apochinamin, welches aber beim 
längeren Kochen in eine andere Substanz übergeführt wird, 
deren Sromhydrat ein unlösliches, ^purpurfarbenes Harz ist, 
das beim Erkalten erstarrt 

Würde das Chinamin nach der Formel C"H"N«0« 
zusammengesetzt sein, so müssten anfänglich der Gleichung 
C"H»«N«0« + BrH - C^«H"N«0 + CH»Br + H»0 
entsprechend 29. 1 Proc. yom angewandten Grewicht des Chi- 
namins an Brommethyl entstehen, während thatsächlich keine 
Spur von Brommethyl beobachtet werden konnte. 



0. HeiM, Die Alkaloide der Chinarinden. 325 

Das ApoGhinamin ist ein weisses, amorphes Pulver, 
leichtlösb'ch in Aether und Alkohol, wie auch in yerdünnter 
Salzsäure. Letztere Lösung giebt mit concentrirter Salz- 
säure, besser noch mit concentrirter Salpetersäure einen 
amorphen Niederschlag. Das Chlorhydrat ist amorph. Des- 
sen Lösung giebt mit Flatinchlorid einen gelben amorphen 
Niederschlag (C»« H" N> 0, HCl)« + PtCl*. Auch mit Gold- 
chlorid entsteht ein gelber, amorpher Niederschlag, allein 
dieser färbt sich nicht Die schöne Reaction, welche das 
Chinamin und Gonchinamin mit Goldchlorid geben, ist also 
bei der bezüglichen Umlagerung und Zersetzung in Apochi- 
namin yerloren gegangen. 

Chinamicin C*®H**N*0*, bildet sich neben etwas 
Chinamidin, wenn (1 Mol.) Chinamin (und wahrscheinlich auch 
Conchinamin) ^ in verdünnter (l Mol. Grew. SO* enthaltender) 
Schwefelsäure gelöst, diese Lösung bei gelinder Wärme ab- 
gedampft und der erhaltene Rückstand bei etwa 100^ aus- 
getrocknet wird. Man erhält fast genau das verlangte 
Gewicht Ci»H**N»0« + SO», H«0. Der Rückstand löst 
sich leicht in kaltem Wasser. Aus dieser Lösung scheidet 
Xatriumbicarbonat das Chinamicin ab, welches durch wieder- 
holtes Lösen in Essigsäure und Fallen mit Bicarbonat von 
etwas anhaftendem Chinamidin getrennt werden kann. 

Das Chinamicin ist ein weisses, amorphes, bei 95 — 102^ 
schmelzendes Pulver, lenkt die Ebene des polarisirten Lichtes 
schwach nach rechts ab, löst sich leicht in verdünnter Salz- 
saure und giebt in dieser Lösung mit Platin - oder Goldchlo- 
ridlösang gelbe Fällung. Bezüglich des Verhaltens zu Gold- 
chlorid ist es dem Apochinamin an die Seite zu stellen. 

Allein das Chlorhydrat des Chinamicins ist ebenfalls, wie 
jenes des Chinamidins, föhig, Erystalle zu bilden. Dessen 
Lösung giebt auf Zusatz von concentrirter Salzsäure oder 
Salpetersäure amorphe Fällungen. 

Das Alkalo'id löst sich leicht in Aether, wodurch es sich 
von dem Protochinamicin unterscheidet, das sich bildet, 

1) Der Temuih mit Copohiyisinin konnte wegen Mangels an Material 
Bodi ncht anigefUirt werden. 



^6 0. Hmh, du Alkmlold« der ChiiitriiidMi. 

wenn der obige Kückstand uiBtstt bei lOO" bei bblierer 
Temperatur, namentlich bei 120 — 130", auBgetrocknet «iid 
Dabei färbt aicb die Masse dnnkelbrans and zeigt einen Yer- 
Inst, welcher mehrere Procent vom angewandten Gewidit 
des Ghinamins betragen kann. Das Protoohinamicinanlbt, 
welches sich tinter diesen Umständen bildet, ist in kalten 
Wasser nahezu nnlöslich. Das ans demselben dnich Na- 
trinmbioarbonat abgeschiedene Alkaloid C"H**N"0» löst 
sich leicht in Eseigsäni^, eine branngeßirbte Lösnng bfldead, 
nnd wird daraus durch Ammoniak oder Natriumbicarbonat in 
hellbraunen, amorphen Flocken gefüillt, die nach dem Trock- 
nen schwarzbraune Uasseo bilden. Mit Flatincblorid liefert 
es ein Salz, das im Aeusseren frisch gefällter HumuBeäiiT« 
gleicht 

Das Protochinamicin ist unlöslich in Aether. 
Es hat den Anschein, als ob der Bildang des Protocbin- 
amicins die Bildung eines Alkalo'ids vorausgehe, welches die- 
selbe Zusammensetzung wie Chinamicin habe, jedoch unlöelich 
in Aether sei. 

Das chemische Verhalten des Protochinamicins erinnert 
uns lebhaft an das bezflgliohe Yerhalten des Paricins. 

Paricin, C>*H"N'0, begleitet das Chinamin in der 
Rinde von C. suocirubra von Darjeeling. Man trennt es 
Ton allen den vorgenannten, natürlich vorkommenden Alks- 
lo^den durch l^atriumbicarbonat, welches das Paricin aus ver- 
dünnter Lösung fallt, die anderen Alkalo'i'de nicht, wenigstens 
nicht für den ersten Augenblick. Die endliche Reinigimg 
bietet jedoch noch besondere Schwierigkeiten dar, die in der 
ausführlichen Mittheilung über diesen Gegenstand näher 
erörtert werden sollen. 

1^B4 Paricin ist ein blasagelbes, amorphes Pulver, das 
tnglich leicht in Aether (und zwar mit gelber Farbe) 
lin im Laufe der Zeit mehr und mehr unlösliob viid. 
s sich verändert, wobei es anscheinend Sauerstoff 
t. Es bildet mit Säuren nnr amorphe Salze und 
roh Goldchlorid schmutzig gelb gefärbt , ohne jedoch 
luotion oder Purpurfärbung zu bewirken. 



^ 



O. Hesse, Die Alkalolde der Cbinarinden. 327 

Das gemeinschaftliche Vorkommen Yon Paricin und Chin- 
amin in der Natur macht es wahrscheinlich, dass beide Alka- 
loide verwandt mit einander sind. Möglich, dass sich in der 
Pflanze erst aus dem Chinamin Frotochinamicin bildet, das 
dann weiter in Paricin übergeht: 

Ci7H«oir«0* + « C*«H*8u»o + CH«0«. 

Protochifiaminin . Paricin. Ameüensäare. 

Paytin, C"H"N«0 + H«0, in der weissen China- 
rinde Yon Payta enthalten, krystallisirt in hübschen Prismen. 
Es giebt mit Goldlösung die gleiche Beaction wie Chinamin, 
Conchinamin und Chinamidin, wird jedoch im Gegensatze zu 
diesen durch Platinchlorid sehr leicht gefallt. Mit wenig 
Natronkalk erhitzt, liefert es, einen in gelben Blättchen kry- 
stallisirenden Körper, das Payton. Das Paytin dreht die 
Ebene des polarisirten Lichtes nach links. 

Paytamin nenne ich heute das amorphe Alkalo'id, wel- 
ches das Paytin in der vorgenannten Binde begleitet. Das- 
selbe löst sich leicht in Aether; es giebt mit Goldchlorid 
Porpurfarbnng und wird durch Platinchlorid gefallt, scheint 
jedoch kein Payton bilden zu können. 

Cusconin, C"H"N«0* + 2H«0, ein in Blättchen 
krystallisirender Bestandtheil einer als Cuscochina bezeichne- 
ten Chinarinde, YonLeverköhn entdeckt, zeichnet sich vor 
aDen Chinaalkalo'iden dadurch aus, dass es mit Schwefelsäure 
eine amorphe gallertartige Abscheidung von (neutralem) Sul- 
fat bildet, das sich auf Zusatz von weiteren Mengen Säure 
Dicht löst. Sein Acetat bildet eine zitternde Grallerte, eine 
Eigenthnmlichkeity welche auch die anderen Salze dieser Base 
mehr oder weniger ausgeprägt zeigen. 

Aricin, C*'H**N*0*, isomer mit Cusconin und Be- 
gldter desselben in genannter Binde, von Pelletier und 
Coriol entdeckt, krystallisirt in weissen glänzenden, bei 
188^ sdmielzenden Prismen, lenkt wie das Cusconin, die 
Ebene des polarisirten Lichtes nach links ab und bildet mit 
Säuren Salze, die sich weniger durch die gallertartige Be- 
scbaffenheity die sie manchmal aufweisen, auszeichnen, als wie 
durch ihre Schwerlöslichkeit. Namentlich zeichnet sich in 



328 0. Hesse, Die AlkaloSde der Chinarinden. 

letzter Beziehung das Bioxalat und Acetat vor allen ähnlichen 
Verbindungen aus. 

Gusconidin, ein AlkaloYd, das die beiden zuletzt 
genannten Alkaloide in der Guscorinde begleitet, ist anschei- 
nend unfähig, für eich oder in Verbindung mit Sauren empfeh 
lenswerthe Formen anzunehmen. Aus einer Auflösung in 
Säuren, die bislang nie farblos zu erhalten war, scheidet es 
sich auf Zusatz von Ammoniak in blassgelben, amorphen 
Flocken ab, welche nach dem Auswaschen mit Wasser dne 
leicht zusammenhängende Masse darstellen. Allein beim 
Trocknen an der Luft wird diese Masse immer dichter und 
schmilzt dann schliesslich zusammen. Die procentische Zu- 
sammensetzung dieser Substanz wurde bis jetzt noch nicht 
ermittelt. 

Die Zahl der Ghinaalkalo'ide ist mit den vorgenannten 
keineswegs als abgeschlossen zu betrachten. loh will heute 
nur bemerken, dass ich aus der Rinde you G. Galisaja Tsr. 
javanica, welche 1875 in Amsterdam zum Verkauf gelang^ 
ein Alkaloid aus den sogenannten „amorphen Basen'* abschei- 
den konnte, welches sich aus Wasser allmählich in rhombi- 
schen Blättchen abscheidet, sich sehr leicht in Aether löst, 
ohne bei dessen Verdampfen wieder zu krystallisiren, nut 
Oxalsäure ein neutrales, in Blättcfaen krystalliaireudes 
Salz bildet und sich endlich in yerdünnter Schwefelsäure mit 
intensiv gelber Farbe löst. Dieses Alkaloid hat von mir 
vorläufig den Namen Javanin erhalten. Ein anderes Alka- 
loid bemerkte ich in junger Galisayarinde aus Bolivien. Das- 
selbe ist flüssig, macht auf Papier Fettflecken und besitst 
einen penetranten, an Ghinolin erinnernden Geruch. Wahr- 
scheinlich ist es flüchtig. 

Die Untersuchung beider Alkaloide ist jedoch kaum über 
den Anfang hinaus gediehen, so dass ich mich auf die weni- 
gen Bemerkungen darüber beschränken muss. Aus dem fast 
gleichen Grunde muss ich heute die Hydrocinchonine ^ und 
die von Zorn durch Einwirkung von hochconcentrirter Salz- 



1) Neues Handwörterbach der Chemie 2, 718. 



N 



0. Hesra, Die Alkaloide der Obinarindcn. 320 

säure auf Ckinm, Conohinin, Ginchomdin und Cinchonin, erhal- 
tenen Alkaloide ganz unberücksichtigt lassen. 



SchlieBslich mag angeführt werden, dass, wenn wir uns 
der obigen Nomenclatur bedienen, wir niemals Gefahr laufen, 
dass wir uns auf dem betreffenden Gebiete nicht verstehen. 
Ber Fall des Missrerstehens ist aber sofort möglich, wenn 
wir uns an den bezüglichen Beschluss des chinologischen 
Congress (Amsterdam 13. April 1877) halten wollen, nach 
welchem die IS^omenclatur yon Fasteur empfohlen wird, da 
nemlich unter Chinidin eine ganze Beihe von Chinaalkalo'iden 
verstanden wird und zu dem die Definition, welche Fasteur 
TOB seinen Cinchonidin gegeben hat, sich auf zwei Alkaloide 
erstreckt Dies hätte man in dem betreffenden Congress 
wohl auseinandersetzen dürfen, ehe man nach zwei dürftigen 
Bemerkungen den bezüglichen Antrag annahm. Es ist nur 
ZQ bedauern, dass JuL Jobst durch einen Besuch, den derselbe 
aoszufuhren hatte, verhindert war, an dieser Sitzung Theil zu 
nehmen, da derselbe in der Lage gewesen wäre, den Antrag 
nach allen Seiten hin zu beleuchten und somit den Congress 
vor einem übereilten Schritt zu bewahren. 

Uebrigens möchte ich mir erlauben anzudeuten, dass 
durch Congressbeschlüsse wohl Yorurtbeile und dergleichen 
ßanctionirt werden können, was von der Qualification der 
Mitglieder der betreffenden Congresse abhängt, dass hinge- 
gen durch derartige Abmachungen der exacten wissen- 
schafUiohen Forschung keine Schranken gesetzt werden 
können. 

Was endlich noch die Behauptung betrifft, welche Schaer 
in dem genannten Congress vorbrachte, dass nemlich die 
meisten Fharmacologen sich in fraglichen Fällen der Nomen- 
clatur Fasteur^a bedienen, so kann ich leider diese Behauptung 
als richtig nur bestätigen, allein ich habe andererseits bis- 
lang die Ho&ung gehabt und habe sie noch, dass sich diese 
Manner dem Fortschritte, welcher auf dem chemischen Ge- 
biete der Chinologie gemacht wird, auf die Dauer nicht wohl 
entziehen können. 



330 0. Hesse, Gode&ireaction. 

Codeinreaetlon. 

Von Demselben. 

In einer früheren Mittheilung^ habe ich gezeigt, dass 
sich das Gode'in bei etwa 20^ farblos in concentrirter Sohwe- 
felaänre löst, wodurch die bezügliche Angabe von Riegel, 
Gnj, T. und H. Smith ihre Bestätigung fand. Hingegen 
wurde angeführt, dass sich unreine Schwefelsäure mit Godein 
mehr oder weniger färbt und namentlich hervorgehoben, dass, 
wenn die Verunreinigung der Schwefelsäure Eisenoxyd sei, 
dann eine blaugefärbte Lösung erhalten werde. Diese 
Beobachtung führte zur Aufstellung eines besonderen Beagens 
für gewisse Opiambasen, nemlich der eisenoxydhaltigen Schwe- 
felsäure. Letztere wurde z. B. in der Weise erhalten, dasa 
man zu reiner Schwefelsäure ganz wenig Eisenchlorid brachte.' 

Die obengenannten Beactionen wurden auch in unsere 
Pharmacopöe aufgenommen. Inzwischen wurden dieselben 
aber, wie ich jetzt erst bemerke, von Calmberg^ für 
ungenau erklärt, sei es dass Calmberg nicht die geeignete 
Schwefelsäure in Anwendung brachte oder aber, dass der- 
selbe die Beactionen nicht mit der Umsicht yomahm, die 
gerade ihre Empfindlichkeit yerlangt 

Man weiss, dass sich die meisten, wenn nicht alle, Opium- 
alkaloide bei der Berührung mit concentrirter Schwefelsäure 
mehr oder weniger verändern. Es hängt diese Yeranderong 
von den auf einander wirkenden Massen, von der Temperatur 
und von der Zeit ab. j 

Das Code'in macht nun hievon keine Ausnahme: Ver- j 
fahren wir in der Art, dass wir einen ganzen Erystall Ton 
Gode'in in die concentrirte Schwefelsäure bringen, so hängt \ 
das Besultat zunächst von der Grösse des Krystalls ab; je 
mehr Zeit verstreicht, bis sich der Erystall gelöst hat, desto 
unsicherer wird das schliessliche Besultat sein. Dies ist 



1) Berichte der deutschen chemischen Geielliohaft 4, 697. 

2) Annalen der Chemie und Pharmacie. 8. SappL 266. 
8) Archiv f. Pharmacie (8) 6, 25. 



/. Jobst, Zur KenntniM der gerbsaarea Yerbindungen d. Chinins. 331 

der Grund, wesehalb ich ein feingepnlyertes , vorher im Ex- 
siccator getrocknetes Codein anwende. Von diesem tibergiesse 
ich 2 — 3 Hillig. in einem reinen Probirglase mit 1 — 1,5 C. C. 
reiner Schwefelsäure. Hierbei erfolgt die Auflösung sogleich 
and wird eine farblose Lösung erhalten. 

In ähnlicher Weise yerfahre ich mit der eisenoxydhal- 
tigen Säure. 



Zur Eenntnlss der gorbsauren Yerblndungeii des 

Chinins. 

Ton Julias Job st in Stattgart. 

Die 80 verschiedenen Angaben der Lehrbücher und Fhar- 
macopöen, die oft unmöglich niedrigen Preise der im Handel 
vorkommenden Tannate des Chinins liessen mir schon lange 
eine eingehende Untersuchung dieser Körper als wünschens- 
werth erscheinen. 

Dieselbe erstreckte sich auf: 

L Chinin tannic. sogenanntes neutrale meiner Firma, 
n. - - nach der Vorschrift der deutschen Phar- 

macopöe gleichfalls von meiner Firma dargestellt, 

HL auf das sogenannte geschmacklose Chinin -Tannat, eine 
ausländische Specialität, 
rV. auf ein Chinin tannic. des Handels, 
V. - - - - - - anderer Provenienz, 

YL auf ein Chinin -Tannat mit höherem Gerbsäure -Gehalt, 
Ton mir bereitet (s. unten), 
Vn. auf ein Chinin -Tannat do. 

No. L besteht aus grauweissen Brocken von bitterem 
Geschmack, das Präparat ist durch Fällung einer neutralen 
Lösung von salzsaurem Chinin mit einer Solution von gerb- 
saarem Ammoniak dargestellt worden. 

'So. n. besteht aus hellgelben Brocken von bitterem 
Geschmack, ist nach der bekannten Vorschrift der deutschen 
Pharmacopöe, 1 TU. Chinin -Sulfat auf 3 Thl. Tannin, erzeugt. 



332 J. Jobat, Zur Eenntnisa der gerbsauren Verbindangen d. Chinins. 

No. in. ein braan^lbes Palyer ohne bitteren Gesdunack, 
Darstellung unbekannt, 

No. lY. ein hellgelbes bitter schmeckendes Pulver, Dar- 
stellung unbekannt, 

No. V. graue Brocken von stark bitterem Gresdunack, 
Darstellung unbekannt^ 

No, VL ein gelblich weisses Pulver von schwach bitte- 
rem Geschmack, aus 4 Thln. Tannin auf 1 Thl. Ghininsulfat 
in angesäuerter IJDSung dargestellt, 

No. VII. ein gelblich weisses Pulver von kaum bitterem 
Geschmack, aus 5 Thln. Tannin auf 1 Thl. Ghininsulfat in 
angesäuerter Lösung erhalten. 

Es wurde nun zunächst der Wassergehalt der verschie- 
denen Präparate durch längeres Erhitzen bei 120^ bestimmt 
und gefunden: 

No. I. im Mittel mehrerer Bestimmungen 7,2 % Wasser. 

No. IL - - - - 9,7 - 

No. III. - - - - 9,1 - - 

No. IV. - . - - 9,8 - - 

No. V. - - - - 10,2 - 

No. VI. - - - - 10,7 - 

No. Vn. . - - - 11,4 - - 

Damach bestehen im Wassergehalt der verschiedenen 
Präparate keine nennenswerthe Unterschiede. 

Ziemliche Schwierigkeiten macht die Bestinmiung des 
Chinins in den gerbsauren Verbindungen, da letztere zumeist 
sehr schwer vollständig zu zersetzen sind. Es brauchte lange 
Zeit und viele Versuche, um zu übereinstimmenden Besulta- 
ten zu gelangen. 

Es wurden die nachstehenden Methoden combinirt und 
versucht, nemlich: 

1) Zersetzung des Tannates mit Anunoniak und Aufiiahme 
des Ghinins in Aether. 

2) Vermengen des Tannates mit frisch gefälltem Blei- 
oxydhydrat und Extraction der eingetrockneten Masse mit 
Alkohol. 



J. Jobtt, Zur Kenntnim der gerbiauren Verbindongen d. Chinins. 333 

3) Fällimg der alkohoL Lösung des Chinin -Tannates mit 
alkohoL Bleizncker- Lösung, Verdampfen des Alkohols und 
Entbleiung der Piüssigkeit, hernach Fällung des Chinins mit 
Anmumiak. 

4) Schwefelsaures Bleioxyd in bas. weinsaur. Ammoniak 
gelöst Mit dieser Lösung wurde das Tannat längere Zeit 
in Berührung gelassen und das nun vollständig freigemachte 
Alkalo'id der Masse mittelst Aether entzogen. 

5) Das Chinin -Tannat wird mit frisch bereitetem Kalk- 
hrei tüchtig umgerührt , die Masse alsdann auf dem Wasser- 
bade eingetrocknet und mit Chloroform extrahirt. 

Bei 1) war die Zersetzung immer unvollständig und 
wurden deeshalb stets zu niedrige Ziffern für Chinin gefunden; 
bei 2) und 3) wurden sehr unangenehm gefärbte Flüs- 
sigkeiten erhalten. 

No. 4. giebt ausgezeichnetes Resultat, ist aber immerhin 
etwas umständlich. 

No. 5 hat sich in jeder Weise am besten empfohlen. 

Es ergaben nun meine Analysen: 
für No. L im Mittel 31,37 7o Chinin, 
- - n. - - 22,72 - 

- nL Dieses erwies sich als kein reines Chinin - 
Tannat, sondern als ein Gremenge von 

4,46*/« Chinin, 7,33 Cinchonidin, 11,97 Conchinin. 
No. lY. wurde nicht als reines Chinin befunden, sondern 
als ein Gemenge von 

4,93 7o Chinin, 13,10 Cinchonidin, 2,43 Conchinin, 3,35 
Cinchonin oonstatirt 

Ho. y. erwies sidi ebenfalls als ein Gremenge von 
6,23% Chinin, 20,80 Cinchonidin mit Spuren von Con- 
chinin und Cinchonin. 

No. VL enthielt im Mittel 10,00 \ Chinin. 
No. Vn. - - - 7,40- 
Fassen wir nun zunächst die reinen Tannate No. L II. 
VL und VIL ins Auge, so entspricht, wenn ich für die Grerb- 
saure die Formel C^^H^^O^ annehme, das neutrale Tannat 
ziemlich genau der Formel 



334 J. Jobst, Zar Kexmtniss der gerbiauren Yerbindangen d. Chinina. 

welche 314& Chinin und 6,92 Wasser verlangt. 

Für No. n., das Chinin- Tannat, nach der deatscben 
Fharmacopöe, ergiebt sich die Zusammensetzung 

C"H"N«0«, 3C**Hi»0» + 8H«0, 
welche verlangt 22,59 Chinin und 10,04 Wasser. 

Ifach diesen Erfahrungen war anzunehmen, dass entge- 
gen den früheren Angaben Chinin und Gerbsäure nur wenige 
bestimmt charakterisirte Verbindungen ergeben. TJm nnn 
hierüber Klarheit zu erlangen, habe ich die Präparate No. YI. 
und VU. mit höherem Gerbsäure -Grehalt dargestellt nnd 
analysirt. Dieselben beweisen, dass Gerbsäure und Chinin 
Salze von ganz verschiedener Zusammensetzung ergeben, 80 
zwar, dass mit erhöhtem Zusatz von Gerbsäure tanninreichere 
Verbindungen, jedoch nicht im Yerhältniss der mehr ange- 
wandten Säure entstehen. Diese Salze haben um so weniger 
bittem Geschmack, je mehr sie Tannin enthalteiL 

Ich fasse nun die Itesultate meiner Untersuchungen zu 
folgenden Schlüssen zusammen: 

Chinin und Gerbsäure gehen Verbindungen der verschie- 
denartigsten Zusammensetzung ein; um daher gleichmassige 
Präparate zu erhalten, müssen stets dieselben Mengen Ton 
Tannin und Chininsulfat angewandt werden. 

Der gegenwärtig beliebten Tendenz, geschmacklose Chi- 
nintannate zu erzielen, ist nicht zu huldigen, da die nicht 
bitter schmeckenden Verbindungen entschieden Chinin ärmer 
sind. Ich schliesse mich in diesem Falle der Ansicht Sioe- 
der's (BunzL Pharm. Zeitung von 1877. No. 97) an, welcher 
gegenüber der von Haaxmann (Archiv der Pharmade 9 B. 
6 S.) empfohlenen, längere ZiOit fortgesetzten Auswaschung 
der Chinin -Tannate mit heissem Wasser — wodurch ein 
geschmackloses Chinin - Tannat entstehen soll — bemerkt^ 
dass bei dieser Operation lediglich Chinin -arme Verbindungen 
resultiren. 

Endlich ist bei dem häufigen Vorkommen unreiner Chi- 
nin -Tannate im pharmaceutisohen Verkehr nöthig, dieselhen 
sowohl auf den Gesammt-Alkaloid- Gehalt, als auch auf die 



C. Jelm, Zur BntteraiiterBiicliaDg nach Hehner. 335 

Qualität der yorhandenen Alkaloide jederzeit leicht prüfen zu 
können nnd empfehle ich dafür die nachstehende sehr ein- 
Hache Methode, welche iiir die Praxis genau genug ist, im 
Noth&U jedoch mit der bekannten systematischen Trennung 
der China -Alkaloide unschwer combinirt werden kann: 

1 g. Chinin -Tannat wird gepulvert und mit frisch dar- 
g<esteDtem Kalkbrei tüchtig umgerührt, endlich auf dem Was- 
eerbad eingetrocknet. Das so erhaltene Pulver wird hierauf 
mit Chloroform extrahirt und der chloroformische Auszug in 
einem gewogenen Bechergläschen verdunstet. Der erhaltene 
Bäckstand bei 120® getrocknet giebt die Summe der im 
Tannate enthaltenen Alkaloide an. Um nun zu sehen, ob 
nur Chinin vorhanden war, wie dies bei jedem reinen Tan- 
nat der Fall sein soll, wird der Inhalt des Secherglases 
in wenig Wasser nebst einigen Tropfen verdünnter Schwe- 
felsäore gelöst, nöthigenfalls filtrirt, alsdann 3 — 4 cc. Aether 
nebst überachüssigem Ammoniak zugegossen und umge- 
schüitelt 

Die in zwei Schichten getrennte Plüssigkeit wird klar 
sein und bleiben, wenn nur Chinin vorhanden war, andern- 
&ll8 wird je nach der Menge und Art der betheiligten Al- 
kaloide früher oder später eine Ausscheidung erfolgen. Diese 
kann abfiltrirt, mit Aether nachgewaschen und gewogen wer- 
den. Eigentlich aber ist letztere Procedur unnöthig, da ein 
Tannat, welches die obengenannte Aether -Probe nicht hält, 
schon an nnd für sich zu verwerfen ist 



Zar Buttemntersuchiuig nach Helmer. 

Ton Br. Carl Jehn in OeMke. 

Bekanntlich beruht die Hehner'sche Butteruntersuchung 
darauf dass das reine Butterfett bedeutend weniger wasserun- 
löslicher Fettsäuren enthält als alle anderen Fette, die etwa 
zur YerfiOschung der Butter dienen könnten. 

Und zwar soll nach Hehner das Butterfett 86,5 — 87,5 
resp. 88^/0 Fettsäuren enthalten, und nimmt Hehner den 



336 C. Jebn» Zur Batterantenuchaiig nach Hehner. 

letzten Prooentsatz als den höchst möglichen an, während 
alle anderen von ihm untersuchten Fette durchschnittlich 
95,5 % lieferten. Gregen die Festsetzung der Grenzzahl Ton 
88 7o m&chte sich aber bald eine Opposition yerschiedener 
Chemiker, z. B. Hager und J. Bell, bemerkbar, die eine höhere 
G-renzzahl verlangten. Ihnen schliesst sich (Ber. ehem. Ges. 
X, 2091) Max Eretzschmar an, der im Laboratorium der 
Versuchsstation Bonn Buttersorten analysirt, die beziehungs- 
weise 89,34, 89,45, 89,57 und 89,20% Fettsäuren enthiel- 
ten. Eretzschmar fordert desshalb die Grenzzahl 90%. 

Da mir in meinem kleinen Landstädtchen, wo fast jeder 
seinen Butterbedarf selbst .bereitet, bequem Gelegenheit 
geboten war, eine Anzahl unzweifelhaft reiner Butter- 
sorten bekommen zu können, hielt ich es nicht für uninter- 
essant, die Frocentfrage durch analytische Belege mit ent- 
scheiden helfen zu können. 

Ich habe 10 Buttersorten untersucht, die sämmtlioh firisch 
bereitet waren und in jeder Hinsicht den Ansprüchen genüg- 
ten, die man an eine gute Tafelbutter stellen muss. Zur 
Bestimmung der Fettsäuren wurden je 5 g. reines Butterfett 
verwandt, mit 2 g. EOH und 50 G.G. Alkohol verseift, aof 
dem Wasserbade zur Yerjagung des Alkohols eingedampft, 
mit 100 G. G. H' wieder aufgenonmien und die Fettsaaren 
durch 10 G.G. HGl abgeschieden. 

In den mit x bezeichneten Bestimmungen wurden nach 
Vorschlag von 0. Dietzsch in Zürich die abgeachiedenen 
Fettsäuren mit 5 g. weissem Wachs verschmolzen, in den 
anderen für sich gewogen. 

5 gr. Butterfett gaben: 

Wasseranlosliohe Fetteänxen. 

No. 1. 4,380 g. « 87,6%. 

X No. 2. 4,451 - « 89,0 - 

xNo. 3. 4,360 - = 87,2 - 

X No. 4. 4,490 - — 89,8 - 

No. 5. 4,340 - -. 86,8 - 

X No. 6. 4,375 - — 87,5 - 

No. 7. 4,310 - - 86,2 - 



C. A. MfiUary lieber einige Apparate und Utensilien. 337 

WassemnlÖBliche Fettsäuren. 
X No. 8 a 4,450 g. = 89,0 %. 

No. 8 b 4,440 - « 88,8 - 

X No. 9 4,330 - — 86,6 - 

X No. 10 4,350 - ^ 87,0 - 

Es be&nden sich unter diesen Bnttersorten demnach 3, 
die 89 — 90 ^Jq wasseranlöslicher Fettsäuren enthielten. Ich 
glaube demnach, dass der EretzBchmar'sche Vorschlag, 90% 
als Grenzzahl festzusetzen , nicht unberechtigt ist. Sollten 
die Schwankungen im Gehalte der Butter an den yersohiede- 
nen Fettsäuren nicht etwa von der yerschiedenen Fütterung 
herrühren? 



Naehsehrlft Ton E. Belehardt. 

Bei dem kargen Materiale, was bis jetzt noch vorliegt, 
sind alle diese Hittheilungen sehr daukenswerth. Seit der 
Yon mir zuletzt gegebenen Yeröifentlichung sind in meinem 
Laboratorium noch yerschiedene Butterproben untersucht wor- 
den, jedocli schwankten die festen Fettsäuren nur zwischen 
86 bis 87 Proc. Auffallend ist bei den Untersuchungen von 
JehUy dass die höheren Zahlen namentlich bei den mit 
Wachs yersetzten Proben auftreten. 

Bei den früher yeröffentlichten Untersuchungen anderer 
Fette war bei altem Palmöl ein niedi^ger Gehalt an Fett- 
säuren gefunden worden, neue Prüfungen yon möglichst M- 
echem Palmöl erwiesen nunmehr auch 95,4 und 95,5 Proc. 
feste Fettsäuren. 

Einmal wurden in einer Butterprobe nicht weniger als 
12 Proc. Eäse gefunden. 



Heber einige Apparate und Utensilien. 

Von C. A. Maller, Apotheker in Sangerluuisen. 

Ueber mehrere während meines 25jährigen Apotheken- 
besitzes yon mir für mein Geschäft eingerichtete Apparate 
und Utensilien lässt sich die Regierung zu Merseburg in 

Arch. d. Pbanii. XIL Bds. 4. Heft. 22 



338 G. A. Müller, üeber einige Apparate and ütentüien. 

einem KeTisionsbescheide in folgender Weise aus: „Die 
abgehaltene Visitation hat bewiesen , dass Sie bemüht sind 
(nicht nar sonst bewährte Yerbesserangen einzuführen, son- 
dern auch) mit vielem Glücke neue und wichtige Fortschritte 
in der Technik selbst zu erfinden und ins Leben einzufüh- 
ren.'^ Auch erfreuten mich vielseitig die Herren Collegen mit 
einem sehr günstigen Urtheile über diese Apparate und Uten- 
silien, nachdem ich ihnen auf ihren Wunsch davon hatte 
anfertigen lassen. N'ach diesen Vorgängen hoffe ich mit der 
nachfolgenden Beschreibung noch manchem anderen Herrn 
Oollegen einen Dienst zu erweisen. 

Siebvorrichtung. 
Fignr I, senkrechter DnxehBchnitt. 

FigiiT I. Biese besteht ' aus 4 

nach unten ein wenig enger 
zulaufenden Reifen von 
schwachem unverzinntem 
Eisenbleche, das mit einem 
indifferenten Lacke über- 
zogen ist. Die Höhe der 
Keifen beträgt 8 Gtm., der 
obere weitere Durchmesser 
30 Gtm. und der untere 
um so viel weniger, dass bei dem Einsetzen eines in den 
anderen der oberen £eif bis zur Hälfte in den unteren fiült. 
Der oberste a ist durch eine Decke und der unterste d dorcb 
einen Boden von gleichem Material geschlossen, und büden 
somit Deckel und Boden des Siebes. Selbstverständlich köD- 
nen die Dimensionen nach Bedürfniss verhältnissmässig grösser 
und kleiner angefertigt werden. Zur Vermeidung eines Ab- 
satzes an der seitlichen Verbindung der Beifen werden sie 
je aus einem Streifen Eisenblech gefertigt, dessen Enden auf 
der hohen Kante zusammen gefügt und mit Schlagloth ver- 
löthet werden. 

Beim Grebrauche wird der obere offene Beif b mit der 
weiten Oef&iung auf einen Tisch gelegt, ein quadratfönni^« 




C. A. Kfiller, Ueb«r einige Apparate und ütennilieiL 339 

Stück Siebgaze toh 40 Ctm. DurchmegBer flach darüber 
gebreitet, die überstehenden Theile der Gaze gleichförmig 
herab gedrückt^ und der untere offene Keif c übergestülpt. 
Gebraacht man die Yorsioht, bei diesem Ueberstülpen nach 
dem loseren Auflegen, aber Tor dem festen Aufdrücken des 
Reifes e die zwischen beiden Beifen hervorstehenden Falten 
der Gaze erforderlichen Falls gleichmässig zu zupfen, so 
erscheint die waagerechte freie Gaze Tollständig glatt und 
straC Znr Schonuog der Gaze ist es von grossem Yor- 
theile, den unteren engeren Band des Beifs h, auf den sie 
zu liegen kommt, etwa Vs C^^- ^^^ innen umbiegen zu 
lassen, so dass der umgebogene Band wagerecht steht. Bo- 
den und Deckel werden wie bei anderen Sieben gehand- 
habt nur mit dem Unterschiede, dass der Deckel nach in- 
nen fallt 

Wie aus dem Gesagten ersichtlich, kann das Sieb mit 
Leichtigkeit und dem geringsten Zeitaufwande zusammen- 
gesetzt werden. Noch schneller geschieht das Zerlegen in 
die einzelnen Theile. Dieser Umstand, so wie die glatte 
Oberfläche der Beifen und die Isolirung der Gaze lässt ein 
fichneiles und Tollständiges Beinigen jedes Theils leicht zu, 
was bekanntlich bei den Spahnsieben wegen der Winkel am 
Zasammenstoss der Gaze mit dem Holze, der Absätze und 
der Holznäthe an der Wandung mit Umständen, Schwierig- 
keiten nnd grösserem Zicitaufwande verbunden ist. Ebenso 
ist ein Umwechseln der Gaze erforderlichen Falls schnell 
ausgeführt Da jede Gaze Ton der verschiedensten Weite 
des Gewebes eingespannt werden kann, so ist zu sänuntlichen 
zn palvemden Stoffen mit Ausnahme der giftigen und stark 
riechenden nur eine solche Vorrichtung erforderlich. Da- 
durch wird die grosse Ansammlung von Sieben zu den ver- 
schiedenen Zwecken besonders bezüglich der Feinheit der 
Poker vermieden, also Baum beim Aufbewahren und beson- 
ders Kostenaufwand bei der Einrichtung erspart. 

Die Gazestücke werden zweckmässig in einer Mappe 
aufbewahrt, und bleiben so bei weitem besser wie bei ande- 
ren Sieben vor Staub geschützt. 

22* 



340 



C. A. Müller, Ueber einige Appante und Utensilien. 



Wird statt der Gaze leinener oder sonst geeigneter 
Stoff eingespannt y so kann diese Vorrichtang auch vortheil- 
hafb zum Auswaschen von Schwefel und zu ähnlichen Zweckes 
verwendet werden« 

Apparat zur Entwickelung yon Schwefelwasserstoff. 

Figur IL 



Fignr U. 






»7« 




CL 



Als Entwickelungpsgefäss ge- 
nügt jede Eheinweinflasche ron 
hellem Glase. Doch ist eine 
Flasche yon gleicher Form, aber 
mit flachem Boden und von 
weissem oder gutem halbweissen 
Glase Torzuziehen. Wesentlidi 
ist die langgestreckte Eegelge- 
stalt des Halses. In diese Flascbe 
wird eine 1 Ctm. weite Glasröhre 
eingestellt 9 und zwar Ton der 
Länge y dass das untere Ende 
auf dem Boden der Flasche steht, 
das obere dagegen 10 Ctm. aas 
der OefEnung hinausreicht. Diese 
wird yermittelst eines an einer 
Seite von oben bis unten aufge- 
schlitzten Korkreifs c in dem 
Flaschenhalse befestigt. Die Her- 
stellung desselben geschieht leicht 
durch Abschalen eines Korites 
von entsprechender Grösse. Der 
Keif muss eine solche Weite ha- 
ben, dass an der aufgeschlitzten 
Stelle eine kleine Oefihung zwi- 
schen der Röhre und der inneres 
Flaschenwandung zur Conmiuni- 
cation der äusseren Luft mit der 
in der Flasche befindlichen bleibt 
Durch die untere Oefihung der 
Itöhre wird 3 bis 4 Ctm. tief ein 



C. A. Müller, ücber einige Apparate und Utensilien. 341 

Id der IGtte darchbohrter Kork b geschoben, darunter locker 
liegende Baumwolle d und auf die Oeffnung selbst ein an 
den Seiten der Länge nach mehrmals eingekerbter Kork a 
gesteckt. Durch diese Einrichtung wird die Gommunication 
der Flüssigkeit in der Röhre mit der ausserhalb derselben 
ia der Flasche befindlichen zur Genüge hergestellt , zugleich 
aber Terhindert, dass abgelöste Tbeilchen des Schwefeleisens 
das dem inneren Raum der Röhre auf den Boden der Flasche 
fallen. Der Theil der Röhre oberhalb der Flaschenöf&iung 
wird zur Vermeidung des XJeberspritzens der Säure eben- 
falls mit Baumwolle e locker gefüllt. Mittelst eines durch- 
lochten Stopfens von Kork oder Gummi wird die IT -förmig 
gebogene engere Glasröhre f aufgesetzt, und diese durch den 
Gummischlauch g mit der Glasröhre h verbunden. Als Hahn 
dient nach bekannter Weise der Gummischlauch mit Einfiih- 
rong eines entsprechend starken , an beiden Enden abgerun- 
deten Stückchen Glasstab. 

Behofs Füllung des Apparates wird in die weitere 
Röhre durch die obere Oeffnung nach Entfernung des Auf- 
satzes und der oberen Baumwollenlage eine genügende Menge 
Schwefeleisen gegeben, die Röhre aus der Flasche gehoben, 
und in die letztere die erforderliche Menge verdünnter Schwe- 
feleänie gegossen. Nachdem nunmehr der Apparat wieder 
zugammengesetzt, muss die Flasche bei Entleerung der wei- 
teren Bohre von der Säure soviel von der letzteren enthal- 
ten, dass die Oberfläche 3 bis 4 Gtm. von der Flaschen- 
öfirang absteht. Schliesslich wird die Säure durch Auf- 
g:ie88en von einer ungefähr 1 Ctm. hohen Schicht Terpenthinöl 
gedeckt 

Der Gang der Entwickelung ergiebt sich von selbst. 
Ein solcher Apparat ist, wie aus der Beschreibung erhellt, 
sehr billig herzustellen und entspricht allen Anforderungen 
vollständig. Zur Herstellung eines kurzen Stromes Schwe- 
felwasserstoff genügt ein seitlicher Druck mit Daumen und 
Zeigefinger auf den Theil des Gummischlauchs, der das Glas- 
^tabchen umgiebt. Einen beständigen Strom erreicht man 
durch Entfernung des Glasstäbchens aus dem Gummischlauche. 



■"■l" 



342 G. A. lIGUor, üebex einige Apparate und Utensilien. 

Die Deckung mit dem TerpenUunöle Terhindert die Yer- 
flüchtigang des in der verdünnten Säure gelösten Schwefel- 
Wasserstoffs y so dass jeder Geruch danach vermieden wiid, 
sobald der Apparat ausser Thätigkeit ist^ und die Aufbewah* 
rung in jedem Lokale ohne Belästigung stattfinden kaut 
Eine Deckung mit einem fetten Oele thut dieselben Dienste. 
Doch ziehe ich das Terpenthinöl der Reinlichkeit und der 
Leichtflüssigkeit halber vor. Die Anfangs erwähnte Eonn 
des Flaschenhalses ist desshalb erforderlich, weil bei kaner 
oder plötzlicher Verengerung desselben die Höhe und Breite 
der Oelschicht während des Steigens und Sinkens der Säare 
sehr verschiedene Dimensionen erhalten würden, und in Folge 
dessen leicht eine theilweise Blosslegung der Säure eintre- 
ten könnte. 

Golirtrichter. 
Figur ni, senkrechter Durcbsclmitt. 

Dieser dient zum Goliren von Syrupen und anderen Flüs- 
sigkeiten als Mucil. Gummi arab. u. d. m. Ein aus Zinn 
gefertigter Trichter von 13 bis 15 Ctm. oberem und 6 bis 
7 Gtm. unterem Oeffnungsdurchmesser, ist an der unteren 
OeShung mit einem 1 Gtm. langen cylindrischen Ansatz ve^ 
sehen, der in einen etwas nach aussen gebogenen Sand 
endet. Ueber diesen Ansatz wird ein Stückchen Golirtuch a 
gestülpt und dieses durch Ueberspannen mit einem starken 
Gummiringe b auf dem Ansätze befestigt. 

Figur III. 




G. A. KüUar, Ueber dnige Apparate und Utensilien. 343 

&0 zugerichtet wird der Trichter in die OefiEanng einer 
Kmke gehangt, deren Inhalt der Menge des zu oolirenden 
Syrops oder sonstigen Flüssigkeit entspricht. Die Grösse 
and Grestalt der Krake kann sehr verschieden gewählt wer- 
den, da nur erforderlich, dass der Trichter mit der äusseren 
Wandung auf dem Oeffnungsrand der Eruke aufliegt. 

Das Coliren geschieht selbstverständlich durch Aufgiessen 
auf den Trichter. Dieser bleibt bis zur vollständigen Abküh- 
long des Syrups auf der Eruke. Dadurch wird jede Ter- 
anroinigang darch Fliegen und Staub vermieden, was be- 
kanntlich bei anderen Colirmethoden sehr lästig ist. 

Wegen des kleinen Maasses des Colirtuches wird an 
diesem Stoffe gespart, und der nach dem Coliren am Tuche 
haftende Syrup beträgt höchstens den 10. Theil von dem, 
der auf gleiche Weise beim Coliren durch ein grosses Cola- 
torium auf einem Tenakel verloren geht. Dieser Verlust 
wird meist hier unterschätzt. Man kann sich aber durch 
Wägen des Colatoriums vor und nach dem Coliren leicht 
überzeugen, dass Hundert -Grammweise daran haften bleibt. 
Das Coliren auf einem Tenakel halte ich überhaupt für 
unzweckmässig, theils, weil durch das Aufstechen auf die 
Nägel die Colatorien sehr leiden, und in Folge dessen bald 
anbrauchbar werden, theils, weil sich ein Tenakel sehr schlecht 
reinigen lässt. Ich habe desshalb, bevor ich die Colirtrichter 
einfahrte, stets Filtrirschaalen mit Einlage eines Colirtuches 
dazu benutzt. 

Zum Coliren von Salben und Ceraten habe ich einen 
gleichen Trichter von Kupfer anfertigen lassen, der für diese 
Präparate dieselben Yortheile gewährt. 

Dampfleitungsrohr zur Destillirblase. 

Fignxiy, genkreühter DnrohBclmitt. 

Bei den zinnernen Dampfdestillirblasen, die in den sie 
mit Dampf speisenden Kessel eingesetzt werden, hat man 
häafig mit der Dichtigkeit des Verschlusses für die Dampf- 
lohrlatung zu kämpfen, die meisthin ausserhalb der Blase 



844 



C. A. MQllar, üeber «inige Apparate und ütannliaiL 



bis sai den oberen Theil derselben, and von hier ionerhaäb bia 
zur Nähe des Bodens geht loh habe es mir desehsib zw 
Aufgabe gemacht, eine BTeokmaesigere Verbindung heizn- 
stellen, die dorch folgende Einrif^tang ToUetändig erreit^t 
wird. 

Figur IV. 



-■p ^l 
\ 



1 der Hitte durchbohrten Boden der Blase 
"merhalb mit einem Sobranbeogewinde rar 
: a befestigt. In dasselbe -wird das sn 
ine Bohr bb geBchroben. Einen dichten 
Tbeile erhält man leicht durch Zwisdien- 
ringes dd. An dem äusseren Bande der 
nng sind 3 Stäbe cc befesUgt, und m 
d, derBeif^«^. Ueber das Ganze wird die 
rfönnig auslaufende und oben geBchloaseoe 



C. A. Kfiller, üeber einige Apparate und Utensilien. 345 

Röhre eeee gestülpt. Am uBteren Ende ist diese mit eiDigen 
Füssen fff versehen, die durch Ausschneiden des Trichter- 
randes nnd Umbiegen hergestellt werden, und bedingen, dass 
der letztere von dem Boden der Blase, so wie die Decke 
der äusseren weiteren Bohre von der oberen Oeffnung der 
inneren Röhre entsprechend entfernt absteht. Zu dem glei- 
chen Zwecke für den gleichmässigen Spielraum zwischen den 
Wandungen beider Bohren dient der schon erwähnte Beif gg. 

Die in der Zeichnung angegebenen Pfeile zeigen den 
Laof des im Kessel erzeugten Dampfes durch die Böhren- 
leitung in die Blase. 

Soli die Blase zu anderen Zwecken benutzt werden, bei 
denen beabsichtigt wird, den Inhalt derselben nur durch Er- 
wärmung des Blasenbodens und Wandung mit dem Kessel- 
dampf auf höhere Temperatur zu bringen, so wird statt der 
Böhrenvorrichtung der Knopf h auf den Böhransatz a im 
Blasenboden gescbroben, und in gleicher Wei»e der Yer- 
schloss dnrch einen Gummiring dicht gemacht. 

Die Wahl des Metalls zur Anfertigung der Bohren rich- 
tet sich nach der Beschaffenheit des Inhalts und dem Zwecke 
beim Gebrauche der Blase. Sie können ebenso gut von Zinn 
wie von Kupfer hergestellt werden. 

Sobald die Bohren entsprechend weit eingerichtet sind, 
geht das Durchstreichen des Dampfes leicht und schnell von 
Statten. Das Einsetzen der Böbren geschieht leicht und 
ohne jegliche Umstände, jedes Hindemiss wegen der exacten 
Stellung beim Zusammensetzen, wie bei anderen Methoden, 
wird Termieden, und die Anfertigung der Bohren ist mit 
verfaaltnissmässig wenig Unkosten verbunden. 

Colirapparat. 

Fi^or y, Benkrechter Dorobschnitt des dazn gehörigen Stempels. 

Schliesslich komme ich noch auf diesen Apparat zurück, 
von dem ich bereits im Jahrgange 1862 des Archivs CIX, 
33 eine Beschreibimg gegeben. Dr. Herrmann Hager sah 
idch in Folge dessen veranlasst, in die Fharmac. Central- 
halle No. 42. Jahrg. 1862 ebenfalls eine Beschreibung auf- 



346 



G. A. Maller, üeber einige Apparate und ütensiliea. 



Figur V. 




zunehmen, und läset sich in folgender Weise darüber aus. 
,, Neuerdings hat Apotheker Müller in Sangerhausen im ArcL 
d. Pharmac. eine Colirvorrichtung mitgetheilt, die alle Beach- 
tung verdient. Sie ist von der Art, dass damit die Operation 
des Colirens vor den Augen des Publikums jeder Zeit aas- 
geführt werden kann'S ^^ sofern nemlich jede Unappetitlich- 
keit dabei vermieden wird. Der Apparat besteht aus einer 
Infandirbüchse, in der der Inhalt gleich nach dem Infandiren 
oder Kochen mittelst eines Stempels colirt wird. 

Nachträglich habe ich an dem Stempel noch eine zweck- 
mässige Aenderung dahin getroffen, dass statt des früher 
jedes Mal umzulegenden Gummiringes ein wagerecht ste- 
hender aa ein für alle Mal durch Anschrauben befestigt wird 
Erst, wenn mit der Länge der Zeit der Gummiring unbrauch- 
bar geworden, ist ein Abschrauben erforderlich, um ihn durch 
einen neuen zu ersetzen. Ein anderer Yortheil liegt darin, 
dass das Einfuhren des Stempels leichter und schneller von 
Statten geht. In höchstens einer halben Minute ist die ganze 
Arbeit des Colirens vollendet. 



tiüdoogtw. r. Sänreanhydriden. — Meth. d. Substit. d. Chlor u. Brom etc. 347 



B. Monatsbericht 



Eine neue Blldungswelse Ton Säureanhydrlden 

fand K. Anschütz. Die Anhydride einbasischer Säuren 
werden bekanntlich leicht durch Einwirkung eines Säure- 
chlorids auf ein Salz der Säure oder durch Einwirkung von 
Fbosphoroxychlorid auf die Salze erhalten. Die Anhydride 
zweibasischer Säuren entstehen unter Anwendung wasser- 
entziehender Agentien wie F^O^ Verfasser schlägt nun die 
Anwendung des Acetylchlorids vor. Er erhielt bei folgenden 
Säoren fast quantitativ die betreffenden Anhydride. 

1) Bemsteinsäure. Beim Kochen mit C* H^ Od löst sie 
sich auf; ist fast alles C*H'0C1 und der grösste Theil der 
gebildeten Essigsäure während der Reaction verdampft, so 
er>tarrt die ganze Masse nach dem Erkalten. Die erhaltenen 
Erystalle von Bemsteinsäureanhydrid wurden mit absolutem 
Alkohol ausgewaschen und durch Umsublimiren rein erhalten. 
Die Beaction verläuft nach folgender Gleichung: 

( H« . COOH CH« . CO 

' +C«H»0C1« I ^O + C^H^O^-t-HCl. 

CH^.COOH CH«.CO^ 

2) Phtalsäure. TJebergiesst man trockene Fhtalsäure mit 
C*H'OCl und erwärmt gelinde bis zur völligen Lösung, so 
kryatalLsirt beim Erkalten Phtalsäureanhydrid in wohlaus- 
gebildeten Prismen, die durch Abwaschen mit absolutem 
Alkohol vom überschüssigen C*H*0C1 befreit wurden. 

3) Trockene Diphensäure mit Acetylchlorid zusammen- 
gebracht, geht schon in der Kälte nach einigen Stunden, sehr 
rasch beim Erwärmen in Diphensäureanhydrid über. (Ber. 
d~ d. ehem. Ges. X, 325,) C, J. 



Neue Methode der Sabstitutlon dnreh Chlor und 
Brom in organischen Yerbindnngen. 

Damoiaeau benutzt die Eigenschaft poröser Körper, 
durch Oberflachenanziehung begünstigend auf die chemische 



348 AetharifieatiaD änrefa Oiktanre. 

Verflinignng vieler Stoffe zu wirken, um Chlor und Brom ia 
organische Ätomcomplexe einzuführen. Er bedient sich ali 
porösen Körpers der dorch Glühen von Blut mit koblensuirem 
Kali erhaltenen Thierkohle und hat gelunden, dass die sämmt- 
lichen Halogensubstitutioneproducte der Kohlenwasserstoffe 
mit Leichtigkeit gewonnen werden können, indem man Ge- 
mische Ton Kohlenwasserstoff mit dem betreffenden Halogen 
durch eine erhitzte Röhre leitet, in der sich Ton der uf 
oben genannte Weise präparirten Thierkohle befindet. Geht 
man dircct von dem Kohlenwasserstoff aas, so ist die ILeao- 
tiou in anangenehmer Weise energisch; viel ruhiger and 
schöner verläuft der Substitution sprocees, wenn man vorlGnSg 
die monoHubstituirte Verbindung herstellt und dann diese mit 
weiterem Halogengas durch die heisae Kohre leitet. {Jaunul 
de Pharmacie et de Chimie. pag. 403 — 405. IV. Serie. 
Tom. 25.) Dr. E. H. 



V 



Aetheriflcatlon dareh OxalsSare. 

Cahonrs und Semarcay haben beobachtet, das« bd 
der Destillation von Oxalsäure mit einem einatomigen Alko- 
hol and Schwefelsäure nicht nur oxalsaarer Aelber, Bonden 
auch ameisensaurer Aethcr gebildet wird. 

£a erklärt sich die Entstehung dieser beiden Äether- 
arten durch das intermediäre Zustandekommen einer äthjl- 
eabstituirten Oxalsäure, der Oxalweinsänre C'H(C*H')Of 
die sich entweder mit einem Molecnl Alkohol umsetzt nicb 
der Formel: 

C'H(C'H^)0 * + C«H«0 = H»0 + C*(C'H^)'0': 

OialweiDBiure. Oxsltinnfitlur. 

oder direct spaltet in Kohlensänre und den ameisenstareD 
Aether 

C'H(C'H')0* - CO« + CH(C'H')0'. 

OulweiDiinr«. Ansinai. AathjUthar. 

Sie haben dabei gefnndeii, dass die Menge des Aeäijl- 
formiats zunimmt, wenn die angewandte Oxaleänremenge 
grösser wird. 

Die primären Alkohole der zweiten Familie t. B. <1^ 
Allylalkohol verhaltea sich ganz analog, sie geben bei der 
Destillation mit Oxalsäure Gemenge von Allylfonniat nifl 
Alljloxalat, wobei wieder das Formiat zunimmt, wenn mehr 
Oxalsäure zur Anwendung kommt. 



Emwirknng d. Flaorbori aaf organ.^ sauerstoffh. SubBtanzen etc. 349 

Auch die secimdären Alkohole zeigen gegen die Oxal- 
säure dasselbe Verhalten, so entsteht z. B. durch Destillation 
Ton Isopropylalkohol mit Oxalsäure ein Gemenge von Iso- 
propyl- Oxalat und -Formiat. 

Destillirt man dagegen ein Gemenge von normalem 
Propjlalkohol und Isopropylalkohol mit Oxals., so beobachtet 
man, dass das Destillat der Hauptmasse nach nur Aether 
des normalen Alkohols enthalt und dass nur Spuren von Iso- 
propyläther vorhanden sind. Zersetzt man diesen Aether 
wieder mit Alkali, so erhalt man reinen normalen Propyl- 
alkohol und es ist dies eine sehr brauchbare Methode, um 
ans Gemengen der beiden Alkohole den Propylalkohol zu 
iaeliren, was ausserdem nur durch fractionirte Destillation 
and zwar nicht ganz ToUständig möglich ist. {Joum, de Pharm, 
d de Ckmie. IV. S6rie. Tome 25. pag. 245—251.) 

Dr. E. S. 



Eburirkmig des Flnorbors auf organische, sauerstoff- 
haltige Sabstanzen und Kohlenwasserstoffe. 

Fr. Landolph studirte die Einwirkung von BFP auf 
organische, sauerstoffhaltige Substanzen, die unter dem Ein- 
flasse der gewöhnlichen wasserentziehenden Mittel leicht 
Wasser yerlieren. 

1) Campher. Wird durch zerkleinerten und erwärmten 
Campher BFl^ geleitet, so erhält man eine krystallinische 
unter 200® schmelzende Masse, die bei der Destillation das 
abftorbirte Gas Tollständig verliert und wieder in reinen Cam- 
pher übergeht. Erhitzt man aber die Masse in zugeschmol- 
zenen Röhren 24 Stunden lang auf 250®, so erhält man neben 
einer bedeutenden Menge von Borsäure als Hauptproduct der 
Einwirkung: Cymol. 

2) Senzaldehyd yereinigt sich direct mit BEI' zu einer 
gut krystallisirten Verbindung, die an der Luft sich sogleich 
unter Ausstossen weisser, saurer Dämpfe in Benzaldehyd 
und die Zersetzungsproducte des Fluorbors bei Gegenwart 
^on Wasser umsetzt. 

3) Chloral verwandelt sich unter dem Einflüsse des Fluor- 
bore in kürzester Zeit in Metachloral; Eisessig liefert etwas 
Euigsaureanhydrid. Auf Bernsteinsäure ist BFP ohne 
Wirkung. 

4) Aethylen verbindet sich mit BFl' zu einer bei 126^ 
siedenden Flüssigkeit, die an der Luft sogleich unter Aus- 



350 Pbosphorescirende organisolie Körper. — Hydroeelloloie. 

BtoBsung weisser y stark sauer reagirender Nebel ndt Zurück- 
lassung von etwas Borsäure und Verbreitung eines intensi- 
ven Geruchs nach Aethylen verdampft. (Ber. d, d. ckem. 
Ges. X, 1312.) a J. 

Phosphorescirende organische KOrper. 

Im Anschluss an eine frühere Mittheilung über das 
Leuchten des Lophins beim Auflösen in Kalilösung theilt 
Br. Radziszewski mit, dass es eine grosse Anzahl orga- 
nischer Körper giebt, die unter jenen Bedingungen leuchten, 
z. B. Paraldehyd (C« H*0)» Metaldehyd (C«H* 0)n, Aldehyd- 
ammoniak C*H*0, H'N u. s. w. Verfasser untersuchte, ob 
auch Formaldehyd und Grlucose unter gleichzeitiger Einwir- 
kung von Kalihydrat und Sauerstoff leuchten. Beim Schüt- 
teln und Erwärmen des Formaldehyds mit alkoholischer 
Kalilösung liess sich jedesmal eine ganz deutliche Phospho- 
rescenz wahrnehmen, und die Bildung von ameisensaurem 
Kali nachweisen. Dies Verhalten des Formaldehyds ist 
sehr beachtenswerth, weil, wie E. Duchemin in einer Abhand- 
lung über das Leuchten der Noctiluca milicris angiebt, diese 
Thierchen auf zarter Hand eine ähnliche Erscheinung hervor- 
bringen, wie die Brennnesseln. Man könnte also vermuthen, 
dass diese Thierchen ebenso wie Ameisen, Bombyxarten etc. 
Ameisensäure ausscheiden. Der Unterschied würde jedoch 
darin bestehen, dass die Drüsen der Koctiluca nicht direct 
CH*0* ausscheiden, sondern vorerst CH*0, der weiter durch 
den Sauerstoff der Luft zu GH'O^ oxydirt wird, und dieser 
stetig vor sich gehende Oxydationsprocess würde sich als 
Leuchten documentiren. Diese Ansicht bedarf natürlich noch 
der experimentellen Bestätigung. 

Unter analogen Verhältnissen leuchtet auch der Traa- 
benzucker, nur ist das Licht ziemlich schwach. Es lässt sich 
am besten wahrnehmen beim Durchleiten eines Sauerstoff- 
stfomes durch eine heisse alkoholische Lösung von Trauben- 
zucker und Kalihydrat. (Ber. d, deutsch, ehern, Ges. Xy 32t) 

a / 



HydroceUnlose. 

Aimä Grirard hat gefunden, dass die Veränderung, 
welche die Cellulose durch Einwirkung von Säuren erleidet, 
eine Folge der Entstehung einer neuen nicht organisirten, 



M«loiieiisiidL6r. — Saoohariflcatioii der Stärkmehlkörper. 351 

sehr zerreiblicheii Substanz ist. Wird Baumwolle einige Zeit 
der Einwirkung einer Schwefelsäare von 45® B in der Kälte 
ausgeaetsi, so entsteht dieser Körper, welcher ausgewaschen 
and getrocknet schon beim Beiben zwischen den Fingern in 
ein weisses schneeige^ Pulver zerfallt. Die Bereitung des 
Pergamentpapieres beruht auf einer oberflächlichen Yerwand- 
long der Papierfaser in diesen Stoff, welcher nach der For- 
mel C^'H^^O^^ zusammengesetzt und daher als Hydrooellu- 
lose zu betrachten ist. Beim Erwärmen auf 50® während 
mehrerer Tage nimmt sie Sauerstoff auf, wird gelblich und 
^bt an Wasser dann einen Körper ab, welcher Fehling'sche 
Kapferlösnng reducirt. (Journal de Phartnacie ei de Chimie. 
L S&ie. Tome XXIIL pag. lU. F6vr. 1876.) Dr. G. V. 



Melonenzacker« 

In Califonuen hat sich eine Gesellschaft gebildet, um 
Zucker fiibrikmässig aus Melonen herzustellen. Im Hinblick 
auf den viel leichteren Anbau der Pflanze und die viel weni- 
ger umständliche Beinigung des Saftes gegenüber der Zucker- 
rübe hofft man wenigstens in solchen Gegenden sehr günstige 
finanzielle Ergebnisse zu erreichen, in denen der Werth des 
Areals nicht in Betracht kommt. Das letztere wird natürlich 
bei der Melonencultnr pro Centner fertigen Zuckers ein Tiel 
grösseres sein müssen, als bei Zuckerrüben. {T?ie ChemM 
(wrf Bmggüi. Jan. 16, 1877. pag. 27.) Dr. G. F. 



Saeeharifieaüoii der StSrkmehlkSrper. 

üeber den Gang der Umwandlung von Stärkmehl in 
Zucker auf nassem Wege existiren zwei Anschauungsweisen. 
Nach der ersten und älteren geht die Stärke zunächst in 
Dextrin, dieses dann durch Wasseraufiiahme in Glucose über, 
wahrend nach der zweiten sich das Stärkmehl unter Was- 
seraufiiahme direct in Dextrin und Glucose spaltet nach der 
Gleichung 

Hiernach müssten aber stets mindestens 25 % des yer- 
anderten Stärkmehls Glucose geworden sein, während der 
Versuch nur 14 ^/o solcher neben 86 ^/q Dextrin nachweist, 
folglich ist die erste und ältere Annahme die richtige. 



352 Malspraparate. 

Dazu kommt nach Bondonneau, dass bei der ümwasd- 
lang des Amylums durch die alhnsöilige Einwirkung Ter- 
dünnter Säuren der Reihe nach drei yerschiedene Arten Ton 
Dextrin entstehen: a- Dextrin , mit Jod roth werdend, durdi 
Alkohol fällbar und identisch mit dem durch Rösten des 
Stärkmehls entstehenden; /9- Dextrin , mit Jod sich nicht fär- 
bend, durch Alkohol fallbar und identisch mit dem durch die 
Wirkung der Diastase gewonnenen; }^- Dextrin, in Alkohol 
löslich und von der Glucose dadurch unterscheidbar, dass es 
Kupferlösung nicht reducirt. (Journal de Pkarmacie et de 
Ckimie. 4. S6r. Tom. XXIIL fog. 34. Janv. 1876.) 

Dr. G. V. 



Hebet HalzprSparate 

schreibt RioL Mattison: 

Seit einigen Jahren verwenden die Aerzte eine Klasse 
von Präparaten, welche die Zucker- und Eiweissbestaod- 
theüe der gemalzten Gerste enthalten, und eine Anzahl dieser 
Präparate dient als leicht tonische Nahrung bei dyspeptifichen 
und anderen Magenleiden. 

Am bekanntesten ist wohl „Hoff*s Malzextraot^, das 
seinen Namen unmotiyirt führt, da es ein Malzbier ist, nur 
weniger Alkohol und mehr Zucker enthaltend als andere 
Malzbiere. Da es aber noch Alkohol genug enthält, so kann 
es nicht „Malzextracf sein, da eine beträchtliche Quantität 
seines Zuckers durch die Gährung zu Alkohol geworden ist. 

Die nährenden Bestandtheile eines wirklichen und gutes 
Malzextracts bestehen in seinem Gehalte an Malzzocker, 
Diastase u. s. w., welche der menschliche Organismus assiau- 
liren kann, und um den ganzen Gehalt an diesen Bestand- 
theilen zu erhalten, müssen Tier Regeln beobachtet werden: 

1) Die Gerste muss durchaus und sorgfaltig gemalzt sein, 
damit sich möglichst viel Diastase bildet und damit dadurch 
beim Maischen alle Stärke in Zucker verwandelt wird. 

Stärke + Wasser. Zucker. Dextrin. 

2) Das gemahlene Malz muss sorgfaltig gemaischt wer- 
den mit nöthiger Berücksichtigung der Temperatur, damii 
mit möglichst wenig Wasser möglichst viel Zucker extra- 
hirt wird. 



Ueber aiiii^ FarbenregelmisBigkeiten u. FarbenneohieL 353 

3) Das Extract musB bei gelinder Wanne eingedampft 
werden, damit die empfindlichen Beatandtheile desselben nicht 
Terkohlen. 

4) Alle bei der Barstellung benutzten Gefässe müssen 
peinlicfa rein gebalten sein. 

Im Gerstenmalz findet sich eine Substanz, die dem ani- 
malischen Ptyalin und Pancreatin entspricht und die Kraft hat, 
Siarke ebenso in Zucker zu verwandeln, wie das im Magen 
abgesonderte Pepsin Eiweisskörper in Pepton verwandelt. 
Dies ist die Diastase, die sich beim Keimen oder Malzen 
bildet; eine kleine Menge derselben kann eine fast unbegrenzte 
Menge Stärke in Zucker verwandeln. 

Daraus geht hervor, wie sehr ein wirkliches und 
gutes Malzextract die Yerdauung befördern muss und gleich- 
sam als künstlicher Speichel dient. 

Für den Apotheker empfiehlt es sich, das Malz in guter 
Qualität vom Brauer zu kaufen. Die Darstellung des Ex- 
tracts aus dem grobgemahlenen Malz geschieht mit Wasser 
Ton 75 bis 77^ C. in einem wannen Räume, so dass die 
Temperatur der Maischung während drei bis Tier Stunden 
nicht unter 65^ C. fallt Das Weitere ergiebt die Praxis und 
ist bekannt 

Das Reinigen aller zur Bereitung des Malzextracts die 
nenden GeSsse soll mindestens einmal wöchentlich mit ver- 
dünnter Aetzkali- oder Aetznatronlauge geschehen. 

Malzextract mit Eisen ist leicht darzustellen, indem man 
eine zuckerhaltige Lösung von Ferr. phosphoric. dem Extract 
zusetzt in dem Yerhältniss von 24,36 Centig. auf einen Ess- 
löffel voll. 

Malzextract mit Pepsin ist ein werthvolles Präparat, da 
es zu gleicher Zeit auf Stärke und Eiweiss wirkt. 

Malzextract mit Leberthran bildet eine vollkommene 
Emulsion mit doppeltem Nährwerth der gewöhnlichen Leber- 
thran -Emulsionen und hat ausserdem einen angenehmen 
Gesdimack. {American Journal of Pharm. Vol. XLVllL 
I. Ser. Vol. VI 1876. pag. 531 seq). B. 



üeber einige FarbenregelmSsslgkelten nni Farben- 
wechsel. 

Das Gesetz Houston's, dass gewisse Substanzen unter 
Einfluss von Wärme ihre Farbe nach der Reihenfolge der 

Arch« d. Pbftrm. XII. Bdi. 4. Heft. 23 



354 Geber einig« F*tb«iireg8liiuigs:gkeiten n. FarbenwsobML 

Spectrumfarben yerändern, glaubt Walz weiter aosdebnen in 
können, indem er sagt, diese ReiheDfolge wird bei einer 
grosfien Anzahl von Reactionen wahrgenommen, in welchen 
der Farbenwecheel dorch chemische Action veranlasst wurde. 

Walz geht auf die Farbenreactionen und Farbenwechsel 
der Alkaloide zurück und führt als besonderes Beispiel die 
Farbenreaction der conc SO' auf Albumin an. Diese Reac- 
tion fangt mit Grün au, geht in Gelb über, durchläuft seine 
verschiedenen Sättignugsslnfen, bis Orange, geht dann iu Roth 
über, ans welcher die Farbenscala Terschiedener Schattinm- 
gen bis zum Dunkelkirachroth folgen und endet mit Dunkel- 
violett. 

Die Farbenreihe wäre also, grün, gelb, orange, roth und 
violett oder auch purpurroth, wie diese letzte Farbe bezeich- 
net wird. 

Alz weiteres Beispiel der Farbenwechsel and zwar in 
umgekehrter Reihenfolge des Spectmmfi, durch chemische 
Actiou hervorgerufen, giebt Vert die Keaction der Vanadin- 
saure au. 

Wird die dunkelrotbe Lösung der Yanadinsäure, welche 
mit kochender SO' bewirkt und mit seiner 50 fachen Meng« 
"Wasser verdünnt wurde, gelinde mit Zink erwürmt, so geht 
die Vanadineäure nach und nach unter Blaufärbung in Tetra- 
oxyd, unter GrüufUrbung in Trioxyd und suletzt unter Vio- 
ietlfärbung iu Dioxyd über. Die Erscheinung, wamm bltu 
vor grün kommt, welche in anderen Reihen auch vorkonimt, 
wird Verf. noch zu beleuchten suchen. 

Die allotropischen Zustände des P geben einen inter- 
essanten Fall des Farben wechsele. Er tritt in der Reiben- 
folge des Spectrums und mit zunehmender Dichtigkeit auf. 
Phosphor. 
Weiss Dunkelroth Orangeroth Violettgrau 
rew. 

"C. 1,856. 2,148. 2,19. 2,293. 

ahe verwandte Stoffe wie Chlor, Brom und Jod geben 
esiv fortschreitende Farben in der Reibenfolge des 

Chlor Brom Jod 

Grünlichgelb. Roth. Violett. 

benso die Lösangen anderer nahestehender Stoffe, wie 

und Tellur. 

ie Metallverbindungen der Halogene, die Sulfide ooi 
verschiedener Uetalle, die Oxyde und Chloride ein 



Gechlorte Baumwolle eto. — KaUumxanthogenat als ConserTirungsm. 855 

nßd desselben Elementes und viele Metallealze lassen alle 
eine Regelmassigkeit des Farbenwechsels erkennen, so dass 
Verf. durch weitere Versuche zu beweisen glaubt, dass: 
wenn eine Reihe yon Farbenwechsel durch chemische 
Action nachgemacht ist, die Farben nach und nach in 
der Reihenfolge des Spectrums erscheinen; dass, wie im 
Phosphor, die Farbe einer Substanz mit seiner chemischen 
Beschaffenheit wechselt, der Farbenwechsel in der Reihen- 
folge des Spectrums progressiv fortschreitet mit dem Wech- 
sel phjsikal. Eigenschaften, wie Dichtigkeit, spec. Vol. etc., 
und dass in einer Reihe geförbter Verbindungen von ana- 
loger oder ähnlicher atomischer Beschaffenheit die Farben 
in der Reihenfolge des Spectrums folgen. 
{The americm Chemist. No. 76. Oäöber 1876. p. 125.) 



Gechlorte Baumwolle zur Bereitung der Sehless- 

liaumwoUe. 

Die unvollständige Lösung der Schiessbaumwolle in 
Aether- Alkohol ist nach M e n i e r e naicht allein auf den Was- 
sergehalt der angewandten Säuren, auf den Zeitraum ihrer 
Einwirkung auf die Baumwolle, sondern zuweilen auf den 
Chlorgehalt der codirten gebleichten Baumwolle zurückzu- 
führen. 

Stark gechlorte Baumwolle taugt zur Bereitung nichts. 
Die Fabrikanten legen die codirte gebleichte Baumwolle in 
gewöhnliches Wasser, waschen sie aus, bringen sie in 
ein 2^-Cblorbad und trocknen sie endlich aus. Die Fasern 
müssen lang, zart und weiss sein, weder Geruch noch Ge- 
schmack nach Chlor haben und an destillirtes Wasser nichts 
abgeben. (Repertoire de Pkarmacie. No. 22. Novenibre 
1876. p. 681.) Bl. 



EaUumxaiitliogenat als Conservlrungsmltfel. 

Kach B. Zoll er wird die Wirksamkeit des Ealiumxan- 
thogenats als Conservirungsmittel von keinem anderen über- 
troffen« Pflanzensäfte klärten sich durch einen kleinen Znsatz 
des Xanthogenats Tollkommen, und trotzdem sie 8 Monate 
iheils verschlossen, theils unverschlossen aufbewahrt wurden, 
blieben sie ohne alle Schimmelbildung und .Zersetzung. An- 

23* 



356 Blelchlorid als Desixifectioiism. — Eisen u. Qaecki. als SchutsmitMctc. 

fangs October mit Kaliumxanthogenat versetzter Traubenmost 
besass im Januar noch den Wohlgeschmack und die Süsse 
des frischen und konnte in erheblichen Quantitäten ohne 
jegliche Beschwerde genossen werden. Yerfasser zweifelt 
nicht, dass das Kaliumxanthogenat wegen seiner Billigkeit, 
leichten Anwendung und Unschädlichkeit sich allgemein ein- 
bürgern wird. (Ber, d. deutsch, ehem. Ge», X, 52.) C. J, 



Bleiohlorid als Besinfeetionsmittel. 

Man löst 1,827 g. salpetersaures Bleioxyd in einem hal- 
ben Liter siedenden Wassers und giesst diese Lösung in ein 
Grefass mit Wasser, in welchem 7,308 g. Kochsalz gelöst 
sind. Nach Beendigung der Beaction ist die oben schwim- 
mende klare Flüssigkeit eine geruchlose, gesättigte I^ösnng 
von Bleichlorid. Schüttet man diese Lösung von Zeit zu 
Zeit in die Senkgruben, so verschwindet der unangenehme 
Geruch bald. Das Kimmwasser eines Schiffes wurde Töliig 
desinficirt durch Hineinschütten einer Lösung von 14,616 g. 
salpetersaures Bleioxyd in siedendem Wasser, da das Knun- 
wasser das nöthige Kochsalz schon an und für sich enthielt 
Mit dieser Lösung befeuchtete und in Krankenzinmiem auf- 
gehängte Tücher sollen die Lufb angenehm und gesund 
erhalten. {Scient. Amer, — American. Journal of Fkarmacy, 
Vol. XL VIU. 4. Ser. Vol. VL 1876. pag. 367.) B. 



Elsen und Qneeksllber als Schntzmlttel ron 
Getreide etc. gegen Wnmiftrass. 

Massie hat gefunden, dass sich Gerste, Reis, Kleie^ 
so wie Mutterkorn und spanische Fliegen dadurch vor der 
Zerstörung durch Milben etc. schützen lassen, dass man eine 
eiserne Stange hinein stellt. Giesst man zugleich etwas 
Quecksilber in die Gefasse, so ist die Fräsenrirung noch 
YoUständiger. {The JPharmac. Joum. and Transaet. Tkvi 
Ser. No. 319. Aug. 1876. p. 117.) Wp. 



ijnread. d. Yanadiamf etc. ^ Ueber d. Milch d. farbigen Frau. 357 

Amrendiing des Yanadlums zar Bereitung des 

InlUnsehwarz. 

Die Terschiedenen Yanadiumsalze besitzen bekanntlich 
die Eigenschaft, salzsanres Anilin, wenn es mit chlorsaurem 
Kali gemischt ist, in Anilinschwarz überzuführen. 

Kach Hommey werden wollene noch besser baum- 
wollene Stoffe schön und acht schwarz gefärbt, wenn sie in 
ein Bad, welches folgende Zusammensetzung hat, getaucht 
werden: 

Wasser 10 Grallonen. 
Salzsaures Anilin 8 Pfund. 

Chlorsaures Kali 4 

Salzsäure ^2 

Yanadinsaur. Ammoniak 70 Gran. 

In diesem Bade bleiben die Stoffe nicht länger als 20 
bis 30 liinuten, werden dann ausgerungen und in eine warme 
Stube gebracht. Den anderen Tag werden sie durch eine 
Lösung Ton Kaliumbichromat gezogen, wodurch die anfanglich 
grünliche Farbe in glänzend Schwarz übergeht. {The ame- 
rican Okemist. No. 74. August 1876. p. 60.) Bl. 



Heber die Hlleh der farbigen Frau 

in Vergleich zu der der weissen hielt Henri A. Molt in der 
Newyork academy of sciences einen Vortrag, dem Folgendes 
entnommen sei. 

Die Qualität der Milch hängt nach dem Verf. ab von 
dem Alter der Frau, von der Anzahl Kinder, von dem Alter 
des letzten Sundes, von der Farbe der Frau, blond oder 
brünett, Ton der Zeit, wie lange das Kind gestillt und von 
weldier Brust die Milch genommen wurde; femer ob Men- 
i^truation oder bereits andere umstände wieder eingetreten 
sind, ob die Frau einen starken oder schwachen Körper, ob 
sie reichliche oder spärliche Nahrung und endlich, ob die 
Frau heftige Gemüthserregungen gehabt hat 

Alle diese umstände kommen bei den Milchanalysen in 
Betracht, so dass folgende Veränderung in der Zusammen- 
setzung der Milch der farbigen Frau allein von dem Alter 
derselben abhängig gemacht werden konnte. 



358 



üeber d. Hilch d. farbigen Frau. 



Bestand- 

tfaeile der 

Milch. 


Frau 16 J. alt. 
Sehr schwarz. 

spec. Gew. 
1,020 bei löoC. 

Vollkommen 
neutral. 


Frau 16 J. alt. 
Sehr schwarz.' 
sp. Gew. 1,020 

bei 15« C. 

Vollkommen 

neutral. 


Frau 18 J. alt. 

Mittelmässig 

schwarz, spec. 

Gew. 1,0249 

bei 15« 0. 
Leicht alka- 
lisch. 


Frau SO J. alt. 
Sehr schwan. 

spec. Gew. 

1,0214 bei 
15« C. 

Alkaliseh. 


Wasser 
Feste Be- 
standtheile 


84,99 
15,01 


84,89 
15,11 


84,46 
15,54 


88,25 
11,75 




100,00 


100,00 


100,00 


100,00 


Fett 
Gaseüi 
Milchzucker 
unorgani- 
sche Salze 


5,12 
3,59 
5,89 

0,41 


5,15 
3,66 
5,88 

0,42 


4,05 
3,15 
5,65 

0,69 


2,54 
2,79 
6,11 

0,31 




15,01 


15,11 


13,54 


11,75 



Hiemach nehmen die festen Bestandtheile der Milch mit 
dem Alter der farbigen Frau ab. Nach der Analyse Ton 
Yernois and Becqnerel findet dasselbe fast in demselben Ter- 
hältniss mit dem Alter der weissen Fran statt. 

Unterschied der Milch von der rechten und linken Brust 
zweier farbigen Frauen. 



Bestand- 
theile der 
Milch 


Frau23 J. alt; 

spec. Gew. 
1,020 bei 1 50c. 

Nicht sehr 
dunkel; neu- 
tral. ' 
Rechte Brust. 


Frau 23 J. alt; 

spec. Gew. 
1,025 bei 150c. 
Kicht sehr 
dunkel; neu- 
tral. 
Linke Brust. 


Frau 22 J. alt; 

spec. Gew. 
1,0212 b.l5«C. 
schwarz; neu- 
tral. 
Rechte Brust. 


Fran 22 J. alt; 

spec. Gew. 
1,020 beil5«C. 

schwars; 
schwach alkaL 

Tiinke Brost 


Wasser 
Feste Be- 
standtheile 


86,25 
13,75 


87,90 
12,10 


84,52 
15,48 


85,44 
14,56 




100,00 


100,00 


100,00 


100,00 


Fett 
Casei'D 
Milchzucker 
Unorgani- 
sche Salze 


4,02 
3,35 
5,78 

0,60 


2,67 
3,29 
5,54 

0,60 


5,51 
4,20 
4,92 

0,85 


4,59 
4,11 

0,85 




13,75 


12,10 


15,48 


14,56 



Die Analyse des Colostrums von farbigen Frauen, ver- 
glichen mit derjenigen des Colostrums von weissen Frauen 
weicht nicht viel ab und ist selbst unter dem Mikroskop kein 
Unterschied wahrzunehmen. 



üeber d. Milch d. farbigen Frau. 



359 



Die ZoBammensetzung des Colostrums von farbiger Frau 
wurde folgendermaassen gefunden: 



Bestaadtheile 
der MUch. 


Frau 18 J. alt 
Brh. 85 Stun- 
den nach der 
Geburt. Massig 
dunkel ; speo. 

Oew. 1,02 
(1500.) 

Alkalisch. 


Frau SO J. alt. 
£rh. 36 Stun- 
den nach dem 
Milchkomm. 
Sehr schwarz; 
sp. Gew. 1,022 
(1500.) 
Alkalisch. 


Frau 26 J. alt 
Erhalt. 6 Tage 
nach der Ge- 
burt Dunkel; 

spec. Gew. 
1,0258(1500.) 

Alkalisch. 


Wasser 

Feste Bestandtheile 


85,01 
14,99 


87,45 
12,55 


86,18 
13,82 




100,00 


100,00 


100,00 


Fett 

Casein n. Albumin 

Milebzacker 

Ünorgamsche Salse 


4,81 
4,10 
6,05 
0,53 


3,26 
4,30 
4,51 
0,48 


. 8,98 
4,13 

5,09 
0,62 




14,99 


12,55 


13,82 



Die eigentliclie Milchabsonderung bei den schwarzen 
Frauen tritt ungefähr den 7. oder 8. Tag ein, und wurden nur 
in einem Falle, nach dem 8. Tage körnige Eörperchcn in der 
)Iilch gefunden. Die Farbe der Uilch war meistens anstatt 
Rchwachbläulich weiss, gelblich weiss, sodass sie mehr wie 
Kuhmilch aussah. 

Die Yeränderungen der Milch ein und derselben Frau 
Ton der Geburt an gaben folgende Analysen an: 



Bestandtheile. 


Frau 18 J. alt. 

35 Stunden 
nach der Ge- 
burt genomm. 
Massig dunkel; 

spec. Gew. 
1,021 b. 1500. 

Alkalisch. 


Frau 18 J. alt 
9 Tage nach 
der Geburt er- 
halten. Massig 
dunkel; spec. 
Gew. 1,221 
(1500.) 
Alkali scK 


Frau 18 Jralt 
16 Tage nach 
der Geburt er- 
halten. Massig 
dunkel ; spec. 
Gew. 1,0222 
(1500.) 
Alkalisch. 


Wasser 

Fette Bestandtheile 


85,01 
14,99 


86,45 
13,55 


86,46 
13,54 




100,00 


100,00 


100,00 


Fett 

Casein 

Albumin 

Milchzucker 

üoorgaolsehe Salze 


4,31 

} 4,10 

6,05 
0,53 


4,07 

3,02 

5,78 
0,68 


4,05 

8,15 

5,65 
0,69 




14,99 


13,55 


13,54 



aeo 



Buchenholxtheerkreoiot. 



Eine Yergleichung zwischen der Milch der farbigen und 
der weissen Frauen giebt folgende Zasammenstellung: 



Bestand- 
theile 


Die Milch 
farbig. Franen 
entfaielt im 
Mittel Ton 
18 Analysen 
nach Molt. 


Die MUch 
weisser Frauen 

enthielt im 

Mittel Yon 89 

Analysen nach 

Yemois und 

Becquerel. 


Die Milch 
weisser Frauen 
enthielt nach 
14 Analysen 
nach Simon, 
im Mittel 


Die Itaoli 

weisser Fraoes 

enthielt nseh 

14 Analysen 

Ton lidy im 

MitteL 


Wasser 
Feste Be- 
standtheile 


86^84 
18,66 


88,908 
11,092 


88,86 
11,64 


87,806 
12,194 




100,00 


100,00 


100,00 


100,00 


Fett 
Casern 
Milchzucker 
Unorgani- 
sche Salze 


4,03 
8,82 
5,71 

0,60 


2,666 
8,924 
4,864 

0,188 


2,58 
8,48 
4,82 

0,28 


4,021 
3,523 
4,265 

0,285 




18,66 


11,092 


11,01 


12,094 



Die Milch der schwarzen Frauen ist demnach viel rei- 
cher ah festen Bestandtheilen, besonders an Milchzucker, Fett 
und unorganischen Salzen, als die der weissen Frauen. Die 
Milch giebt beim Eindampfen den der Afrikanischen Bace 
eigenthümlichen Geruch zu erkennen. {The amertcan Che- 
miä. No. 70. Aprä 1876. pag. 366.) Bl. 



Bachenholztheerkreosot. 

Die Bestandtheile des Buchenholztheerkreosots unterzo- 
gen F. Tiemann und B. Mendelsohn einer näheren 
Untersuchung. Die um 220^ siedende Fraction der sauren 
Oele dieses Kreosots besteht hauptsächlich aus Ereosol und 
Phlorol. • Löst man 1 Yolum in 1 Volum Aether und fügt 
1 Va — 2 Vol. einer gesättigten alkoholischen Salilösung hinzu, 
so scheidet sich der grösste Theil des Kreosols als festes 
Kaliumsalz aus und in der Mutterlauge bleibt die Kaliam- 
Verbindung des Fblorols gemischt mit Kreosolkalium zurück. 
Aus dem Kreosol wurde dargestellt: 

/CH» 
1) Acetylkreosol C« H»— OCH» . Reines Kreosol, aus 

\OC«H»0 



FärboAg durch Sulfoejanwauerstoffsäare. 861 

dem Kalinmwi]« abgeschieden, wurde 2 — 3 Stunden mit 
Esstgsaareanhydrid gekocht, das Keactionsproduct durch Ein- 
giessen in Wasser abgeschieden und durch fractionirte De- 
fvtillation gereinigt. 

/COOH 
2) Vanfllinsäure C»H«0* oder C«H»-OCH» wurde er- 

xOH 
halten durch Oxydation des in Essigsäure fein yertheilten 
Aoetylkreosols mit Kaliumpermanganaüösung. Die Vanillin- 
ume ist nach Tiemanns Auffassung parahydroxylirte, meta- 
methozylirte Benzoesäure^ denn: 

C«H«^— COOH C«H»— OH— OCH»— COOH 

Bensoesanre« Vanilliniiänre. 

Da nun die Yanillinsäure aus dem Ereosol dadurch ent- 
steht, dass das am Benzolkem desselben haftende Methyl in 
eine Carboxylgruppe übergeführt wird, so muss das Kreo- 
Bol als parahydroxylirtes, metamethoxylirtes Toluol ange- 
sprochen werden: 

C«H5-CH» C«H» — OH— OCH»— CH» 

XolnoL Kreoiol. 

Die Verfasser haben die aus Ereosol, Eugenol und Coni- 
ferin erhaltenen VanUlinsäuren vergleichsweise untersucht 
und sie yollstandig identisch gefunden. 

Aas dem Fhlorol wurde durch Kochen am Bückfluss- 
kohler mit Kaliumhydrat, Jodmethyl und Methylalkohol 
Methylphlorol dargestellt 

Das Phlorol entspricht der Formel C»H^<^0 und ist 

/CH», 
nach Tiemann und Mendelsohn als Oxyxylol C»H»— CH» 

\0H 
d. h. als hydroxylirtes Dimethylbenzol aufzufassen. {Ber. d, 
^euUch, ehem. Ges. X, 57.) C. J. 



Flrbang durch SalfocyanwassentoffsBnre. 

Berzelius schreibt und nach ihm eine Beihe von Auto- 
ren: „Die Bhodanwasserstoffsäure röthet sich schon bei der 
^^«rnhruLg mit vielen organischen Körpern, wie Papier, 
Kork n. s. w. wegen des Eisenoxydgehaltes dieser Körper. 

Miquel glaubt sich durch eine Beihe von Versuchen 
zum Widerspruch und zu der Annahme autorisirt, dass die 



362 Klare spiritaöse Schellacklösung. — Rüben -Zackerbestiinmimg. 

Sulfocyanwasserstoffsäure, ähnlich dem Jod, die Eigenschad 
besitz^ eine grosse Anzahl organischer Substanzen, wie Kork, 
Holz, Baumwolle, Seide, thierische Haut, Hom u. s. w. auch 
dann zu röthen, wenn diese ganz frei von Eisen sind, Tiel- 
leicht, indem sie mit denselben Verbindungen von sehr gerin- 
ger Stabilität eingeht, dass also die beim Contact mit jenen 
Körpern eintretende ßothförbung völlig unabhängig von dem 
Eisengehalt der letzteren sei. Han wird daher künftighin 
zur Constatirung von Eisen in einem organisirten Körper 
sich mit der Rhodanwasserstoffreaction allein nicht begnügen 
dürfen, sondern nach anderweitiger Bestätigung sich umsehen 
müssen, wie sie der I^achweis des Eisens in der Asdie ja 
sicher gewährt. (Bulletin de la Sociötö Gkitnique de Paris, 
Tom. XX VL No. 10. p. U2) Dr. G. 7. 



Klare splrltuöse SchellaeklSsnng. 

Die Lösung des Schellacks in Alkohol ist immer trübe 
und lässt sich weder durch Absetzen noch durch Filtriren 
bequem klären. Nach dem Kochen mit Thierkohle ist sie 
zwar leichter filtrirbar, aber es geht viel Schellack durch die 
Kohle verloren. Peltz erhitzt die Lösung von 1 Thl. Schel- 
lack in 6 Thln. 90procentigem Alkohol mit Zusatz von Kreide- 
pulver, halb so viel als Schellack, auf 60® und stellt bei 
Seite. Nach wenigen Stunden sind drei Viertel der Flüssig- 
keit völlig klar und decantirbar, der B;e8t lässt sich rasch 
filtriren. Versetzt man 3 Thle. von obiger Lösung nut 1 Thl. 
Fetroleumäther oder Benzin, schüttelt und stellt bei Seite, 
so bilden sich zwei Schichten, die obere ist der etwas gefärbte 
Petroleumäther, welcher die wachsartige Substanz aufgenom- 
men hat, die die Schellacklösung trübe macht, die untere 
ist ein klarer Spirituslack, der ein wenig Petroleum enthält. 
Er hat das Unangenehme, dass er beim Trocknen keine ganz 
glatte Fläche bildet und ^ sich leicht wieder ablöst. {The 
Fharmac. Journal and Transact. Third 8er. No. 318. My 
1876. pag. 9i.) Wp. 



Ueber Znckerbestlmmang in den Bflben. 

Champion und Pellet haben gefanden, dass diewäss- 
rige Lösung des Asparagins im Polarisationsapparat betrachtet 



Prüfung des Holzgeistes. 363 

eine Drehnng der Polarisationsebene hervorruft und zwar in 
dem gleichen Sinne wie eine Zuckerlösung, dass man mithin 
den Zackergehalt der Eüben durch das Saccharimeter stets 
zn hoch findet^ wenn der Rübensaft, wie dies häufig der Fall 
ist, Asparagin enthält Sie geben femer an, dass diese 
Fähigkeit der Asparaginlösung , eine Drehung der Polarisa- 
tionaebene zu bewirken, vollständig verschwindet, wenn die 
Flüssigkeit mit Essigsäure gekocht wird. Im Zusanmien- 
hang mit diesen Erscheinungen und der Thatsache, dass die 
durch Asparagin hervorgebrachte Ablenkung dem Oehalte von 
Asparagin proportional ist, kann man in einer Flüssigkeit, die 
Zucker nnd Asparagin enthält, den Grehalt an diesen beiden 
Stoffen darch das Saccharimeter ermitteln, indem man zuerst 
die Flüssigkeit für sich, dann nach der Behandlung mit 
Essigsäare untersucht und die dabei gefundenen Werthe mit 
einander vergleicht. {Journal de Pharmacie et de Chitnie. 
TV. SMe. Tom. XXIV. pag. 39.) Dr. E, H. 



Prfifang des Holzgeistes. 

Alt Hiebe und Ch. Bardy gaben in einer früheren 
Nnrnmer des Journal de Pharm, et de Cbimie ein Verfahren 
an, um Holzgeist im Aethylalkohol nachzuweisen. Im Juni- 
heft finden wir von denselben den Weg vorgezeichnet , wie 
andererseits die Anwesenheit von Aethylalkohol im Methyl- 
alkohol ermittelt wird. Die Seaction , . die hierzu benutzt 
wird, beruht darauf, dass Aethylalkohol bei der Destillation 
mit Kaliumpermanganat und Schwefelsäure Aldehyd liefert, 
was der Methylalkohol nicht thut. 

Man destillirt daher den zu untersuchenden Holzgeist 
znerst mit Schwefelsäure, um die etwa vorhandenen höheren 
Alkohole zurückzuhalten, alsdann destillirt man den so gerei- 
nigten Holzgeist mit Kaliumpermanganat und Schwefelsäure 
nnd setzt zu dem nun erhaltenen Destillat eine sehr ver- 
dünnte Fuchsinlösung. Wird die Fuchsinlösung irgendwie 
violett gefärbt^ so hat dies seinen Grund in der Anwesenheit 
von Aldehyd und der Beweis für das Vorhandensein von 
Aethylalkohol ist erbracht. (Joum. de Fharmacie et de Ckimie. 
IV. Serie. Tome XXm. pag. i20.) Dr. E. H. 



364 Zaokemffinage. — LackmatfarbBtoff. 

Zur Znckemfflnage. 

Klein empfiehlt als vortref&Ichen Zusatz beim Baffini* 
ren des Zuckers den borsauren Kalk. Durch ihn wird die 
Ausbeute an krystallisirtem Zucker um nahezu 8^/5 erhöht» 
indem einerseits die Menge des von der Melasse zoräck- 
gehaltenen Zuckers vermindert , andererseits die Glucosebil- 
düng erschwert wird. Die Kosten, welche die Anwendang 
dieses Mittels veranlasst ^ sollen 11 Centimes per 100 Kilog. 
Zucker nicht übersteigen. (Bull, de la Soc. Ckün, de Paris, 
Tarn. XXVI No. 3. pag. 127.) Dr. G. V. 



Lackmiisfarbstoir. 

Mitchell wiederholte die Untersuchungen über Lack- 
mus von Wartha (Bericht der ehem. Ges. in Berlin 9, 217) 
und fand, ausser dass die verschiedenen Lackmussorteo, 
welche er in Amerika und aus Frankreich bezogen hatte, 
keinen Indigo, selbst nach wiederholtem Kochen der alko- 
holischen Tinctur nach dem Erkalten abschieden , die BeBiil- 
täte im Allgemeinen übereinstimmend. 

Der fluoresoirende Stoff, welchen er erhielt, war 
violett und purpurn, löste sich in Alkohol mit ähnlicher 
Farbe leicht auf und fluorescirte, selbst in sehr verdünnten 
Lösungen, prachtvoll grün bei Sonnenlicht. In Wasser, 
Amyldkohol und Aether löste er sich gewissermaassen auch 
auf, schien dahingegen in Chloroform, Petroleumäther, Schwe- 
felkohlenstoff und Terpenthinöl unlöslich zu sein, indem die- 
sen die Farbe und die Fluorescenz nicht ertheilt wurde. 

Die Löslichkeit in Amylalkohol und Aether führte Verf. 
auf einen Gehalt an Alkohol zurück. 

Der 3. Stoff*, welcher dem Orcein gleicht, besitzt wenig 
Fluorescenz und giebt die alkoholische Lösung einSpectnim, 
bei welchem die Absorption charakteristisch und ganz ver- 
schieden von dem des vorhergehenden Stoffes ist. In Was- 
ser ist er wenig, in Alkohol dahingegen leicht löslich, in 
Aether, Chloroform, Petroleumäther, Terpenthinöl fast un- 
löslich. 

Der reine, dem Lackmus eigenthümliche Farbstoff ist 
in Alkohol, Aether, Chloroform, Schwefelkohlenstoff und Petro- 
leumäther weder kalt noch warm löslich. Er ist in Wasser 
sehr löslich und giebt seine wässrige Lösung ein Absorptions- 



YerwerthoDg tob Petroleunbeiiiiii in der Phannaoie. 365 

SpectnuD, welches Ton dem der vorhergehenden Stoffe ganz 
Terschieden ist. Durch Ammoniak wird dieser Stoff blau 
gefirbt und scheint wahrscheinlicher Kane's Azolitmin als 
irgend eines der anderen Stoffe zu sein. Ammoniak wurde 
darin nicht nachgewiesen. In alkalischer Lösung giebt er 
mit Thonerde einen schönen violetten, mit Zinnacetat einen hell 
Tioletten, mit Kalk und Baryt dunkel blaue Lacke. 

Aus einer Unze erhielt Yerf, circa 25 Gran des reinen 
Farbstoffes 9 15 Gran des Stoffes, wahrscheinlich Orcein, und 
10 Gran des fluorescirenden Stoffes. {The american Chemüt. 
No. 12. June 1876. p. 460.) Bl. 



Terwerthiuig ron Petrolenmlbenzlii in der Pharmade. 

Man hat schon wiederholt versucht, bei der Darstellung 
von Weichharzen das wohlfeilere Fetroleumbenzin dem theuem 
Aether zu substituiren , jedoch mit negativem Erfolg, da das 
Petroleumbenzin, obgleich ein ganz gutes Lösungsmittel für 
Fette, Wachs und ätherische Oele, dagegen Harze und son- 
stige wirksame Stoffe in den auszuziehenden Körpern zurück- 
lägst. So wird dadurch • aus Ingwer das stechend - scharf 
schmeckende Harz nicht ausgezogen, ebensowenig aus den 
Baccoblättem das diuretisch wirkende Princip, vielmehr nur das 
ätherische Oel; femer lässt Petroleumbenzin in den Cabeben 
die Cubebasäure, im Pfeffer das Piperin, im Wurmsaamen 
Harz wie Santonin ungelöst. Alle genannten, sowie andere 
Vegetabilien werden aber durch das Petroleumbenzin von 
fetten und ätherischen Oelen befreit, und in trockenem, 
gerachlosem Zustande hinterlassen, wohlgeeignet zur Ex- 
traction der anderen Stoffe mittelst Alkohol, Aether oder 
Chloroform. 

Die Lösungskraft des Benzins für ätherische Oele ist 
eine so eminente , dass z. B. Zimmt und Kelken damit extra- 
hirt mindestens ebenso feine Oele geben, als bei der Destilla- 
tioD. Etwa noch beigemischtes Wachs und fettes Oel blei- 
ben zurück, wenn man das ätherische Oel in Alkohol löst, 
worauf man die filtrirte alkoholische Lösung mit Wasser 
onscht, wodurch das ätherische Oel wieder abgeschieden 
wird und sich entweder an der Oberfläche oder am Boden 
«umaelt ITichi anwenden lässt sich diese Methode zur Be- 
reitung des Petersilienöls, weil das in den Saamen vorhan- 
dene Apiol ebenfalls in Benzin und in Alkohol löslich ist. 



366 Salicylsaures Atropin. — Salioyls. Atropln u. seine VenrendbarkBit. 

Diejenigen phannaceutischen Operationen, bei welcben 
ein Gehalt des in Arbeit zu nehmenden Rohstoffes an fettem 
Oel hinderlich ist, können durch dessen vorherige BehaDd- 
lang mit Benzin wesentlich erleichtert und verbessert wer- 
den, so z. B. die Bereitung des Extractum sem. Strychni 
spirituosum. TJm dabei einen etwaigen Verlust an Stryduun 
oder Brucin zu vermeiden, genügt es, das durch Benzin 
ausgezogene fette Oel mehrmals mit verdünntem Alkohol 
auszuschütteln und diese Flüssigkeit dem Extract beim Ab- 
dampfen wieder zuzusetzen. 

Auch zur Gewinnung ganz reiner Oelsäure vermag das 
Benzin gute Dienste zu leisten. Man zersetzt zu diesem 
Zweck eine aus Mandelöl bereitete Seife mit Weinsäure, 
wäscht die abgeschiedenen Fettsäuren mit grossen Mengen 
heissen Wassers aus, verseift dieselben aufs Neue mit Slei- 
oxyd und behandelt die Bieiseife mit Benzin, welches pal- 
mitinsaures Blei zurücklässt, dagegen das Bleioleat auflöst, 
welches man endlich mit Salzsäure zersetzt. 

So vermag das beschränkte Lösungsvermögen des Ben- 
zins, wenn richtig verwerthet, der pharmaceutisch- chemischen 
Praxis vielfache Vortheile zu bieten. {The Chicago Pharma- 
eist. Vol X. No. 2. Ftbr. 1877. pag. 43.) Dr. G. 7. 



Salicylsaures Atropln. 

Wie wir aus einer englischen Zeitschrift ersehen, bedient 
man sich dort des Atropins zu ophthalmologischen Zwecken in 
Form seines Salicylates. 

Es soll die Lösung dieses Salzes vor der des Sulphates 
bei mindestens eben so sicherer Wirkung den Vorzug der 
grösseren Haltbarkeit besitzen. Die Vorschrift zur Herstel- 
lung der Lösung lautet: 2,7 Gran Atropin, 1,3 Gran krystal- 
lisirter Salicylsäure auf eine Unze destillirten Wassers; {Tk 
Chemist and Druggist, Febr. 1877. pag. 53 und 5i.) 

Dr. E. K 



lieber salicylsaures Atropin und seine Verwendbar- 
keit In der Fharmacle. 

Gerade bei den anscheinend einfachsten Präparaten ist 
es oft schwierig, sie so darzustellen, dass sie allen Anfor- 
derungen genügen. Dafür sprechen auf das deutlichste die 
von der „British Pharmacopoeia" vorgeschriebenen Atropin- 



Salieylßanrds Atropin u. seine Verwendbarkeit etc. 867 

lösungeiL Es sind ihrer zwei, beide von gleicher Stärke 
(d. h. 24,36 Centig. in 29,232 g. Flüssigkeit) , beide in der 
Augenheilkunde angewandt. 

Die eine Lösang (Liquor Atropiae) ist die des Alkalo'ids 
selbst in einer Mischung von Spiritus und Wasser und zwar 
*/^j rectificirter Spiritus und % Wasser. Die Lösung hält 
äich gut, reizt aber das Auge sehr, namentlich wenn Ope- 
rationen vorgenommen worden sind, oder wenn der abnorme 
Zustand des Organes von chronischer Reizbarkeit begleitet ist. 
Der Liquor Atropiae kann in solchen Fällen also nicht ange- 
wandt werden. Daher der absurde Plan, eine zweite Lösung 
in die Pharmacopöe aufzunehmen. Dies ist der Liquor Atro- 
piae sulphatis, die nicht reizend wirkt, sich aber schlecht 
hält. Auf Kosten des Alkalo'ids entwickelt sich ein dicker 
Schimmel, und die Lösung wird schwach. Desshalb schlug 
Smith als bestes Lösungsmittel Gampherwasser vor. 

Bei verschiedenen Versuchen mit Salicylsäure kam Tich- 
borne auf den Gedanken, dass salicylsaures Atropin allen 
Anforderungen entsprechen dürfte, ohne die erwähnten XJebel- 
>tände zu haben. Mischt man Atropin mit Salicylsäure in 
jüjuivalenten Verhältnissen, so erhält man eine weiche, lös- 
liche Masse, die nicht gut krystallisirt. I^Tur einmal war die 
Masse halb krystallinisch , was wohl nur vorhandenen Ver- 
unreinigungen des Atropins zuzuschreiben war. Unter der 
Annahme, dass Salicylsäure eine monobasische Säure ist, und 
das Alkaloid als Monade wirkt, wurden Atropin und krystal- 
li<irte Salicylsäure in äquivalenten Verhältnissen gemischt. 
Wird Atropin mit einem üeberschuss der Säure und mit 
einer massigen Menge Wasser erwärmt, data erkalten gelas- 
sen, 80 krystallisirt nur der Säureüberschuss aus und beim 
Eindampfen wurde gefunden, dass 2,7 Theile Atropin 4,04 
gallertartiges salicylsaures Atropin ergeben, also 0,05 mehr 
als berechnet. 

Mischt man Atropin und Salicylsäure in äquivalenten 
Verhältnissen und fügt Wasser hinzu, so lösen sich beide 
Substanzen nach einiger Zeit, obgleich beide in kaltem Was- 
ser verhaltnissmässig unlöslich sind. Angewandt wurden 
17,600 g. Atropin und 8,404 g. Salicylsäure. Beim Eindampfen 
der wässrigen Lösung hinterblieb eine gallertartige, schwer zu 
pulvernde Masse. Krystallisationsversuche aus Aether und Alko- 
hol ergaben kein Resultat. Die schwierige Krystallisation ist 
ein charakteristisches Merkmal der Atropinsalze. Die wirk- 
liche Lösbarkeit dieses Salzes wurde bei 1 5 ® C. untersucht. Zwei 
Bestimmungen mit gesättigten Lösungen ergaben: 4,76 und 



868 Verivendang dei Schwefels bei den alten Grieohen. 

95 3 
4,69 Procent Salz. Nehmen wir 4,7 an, so ist . ' = 20,2, 

4>« 
und es ist praktisch salicylsaores Atropin in 20 Theflen 

kaltem Wasser löslich. Es ist desshalh leicht, die Lösang 
zum medicinischen Gebrauche darzustellen, indem man an- 
wendet 

Atropin 12,223 Centig. 

Krystallisirte Salioylsäure . , 6,109 
Wasser 29,232 

Mischen und bis zur Auflösung stehen lassen. 

Uebrigens kann bei sorgfaltigem Arbeiten das salicyl- 
saure Atropin in fester Form erhalten werden und ähnelt dann 
dem schwefelsauren Atropin im AeusserD. In den oben gege- 
benen Zahlen ist die Säure in leichtem Ueberschusse, da es 
wünschenswerth erscheint, eine schwach saure Lösung zu 
haben, nicht eine alkalische, weil bei Gegenwart von freiem 
Alkali oder in alkalischer Lösung die antiseptische Wirkung 
ausbleibt. Die in den angegebenen Verhältnissen dargestellte 
Lösung hält sich stets in gutem Zustande. 

Die therapeutische Wirkung des salicylsauren Atropins 
prüften die Augenärzte Jacob, Fitzgerald undSwanzy, 
die sich sämmtlich anerkennend darüber aussprechen. 

Auch wurden wegen der angenommenen antiseptischen 
Eigenschaften der Säure benzoesaures und borsaures Atropin 
dargestellt, aber die Lösungen dieser Salze erwiesen sich als 
unbrauchbar, da schon nach einem bis zwei Monaten Schim- 
melbildung eintrat. (American Journal of Pharmacy. Voi- 
XLIX. 4. Ar. Vol. VU, 1817. fog. 152—155.) R 



YerwenduDg des Schwefels bei den alten Orleehen. 

Vor einigen Jahren wurde auf der Akropolis in der 
Nähe des Parthenon eine Thonlampe gefunden, wie sie bis- 
weilen in alten Gräbern vorkommen. Sie enthielt einen 
Docht von Asbest, der in Schwefel lag, der augenscheinlich 
durch den Docht geschmolzen und entzündet wurde bei den 
Räucherungen zu Ehren der Minerva (Pallas Athene). 

Es ist eigenthümlich , dass der griechische Name für 
Schwefel theion ist, während Gott theos heisst, wonach 
also theion „ göttlich '^ bedeutet. 

In einer andern Lampe fand Landerer harzige Sub- 
stanzen, wie Labdanum, Myrrha, Olibanum, Styrax; Materialien, 



Salpeter, Safran. •— Bnllrieh'fl Sals. 369 

welche gewöhnlich zur Darstellong des Bogenannten TJmen- 
hanes dienten. (^Atncrtcan Journal ofT?harmacy, VoL XLIX. 
i. 8er. Vol. VU. 1877. p. 377.) R. 



Salpeter. 

Bai lock erhielt ans einer Handlung in Baltimore einen 
Kalisalpeter, der gegen 25 Procent Chlorkalium enthielt Die- 
se« Sah ist sehr billig und ist ein Froduct der Stassforter 
Saizwerke« 

Safiran. 

Miller zeigte sogenannten egyptischen Safran vor, 
welchen Maisch für Carthamus erklärte. Derselbe erwähnt 
ferner die Verfälschung von Safran mit kohlensaurem Kalk, 
was neuerdings wieder vorkommt, nachdem es vor etwa sie- 
\»n Jahren schon gerügt worden war. Pilo meint, dass im 
Vergleich zu frühem Jahren der Verkauf von echtem Safran 
im Zunehmen sei, wogegen Maisch mittheilt, dass er 1871 
den afrikanischen Safinm, der im amerikanischen Markte vor- 
konmit, geprüft und nur einen einzigen von Lyperia 
crocea stammenden Safran gefunden habe. (American Jour- 
nd of Fharmacy. Vol. XLIX. 4. Str. Vol. VIL 1877. 
pag. 190 seq.) R. 

Ueber Bullrieh's Salz 

i^agt Pelix von I^iemeyer in seinem Werke über practi- 
sche Medicin, dass es ein G-emisch von doppeltkohlensau- 
rem und schwefelsaurem Natron sei und in seiner Wirkung 
den weltberühmten Quellen von Eissingen, Karlsbad, Wies- 
baden, Homburg und Vichy gleich kommt. 

Verlangt man in Apotheken Bullrich*s Salz, so erhält 
man gewöhnlich doppeltkohlensaures Natron. 

Bttllrich's Salz ist ein Gfeheimmittel, und es (ist seltsam, 
dass Witt stein in seiner vorzüglichen „Geheimmittellehre" 
keine Notiz davon genommen hat; noch seltsamer ist es, dass 
dieses Geheimmittel regelmässiger therapeutischer Anwendung 
Würdig befunden und in einem viel verbreiteten medicinischen 
Werke als Bival der berühmtesten Quellen belobt wird. 
[Amencan Journal of Fharmacy. Vol. XLIX. 4. Ser. Vol. VU. 
1877. fog. 329.) R. 

Aith. 4. Pharm. XIL Bd«. 4. H«ft. 24 



370 Dialysirtes Eisen.; 

Ueber das dialysirte ElseA 

schreiben Andrew und Blair: 

Dieses Präparat hat untes den Apothekern and Aerzten 
so viel Aufsehn erregt Wegen seiner zufriedenstellenden, 
eigenthümlichen und wftndervollen Wirkung, dass es vielleicht 
bald das Hauptapi^eimittel für eine ganze Erankheitsklasse 
bilden wird, ^gen welche die gewöhnlichen Eisenpräparate 
nicht wixk&n. Bei diesem Präparate bleiben alle die onan- 
genehifien Nachwirkungen fort, welche bei den andern Eisen- 
pjNtjparaten immer nachfolgen, wie Kopfweh, Verstopfung a.8.w. 

Zur Darstellung nimmt man nach einer französischen 
Vorschrift 10 Theile Liq. Ferri sesquichlorati, fallt mit wass- 
rigem Ammoniak und wäscht den Niederschlag tüchtig aus. 
Dieser wird dann mit 12 Theilen Liq. Ferri sesquichlorati 
gemischt, und das Ganze in einen Dialysator gebracht, unter 
welchem das destillirte Wasser alle 24 Stunden emenerc 
werden muss. Die Operation dauert so lange, bis keine Spur 
von Chlor mehr vorhanden ist, worauf das Präparat neutral 
reagirt. * Gewöhnlich gehören 12 bis 15 Tage dazu. 

Das resultirende Präparat ist, oder soll sein, von tief 
dunkelrother Farbe und enthält etwa 5 Procent Eisenoxyi 
Nach der Angabe von Bravais in Paris, der die Produetion 
des allein echten dialysirten Eisens für sich in Anspruch 
nimmt, besteht dieses aus Eisen ^ verbunden mit Sauerstoff 
und Wasser unter Ausschluss aller Säure. Die im Dialysa- 
tor gelöst zurückbleibende Substanz ist Eisenoxychlorid in 
Form einer gallertartigen Masse. Das Chlorid ist eine kry- 
stallinische Substanz und wird von der gallertartigen durch 
die Dialyse getrennt 

Neuerdings sind andere Vorschriften für dieses Präparat 
aufgetaucht. Nach der einen soll der gewaschene Ammoniak- 
niederschlag bis zur Saturation mit Liq. Ferri sesquichlorati 
gemischt und dann dialysirt werden. Es ist auffallend, eine 
wie grosse Menge dieses frisch gefällten Eisensesquioxydfi 
aufgenommen oder gelöst wird. So betrug der Niederschlag 
aus einem halben Liter Liquor 10,962 Dekag., und dieser im 
Magma sehr massige und voluminöse Niederschlag versdiwaad 
in 14,616 Dekag. Liquor. 

Bei dieser zweiten Methode, bei der Saturation, wird der 
Process beträchtlich abgekürzt, und die Dialyse ist in einer 
Woche beendigt, während die andere Methode die doppelte 
Zeit in Anspruch nimmt. 



Dialysirtei Eisen. 371 

Nach einer dritten Methode nimmt man eine beliebige 
Menge Liq. Fem seBqnichlorati und setzt bis znm Punkte 
der Niederschlagbildung Ammoniak hinzu. Die ganze Flüs- 
sigkeit wird dann in den Dialysator gebracht^ so dass durch 
die Dialyse das Ammoniumchlorid auch herausgezogen wird, 
big das Eisenperoxyd oder Eisenoxychlorid nur allein noch 
vorhanden ist 

Bei soT^fiiltigem Arbeiten kann man nach jeder dieser 
Methoden ein gutes Präparat erhalten. Enthält die Lösung 
nach Beendigung der Dialyse mehr als 5 Procent Eisen, so 
verdünnt man bis zu diesem Gehalte mit destillirtem Was- 
ser. Manche im Handel yorkommenden Sorten von dialysir- 
;em Eisen enthalten nur 3^/, bis 4 Procent. 

Das Yollkonmien dialysirte Eisen ist geschmacklos und 
neutral , bei weiter fortgesetzter Dialyse wird die Flüssigkeit 
gelatinös. 

Das dialysirte Eisen wird tropfenweise eingenommen, 
von 15 bis 50 Tropfen täglich, in getheilten Dosen, auf Zucker 
oder in Zuckerwasser; angemessene Vehikeln können ohne 
Furcht vor Zersetzung angewandt werden. Da es ohne Geruch 
und Geschmack ist, sich mit Spiritus und Syrup mischt, ohne 
diesen einen Beigeschmack zu ertheilen, so lassen sich leicht 
Formehl für Elixire, Syrupe u. s. w. bilden; in Glycerin gege- 
ben hat das dialysirte Eisen sich als vorzügliches Präparat 
gezeigt 

Ueber denselben Gegenstand schreibt auch John M. 
Maisch: 

Das dialysirte Eisen wird ohne Zweifel eines der werth- 
Tollsten Eisenpräparate werden und ist neuerdings in die 
Vereinigten Staaten unter verschiedenen Namen eingeführt 
worden. Es ist basisches Eisenoxychlorid; sein einfachster 
Name würde Ferrum oxydatum dialysatum sein. 

Es exifitiren darüber schon aus frühem Jahren Abhand- 
lungen. Die erste ist von John M. Ordway (1858). Er 
giebt dem Präparatim Anfange die Formel: Fe'Cl^ 11 Fe*0', 
bei fortgesetzter Digestion wird es zu Fe*Cl*, 23Fe*0'. 

Dann schrieb Bechamp (1859) darüber. Seine Formel 
istFe«Cl*, 20Fe*0». 

Nach den Angaben von Graham (1861) müsste die 
Formel Fe'Cl^ 95Fe'0^ sein, was kaum wahrscheinlich ist. 
Man mnss sich erinnern, dass keines der sogenannten lös- 
lichen Eisenoxyde bis jetzt säurefrei erhalten worden ist. 

24* 



372 Dialysirtes Eiteo. 

Das Verhalten dieser Lösungen ist seltsam und kann za 
falschen Annahmen verleiten. Sie bleiben beim Kochen klar, 
lassen sich mit Spiritus, Glycerin, Syrup u. s. w. mischeB. 
geben aber leicht Niederschläge bei Säurezusatz mit Ver- 
meidung eines XJeberschusses oder bei Zusatz von Salzlösun- 
gen; die Niederschläge verschwinden wieder bei Zusatz tod 
destiUirtem Wasser. Tannin in kleinen Mengen dunkelt die 
Lösung, lässt aber beim Filtriren nur äusserst wenig im Fil- 
ter zurück; bei mehr Tannin entsteht ein diffuser gelatinöser 
Niederschlag von dunkelbrauner (aber nicht schwarzer) Farbe, 
das Filtrat ist farblos. Höllensteinlösung in kleiner Menge 
lässt die Flüssigkeit klar, in grösserer Menge bewirkt die 
Silbemitratlösung einen gelatinösen braunen Niederschlag, 
das farblose Filtrat ist frei von Eisen. Bei Zusatz tod 
destillirtem Wasser löst der Niederschlag sich wieder. 

Anscheinend ist die Lösung frei von Chlorid, setzt man 
aber einen kleinen üeberschuss von Ammoniak hinzu, filtrirt 
von dem Eisenoxydhydrat ab, säuert mit Salpetersäure an und 
setzt dann Höllensteinlösung hinzu, so entsteht der weisse 
Niederschlag von Chlorsilber. Alle diese Beactionen, so wie 
der leicht adstringirende, nicht tintige Greschmack, die inten- 
sive braunrothe Farbe sind von den oben genannten Autoren 
beobachtet und charakterisiren auch die Handelswaare. Eine 
Probe, von welcher behauptet wurde, sie enthalte gar kein 
oder nur Spuren von Chlor, ergab in der oben angegebenen 
Weise behandelt reichlichen Niederschlag von Chlorsilber. 

Man behalte im Gedächtniss, dass es kein lösliches 
Eisenoxyd ist, was unter diesem Namen verkauft wird, 
sondern stark basisches Eisenoxychlorid. Und 
damit drängt sich uns die Frage auf, ob man eine solche 
Lösung nicht erhalten könnte, indem man eine Lösung von 
Eisenchlorid mit Eisenoxydhydrat sättigt Die Antwort liegt in 
dem erwähnten Verhalten der Salzlösungen und in der Tnat- 
Sache, dass, wenn Lösungen von Eisensalzen mit Alkalien 
gefallt werden, das Eisenoxydhydrat stets kleine Mengen des 
Niederschlages zurückhalten wird, die sich nicht auswaschen 
lassen. Diese salzigen Verunreinigungen, so klein sie aach 
sind, genügen, die Bildung eines stark basischen Eisenoxy- 
chlorids zu verhindern, oder wenn es sich bildet, so wird es 
unlöslich, und nichts anders als Dialyse oder starke Verdün- 
nung mit destillirtem Wasser kann es wieder löslich machen. 
Um den Gehalt von ö Procent Eisen zu erhalten, den Gra- 
ham angiebt und den die Pariser pharmaceuüsche Gesell- 
schaft angenommen hat, ist Dialyse unumgänglich nöÜiig. 



Califomische Manna. 373 

Was nun den Vorzug des dialysirten Eisens Yor dem 
darch Saturation mit Eisenoxydhydrat dargestellten Oxychlorid 
betrifft, so genügt dies zu entscheiden schon der Geschmack 
allein: das dialysirte Eisen hat kaum einen Greschmack, das 
letztere schmeckt deutlich adstringirend. Ein in Deutschland 
dargestelltes Präparat, das sich aber Ferrum oxydatum dia- 
Ivsatum nennt, war durch Saturation dargestellt oder durch 
eioe ganz ungenügende Dialyse, denn es war deutlich sauer 
and schmeckte stark styptisch. Französische Präparate wa- 
ren in beiden Beziehungen besser als das deutsche, enthiel- 
ten aber nur das eine 3,3 Procent feste Substanz, das andere 
nicht einmal die Hälfte Ton diesem Gehalt. Eine 5 procentige 
Lösung Ton dialysirtem Eisen muss 18,27 Centig. trocknen 
Rückstand geben, wenn 3,654 g. vorsichtig zur völligen 
Trockenheit eingedampft werden. 

Als Kennzeichen einer 5procentigen Lösung von dialy- 
sirtem Eisen kann man betrachten: 

1) die tief rothbraune Farbe, die in dünner Schicht völ- 
lig transparent ist; 

2) die Freiheit von Geruch und Geschmack, letzterer 
höchstens ganz schwach adstringirend; 

3) das Fehlen selbst der leichtesten sauren Reaotion auf 
Reagenspapier ; 

4) das oben angegebene Verhalten zu Tannin und Salz- 
lösnngen, selbst zu Quell wasser. 

Am besten giebt man dieses Arzneimittel auf Zucker 
oder gemischt mit einfachem , Säure-freiem Syrup. 

Dasselbe Präparat ist in Oesterreich als „catalyti- 
sches Eisen'' aufgetreten. {American Journal of Pharmacy. 
Ferf. XLIX. 4. Ser. Vol VII 1877. pag, 340—345.) 

R. 

Califomisclie Hanna. 

Eine zuckrige, der Manna ähnliche Incrustirung findet 
nah an den Endzweigen zweier Californischer Coniferen, von 
denen die eine Libocedras decurrens, die andere unbestimmt 
ist Diese Manna soll sich nur bei ungewöhnlicher Dürre 
zeigen, während sonst die gewöhnliche Exudation der Coni- 
feren harzartig ist Pinus Lambertiana, dieser Califomische 
Baomriese von 200 — 300 Fuss Höhe, soll auch Manna 
liefern, wenn er theilweise angebrannt wird. (The Fharm. 
JowiL and Transad, Third Ser. No. 358. May 1877. 
f. 893.) Wp. 



374 Secale cornut — Geisern, u. n. Bestandth. — Clnchonidin statt Chinin etc. 

Um Pulyer Ton Seeale eornut. auftabewahren 

empfiehlt Mourrnt, dasselbe mit 5% Benzoepulrer zu ver- 
mischen. Diese Mischung, welche er in einem Glase mit 
einem einfachen Pappdeckel yerscblossen in seinem Labora- 
torium 14 Monate lang aufbewahrte, war unverändert, frei 
von allen Parasiten, wovon das reine Pulver, welches zum 
Vergleich ebenso aufbewahrt wurde, wimmelte. Die Wir- 
kung dieses Pulvers wurde gut befunden. (Räpetioire de 
Fharmacie, No. 9. Mai 1877. p, 260. Joum. de th&ap,) 

Bl. 

Oelseminm und seine Bestandthelle. 

Robb ins hat nachgewiesen, dass die Fluorescenz erre- 
gende Substanz, die in Grelsemium sempervirens enthalten 
ist und die unter dem Namen Gelsemiumsäure beschneben 
wurde, in ihren physikalischen und chemischen Eigenschaften 
mit denen des Aesoulins übereinstimmt. Da dieser Körper 
ausserdem die gleiche procentige Zusammensetzung wie das 
Aesculin hat, so scheint die Identität der beiden Körper über 
jeden Zweifel erhaben. 

Ausserdem hat Robbins aus der Gelsemiumwurzel einen 
alkalo'idartigen Körper, den er Gelsemin nennt, dargestellt, 
indem er die Wurzel mit wasserhaltigem Weingeist erschöpfte, 
den Auszug mit Bleiacetat föllte, aus dem Filtrat das Blei 
durch Schwefelwasserstoff entfernte und nach abermaliger 
Filtration eine kleine Menge Eali zusetzte. Er erhielt einen 
flockigen Niederschlag, der durch Auflösen in Salzsäure uod 
Wiederausfallen vermittelst Eali gereinigt aus seiner ätheri- 
schen Lösung in Form einer harzähnlichen Masse zurück- 
blieb. Weder dieses Grelsemin noch seine Salze können 
krystallisirt erhalten werden, dagegen zeigt es stark alka- 
lische Keaction und giebt Niederschläge mit den allgemeinen 
Alkalo'idreagentien. {Journal de Hiarm, d'Anvers. Juli 181t 
pag. 273 — 276.) Dr. KR 

Clnehonldin statt Chinin Im Wechselfleber rortheilhaft 

anzuwenden 

plaidirt Wedell und stützt seine Behauptungen auf die 
therapeutischen Versuche und Berichte, welche die anglo- 
indische Regierung in 1866 mit Cinchonidin, Cinchonin und 
Chinidin anstellen liess. 



Salicylsaure - Probe. 375 

£b worden 1145 Wechselfieberkranke bebandelt und 
zwar: 

410 mit Cinchonin, wovon geheilt wurden 400 
359 - Cinchouidin - - - 346 

376 - Chinidin - - - 365 

1145 1111. 

Die Wirkungen dieser 3 Alkalo'ide sind hiemach der des 
Chinins gleichzustellen. Da nun Chinidin und Chinin fast 
ein und denselben Preis haben, so würden die beiden andern 
ans ökonomischen Rücksichten den Vorzug haben. Der bil- 
lige Preis des Cinchonins wird so lange andauern, als der 
Vorrath der Fabriken reicht, in welchen es bei der Chinin- 
bereitong gewonnen und wegen seines geringen Verbrauches 
angesammelt wurde. 

Das Cinchouidin kann aber von Cinchona succirubra, 
einer in den Wäldern Amerikas im Uebcrfluss vorkommende 
und vorzugsweise Cinchouidin -reichen Species, zu einem billi- 
jL^n Preis für längere Zeit hergestellt werden. 

Da nach den Erfahrungen der Aerzte das Cinchouidin 
besser als das Chinin selbst vertragen werden soll, so ist 
nicht zweifelhaft;, dass es dem theuren Chinin gegenüber 
Concorrenz machen wird. {R^ertoire de Pharmacte. F^vrier 
1877, p. 114,) Bh 



SalicylsSure- Probe, 

1) 5 Ceniig. Salicylsäure werden in 5 C. C. starken Alko- 
hol gelöst und auf einem ührglas fireiwillig verdunstet. Sind 
die Xry stalle an den Bändern des Glases schön, glän- 
zend weiss, so ist die Säure rein, sind diese dahingegen 
gelblich oder gelb, so ist die Säure keine krystallisirte, 
sondern einfach gefällte. Zeigt die Krystallisation einen 
brännUchen oder braunen Kranz, so muss die Säure, obgleich 
sie rein und weiss erscheint, verworfen werden. 

5 Centrig. Salicylsäure übergiesse in einer Bohre mit 
conc. Schwefelsäure und löse auf. Die Lösung ist 
farblos und klar, wenn die Säure rein ist, dahingegen 
gelblich bis gelbbraun, wenn sie unrein ist Beide Prü- 
fungen sind gut. {Aus "Pharm, GentralhL w. J. d^Alsace- 
Larrame, R&perMre de Phartnaoie. F^vrier 1877. p. 108.) 

Bl. 



^1 
5C.C. 



376 Einige neue Arineifonnen. 

Ueber einige neue Arzneifonnen, 

welche der Society de pbarmacie a Paris überreicht und tob 
derselben besprochen worden. 

1) Carraghen-Ümschlag. 

Einfach coriirte Watte von 1 D Meter Grösse wird auf 
einer Hürde mit concentr. Garraghenschleim Übergossen, mit 
einem gleichgrossen Stück Watte alsdann bedeckt nnd mit 
einer Bürste so behandelt, dass der Schleim gleichartig durch 
die Watte dringt. In einem massig erwärmten Baume wird 
derselbe eingetrocknet. Beim Gebrauch wird diese Watte 
mit fast kochendem Wasser angefeuchtet; die Watte bläht 
sich stark auf und enthält in diesem Zustande unter der 
Form eines Schleimes eine grosse Menge Wasser, welches 
mit den erweichenden Eigenschaften der Pflanze gesät- 
tigt ist. 

2) Salzsaure Lösung des pyrophosphors. Ealks. 

Pyrophosphors. Kalk 17 g. 

Beine Salzsäure (so wenig als möglich) 10 - 
Destillirtes Wasser 973 - 

15 g. (ungef. 1 Löffel yoU) dieser Lösung enthält 
25 Centig. pyrophosph. Kalk. Unter Zusatz von Zucker und 
Citronenspiritus wird ebenso ein Syrnp bereitet. 

3) Milchsaure Lösung des pyrophosphorsanren 
Kalks. 

Pyrophosphors. Kalk ... 17 g. 
Concentr. Milchsäure ungefähr 19 - 
Destillirtes Wasser . . . 904 - 

Ein Löffel voll dieser Lösung enthält 25 Centig. pyro- 
phosphorsanren Kalk, ein Syrup wurde ebenfalls dargestellt. 

4) Sauren phosphorsauren Kalksyrup. 

Pyrophosphors. Kalk 12,50 g. 

Medic. Phosphorsäure von 1,45 (so wenig als 

möglich) 18 

Destillirt. Wasser 340 

Weisser Zucker 630 

Citronenspiritus 10 

Auf ähnliche Weise wird ohne Zusatz von Zucker und 
Citronenspiritus eine Lösung, welche beide 25 Centig. pyro- 
phosphorsanren Kalk in einen Löffel voll enthalten, zusam- 
mengesetzt. 



Piturj, ein Aastralisehcr Riral der Coca. — Joyote. 077 

5) Gljcerinhaltige Zuckerkalklösnng. 

Grebrannten Kalk . 80 g. 
Zuckerpulver . . 160 - 
Glycerin . . . 160 - 

Wasser soviel, dass das Ganze 1 Liter ausfüllt. Wird 
ein Theil dieser Lösung mit 2 Thln. Olivenöl gemischt; so 
erhält man ein Zackerkalkliniment. 

6) Digitalinkörner. 

Erystallis. Digitalin . 0,025 g. 
Milchzucker .... 4,000 - 
G. arabicum .... 0,900 - 

Honigsyrup, soviel als nöthig ist, um 100 Körner zu 
machen, von denen jedes Kömchen ^/^ Miliig. Digitalin ent- 
halt {Repertoire de Pharmacte. Jarwier et F^vrier 1877. 
p. 101 etc.) BL 

Pitury, ein Australlseher Bival der Coca. 

Die Blätter dieser Strauchpflanze werden von den Austra- 
iißchen Eingebomen zu gleichen Zwecken angewendet, wie 
die Cocablätter von den Südamerikanern. Sie kommen nach 
Müller von Duboisia Hopwoodii, Farn, der Solanaceae. 
(The Pharmac. Joum. and Traneact. Tkird Ser, No, 357. 
dpnl 1877. p. 878.) Wp. 



Joyote. 

Diesen Namen führen in Mexico mehrere Species von 
Baomen, die zu dem Genus Thevetia Fam. der Apocyneae 
gehören. Die Frucht derselben ist eine Steinfmcht, deren 
Kern sich durch eine ungewöhnliche Schärfe auszeichnet. 
Barch Pressen und Extrahiren mit Aether erhält man daraus 
Tiel fettes, mildes Oel. Nach Entfernung albuminöser und 
extractiver Stoffe mit Wasser giebt Alkohol einen Auszug, 
aus dem sich beim freiwilligen Verdunsten weisse Prismen 
aasscheiden, die das scharfe Princip zu sein scheinen. 

Herera nennt dasselbe Thevetosin. Durch Behand- 
lang mit verdünnter Schwefelsäure wird es in Zucker und 
Harz gespalten, ist also ein Glucosid. Es ist gifbig und 
wirkt stark brechenerregend. {The Pharmac. Joum. and 
Tramad. TJnrd Ser. No. 356. Apnl 1877. p. 854.) 

Wp. 



378 Der Indianische Hanf u. dessen wirksameB Prindp. <— Yerba nnu. 

Der Indianische Hanf und dessen wirksames Trinelp. 

Das Vaterland des Hanfs ist Persien und das Höhen- 
plateau von Nordindien. Von hier aus hat sich die Pflanze 
nach allen Weltgegenden hin verbreitet, die narkotische und 
berauschende Wirkung hat sie jedoch nur in ihrem Yater- 
lande und in einigen Theilen von Afrika. In Algier ver- 
kauft man unter dem Namen Madjoun ein Präparat, bestehend 
aus gepulvertem Hanf, der mit Honig erhitzt und mit ver- 
schiedenen Gewürzen versetzt ist. 

Das sogenannte Haschisch der Indier kommt nach Freo- 
brascbensky in den Städten von Centralasien auf den Markt 
in Kuchen von 5 — 15 Zoll Länge, 5 — 10 Zoll Breite nnd 
3 Zoll Dicke. Sie sind äusserlich braun, innerlich grünlich, 
schwer zu zerbrechen, aber leicht in Späne zu schneiden. 
Man bereitet sie aus dem Harzsafte der unreifen Blüthen- 
spitzen, welcher mit Sand und Wasser zu einem Teig ge- 
mischt wird, den man auf Thonplatten an der Sonne trock- 
net. Man hat die Wirksamkeit des Haschisch bisher dem 
darin enthaltenen Harze zugeschrieben, nach P. rührt sie 
aber von Nicotin her. Durch Destillation von 150 g. der 
Hanfblüthenspitzen mit Wasser erhielt er 25,4 Mg.; 50g. 
mit Aetzkalk und Pottasche destillirt, gaben 325 Mg.; 5 g 
eines aus den Bltithenspitzen bereiteten £xtracts in Alkohol 
gelöst, gaben ein Destillat, das 91 Mg. Nicotin enthielt und 
2 g. desselben Extracts, mit Aetzkalk und Pottasche destil- 
lirt, gaben 63 Mg. (The Pharm, Joum, and TransacL Third 
Ser. No. 355. Aprü 1877. p. 836.) Wp. 



Terba santa. 



Die Blätter ven Eriodyction glutinosum hat Dr. Gabel 
in Aurora, Illinois, mit gutem Erfolge in mehreren Fällen von 
Bronchitis angewandt und zwar in Form einer mit 70pro- 
centigem Spiritus dargestellten gesättigten Tinctur, die drei- 
bis viermal täglich zu 15 Tropfen oder weniger mit Glycerin 
gegeben wurde. Doch ist bewiesen, dass dieses Mittel nnr 
in atonischen Fällen hilfl und in entzündlichen schlimmer 
als unnütz ist. (American Journal of Pharmacy. Vol. XLIX- 
i. Ser. Vol VII 1877. pag. 13i.) R. 



PrafuBg dca Chmins cto. — Weingeist in äther. Oelen. 379 

PrOAiBg des Chinins anf andere Cliinabasen. 

Nach Paul kommt man mit der bekannten Aetherprobe, 
die sich auf die Leichtlöslichkeit des Chinins in Aether und 
die YerhältnissmäBsige Schwerlöslichkeit des Cinchonidins 
gründet, nicht zum Ziel. Bei Anwendung derselben lässt 
sich sogar ein Gehalt von 10 Procent Cinchonidin in Chinin 
übersehen. Auch die von der Pharmacopoea Germanica auf- 
genommene Kemersche Probe ist dem Verfasser nicht exact 
genug. Sie gründet sich auf den Unterschied in der Lös- 
lichkeit der Chinin- und Cinchonidin -Salze in kaltem Was- 
ser. Schwefelsaures Chinin erfordert 750 Thle., schwefelsau- 
res Cinchonidin nur 100 Thle. Man schüttelt das zu prüfende 
Chininsalz mit einer geringen Menge Wasser, filtrirt und 
mischt mit Aetzanmioniak. Die Flüssigkeit muss entweder 
gleich ganz klar bleiben oder doch nach kurzer Zeit wieder 
klar werden. Die Genauigkeit der Probe wird dadurch we- 
sentlich gemindert, dass das Löslichkeitsyerhältniss von Chi- 
nin- und Cinchonidinsalzen in Mischungen beider ein anderes 
ist, dass das Cinchonidin an seiner Löslichkeit einbüsst. 
Ein Procent des letzteren kann darnach leicht übersehen 
werden. Paul hat gefunden, dass man, anstatt die löslichere 
Basiis mit kaltem Wasser auszuziehen, besser die Trennung 
bewirkt, wenn man eine Anflösung der gemischten Basen in 
heissem Wasser bereitet und die schwerer lösliche Basis sich 
darch Erkalten ausscheiden lässt. Die Mutterlauge enthalt 
dann die leichter lösliche Basis bis auf ein ganz Geringes. 
{The Pkarmac. Joum. and Transact, Third Ser. No. 346, 
Fbr. 1877. p. 653) TFp. 



Weingeist in Sther. Oelen 

wird nach einer in The Chemist and Druggist enthaltenen 
Angabe, selbst wenn nur sehr wenig davon vorhanden ist, 
durch einen unter dem Namen Magenta bekannten Anilinfarb- 
stoff — essigsaures Bosanilin — erkannt, indem die meisten 
ätherischen Oele von diesem Farbstoffe unverändert bleiben, 
während bei Gegenwart von Weingeist eine prachtvoll rothe 
Färbung eintritt {The Chemist and Druggist. No, 5. 1877, 
pag. 188.) Dr. E. B. 



380 Buchenchaa. 



C. BficherBchau. 



Medicinal Plante, being descriptions with original fignres 
of the principal plante employed in medicine and an account 
of their propertiee and neee, by Robert Bentley, Prof. 
of botany in Eing'e College, London; Proü of botany 
and materia medica to the Pharmacentical Society ofGreat 
Britain etc. and Henry Trimen, departement of botany. 
Britieh Mueenm, lectnrer on botany at St. Mary'e Hospital 
medical echool, London etc. 
London, J. & A. Churchill, New Burlington Street 

Es dürfte wohl an der Zeit sein, auch die deuteehe pharmaceotiid» 
Welt auf dieses sehr beachtenswerthe Werk aufmerksam au macheo, tos 
welchem seit ie75 bis Ende Decbr. 1877 bereits 27 läefcrongen, n 
5 Shilling, erschienen und noch weitere 13 in Aussicht genommen tiod. 
Im ganzen Bereiche der englischen Sprache fehlte es an einem braoeh- 
baren Bilderwerke, welches die officinellen Pflansen der Pharmacopöen 
von England, Nordamerioa und British Indien Torfohrte. Diesen, mit 
Einschluss einiger anderer allbekannter, wenn auch nicht gerade offieiael- 
ler Arzneipflanzen, ist das Torliegende Werk gewidmet. 

Von dem Beiohtbum desselben mag die folgende Liste einen Begrif 
geben, welche sich auf solche Abbildungen beschrankt, die entweder aar 
in weniger allgemein zugänglichen Werken Torhanden aind oder hier tm 
ersten Male geboten werden oder endlich sich durch besondere OrigioaU- 
tät auszeichnen. Die grössere Zahl der Bilder — jede Lieferung enthilt 
7 oder 8 derselben — gehört allerdings in den Kreis der auch bei uni 
allbekannten oder z. 6. in Berg und Schmidt'a „Offizinellen Oewichm 
der Pharm. Borussica*' dargestellten Heilpflanzen. Ungefähr nachstehende 
dagegen dürfen wohl in besonderem Grade die Aufmerksamkeit auch der 
ausserenglischen Pharmaceuten und Mediciner beanspruchen: 

Abrus praeoatorius (indisches S&sshols), Aeacia Senegal (A. Terel). 
Aconitum ferox, A. heterophyllum (nicht giftig!), Aegle Marmelos, Ani- 
mirta Cocculus, Andrographis paniculata, Arachis hypogaea (siehe Arehii 
der Pharm. 190, 1869, 70), Arenga aaccharifera — Barosma, Balsano- 
dendron Opobalsamum , Berberis aristata, Boswellia Carterii. — OansUa 
alba, Caesalpinia Bonducella, Calotropis procera« Caasia aontifolfa, Casiiä 
angustifolia, Cephaelis Ipecacuanba, Chondodendron tomentocum, Cimio* 
faga raoemosa, Ginnamodendron corticatum (falsche Wintersrinde), Coptii 
trifolia, Gornus florida, Groton Elateria, Gurcuma longa. — Brythroxjlos 
Goca, Eucalyptus globulus, Eugenia caryopbyllata (Garyophyllus aromi- 
tica), Euphorbia resinifera (zum ersten Mal blühend nach lebenden Extio- 
plaren) — Ferula galbaniflua, Ferula Scorodosma (Soorodoama foetiduml, 



Bücbersohaa. 381 

FffTttU Sarabvl (Euryan^um Snmbal Kauffm.) — Galipea Cusparia, Qaal- 
Afria proeambMiB , Grelaemiam Ditidum , Gynocardia odorata. — Haema- 
toiyloa campechianlun y Hemidesmus indicus, HydrastiB canadensis , Hy- 
drocotyle anatiea. — Jateorrlüza palmata. — Krameria Ixina und Kr. 
triaadia. — Liqaidambar orientaüa» — MallotuB philippinensis (Kamala), 
Xuanta amndinaoea, Melia indica, Monorda didyma, Muouna pmriens, 
MyroxyloD Perdrae. — Nectandra Rodiaei (Bibirurisde). — Ophelia Gbi- 
nu (liehe ArchiT der Pharm. 190, 1869 p. 229). — Paullinia sorbilis 
(Goanni), Peanma Boldas (Boldoblätter) , Pharbitie Nil (Jalapenhars), 
PhjsoetigiBa Tenenoiam (Calabarbobne), Picraena excelsa, Pimenta (Amo- 
nis) aerify Pimenta officinalis, Piper angustifolium (Matico), Piper Gubeba, 
Piper loBgom, Plantago lepaghula (sonst nirgends abgebildet), Podopbyl- 
loB ptltaUim, Ptflroearpus Marsupium , Pterocarpus santalinns. — Sam- 
bocas canadensia (sonst nirgends abgebildet, hier freilich schlecht genug !), 
i^utalam album, Sesamum indicum, Simamba, Solenostemma Argel, Say- 
mida febrifttga, Stillingia silvatica (hier sum ersten Haie abgebildet). — 
Tkca, Theobroma y Tinospora cordifolia, Toddalia aoulenta, Toloifera. — 
ÜBcsria Gambir. — VaniUa planifolia, Yeronica virginiana. — Xan- 
thorrhUa apüfolia. 

Man darf nim allerdings an diese Abbildungen nicht einen allzu hohen 
kämtlerisehen Maaasstab anlegen, denn in der That können nur wenige 
tli wahrhaft schön bezeichnet werden, wenn auch gegen die Richtigkeit 
der Darstellung nichts einzuwenden ist. Mit Befriedigung, auch hinsicht- 
heb der Farbengebong, wird man i. B. folgende Tafeln betrachten : Aoaoia 
Senegal (Verek), Eucalyptus Globulus, Gelsemium nitidum (G. semper- 
nreas), Gynoeardia odorata, Peumus Boldus, Piper (Artanthe) angustifo- 
hnaB, Nardostaehys Jatamansi, Artemisia paudflora und manche andere. 
Zahlreiche Bilder dagegen befriedigen weit weniger, manche sind steif, 
riele Pflanzen arg misshandelt , weil unbegreiflicherweise das Format, nur 
S5 Ceatimeter hoch und 177i Gentim. breit, viel zu klein gewählt wor^ 
den ist. Wie will man damit auskommen, wenn es sich darum handelt, 
Rieinaa oder Palmen und Scitamineen wiederzugeben! Als recht wenig 
vtfpRcheada Bilder sind, aus andern Ghränden, zu bezeichnen: Artemisia 
Absiathium, Atropa Belladonna, CoutoIvuIus Soammonia, Baphne Meze- 
r«am, Ficns Carica, Pirus Gydonia. Vergleiche man einmal damit die 
betnffBaden Bilder von Berg und Schmidt, so wird sich eine ungeheure 
Ceberlegenheit der letztem herausstellen. Die beiden englischen Botani- 
ker, welehe das Torliegende Werk Teröffentlicben , hätten wohl gethan, 
sieh in kfinatleriacher Hinsicht jenem Vorbilde anzuschliessen ! Von ganz 
aaäbertraffener Hasslichkeit ist geradezu ihre Digitalis purpurea! Und 
betrachten wir s. B. Marrubium vulgare, so können wir durchaus nicht in 
Abrede stellen, daaa dies« Pflanze im Jahre des Herrn 1630 in den „Her- 
bsnuB Tivae cieones'' des ehrwflrdigen Doctor Gtto Brunfels sehr viel 
Dttaigetreaer dargestellt worden ist, wenn man von der Bemalung absieht, 
welehe i|b«r bei Bentley und Trimen auch viel zu wünschen übrig läset 
ud doch von Berg und Schmidt auch wieder sehr glücklich getroffen 
wurde. 

Der Fortschritt, den das englische Werk darstellt, beruht hauptsäch- 
lieh darauf, dass es denn doch leidliche Abbildungen so mancher Pflan- 
lea gisbt, welche der Pharmacent und Mediciner, dem nicht eben eine 
Bibliothek ersten Banges zur Verfügung steht, sonst nicht leicht zu sehen 
bekonuDon kann. Wie viele höchst bemerkenswerthe Pflanzen darunter 
vorkoDunen, zeigt die obige Aufzählung, die keineswegs vollständig ist. 

Die Beachreibimgen geben Bentley und Trimen, und das ist kein 
feiiogea Verdienst, durchaus nur nach Oxiginalexemplaren , was eben für 



382 Baohertohaa. 

▼tele Pflanien nur an einem Orte lu erreiohen war, der über eine lolche 
Fülle des botanischen Materiales gebietet, wie London nnd Kev. Yen 
gani besonderem Werthe sind neben den sehr sorgfältigen und eingehe!- 
den Beschreibungen die höchst yoliständigen Literaturnachweise, welche 
ausser dem eigentlich botanischen Kreise auch die pharmakognostiBeh- 
chemische Literatur bis auf die neueste Zeit umfassen. Die phannaJEog- 
nostisohe Schilderung der betreffenden Drogen ist ^leich&Us recht au- 
fährlioh behandelt, so wohl nach eigener Anschauung der Yeiiasaer sb 
auf Grundlage der Fachschriften Ton Pereira, Flücldgor und Hanboxy 
(Pharmacographia) etc. 

So darf denn in der That das Werk auch zum Naohschlagen der oft 
so sehr sersplitterten Joumalliteratur alle Beachtung beanspruchen und 
wird in Tielen Fällen mit Nutzen zu Rathe gezogen werden, wo ei sieh 
um yoUständigere Belehrung handelt. Für Unterriohtszwecke namentUeh 
ist dasselbe Ton ganz entschiedenem Werthe , der im Grunde ja nicht n 
sehr beeinträchtigt wird, wenn auch Digitalis purpnrea absehreekeod 
schlecht gezeichnet ist Möchten die VerfSuser in den noch ansstebenden 
Lieferungen etwas mehr auf künstlerische Behandlung Eüekaiefat nehmen; 
gewiss bedarf es nur des ernsten Willens, um ihrer sonst so wwthToUes 
Arbeit auch ein etwas würdigeres Gewand zu yerschaffen. Gerade bsin 
Unterricht ist ja die Form und äussere Erscheinung nicht Nebensadie. 



Deutsche Revue über das gesammte nationale Le- 
ben der Gegenwart. — unter ständiger Mitwirkung 
einer grossen Anzahl der namhaftesten Gelehrten, heraus- 
gegeben Yon Richard Fleis eher. — Jahrgang U. Heft 1. 
(October 1877). — Berlin, Verlag von Carl Habel. — 

Wir haben auf die hohe Bedeutung dieser Torsügliohen ZeitBchiift 
wiederholt auftnerksam gemacht. Auch das uns Torliegende 1. Heft de« 
II. Jahrganges bietet eine Fülle der interessantesten und belehrendsten 
Aufsätze: y. Schulte, der Ultramontanismus in Deutschland; £. Las- 
peyres, die Kohlenindustrie und der industrielle Nothstand; J. Land- 
graf, moderne Schauanstalten; K. Birnbaum, Klein- und Groasbetiieb; 
C. Gareis, die Genfer Conrention ; H. Bresslau, Don Carlos; A. Kirch- 
hoff, eia neuer Einblick in den Bau Centralasiens ; M. Carriere, die 
sittliche Weltordnung; F. Seits, Spitäler; £. Reitlinger, Wirbel- 
bewegungen und Wirbelatome; M. Sohasler, die Berliner Kuistansslil' 
lung; £. Naumann, Musikieste; A. Strodtmann, G. Herwegh. — 
Im Feuilleton finden wir: W. Jensen, „Um den Kaiserstuhl**, Boidsb 
aus dem 80 jährigen Kriege, Kapitel 1, 2, 8; B. Geibel, Oden des fio* 
raz ; K. Möbius, Blicke in das Thierleben des Meeres; K. E. Franxos, 
Prof. Hydra, ein Charakterbild aas Oesterreioh; Daniel Schenkel, die 
nationale Bedeutung der religiösen Frage. 

So sei die „Deutsche Beyue" nochmals der Beachtung aller Ltaa 
auf das Wärmste empfohlen! — 

A. Geketh. 



Bücherschau. 383 

Kurze Anleitung zur qualitativen Analyse. Zum Gebrauch 
beim Unterricht in chenÜBchen Laboratorien, bearbeitet von 
Dr. Ludwig Medicus, Privatdocent der Chemie an der 
UniTersitat Würzburg. Tübingen 1878. Verlag der H. 
Laopp'schen Buchhandlung. 

Dieies kleioe Buch dürfte, obgleich schon yiele Anleitungen zor qaa- 
litaÜTtn Analyse geschrieben sind, sich dennoch einer guten Aufnahme 
ofreaen, da es dem Anfanger in kurzer und bündiger Weise die beim 
Arbeiten notbigen Anweisungen giebt, ohne ihn jedoch zu rein mechani- 
schem Veifshxeii zu yerführen. 

Feriasser handelt zuvörderst das Verhalten der einfachen Körper und 
ihrer Ysrbindungen in der Weise ab, wie Fresenius in seinem bekannten 
Lchrtaeh und Usst dann «ine Anleitung zur Analyse folgen. 

Aof eirea SO Seiten bespricht er die Vorprüfung auf trockenem Wege, 
wobei er das Verständniss der einzelnen Keactionen stets durch £nt- 
viekeloag der Formeln zu unterstützen sucht. 

Dieser Vorprüfung lasst er dann die eigentliche Untersuchung auf 
nssMD Wege folgen, die den Raum ron dreissig Seiten einnimmt. 

Auch hier wird dem Arbeitenden fortwahrend durch Fntwickelung 
der Formeln der betreffende Vorgang klar gemacht und dem mechanischen 
Arbeiten mögliehit rorgebeugt. 

Da das Werk für Anf&nger bestimmt ist, so ist auf seltenere Körper 
keine fiüekaicht genommen. 

Druck und Papier sind gut und daher das kleine Buch ein recht 
enpfebleasweithea. 

Jena 1878. ;Dr. Heris. 



Die qoantitatiye Bestimmung des Kohlenstoff- und Wasser- 
stoffgehaltes der organischen Substanzen von Ferdinand 
Eopfer. 

Unter diesem Titel hat der Verfasser seine Inauguraldissertation über 
«du Platin als Sauerstoffübertrager bei der Elementaranalyse '^ im Ver- 
lage TOB C. W. Xreidel in Wiesbaden (Preis 3 Mark) im Buchhandel 
erseheiaeB lassen. Ea genügt an dieser Stelle, auf die Vorzüge kurz hin- 
zuweisen, die Herr Kopfer bei seinft Methode der Ersetzung des Kupfer- 
oxjds durch metallisches Platin gefunden hat Das Verfahren ist nicht 
M zeitnabend , mindestens eben so genau , der theure Gasofen wird rer- 
nisden und die Verbrennungsröhre kann, da sie kaum erhitst wird, sehr 
linge gute Diaiuta thun. 

Geseke im Februar 1878. Dr. Jehn, 



384 Bficherschau. 

Handbach der Militär -Gresundheitspflege von Dr. Wühelm 
Roth, £. Sachs. Generalarzt, und Dr. Kadolf Lex, K PreoBs. 
Ober -Stabsarzt. 3 Bände mit resp. 103, 93 und 21 in 
den Text eingedruckten Holzschnitten, 6 Steindracktafeln 
XVI und 676, VIII und 706, VIII und 671 8. Berlin 
1872 — 1877. Verlag von August Hirschwald, Unter den 
Linden Ko. 68. 

Die Verfasser haben sich das Ziel gesetst, den Militararst la einem 
Yon technischer Beihülfe möglichst unabhängigem Urtheile anf dem 
genannten Gebiete lu befähigen nnd tragen daher die für die allgemeise 
Hygiene in Betracht kommenden Verhältnisse und die lor Eifonohmi 
derselben dienenden Untersuchungsmethoden in so ausführlicher Weite 
▼or , dass das Werk auch yielen anderen Kreisen , als dem der Militär' 
ärzte, namentlich aber den Lesern des ArchiTs ein hohes Interesse bie- 
ten wird. 

Der erste Band handelt in 8 Abschnitten Tom Wasser, von derLoft 
und Ventilation , Tom Boden , Ton der Witterung , Ton der aUgemeises 
Hygiene der Wohnungen, ron der Beseitigung der Auswurfstoffe, tod der 
Desinfection und von den militärischen Wobnungs -Anlagen in Garniso- 
nen. Der zweite Band bespricht die militärischen WohnungsrerhsUnine 
ausserhalb der Garnisonen , sonstige Garnison -Einrichtungen, Müitir- 
Erziehungs- Anstalten, Invalidenhäuser und in erschöpfender Weise die 
Lasarethe und die Nahrung. Der dritte Band ist der Kleidung und Aus- 
rüstung, dem Dienst, den Armeekrankheiten und der Statistik gewidmet; 
ausserdem fuhrt derselbe in einem Nachtrage die seit Erscheinen des 
ersten Bandes ermittelten wichtigeren Thatsachen auf. Die Steiadnek- 
tafeln enthalten Grundrisse einer Desinfections- Anstalt, eines Lagers, 
eines Lasarethschiffs und Zeichnungen von Stärkemehlarten und Tbie- 
blättem. 

Diese Inhaltsübersicht zeigt zur Genüge, dass auch solche Thensti 
abgehandelt sind , welche in neuerer Zeit ein allgemeines Lutereste ia 
Anspruch nehmen, ja dass gerade diese den grössten Theil des WeikM 
ausmachen. Die Untersuchungsmethoden, auch für quantitative ehemiselie 
Analysen , sind detaillirt angegeben. Das Werk nimmt einen hervor- 
ragenden Platz in der betreffenden Literatur ein und ist sehr geeignet, 
ein klares Bild von dem auf diesem Wissensgebiete Erforschten zu geben, 
so dass es gleichzeitig als das umfassendste Werk über Gesundheitipütg« 
bezeichnet werden kann. 

Bissendorf, Febr. 1878. Dr. M. Xmper. 



Halle , Bnchdrackcrol des Walienhsneee. 



ABCHIV DER PHARMACIE. 






>n- /■;/:•. 



9. Band, 5. Heft/^/^ ' 



^h^^^#^^^^W^^^S^W^IW^VN««^M« 



\ • ^^V 



ElemlsBare. 

Beitrag zur Eenntnias des Elemi 

Ton Dr. Engen Bari.' 

Wenn die weingeistigen Mutterlaugen des Amyrins (vergl. 
Bnchner's N. Repert. f. Pharm. 25, 1876, 8. 194 und Dragen- 
doHTs Jahresbericht 1876. 200) zur Trockne verdampft wer- 
<leny so bleibt als Rückstand ein braunes amorphes Harz. 
In diesem habe ich eine noch nicht beschriebene, gut krystalli- 
sirende Harzsänre aufgeftmden, welche ich Elemisäure nenne. 

Die Trennung dieses Körpers von den quantitativ weit 
äberwiegenden amorphen Harzen geschah nach folgenden 
zwei Methoden. 

1. Methode, mit Petroleumäther von ungefähr 

60^ Siedepunkt. 

Das amorphe Harz zeigt ein bemerkenswerthes Verhal- 
ten za Petroleumäther. Im gleichen Gewichte dieser Flüssig- 
st lost es sich auf. Die Lösung lässt sich bis zu einem 
^wissen Punkt mit Petroleumäther verdünnen, bei weiterem 
Zusaise des letzteren trübt sich die Lösung, und diese Trü- 
bung nimmt bei vermehrtem Zusatz zu, endlich aber wie- 
der ab. 

Eine Portion dieses Harzes wurde in gleich viel Petro- 
leomather gelöst und bis zur beginnenden Trübung damit 

1) Mittheiliuig am dem pharmaceatiiohen Institiit der üniTersitat 
Stnnbvf , fib«rsetet aus Pharmaeeutioal Jonrnal YIU (1878, 2. F«- 
kmr) 601. 
Aith. d. Fhann. XII. Bdi. 6. H«ft. 25 



886 £. Bnri, Elemisäure. 

yerdünnt. Die Lösung wurde mit dem gleichen Yolom 
Kalilauge von 10 ^o geschüttelt. Beim ruhigen Stehen im 
Scheidetrichter erhielt man so zwei Flüssigkeitsschichten und 
ausserdem eine Ausscheidung halbflüssiger, scbmierseifen- 
ähnlicher Masse. Die beiden flüssigen Schichten, welche 
keine Elemisäure enthalten, wurden beseitigt Die halbflüssige 
Masse wurde mit Wasser behandelt, worin sie sich zu einer 
trüben, nicht filtrirbaren Emulsion zertheilt, welche durch 
Schütteln mit gewöhnlichem Aether geklärt wurde. Die 
Aetherschicht enthielt ein amorphes, indifferentes Harz. Die 
wässerige, stark alkalisch reagirende Schicht wurde nach 
Yerjagung des aufgelösten Aethers filtrirt und mit Salzsauix^ 
übersättigt, wobei ein reichlicher Niederschlag entstand, wel- 
cher abfiltrirt, gewaschen und getrocknet wurde. Er bildete 
nach dieser Behandlung eine weissliche, leicht zerreibliche 
Masse, welche ein Gemenge von Elemisäure und einem amor- 
phen Harze saurer Natur ist. 

* 

2. Methode mit gewöhnlichem Aether. 

Gewöhnlicher Aether löst das Harzgemisch YoUständig 
auf. Die Lösung zeigt gegen Kalilauge ein sehr verschiede- 
nes Verhalten, je nachdem die letztere concentrirt oder ver- 
dünnt ist. Schüttelt man die ätherische Lösung mit sehr 
verdünnter Kalilauge von etwa l^o Gehalt, so entzieht die- 
selbe dem Aether die Elemisäure und das amorphe, in Kali 
lösliche Harz. 

Stärkere, z. B. zehnprocentige Lauge, entzieht der Aether- 
lösung kein Harz, sondern nur etwas Farbstoff. Dagegen 
ninmit die ätherische Lösung Kali auf. Schüttelt man dann 
die abgehobene ätherische Lösung mit Wasser, so gehen die 
Kaliverbindungen der sauren Harze in das Wasser über, 
während die indifferenten Harze im Aether gelöst bleiben. 

Es wurde demnach eine grössere Menge des Harzes im 
doppelten Gewichte ofßcinellen Aethers gelöst, und wiederholt 
abwechselnd mit Kalilauge und mit Wasser geschüttelt Die 
vereinigten wässerig alkalischen Lösungen gaben beim Heber- 



S«. Bari, Eletniiaure. 387 

sättigen mit Salzsäure den nämlichen Niederschlag von Elemi- 
säare and amorphem Harze, wie bei der ersten Methode. 

Der nach beiden Methoden erhaltene Niederschlag wurde 
in heissem Weingeist gelöst und durch Abkühlen zur Kry- 
stallisation gebracht. Durch sehr häufiges ümkrystallisiren 
aas heisaem und Waschen mit kaltem Weingeist wurde die 
Elenusaare Yollkommen farblos erhalten. 

JUe Elemisäure bildet kleine, farblose Eryetalle Ton 
angewöhnlichem Glänze. Leider waren ihre krystallographi- 
sehen Verhältnisse nicht zu ermitteln. Nach gütiger Mitthei- 
long Ton Professor Groth erweisen sich die Krystalle zwar 
äosserlich als gut ausgebildet; die optische Prüfung zeigt 
aber, dass es keine Erystallindividuen , sondern complidrte 
Aggregate sind, die sich der Bestimmung entziehen. 

Die Verbindung schmilzt bei 215^ und erstarrt als 
amorphe, durchsichtige Masse, die aus Weingeist wieder 
kiystallisirt Erhitzt man sie anhaltend, so bräunt sie sich 
nach und nach schon unter der Schmelztemperatur und 
erweicht. In Wasser ist sie unlöslich, leicht löslich in Aether, 
Alkohol, Methylalkohol, Amylalkohol, weniger in Schwefel- 
kohlenstoff. 

Die Bestimmung der Löslichkeit in Weingeist von 92,5 G.P. 
wurde wie beim Amyrin (Buchner*s Report. 25) ausgeführt. 

12,1619 g. der bei 15^ gesättigten Lösung gaben 0,6556 
Verdampfongsrückstand, woraus folgt: 

100 Thle. Weingeist von 92,5 G.P. lösen bei Ib^ 5,7 Thle. 
Elemisäure oder 1 ThL Elemisäure ist löslich in 17,55 Wein- 
geist. 

Li heissem Weingeist löst sich die Säure reichlicher. 
Sie hat grosse Neigung, übersättigte Lösungen zu bilden. 

Die weingeistige Lösung reagirt sauer, am deutlichsten, 
wenn so viel Wasser zugesetzt wird, dass eine Trübung 
entsteht Die weingeistige Lösung der Elemisäure giebt mit 
weingeistigen Metallsalzlösungen keine Niederschläge, da die 
elemisanren Salze alle in Weingeist löslich sind. 

Optisches Verhalten. Die alkoholische Lösung der 
Elemisäure ist schwach linksdrehend. Die Lösung yon 1 Theil 

25» 



388 £. Bari, Elemiiäore. 

in lOThln. käuflichem absolatem Alkohol zeigte in 200 Mm 
langer Schicht eine Ablenkung von — 3^,5. Die Temperatar 
der Lösung ivar 20^, das spec. Gewicht derselben bei dieser 
Temperatur 0,8185. Die Beobachtung geschah bei Natrium- 
licht mit dem Wild'schen Instrumente. 

Elementaranalyse. 

Um die Elemisäure zur Verbrennung von einem zwar 
nur sehr geringen, aber durch TJmkrjrstallisiren nicht zu 
entfernenden Aschengehalte zu befreien, wurde sie in 20 TUd. 
Aether gelöst, die Lösung mit salzsäurehaltigem Wasser 
geschüttelt und nachher mit reinem Wasser gewaschen. Beim 
Verdunsten hinterliess der Aether die Säure Yollkommen frei 
von unverbrennlichen Sestandtheilen. Sie wurde bei 100' 
getrocknet. 

1) 0,2418 BubBtans gahen 0,6922 CO» und 0,2279 H«0. 



2) 0,8041 


s m 


0,8649 - 


- 0,2847 - 




8) 0,2998 


- 


0,8541 - 


- 0,2808 - 




4) 0,2959 


- 


0,8444 - 


- 0,2768 - 




6) 0,2919 


- 


0,8819 - 


- 0,2726 - 




6) 0,8141 


« m 


0,8957 - 


- 0,2943 - 




1. 


2. 


8. 


4. 6. 


6. 


C 78,07 


77,57 


77,83 


77,83 77,73 


77,77 


H 10,47 


10,40 


10,40 


10,39 10,38 


10,41 


11,46 


12,03 


11,77 


11,78 11,89 


11,82 



100,00 100,00 100,00 100,00 100,00 100,00. 

Die Formel C»»H*«0* verlangt: 

C»* 420 77,78 

H*« 56 10,37 

0* 64 11,85 

540 100,00. 

Demnach tritt die Elemisäure in die Beihe der Elemi- 
bestandtheile als (C*H^)^0*, d.h. als ein Terpenoxyd. 

Salze der Elemisäure. 

Uebergiesst man ein Gemisch von Elemisäure und koh- 
lensaurem Natron mit wässerigem Weingeist und erwärmt, 



£. Burif Elemisäure. 389 

ßo wird Kohlensaure ansgeirieben unter Bildung eines Natron- 
salzes. Es gelingt jedoch in dieser Weise nicht, ein kry- 
stallisirtes Salz zu erbalten. In der Kälte wird umgekehrt 
aus der Losung des Salzes in verdünntem Weingeist die 
Elemisäure durch Kohlensäure geföUt. 

Elemisaures Kali. C"H"KO* + 18H«0. 

Wird gepulverte Elemisäure mit Aetzkalilösung von 
etwa 10*/o Grehalt im Wasserbade erwärmt, so gesteht 
zunächst Alles zu einer kleisterartigen Masse. In sehr kur- 
zer Zeit trennt sich das gebildete Kalisalz als feste Masse 
von der überschüssigen Lauge, welche klar und frei von 
Elemisäure abgegossen werden kann. Fügt man nach dem 
Abgiessen Wasser zu, so erhält man beim Erhitzen eine 
klare Lösung, welche beim Erkalten zu einem aus feinen 
Xadeln gebildeten Krystrallbrei erstarrt. Die Krystalle wur- 
den in einem Trichter auf Baumwolle gesammelt und nach 
möglichstem Absaugen der Mutterlauge, mit Hülfe der Was- 
serloftpumpe, zwischen Fliesspapier gepresst und an der 
Luft getrocknet Nach dem Trocknen bildet das Salz eine 
blendend weisse, verfilzte Massa Mit Wasser giebt es unter 
partieller Zersetzung eine trübe Lösung, es kann daher weder 
gewaschen noch umkrystaUisirt werden. In Folge dessen 
hangt ihm etwas überschüssiges Kali an, welches beim Trock- 
nen an der Luft grossentheils in Garbonat übergeht. Giebt 
man zu der trüben wässerigen Lösung sehr wenig Aetzlauge, 
so wird sie klar. Durch weitem Zusatz von Kali wird das 
Salz geOQlt In Alhohol löst sich dasselbe leicht unter Zu- 
rucUassung von etwas kohlensaurem Kali; es löst sich auch 
in verdünntem Weingeist und in Aether. Aus allen diesen 
Lösungen kann es nicht krystallisirt erhalten werden, son- 
dern bleibt beim Verdunsten als schmierseifenähnliche Masse 
zurück. Es kann nur in der oben angegebenen Weise aus 
der durch wenig überschüssiges Alkali vermittelten Lösung 
in heissem Wasser krystallisirt werden. 

Das Krystallwasser entweicht zum Theil beim Stehen 
über Schwefelsäure, vollständig erst bei 126<^— 130^ wobei 



390 E. Buri, Eiemisäure. 

Bich das Salz schon stark bräunt. Der Wassergehalt wurde 
desshalb indirect bestimmt. Zur Analyse wurde das Salz 
mit Wasser erwärmt und durch Salzsäure zersetzt Die 
abgeschiedene Elemisäure wurde auf einem gewogenen Filter 
gesammelt und nach dem Trocknen bei 100® gewogen. Das 
Kalium wurde durch Verdampfen des Filtrates als Chlor- 
kalium bestimmt. 

1) 1,0092 lufttrockenes Sali gaben 0,5988 Elemisäure b» 0,5977 Sleni- 
säurerest » 59,22%. 

und 0,0856 KCl « 0,04486 K »= 4,44 o/o- 

2) 1,1885 lufttrockenes Salz gaben 0,7056 Elenusaure = 0,7043 Eleni- 
säurerest = 59,26 7o- 

und 0,0998 KCl = 0,0523 K » 4,40%. 

1. 2. C»»H»«K0* + 18H«0 erfordert 

Rest d. Elemisäure 59,22 59,26 C"H"0* 539 59,75 

EaUum .... 4,44 4,40 K 39,1 4,33 

Wasser als Differenz 36,34 36,34 18H«0 324 35,92 

100,00 100,00 902,1 100,00 

Elemisaures Natron 

verhält sich nach Bildungsweise und Eigenschaften wie das 
Kalisalz. Es wurde nicht analysirt. 

Elemisaures Silber. C"H"AgO*. 

Elemisaures Kali wurde in absolutem Alkohol gelöst, 
die Lösung filtrirt, mit Wasser verdünnt und in eine Lösung 
von salpetersaurem Silber gegossen. Es entstand ein weisser, 
sehr voluminöser Niederschlag ähnlich gefällter Thonerde, 
der sich oberflächlich rothviolett färbte. Nach dem Aus- 
waschen, Fressen zwischen Fliesspapier und Trocknen i^urde 
or wiederholt mit viel Aether behandelt, worin er sich unter 
Zurücklassung eines grauen Bückstandes löste. Der Aether 
hinterliess beim Verdampfen das Silbersalz als weisse, lockere, 
nunmehr lichtbeständige, beim Zerreiben ausserordentlich 
electrisch werdende Masse. Sie wurde bei 100® in einem 
von Kohlensäure und Schwefelwasserstoff befreiten Luftstrom 
getrocknet. 



£. Bnriy Elemisäure. 391 

1) 0,5668 Sflbonais gaben dvach Qlufaea 0,0945 Silber. 

2) 0,5785 - - . - 0,0983 - 

3) 0,1475 - - bei der YerbrennuDg 0,0420 Silber und 
0,5850 C0> und 0,1906 H« 0. 

4) 0,tS88 Silbertals gaben bei der Yerbrennung 0,0388 Silber und 
0,5401 C0> und 0,1780 H* 0. 



1. 


2. 


3. 


4. 


CwfiwAgO* 


erfordert: 


c 




64,46 


64,54 


C" 420 


64,92 


H 




8,56 


8,67 


H" 55 


8,50 


Ag 16,68 


16,99 


16,97 


17,00 


Ag 108 


16,69 







10,01 


9,79 


0* 64 


9,89 



100,00 100,00 647 100,00. 

Das elemisaure Silber löst sich auch in heiBsem Alkohol. 
Beim Erkalten erstarrt die Lösung zu einer Gallerte. 

Die Lösung von elemisaurem Kali in verdünntem Wein- 
^ist giebt mit den Salzen der alkalischen Erden und der 
schweren Metalle Niederschläge, welche in Alkohol lös- 
lich sind. 

Wässeriges Ammon löst die Säure nicht merklich. Giesst 
man aber eine weingeistige Lösung der Säure in Wasser, 
nnd tröpfelt zu der milchig trüben Flüssigkeit Ammoniak, 
^0 erhält man eine klare Lösung. Eine Ammoniakverbin- 
dang in fester Form lässt sich nicht darstellen. 



Es mögen nun noch einige Worte über die amorphen 
Harse des Elemi gesagt werden. 

Dieselben sind zum Theil indifferent, zum Theil besitzen 
sie saure Eigenschaften. 

Der indifferente Theil des amorphen Elemiharzes bleibt 
bei der Darstellung der Elemisäure nach der zweiten Methode 
(vergleidie oben) im Aether gelöst. Nach dem Abdestilliren 
des Aethers lässt er sich durch Petroleumäther in zwei 
Tbeile zerlegen. Ein Theil löst sich leicht in kaltem Petro- 
lenmather. Der unlösliche Rückstand löst sich in heissem 
Petroleumäther und fällt beim Erkalten heraus, zunächst als 
balbflüssige Masse. Nach dem Trocknen stellen die beiden 
iadiSerenten Harze spröde, durchsichtige Stücke von gelb- 



392 A. Schmidt, Bier, Verfalschiug und Prüfiuig deaselben. 

brauner Farbe dar, von dem Ausseben des Eolophoninms, von 
dem sie sieb aber dnrcb XJnlöslichkeit in Aetzlaugen sdiarf 
unterscbeiden. 

Das amorphe Harz von saurer Natur begleitet die Elend* 
säure bei ibrer Abscheidung aus der alkalischen Lösung nnd 
bleibt beim Umkrystallisiren der erstem in den weingeistigen 
Mutterlaugen. Nach seinem Verhalten zu Petroleumäther 
scheint es ebenfalls ein G-emenge zu sein. Zu wässerigen 
Alkalien verhalt es sich ähnlich, wie die Elemisaure, d. h. es 
löst sich in verdünnten Aetzlaugen, und aus diesen Lösun- 
gen schlägt concentrirtere Lauge die Alkaliverbindungen nie- 
der, welche aber nicht krystallisirbar sind, sondern weiche, 
schmierseifenähnliche Massen von brauner Farbe bilden. 



Bier, YerfSlsehiing und Prflftmg desselben. 

Von Alh. Schmidt, Apotheker in Begensburg. 

Die drei ursprüilj^lichen Materialien zur Herstellung die- 
ses unseres beliebtesten Getränkes und Nahrungsmittels bQdei 
Wasser, Malz und Hopfen. Mag man über den directen 
Nährwerth des Bieres wie immer denken^ dasselbe ist aus 
der Beihe der Genussmittel unbedingt in die der Nahrungs- 
mittel zu versetzen, weil die glückliche Vereinigung tob 
erfrischenden, durstlöschenden Eigenschaften mit gelinde 
nährenden — durch die Kohlensäure einerseits, und durch 
die Extractbestandtheile, Dextrin, Zucker und Salze, haupt- 
sächlich Phosphate, andererseits bedingt, — normales Bier zu 
einem Erquickung und Stärkung bietenden Getränke machen. 
So bildet dasselbe in Süddeutschland einen wesentlichen £e- 
standtheil der frugalen Mahlzeiten der arbeitenden Klasse, 
und ist hierzulande der Genuss einer gewissen Menge Bier 
auch dem anspruchslosesten Tagelöhner Bedürfhiss, bietet 
ihm also in gewissem Sinne ein Nahrungsmittel. 

So, wie es gegenwärtig viel zum Gonsum gelangt, ver- 
dient das Bier allerdings die Bezeichnung eines Lebensmittels 



A. Sdanidt, Bier, Yernüschung and Prüfung desselben. 393 

nicht mehr, denn die Yerfälschangen desselben sind ausser- 
ordentlich mannigfaltig und werden yielfach betrieben. Die 
Kerfalschnngen lassen sich in zwei verschiedene Kategorien 
theikn, nemlich in die Anwendung ungehöriger Mittel zur 
AViederherstellang bereits verdorbener Bie^e, und in die Er- 
setzung der Materialien — Hopfen und Malz — durch billi- 
gere andere Stoffe, durch eigentliche Surrogate. 

Wohl die meisten Yerßilscbungen entspringen aus der 
Unterlassungssünde, für kräftig eingesottenes und denmach 
haltbares Bier zu sorgen, in der zu sparsamen Verwendung 
der Materialien. In dem dünnen, nur wenig Frocente Extract 
ond Alkohol enthaltenden Bier wird allmählich sämmtlicher 
Zucker verzehrt, d. h. in Weingeist und Kohlensäure über- 
geführt, und da die Bestandtheile des Bieres in ununterbroche- 
ner Thätigkeit sind, tritt sehr bald die saure Gährung ein, 
das Bier riecht und schmeckt sauer , und der Alkoholgehalt 
nimmt in demselben Grade ab, als Essigsäure erzeugt wird. 
Um nun ein auf diese Weise dem frühzeitigen Verderben 
anheim gefallenes Bier wieder so herzurichten, dass es noch 
ausgeschenkt werden kann, kommen die Verbesserungsmittel 
zur Geltang. Es g^lt die sich allerdings stets wieder neu 
bildende Saure zu tilgen mit Natriumbicarbonat, Pottasche, 
Kreide. Es gilt zu klären, auch mit weniger appetitlichen 
Körpern wie Ealbsfussen, Schafsdärmen, Tischlerleim, mit Hau- 
Benblase, Leim, Alaun. Das so behandelte Bier hat oft einen 
fatalen Beigeschmack, wohl von den zugefügten Salzen her- 
rührend, zu dessen Maskirung Glycerin Verwendung findet; 
dasselbe hat auch den Zweck, dem gänzlich zuckerfreien 
Biere wieder einen etwas süssen Geschmack zu verleihen, 
dasselbe „vollmundig'' zu machen. Das Glycerin wird wohl 
hauptaädilich zu dieser Art der Bierfalschung benutzt und 
kann nicht leicht als theilweiser Ersatz des Malzes von 
vornherein Verwendung finden, weil dasselbe erstens nicht 
gahnmgsfiihig ist, also keineii Alkohol producirt, zwei- 
tens ein verhältnissmässig nur unbedeutender Zusatz von 
ölyoerin dem Biere einen zu süssen Geschmack ertheilen 
wnrda 



39:4 A. Schmidt, Bier, VerfalBchung; and Prüfung desselben. 

Zar Yerdeckung des säuerlichen Grerackes wird als i^el- 
terer Zusatz zu säuerlichem oder entsäuertem Biere ab und 
zu die Verwendung aromatischer Stoffe empfohlen, wie Car- 
damomen, Goriander, Ingwer etc. 

Dies die Fälschungsmittel zur Wiederherstellung ver- 
dorbenen Bieres. Dass der Zweck durch diese Stoffe nur 
unvollständig oder gar nicht erreicht werden kann , liegt auf 
der Hand und es resultirt oft schliesslich ein Gebräa, d&s 
von einem echten Biere himmelweit verschieden ist. 

Es wäre dieser Art der Bierfalschung die Hauptspitze 
abgebrochen, wenn man den Begriff, Bier, iü feststehenden 
N^ormalzahlen fixiren würde, und gesetzlich ein Minimum an 
Alkohol, Extract und Asche, mit anderen Worten ein Maxi- 
mum an Alkohol, Extract und Asche, mit anderen Worten 
ein Maximum von Wasser bestimmen würde. Junges Schenk- 
bier sollte schon den geforderten Zahlen entsprechen, und 
nicht als trübe, mit Hefezellen durchsetzte Flüssigkeit ge^ 
ben werden dürfen. Ein zu dünnes, d. h. zu viel Was- 
ser enthaltendes Bier müsste dann zu beanstanden sein, wie 
gewässerte Milch, während gegenwärtig ein Brauer nicht zn 
belangen ist, mag sein Product auch noch so schwach ein- 
gesotten sein. 

Die zweite Art der Bierfalschung bezieht sich auf die 
eigentlichen Surrogate von Malz und Hopfen, welche schon 
zum Brauen verwendet wurden, und aus billigeren Mat^na- 
lien, als obige normale, bestehen. Es sind dies Tranben- 
zucker, Stärkezucker oder Stärkesyrup, und die stattliche 
Reihe von aromatischen und bitteren Stoffen an Stelle des 
Hopfens. Hierbei sollen zur Verwendung kommen: Enzian, 
Aloe, Wermuth, Weidenrinde, Wachholder, Quassia, Bitter- 
klee, Cardobenedicten , Tausendguldenkraut, Sumpfborst, an 
welche sich geradezu giftige Yegetabilien schliessen, wie 
Kokkelskörner , Coloquinten , Zeitlosensaamen, Seidelbast, 
Spanischpfeffer, Bilsenkraut, Belladonna, Erähenaugen und 
endlich die gleichfalls giftige Pikrinsäure. Hierzu muss bemerkt 
werden, dass, wenn auch die Verwendung einzelner dieser 



Ä, Schmidt, Bier, Verfalschaog und Prüfung dfcsselbon. 3U5 

Bitter8to& nachgewiesen wurde, dieselbe wohl viel weniger 
allgemein ist, als vielfach geglaubt wird. Abgesehen davon, 
dass kein Bitterstoff den Hopfen zu ersetzen yermag, der 
dem Biere nicht nur den charakteristischen Geruch und 
Wohlgeschmack verleiht, sondern auch auf dessen Haltbar- 
keit von Einflnss ist, haben speciell einige der erwähnten nar- 
kotischen Yegetabilien eine so intensive Bittere, dass sie nur 
in geringer Menge einem Biere .zugesetzt, dasselbe kaum 
mehr trinkbar machen würden. — Da indess zuweilen auch 
grobe Verfälschungen vorkommen, so ist die Möglichkeit 
einer Verwendung dieser Gifte nicht ausgeschlossen, wenn 
anch unwahrscheinlich, und der Analytiker hat auch hierauf 
Rücksicht zu nehmen. 

Einer dritten Art von Fälschung des Bieres mag end- 
lich noch gedacht werden, ^(^elche zwar mit einem an sich 
durchaus unschuldigen Mittel, nemlich mit Brunnenwasser, 
vorgenommen wird, welche aber ebenso zu beanstanden ist, wie 
andere Verfälschungen, da es eine üebervortheilung des Gon- 
sumenten ist, der Bier und nicht Wasser bezahlt. Von einer 
Beanstandung dieser Verdünnung kann natürlich erst dann 
die Rede sein, wenn ein Gehalt des Bieres gesetzlich vor- 
geschrieben ist. Es ist die Wässerung von noch gutem Bier 
eine bei uns ausserordentlich beliebte Manipulation, da man 
eben grossen Unterschied zwischen altem und neuem Bier 
macht; so kommt es, dass man« das, wenn auch oft stark 
gewasserte alte Bier dem neuen unvollständig vergohrenen, 
Hefe enthaltenden vorzieht. Man sieht, ein TJebel erzeugt 
hier mehrere, das Verbot des Ausschankes von solchem 
unfertigen Biere würde zur Folge haben, dass dem Publikum^ 
das neue Bier gleich als wohlvergohrenes, glanzhelles und 
wohlschmeckendes Getränk geboten wird, und hiermit die 
tibergrosse Nachfrage nach altem Biere von selbst wegfallen. 

Man begegnet in Fachschriften vielfach der Ansicht, dass 
es mit der Bierfalschung im Allgemeinen nicht so schlimm 
sei, ab behauptet wird, dass man heutigen Tags von vorn- 
herein allen Nahrungs- und Genussmitteln ein oft sehr 



396 A. Schmidt, Bier, Yerdälsohuiig and Prufang desselben. 

ungerechtfertigtes Misstraaen entgegenbringe und dass spe- 
ciell die Bierialschangen oft Himgespinnste Einzelner seien, die 
Yon einer Schrift in die andere wandern, in der Praxis aber 
nicht Yorkommen. 

Diese Ansicht mag ihre Richtigkeit haben in Bezug auf 
die narkotischen Bitterstoffe, welche wohl, wie schon erwähnt^ 
nur ausnahmsweise zu derartiger Verwendung gelangen. — 
Dass aber Wasser und Malzsurrogate eine grosse Bolle spie- 
len und hauptsächlich, dass die Bierbrauerei yerschiedene 
chemische Präparate sich angeeignet hat, um das erst dünne^ 
dann bald verdorbene Bier wieder herzurichten, das sind 
Thatsachen, über die man sich nur zu leicht sichere Erfah- 
rungen sammeln konnte. — Man kann ohne üebertreibnQg 
behaupten, dass die Fabriken von Natriumbicarbonat ihre 
Hauptabnehmer in den Bierbrauereien haben , welche letztere 
sich allerdings nur meist indirect und yorsichtig mit diesem 
Artikel yerseben. Wer femer die ominösen Einkäufe soge- 
nannter Bierchemiker, wie solche zur Zeit in Süddeutschland 
insbesondere auf dem Lande yon Brauerei zu Brauerei ziehen, 
um kranke Biere wiederherzustellen, kennen gelernt hat, dem 
kann man die vielen Klagen über yerfölschtes Bier nicht mehr 
als grundlose Verdächtigungen hinstellen. 

Dass die Klagen im Publikum vielfach auf irrigen An- 
schauungen basiren, lässt sich nicht leugnen^ so werden oft 
üble Nachwirkungen nach • Biergenuss falschlich nicht der 
Quantität, sondern der Qualität zugeschrieben, oder anderer 
Einflüsse , wie z. B. des langen Verweilens in raucherfnlltea 
Lokalen, nicht gedacht Zu ungerechtfertigten Klagen fuhrt 
femer auch der verschiedene Geschmack der Biertrinker, indem 
oft Derjenige, welcher bitteres Bier gewohnt ist^ ein weniger 
stark gehopftes als schlecht verurtheilt und umgekehrt. 
Daraus folgt, dass die Gaumenprube für die Beurtheilung des 
Bieres ganz unzureichend ist, sondern, dass hierzu eine Prü- 
fung der physikalischen Eigenschaften mit der Feststellung 
der Normalbestandtheile Hand in Hand gehen muss. 



A. Schmidt, Bier, VeifilsoliiiDg und Prüfung desselben. 397 

L Physikalische Beschaffenheit normalen 

Bieres. 

Noimales Bier ist Yollständig klar, ,, glanzhell '', je nach 
der Art des verwendeten Malzes goldgelb bis dunkelbraun 
gefärbt, zeigt frisch in das Glas gefüllt, einen dichten, klein- 
blasigen Schaum, „Rahm", ist frei von säuerlichem Gerüche, 
und hat zunächst einen durch gehörigen Eohlensäuregehalt 
bedingten, erfrischenden und nicht saueren Greschmack. Auf 
weitere Geschmacksproben sich einzulassen ist unzuverlässig, 
weil die verschiedenen deutschen und fremden Biere in ihrer 
besten Qualität, durch den Brauvorgang bedingt, sehr ver- 
schieden schmecken. Ein lang anhaftender widerlich bitterer 
Geschmack oder eine unnatürliche Süsse machen ein Bier 
verdächtig und eine folgende chemische Untersuchung wird 
meist die Natur des auffallenden Geschmackes darthun. Yor- 
eilig aber wäre es, ein Bier dessbalb sogleich als verfälscht 
ZQ verdammen, da Fehler oder ungünstige Verhältnisse beim 
Brauprocess sich oft auch, in dieser Weise kund geben. Nach 
den Erfiahmngen Vieler soll z. B. ein erst gutes, aber gewäs- 
sertes Bier viel bitterer schmecken, als vor dem Versetzen 
mit Wasser. 

Vollkommen vergährtc Biere bleiben auch beim Kochen 
klar oder werden nur sehr wenig getrübt, während sich 
im entgegengesetzten Falle dicke Flocken von Kleber aus- 
scheiden. 

n. Prüfung des Bieres auf seine Normalbestand- 

theile. 

Diese sind JS^ohlensäure, Alkohol , Extract und Wasser. 
Bas Extract enthält wieder die löslichen, im fertigen Biere 
bedeutend veränderten, nicht flüchtigen Bestandtheile des 
Malzes und des Hopfens, und besteht aus Malzgummi (Dex- 
trin), Malzzucker, mehr oder weniger Kleber, Hopfenbitter, 
Salzen. Von diesen sind es wieder die Phosphate, deren 
Menge im Bier von Wichtigkeit ist, und desshalb schliesst 
die Arüfung auf Normalbestandtheile auch die quantitative 
Bestimmung der Fhosphorsäure in sich. 



398 A, Sobmidt, Bier, VerfalscliaDg und Prüfung desselboi. 

1) Kohlen 8 äurebeBtimmung. 

Man wird nicht oft in der Lage sein, eine Bestiimnnng 
der Eohlensäoremenge im Bier yomehmen zu müBsen, da die 
physikalische Beschaffenheit des letzteren genügenden Anf- 
schloss darüber giebt, ob es yiel oder wenig Kohlensaure 
enthält. Stark schäumendes , erfrischend schmeckendes Bier 
ist reich an Kohlensäure, ein solches, welches nur wenig 
von dem Gase enthält, schmeckt schal, und hat nur einen 
geringen, grossblasigen bald schwindenden Schaum. 

Man bestimmt, wenn nöthig, den Kohlensäuregehalt im 
Bier durch Austreiben derselben aus einer gewogenen Menge 
Bier unter Anwendung von Cautelen, die das Entweichen 
von Wasser - oder Weingeistdämpfen aus dem längere Zeit 
gelinde erwärmten Biere nicht möglich machen. Es wird 
desshalb auf dem entsprechenden etwa 300 g. Bier enthal- 
tenden Glaskolben ein mit Ghlorcalciumstiicken gefülltes Glas- 
rohr luftdicht aufgesetzt. 

Aus dem Gewichtsverlust erfahrt man den Kohlensäure- 
gehalt in der abgewogenen Biermenge. Derselbe ist sehr 
verschieden je nach der Zeit der Lagerung und verschiede- 
nen Art der Spundung und beträgt circa 0,1 bis 0,2 Pro- 
cent vom Gewichte des Bieres. 

2) Alkohol- und Extractbeitimmung. 

Der Weingeist im Bier kann recht sicher auf directe 
Weise durch AbdestUliren von einer bestimmten Menge 
ermittelt werden, indem man etwa 500 CG. ^ in eiher Be- 
torte der Destillation unterwirft, und circa 2 Dritttheile abdestil- 
lirt. Das starke Schäumen und üebersteigen des kochenden 
Bieres verhindert man (nach Mohr) durch Zusatz einiger 
Messerspitzen voll Gerbsäure, welche mit dem das starke 
Aufschäumen bewirkenden Kleber eine unlösliche Verbindung 
eingeht. Das Destillat wird mit destillirtem Wasser genau 
auf das Volum des in Arbeit genommenen Bieres gebracht, und 
das specifisohe Gewicht dieses verdünnten Weingeistes im 
50 Grammfläschchen ermittelt; aus demselben erfahrt man 



1) loh nehme stets nur 200 C. C; es genügt diese Menge Tollständig. Sdt. 



A. Schmidt, Bier, Verfälschung und Prüfung desselben. 399 

durch Aufsachen in der betr. Tabelle, wie viele Gewichts- 
procente an Alkohol in dem Biere enthalten sind. — Man 
kann die Berechnung auch in der Weise vomehmen, dass 
man das spec. Gew. in dem unverdünnten Destillat sucht 
and die demselben entsprechenden Alkoholprocente auf die 
Biennenge berechnet: 

z. B. 230 g. Destillat zeigten ein spec. Gew. von 0,984, 
entsprechend 9,7 Gewichtsprocenten , 100 g. des Destillates 

enthalten 9,7 g. Alkohol, 230 g. also ^^^ ^^'^ =- 22,31 g. 

Alkohol. Sind in 500 G.G. Bier 22,31 g. enthalten, so hat 
dasselbe 4,46 Gew.-Proc. Alkohol. 

Bei Weitem auf einfachere Weise als durch vorstehende 
directe Bestinunungsmethode erföhrt man indirect den Alko- 
holgehalt im Bier durch die sogen. Balling'sche Bierprobe, 
welche den Namen der saccharometrischen hat, weil man sich 
zur Bestonmung der spec. Gew. des Saccharometers, — eines 
Insiromentes zum Wägen der Zuckersäfte — bedienen kann. 
In dieser Bestimmungsmethode sind die Ermittlungen des 
Alkohol- und Extractgehaltes combinirt, und erfahrt man den 
ersteren auf indirecte Weise, letzteren direct, wobei die Aus- 
fühning nur kurze Zeit und wenige Apparate erfordert. Das 
Verfahren gründet sich darauf^ dass eine bestimmte Menge 
entkohlensäuerten Bieres, welches auf die Hälfte eingedampft 
und alsdann wieder mit Wasser auf sein ursprüngliches Ge- 
wicht gebracht wurde, ein um so höheres specifisches Gewicht 
l^t als vor dem Eindampfen, um so viel mehr Alkohol es 
enthielt — Hierbei wird, auf folgende Weise verfahren: Eine 
beliebige Menge Bier wird in eine geräumige Glasflasche 
gebracht und zur Austreibung der Kohlensäure unter wieder- 
holtem Abnehmen des Korkes längere Zeit kräftig geschüt- 
telt, 80 wie mit einer Glasröhre Luft eingeblasen. Erwärmen 
ist onthunlich, weil man dadurch leicht Verlust an Weingeist 
baben könnte. Von dem gänzlich entkohlensäuerten Biere 
werden genau 100 C. C. in eine kleine Porzellanschaale 
gewogen und nun vorsichtig auf ein Dritttheil ihres Volu- 
OM^nB eingedampft. Der Inhalt der Schaale wird abgekühlt, 



400 A. Sclimidty Bier, YerfSlsohung nnd PruAmg desselben. 

letztere ansäen sorgföltig gereinigt , auf die Waage gebracht 
und mit deBtillirtem Wasser das Verdampfte genau wieder 
ersetzt. Nun wird filtrirt und in dieser Flüssigkeit , welche 
als Bier minus Alkohol und Kohlensäure, oder nur als die 
wässrige Extractlösung anzusehen ist» das spec. Grew. bestmunt 
Dessgleichen wird der andere Theil des von Eohlenaäuie 
befreiten Bieres, welcher nicht gekocht worden ist, aaf sein 
spec. Grew. geprüft. Man erfährt nun zunächst durch die 
Ermittelung des spec. Gew. des gekochten Bieres direct 
den Extractgehalt durch Aufsuchen der dem gefundenen 
spec. Gew. entsprechenden Procentzahl in der von Ballin^ 
aufgestellten Tabelle. 

Weiter wird der Weingeistgehalt gefimden durch fol- 
gende Gleichung: Das spec. Gew. des gekochten weingeist- 
freien Bieres yerbalt sich zu dem des ungekochten, wein- 
geisthaltigen, wie Wasser zu einem verdünnten WeingeiBt, 
dessen Alkoholgehalt der des zu untersuchenden Bieres ist 

Beispiel. Ein Bier hat vor dem Kochen ein spec Gfew. 
von 1,021, nach dem Kochen ein solches von 1,029. 

1,029 : 1,021 — 1,000 : x 
1.029 (1.021000) 0,9922. 

Der Alkoholgehalt des Bieres ist gleich dem eines ver- 
dünnten Weingeistes von dem spec. Gew. 0,9922, entspre- 
chend einem Frocentgehalt von 4,52. 

Es lässt sich die Berechnung auch noch anders ausfüh- 
ren, indem man die Differenz von gekochtem und ungekochtem 
Bier von dem spec. Gew. des Wassers 1,000 abzieht; die 
resultirende Zahl repräsentirt das spec. Gew. eines Wein- 
geistes, gleichwerthig mit dem Alkoholgehalt des Bieres. 

Das gekochte Bier hat ein spec. Gew. von 1,029 
- ungekochte 1,021 

0,008 
1,000 
0,008 Das spec. Gew. von 0,992 entspricht einem Alkohol- 



0,992 
gehalt von 4,64 Frocent. — Es ist ersichtlich , dass die bei- 
den verschiedenen Berechnungen zwar annähernd, aber nicht 



A. Sekmidt, Bier, Ver^eknog and Prüfung detselben. 40l 

ganz gleiche Zahlen geben; wo es sich also um ganz exacte 
UntersQchiingBresiiltate handelty da ist die Destillationsmethode 
YorzQziehen. Ans&erdem hat Balling seine Methode erweitert, 
um die üngenauigkeit zu umgehen und durch theoretische 
Berechnung genauere Resultate zu erhalten (ausführliche 
Beschreibung dieser Methode findet sich in BoUey's Hand- 
bach technisch -ehem. Untersuchungen). Für die Beurtheilung 
oines Bieres genügt aber der oben beschriebene kürzere 
Weg Yoll^tändig. 

Das eingekochte Bier in unserem Beispiel hatte nach 
Ergänzung mit destillirtem Wasser auf sein früheres Volu- 
men ein spec. Gew. Yon 1,029. Die Tabelle, welche Balling 
za der dem spec. Grew. entsprechenden Frocentzahl an Malz- 
oxtract angegeben hat, weist auf die Zahl 7,3, das Bier hat 
also einen Extractgehalt von 7,3 %• 

Auch die Prüfung der Beschafienheit der Würze fallt in 
diesen TJntersuchungskreis. Da bekannt ist, dass bei der 
Gahrong der Zucker in nahezu gleiche Theile Alkohol und 
Kohlensäure zerfallt, so entspricht die gefundene Weingeist- 
menge der doppelten Menge Glycose, und diese Menge, addirt 
tu dem Extracte, ergiebt den Extractgehalt der Würze in 
Procenten ausgedrückt. Der Wassergehalt im Biere endlich 
wird gefunden, indem man das von 100 Thln. fehlende auf 
Wasser berechnet. Nach unserem Beispiel haben wir 

4,52% Alkohol, 
7,30 - Extract, 
88, 18 - Wasser. 
lOO^Oä 

Dieaee in kurzer Zeit leicht auszuführende Verfahren 
giebt uns ein hinreichend genaues Bild über die wesentlichen 
Bestandtheile von Bier. E:^ reiht sich hieran noch die 
Bestimmung der Phosphorsäure, und hat man bezüglich der 
Quantität der einzelnen Bestandtheile übereinstimmende Zah- 
len erhalten, so ist bei vorschriftsmässiger physikalischer 
Beschaffenheit die Annahme ausgeschlossen, dass man es mit 
verdorbenem Biere zu thun hat. Demungeachtet ist es recht 
wohl möglich, dass solches Bier mit Malz - oder Hopfensurro- 

Arch. d. Pluno. XU. Bd«. 5. Iloft. 2G 



402 



A. Schmidt, Bier. YerfSftlacliang und Prttfong daasellien. 



gaten verfälscht ist, da diese weder den Alkoholgehalt noch 
die physikalischen Eigenschaften von Bier andern, wenn sie 
in entsprechender Quantität Yerwendet wurden. ^ Der Nach- 
weis derselben soll später beschrieben werden. 

Leichtere Biere (Schenkbiere) enthalten durchschnittlich 
2 Vi — 3 7o Alkohol und 4 V, — 5 V« % Extract, stärkere (Som- 
mer- oder Lagerbiere) SVj— 4% Alkohol und 4Vt — 6% 
Extract, Versandtbiere 4^2 — ^V« % Alkohol und Terschie- 
dene Extractmengen. Der Phosphorsäuregehalt richtet sich 
natürlich nach der Menge des Malzextractes im Bier und 
schwankt desshalb bedeutend, er steht zwischen 0,3 und 0,6 g. 
und bei sehr stark eingesottenen Bieren (Bockbieren) bif^ 
0^9 g. im Liter. 

Berechnung des specifischen Gewichtes gekoch- 
ten Bieres auf Extractprocente. 



!?w 




SB* 




►dW 




5W 




3 & 


Speeif. 


3 & 


Speeif. 


1 H 


Speeif. 


i? 


SpeeU. 


8| 


Gewicht 


i| 


Geiricht 


sl 


Gewieht 


ig 


Gewieht 


S-7 




s-r 




ffT 




ST 




1 


1,0040 


3,3 


1,0182 


5,6 


1,0224 


7,9 


1.0316 


1,1 


1.0044 


»,4 


1,0136 


5,7 


1,0228 


8 


l,O3S0 


1,« 


1,0048 


3,5 


1,0140 


5,8 


1,0232 


8,1 


1,0324 


1,3 


1.0052 


3,6 


1,0144 


5,9 


1,0236 


8,2 


1,0328 


1,4 


1.0056 


«,7 


1.0148 


6 


1,0240 


8,8 


1,0332 


1.5 


1,0060 


3,8 


1.0152 


6,1 


1,0244 


8,4 


1,0336 


1,6 


1,0064 


3,9 


1,0156 


6,2 


1,0248 


8,5 


1.0340 


1,7 


1,0068 


4 


1.0160 


6,3 


1,0252 


8,6 


1,0344 


1.8 


1,0072 


4,1 


1,0164 


6,4 


1,0256 


8,7 


1,0348 


1,9 


1.0076 


4.2 


1,0168 


6,5 


1,0260 


8.8 


1,0353 


2 


1,0080 


4,3 


1,0172 


6.6 


1,0264 


8,9 


1,0356 


2,1 


1.0084 


4,4 


1.0176 


6,7 


1,0268 


9. 


1,0360 


2,2 


1.0088 


4,5 


1,0180 


6,8 


1,0272 


9,1 


1,0364 


2,3 


1,0092 


4,6 


1,0184 


6,9 


1,0276 


9,2 


1,0368 


2,4 


1,0096 


4,7 


1,0188 


7 


1,0280 


9,3 


1,0372 


2,5 


1,0100 


4,8 


1,0192 


7.1 


1,0284 


9,4 


1,0376 


2,6 


1,0104 


4,9 


1,0196 


7,2 


1,0288 


9.6 


1,0360 


2,7 


1,0108 


5 


1,0200 


7,3 


1,0292 


9,6 


1.0384 


2.8 


1,0112 


5,1 


1,0204 


7,4 


1,0296 


9,7 


1,038S 


2,9 


1,0116 


6.2 


1,0208 


7,5 


1.0300 


9,8 


1,039S 


3 


1,0120 


5,3 


1,0212 


7,6 


1.0804 


9,9 


1,0396 


3,1 


1,0124 


ß,4 


1.0216 


7,7 


1,0308 


10, 


1,0400 


8,2 


1.0128 


5,5 


1,0220 


7,8 


1,0312 




— 



1) Nur der Extractgebalt steht bei Verwendung Ton Malunrrogtt oft 
nicht im richtigen VerhältDiss zum Weingeist, d. h. er ist geringer il^ 
bei Malzbier yon gleicbrm Weiogeistgehalt. 



A. Sduoidty Bier, YerfalachiiDg mid Prüfung desselben. 



403 



Berechnung des Alkoholprocentgehaltes nach 
dem specifischen Gewichte. 



ilkohol- 


Speeifisches 


Alkohol- 


Speeifisches 


Alkohol- 


Speeifisches 


Froeeste 


Qewicbt 


Procente 


Gewicht 


Procente 


Gewicht 


1 


0,9982 


8,35 


0,9959 


3,70 


0,9936 


1,05 


0,9981 


2,41 


0,9958 


3,76 


0,9935 


1,11 


0,9980 


2,47 


0,9957 


3,82 


0,9984 


1,17 


0,9979 


2,52 


0,9956 


3,88 


0,9938 


1,23 


0,9978 


2,58 


0,9955 


3,94 


0,9932 


1,29 


0,9977 


2,64 


0,9954 


4 


0,9931 


MS 


0,9976 


2,70 


0,9953 


4,05 


0,9930 


1,41 


0,9976 


2,76 


0,9952 


4,11 


0,9929 


1,47 


0,9974 


2,82 


0,9951 


4,17 


0,9928 


1,62 


0,9973 


2,88 


0,9950 


4,23 


0,9927 


1,58 


0,9972 


2,94 


0,9949 


4,29 


0,9926 


1,M 


0,9971 


8 


0,9948 


4,35 


0,9925 


1,70 


0,9970 


3,05 


0,9947 


4,41 


0,9924 


1,76 


0,9969 


3,11 


0,9946 


4,47 


0,9923 


1,82 


0,9968 


3,17 


0,9945 


4,52 


0,9922 


1,88 


0,9967 


3,23 


0,9944 


4,58 


0,9921 


1,94 


0,9966 


3,29 


0,9943 


4,64 


0,9920 


2 


0,9965 


3,35 


0,9942 


4,70 


0,9919 


2,05 


0,9964 


3,41 


0,9941 


4,76 


0,9918 


»,u 


0,9963 


3,47 


0,9940 


4,82 


0,9917 


2,17 . 


0,9962 


3,52 


0,9939 


4,88 


0,9916 


2,23 


0,9961 


3,58 


0,9938 


4,94 


0,9915 


2,28 


0,9960 


3,64 


0,9937 


5 


0,9914 



Die eine dieser zur Bierprobe nach BaUing'scher Methode 
nothwendigen Tabellen giebt die einem best. spec. G-ew. ent- 
sprechenden Procente an Extract, die andere den einem 
Weisgeist Yon gewissem spec. Gew. entsprechenden Alkohol- 
gehalt an. 

3. Phosphorsaare-Bestimmnng. 

Dieselbe ist desshalb nnter die Normalbestandtheile zu 
rechnen, welche man bei der Bieruntersuchnng quantitativ 
bestimmty weil ihr Auffinden in normaler Menge die Annahme 
einer YerfiLlschnng mit Malzsnrrogaten ausschliesst. 

Die Untersuchung auf Fhosphorsäure wird in der Bier- 
asche vorgenommen. Zu dem Zwecke werden 500 C. C. Bier 
ZOT Trockene verdunstet, das Extract eingeäschert, und die 
Asche mit Salzsäure behandelt. Zur Abscheidung der £ie- 

26* 



404 A. Schmidt, Bier, Verfälsohong und Prüfiuig desMlbau 

selsäure wird die Mifichung zur Trockene verdunstet, der 
Rückstand wird mit Salzsäare befeuchtet, in kochendem Was- 
ser gelöst und fiitrirt. Das Filtrat wird bis auf ein geringes 
Volumen abgedamptl und mit einer Auflösung yon Ammo- 
»iummolybdat versetzt. Die Ausscheidung des gelben !^ie- 
derschlages von phosphormolybdänsaurem Ammoniak wird 
durch Erwärmen begünstigt und nach 12 stündigem Stehen 
wird derselbe auf einem Filter gesammelt, in Ammoniak auf- 
gelöst und hierzu Magnesiumchlorid in Lösung gefügt. Sach 
längerem Stehen wird der Niederschlag von AmmoBinm- 
Magnesiumphosphat gesammelt^ mit Ammoniak enthaltendem 
Wasser gewaschen, getrocknet geglüht, wodurch Magnesium- 
P3nrophosphat gebildet wird , und gewogen. 100 Theiie die- 
»er Verbindung entsprechen 63,96 Theilen Phosphorsäure. 



III. Verdorbene und verfälschte Biere. 

Hat man Bier vor sich, welches den vorerwähnten physi- 
kalischen Anforderungen nicht entspricht, oder bei dem die 
Prüfung auf die Normalbestandtheile ein übereinstimmendes 
Resultat nicht ergiebt, — z. B. bei Bieren, welche in Essig- 
Bäuregährung übergegangen sind, bei diesen ist im Verhält- 
niss zum Extract zu wenig Alkohol vorhanden , — so hat 
man es entweder mit einem verdorbenen oder verfälschten 
Biere zu thun. 

a. Unvollständig vergohrenes Bier enthält noch 
viel Kleber und Hefereste, ist wegen letzterer Berauschung 
meist mehr oder weniger trübe und hat den specifischen 

« 

Hefegeruch. Den Nachweis der Hefe liefert das Mikroskop, 
welches die Vibrionen deutlich erkennen lässt. — Kleberfaalti- 
ges Bier scheidet denselben beim Kochen in schleimigen, an 
den Grefasswänden adhärirenden Flocken ab. Das Auf&ndeo 
einer grösseren Menge Kleber berechtigt aber durchaus noch 
nicht zu der Annahme, dass man unvollständig vergohrenes 
Bier vor sich hat. Es kann dieser Körper durch einen Feh- 
ler im Brauprocess selbst, nemlich durch zu lange Dauer des 
Maischvorganges, erzeugt werden. Hierdurch wird ^oe 



A. Schmidt, Bier, YerfäUchnng und Prfifnng desselben. 405 

gröflsere Menge MilchBäure gebildet, welcher beträchtlich viel 
Kleber ans der Grerste auflöst ; dieser kann durch die 6äh- 
rang nicht Tollstandig zur Hefebildang verwendet werden 
und bleibt zum Theil im Bier. Natürlich kann solches Bier 
nicht haltbar sein, da der in Milchsäure gelöste Kleber die 
Esaigsaarebildung sehr bald einleitet. 

b. Saures Bier, d. h. Bier, bei welchem die Oxydation 
des Weingeistes zu Essigsäure begonnen hat, — bedingt 
durch schwaches Einsieden oder durch eben erwähnten Fehler 
des EU langen Maischens , — zeigt desshalb bei der Bierprobe 
meist einen geringeren Weingeistgehalt. Ist die Säuerung 
weit Torgeschritten, so yerräth sie sich durch Greruch und 
Geschmack, es wird das Bier an seinem Glänze immer mehr 
Terlieren, immer trüber werden und ist bald zum Genüsse 
ganz untauglich verdorben. — Beim Kochen wird solches 
Bier nie Flocken von Kleber abscheiden, weil letzterer in 
Essigsaure gelöst ist; Alkalien präcipitiren denselben aus 
dem Bier, indem sie das Lösungsmittel, die Essigsäure, weg- 
nehmen. 

Es wird wohl Niemandem beifallen, mittelst Lackmus- 
papier auf ungehörige Säure im Bier zu prüfen, da man 
weiss, dass auch das beste Bier, abgesehen von der Lackmus 
vorübergehend röthenden Kohlensäure, kleine Mengen von 
Milch- und Essigsäure als normale Bierbestandtheile hat. — 
Zur directen Bestimmung der Säure im Bier bedient man 
^ich am Besten des Titrirverfahrens mit Normalkalkwasser. 
Da man von dem Besultat aber bei verschiedenen Bieren 
verschiedene Mengen von Milchsäure abzuziehen hat, die man 
mcbt kennt, so hat dies Verfahren zur Beurtheilnng von Bier 
wenig Werth, und ist desshalb ein empyrisches Verfahren, 
welches rasch einen Schluss gestattet, ob das Bier ungehö- 
rige Sänre enthält oder nicht, vorzuziehen. Ein solches 
wurde von Majer angegeben und wird auf folgende Weise 
aasgeführt: 50 CG. Bier werden in einer Forzellanschaalo 
auf 30 bis 40® erwärmt, und zur raschen Entfernung der 
Kohlensäure 50 g. Zuckerpulver unter Umrühren zugesetzt. 
ynn wird die Schaale auf die Waage gebracht und so lange 



406 A. Schmidt, Bier^ Verfalschuog and Piafang dewelbeii. 

frisch bereitetes, klares Ealkwasser zugefügt, bis rothes Lack- 
muspapier eben schwach gebläat wird. Beim Yerbraach toh 
75 G.G. ist der normale Säuregehalt überschritten, bei einer 
nöthigen Kalkwassermenge von 125 G.G. ein Bier als absolut 
▼erwerflich zu bezeichnen. — Frisch bereitetes Ealkwasser 
enthält nach Dalton in 780 Thln. 1 Thl. Ealkhydrat; 1 Theü 
Kalkhydrat entspricht 1,6 Theilen Essigsäuremonohydrat 
demnach würden bei Verbrauch von 100 G. G. Kalkwaaser 
in 50 G.G. Bier 0,2048 g. Essigsäure oder im Liter 4,096 g. 
enthalten sein, wenn man die yerbrauchte KaULwassermenge 
auf Essigsäure berechnen würde. Dass eine derartige Berech- 
nung wegen der Gegenwart von Milchsäure, welche sich in 
frischem Biere zu der Essigsäure nach Vogel wie 32 : 1 ver- 
hält, kein richtiges Resultat ergeben kann, wurde schon 
erwähnt. Es kommt auch hier nicht auf die gefundene Zahl 
an, man will eine directe Bestinmiung der Essigsäure nicht 
haben, sondern nur den Grrad der Säuerung erfahren, und 
hierbei ist der Verbrauch von Kalkwasser maassgebend. 
Nach Mayer*8 Versuchen ist bei normalen Schenkbieren der 
Kalkwasserverbrauch zu 50 G. G. Bier zwischen 30 und 
45 G.G., bei alten Lagerbieren bis höchstens gegen 60C.C. 
— Es ist aber sorgfaltig darauf zu achten, dass man auch 
Kalklösung von vorgeschriebenem Grehalte habe, wozu eine 
achtsame Bereitung derselben erforderlich ist, vor Allem, dass 
das zuerst aufgegossene Wasser, welches die eveni bei- 
gemengten Alkalien aus dem Kalk löste, abgegossen wurde, 
c. Entsäuertes Bier. Der Zusatz von Alkalien zu 
säuerlichem Bier ist die nächst dem Wasserzusatz wohl am 
häufigsten vorkommende Verfälschung; hierzu wird vorwie- 
gend Natriumbicarbonat verwendet. Zwar würde bei, im ersten 
Anfang der Säuerung stehendem Biere eine kurz vor dem 
Consum zugesetzte geringe Menge von Natriumbicarbonat 
nichts schaden, in vielen Fällen aber soll es ein ganz saures 
Bier wieder aufrichten und noch verkäuflich machen. Hierzu, 
sind schon ganz erhebliche Mengen davon nothwendig, welche 
oft nicht ohne nachtheilige Folgen für den Trinker bleiben. Da 
bei eingeleiteter Essigsäure - Währung das Alkali nur das Gab- 



A. Selunidty Bier, Vedalflchiiiig und Prafang desselben. i07 

rongsprodact neutralisirt, die Gähnmg selbst aber nicht 
hemmt y so kann dies Mittel nur kurze Zeit yor dem Aus- 
schank zugesetzt sich wirksam erweisen. Hier erfüllt es 
noch den Zwecke das Bier mit Eohlensäuregas zu sättigen^ 
and demselben einen verlockenden Rahm zu geben. 

Die zugesetzten kohlensauren Alkalien und alkalischen 
Erden werden in der Asche vom Bier aufgefunden. Zu dem 
Zwecke werden 500 g. vollständig eingeäschert^ und die Asche 
zunächst gewogen. Der Frocentsatz an Aschenbestandtheilen 
^ebt Anhaltspunkte dafür ^ ob es wahrscheinlich ist oder 
nicht, dass mineralische Bestand theüe dem Biere zugesetzt 
wurden. Der Aschengehalt normalen Bieres steht zwischen 
0,2 — 0,35 Procent. Es wäre aber zu weit gegangen, wollte 
man Bier, dessen Aschengehalt unter 0,5 Procent liegt, für 
irei von absichtlich zugesetzten Alkalien erklären, denn nicht 
immer darf angenommen werden, dass ein total saures Bier 
so corrigirt wurde. In sehr vielen Fällen wird Bier mit 
massigem Säuregehalt mit diesem Zusatz versehen, und dann 
steigt der Aschengehalt oft nicht so bedeutend, denn es ist 
auch in Rechnung zu ziehen, dass ein dem Sauerwerden 
ausgesetztes Bier von vornherein weniger Gehalt, also auch 
weniger Aschentheile hatte, als normales Bier. 

Die kohlensauren Alkalien lassen sich nicht alkalime- 
trisch in der Bierasche bestimmen, weil sie durch das Glühen 
mit den anderen Salzen der Bierasche zum Theil in Pjro- 
phosphate und andere neutrale Verbindungen übergeführt 
werden. — Die Asche wird mit Salzsäure übergössen, zur 
Abscheidung von Kieselsäure, wie bei der Phospborsäure- 
bestimmung angegeben, behandelt, in kochendem Wasser 
gelöst, filtrirt, der Rückstand gut ausgewaschen, und die ver- 
einigten Filtrate auf eine kleine Menge eingeengt. Nun wird 
Oxalsäure und hierauf Ammoniak im üeberschuss zugefügt, 
der Niederschlag von Calciumoxalat nach einigem Stehen ab- 
filtrirty gewaschen, getrocknet, gelinde geglüht, und der zurück- 
bleibende kohlensaure Kalk gewogen. Aus dessen Menge 
erfahrt man allenfallsigen absichtlichen Zusatz von Kreide 
oder Marmor zum Bier. Der Gehalt der normalen Bierasche 



406 A. Schmidt, Bier, Yerfalschimg and Prafoog deuelbeo. 

an Kalk ist nicht gross, er beträgt nur 2 bis 3 Procent dayon, 
ein bedeutender Mehrgehalt würde also für die erwähnten 
Zusätze sprechen. 

Bas Filtrat yom Galciumoxalat wird znr Abscheidung 
von Magnesia mit Ammoninmphosphat versetzt, der nach 
längerem Stehen erzengte Niederschlag wird mit ammoniak* 
haltigem Wasser gewaschen, das Filtrat znr Yerjagnng Torj 
Ammoniak eine Zeit lang gekocht und noch heiss mit neatr. 
Bleiacetat gefallt. Der Ueberschuss von Bleisalz wird, noch 
ehe man filtrirt, durch Ammoniak nnd Ammoniumcarbonat ent- 
fernt nnd nun filtrirt. Die Flüssigkeit wird nun zur Trockene 
verdunstet, und aus dem Rückstande die Ammoniaksalze 
durch Glühen ausgetrieben; der Rest besteht nur ans den 
Chloralkalion. Diese werden erst gewogen, hierauf zur Tren- 
nung von Sali und Natron in wenig Wasser gelöst, ein 
Ueberschuss von Platinchlorid zugefügt, im Wasserbad zur 
Trockene verdampft und mit Alkohol behandelt, welcher das 
Kaliumplatinchlorid ungelöst lässt. Dies wird auf einem 
bei 100^ getrockneten und gewogenen Filter gesammelt. 
244,3 Thle. entsprechen 74,6 Kaliumchlorid oder 47,1 Kali. 
Die Menge des Chlomatriums wird durch Abzug der gefan* 
denen Chlorkaliums vom Gewichte beider Chlormetalle ge- 
funden. 

Beispiel. Die Asche von 600 C.C. Bier ergab, auf diese 
Weise behandelt, 0,52 g. Chloralkalien. Daraus wurden 
0,66 g. Kaliumplatinchlorid erhalten, entsprechend 0,301 g 
Kaliumchlorid. 

0,520 

0,201 Man erhielt also 0,201 g. Kaliumchlorid und 

0,319 
0,319 g. Natriumchlorid, entsprechend 0,186 g. Kaliumcarbonat 
und 0,289 g. Natriumcarbonat. — Wollte man nach diesem 
Ergebniss sagen, das Bier in unserem Beispiel sei mit Pott- 
asche versetzt, so würde man einen Trrthum begehen, weil 
die Menge an gefundenem Kali dem natürlichen Gehalt der 
Gerste an Kali entspricht, welcher sich natürlich auch im 



A. Schmidt, Bier, Yerfalschong und Prufang desselben. 409 

Bier wiederfindet , nnd hier im Liter gegen 0,6 g. — auf 
kohlensanres Alkali berechnet — ausmacht. Der weiter 
gefondene Natriumgehalt aber mÜRste als von absichtlichem 
Zasatz herrührend betrachtet werden, da die Summe an 
Alkali den natürlichen Gehalt jetzt weit übersteigt. Wir fan> 
den in 500 G.G. Bier 0,475 g. Alkalicarbonat, also im Liter 
0,950 g. 

d. Glycerin im Bier. Die Verwendung dieses Kör- 
pers zu Zwecken der Bierfalschung wird in Fachschriften 
vielfach negirt. Dass Glycerin als Malzsurrogat gelten soll, 
will nicht behauptet werden; dass es aber bei alterirtem 
Bier und da, wo der Weg des Gorrigirens, id est Fäl- 
6chens, einmal betreten wurde, angewendet wird, ist Erfah- 
rungssache. Es soll solchen Bieren, in geringer Menge zuge- 
setzt, wieder eine gewisse Süsse verleihen. Ein sehr geringer 
Gljceringehalt ist im Bier als Gährungsproduot stets vorban- 
den, also entscheidet hier ebenfalls die Quantität. — Znm 
Nachweis des Glyc^rins werden 200 G.G. Bier bei möglichst 
massiger Warme, da Glycerin mit den Wasserdämpfen etwas 
flüchtig ist,, zum Extract verdunstet. Dieses wird mit der 
Hälfte seines Gewichtes gepulvertem, ätzendem Ealk tüchtig 
durchmischt, wodurch nach einiger Zeit ein staubig trockenes 
Pulver entsteht. Dasselbe wird in einen Kolben geschüttet, 
mit der sechsfachen Menge Alkohol übergössen, längere Zeit 
im Wasserbad erwärmt, erkalten gelassen und filtrirt Der 
Rückstand wird nochmals auf gleiche Weise mit Alkohol aus- 
gesogen, die vereinigten Filtrate bis auf ^4 Theil ihres Volu- 
mens verdunstet und genau mit zwei Dritttheilen von ihrem 
Gewichte Aether übergössen. 

Nach längerem Stehen in der Kälte wird filtrirt, und 
das Filtrat auf dem Wasserbad verdunstet. Der Rückstand 
ist nur wenig gefärbtes Glycerin; bei normalem Bier bleibt 
im Porzellanschälchen ein kaum wägbarer Kest; bleibt ein 
^sserer Bückstand, so wird dieser gewogen und giebt mit 
1,5 multiplicirt, den dem Biere zugesetzten Glyceringehalt 
^^ Nach meinen Erfahrungen entzieht sich immer, selbst bei 
^rgfiltigster Operation, circa ein Dritttheil der Isolirung ; 



•110 A. Schmidt, Bier, VerfaUchang und Prüfung desselben. 

möglicherweise entsteht dieser Verlust schon beim Verdun- 
sten durch Entweichen mit den Wasserdämpfen. 

e. Gewürzhafte Stoffe als G-eruchs- und 6e- 
schmackscorrigentien im Bier. Bei Erwähnung dieser 
Körper ist genau zu unterscheiden zwischen yon den Con- 
sumenten verlangten und bei ihnen beliebten Zusätzen aromati- 
scher Stoffe, wie sie zu manchen Biersorten, hauptsächlich im 
Norden und in England (z. B. Ingwerbier) kommen und dem- 
nach einen bestimmten Bestandtheil des betreffenden Biere» 
ausmachen, und zwischen den zu alterirten Bieren gemachten 
Zusätzen zur Verdeckung irgend welcher üngehörigkeiteD, 
wie Beigeschmack oder säuerlicher Geruch. Natürlich nnr in 
letzterem Sinne kann von einer Fälschung die Bede seio, 
und werden sich im Verlauf der Untersuchung solchen Bie- 
res wohl abnorme Verhältnisse ergeben, welche es erkläreii 
lassen, dass an dem Biere corrigirt wurde. — Die Gewürze, 
welche mitunter den Bieren zugesetzt werden oder in ande- 
ren Ländern zugesetzt werden sollen, sind hauptsächlich 
Cardamomen, Coriander, Kümmel, Sassafrasholz, Ingwer, Än- 
gelikawurzel, Faradieskömer, Spanischpfeffer. In der Ye^ 
dünnung in Bieren sind sie direct unschädlich, machen diesel- 
ben aber bezüglich ihrer Echtheit yerdächtig. Zu ihrem 
Nachweis muss man Geruch und Geschmack zu Hülfe neh- 
men, desshalb lassen sich exacte Untersuchungsresaltato 
nicht erwarten. Hassall giebt an, dass man die zu gedachtem 
Zwecke verwendeten Gewürze in zwei Abtheilungen schei- 
den kann, nemlich in solche, deren wirksame Stoffe hei 
der Temperatur kochenden Wassers flüchtig sind, und in 
solche, deren Frincipe beim Verdunsten des Bieres im Was- 
serbade zurückbleiben. Zu letzteren gehören Ingwer, Spa- 
nischpfeffer, Faradieskömer. Durch Ausziehen des Bierextra^ 
tes mit Alkohol, Verdunsten der geistigen Lösung Ins nahe 
zur Trockene, und Erschöpfen des Rückstandes mit Aether 
sollen letztere erkannt werden; der Aether wird yerdonstet 
und nun soll der Geschmack entscheiden. Da es nun meh- 
rere vegetabilische Hopfensurrogate giebt, deren wirksamer 
Stoff sich in Aether löst, so lässt bei gleichzeitigem Vorhan- 



A. ßehmidt, Bier, Yerfalsohung und Prüfung dessolben. 411 

deosein eines solchen die Probe in Stich. Die Gegenwart von 
Spanischpfeffer soll in zweifelhaften Fällen durch Verbrennung 
des Extractes erwiesen werden, wobei das Capsicin sich ver- 
flüchtigt und darch seine intensiv scharfen Dämpfe zu erken- 
nen giebt 

Bei den anderen Gewürzen besteht das Aroma aus flüch- 
tigen Oelen. Zu ihrer Entdeckung destillirt man von etwa 
500C.C. Bier die Hälfte ab; ein flüchtiges Oel wird im De- 
stillat zu finden sein und sich durch Geruch und Geschmack 
erkennen lassen. 

Die Untersuchung auf die erwähnten gewürzhaften Stoffe 
ist im Allgemeinen nicht von der Wichtigkeit, wie die auf 
andere firemde Stoffe, weil erstlich wenigstens bei uns das 
Aromatisiren des Bieres keine sehr grosse Verbreitung hat, 
zweitens diese Stoffe in gedachter Verwendung nicht schäd- 
lich sind, und in einem solchen Falle meist andere Fehler 
im Biere sind, die dasselbe verwerflich machen. — Endlich 
^i noch bemerkt, dass die beschriebene Methode zu ihrem 
Nachweis als eine sehr zuverlässige nicht bezeichnet wer- 
den kann. 

f. Alaun als Klärmittel im Bier. Die Verwendung 
desselben ist als entschieden schädlich zu bezeichnen, weil 
hierdarch die Fhosphorsäure in eine unlösliche Verbindung, 
Alominiumphosphat, übergeführt und unwirksam wird. Ab- 
^sehen davon, dass das Bier in seinem directen Nährwerth 
hierdurch erheblich beeinträchtigt wird, muss der Alaun selbst, 
wenn auch in geringer Menge genossen, dem Magen unzu- 
träglich sein. Der Zusatz von Alaun geschieht nicht nur, 
um das Bier zu klären, er soll ihm auch eine gewisse Herbe 
und den Geschmack alten Bieres geben. 

Zur Entdeckung dieser Fälschung ist es nöthig einen 
Liter Bier zur Trockene zu verdunsten und das Extract ein- 
zuäschern. Die Asche wird, wie schon mehrfach erwähnt, 
mit Salzsäure behandelt, und in 50 CG. kochendem Wasser 
gelöst Die filtrirte Lösung enthält nun die Thonerde als 
Chlorid. Es wird bis zu stark vorwaltender alkalischer 
ßeaction eine Auflösung von Ealiumcarbonat zugefugt, wodurch 



412 A. Schmidt, Bier, Yi-rffUschang und Prüfung destelben. 

die Phosphate des Kalks und der Magnesia gefällt werden, 
während Thonerde in Lösung bleibt. ^ Man erhitzt zum Sie- 
den, filtrirt und säuert das alkalische Filtrat schwach mit 
Salzsäure an; hierauf setzt man Ammoniak bis zu entschie- 
den alkalischer Reaction zu. Entsteht ein Niederschlag, bo 
rührt er von Thonerde her, es ist also Alaun dem Bier zugesetzt 
worden. Will man die Menge desselben erfahren, so mass 
man den mit Ammon erzeugten Niederschlag, welcher ans 
Thonerde mit mehr oder weniger Fhosphorsäure besteht, auf 
einem Filter sammeln, auswaschen, trocknen, glühen und wie- 
gen. Nachdem sein Gewicht notirt wurde ^ wird er dorcb 
Zusammenschmelzen mit Soda zersetzt; die Schmelze wird in 
Salpetersäure gelöst und in der Lösung der PhosphorBäon- 
gehalt bestimmt, wie oben schon angegeben wurde. Das 
Gewicht der gefundenen Fhosphorsäure wird von dem der 
Verbindung von Fhosphorsäure und Thonerde abgezogen nnd 
giebt so den Gehalt an letzterer, welche wieder auf AlauQ 
zu berechnen ist. 

Die Methode der quantitativen Ermittelung des Alaus» 
ist, wie man sieht, ziemlich umständlich ; für die meisten Fälle 
wird der qualitative Nachweis allein genügen. 



Wir kommen nun zu der Besprechung der Surrogate 
im eigentlichen Sinne, indem die vorher erwähnten Stoffe. 
zur Verbesserung alterirter Biere verwendet, nur als indi- 
recte Verfälschungsmittel anzusehen sind. 

g. Traubenzucker, (Stärkezucker, Stärkesyrup) 
im Bier. Diese Ersatzmittel von Malz sind desshalb 
sehr leicht zu verwenden, weil sie bei der Gährung ebenso 
in Alkohol und Kohlensäure zerfallen, und ein geistige«, 
erfirischendes Getränk liefern, wie die Malzbestandtheile. 
Gleichwohl ist der Ersatz von Malz durch Stärkezacker als 
eine durchaus verwerfliche Fälschung anzusehen, wdl nicht 
nur der Staat dadurch in einem Theile seiner Einnahmen, 
der Malzsteuer, verkürzt wird, sondern auch weil dadurcli 



1) Hierbei lösen sich nur Spuren aaf. M, 



A. Schmidt^ Bkr, YerfliUehaiig tmd Prüfung desselben. 413 

das Bier znm fdr die Ernährung fast werthlosen Genussmittel 
herabsinkt, indem ein mit Traubenzucker gebrautes Bier ausser 
den in yeränderlichen Mengen im Biere vorhandenen stick- 
stoffhaltigen Verbindungen vor Allem der Phosphate entbehrt. 
Der S^achweisy ob ein Bier mit Malz gebraut wurde, 
ijder ob letzteres ganz oder zum Theil durch Zucker ersetzt 
wurde, ist auf mancherlei Umwegen, aber doch mit Sicherheit 
zu erbringen. Vor Allem wird die Untersuchung auf die 
Xonnalbestandtheile bei vergohrenem Biere keine Ueberein- 
Htimmung ergeben, d. h. der Alkoholgehalt wird in gut ver- 
^'ohrenem, derartigem Bier im Vergleich zum Extract ver- 
iialtnissmässig weit überwiegen. Während bei Malzbier mit 
/.unehmendem Alter die Süsse inmier mehr schwinden wird, 
yM bei Stärkezuckerbier von gleichem Vergährungsgrade, 
also Yon gleichem Alkoholgehalt, ein noch weit süsserer 6e- 
»-chmack bemerkbar sein, während der Extractgehalt, durch 
die Bierprobe ermittelt, trotz des süssen Geschmackes viel 
geringer ist, als der von reinem Malzbier. Dasselbe, wenn 
c» gnt vergohren ist, enthält nur sehr, wenig Glycose, aber 
^tets eine beträchtliche Menge Dextrin. Würde der zur Bier- 
rüschang verwendete rohe Traubenzucker, Eisten- oder 
Biockzucker, oder der Syrnp nicht selbst verschiedene Men- 
gen von Dextrin als Verunreinigung enthalten, so würde die 
liestinmiang des Dextringehaltes im Bier Anhaltspunkte erge- 
bt ob solcher Zusatz erfolgte oder nicht. Um ein Gutach- 
ten mit Sicherheit abgeben zu können, ob Bier allein mit 
Malz gebraut worden ist oder nicht, ist dreierlei zu berück- 
schtigen: Erstens das Verhältniss von Extract zu Alkohol, 
zweitens der Zuckergehalt des Extractes, und endlich die 
Menge der Phosphorsäure im Bier. In reinem Malzbier wird, 
H-ie schon erwähnt, der Zuckergehalt in dem Grade abneh- 
men, als der Weingeistgehalt zunimmt, und während junge 
Biere bei uns einen Zuckergehalt von 1,4 bis 2 Procent auf- 
weinen, bei einem Alkoholgehalt von 2 bis 3,0 Procent, fand 
•ch alte, stark vergohrene, aber tadellose Biere mit einem 
Zuckergehalt von 0,85 Procent und darunter, bei 3,3 bis 
^3 Prooent Weingeist. Da der Gehalt an Gljcose im Bier 



414 A. Schmidt^ Bier, YerfalBchuDg und Prüfung deBselben. 

nicht constant sein kann, so erlaubt die gefundene Zucker- 
menge nur im Zusammenhalt mit der Weingeistmenge eine 
Schlussfolgerung. Würde man z. B. in stark kohlensäure- 
haltigem, gut vergohrenem Bier bei einem Alkoholgehalt von 
3,4 Frocent 4,1 Procent Extract finden und in diesem Biere 
einen Zuckergehalt von 2,2 Frocent nachweisen, so würde 
sofort in die Augen springen, dass hierzu Malzsurrogate 
verwendet wurden. In solchem Biere würde bei weiterem 
Lagern der Weingeistgehalt bis auf 4,5 Frocent steigen, der 
Extractgehalt bis auf 1,9 Frocent herabgehen können. In 
der Fraxis hat man natürlich nicht mit so extremen Beispie- 
len zu rechnen, desshalb ist die Früfung auf Fhosphorsäure 
als weiterer Anhaltepunkt unerlässlich. Die Menge der 
Fhosphorsäure im Bier beträgt, wie erwähnt, 0,03 bis 0,06 Fro- 
cent, steigt aber ausnahmsweise (bei Bockbier) auf 0,09 Proc. 
Dia Fhosphorsäurebestimmung ist bei Bieren, welche mit 
Kartoffelmehl oder zerriebenen Eartoffeln direct gebraut wur- 
den, zum Nachweis dieser Fälschungen fast allein entschei- 
dend. Es ist zwar auch bei diesen Bieren ein im Vergleich 
zum Vergährangsgrade höherer Zuckergehalt yorhanden, als 
bei normalen Bieren, derselbe ist jedoch nicht so bedeutend, 
dass die quantitative Zuckeranalyse immer mit Sicherheit 
entscheiden könnte. Ebenso ist der solchem Biere eigene 
Fuselölgehalt nicht immer durch den Geruch deutlich wahr- 
zunehmen. Hierzu wird empfohlen, solches Bier mit reinem 
fuselfreien Weingeist und Wasser längere Zeit an der Sonne 
zu digeriren. Dadurch soll der charakteristische Fuselgerueh 
deutlich bemerkbar werden. 

Der Zuckergehalt im Biere wird nun ermittelt, indem 
man mit alkalischer Eupferlösung von dem bekannten Grehalte, 
dass 10 G. C. zur Oxydirang von 0,05 g. Traubenzucker 
nöthig sind, titrirt. Das za prüfende Bier wird mit Wasser 
auf das 10 fache Yolum verdünnt und in eine in Vio ^*C- 
getheilte Bürette gebracht. Andererseits werden in ein Kölb- 
chen 10 CG. der Eupferlösung gemessen, mit 50 G.G. Was- 
ser verdünnt und zum Sieden erhitzt. In die kochende 
Flüssigkeit wird von dem verdünnten Biere so lange zufliessen 



A. Sehmidt, Bier, Verfölschung und Prüfung desselben. 415 

gelassen, bis die Flüssigkeit nicht mehr die geringste bläuliche 
oder grünliche Färbung wahrnehmen lässt, und sich das 
rothe Eupferoxydul rasch und vollständig absetzt. Zur Con- 
trole werden einige Tropfen abfiltrirt und nach dem An- 
säuren mit Schwefelwasserstoffwasser vermischt; beim Aus- 
bleiben einer braunen Färbung ist die Operation beendigt. 
Die verbrauchte Menge des verdünnten Bieres enthält nun 
0,05 g. Glycose. 

Da die Surrogate nur zu theilweisem Ersatz von Malz 
dienen, so müssen exacte Ausfuhrungen der analytischen 
Arbeiten mit vorsichtigen Schlussfolgerungen Hand in Hand 
gehen, um den Nachweis mit Sicherheit erbringen zu können. 

h. Gebrannter Zucker im Bier. Biercouleur. 
Das Vorfinden desselben im Bier beweist in selteneren Fal- 
len eine Fälschung, weil erstlich die Brauer vielfach der 
Vorliebe des Publikums für dunkle Biere (z. B. Culmbacher) 
Rechnung tragen, und zum Andern die dunkle Farbe oft 
aus geröstetem Malz, Farbmalz, — in welchem der Zucker 
tbeilweise caramelisirt ist, herstellen. In letzterem Falle 
kann von einer Fälschung natürlich nicht die Brede sein, und 
selbst das Versetzen von Bier mit Zuckerfarbe ist bei sonst 
guter Beschaffenheit desselben als eine ganz unschuldige 
Manipulation nicht zu beanstanden. Hat eine derartige Fär- 
bung aber den Zweck, schlechtem Biere das Aussehen eines 
gehaltvollen zu geben, was sich bei der Gehaltsprobe zeigen 
wird, so handelt es sich um eine Fälschung. Der Ni^chweis 
derselben geschieht nach Schuster durch Schütteln des Bieres 
mit einer Auflösung von Gerbsäure; letztere entfärbt norma- 
les Bier, während das mit gebranntem Zucker versetzte 
grossentheils seine Farbe behält. 

i. Fremde Bitterstoffe im Bier. Hopfensurro- 
gate. Diese Art der BierfiLlschung ist unstreitig eine der 
gefahrlichsten, weil durch dieselbe unserem Nationalgetränk 
theilweise direot giftige Körper einverleibt werden sollen. 
Hier sei von vornherein bemerkt, dass die Verwendung vie- 
ler narkotischer Bitterstoffe, welche in den Kreis der Unter- 
suchung gezogen werden, die Signatur der höchsten Unwahr- 



416 A. Schmidt, Bier, Yerfalgcliaiig und PrSfoag deiaeltoL 

Bcheinlichkeit haben. Man wurde den deatschen Braaera bei 
allem oft nur zu selir begründeten Skepticismas denn dodi 
zu nahe treten, wollte man ihnen die Verwendung Ton Opium, 
Tabak, Krähenaugen und anderen scharfen Griften imputireB. 
Demungeachtet finden sich Methoden zum Nachweis dieser 
Gifte im Bier, wiewohl es noch keinem Chemiker gelnngea 
sein dürfte, aus unseren Bieren Morphin, Nicotin oder Strych- 
nin zu isoliren. 

Der chemische Nachweis der Bitterstoffe, welche zur 
Substituirung von Hopfen dem Biere zugesetzt werden oder 
im Verdacht einer solchen Verwendung stehen, ist das weit 
aus schwierigste Capitel in der Fntersuchung von Bier. Die 
meisten Methoden gründen sich darauf, das wirksame Piincip 
dieser Bitterstoffe, welche mit Ausnahme der Pikrinsime 
vegetabilischen Ursprungs sind, zu isoliren, und aus ihren 
charakteristischen Eigenschaften ihre Identität festzusteUeo. 
Nicht immer bieten diese Bitterstoffe, selbst wenn sie ganz 
rein in Substanz abgeschieden wurden, so bestimmte Srken- 
nungsmerkmale, dass mit absoluter Sicherheit ihre Anwesen- 
heit constatirt werden kann. Wenn beispielsweise bei Pikro- 
toxin, dem Bitterstoff der Kokkelskömer, als hauptsächlich 
charakteristisch angegeben wird, dass es Fische betäubt, so 
wird sich schwerlich auf dieses physiologische B-eagens allein 
der Nachweis unumstösslich und auch vor Gericht vertretbar 
erbringen lassen. — Es lässt sich aber desshalb nicht in 
Abrede stellen, dass wir gerade neuerdings sehr werthTolk 
Methoden zur Ausmittelung der Bitterstoffe im Bier kennen 
gelernt haben, und durch die ausführlichen Arbeiten von 
Dragendorff, Eubicki u. A. diesem Ziele um einen tüchtigen 
Schritt näher genickt sind. Unter allen Umständen ist die 
Prüfung auf Hopfensurrogate eine sehr mühevolle Arbeit, und 
da zu ihrer Peststellung vielfach auch Greruchs- und Ge- 
schmackssinn zu Hülfe genommen werden müssen, so mwss 
viel Erfahrung mit grosser Vorsicht zusammenvrirken, um 
vor Trugschlüssen zu bewahren. Vor Allem müssen die 
Eigenschaften des Hopfenbitters den Hauptanhaltepunkt zb 
der Untersuchung geben, und ist wohl der Zweck derselben 



A. Sehmidty Bier, Verfiil»oliaiig nnd Prüfung desielben. 4l? 

schon erreicht^ wenn man mit Sicherheit darthun kann, dass 
ein im Bier anfgefundener Bitterstoff mit den Eigenschaften 
des Hopfenbitters nicht übereinstimmt, demnach als fremder 
Bitterstoff bezeichnet werden muss, ohne dass znm Zweck 
der Beanstandong eines Bieres der fremde, also ungehörige 
Bitterstoff näher bekannt sein mnss. Hierzu bieten sich uns 
viele Anhaltspunkte, hauptsächlich die verschiedene Löslich- 
keit des Hopfenbitters und seiner Surrogate, und in dem Fall 
kann dann der Geschmack mit Sicherheit entscheiden, weil 
er hier blos darthun soll, ob eines der angewandten Lösungs- 
mittel bitter schmeckt oder nicht. 

In den meisten Fällen giebt ein Yorversuch einen gaten 
Anhaltspunkt, ob man es mit einem in dieser Hinsicht ver- 
dächtigen Biere zu thun hat, oder nicht. Derselbe gründet 
t^ich auf die Thatsache, dass basisches Bleiacetat das Hopfen- 
bitter aus Bier ausfällt, während verschiedene Bitterstoffe 
dadurch nicht niedergeschlagen werden, sondern im Filtrat 
bleiben. Zu dem Ende werden etwa 600 C. G. Bier durch 
Erhitzen von Kohlensäure befreit und so lange mit Bleiessig 
versetzt, als ein Niederschlag entsteht, üeberschüssig zu- 
gesetztes Blei wird durch verdünnte Schwefelsäure entferot 
lind filtrirt. Schmeckt das Filtrat, ohne dass es einge- 
dampft worden wäre, bitter oder scharf, so ist das Bier ver- 
dächtig. 

Unter Verweisung auf die Arbeiten Dragendorff's und 
Eubiki^s (Archiv d« Pharmacie 1874. Bd. 1, sowie in Dra- 
gendorff, gerichtlich -chesL Ermittelung von Giften) welche 
sich eingehend mit der Prüfung au sämmtliche oben genannte 
Bitterstoffe be&esten, sei hier die Ausschüttelungsmethode, 
wie fde von Wittstein modificirt und veröffentlicht wurde, 
(Archiv d. Pharm. 1875) wiedergegeben.' Nach derselben 
bleiben die wohl selten oder nie gedachtem Zwecke dienen- 
den StcdTe unberücksichtigt, und sollen nur folgende durch 
den Gfang der Untersuchung nachgewiesen werden: Aloe, 
Bitteiklee, Enzian, Weidenrinde, Herbstzeitlose, Coloquinten, 
Kokkelskömer, Krähenaugen, Quassia^ Wermuth und Fikrin- 
aiittre. 

Arck. d. PhAnn. XII. Bdi. 5. Heft. 27 



418 A. Scliinidt, Bier, Verfälschung und Profong desselben. 

Znm Zweck der Präfang wird ein Liter Bier im Wa&- 
serbad zum Syrup verdunstet, und dieser mit der fünffachen 
Menge Alkohol Ton circa 94 ^/^ übergössen. Man lässt unter 
bisweiligem Umrühren 24 Stunden einwirken, giesst die alko- 
holische Lösung ab und behandelt den Rückstand anf gleiche 
Weise. Die vereinigten Flüssigkeiten werden filtriri, der 
Weingeist wird abdestillirt und der Bückstand nun in spe- 
cielle Untersuchung genommen. 

1) Ein kleiner Theil desselben wird mit der dreif&cheD 
Menge Wasser verdünnt, und ein Streifen Wollfaden hinein- 
gelegt; nach einer Stunde wird er herausgenonunen und mit 
Wasser ausgewaschen; bleibt die Wolle trotz des äxl^ 
wascheus gelb gefärbt, so enthält das Bier Pikrinsäure. 
Deren Anwesenheit wird noch dadurch bestätigt, dass die 
gelbgefarbte Wolle mit Ammoniak ausgesogen wird; der 
Auszug, auf dem Wasserbade bis auf einen geringen Büd^* 
stand verdunstet und mit einigen Tropfen Cyankaliumlösung 
versetzt, giebt bei Gegenwart der geringsten Menge von 
Pikrinsäure eine rothe Färbung von Kaliumisopurpurat. Auf 
diese Weise soll ein Theil Pikrinsäure in 500,000 Theilen 
Bier nachgewiesen werden können. — Pikrinsäure enüialten- 
des Bier endlich giebt mit basischem Bleiacetat Tersetzt, 
kein farbloses Filtrat, wie normales Bier, sondern eine citro- 
nengelbe, intensiv bitter schmeckende Flüssigkeit 

2) Der grössere Theil des Rückstandes wird nun mit der 
sechsfachen Menge Benzin eine Zeitlang geschüttelt, dieses 
abgegossen, und mit neuem Benzin auf gleiche Weise ver- 
fahren. Die vereinigten Auszüge werden bei sehr g^inder 
Wärme verdunstet Der zurückgebliebene, gelblich gefirbte 
Lack kann ausser Hopfenbitter die Alkalo'ide der Krahes- 
äugen, Strychnin und Brucin, sowie Colocynthin und Col- 
chicin, endlich Spuren von Aloeün enthalten; auf letztens 
wird hier nicht weiter Bücksicht genommen, weil sich die 
Hauptmenge davon, wie unten angegeben, in Amylalkohol 
löst Der Benzinrückstand wird in drei Theile getheilt, diese 
in kleine Porzellanschälchen gebracht, und die eine mit reiner 
Schwefelsäure, die andere mit Salpetersäure von 1,33 bi^ 



A. Schmidt, Bier, Yerfölchuag und Prfifimg desselben. 419 

1,4 spea Gew. betupft, auf die dritte ein Körnchen Kalium- 
bichromat gebracht und ebenfalls mit concentrirter Schwefel- 
säure betupft. Wird durch Schwefelsäure allein eine rotbe 
Färbung bervorgerufen, so deutet dies auf Colocynthin; 
entsteht mit Salpetersäure eine rothe Färbung, so ist dies 
eine deutliche Reaction auf Brucin; wird dagegen durch 
Salpetersäure eine violette Farbenerscheinung sichtbar, so 
verräth dies die Gegenwart von Colchicin. Eine durch 
Schwefelsäure und Kaliumbichromat erzeugte purpurviolette 
Färbung giebt Strychnin zu erkennen. 

3) Der mit Benzin behandelte Bückstand wird jetzt durch 
gelindes Erwärmen von dem anhängenden Beste desselben 
befreit und ebenso mit reinem Amylalkohol ausgeschüttelt. 
Derselbe kann etwa vorhandenes Fikrotoxin, Aloin oder Sali- 
ein aufgenommen haben und nur in diesem Falle bitter 
schmecken, da Hopfenbitter darin nicht löslich ist. Man giesst 
einen Theil des ersten Amylalkohol -Auszuges auf eine Glas- 
platte und lässt bei gewöhnlicher Temperatur verdunsten. 
Kommen feine weisse krystallinische Ausscheidungen zum 
Vorschein, so deutet dies auf Fikrotoxin. Zur Prüfung 
auf Alo'm und Salicin wird der Abdampfrückstand des übri- 
gen Amylalkohols in 2 Theile getheilt, und der eine mit 
Kalilauge versetzt Bei Gegenwart von Aloe entsteht eine 
prachtvoll purpurrothe Lösung. Der charakteristische Aloe- 
geruch ist ebenfalls an dem Rückstand wahrzunehmen. Der 
andere Theil des Bückstandes wird mit concentrirter Schwe- 
felsäure betupft uud zeigt bei Anwesenheit von Salicin 
Bothfarbung. Da der Amylalkoholrückstand aber stark gelb 
gefärbt ist, so stört dies die Beaction, und die Farben- 
erscheinung wird oft undeutlich; setzt man zu der Mischung 
mit Schwefelsäure einen Splitter Kaliumbichromat und einige 
Tropfen Wasser, so tritt beim gelinden Erwärmen der cha- 
rakteristische Spiräaduft auf, von salicyliger Säure herrüh- 
rend, wenn Salicin zugegen war. 

4) Der mit Benzin und Amylalkohol ausgeschüttelte Bück- 
stand wird nun von anhäogendem Amylalkohol durch Weg- 
saugen desselben mittelst Fliesspapier möglichst befreit, und mit 

27* 



420 A. Schmidt, Bier, Verfälschung und PrüAing desiellieiL 

waBser&eiem Aether. ausgesclintteli Dadurch wird das noch 
Yorhandene Hopfenbitter und etwa gleichzeitig anwesendes 
Absynthiin gelöst. Der Aether wird verdunstet, und bei 
Gegenwart Yon A b s y n t h ist das Wermutharoma durch den 
Geruch zu erkennen. Ausserdem giebt Schwefelsaure eise 
gelbbraune, bald ins Violettblaue übergehende Färbung, con- 
centrirte Salzsäure (1,135 spec. Gew.) eine erst grüne, dann 
schön blaue Farbe. 

5) In dem Rückstande von den 3 Ausschüttelangen i«: 
noch auf die charakteristischen EestandtheUe des Bitterkieci^, 
der Quassia und des Enzians zu prüfen; nach der Yorher- 
gehenden Behandlung ist der Rückstand seines Hopfenbttter.« 
beraubt, und lässt ein entschieden bitterer Geschmack »f 
einen der 3 letzterwähnten Zusätze schliessen. Die Unter- 
scheidung derselben Yon einander gelingt indess schY^er. 

Man löst den Yon Aether YoUständig befreiten fiückstaibi 
in wenig Wasser, filtrirt und setzt zu einem Theile des Yü- 
trates etwas Ycrdünnte Schwefelsäure; beim Erwärmen triu 
ein eigenthümlicher, aromatischer Geruch Yon Menyanthol aal 
wenn Bitterklee Yorhanden war. Ein anderer Theü dee 
filtrirten Rückstandes wird mit stark ammoniakallacber Sü* 
berlösung versetzt; entsteht ein Silberspiegel beim Erhitzes, 
so deutet dies ebenfalls auf Menyanthin oder auch auf Gen* 
tipikrin, (in diesem Falle tritt beim Erwärmen mit Schwi^ 
feisäure- nicht der charakteristische Geruch auf) , — während 
bei Gegenwart von Quassia eine Silberreduction nidit 
erfolgt. 

Dragendorff hält den Nachweis von Enzian im Bier ak 
mit Sicherheit nicht erbringbar; in Bier, welches das Los- 
liche Yon 1 Procent Enzian enthielt, also in stark damit 
versetztem Bier, konnte er keine untrüglichen Erkennungs- 
merkmale darauf angeben. 



Es erübrigt nun noch die vorstehenden Methoden zur 
Ermittelung der normalen Bestandtheile , so wie der Y^fil- 
schungen von Bier zu einem praktischen, analytischen Gang 



I 



A. Schmidt, Bi«r, Verfalschaiig und Prafung desselben. 421 

zasammen zu fassen, der wiederholte gleiche Operationen , wie 
Abdampfen, Glühen n. s. w. möglichst vermeidet. Will man 
MIT ein Bild üher den Werth eines Bieres überhaupt, d. h. 
iber seinen Gehalt an Kormalbestandtheilen bekommen, so 
^*enügt die Yomahme der Balling'schen Bierprobe nnd die 
Krmittelung der Phosphorsäure, die auch auf die Bestimmung 
der Aschenmenge führt. Hierzn genügt Vs I^iter Bier. 
Beabsichtigt man aber eine YoUständige Bieranalyse mit Be- 
rncksichtigung aller möglichen Verfälschungen auszuführen, 
^0 benöthigt man hierzu S^» Liter Bier. Diese werden, nach 
"ventueller Ermittelung der Kohlensäure in 300 G. C, die Ton 
obiger Monge genommen wurden) entkohlensäuert, und Ex- 
tract und Alkohol durch die Bierprobe in 100 G.G. bestimmt, 
yun wird auf Hefetheile geprüft — Kleber giebt sich schon 
beim Abdampfen des Bieres, welches zur Bierprobe verwen- 
det wird , zn erkennen — und weiter in 50 C. G. der Säure- 
;jehalt ermittelt. Von 2600 G.G. des Bieres werden nun 
etwa 300 C.C. abdestillirt , um in dem Destillat auf flüchtige 
<iewärze zu prüfen, nnd der Rückstand im Wasserbad zum 
"^TTup verdunstet. Der Syrup wird gewogen und in dem 
•JO. Tbeile desselben, entsprechend 125 G. G. Bier, auf schwe- 
rer flüchtige , aromatische Principe (Ingwer etc.) geprüft. — 
In dem 10. Theile des Syrups, entsprechend 250 g. Bier 
wird die Untersuchung auf Glycerin vorgenommen. Ein wei- 
terer kleiner Theil des Syrups, ein Zwanzigstel, entspr. 
125 e.G. Bier, wird zur Prüfung des Gehaltes an Glykose, 
zar Beurtheilung, ob Malzsurrogate vorhanden sind, verwen- 
'ieL Die übrigen 4/5 Theile des Syrups werden nun in zwei 
gleiche Theile getheilt, und in der einen Hälfte entsprechend 
I Liter Bier, die Prüfung auf Phosphorsäure, Alkalien und 
ilkaliscbe Erden vorgenommen, die andere Hälfte aber zu der 
PrüfaDg auf Hopfensurrogate verwendet. Der hierbei nöthige 
^'orversuch mit Bleiessig wird in 5 — 600 G.G. des ursprüng- 
Ichen, entkoblensäuerten Bieres vorgenommen. — Die Prü- 
•ong auf Phosphorsäure, Alkalien und alkalische Erden ge- 
schieht gemeinsam, indem man die 1 Liter entsprechende Menge 
des obigen Syrups einäschert, die Asche in bekannter Weise 



422 Tb. Uuietnttiui , Deber PepiingljceiiD etc. 

mit Salzsäure bebandelt, wie bei der BeBchreibnng der Pbos- 
pboraäarebeBtimmiiDg ansfiibrlich angegeben ist, dae Filtrat 
wird genau auf 100 G.G. gebraobt, in 50 CG. die Fhosphor- 
säure und in der anderen Hälfle die Alkalien und alkalischen 
Erden beatinunt. — Eine Prüfung auf Alaun läset nch in 
der Lösung der Äsche neben FhoBphoraäure und Alkalien 
nicht bequem vornehmen, es wärde sieb das Ver&bren hier- 
bei sehr complicirt gestalten. Der Nachweis toh Alaun nufit 
daher, wenn nötbig, in einer neuen Biermenge geführt wei- 
den. Es bedarf wohl kaum der Bemerkung, dass man cur 
in selteneren Fällen die Biernntereuchung gleicheeitig sul 
alle der erwähnten FalBcbungen auszudehnen bat. 



Hltthelliingen ans der scsndlnaTlsolieii pharm»«i- 
tlschen Literatur. 

Von ProfeiioT Th. HDiemKna is GSttingsn. 

Deber Pepsingly cerin im Vergleiche mit andern 
Pepsin Präparaten. * 

Seit der ersten Anwendung des Pepsins in der lledicln 
sind eine grosse Menge verschiedener Fepsinpräparate im 
Handel aufgetreten, von denen freilioli ein bedeutender Tbeil 
den wesentlichen Fehler besitzt, daes nur eine äneserfl 
geringe Quantität, wenn überhaupt etwas, Pepsin sich darin 
findet. Der hohe Preis der wirklich wirksamen Beieitnngtn 
ohne Unterschied hat der Verbreitung und allgemeinereii 
Anwendung des Uitteta im Wege gestanden. Mit RütÄsiciit 
auf diese Sachlage und besonders auch in Anbetracht der 
wechselnden Güte eines und des nämlichen Präparats wandte 
»ich Apotheker Piltz an den als Lehrer der physiologischen 
Chemie an der Universität Upsala tbätiges, wohlbekaniiteii 
Hammarsten wegen einer Methode zur Fep- 

nem Tottrage tod Dr. Olof Hammariten im antlioliu 



Th. HaMmano, Ueber Pepsingljceriii etc. 423 

sinbereitimg, yennittelst derer ein billiges , haltbares und 
zugleich kraftiges Präparat erhalten werden könnte. Auf 
Ilammarstens Yorschlag, nach dem Vorgange von Wit- 
tich 's ein Glycerinextract der Magenschleimhaut darzustel- 
len, wie solches in physiologisch -chemischen Laboratorien 
»eit längerer Zeit als äusserst zweckmässig erkannt ist, hat 
Piltz anfangs in kleinem, dann in grossem Maassstabe Ver- 
suche angestellt, welche ihn zu einem als „Pepsinelixir'* 
bezeichneten Präparate geführt, das durch seinen billigen Preis 
lind sein bedeutendes digestives Vermögen sich so vortheil- 
bafi anszeichnet, dass es auch über die Grenzen Schwedens 
bekannt zu werden verdient. Es ist ein Glycerinextract, 
welches zwar eine etwas dunkle Farbe besitzt, aber nach 
Hammarsten's Untersuchungen frei von jeder fremden 
Beimischung ist und von welchem die Flasche von circa 
125 Cent Inhalt nur 75 Öre kostet. 

Hammarsten hat den Pepsingehalt des Piltz^schen 
Präparats mit demjenigen einer Anzahl anderer im schwedi- 
*»chen Handel vorkonunender Pepsinsorten auf dem Wege des 
Experiments verglichen und ist es darnach klar, dass viele als 
vorzüglich anerkannte Präparate im Sezug auf ihr digestives 
Vermögen mit dem Pepsinelixir nicht zu rivalisiren vermögen. 
Ein YÖllig negatives Resultat ergaben bei Untersuchung 
zweier aus verschiedenen Quellen in einem Intervalle von 
1 — IVs Jahren bezogene Proben die Pariser PepsinpastiN 
ien von Burin Dubuisson, welche in Blechschachteln 
verkauft werden und auf der einen Seite den Stempel „ Lac- 
tates et Pepsine '^ auf der andern die Bezeichnung der Firma 
fragen. Bei der zweiten Probe fand sich allerdings eine 
^pur Pepsin, bei der ersten gar keine. Wenn man bedenkt, 
^s die Proben zu ganz verschiedenen Zeiten eingekauft 
wurden und aus zwei Quellen stanmiten, so kann man kaum 
'^n ein Spiel des blinden Zufalls denken und jedenfalls ist 
Quin berechtigt, die Pariser Pepsinpastillen als Medicament 
Ton sehr geringer Zuverlässigkeit zu bezeichnen. 

In zweiter Linie wurde ein in Stockholm eingekauftes 
Präparat von Liebreich's Pepsinessenz, welche nach 



424 Th. Husemann, Ueber Fepftinglyoerin etc. 

Ausweis der Etikette nach Yorschrifb tou Professor Oscar 
Liebreich auf der grünen Apotheke in Berlin YonE. Sche- 
ring bereitet war, der Untersuchung unterworfen. Ab Fläs- 
sigkoit erschien gerade diese Pepsinessenz besonders geeignet 
zur Vergleichung mit dem Pepsinglycerin von Piltz. Eh 
wurde daher zunächst der folgende Versuch angestellt: Auf 
der einen Seite wurden 10 Cc. Pepsinglycerin mit 200 Cc. 
Salzsäure von 0.25% HCl und auf der andern 10 Cc. Pep- 
sinessenz mit 200 Cc. der nämlichen Säureverdünnung gemischt 
und in jede Probe 15 g. feingehacktes hartgekochtes Eiweiss 
bei 39 — 40® C. gebracht. Das Ergebniss war, dass das» 
Pepsinglycerin das gesammte Eiweiss in drei Standen dige- 
rirt hatte, während die Pepsinessenz dazu fast 8 Standen 
gebrauchte. Auf diesen Yorversuch liess Hammarsten 
eine Reihe genauere Versuche folgen , von denen zunadiBt 
der folgende mitgetheilt werden mag. 

A. Liebreiches Pepsinessenz : 

100 Cc. HCl von 0,25 7o, 
10 Ca Pepsinessenz, 

5,721 g. hartgekochtes, feuchtes (» 0,850 g. bei 110* 
getrocknetes) Eiweiss. 

B. Pütz's Pepsinelixir 100 Ccm. H Cl von 0,25 % : 

5 Cc. Pepsinelixir, 
5 Cc. Wasser, 

5,721 g. hartgekochtes, feuchtes (-» 0,850 g. bei 110* 
getrocknetes) Eiweiss. Temperatur 39 — 40** C. 

Nach 4 Stunden war in B. alles Eiweiss bis auf einige 
Häutchen verdaut, während in A. sich ein nicht unbedeuten- 
der Rückstand fand. Die üeberreste wurden auf einem Fil- 
irum gesammelt, zuerst mit Salzsäure und dann mit destillir- 
1cm Wasser ausgewaschen, getrocknet und gewogen. Es 
ergab sich, dass von dem angewendeten Eiweiss waren: 
In A. verdaut 78,83 %, unverdaut 21,17 */o, 
- B. . 99,77%, - 0,13%. 

Obschon dieser Versuch die grössere Stärke des Piltz'- 
sehen Elixirs evident beweist, indem dasselbe in der Hälfte 



■^r- 



Th. HusenanD, Ueber Pepsioglycerin etc. 425 

der Henge^ wie Liebreich's Präparat angewendet, dies an 
Wirksamkeit 'weit übertraf, wurde jedoch zur genaueren 
Feststellung des relativen Wertbes beider Präparate ein 
genaueres Untersuchungsverfabren eingescblagen , welcbes im 
Wesentlicben als Combination die Methoden von Brücke 
und Grützner darstellt. Brücke benutzt bekanntlich als 
Maass für den Pepsingebalt zweier Flüssigkeiten die ver- 
sdiiedene Greschwindigkeit, mit welcher sie Fibrin lösen, und 
madit, um sich möglichst frei von fremden, den Digestions- 
process störenden Momenten zu halten, von jeder Flüssigkeit 
mehrere Proben von verschiedener Verdünnung, welche mit 
einander verglichen werden. Zur Yergleichung des Pepsin- 
g:eh&lt8 zweier Flüssigkeiten A und B setzt man den ursprüng- 
lichen Pepsingehalt = 1 und erhält durch Verdünnung 2 Se- 
rien« 1, Vf » V*» Vs» Vi 6 ^- ö' '^^ Zeigt sich nun bei Aus- 
fuhmng des Versuchs, dass p (Pepsin) 1 in Serie A^ das 
Fibrin in derselben Zeit verdaut, wie p ^4 i^ Serie B; p */, 
(A) gleichzeitig wie p ^/g (B), p V4 (A) ebenso rasch wie 
p Vi« (B)» 80 ist es klar, dass der ursprüngliche Pepsingehalt 
1 in A nur '/^ des ursprünglichen 1 in B war, dass somit 
B von Anbeginn 4 mal reicher an Pepsin als A sich darstellt. 
Hammarsten verfuhr in dieser Weise mit den beiden 
Präparaten von Piltz und Liebreich-Schering, benutzte 
jedoch dabei, um den Anfang der Digestion leichter beobach- 
ten zu können, die Methode von Grützner, das Fibrin mit 
Cannin zu färben. Der Anfang der Digestion des Fibrins 
giebt sich dabei leicht durch schwache Bothfarbung der Flüs- 
sigkeit zu erkennen, welche beim Vergleiche mit der andern 
Prohe oder mit Wasser ohne Mühe beobachtet werden kann. 
Wichtig bei Ausführung der Probe ist es, möglichst gleich 
;:T0S8e und im üebrigen gleich beschaffene Fibrinflocken zu 
verwenden, was natürlicherweise sich schwer machen lässt, 
wesshalb auch die fraglichen Versuche häufig etwas unregel- 
mässig verlaufen. 

Der folgende Versuch mag hier Platz finden: 
3 C)c. von Liebreich's Präparate werden mit 27 Cc 
Salzsäure von 0,1 ^/^ verdünnt; dasselbe geschieht mit einer 



426 Th. HnwnuDD, Uab«r P«ptiiigljceriii elc. 

gleichen Quantität des Fepsinelixlrs von Pilte. Diese bei- 
den eaaren LöBungen, velche als die usprüngEofaen Fepun- 
löanngen vom Fepaingehalt 1 anznsehen Bind, werden dann in 
der unten anzugebenden Weise rerdünnt. Der Tersnch wird 
bei Zimmertemperstiur 17,5 — 19" C. ansgefdhrt und beginnt 
um 11 TThr 38 Min. 



Piltz Präparat 

a) 8 C!c. nrspr. Lösung p. 1. 

11 h. 42 m. Beginn der Di- 
gestion. 

12 h. Um. Ende d. Digestion. 

b) 4 Cc. urspr. Lösung l 
4Ce.8aksäareT.O,l<»/oP' '»' 

11 h. 42 m. Beginn der Di- 
gestion. 

12 h. 10 m. Bnde d. Digestion. 

c) 2 Co, urspr. Lösung 1 
eCcSalzsäureT.O.lo/ojP'''** 
11 b. 46 m. Beginn der Di- 
gestion. 

12h. 24m. Ende d. Digestion. 

d) I Cc urspr. Lösung I 
7Cc Salzsäure V. 0,1 "/oJP-"»" 
11 h. 50 m. Beginn der Di 

gestion. 

1 h. 13 m. Ende der Dige- 
stion. 

e) 0,5 Cc. nrspr. Lösung 1 

7,5 Cc. Salzsäure von /p.Vig- 

leginn der Di- 
I der Digestion. 



Liebreich's Pepsinesseiu. 

a) 8 Co. urspr. Lösung p. 1. 

. 11 h. 49 m. Beginn der Di- 
gestion. 
1 h. 35 m. Ende der Digesticm. 

b) 4 Cc. urspr. Lösung 



4 Cc. Salzsäure t. 0,1 */, 



h% 



11 h. 58 m. Beginn dsr Di- 
gestion. 

1 h. 50 m.£nde der Digestion. 

c) 2Cc, urspr. Losung I 

6 Cc. Salzsäure T. 0,1 «/oP" '*' 

12 h. 7 m. Beginn der Di- 
gestion. 

2 h. 10 m. Ende d. Digestion. 

d) 1 Cc. unspr. Lösung 1 
7Cc8alz8äureT.O,l'/oj''' ''' 
12 h. SO m. Be^nn dor Di- 

gostion. 

3 b. Digestion nodi nicht 
beendet 

e) 0,5 Cc. nrspr. Losungl 

7,5 Co. Salzsäure vonlp.'/u- 
0,1 % \ 

12 fa. 50 m. Beginn der Di- 
gestion. 

3 b. Digestion nicht beendet. 



und analogen Versuchen geht herror^ ds« 
lyoerin im Mittel 8 mal so viel Pepsin entlült< 




Th. HoBematiD, üeber Fepsinglycerin etc. 427 

wie Schering's nach Liebreich'e Methode fabricirtes Prä- 
parat. 

In dritter Linie wurde Marquart's Fepsinum aoti- 
yam der Prüfang unterworfen. Dieses Präparat ist schon 
früher Yon Orom unter Leitung des bekannten Kopenhagener 
Physiologen Panum geprüft und als weit stärker als das 
Liebreich*sche Präparat bezeichnet worden. 

Die Ton Hammarsten untersuchte Probe war durch 
Piltz direct Ton Marquart bezogen. Eine Yergleichung 
desselben mit dem Präparate von Piltz bot insofern Schwie- 
rigkeiten^ als Marquart's Pepsinum activum pulverförmig 
ist, wahrend Piltz's Elixir eine Flüssigkeit darstellt. Ham- 
marsten ging, da ihm die Dosis von Marquart's Pepsin 
unbekannt war, von deijenigen des Piltz'schen Präparats 
» lOCcm«, womit er einen g. Pepsinum activum paralleli- 
eirte, aus. 

Als Yorversuch wurde mehrmals die Einwirkung auf 
hartgekochtes Htthnereiweiss geprüft, wobei 1 g. Marquart's 
Pepsin in 200 Ccm. Salzsäure von 0,25 % auf der einen Seite 
ojid 5 Gem. Pepsinglycerin in der nämlichen Menge Salzsäure 
gelöst auf der andern Seite in Anwendung kam. Die Yer- 
snche geschahen bei 40^ C. und hatten das Resultat, dass 
nach 4 Stunden Marquart's Präparat 54,7 7o gelöst hatte, 
während durch Piltz's Elixir 94,32 7o des Eiweiss peptoni- 
birt waren. 

Bei den Yersuchen nach Druckes Methode wurden 
0,33 g Yon Marquart's Präparate in 30 Cc. Wasser und 3,3 Gc. 
Gljcerineztract in 27 Cc. Wasser, welches in beiden Fällen 
u,l 7o ^Cl enthielt, gelöst und diese Normallösungen nach 
dem oben angegebenen Principe verdünnt. Das Ergebniss 
war, dass in 10 Cc. Pepsinelixir uogefähr lOmal so viel Pep- 
sin enthalten war als in einem g. des Marquart 'sehen 
Präparats. 

Gleichzeitig mit dem letzteren erhielt Hammarsten 
darch Yermittlong TOn Piltz drei andere Sorten Pepsin, von 
Welchen er zwei, die sich als die besten herausstellten, einer 
genaueren Untersuchung unterwarfl Es waren dies pulver- 



i 



428 Th. HttBcmaoD, Ueber Pepsiuglyceria eto. 

förmiges Pep sin von Merck in Darmstadt; und das bekannte 
Pepsinnm Gennanicum plane solabile von Friedrich 
Witte in Ro stock. Diese beiden letztgenannten Präparate 
waren beide von ausgezeichneter Beschaffenheit, übrigens 
fast nahezu von gleicher Güte, obschon das Pepsin tob 
Witte etwas kräftiger zu sein schien. Auf das letztere 
beziehen sich die folgenden Versuche: 

5 Ccm. Glycerinextract und 1 g. von Witte' s Präparat, 
in 200 Ccm. H Gl von 0,25 gelöst, wirkten auf hartgekochtes 
Hüfanereiweiss bei circa 39® so ein, dass ersteres nach 5Std. 
95,2 7o> dagegen Witte's Präparat in der nämlichen Zeit 
98,8 % Eiweiss gelöst hatte. In diesen MengenYerhaltniasen 
erwies sich somit das Witte'sche Pjräparat als etwas kralli- 
ger. Zu den Versuchen nach Brücke's Methode wurde das 
Verhältniss 10 Com. Pepsinelixir und 1 g. von Witte's Pepsi- 
num Germanicum benutzt. In diesem Verhältnisse wirkte 
das Glycerinextract kräftiger und ergab sich der Pepsingehalt 
beider Präparate als ein solcher, dass 10 Ccm. Glycerin- 
extract ungefähr 1,5 g. des Witte'schen Präparats entsprachen. 

Es giebt nun allerdings im Handel Pepsinpräparate, 
welche an ActiTÜät das Witte 'sehe Pepsin zu übertreffen 
scheinen. So wurde vor mehreren Jahren aus Edam ein 
ausserordentlich kräftiges Pepsin in den Handel gebracht nnd 
neuerdings hat Brunnengräber in Rostock ein Pepsin, 
welches das Witte' sehe weit überragt und wahrscheinlich 
auch dem Pepsinelixir überlegen ist, auf den Harkt gebracht. 
Sieht man von diesen Präparaten ab, welche Hammarsten 
bei seinen Untersuchungen nicht zu Gebote standen, so wird 
man sich den Folgerangen Hammarstens anschliessen 
müssen, dass das Pepsinelixir von Piltz oder überhaupt ein 
nach der Methode von Wittich's bereitetes Glyoerinum 
Pepsini zu den besten Pepsinpräparaten gehört 

Zunächst ist hervorzuheben, dass das Pepsinglyoerin 
nichts anderes enthält als Glvcerin und die von dieser 8nV 
stanz gelösten und in derselben aufgeschlemmten Bestand- 
theile der Magenschleimhaut. Glycerin ist nun bekannfiich 
in nicht zu grossen Mengen gegeben, ein unschuldiger Stoff, 



Th« Hufemaniiy Üaber Fepsinglyeeriii eto. 429 

weldier keine deutliche Einwirkrmg auf die Digestion und 
den Dannkanal zeigt, auch die artificielle Digestion nicht 
stört Setzt man die Dosis des Piltz'schen Pepsinelixirs auf 
2 Theeldffel «- 10 Co., so enthält diese eine so geringe 
Menge Crlyoeiin, dass man dieselbe als völlig indifferent 
betrachten kann. Vielleicht kann man die Einzelgabe noch 
etwas höher nehmen, doch enthalten 2 Ccm. Fepsinglycerin 
fiel mehr Pepsin als in der Einzelgabe der gebräuchlichsten 
Pepsinpraparate enthalten ist 

Setzt man den Pepsingehalt der einzelnen Pepsinprapa- 
rate als Richtschnur für deren Preis, so ist, wenn sich die 
von Hammarsten gefundenen Zahlen als generelle betrach- 
ten lassen, das Liebreich -Schering'sche Präparat 13 — 14 mal 
üieuerer als das Pepsinglycerin, während von den pulverarti- 
gen Pepsinarten nach der schwedischen Arzeneitaxe Mar- 
qaart's Pepsin 25 mal so hoch zu stehen kommt. Selbst 
die besten von Hammarsten untersuchten Pepsinsorten, 
diejenige von Witte tmd Merck würden nach dieser Be- 
rechnnngsweise sich 4 — 5 mal höher stellen als das Pepsin- 
glycerin von Piltz. Man muss nun freilich im Auge behal- 
ten, dass möglicherweise der Pepsingehalt der fraglichen 
Pepsinsorten bisweilen etwas höher ausfallen kann als ihn 
Hammarsten fand, obschon die von ihm benutzten Unter- 
sachnngsobjecte frisch und zum grössten Theile direct bezo- 
gen waren. 

Für Deutschland hat vielleicht das Stockholmer Präparat 
Toa Pütz nicht diejenige Bedeutung, welche dasselbe für 
Schweden besitzt, insofern als die Kosten der Versendung 
den Preis desselben ziemlich auf gleiches Niveau wie mit den 
deutschen besseren Pepsinsorten stellen würden. Aber es 
steht kein Hindemiss im Wege, ein analoges Pepsinglycerin 
Bach der Methode von Wittich bei uns herzustellen und 
statt der wechselnden Pepsinpräparate in Anwendung zu 
bringen. Dass auch das Pepsinglycerin nach dem Maasso 
des Pepsingehalts des zur Bereitung dienenden Materials 
nicht immer gleich ausfallen wird, liegt auf der Hand. An- 
dererseits wird dasselbe aber gewiss nicht mehr Schwankungen 



480 Th. Husemanii , üeber Pepsinglycerin etc. 

unterliegen als andere Pepsinpräparate. Man wird bei der 
Bereitung stets dafür zu sorgen haben^ dass mehrere Magen 
auf einmal verarbeitet werden, weil wenn man nur einen 
Magen extrahirt, man möglicherweise eine geringere Aus- 
beute erhält Das Glycerin extrahirt nach Hammarsten's 
Erfahrungen übrigens das Pepsin nicht gleich gut aus den 
Mägen aller Thiere, ein Umstand, welcher noch umfassendere 
Untersuchungen nothwendig macht. Natürlich muss man, um 
ein gleichartiges Präparat zu erhalten, stets die namUche 
relative Menge Glycerin verwenden. Für eine grössere 
Gleichmässigkeit des Pepsinglycerins spricht übrigens der 
Umstand, dass bei Anwendung der von Wittich angegebenen 
Yerhältnisse das Glycerin nicht alles Pepsin extrahirt, son- 
dem sich nach einer gewissen Zeit so zu sagen damit 
sättigt. 

Hammarsten hat seit längeren Jahren zu physiologi- 
schen Versuchen der verschiedensteu Art Pepsinglycerinans- 
züge bereitet oder auf dem Laboratorium anfertigen lassen 
und niemals ein unwirksames oder schlechtwirkendes Präpa- 
rat erhalten; nur der Magen des Frosches und des Hechtes, 
an welchen sich vielleicht noch verschiedene andere Fisch- 
mägen reihen, die aber alle wohl zur Bereitung von Pepsin- 
glycerin ausser Frage sind, gab zu Verdauungsversnchen 
ungeeignete Präparate. Im Uebrigen ist Hammarsten 
zu der Ueberzeugung gekonmien, dass die Wirksamkeit 
des Pepsinglycerins constant diejenige anderer Pepsinarten 
übertraf. 

Die Haltbarkeit des Pepsinglycerins ist bei dem conser- 
virenden Vermögen, welches das Glycerin besitzt, von vorn 
herein ausser Zweifel und ausserdem empirisch durch Ham- 
marsten festgestellt. Ein von ihm im Jahre 1869 bereits- 
tes Pepsinglycerin, welches ohne jede Vorsichtsmaassregel 
aufbewahrt wurde, so dass ein Theil desselben während eines 
ganzen Sonuners in einem offenen G^fSsse an einem sonnigen 
Fenster stand, während das übrige den Winter über in einem 
geheizten Baume im zerstreuten Tageslichte stand, zeigte 
nach sieben Jahren keine nennenswerthe Verminderung seiner 



Hamberg, Controle kSnitUcber Mineralwasser. 431 

digefttiven FähigkeiteiL Die Haltbarkeit gehört somit geradezu 
zn den eminenten Yorziigen des Fepsinglycerins, das ausser- 
dem, wie bereits oben herrorgehoben wurde, durch Billigkeit 
und Constanz des digestiven Vermögens sich als vorzügliches 
and wohl zu beherzigendes Pepsin charakterisirt. 

Die Frage, wie man dasselbe therapeutisch zu verwenden 
habe, muss für das Pepsingljcerin in gleicher Weise wie für 
die übrigen Fepsinarten beantwortet werden. Es ist bekannt, 
da«8 der Magen sich rasch seines flüssigen Inhalts entledigt 
ond da schon 10 — 15 Min. nach einer Mahlzeit sowohl flüs- 
sige als feiner vertheilte feste Speisen durch den Pylorus 
aastreten, was sich dann in kurzen Intervallen häufiger wie- 
derholt, so ist zn befürchten, dass wenn man die ganze 
Dosis in Wasser auf einmal reicht, ein guter Theil derselben 
rasch durch den Pylorus verschwindet und dadurch völlig 
verloren geht Zweckmässiger ist es jedenfalls nach Ham- 
marstens Vorschlage, einen Theelöffel voll Pepsingljcerin 
anmittelbar nach der Mahlzeit und sodann einen zweiten 
TheelöiTel voll nach Verlauf von einer halben bis zu einer 
ganzen Stunde nehmen zu lassen. 



Zar Controle kflnstlicher HlneralwSsser. 

Kach eiMB Yortrage von Dr. Hamberg in der OeeellBohaft der sehwe- 

diBOhen Aente in Stockbolin. 

Wie nothwendig im Interesse der Kranken eine genaue 
leberwachang der künstlichen Mineralwässer ist, zeigt sich 
fast jedesmal, wenn ein tüchtiger Chemiker aus irgend einem 
Gnmde die Prüfung solcher Wässer vominmit. Schon früher 
^ Alm^n auf die vielfachen Täuschungen hingewiesen, 
welche gerade bei der Bereitung der Mineralwässer in Schwe- 
den vorkommen« Einen eclatanten Beleg dafür liefert in aller- 
neuester Zeit die Untersuchung eines künstlichen Stahlwassers 
durch Hamberg. Das der Stahlquelle zu Porla, dem 
gehaltreichsten schwedischen Eisensäuerlinge, nachgebildete 



482 W. Saandersy AmerikaniBche Canthuideii. 

kunstliche Mineralwasser enthielt z. B. statt der QaeUsanien 
Weinsäare und kein Mangan, welches in dem naturlichen 
Porlawasser leicht nachweisbar ist^ dagegen Schwefelsaore 
und Chlor in weit grösseren Mengen. Statt 1,99 enthieli 
das künstliche Wasser 6,34 feste Bestandtheile in 10000 Thei- 
len , statt 0,634 Eisenoxydulbicarbonat nur 0,25949. Kiesel- 
säure, Kalk und Magnesia zeigten ebenfalls erhebliche Ab- 
weichungen. 

Am bemerkenswerthesten war übrigens eine Yerunreim- 
gung des fraglichen künstlichen Mineralwassers mit Kupfer, 
von welchem in 10 Litern 0,06859 (Kupferoxyd) sich fiuideiL. 
Das Yorhandensein des Kupfers deutet natürlich auf gross« 
Nachlässigkeit bei der Bereitung und ist ohne Zweifel dij 
Folge von einer Abnutzung der Verzinnung des angewendet 
ten Apparats. 

Die schwedische Gesellschaft der Aerzte hat sich yeran- 
lasst gesehen, das Factum der Existenz von Kupfer im künst- 
lichen Porlawasser in verschiedenen schwedischen Zeitungen 
zur öffentlichen Kenntniss zu bringen. 



Ainerikauisehe Canthariden. 

Nach einem Aufsatie von William Saanders in London, Ontario, 
mitgeiheilt von Professor Th. Hniemann. 

Es ist eine auffallende Erscheinung, dass man als Surro> 
gate der Spanischen Fliegen in Nordamerika besonders die 
kleineren, mehr dem nördlichen Theile angehörigen Käfer- 
speciesy namentlich Epicauta vittata und cinerea, Ins 
Auge gefasst hat, während man die grösseren Arten im Sü- 
den und Westen fast ganz übersehen hat. Die beiden bezach- 
neten Käfer haben die europäische Lytta vesicatoiia um so 
weniger verdrängen können, als sie derselben an Grösse bedeu- 
tend nachstehen, wodurch natürlich die Kosten der Einsamm- 
lung sehr vergrössert werden; auch wird dadurch leicht der 
G-lauben erweckt, dass ihre Wirkung eine geringere sei. 
Wie in Europa, so ist auch in Amerika unter dem Yolke 



W. SaanderSy Amerikaiiisohe Canthariddn. 433 

und unter den Aerzten die Anschanuiig verbreitet , dass die 
glänzend grünen Partikel der Flügeldecken von Lytta vesica- 
toria von 'wesentlicher Bedeutung für die blasenziehende Wir- 
kung der Spanischfliegenpflaster seien und mancher Arzt würde 
aus diesem Grunde ein Emplastrum vesicatorium, welches 
keine glänzend grüne Punkte zeigt, als unwirksam geradezu 
rerweifen. Allerdings ist dieses Yorurtheil hie und da seit 
der Einführung der Chinesischen Pflasterkäfer , Mylabris 
Cichorüy und seit dem durch Maisch geführten Nachweis, 
^ das letztgenannte Insect reichlich die doppelte Quanti- 
tät Cantharidin enthalte wie die Spanische Fliege, ausgerottet 
worden, aber der niedrige Preis der Chinesischen Canthariden 
zeigt aufs Deutlichste, dass trotz ihres Cantharidinreichthums 
die Chinesische Fliege als Handelsartikel wenig in Frage 
kommt. Der Farbe dieser Mylabris in gepulvertem Zustande 
gleicht auch diejenige der beiden erwähnten Species von 
£picanta. 

In dem westlichen Theile Ton Nord- und Südamerika 
^ebt es eine Reihe von Eäferspecies, welche sich durch einen 
weit grosseren Umfang auszeichnen, in reichlicher Menge 
vorkommen und die gesammte Activität der gewöhnlichen 
C&nthariden zu besitzen scheinen, somit einer ausgedehnteren 
Verwendong als blasenziehende Insekten ohne Zweifel fähig 
9in<L Die folgenden Angaben über ihre Eigenschalben und 
"^ Vorkommen dürften allgemeineres Interesse verdienen, da 
es nicht unwahrscheinlich ist, dass eins oder das andere die- 
ner Insekten bei dem gegenwärtig in den Vereinigten Staaten 
berrschenden Bestreben, einheimische Producte an Stelle aus- 
wärtiger zu setzen, Gegenstand des Handels werden wird. 
Für Europa werden dieselben freilich nur dann in Betracht 
kommen können, wenn die chemische Analyse eine beträcht- 
ück höhere Menge Cantharidin als in den diese Substanz 
emscUiessenden Europäischen Canthariden und Maiwürmem 
i^wiese. 

In den östlichen Staaten der Union und in vielen Thei- 
len Ton Canada findet sich, und zwar bisweilen sehr häufig, 
unter Steinen Meloe angusticollis Say, ein Maiwurm 

Areh. 1 phann. XII. Bdc 5. H«A. 28 



434 W. 8aanden, Amerikanitcbe Canthariden. 

von dunkelblauvioletter Farbe , dessen Kopf, Brust und Flü- 
geldecken Yon kleinen Flecken oder Eindrücken dicht pnnk- 
tirt erscheinen. Der Thorax ist schlank^ schmaler als der 
Kopf; die Fasse schwach behaart, die Domen der Seine 
röthlich. 

Zu den blasenziehenden Insekten gehört femer Cy steo- 
demus armatusLec, ein in Arizona und den unculti- 
virten Gegenden von Californien, da wo der Ereosotetrauch. 
Larrea Mexicana, wächst, ausserordentlich häufiger Käfer, der 
aber zum Blasenziehen weniger als andere taugt, wefl die 
harten Theilo allzu sehr die Weichtheile überwiegen, in wel- 
chen letzteren ja das active Princip vor Allem seinen Sitz 
hat. Der ganze Körper des Käfers ist blauschwars, der 
Brustkorb zeigt an jeder Seite einen starken Seitendom; die 
Flügeldecken sind stark convex, oben dick erhaben reticnlirt 
und weit breiter als der von ihnen bedeckte Hinterleib. 

Femer gehören hierher '6 Species der Käfergattong 
Macrobasis, nämlich M. albida Saj, M. atrivittata 
Lee. und M. segmentata Say. Alle drei kommen is 
Texas und New Mexico vor. Die erstgenannte scheint die 
verbreitetste zu sein, sie ist an allen Körpertheilen schwan 
und dicht mit kleinen grünlich oder weisslich gelben Haares 
bedeckt; der Thorax ist wenig länger als breit und schmiüer 
als die Flügeldecken, die nach hinten zu breiter werden uoti 
dicht punktirt sind. M. atrivittata Lee. ist ebenfalls schwan, 
aber länger als M. albida; der Kopf ist dicht mit sdiöneo 
schwarzen Haaren bedeckt und vor den Augen findet sich 
ein kleiner weisser Raum. Der Thorax ist grau behaart, mit 
einem grossen, schwarzen Fleck in der Mitte; die Flögei- 
decken haben schwarze Haare und sind an der Spitze und 
an den Seiten grau eiugefasst; auch erstreckt sich ein massig 
dicker grauer Streifen vom Schenkel bis nahe an die Spitze. 
Auch M. segmentata ist ein schwarzer Käfer, doch haben die 
Segmente des Körpers unterhalb einen weissen Sand; der 
Bmstkorb ist fast so breit wie lang und seine hinteren Bän- 
der sind grau, die Flügeldecken schön punktirt und zerstreut 
mit kurzen schwarzen Haaren bedeckt 



W. Saanden, Amexikaniiehe Canthariden. 435 

Wohl am meisten verbreitet ist eine der Spanischen 
Fliege am nächsten stehende Specics, nämlich Gantharis 
Tulnerata Leo. Dieser Käfer, grösser als die Spanische 
Fliege mit schwarzem Körper, orangegelbem, bisweilen in der 
Mitte breit schwarzgestreiftem Kopfe und schwarzen Flügel- 
decken, ist erstaunlich häufig im ganzen Pacificgebiete, west- 
lich von den Sierra- Nevadas. Der bekannte Amerikanische 
Entomologe Hern in Philadelphia fand dieselbe scheffelweise 
auf dem Erdboden und ebenso in grosser Häufigkeit auf einer 
Baodiarisart; er hat auch Versuche mit dem Käfer angestellt 
und aidi von dem starken blasenziehenden Vermögen dessel- 
ben überzeugt, was, wie die nach dem Einnehmen einer aus 
dem Insect bereiteten Tinctur auftretenden Hambeschwerden, 
das Vorhandensein von Cantharidin beweist. 

Eine andere Gantharisart, G. Nuttalli Say, ist in Kan- 
sas imd Colorado ausserordentlich verbreitet und übertrifft, 
wie die erstgenannte, die Spanischen Fliegen an Grösse und 
Imiang. Es ist ein wunderschöner Käfer mit dunkelgrünem 
oder goldgrnnem Kopfe und schwarzen Fühlhörnern; auch 
die Brost hat eine goldgrüne Farbe und zeigt auf ihrer 
glatten Oberfläche nur wenige zerstreute kleine Funkte; die 
Flügddecken sind goldpurpum mit Grün gestreift, die Beine 
sind purpurn, die Füsse schwarz. Cantharis Nuttalli 
stellt im Aeussem offenbar der Lytta vesicatoria am nächsten, 
doch fehlen bei letzterer die Farbennuancen der einzelnen 
Theile, die bis auf die schwarzen Antennen sämmtlich glän- 
zend goldgrün sind; auch zeigen Kopf, Brust und Flügel- 
decken dichte Punktirung. 

Am nächsten an diese Käferarten würden sich die oben 
besonders henrorgehobenen , mehr dem -Korden angehörigen 
»Spedes von Epicauta reihen, welche früher ja auch der 
Gattung Cantharis zugezählt wurden. Epicauta vittata 
Fab. findet sich sowohl in den Vereinigten Staaten als in 
Caoada häufig nördlich und westlich von Garolina bis zu den 
Rocky Mountains. Bei dieser Species ist der Kopf hellröth- 
llch mit dunklem Flecken; die Antennen sind schwarz, ebenso 
Thorax und Flügeldecken, doch zeig^ der Brustkorb drei 

28* 



436 W. Sannders, Amerikanisolie CantliarideBu 

gelbe Linien und an den Flügeldecken findet sicli ein gelber 
Streif in der Mitte und ein dunklerer Rand. Abdomoi und 
Beine sind schwarz, mit grauen Haaren bedeckt. Diese Art 
wird im Süden vertreten durch eine sehr nahe verwandte 
Species, Epicauta lemnisoata, welche noch einen weissen 
Fleck hat. Diese letztere ist physiologisch geprüft und hat 
sich als YÖllig gleichwerthig mit Lytta vesicatoria erwiesen. 

Die zweite oben erwähnte Art, Epicauta cinerea 
Förster, kommt in der Union östlich von den Rocky Moun- 
tains und in vielen Gegenden von Canada vor. Sie ist 
schwarz, dicht punktirt und mit grauen Haaren bedeckt, die 
Behaarung ist namentlich unten dicht, oben wechselnd^ am 
Kopfe sparsam. Der Thorax ist dicht punktirt, manchmal 
ganz mit grauen Haaren bedeckt, oft mit einem grossen 
dreieckigen schwarzen Mittelraume, der durch eine graoe 
Linie in 2 Theile geschieden wird. Die Flügeldecken sind 
fein punktirt und entweder vollständig oder doch am ganzen 
Rande rings herum grau. In den südlichen Staaten, wo das 
Insect weit grösser wird, hat dasselbe vollständig graue 
Flügeldecken und ist der Lytta vesicatoria gleich in ihrer 
Wirkung. 

Yon Kansas bis Mexico findet sich noch ein anderer 
cantharidinhaltiger Käfer in grossen Mengen, die am gan- 
zen Körper und an den Beinen ockergelbe Pyrota myla- 
brinaChev. Der Brustkorb trägt zwei, bisweilen 4 sdiwan» 
Flecken; die Flügeldecken zeigen 2 schwarze Querstreifen, 
welche in der Mitte durch die K'aht getrennt werden, der 
eine vordere Streifen wird bisweilen wieder in 4 Flecke 
getheilt; Tibien und Füsse sind schwarz. Dieser Käfer ist 
ebenso gross wie Mylabris Cichorii, bisweilen grösser. 

Endlich ist noch Tergrodera erosa Lee ein Käfer, 
welcher in Südcalifomien und auf der Halbinsel von Unter- 
californien auf einer nicht näher bestimmten, krautarügen» 
blaublühenden Pflanze in grossen Mengen vorkommt Leib 
und Beine sind schwarz, Kopf und Thorax röthlich» der 
erstere mit einer tiefen Grube, die Flügeldecken hellgelb, 
oben reticulirt, mit einem schwarzen Streifen in der Mitte und 



W. stunden, Amerikanisclie Cantharideii. 437 

an der Spitse, welcher jedoch bei einzelnen Exemplaren feh- 
len kann. 

Bei allen diesen Käfern sind die Weibchen als Medica- 
ment den Männchen vorzuziehen, besonders wenn sie stark 
mit Eiern gefallt sind. Der Grund dafür liegt, wie leicht 
einzusehen, in der grösseren Entwicklung der Weichtheüe bei 
den Weibchen. Eier haben die nämliche blasenziehende 
Wirkung wie die übrigen Weichtheüe. Nach Hörn scheint 
der Chjlns der betreffenden Thiere die grösete Wirksamkeit 
in dieser Beziehung zu besitzen. 

Bekanntlich ist die Entwicklung der Europäischen Spe- 
ries von Meloe und Lytta genauer bekannt. Die Lebens- 
geschichte der Larve des Maiwurms, welche als Schmarotzer 
an Bienen und Grabwespen sich anhängt, um sich von die- 
^n durch die Lüfte tragen zu lassen, ist ein Curiosum. der 
Naturgeschichte. Die Geschichte der Amerikanischen Species 
ist noch etwas fragmentarisch. Dr. Fackard hat die Larve 
von Meloe angusticoUis beobachtet und nicht sehr abweichend 
von ihren Europäischen Verwandten gefunden. Professor 
Riley hat die Eier und Larven von Epicauta vittata 
beschrieben. 

Der umstand, dass die Larven der Halskäfer in die 
Nester von Aderflüglem getragen werden müssen, erklärt das 
häufigere Vorkommen der Käfer an bestimmten Localitäten 
and die Verschiedeuheit ihrer Frequenz in einzelnen Jahren, 
^ind die fraglichen Hymenopteren reichlich an einem Orte 
Tertreten, so werden die blasenziehenden Käfer sich in 
erstaunlicher Masse vermehren, denn die Productivität der 
Weihchen ist eine ausserordentlich grosse, so dass ein einzi- 
ges Weibchen 2000 Eier legt. Sind keine Hymenopteren 
Torhanden, welche sie in ihre Nester wegtragen, so gehen 
<iie Larren in Folge von mangelndem Emähmngsmaterial zu 
Grunde. AUmählig aber wird in jenen Gegenden, wo eine 
massenhafte Froduction stattfindet, eben in Folge dieser 
Ueberproduction, der Vorrath von Nahrungsmaterial consumirt 
weiden und so auf die Periode des überreichen Vorkommens 
eine Periode des Gegentheils folgen, während vielleicht in 



438 Th. Husemann, HistoriBche Notiz über das Bitun. 

den angrenzenden Gebieten die entgegengesetzten Verhält- 
nisse obwalten. Das häufige Vorkommen von Gesellsdiafts- 
bienen in den amerikanischen Waldungen im Allgemeinen 
erklärt auch die Häufigkeit von Halskäfem, insofern der 
Kampf um das Dasein von letzteren ohne die unfreiwillige 
Beihülfe der ersteren nicht mit Erfolg gefuhrt werden kann. 



Historisehe Notiz ftber das Dltaln* 

Von Prof. Tlu Husemann. 

Das Ditain ist bekanntlich bei uns zuerst durch die Wie- 
ner Weltausstellung durch den Apotheker Gruppe &as 
Manila im Jahre 1872 als Fiebermittel bekannt geworden 
und gilt der Genannte meist als Entdecker der betreffenden 
Base aus der Kinde von Alstonia scholaris. In Wirk- 
lichkeit ist aber der Apotheker A. Scharlee, auf Welte- 
vreden bei Batavia, der Entdecker des Alkaloids, das er 
schon im Jahre 1862 in der Kinde des im östlichen Theile 
von Java, besonders in der Umgegend von Malang häufigen 
Baumes auffand. Der Name Ditain rührt indessen nicht Ton 
ihm her, da er die betreffende Kinde, welche auf Java aU 
Poele bezeichnet wird, nicht mit Sicherheit zu bestimmen Ter- 
mochte, doch hält er es für wahrscheinlidi, dass sie Ton 
einer Alstonia abstamme und schlägt daher den Namen AUto- 
nin für dieselbe vor. Diese letzte Bezeichnung ist freilich 
heute nicht mehr anwendbar und der Name Ditain yorznzie* 
hen, da inzwischen ein Bitterstoff aus der australisdies 
Alstonia constricta diesen Namen bekommen hat (Pflanzen- 
Stoffe, p. 871). 

Der Aufsatz von Scharlee über das Ditain findet sich 
in der Geneeskundig Tijdschr. voor Neded. Indie Deel X 
(1863) p. 209 und enthält sowohl eine Beschreibung des 
Alkaloids mit Angabe verschiedener Keactionen als die yon 
ihm benutzte Darstellungsmethode. Scharia e zog die grob 
gepulverte Kinde mit Alkohol von 0,830 spec. Gew. wieder- 



TIl niuemann, Historische Notis über das Ditai'ii. idO 

holt aasy verdampfte den Alkohol bei gelinder Temperatur, 
liehandelie das Residanm mit Wasser, so lange dieses noch 
bitteren Geschmack annahm, yerdunstete die wässrige Lösung 
vorsichtig und behandelte die resultirende syrupartige, bittere 
Flüssigkeit noch einige Male mit Alkohol und Wasser. Durch 
Pradpitation mit Bleiessig erhielt er nach FUtriren und Ent- 
fernen des überflüssigen Bleis mit Gallussäure eine hellgelbe 
Flüssigkeit, welche er über Schwefelsäure verdampfte und 
nach Beseitigung der überschüssigen Gallussäure mit Gerb- 
säure fällte. Das weisse, flockige Tannat wurde schleunigst 
mit reinem Wasser ausgewaschen, in Alkohol aufgelöst, die 
alkoholische Lösung mit frisch präcipitirtem Bleioxjdhydrat 
versetzt und nach Entfernung des Bleioxyds und Eiltriren 
über Schwefelsäure verdunstet. Diese Methode ist jedenfalls 
nmständlicher als die neuerdings von Job st und Hesse 
I Aml Chem. Pharm. CLXXVIII. 49. 1875) für die Darstel- 
lung ihres „Ditamins'^ angegebene. 

Dass übrigens Scharlee wirklich das Ditamin von Jobst 
and Hesse bereits in Händen gehabt hat und zwar in kr}*^- 
stallinischem Zustande in Form von schiefen Bbomben oder 
Prismen von äusserst bitterem Geschmack, dafür sprechen die 
Angaben über die Löslichkeit des 8charl6e'schen Alsto- 
QÜis in verschiedenen Solventien, das Schmelzen des Alka- 
loids auf Platinblech und die aufiallende Farbenreaction mit 
Sälpetersäure, welche an dem angegebenen Orte sehr aus- 
iuhrlich und übereinstimmend mit den Beobachtungen von 
Jobst und Hesse geschildert wird. Die Beaction mit Fla- 
tinchlorid, Quecksilberchlorid, Goldchlorid, Tannin, Bhodanka- 
linm XL a. gewöhnlichen Fällungsmitteln für Alkalo'ide finden 
>ich ebenfalls in der Scharl^e' sehen Arbeit. Die grosse 
Bitterkeit der Lösungen des Alkalo'ids und seiner Salze wird 
stark accentuirt. 

Die von Scharlee erhaltene und an den Chef der mili- 
tär&rztlidien Verwaltung eingesendete Quantität Ditain reichte 
za ausgiebigen Versuchen am Krankenbette nicht aus und 
^keinen solche zuerst auf den Philippinischen Inseln ange- 
stellt worden zu sein. Die günstigen Efiecte desselben bei 



440 W. C. Hsiaeua, Cabei Zimmt- und FfeffenmtoTnuibaoK. 

WechBelfiebor kommen nach Angabe der Javanen der Poe1e- 
Kinde in aus^zeichnetem Uaaese zu. Bekanntlich hat in 
allemeueBter Zeit Harnaok diese HeÜwirkang des Ditains. 
welche übrigena erst durch den klinischen Vennch nach- 
gewiesen werden mnss, als möglicherweise im Zaeammen- 
hange damit stehend bezeichnet, dass dasselbe «ne dem 
Curare analoge Wiricung besitet. 



ir«1>er Zimmt' and Frefferantersuchung. 

HitthciloDK Ton W. C. Uer*ea( in Eumi. 

Yor Kurzem wurde auf das Gutachten eines SadiTerstäs 
digen hin eine Quantität Zimmt und Pfeffer als geßUscht erklän. 
Der betroffene Gewürzhändler bestritt diese Anklage und 
legte sowohl das erste Gutachten als auch die betreffenden 
Speoereien einem anderen Sachverständigen vor. Dieser 
erklärte die angegebenen Grunde des ersten G-atachtens für 
durchaus unzutreffend und gab dann nach der von ihm ans- 
gefiihrten Untersuchung ein Gutachten, in welchem er sowohl 
den Zimmt als auch den Pfeffer für Tollkommen rein erklÜ^te. 
Es dürfte interessant sein, die Gründe des ersten Sachver- 
ständigen einer Vergleichung mit den Eigenschaften der 
untersuchten Gewürze zu nnterzieben: 

Zimmt: Gutachten — Braunes nach Zimmt riechen- 
des Pulver giebt 7,38 °/o Asche und lässt unter dem Mikro- 
skope zahlreiche Stärkemehlkömer erkennen, weldte denen 
des Mais an Form gleich sind, und durch JodlÖBung tief blau 
'"'"-^'t werden. 

Lit Wasser gekocht^ resultirt eine bräunliche schleimige 

^keit, welche nach der Filtration Jodlösung tiefblaa 

ind Kupferlösnng i'educiri 

ligenschaftea des Zimmt : Im Handel kommen vier Sor- 

mmt vor: 

Zeylon Zimmt, 
Ghines. Zimmt, 



W. C. Heneus, Ueber Zimmt- und PfefTeruntersuchang. 441 

in. Chines. Cassia (Cassia lignea), 
IV. Cassia vera — Padouy I. Qualität, 

— Timor 11. 

Zejlon Zimmt giebt 2,4 % Asche. 

ClÜBes. - - 6,2 - - 

Cassia lignea - 2,2 - - 

Cassia vera — Timor giebt 4,0 - 

— Padouy - 7,0 - 

Die Yerasohnng muss unter Zuführung von Sauerstoff 
geschehen, da sonst eine vollständige Verbrennung nicht 
erreicht wird. 

Jeder Zimmt enthält Stärkemehl und ist als Kegel anzu- 
nehmen, dass je stärkemehlhaltiger ein Zimmt, desto besser 
die Qualität, je schleimiger um so geringer. 

Zeylon Zimmt hat 10% lösliche Bestandtheile : Gummi, 
Bassorin eta 

Chines. Zimmt hat 15%. 

Cassia lignea - 15 - 

Cassia vera mehr Gnnmii etc., weniger Stärkemehl. 

Oelgehalt: 

Zeylon Zimmt 1>4%. 
Chines. - 9,0 - 

Cassia 2,2 - 

Der grössere oder geringere Gehalt an Oel bedingt die 
Stärke der Jodreaction; denn das Oel umgiebt die Stärke als 
schatzende Hülle, die Reaction kann daher erst nach der 
Verjagnng des Oeles durch Kochen eintreten. 

Mehrere Zimmtarten enthalten Vi — V2 % Zucker. Man 
bestimmt den Zucker mit Fehling'scher 'Lösung. Bei Ver- 
fäschnngen würde eine weit grössere Menge reducirender 
Substanz vorhanden sein. 

1 Theil Zimmt mit 10 Thln. Wasser gekocht, giebt eine 
schleimige Flüssigkeit von hellbrauner Farbe, die nach dem 
-Erkalten sich in zwei Theile scheidet, das Zinmitpulver als 
^enaats und darüber eine röthliche klare Flüssigkeit. 



442 W. C. Heraeiu, Uebar Zlmmt- und Pfeffertintenttchiuig. 

Zimmt, der mit Mehl versetzt ist, wird beim AurübreQ 
mit Wasser missfarben und heller , er bildet einen speicM- 
artig zähe fliessenden Schleim, der, wenn auch mit Wasser 
yerdünnt, als solcher sich wieder absetzt. Mit Mehl rer- 
setzter Zimmt giebt, 1 Th. mit 10 Thlo. Wasser gekocht, eine 
gleichmässige Gallerte. 

Pfeffer. Gutachten. Ein nngleichmässiges au» 
weisslichen und schwärzlichen Körnchen bestehendes FiÜTer. 
Unter der Loupe und dem Mikroskop zahlreiche, durch Jod- 
lösung blau werdende Stärkekömer, mit Wasser gekocht 
eine gelblich schleimende Flüssigkeit gebend, welche abfil- 
trirt ebenfalls Jod stark bläut und Silberlösung roth redadrt 

Hieraus wird der Schluss gezogen, dass der Pfeffer mit 
stärkemehlhaltigen Substanzen verfälscht sei 

Eigenschaften des Pfeffers. 

Das Fruchtgehäuse des Pfeffers enthält unter der Ober- 
haut zunächst eine Schicht von Steinzellen, unter diesen das 
Saameneiweiss , welches am äussersten Theil kleisterartig 
aufgequollen, im Inneren mit bei 250facher Yergrössemng 
etwa 7t ™™* gfOBsen Stärkemehlkörnchen angefüllt ist 

Wird reiner Pfeffer gekocht, so entsteht ein gleich- 
massig dicker Kleister, der mit Jodlösung tief dunkelblau 
gefärbt wird. 

Die bei Klenke und Schnake angegebene Jod-Reacdos, 
die darauf basirt, dass dem Pfeffer zugesetztes Stärkemehl 
beim Anrühren mit kaltem Wasser das Filter passirt, wah- 
rend die in Harz eingeschlossenen Stärkemehlkömchen zurock- 
bleiben, trifft zu. 

Verhalten von reinem Pfeffer. 

Reiner weisser Pfeffer. Asche des mit Spiritus erschöpf- 
ten Pulvers 3,5 % Weingeistiges Extract 8,4 %. Wässerige 
Abkochung giebt gleichmässigen Kleister. Schwefelkohlen- 
stoffauszug hinterlässt zähe harzige Masse. 

Beiner schwarzer Pfeffer. Spec. Gew. 0,51 % Asche 
des mit Spiritus erschöpften Pulvers 6,4 %. Weingeistiges 



W. C. Heiaetu, Unters. ▼. Milch etc. — £. Hoifmaao, Natr. salicylicum etc. 443 

Extract 11,3 ^/o- Wässerige Abkochung giebt gleichmässi- 
gen Kleister. Schwefelkohlenstoffauszug hinterlässt zähe har- 
zige Masse. 



Vntersiichaiig ron MUch auf Wasser und Fett. 

Von Demielben. 

Eine sehr einfache nnd sichere Methode der Milch -ünter- 
BQchnng. 

Ein flaches Silberschälchen 8 Ctm. lang, 2 Ctm. breit, 
1 Ctm. tief, wird mit etwas Glas und 10 g. Milch beschickt, 
in ein eisernes Gasrohr geschoben, das an einem gut ziehen- 
den Kamin oder Bunsen'schen Saugrohr hängt. Mit Gummi- 
^laach wird ein 2. Gasrohr, das mit Aetzkalk gefüllt ist, 
angehängt, und nun die durch Kalk streichende', auf 35^ 
erwannte Luft durch das Rohr, das die Milchschaale ent- 
bält, geleitet In einer halben Stunde ist die Milch einge- 
trocknet, und wird das Wasser bestimmt^ mit Fetroläther der 
Rückstand ausgezogen und durch den Verlust der Butter - 
^iehalt bestimmt In einer Stunde ist die Probe fertig, und 
wenn man sich darauf einrichtet^ kann man 6 neben einander 
anstellen. 



ntflielliing ans dem pharmaceut. Laboratoriuni. 

Von Dr. £. Hoffmann, Apotheker in Kandel. 
Natrnm salicylicum und Liquor Natri salicylici. 

Bei der Darstellung von Natrum salicylicum sind nach 
meiner Erfahrung zwei Eigenschaften der Salicylsäure nicht 
aossor Acht zu lassen, wenn ein weisses, unveränderliches 
Präparat erhalten werden soll: die intensive Färbung, welche 
»lurch Spuren von Eisenverbindungen hervorgerufen wird, 
und die rasche Zersetzung durch Sauerstoffaufnahme, nach 
Cebersattigen mit Alkalien. 

Beides muss peinlich vermieden werden. 



444 



£. floffmana, Katrum salicjUcuin ete. 



So genügt schon der geringe Eisengehalt manchen Fil- 
trirpapiers allein, um eine farblose NatriunsaUcylatlösimg 
gelb bis röthlich zu färben. 

Ebenso kann, wenn zur Sättigung der SaMcylsäare Soda 
verwendet wird und letztere auch nur Torübergehend vor- 
herrscht , was bei der Schwerlöslichkeit der SalicylBanre 
leicht geschieht, eine dunklere Färbung der Lösung an- 
treten. 

Letztere wird aber sicher erfolgen, wenn man yersaches 
wollte, eine schwach alkalische Lösung zur Trockene ein- 
zudampfen; es resultirt in dem Fall ein grauer bis sohirarz 
gefärbter Rückstand. Auch ganz neutrale Lösungen entgeben 
häufig nicht diesem Schicksal. 

Dieses missliche Verhalten wird durch einen kleinen 
Ueberschuss von Salicylsäure yerhindert; es trägt derselbe 
zur Haltbarkeit des Natriumsalicylats wesentlich bei und 
möchte dessbalb von diesem Gesichtspunkt aus gerechtfer- 
tigt sein. 

Auch von Seiten der Fabrikanten scheint man bei Her- 
stellung Ton Ifatriumsalicylat jetzt zu dieser Einsicht gelangt 
zu sein, denn verschiedene in letzter Zeit Yon mir bezogene 
Sorten reagirten stark sauer und enthielten bis 7, Proc. 
überschüssige Salicylsäure. 

In nachstehender Weise kann mit Berücksichtigung 
der erwähnten Eigenschaften der Salicylsäure in kürzester 
Zeit blendend weisses, haltbares Natriumsalicylat dargestellt 
werden. 

An Stelle von Soda verwendet man zum Sättigen Sa- 
triumbicarbonat, das jetzt im Handel chemisch rein, zu glei- 
chem Preise wie reine krystallisirte Soda geliefert wird. 
10 Th. Natriumbicarbonat (NaHCO» = 84), 
16V, - Salicylsäure (C^H«0«=. 138), 
— die sog. „dialysirte" Säure repräsentirt die reinste Sorte — 
werden in einer geräumigen Porzellanschaale mit Wasser 
zu einem dicken Brei angerührt und nach Entweichen des 
grössten Theiles CO', direot auf dem Wasserbad zur Trockene 



E. Hoffinann, KBtruxn Balioylicain eto. 445 

gebracht; es geht das rasch Yon Statten, indem das Natrium- 
salicjlat nnter Efflorescenz leicht alles Wasser verliert. 

Man unterlasse jedoch nicht, sich jedes Mal zu über- 
zeugen, ob eine mit Wasser verdünnte Probe noch deutlich 
saner reagire, weil darch Fenchtigkeitsgehalt der Salicylsäure 
oder weniger vollständige Sättigung des Ifatriumbicarbonats 
ideioe Schwankungen in der Menge der erforderlichen Sali- 
cylsaure entstehen können. 

Bei 100® getrocknetes Natriumsalicylat ist wasserfrei; 
es immnt indess in Berührung mit feuchter Luft bis zu 8 Proc. 
Wasser auf. 

Das im Handel unter der Bezeichnung Natrum sali- 
cylicum er y stall, gebotene Präparat hat meines Erachtens 
keinen wesentlichen Yortheil voraus; im Gegentheil bietet es 
durch seine voluminöse Beschaffenheit nur der Einwirkung 
der Luft grössere Oberfläche dar. 

Es wird dieses Salz vermuthlich durch nachträgliche 
Krystallisation aus Alkohol gewonnen. 

Ein vor Jahresfrist bezogenes derartiges neutrales 
Katriamsalicylat, aus perlmutterglänzenden Schüppchen be- 
stehend, anfangs schön weiss von Farbe und farblos sich in 
Wasser lösend, ward nach mehrmonatlicher, öfterer Berührung 
°ut Loft grau und gab dann eine braunschwarze, nicht mehr 
za verwendende Lösung. 

Das Natriumsalicylat in trockenem Zustand scheint mir 
iiberhaupt für die pharmaceutische Praxis entbehrlich, da es 
voM aaaschliesslich in Lösungen dispensirt wird, und durch 
eben Liquor natri salicylici von SSY» 7o ersetzbar 
ZQ sein. 

Berselbe wird durch Losen von 

10 Th. Natriumbicarbonat, 
16Vs ^b* Salicylsäure in ca. 
44 Th. Wasser 

^i Erwärmen im Dampfbade zur Austreibung der Kohlen- 
SWS in kürzester Zeit hergestellt 



446 £. Reiobardt, Kleine Eisapparate. 

Sein Bpec. Gewicht^ für die in Betracht kommenden 
Temperaturgrade, mittelst emes Hirsch'schen Normalaraometers 
bestimmt, &nd ich: 



bei 10® C 


). « 1,155 


- 12® 


« 1,154 


- 14® 


« 1,153 


- 16® 


== 1,152 


- 18® 


« 1,151 


- 20® 


« 1,150. 



Kleine Eisapparate. 

Von £. Eeichardt in Jena. 

Yon einem befreundeten Collegen wurde ich vor ein^r 
Zeit gebeten, auf die Einrichtung eines Apparates Encksicht 
zu nehmen , welcher in kurzer Zeit kleine Mengen Ton Eis 
liefern könne, um bei Mangel desselben und in besonderen 
Krankheitsfallen das oft sehr starke Bedürfniss erledigen zn 
können. 

Hierbei ist natürlich yon allen den bekannten grösBeren 
Maschinen abzusehen und mehr das Augenmerk auf die 
rasche Bereitung einiger hundert Gramme Eis Bücksicht sn 
nehmen, wozu die sog. Eältemischungen dienen können. 

In dieser Beziehung enthielt die Wiener Weltausstellung 
einen kleinen Schüttelapparat, der Aussteller ist mir augen- 
blicklich nicht bekannt, mit der Einrichtung, dass Eälte- 
mischungen in das Innere gegeben wurden und in diese 
wieder ein kleinerer Apparat, mit Wasser zum Gefrieren ve^ 
sehen. Man empfahl dabei namentlich die Verwendung von 
salpetersaurem Ammoniak. Das Schütteln mit der Hand 
war eine sehr lästige, angreifende Arbeit und der Erfolg 
keineswegs ein sehr ansprechender, desshalb habe ich deo 



1) Die gelegenüiohe frühere Angabe (Arch. d. Pharm. Bd. 21- 
S. 227. 1878) wurde ans Versehen cn 1,135 statt 1,155 geseUt, wti bier- 
mit berichtigt werden soll. 



S. Reicliardt, Kleine Bisapparate. 447 

Schüttelapparat in eine zu drehende Kaffeetrommel verwan- 
delt , welche za besserem Schutze doppelte Wandungen hat 
und in dem Hohlräume schlechte Wärmeleitung, Harz u. dergl. 
Mitten in der Trommel befindet sich sodann ein hohles Blech- 
gelass, welches das in Eis zu verwandelnde Wasser aufneh- 
men soll. Herr Mechaniker Beruh. Fretsch hier hat das 
Ganze aus starkem Eisenblech sehr haltbar und leicht schliess- 
bar dargestellt und wird bei Bedürfniss den Apparat sehr 
rasch liefern. 

Zunächst mussten aber Versuche angestellt werden, welche 
KältemiBchung sich besser empfehle und wie die Wirkung 
derselben überhaupt verlaufe! 

Es wurden desshalb sowohl mit den bekannten einzelnen 
Salzen, wie den Salzgemischen Proben ausgeführt, auf welche 
nicht naher eingegangen zu werden braucht, da unbedingt 
das salpetersaure Ammoniak am raschesten und fast auch am 
tieÜBtea die Kältegrade hervorrief. Auch hinsichtlich der 
Wassermenge wurden Versuche unternommen, jedoch die 
schon bekannte Erfahrung bestätigt, dass gleiche Grewichts- 
theile des Salzes und Wassers die besten Verhältnisse sind. 
Hierbei zeigte sich jedoch, dass wenigstens bei der Lösung 
in offenen, der warmen Luft ausgesetzten Gefässen die 
Kälteerzeugung eine sehr rasch auftretende und vorüber- 
gehende ist. Die niedrigsten Wärmegrade zeigten sich 
nach wenigen 4 — 5 Minuten, um dann bei 10 Minuten Dauer 
sofort wieder zu steigen. 

Das salpetersaure Ammoniak, als einfach zusammen- 
gesetztes Salz, empfiehlt sich aber auch dadurch, dass man 
dasselbe stets durch Eindunsten der erhaltenen Lösung wie- 
der gewinnt In der Regel sieht die Lösung nach der Ent- 
nahme aus dem Apparate etwas eisenhaltig aus, wesshalb sie 
tiltrirt und dann auf dem Wasserbade wieder völlig 
eingetrocknet wird. 

Da der grösste Kälteeffect von der möglichst 
schnellen Lösung des Salzes abhängt, ist es noth- 
wendig, das Salz vor dem Einbringen in den Ap- 
parat zu pulvern. 



448 £. Beichardt, Kleine Eisapparate. 

Der Apparat selbst ist nun so eingeriohtet, dasd sich aa 
der einen Seite eine grosse Oefihung angebracht befindet, in 
welche mit grösster Leichtigkeit das Salz und Wasser ein- 
geschüttet werden können; man setzt dann Tor- oder nach- 
her, nur möglichst schnell, das innere, wasserhaltende Gefaas 
ein, das Ganze wird sehr einfach durch eine Platte mit 
Cautschouk dicht yerschlossen und ist sofort für die folgende 
Bewegung im Stande. 

Der Apparat, wie ihn Herr Beruh. Fretsch hierauf 
meine Angaben hin gefertigt hat, soll 20 — 25 M. kosten 
und ist dies auch werth. Giebt man in denselben 1 Kg. 
Salpeters. Ammoniak und 1 £g. «» 1 Liter Wasser und fallt 
sodann das Einsatzgefass mit Wasser von 10 — 20® C. (Bron- 
nen- oder destillirtes Wasser), an, schliesst alsbald und 
leiert 5 — 10 Minuten, so findet man nach dem Oeffiaen circa 
250 — 300 g. festes glasartiges Eis an den inneren Wandun- 
gen des Wassergefösses angefroren, während das noch ange- 
frorene Wasser circa 0® C. zeigt und somit auch verwendet 
werden kann. Um das Eis you den Wandungen zu lösen, 
mass man das Gefass aussen ein wenig wärmen, durch Ein- 
tauchen in heisses Wasser oder einige Minuten warten, wo 
man alsdann den Eiscylinder ganz heraus ziehen kann. 

Bei 2 Kg. Salz in 2 Liter Wasser gefroren in 10 Hinn- 
ten 640 g. Eis. 

Die Versuche verlaufen ebenso glücklich im heissen 
Sommer, wie im Winter in der warmen Stube, und geben 
jedenfalls in kühsester Zeit ein sehr gut verwerthbares Re- 
sultat 

Da es sich hierbei nur um den Verlust an Salz handelt 
und die Arbeitskosten des Eindampfens der Lösung, so sind 
die Kosten entsprechend gering anzuschlagen und bewahrt 
man das trockene Salz sofort gepulvert in trockenen Flaschen 
auf, so kann in wenigen Minuten Eis geliefert werden. 

Gern bin ich bereit, etwaige Bestellungen zu vermitteln. 



InrerBon d. Bohrzneken eto. — Zuckerumwandl. im Rohsnoker etc. 449 



B. Monatsbericht 



InTenlon des Rohrzuckers durch SSuren and Salze. 

Den der Wissenscliaft nach wenig bekannten Mechanis- 
mas der InyersioB des Kohrzuckers hat Fleury durch ther- 
mische Experimente aufzuhellen versucht. Es schien die 
aprionstische Annahme gerechtfertigt, dass bei der durch 
Temperaturerhöhung begünstigten Inversion des Zuckers, 
welche man als eine mit der Bindung von einem Molecül 
Wasser verknüpfte Spaltung desselben in Glucose und Levu- 
lose betrachten kann, Wärme gebunden werde; auf der ande- 
ren Seite durfte man aber auch den Zucker mit den Aethem 
Tergleichen, welche sich unter Wasserbindung und gleichzei- 
tigem Freiwerden von Wärme zu zersetzen pflegen. Die 
Versache von Fleury zeigten, dass bei der Inversion des 
B.ohrzackerB durch Säuren und Salze das Letztere der Fall, 
der Vorgang selbst folglich als ein exothermischer anzusehen 
ist. {AmuUes de Chtmic et de Fhystque. 6, S6rie. Tome VIL 
m 38L) Dr. G. V. 



Zaekemmwandliing im Rohzucker und Zuckerrohr. 

Sowohl der aus lang aufbewahrtem Zuckerrohr ausgezo- 
gene Zucker, als auch die meisten Sorten Rohzucker und auch 
hier wieder vorzugsweise die alt gewordenen enthalten beträcht- 
lidie Mengen von direct gährungsfähigem und Kupferlösung 
reducirendem Zucker. Dabei zeigt sich die eigenthümliche 
Erscheinung, dass der vorhandenen Menge dieses reduciren- 
den Zuckers die optische Wirksamkeit der Lösung keines- 
wegs entspricht Die erwartete Linksdrehung im Polarisa- 
tioDsapparat bleibt oft ganz aus, oft ist sie sehr gering. 
Isolirt man den vorhandenen reducirenden Zucker, so zeigt er 
eioe linksdrehende Kraft, welche zwischen 0,6 und 37^ 
schwankt Man kann sich dieses auffallende Verhalten auf 
zwei verschiedene Weisen erklären. Entweder ist der vor- 
handene redudrende Zucker eine Mischung von Glucose und 

Arch. d. Pharm. ZH. Bd«. 5. Ueft. 29 




450 G«halt der Zucker an Zaokerstoff. 

Leyalose in einem solchen Verhältnisse dass die rechtsdre- 
hende optische Wirkung der einen durch die Huksdrehende 
der anderen wieder aufgehoben wird, oder aber er besteht 
aus einer optisch inactiven Glucose, welche bisweilen, aber 
nicht immer, mit kleineren oder grösseren Mengen achten 
Invertzuckers gemischt ist. Für die Richtigkeit der letzteren 
Annahme spricht der Umstand, dass solcher optisch unwirk- 
same, aber reducirende Zucker auch in keinem Stadium 
seiner durch Sierhefe eingeleiteten alkoholischen GähruBg 
eine Wirkung auf das polarisirte Licht zeigt. Wäre er ein 
optisch neutralisirtes Gremisch von Glucose und Levulose, 80 
müsste doch wenigstens während der Gährung die Links- 
drehung der Levulose beobachtet werden können, da erfah- 
rungsgemäss bei der Gährung die rechtsdrehende Glucose 
immer zuerst verschwindet Es darf also für ausgemacht 
gelten, dass der im Zuckerrohr und Rohzucker vorkommende 
reducirende Zucker gewöhnlich aus einer inactiven Glucose 
besteht, wozu häufig noch wechselnde Mengen normaler Glu- 
cose und Levulose kommen. (Journal de Pharmacie d äi 
Chimü. 4. S6rte. Tome XXIIL pag. 170.) Dr. G. V. 



Cfehalt der Zacker an Zaekerstoff. 

Maumen^ macht darüber folgende Angaben: 
Die reine Glucose (C^H^'O*) gährt nach der Formel 
C6H"0« = 2C0« + 2C*H«0, 

Glucoee Kohlensäure Alkohol 
wobei nach den Versuchen von Lavoisier, Thenardn. a. 
ein Verlust von 4 bis 6 Hundertstel stattfindet durch Bildung 
von Glycerin und Bemsteinsäure. Nehmen wir als Mitiel- 
zahl 5 Procent Verlust an, so geben 180 Eilog. Glucose 
87,4 Alkohol anstatt 92,0. — 100 Xilog. Glucose gebes 
48,556 Alkohol. Bei einer Temperatur von + 15^ ist nach 
Gay-Lussac die Dichtheit des Alkohols 0,7947. Berück- 
sichtigt man das alles, so berechnet sich folgende Tabelle: 
Olucose Alkohol 



iKil. 


giebt 


485 g. 


56 


Lit 611 


2 - 


geben 


971 - 


12 


1 - 222 


3 - 


- 


1466 - 


68 


1 - 833 


4 - 


- 


1942 - 


24 


2 - 444 


5 - 


- 


2427 - 


80 


3 - 055 






Sinilois d. Alkalesoens auf d. Brehongsvermögen d. Zacken. 451 



GlneoM Alkohol 

6Kfl. geben 2913 g. 36 3 Lit. 666 

7 - - 3398 - 92 4 - 277 

8 - - 3884 - 48 4 - 888 

9 - - 4370 - 04 6 - 499 

Diese Zahlen genügen, nm alle Fragen zu lösen, die sich 
anf das Product der Gähmng nach Gewicht oder Volumen 
bexiehen. Dafür ein Beispiel: 

Wieviel Alkohol nach Gewicht oder Maass bei + 15^ 
geben 2,246 Eilog. reine Glncose? 

2913,36 3666 

19422,4 2444 

97112 1222 

97112 1222 

1090567,76 1372,306. 

In Gewicht 1,090,567 g. 76 oder 1090 Kil. 56776. 
In Yolomen 1,372 Lit. 306 oder 13 Hektolit. 72306. 

Znznfngen ist noch, dass 100 Glucose entsprechen 95 
gewöhnlichem oder normalem Zucker. 95 Kilog. dieses Zuckers 
weiden ebenso viel Alkohol geben wie 100 Eilog. Glucose. 
Daraus kann man leicht auch die Berechnung für den Zucker 
machen. {Bevue des Bidres, des Vms et des Alcools, 1875. 
No. 105) R. 



Einflua der Alkaleseenz aaf das DrehungsTermQgen 

des Zuckers. 

Bodenbender stellte früher die Behauptung, dass der 
Einflnss, den yerschiedene alkalisch reagirende Körper auf 
das Drehungsrermögen des Zuckers ausüben, in einem Yer- 
haitniss stehe zu dem Aequiyalentgewichte dieser Körper. 

Sostmann hat seitdem nachgewiesen, dass Katriumcar- 
bonat einen grösseren Einfluss ausübe auf concentrirte als 
auf yerdünnte Zuckerlösungen. 

Pellet untersuchte desshalb die bezügliche Wirkung von 
Boda^ Katrinmphosphat, Katronhydrat, Ammoniak, Ammonium- 
earbonat, Kalihydrat, Pottasche, Kalk und Baryt und hat 
gefunden, dass keinerlei Beziehung zwischen dem Einfluss 
aaf das Drehungsyermögen und dem Aequiyalentgewichte 
t)eBteht, daas yielmehr nur die yon Sostmann für die Soda 
bngegebene Zunahme der Wirkung in concentrirteren Lösun- 

29 ♦ 



452 JodwaBaerstoffiuiare aufdaercit. — Sjnthese ▼. Koblenwauentoffiniete. 

^n ganz allgemein auf alle alkalisch reagirenden Sabetanzen 
auszudehnen sei. {Bulletin de la socüU ckmiquß de Pa- 
rt*. Tarn. XVIIL No. 6 u.7. pag. 250 u. 251) 

Dr. E. K 



Elnwlrkmig der Jodwasserstoifsiare auf Qaereit 

Werden nach Prunier 10 g. Quercit bo fein wie mög 
lieh pulverisirt und mit 400 g. kalt gesättigter JH rascL 
destillirty so tritt eine Reduction dieser gährungsuniahigen 
Zuckerart ein, ähnlich wie die des Mannits und Dulcits, welche 
Erlenmeyer und Wanklyn angeben. 

Die DestillatioDsproducte sind ausser einer kleinen Menge 
flüchtiger Stoffe bei 60 — 70^ und verschiedener Jodwasser- 
stoff- Aedier zwischen 110 — 160^ kochend, vorzugsweise 
Benzin. 

Die Bildung des Benzins aus dem Quercit von glei- . 
eher Eohlenstoffmenge ist interessant, so dass Bezie- 
hungen zwischen der Fettsäure und der aromatischen Reihe 
zu begründen wären. Die unvollständig reducirten Froducte« 
welche in der Jodwasserstoffsäure verblieben, sollen noch 
näher untersucht werden und glaubt Verf. jetzt schon anneh- 
men zu können, dass Phenol, Oxyphenol und wahrscheinlich 
das isomere Hydrochinon ebenfalls gebildet werden, indem 
diese letzten Stoffe sich vom Quercit nur durch die Elemente 
des Wassers unterscheiden. 

Ci«H"Oi« - C"H>«0* + 6H«0. 
{Repertoire de Fharmacie. No. 10. Mai 1877. pag. 313.) 

Bl 



Eine neue, allgemeine Methode der Synthese toi 
Kohlenwasserstoffen 9 Acetonen etc. 

Nach G. Friedel und J. M. Grafts wirkt Aluminium- 
Chlorid besonders lebhaft auf Ghlorverbindungen ein, nod 
zwar beruht die Einwirkung desselben darauf, dass es den 
Austritt von HCl bewirkt, ohne selbst wesentlich verändert 
zu werden. Am einfachsten gestaltet sich die Beaction, wesB 
Al'Gi^ auf das Gemenge eines Kohlenwasserstoffs nnd eine» 
organischen Chlorids einwirkt. Setzt man z. B. zu Chlor- 
amyl, welches in überschüssigem Benzol gelöst ist, in kleines 
Portionen AI' Gl^ so theilt sich die Lösung unter Salzsäure- 



UMorptionsmittel für Kohlenoxyd. — Salpetersäure u. Leoobtgas. 453 

cntwicklmig in zwei Schichten, deren obere das nnangegriffene 
Benzol nnd EohlenwasBerstoSe enthält, während die untere 
alles Ghloralnminium eiDBchliesst. Als ein Hauptprodact ist 
das Amjlbenzol isolirt, dessen Entstehung folgender Grleichung 
entspricht: 

C*H"C1 + C^H« - HCl + C«H*.C*H". 

Der gleichen Beaction unterliegen die Jodide und Bro- 
mide, wenn auch der Verlauf derselben nicht so glatt zu 
»ein scheint. Eine Lösung von Jodäthyl in Benzol wird bei 
Gegenwart Ton Al'Cl* unter Austritt von HJ zersetzt, wo- 
bei sich Aethylbenzol bildet: 

C«H» J + C«H« « HJ + C«H6 . C«H6. 

Audi Körper, die mehr als ein Atom Chlor enthalten, 
noterUegen derselben Beaction. (Journal f. prad. Chemie. 
16, 233.) C. /. 



Absorptioiisiiilttel für Eohlenoxyd. 

Beim Durchleiten von reinem CO durch reine Blausäure 
l)eobachtete C. Böttinger lebhafte Absorption des Gases. 
Als er hierauf die Flüssigkeit mit conc. wässeriger Salzsäure 
versetzte, erfolgte selbst beim Durchschütteln keine Mischung, 
?<0Ddern es bildeten sich zwei Schichten. Wird das Gefäss 
aus der Eältemischung genommen, so entwickelt die Flüssig- 
keit einen stetigen Strom yon reinem CO. Die Gasentwick- 
lung wird nach einiger Zeit stärker, dem CO ist dann HCy 
beigemischt; endlich mischen sich die Flüssigkeiten unter 
stürmischer Gasentwicklung. Die Beactionsproducte ent- 
sprechen jenen der reinen Blausäure. (Ber, d, detäsoh. ehem. 
Ges. X, 1122.) a J. 



Elnwlrkmig ron rother rauchender SalpetersXnre aaf 

Leuchtgas. 

T. Akestorides leitete in gut abgekühlte rothe rau- 
chende Salpetersäure so lange Leuchtgas, bis sich eine braune 
Schicht abschied, und Krystalle sich abzusetzen begannen. 
Beim Erwärmen der schweren Flüssigkeitsschicht entwich 
^0' in Strömen, während sich gleichzeitig die Menge der 
Krystalle vermehrte. Durch Zusatz von Wasser zu der 
schweren Schicht wurde eine gelbe Nitroverbindung abge- 
schieden; die Krystalle erwiesen sich als Oxalsäure. 



454 Zur Kenntnifls der Bolfodioarbonsaareii. 

Die leichtere stark nach Nitrobenzol riechende Flüssig- 
keit bestand wesentlich ans Nitrobenzol nnd STitrotoluoL Um 
zu entscheiden y welche Gremengtheile des Lenchtgases in 
Oxalsäure oxydirt werden , leitete YerÜEisser Benzol ^ Tolool 
und Xyloly jedes für sich als Damp^ mit CO' oder H gemengt, 
in rothe, rauchende Salpetersaure. Aus Benzol wurde nie* 
mals Oxalsäure erbalten, wohl aber aus Toluol und Xylol. 
Es geben also die Homologen des Benzols Veranlassung zor 
Bildung von Oxalsäure, aber auch das im Leuchtgase reich- 
lich Torhandene Aethylen wird durch Baipetersäure partiell 
zu Oxalsäure oxydirt. (Joum. f.pract.Chem. Bd. 15. S,63,) 

C.l 



Zur Eenntnlss der SulfodiearboiiaBiinHi. 

Schon vor Jahren machte Y. Meyer auf die Höglich- 
keit der Existenz Yon Dicarbonsäuren auflnerksam, in denen 
sowohl Sauerstoff oder auch Schwefel die Gopula für die 
Garboxylgruppen bilden: 

COOH COOH 

I I 
und 8 

I I 
COOH COOK 

Meyer stellte auch bereits den Dicarbothionsanreathyl- 

COOC«H» 
äther S dar, durch Einwirkung von Ghlorkohlensaure- 

COOC'H«^ 
äthyläther auf eine alkoholische Lösung yon Natriumsnlfi^i 
gemäss der Gleichung: 

/ O0«H6\ COOC«H« 
NaJS + 2 (CO PI 1-8 + 2NaCl. 

^ ^^ I COOC^H» 
Dr. H. Weide versuchte nun die Aether darzustellen, 
die entstehen, wenn in diesem ein oder mehrere Atome 
durch S ersetzt werden. Es entständen auf diese Weise: 

CS0C«H6 C80C«H«^ CSSC'H» CSSC^H^ 
S 8 S 8 

COOC^H«^ CSOC^H* COOC'H» CSSC«H*. 

Der Versuch, das An£eingsglied dieser Reihe darzustelleo; 
führte zu dem zweiten Grliede derselben. 



Zur KenniniBs der SulfodicarbonssaTen. 455 

CSO C* H« 
1) DiBnIfodicarbotliionBanreäthyläther S wird erhal- 

C80C«H« 
ten durch Einwirkang tob Chlorkohlensäureäthyläther auf 
xaDthogensanres EalL Nebenbei bildet sich Chlorkalinin und 
äihylkohlenBaaies Kali: 

\ ^^ J V u ; lcsoc«H* 

+ tu Q J • 

Mit Kalihydrat in alkoholischer Lösung zersetzt sich der 
DisolfodicarboUiionBäureäthyläther in xanthogensaures und 

Bogenanntes Bender'sches Salz CO q-^ 

Die beiden letzten in obige Keihe gehörenden Yerbin- 
dnngen hofile der Verfasser darstellen zu können, die erstere 
durch Einwirkung von Ghlorkohlensäareäther auf äthyltrisulfo- 
carbonsaures KaU: 

Wpj + ^ögg « ^<COOC«Hö + ^^'' 

8C*H* 
die zweite durch Einwirkung des Chlorides CS p, auf 

äthyltriBidfocarbonsaures Kali nach der Gleichung: 

pn8C«H» . pq8C»H» q^CSSC^H» . jrr,. 

^^a + tögj^ « ^<cs8C«h5 + ^^^• 

Jedoch wollte es dem Verfasser bis jetzt nicht glücken, 

das Chlorid CS pj^*^* darzustellen und das äthyltrisulfocar- 

boDsanre Kali rein zu erhalten. 

Es lassen sich nun auch noch Verbindungen erwarten, 
in denen zwei Atome S mit je einer Afßnität unter sich 
gebunden sind, während die beiden übrigen freien AfBnitäten 
derselben durch äthylirte Carboxylgruppen gesättigt sind, 
— S — 8 — , in denen ferner die 0-Atome der Carboxylgrup- 
pen ganz oder theilweise durch S ersetzt sind. Man erhcQt 
80 eine der obigen Beihe analoge Reihe von. Verbindungen, 
deren letztes GUed Herr Dr. Salomon bereits dargestellt hat 
dnich Behandlung von äthyltrisulfocarbonsaurem Kali mit Jod 
in alkoholischer Lösung: 



456 • Chlorkalk und abfolnter Alkohol ete. 

CSS C» H* 

2(CS|^*°*) + J« « 2KJ + ^ 

CSS C» H» 
{Joum. f. pract. Chem. Bd. 15. S. i3.) C. /. 



Ueber elgenüifliiillehe Beactionen, welche bei der 
Einwlrkang Yon Chlorkalk auf absoluten Alkohol, 
ferner auf Parasnlfaldehyd und weiter auf AnUbi 

and Anthraeen eintreten. 

1) Mischt man, nach Dr. Schmitt, in einer Retorte, die 
mit Köhlapparat und tubulirter Vorlage yerbnnden ist, abso- 
luten Alkohol mit trockenem Chlorkalk in dem Yerhälbis& 
dass 2 At. wirksames Chlor im Chlorkalk auf ein Molekül 
Alkohol konmien, so tritt nach wenigen Minuten eine sehr 
heftige Reaction ein. In der sehr gut gekühlten Vorlage 
sammelt sich ein öliges gelbgefärbtes Destillat, welches dem 
Geruch nach unterchlorige Säure enthält, doch gelang es 
nicht die Zusanmiensetzung dieser Flüssigkeit durch eine 
Analyse festzustellen, da sie sich schon bei + b^ C unter 
Entwickelung von Salzsäure unter bedeutender Temperatur- 
erhöhung — im directen Sonnenlichte erfolgt Detonation^ — 
zersetzt und farbloses essigsaures Aethyl hinterlässi. 

Die beiden Spaltungsproducte der primär auftretendec 
Flüssigkeit, Salzsäure und Aethylacetat, lassen mit ziemlicher 
Sicherheit schliessen, dass diese Substonz unterehlorigsaures 
Aethyl ist, und würde sich demnach die Einwirkung des 
Chlorkalks auf absoluten Alkohol durch folgende Reactione- 
gleichung ausdrücken lassen: 

CaCl» + Ca Q^J + 2 (CH» CH« OH) 

« 2(CH»CH«0C1) + Ca (OH)« + CaCl». 
Die weitere Zersetzung des unterchlorigsauren Aetbjk 
würde sich dann entsprechend der nachstehenden GleidiQBg 
vollziehen : 

CH« CH« OCl CH» CHH o a. 9 nn 
CH»CH«0C1 "" CH^CO i ^ "*■ ^^^'' 

Die Seobachtung hat insofern Bedeutung, als sich dar- 
nach als wahrscheinlich annehmen lässt^ dass die Bildung des 



Chlorkalk und absoluter Alkohol 457 

CUoroforms bei der Einwirkung des Chlorkalks auf vrässrigen 
Alkohol erst dann erfolgt, nachdem die Umsetzung des Alko- 
hols in nnterchlorigsaures Aethyl und die weitere Zersetzung 
des ersteren in Aethylacetat vorausgegangen ist, so dass also 
das Chloroform schliesslich sich durch die Einwirkung des 
Chlorkalks auf das secundär aus unterchlorigsaurem Aethyl 
entstandene Aethylacetat bilden würde. 

2) In der Yoraussetzung, dass es durch die oxydirende 
Wirkung des Chlorkalks gelingen könnte, aus dem Parasulfalde- 
hyd eine Sulfoessigsäure von der Zusammensetzung CH*CS(OH) 
zu gewinnen, brachte Yerf. eine Farasulfaldebydlösung in 
Chloroform in eine Betorte mit umgekehrtem Kühler und 
setzte die Lösung der freiwilligen Einwirkung trocknen Chlor- 
kalkes ans. Die Retorte wurde im Wasserbade erhitzt, bis 
der Parasulfaldehydgeruch verschwunden war, dann wurde 
das Chloroform abdestillirt, wobei der Geruch nach Trichlor- 
mefchylsnlfochlorid auftrat und dieser Körper beim Verdam- 
pfen des Chloroforms krystallinisch erhallen wurde. Ein 
besseres Resultat gab die directe Behandlung des Farasulf- 
aldehyds mit Chlorkalk bei 100^ 

Der Verlauf der Reaction ergab, dass das Parasulfalde- 
hyd nicht zu Sulfoessigsäure oxydirt wird, sondern zunächst 
in Trichlormethylsulfochlorid (CCP80«C1) übergeführt wird; 
dieses letztere aber geht bei der Einwirkung von wässrigem 
Chlorkalk weiter in Chloroform und Schwefelsäureanhydrit 
über. 

3) Die Frage, durch welchen Körper die tief violette 
Färbung bedingt ist, welche auftritt, sobald Anilin mit einer 
wässiigen Lösung von Chlorkalk behandelt wird, beantwortet 
er durch eine Bildung von Azobenzol. Wird nemlich eine 
Anilinlösung in Chloroform der trocknen Einwirkung von 
Chlorkalk ausgesetzt, so erhitzt sich die Masse bis zum 
Siedepunkt des Chloroforms, welches überdestillirt, und eine 
schöne braunroth gefärbte Masse hinterlässt. Wird diese mit 
Wasser angerührt, so geht bei der Destillation mit den Was- 
serdämpfen Azobenzol über, welches sich im Kühlrohr in 
Krystallen ansetzt. 

4) Wird Anthraoen in heissem Chloroform gelöst und 
diese Lösung auf Chlorkalk gegossen, so erwärmt sich die 
lilischnng bis zum Siedepunkt des Chloroforms. Die Reaction 
dauert längere Zeit an und muss gegen Ende durch Wasser- 
badwäime unterstützt werden, dann heiss filtrirt krystallisiren 
aus der Lösung schöne gelbe Nadeln von Bichloranthracen. 



458 Bromal. 

Wird der Yersnch in der Weise modificirt, dasa man anstatt 
Chloroform Benzol als Lösungsmittel nimmt, so krjstailisirt 
ans der heiseen EenzoUösnng nach beendeter Beaction reines 
Anthrachinon. (Isis, Jahrg. 1877. pag. 6S.) C. Sek 



Bromal 



bereitete Gnyot in kürzerer Zeit als Loewig nach folgendem 
Verfahren. 

Eine Mischung von BromkaUum und bromsaarem Kali 
wurde in einen Ballon ge schüttet , mit einem Stopfen, dnrch 
welchen zwei Löcher gebohrt waren, geschlossen und mit 
Alkohol im Yerhältniss zu der Mischung übergössen. 

Durch eine Oeffnung des Korks wurde eine Röhre gesenkt, 
welche mit einem Liebig'schen Kühler in Verbindung stand, 
durch die andere wurde vermittelst einer S -Röhre Schwefel- 
säure in den Ballon gegossen. 

Die Reaction, welche die Schwefelsäure hervorruft^ bewirkt 
das Freiwerden der Bromsäure und BromwasserstoSsäare, 
welche beide sich gegenseitig unter Ausscheidung des Broms 
zersetzen. 

Das freigewordene Brom färbt die Flüssigkeit sofort 
roth; die Färbung verschwindet, wenn im Wasserbade 
destillirt wird, in Folge der Substitution, welche zwischen 
dem Wasserstoff und dem Brom stattfindet. Es entsteht wie 
beim Loewig'schen Verfahren eine Reihe neuer Frodacte, 
unter welchen Essigäther, Bromäther, Wasser und ein bro- 
mirtes Aldehyd ist, welches zwischen dem gewöhnlicben 

Aldehyd ^-^s f und dem Bromal q^ A steht. 

Die Schwefelsäure muss nach und nach zugesetzt und 
das Destillat bis zu 80® für sich gesammelt werden. Was 
bei höherer Temperatur übergeht, .enthält rohes Bromal, aber 
110® schwärzt sich die Masse, bläht sich auf und entwickelt 
zusanmiengesetzte Froducte. Die gesammelten Flüssigkeiten 
werden über wasserfreier Schwefelsäure der Destillation unter- 
worfen und das, was über 100® übergeht, gesammelt. (B^r- 
toire de Pharmacie. No. 18. SepUmbre 1877, p, 556) 

Bl 



Boniareither. — Einwirkang von Jodmethyl auf Schwefel. 459 

BorsBnreBther. 

Ln Anschlass an eine frühere Mittbeilung berichtet 
Consi Coancler weiter: Borsäureallyläther läset sich 
direci mit 6 Atomen Brom verbinden. Zu dem Zwecke wurde 
sowohl der Aether, als auch das Srom mit dem vierfachen 
Gewicht Chlorkohlenstoff vermischt und das Brom langsam 
zu dem Aether zutropfen gelassen. Lässt man das Allylbo- 
rat-Hexabromid längere Zeit mit Wasser in Berührung, so 
zersetzt es sich mit diesem in Borsäure und Dibrompropyl- 
alkohol (Allylalkoholdibromid) y welchen Markownikoff und 
ToUens schon früher durch directe Addition von Brom und 
Aüjlalkobol herstellten. 

(C»H*)»BO»Br« + 3H«0 = 3C»H«Br«0 + H^BO». 

Isobutylborsäureäther wird leicht erhalten durch Erhitzen 
von Isobutylalkohol mit B^O' im zugeschmolzenen Griasrohr 
auf 160 — 170^ Er bildet eine wasserhelle, leicht beweg- 
liche Flüssigkeit, die bei 212® siedet und vom Wasser allmäh- 
lich zersetzt wird: 

(C*H»)»BO» + 3H«0 - 3C*H»H0 + H«BO». 

[Ber. i. deutsch, ehem. Ges. X, 1655.) C. /. 



Einwirkung von Jodmethyl auf Schwefel. 

Wie Cahours gezeigt hat, lassen sich Schwefeläthyl und 
Brom zu der Verbindung (C* H*)* SBr* vereinigen. H. Klin- 
ger studirte nun die Frage, ob sich umgekehrt Alkoholjodüre 
an Schwefel anlagern können. Zwei Moleküle GH'J wur- 
den mit einem Molekül aus CS' krystallisirtem Schwefel 
20 Stunden lang im geschlossenen Eohr auf 160 — 190® 
eriützt Aus der entstandenen schwarzen, öligen Masse 
konnte durch Wasser Trimethylsulfojodür ausgezogen wer- 
den. Das (CH»)«8J krystallisirt aus Alkohol in weissen 
Pnsmen, die sich zu grossen, fächerförmigen Aggregaten 
vereinigen. 

Das Chlorid ähnelt dem Jodid, ist aber sehr zerfliesslich; 
es bfldet mit Goldchlorid ein in kurzen, dicken Säulen kry- 
stalUsirendes Doppelsalz (CH»)» SAuCl*, welches in H^O 
sehr leicht löslich ist (Ber. d, deutsch, ehem. Ges. X, 1880) 

a J. 



460 Ueber nicht actiniBche Glasgefssse. 

ücber nicht actlnisehe Olasgefltese 

schreibt Hans M. Wilder. 

In Droguenlagem finden sich viele Substanzen, nicht 
allein Chemikalien sondern auch galenische Präparate, welche 
gegen den Einfluss des Lichts geschützt werden müssen. 
Zunächst verwahrte man solche Artikel in dunkeln Bamnen, 
da sich das aber nicht überall machen lässt, so wickelte oder 
klebte man schwarzes oder dunkelfarbiges Papier um die 
Flaschen. Dadurch wurde nun allerdings der Zweck erfallt 
aber es sah nicht hübsch aus, und die schwarzen Gläser, die 
•Jlyalithgläser, kamen in Grebrauch, welche jedoch den üebel- 
stand hatten, dass man den Inhalt der Flaschen nur durch 
Ausschütten erkennen konnte. Man suchte demzufolge nach 
einer andern Farbe für die Gläser, welche zugleich den Inhalt 
erkennen lässt und ihn auch gegen die chemische Wirkung 
der Lichtstrahlen schützt. Zunächst wurde die blaue Farbe 
gewählt, die unpassendste, die man hätte wählen können, imd 
es ist zu verwundern, dass man bisweilen noch blaue Flaschen 
anwendet, trotzdem dass die Physiker seit Jahren nachgewie- 
sen haben, dass chemische Action mit den blauen Lichtstrah- 
len aufs innigste zusammenhängt. 

Das Sonnenspectrum besteht bekanntlich aus verschiede- 
nen Farben, von Violett an einem Ende zu Koth am andern. 
Es ist erwiesen, dass das reibe Ende die stärkste Hitze 
giebt, das violette Ende die stärkste chemische Wirkung. 
Während nun rothe, gelbe oder orangefarbene Strahlen genng 
Licht geben, um dabei sehen zu können, sind sie chemisch 
für lichtempfindliche Substanzen äquivalent zu Schwarz. Wenn 
Lichtstrahlen durch ein gefärbtes Glas gehen, so fängt dieses 
alle die Strahlen fort, welche anders gefärbt sind als das 
Glas, es wird ein grosser Theil des Lichts mit sammt den 
besonderen Eigenth'ümlichkeiten fortfiltrirt; wir haben folglich 
eine Farbe für die Gläser zu wählen, welche alle diejenigen 
Strahlen fortnimmt, die wir auszuschUessen wünschen. 

Zuerst wurde das chemisch wirkungslose rothe Glas 
probirt, es ist aber zu theuer und wird nur noch gelegentlich 
angewandt, dasselbe war der Fall mit gelbem Glas, da 
das reinste Gelb nur vermittelst Chlorsilber erhalten wird, 
und man kehrte zu schwarzem und blauem Glase zurück. 
Inzwischen wurde ein Substitut für schwarzes Glas vielfach 
angewandt: man strich die Gläser mit Asphaltlack an, der 
bei reflectirtem Licht schwarz ist und zugleich transparent 
genug, um den Inhalt der Flaschen erkennen zu lassen. Da 



Ueber nicht aotinische Olasgefasse. 461 

man nun bemerkte, dass dieser Lack in dünDen Schichten 
Qiui bei durchfallendem Licht bernstein^lb ist, so verfiel man 
darauf, dasa dankelgelbes Grlas den Zweck erfüllen würde, 
das billig ist und dabei eleganter aussieht als angepinselte 
Glaser. 

Dieses dunkelgelbe Glas wird durch Kohle dargestellt, 
indem man der geschmolzenen Glasmasse entweder organische 
Abfalle oder fein gepulverte Coke zusetzt; Splitberger 
empfiehlt einen kleinen Procentsatz (^lo Procent) Schwefel 
(schwefelsaures Natron mit etwas Zucker). Becquerel 
weist nach, dass blosse Spuren von fein vertheilten Partikeln 
im Glase die chemisch wirkenden Lichtstrahlen ausschliessen. 

In Philadelphia (Whitall, Tatum & Comp.) werden 
solche Gläser dargestellt und zu dem gleichen Preise verkauft 
wie Flintglasflaschen. 

Die dänische Pharmacopöe von 1868 war die erste und 
wohl auch einzige, welche die Anwendung von schwarzen 
oder gelben Flaschen für empfindliche Substanzen vorschrieb, 
für Chlorwa88er, Calomel, weissen Präcipitat und die beiden 
Jodquecksilber. Wilder hat Ghlorwasser und Schwefelwas- 
serstoffwasser in solchen Flaschen Wochen lang ans Licht 
gestellt, ohne dass die Wirkung der Wasser schwächer gewor- 
den wäre. Eine Lösung von Höllenstein stand Wochen lang 
im Fenster und an der Sonne und waren am letzten Tage 
so klar wie am ersten. Gepulverte Sabina und Digitalis, die 
ihre grüne Farbe leicht zu einem schmutzigen Gelb ver- 
ändern, hielten sich in gelben Flaschen vorzüglich. Li einem 
Jahrzehnt sind vielleicht die weissen Gläser durchweg durch 
dankelgelbe ersetzt 

Nach dem Experiment von LeNeve Fester kann man 
sieh leicht von der Wirkung farbiger Gläser überzeugen. 
Legt man auf eine ganz schwarze Unterlage einen Papier^ 
streifen und bringt darüber ein Glasprisma an, so sieht man 
das Spectrum mit seinen Farben. Bringt man zwischen 
Papier und Prisma ein farbiges Glas, so verschwinden im 
Spectrum di^enigen Strahlen, welche das Glas absorbirt hat. 

Becquerel erwähnt eine merkwürdige Eigenthümlich- 
keit der rothen Strahlen: dass sie chemische Wirkung fort- 
setzen, welche von den blauen Strahlen begonnen ist Man 
machte davon Anwendung in den ersten Zeiten der Daguerreo- 
typie, um die Zeit des Sitzens abzukürzen. Herschel 
fand, dass die Strahlen, welche eine vegetabilische Farbe zer- 
stören, dieselbe refractive Kraft haben als die Strahlen der 
Complementärfarbe der vegetabilischen Farbe. 



462 Krmittelimg toq Biemoföl im CopaiyabaUam. 

Maisch fügt dem Vorstehenden hinzu, dass nach den 
Yersnchen von Pelouze braongelbea G-las auch entsteht 
durch Bilicioniy Bor, Aluminium, Kalkphosphid, Selen und auf 
der Bildung eines alkalischen Bulphids aus den vorhandenen 
Sulpbaten beruht. Dunkelgelbe Gläser werden die Zersetzung 
einer HöUensteinlösung verhindern, wenn organische Substanz 
zugegen ist; aber Lösungen, die frei sind von jeder organi- 
schen Substanz, halten sich ebenso gut in weissen Flaschen 
mit Glasstöpsel. 

In einem andern Artikel über farbige Glasgefässe 
berichtet Wilder, dass Kot her ein Beispiel für die Nütz- 
lichkeit der bemsteinfarbigen Gläser beibringt Ein Theil 
Einotinctur hielt sich in einem solchen Glase gut, wahreod 
der Inhalt des gewöhnlichen Standgefasses gelatinirt war. 
Da sehr viele Präparate (Tincturen, ätherische. Oele, einige 
vegetabilische Pulver und Chemikalien) lichtempfindlich sind, 
so sollten bernsteinfarbige Gläser in grosser Anzahl als 
Standgefasse angewandt werden. Die oben erwähnte Beobach- 
tung von Herschel bildet keinen Einwand, denn die Com- 
plementärfarbe von Gelb ist roth, und diese Farbe haben nnr 
wenige pharmaceutische Artikel. • 

Blaue Gläser wären geeignet für Externa und Gifte, z. B. 
Liquor Ammon. caust., Acid. oxalic. 

Weisse Gläser für den ganzen Best. 

Das Publicum verwendet oftmals so gefärbte Gläser, die 
Gifte oder dergleichen enthalten haben, zu andern Zwecken, 
und es ist oft schwierig, die Leute zu veranlassen, so hübsch 
bunte Flaschen gegen simple weisse umzutauschen. Es müsste 
eine Erfindung gemacht werden, welche an Grift enthaltenden 
Flaschen angebracht werden und als ünterscheidungsmari^e 
dienen, aber entfernt werden kann, wenn die Gläser zu ande- 
rem Zwecke dienen sollen. Der Vorschlag von Bake 8, 
Signaturen mit Sandrändem dafür anzuwenden, ist ein Schritt 
in der richtigen Direction, aber es ist etwas Dauerhafteres 
erforderlich wie aufgeklebtes Papier. {American Joumd of 
Pharmacy. Vd.XLIX. i. Str. VolVIL 1877. pag.69ieq. 
und poff. 98 seq.) K 

Ermittelung Ton ftldnuaSl Im Copairabalsanu 

John M. Maisch bemerkt, dass die von Wayne vo^ 
geschlagene Methode : Bicinusöl im Gopaivabalsam durch Peiio* 
leumbenzin zu entdecken, trügerisch ist. Man soll von PötrcH 
leumbenzin das dreifache Volumen des verdächtigen Balsams 



Snaittelung von Eicinuflöl im Co^Miivabalsaiii. 463 

nehmen und Bchütteln, ist Kicinosöl zugegen, so soll sich eine 
milchige Mixtur bilden , die sich schnell in zwei Schichten 
trennt, von welchen die untere alles Ricinusöl enthält. Maisch 
hat yerschiedene Copaiyabalsame mit dem gleichen Volumen 
Ricinusöl gemischt, mit dem drei- bis Tierfachen Volumen 
Fetroleumbenzin geschüttelt und immer eine klare Lösung 
erhalten, die auch klar blieb und nach Tagen und nach 
Wochen keinen Sodensatz bildete. Bowman giebt an, dass 
durch grössere Mengen Benzin das Bicinusöl vom Copaiva- 
balsam getrennt werde und dass Copaivabalsam allein mit 
der hinreichenden Menge Fetroleumbenzin eine trübe Mischung 
giebt, aus welcher sich ein flockiger Bodensatz bildet. 

Als reiner Copaiyabalsam in Petroleumbenzin gelöst wurde, 
stellte sich heraus, dass bei dem achtfachen Volumen des letz- 
tem die Lösung noch völlig klar blieb. Bei dem neunfachen 
Vol. Benzin trat eine leichte Trübung ein, welche bei mehr Ben- 
zin starker wurde, nach etwa einer Woche wurde die Flüs- 
sigkeit wieder klar und es setzte sich eine transparente har- 
zige Substanz ab. VITar der Balsam mit Bicinusöl vermischt, 
HO trat bei dem neunfachen Volumen Benzin eine Trübung 
ein, nach zwölf Stunden setzte sich eine ölige Flüssigkeit ab, 
die an Menge dem zugesetzten Bicinusöl entsprach. 

Zu dem genannten Zwecke ist demnach Fetroleumbenzin 
brauchbar, aber es muss das zehnfache. Volumen angewandt 
werden. Es ist aber zu beachten, dass auch bei reinem Bal